Kategorie-Archiv: Allgemeines

Verschwörung X

Kondensstreifen und anderer Zauber

Die folgenden Fotos habe ich im September 2019 in Südtirol gemacht, in diesem Jahr habe ich vergeblich Ausschau gehalten, – Corona hat den Flugbetrieb minimiert.

Ich hatte damals noch nicht davon gehört, dass sich auch Verschwörungstheoreriker dieses Phänomens annehmen, heute gab es mal wieder allerhand Aufklärung bei Lesch & Steffens, allerdings findet man im Fall der Kondensstreifen in einer anderen Quelle ein etwas anderes Ergebnis: HIER.

Ich will kein Misstrauen säen, aber etwas hat sich in den Sendungen der beiden Autoren verändert. Sie versuchen die Inhalte anders zu „verkaufen“, vermutlich im Bemühen um noch größere Volksnähe, sie inszenieren sich, bemühen sich in kurzen Dialogen als Selbstdarsteller. Unnötig. Schon glaubt man ihnen nicht mehr aufs Wort und schaut zur Kontrolle – ins Internet. (Nein, Quatsch!) Die Forscherin Giulia Silberberger (ab 17:30) blieb natürlich, Pluspunkt, dass sie beiläufig ihre private Erfahrung mit Zeugen Jehovas einbrachte. (Unter Verschwörern werden Neulinge mit Liebe überschüttet, Zweifler mit „hate bombing“. Ich denke zurück an unsere Begegnung am Völser Weiher hier . Die eigene Anfälligkeit für wirre Fakten, wenn die Übermittlerinnen „nett“ sind, aus Ostberlin kommen und Anngst haben. Gestern sah ich ein Buch ihres Vordenkers Sucharit Bhakdi als Nr.1 Sachbuch auf der SPIEGEL-Bestsellerliste). Ansonsten sehr aufschlussreich die Reaktionen der Zuschauer im Anhang des Youtube-Videos. Viele „überlegene“, leicht gönnerhafte Konsumenten. (Extern hier)

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Heute Lektüre beendet: Charles Taylor. „Multikulturalismus und die Kultur der Anerkennung“. Hervorragend! Problematik der Rechtslage von Minderheiten auch in vernünftigen Demokratien. Einleuchtendes Beispiel Kanada (Quebec). Man ist begierig die anschließenden, im Buch abgedruckten Kommentare zu lesen. Und am Ende Jürgen Habermas. Siehe hier „Mensch und Menge“. Und nochmals – eingedenk der Anregung – Süddeutsche Zeitung / Thomas Steinfeld vom 23. September.

Kommen die Konzerte einfach wieder??? Nein!

Was tun?

Wenn man die Salzburger Festspiele oder ähnliche Vorzeige-Events betrachtet, könnte man ja anderer Ansicht sein. Aber das kulturelle Leben eines Landes besteht nun einmal aus den zahllosen kleineren Veranstaltungen, die völlig unterschiedliche Segmente der Öffentlichkeit bedienen und gar nicht darauf zielen, jemals ein Millionenpublikum zu erreichen. Ja, es sind vielleicht die entscheidenden Segmente der Bevölkerung unseres Landes, die damit zu tun haben. Man muss – abgesehen vom Elternhaus – nur an die unerhörte Ausstrahlung der Musikschulen denken, in denen unser Nachwuchs zum ersten Mal erfährt, was ein Konzert ist. Aufmerksames Darbieten und Hören von Musik. Insofern ist alles brisant, was man aus den besonderen Szenen außerhalb der Medien erfährt, und man kann sich keineswegs damit trösten, dass „Hochkultur“ sich von selbst behaupten wird und im Falle einer Existenzbedrohung rechtzeitig mit Hilfsmaßnahmen rechnen kann. Sie lebt und stirbt auf dem Boden der Stille. Mit Hochkultur ist hier nichts Elitäres gemeint, sondern das Ergebnis professioneller künstlerischer Arbeit, die in der Ausübung und in der Wahrnehmung einer sorgfältigen Pflege bedarf.

