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Michael Haydn

Pflicht und Neigung

Was ich damit meine: es hat keinen Sinn, immer nur die Geschichte von Mozarts Freundschaftsdienst gegenüber Michael Haydn zu erzählen und seine beiden Duos zu rühmen, ohne die vier zu kennen, die er damit zu einem Sechserpack ergänzte (siehe u.a. hier). Wir erweisen also dem jüngeren Bruder des großen Joseph Haydn die Ehre, genau so, wie es Mozart tat. Wobei wir nicht wissen, ob dieser die 4 Duos kannte, denen er seine beiden (KV 423 und 424) anschloss. Und ob der (selbst geigende) Erzbischof nicht den Längen- und vor allem Größenunterschied auf Anhieb erkannte, falls er sie wirklich alle durchgesehen oder sogar musiziert hat. (Michael Haydn spielte Bratsche! siehe MGG.) Immerhin: nach C-dur, D-dur, F-dur und E-dur passten die nahgelegenen und noch „freien“ Tonarten G-dur und B-dur recht gut in die Serie.

Michael Haydn bei Wikipedia hier. Interessant auch der Artikel über den Fürsterzbischof Hieronymus von Colloredo, den man vorwiegend als Mozart-Verächter kolportiert, nicht als einen intelligenten Herrscher, der versucht hat, aus Salzburg „einen Vorort der Aufklärung im katholischen deutschen Sprach- und Kulturraum zu machen“.

(Fortsetzung folgt)

Neu 15. Nov. 2018 Zum Vergleich:

 Anton Steck & Christian Goosses

Phantastische Musik, hinreißend gespielt, betörend sauber. Wenige „kritische“ Stellen der Violine in höchster Lage, der Darm-E-Saite geschuldet. Man ist dankbar auch dafür, denn ein Hauch von Erdenschwere darf noch spürbar sein, sonst ist die Vollkommenheit kaum zu ertragen. Eine perfekte Unterhaltungsmusik, eine sanfte Kontrapunktik zu zweit, die man von A bis Z in doppeltem Gedankengang mitfühlen kann. Es ist falsch, von Geigensoli mit Bratschenbegleitung zu sprechen, dieser samtenen Unterfütterung, die sich unversehens zur Lieblingsstimme profiliert. Man ist sogar froh, dass die Bassregion kompositorisch ausgespart ist. Ich höre diese Musik jeden Morgen, vielleicht um eine mentale Leichtfüßigkeit zu gewinnen. Aber ich erinnere mich auch an die Haydn-Sinfonien im Fugger-Saal von Kirchheim. Dieser Haydn bedurfte nur zweier Streicher für ein geniales Ganzes, – vielleicht spielt der Booklet-Verfasser Andreas Friesenhagen auch deshalb mit dem berühmten Bach-Titel „Sei Solo“: die darauf folgenden Worte „Violino senza Basso“ darf man dank der Viola vergessen.