Unter diesem Aspekt ist ein Zeitungsartikel wie der, aus dem ich hier ausführlich zitieren möchte, von größtem Wert, so dezent er beim Lesen wirkt; es ist ein Fanal, ein Notruf, der nicht weniger sensationell wirken dürfte als die Schlagzeilen über Corona und Klima. Eine Hiobsbotschaft, die im Moment weniger lebensbedrohlich scheint, aber die Menschheit ebenso akut betrifft: Wo Kultur stirbt, grassiert die Dummheit.

Da wird in der Süddeutschen Zeitung eine Konzert-Managerin befragt, die unsere (!) Lage aus dem Alltag kennt. So kann man sagen, auch wenn die Antwort aus einer Landeshauptstadt kommt, wo die Situation vielleicht weniger katastrophal ist als in Giessen, Gummersbach oder Gelsenkirchen. Alexandra Schreyer betreibt die Bell’Arte Konzertdirektion in München. Die erste Frage lautet:

„Die Theater öffnen wieder, die Oper gibt Vorstellungen, in den Konzertsälen wird wieder gespielt. Sind das nicht tolle Nachrichten?“ Antwort: „Das sind vor allem die Wirklichkeit verzerrenden Nachrichten. Es handelt sich um öffentliche oder halböffentliche Institutionen und Rundfunkanstalten, die unter den derzeitigen Bedingungen Kultur veranstalten. Wir Privatveranstalter müssen da schon genauer rechnen, und dabei kommt heraus, dass wir nicht vor halb leeren Sälen spielen können.

Nächste Frage: Viele Konzerte werden nun zweimal hintereinander gegeben, so dass doppelt so viele Besucher kommen können. [Eigentlich eine reichlich naive Frage: Doppeltes Honorar für die Künstler plus Erhöhung der laufenden Kosten?]

Antwort: Auch das rechnet sich nicht. Dafür dürfen zu wenige Menschen in den Saal, und wir können auch nicht die Künstler zwingen, für eine Gage zweimal aufzutreten. Das ist eine große Belastung für die Künstler, und einige sagen mir auch ganz direkt, dass sie nicht vor halb leeren Sälen spielen und dazu noch in lauter maskierte Gesichter schauen können. Musik ist keine einseitige Angelegenheit, da muss eine Kommunikation stattfinden. Zwischen Künstlern und Publikum, aber auch innerhalb des Publikums, beim gemeinsamen Essen danach.

[Jetzt wird es spannend. Ich höre im Geiste despektierliche Bemerkungen, von notwendigen Opfern für die Kunst und starrem Festhalten an hoheitlichen Privilegien. Ich wappne mich schon zur Verteidigung des sicheren Umfeldes der Kunst, das – im Gegensatz zu Notlagen – die Entfaltung ermöglicht oder zumindest begünstigt. Und dann kommt eine Antwort, die so richtig ist, dass es mir, einfach weil davon die Rede davon ist, die Tränen in die Augen treibt. Aber wie oft habe ich solche Konzerte erlebt, in denen die atemlose Gegenwart eines intensiv hörenden Publikums untrennbar zum Gesamterlebnis gehörte! Und man wusste, wo im Saal befreundete Menschen sitzen und das Erlebnis teilen. Und dass man sich nachher darüber austauschen wird.]

Frage: Kommen die Leute denn nicht wegen der Musik?

Antwort: Nicht nur. Die wenigsten kommen allein. Familiäre Bindungen werden da gepflegt, so ein Konzertabend ist sehr viel mehr als das Anhören von Musik. Und wie soll man den Leuten erklären, dass zwar eine „Wirtshaus-Wiesn“ mögich ist, aber nicht einmal ein Getränk im Gasteig? Für die Konzertbesucher ist das schlimm. Das Gemeinschaftserlebnis eines friedlichen, inspirierenden Konzertabends ist nicht mehr möglich. Das soziale Umfeld auch von älteren Leuten bricht zusammen. Das ist alles viel schlimmer, als sich das Politiker gemeinhin vorstellen. Wenn sie die Menschen nach einem Konzert weinen sehen, nicht nur wegen der Musik, denn verstehen sie, dass es da um ein sehr analoges menschliches Grundbedürfnis geht, um menschliche Nähe, um Gesellschaft und Vereinzelung.

/ Das klingt fast so, als wäre das Konzertleben wichtiger als die Lufthansa (gute Provokation!) / 

Darüber könnte man auch angesichts der Klimakrise mal nachdenken. Ob Kultur nicht mehr für die Vernetzung und den Zusammenhalt einer friedlichen Gesellschaft beiträgt, ob sie nicht mehr ist als das Sahnehäubchen einer Wohlstandsgesellschaft. Ob ein Konzert nicht mehr zur Stabilisierung der Zivilisation und unserer Demokratie beiträgt als ein Geschäftsflug nach New York oder ein Partyflug nach Ibiza. Rein wirtschaftlich muss man sehen, dass die Veranstaltungsbranche der fünftgrößte Wirtschaftszweig ist in Deutschland.

Quelle Süddeutsche Zeitung 30. September 2020 Seite 9 „Ein Konzertabend ist sehr viel mehr als das Anhören von Musik“ Die Coronamaßnahmen zerstören derzeit die Kulturszene. Die Münchner Konzertveranstalterin Alexandra Schreyer beschreibt die verzweifelte Lage / Interview: Helmut Mauró

Man sollte das Interview online ohne Bezahlschranke abrufen können. Ich zitere nur noch die wenig optimistisch stimmenden letzten Sätze der Agentin:

Die Orchester drohen auseinanderzufallen, die Künstler kommen nicht mehr zum Publikum und dieses zerstiebt ebenfalls. Die Verwerfungen sind international, die schlimmsten Auswirkungen werden uns erst nächstes Jahr erreichen. Wenn man nicht rechtzeitig reagiert, wird sich der private Sektor des Kulturlebens erst nach Jahren wieder halbwegs erholt haben.

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Was Sir Simon Rattle anlässlich eines Konzertes ohne Publikum am 4. Juni 2020 Im BR über die Situation der Orchester und – über die Zukunft der Flug-Touren gesagt hat:

BR-KLASSIK: Sir Simon, Sie dirigieren hier im BR ein Konzert ohne Publikum. Mit welchen Gefühlen gehen Sie an dieses Konzert heran, und wie haben Sie die Proben erlebt?

Simon Rattle: Vor allem mit sehr viel Freude. Es ist der erste Fuß, den ich wieder ins Wasser setze – seit dem Lockdown dirigiere ich nun zum ersten Mal. Ich habe nur ein, zwei Mal am Klavier musiziert. Schon die Ankunft der Streicher hier im Funkhaus am ersten Probentag war wirklich berührend. Wir fühlten uns alle irgendwie erlöst, wie bei einem Festessen nach einer Hungersnot.

(…)

BR-KLASSIK: Gibt es Dinge im Musikbetrieb, die sich Ihrer Meinung nach jetzt grundlegend verändern?

Simon Rattle: Ich glaube, dass sich vieles stark verändern wird. Ich nehme an, dass intensives Touren um die Welt in den nächsten fünf Jahren so nicht mehr möglich sein wird. Das London Symphony Orchestra sollte nächstes Jahr unglaubliche 99 Tage auf Tour sein. Und da habe ich die nationalen Gastkonzerte noch nicht mitgezählt. Das ist auf keinen Fall aufrechtzuerhalten, auch wenn das Orchester eigentlich nur so überleben kann. Langfristig erwarte ich nicht, dass Orchester weiterhin rund um den Globus fliegen werden.

Quelle: Hier

Also – was tun?

Berthold Seliger zur aktuellen Situation der Kulturpolitik 12. Oktober 2020

 Abzurufen HIER

I. Verschiedene Formen der Ungleichheit innerhalb der Konzert- und Kulturszene
II. Wann werden Tourneen wieder stattfinden können? Wie ist die Situation der Konzertveranstalter*innen, Agenturen und Kulturarbeiter*innen?
III. Zur Analyse und Kritik der Kultur-Fördermaßnahmen unter besonderer Berücksichtigung der Maßnahmen der Bundesregierung
IV. Was tun? Plädoyer für einen Neustart Konzerte – Draußen / Drinnen

Erster Teil vorweg: HIER

Bloße Meinungen

Was einem ohne Begründung durch den Kopf geht

(ergänzende oder kontrastierende Fotos eingefügt)

Sympathie?

Zum Beispiel, dass die Kultursendung des ZDF eine von A – Z kontraproduktive, diskulturelle Sendung ist. Aspekte, die man zu Schmiedings Zeiten etwas überanstrengt fand, etwas sympathisch, aber auch etwas künstlich auf Niveau getrimmt. Und heute die schiere hochtiefkulturelle Verlegenheit, eine Wagner-Sängerin als Entdeckung präsentieren, aber sich nicht trauen, eine einzige Zeile Walküre voll auszukosten. Dann Wolfgang Niedecken, weil sie glauben, was in Köln eine Rolle spielt und nach Pop klingt, müsste auch vor großem Publikum funktionieren. Und dann nicht einmal versuchen, eine einzige seiner kölschen Strophen per Untertitel inhaltlich zu übermitteln, nur sein fortwährendes Gelaber über Klima, Kinder und Enkelkinder, man müsse nun die Verantwortung übernehmen, dass man denen eine solche Welt hinterlässt. Stimmt! Sowas kann man endlos produzieren, beliebig, sinnlos, – Köln wird überschätzt. Niedecken wird überschätzt, seit er sich einmal im Fernsehen mit dem überschätzten Heinrich Böll unterhalten durfte.

Dokumentarfilm: „Ich bin Greta“ – Die Klimaaktivistin kommt ins Kino / „XES“ Ein Comic über Sexsucht – Von der Einsamkeit des Süchtigen / Vernichtung der Indianer – Ein Chief aus Kanada spricht Klartext / Gast: Luisa Neubauer; Live: BAP /

Man könnte endlos meckern und schimpfen, was einem da zugemutet wird. Sogar Luisa Neubauer, porzellanig-schön wie eh und je, spricht ungeschickt und papieren brisante Inhalte. Wie die ganze Sendung: unzulänglich präsentiert, ungenau, und inwiefern Greta persönlich? weniger gescheitelt? also nur wie sie wirklich ist? Sie ist – wie könnte es anders sein: anders. Aber will das jemand wissen, wenn der Arsch brennt, und nicht nur das ferne Australien, oder Californien. Und diese unbedarfte Moderatorin, Katty, natürlich nicht Kathi. Ist mit Niedecken per du. Köln ! Was hat sie eigentlich gelernt. Französisch. Um auch in dieser schönen Sprache notfalls den gleichen Unsinn zu produzieren, den sie schon auf Deutsch von sich gibt? Sie hat nichts gelernt, wie Freund Jo, immer nur Medien, irgendwas mit Medien, solche Leute kommen meist aus Karlsruhe, und dann haben sie bei Viva moderiert, und dann bei EinsLive, zur Not einen Medienpreis für Volksnähe eingeheimst, und dann darf man mal Igor Levit auspressen, der auch nichts zu sagen hat, oder Lang Lang in Arnstadt, weil er nun auch mal die Goldberg-Variationen auf den Markt hat werfen wollen. Nein, das weiß er ja medienwirksam auch, nein, um Glenn Gould kommt keiner herum, denkt ja fast jeder, ich zum Beispiel nicht. Und diese schreckliche Lang-Lang-Demut im heiligen Bach-Ambiente, Kultur aber soll doch eher leicht sein, daher das ewig-kindliche Grinsen und Gänsehautgerede. Ich will’s nicht mehr hören.

Dumont Kunstführer s.a. hier

Foto: E.Reichow

Aufbruch zum Völser Weiher. Ohne Eile, das darf Stunden dauern, das schönstmögliche Panorama, wie heißen noch die letzten Spitzen des Schlern-Massivs? „Die 2.413 m hohe Santnerspitze und die 2.394 m hohe Euringerspitze“. Vorgelagert bis zum Waldsaum in der Tiefe diese unglaublichen, abgründigen Rundungen, die weichen und weiten Mulden und Wölbungen in sattem Grün, wenige Kühe in der Tiefe des Raumes verteilt. Wie in einem vielfach verbogenen Amphitheater.

Liegen sie tatsächlich  wie Violinschlüssel hingestreckt, oder hat Musil nur das Wort und das Zeichen übermitteln wollen, das ich nun nie mehr  von den Almen lösen kann. Grigia. Die Portugiesin – war schon schwieriger – und Tonka, bei der Wiederbegegnung wie schon 1965 etwas ärgerlich. Mein Fehler, es als Darstellung der problematischen Überlegenheit des männlichen Protagonisten zu lesen. Warum diese hohe, halb theoretisch-rationale, halb expressionistische Sprache, ohne als Psychoanalyse zu funktionieren. Draußen auf den Bänken diese Quo-vadis-Sprüche, sie wollen uns nachdenklich machen, ungebeten. Mit Gauguin und Nachfolgedenkern. Woher kommen wir, wohin gehen wir. Wer sind wir. Ein großer Maler zweifellos, irgendwie altägyptisch. Ausgerechnet der fragt sich das, im damals nicht so recht funktionierenden Paradies Tahiti.

Woher kommen wir?

Und hier in rostigem Blech noch ein Seneca-Spruch. Wie tief das alles, angesichts der gewaltigen Natur, die man nicht verleugnen kann. Im Dumont-Kunstbuch gestern früh der großartige Bericht über die gotischen Fresken in Burg Runkelstein, intensive Beschwörungen des höfisch-ritterlichen Lebens, Maximilian I. der letzte Ritter hat es schon restaurieren lassen, fand es wertvoll. Was, wenn man dies weiterhin überall propagiert hätte, über die Jahrhunderte hinweg – Tristan und Isolde – statt der schrecklichen Märtyrer-Geschichten in all den alten Kirchen? Die Drohung mit Fegefeuer, Abschneiden von Körperteilen, die allgegenwärtige Todesangst, das Sterbenmüssen und Menschenquälen als vorbeugende Maßnahme allüberall praktiziert, um jeden gefügig zu halten. Nicht Minne und stolze Sitte. Hier in diesen Bergen ist die Sagenwelt meiner Kindheit zuhaus, Zwerg Laurin, Meister Hildebrand, Dietrich von Bern, Bern soll Verona bedeuten, der böse Erzbischof von Trient, auch in Musils „Portugiesin“ gemeint? Im Restaurant am Völser Weiher die Reproduktionen (vonwegen!!! Ignaz Stolz! siehe Textfoto oben aus Kunstführer) der heldischen Ölschinken des 19. Jahrhunderts, Hildebrand und Dietrich beim Hinmorden der Zwerge, deren Rosengarten sie zerstört haben, per Pferd der Raub einer Frau, deren Namen (Isenhilde? recherchiert: sie hieß SIMILDE) ich nie gehört hatte. Hier gibt es genau die Spaghetti al pesto, die ich vom Vorjahr in Erinnerung habe, mit satt ausreichend Öl. Am Nebentisch zwei Frauen, jung und mittelalt, keine Engstfreundinnen, wie wir erst dachten, sondern eher Mutter und Tochter, sie zischeln abwechselnd, dass in der Politik nur noch Homos und Lesben zu Amt und Würden kämen, schon der abfällige Ausdruck Greta Thunfisch hätte uns vorwarnen müssen, die weiß nix über lebensnotwendiges CO2, die lächerliche Genderisierung allenthalben, dann der Vergleich der beiden Demonstrationen in Berlin, das Unrecht in der Berichterstattung, obwohl die Klima-Typen alle unmaskiert und viel zu dicht beieinander usw., Corona sowieso alles Fake, wie man an SARS beweisen kann. Niemand habe das in den Medien moniert, die sind ja auch durchweg unterwandert! Aber all dies kam von Tisch zu Tisch vielleicht nicht so geballt rüber wie in meiner Rückerinnerung. Ganz viele Fakten, die wir nie gehört hatten, wir Ahnungslosen, und hier sozusagen aus erster Augenzeugenquelle, die beiden kommen aus Ost-Berlin. Ich fange an, mir was zu notieren, und sie helfen mir auf die Sprünge. Man hilft mir gern. Die Damen sind auch derart beschlagen, zudem enorm mitteilungsfreudig. Und sehr aufgeschlossen, fast freundlich zugewandt. Sie haben Corona-Angst, Test-Angst, Zwangsteste, vor allem, dass die Grenzen bald zu sind, „nein, meine DNA geb ich doch nicht her“. Slowenien war zu, die Tschechei, jetzt Luxembourg. Jetzt Tirol, das macht doch hier im Süden nicht halt! Die jüngere zeigt mir im Smartphone Dokumente der Bundesregierung, Heiko Maas hat das noch mit ausgearbeitet und dann hat man es aus dem Blickfeld verschwinden lassen, denn wir sind alle auf dem Weg in die absolute Gedankenkontrolle. Die wichtigsten Fakten werden schon gelöscht. „Was, das haben Sie nicht mitbekommen?“ Ich staune über das Detailwissen, sage aber probeweise das warnende Wort „Verschwörungstheorie“, ohne es anklagend zu meinen, nur als Versuchsballon, keine beleidigte Reaktion, ja, überhaupt keine, was etwas auffällig ist. Als ob sie das schon kennen. Das Wort Atlantikpakt. Claus Kleber! Ja, da stimme ich zu, – dessen unangenehme Berichterstattung, wie er bebend vor kaum verhaltener Erregung seine Nachrichten übermittelt. Ich sage „Kassandra“. Das mögen sie nicht, vielleicht weil es femininum ist. Oder zu positiv. Ich habe auch Bill Gates gesagt. Nein, sagen sie, Bhakti hat uns die Augen geöffnet, ja mit B-H am Anfang, Virologe, indonesischer Name. Servus-TV am 9. September, kann man bestimmt noch abrufen. Vor allem Thorsten Schulte, „fremdbestimmt“, grundlegendes Buch. Wer hat am Zweiten Weltkrieg verdient? Und jetzt? Alle einschlägigen Fakten im Internet werden automatisch gelöscht. Aber keiner will davon gewusst haben.

Völser Weiher

Faktencheck zuhaus. Jedes Stichwort gibt auf Anhieb die entscheidende Information frei: in allen Punkten sehr umstritten. Es dämmert uns, – lupenreine AfD-Nähe, aber absolut getarnt und abgedichtet. Wir haben nicht erkannt, dass wir darüber doch schon allerhand Berichte gehört haben. Da ging es um die Löschung volksverhetzender Beiträge in Facebook.

Zur speziellen Meinungsbildung:

Wer ist Sucharit Bhakdi: hier. Und in Servus TV (50 Minuten) hier. Atlantikbrücke hier . Thorsten Schulte („Fremdbestimmt“) hier. 2012 Risikoanalyse Pandemie durch Virus 17/12051 hier (Seite 5 und Seite 88)

Netzwerk Durchsetzungsgesetz hier. Oder auch hier (Heiko Maas).

Fazit: Achtung AfD-Nähe Weiteres über die Hintergründe hier bei LANZ.
Neutraler Ausklang

Nicht ohne beachtliches Fegefeuer

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Eine Wiederholung (als Übung, aus dieser Thematik rauszukommen): HIER (26.11.2019)

Eine spätere Lehrstunde über Verschwörungstheorien bei LANZ: Hier (erstellt 1.10.2020)

Wilde Auswahl (März Charts)

Bitte überspringen!

Dieser Artikel muss wirklich nicht sein, er entspringt dem mutwilligen Entschluss, einen Zeitungsartikel (der womöglich absurden Gedanken nachhängt, was mir selbst auch oft genug passiert) ernst zu nehmen, nur weil ich probeweise alles ernst nehme, was jemand zur Musik sagt. Es ist ja Indiz für irgendetwas, was sich schwer in Worte fassen lässt, – wie jeder weiß, der sich mit Musik verbal beschäftigt.

Und so entstand ein virtuelles Arbeitspapier, das mir gestattete, das zu hören, wovon die Rede war. Drei Musikstücke, Muskstile (?), Einzeltitel, die für viele Menschen etwas bedeuten, denn sonst stünden diese Titel ja wohl nicht in „den Charts“ (deren Entstehungskriterien jetzt für mich nicht zur Debatte stehen).

 Süddeutsche Zeitung 29./30.August 2020

Normalerweis würde ich kurzen Prozess machen, aber da ich nun mal mit Vogelstimmen leicht zu fangen bin, bleibe ich hängen. Einem Gesprächspartner hätte ich vielleicht entgegnet, man müsse unbedingt klären, was wir unter „gute Musik“ verstehen. Das hat doch mit Neurowissenschaft herzlich wenig zu tun, nicht wahr? Lass uns über „Bedeutung“ reden. Warum wir Vogelgezwitscher lieben und das Piepsen der Weckers hassen? Weil das eine einem vergnügten Vor-sich-hin-Trällern gleicht, das andere aber einem nervigen Befehl, möglichst umgehend das gemütliche Bett zu verlassen. Wenn der elektronische Wecker listig mit Vogelgezwitscher gespeist wäre, würde dies in Kürze genau dieselbe Funktion des ärgerlichen Weckrufes übernehmen. Es hätte eine andere Bedeutung bekommen.

Ob das Gehirn Musik und Sprache in lauter kleine Pakete verteilt, interessiert mich nicht im geringsten, wenn die Großpakete so gestaltet sind wie die in den folgenden Links und Texten abrufbaren. Ich höre sie allerdings sozusagen im wissenschaftlichen Auftrag und verweigere nur die große Arbeit, die am Ende herauskommen könnte.

Im Namen der Liebe

Unser Traum ist kein Traum, im Namen der Liebe
Wir sind wir, wir sind hier, wir sind nicht allein
Stopp, im Namen der Liebe
Hass hat Hass nie besiegt, lass es Liebe sein
Top, wir können nicht verlieren
Weil ein Herz, das liebt, keine Grenzen kennt
Unser Traum ist kein Traum, er ist wahr
Es gibt nichts, was uns trennt

Halt die Welt mal an
Weil so, wie es grad ist, nichts bleiben kann
Und selbst wenn der Schein uns trügt
Ich will, dass über uns der Himmel blüht
Schieß‘ den alten Plan in die Umlaufbahn
Nichts steht wirklich still und ich will
Und wenn ich will, geschieht ein Wunder

Unser Traum ist kein Traum, im Namen der Liebe
Wir sind wir, wir sind hier, wir sind nicht allein
Stopp, im Namen der Liebe
Hass hat Hass nie besiegt, lass es Liebe sein
Top, wir können nicht verlieren
Weil ein Herz, das liebt, keine Grenzen kennt
Unser Traum ist kein Traum, er ist wahr
Es gibt nichts, was uns trennt
Es gibt nichts, was uns trennt

Was du siehst, das will ich sehen
Und das, was du verstehst, will ich verstehen
Du bist du und ich bin ich
Zusammen sind wir zwei ein Schwergewicht
Eins und eins macht zwei
Wir sind jetzt und frei
Was uns fehlt ist Mut, es wird gut
Und wenn wir wollen geschehen Wunder

Unser Traum ist kein Traum, im Namen der Liebe
Wir sind wir, wir sind hier, wir sind nicht allein
Stopp, im Namen der Liebe
Hass hat Hass nie besiegt, lass es Liebe sein
Top, wir können nicht verlieren
Weil ein Herz, das liebt, keine Grenzen kennt
Unser Traum ist kein Traum, er ist wahr
Es gibt nichts, was uns trennt
Es gibt nichts, was uns trennt

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Zur „Arbeit“ gehört, alle nur erreichbaren Fan-Kommentare zu lesen und zu deuten. Und da liegt auf der Hand, dass die Texte zur Kenntnis und für bare Münze genommen werden. Die Aussage ist scheinbar sehr klar, sie liegt auf der Linie, die auch im Fußball als Slogan vorgegeben wird und dort recht sinnvoll wirkt, da sie die Beleidigungen dunkelhäutiger Profispieler als Thema zuspitzt. Man sieht z.B. auch eine lange Reihe von realen Spielerportraits, deren Autorität den Slogan verstärkt („gibt dem Hass keine Chance!“ o.ä.). Dann kommt das reale Spiel, und das Publikum kann beweisen, ob es kapiert hat, was gemeint war. Wenn man das Video dieses Schlagers oberflächlich betrachtet, könnte man glauben, es sei ähnlich angelegt. Sympathie für Fremde! Daraus kann man sich aber ausklinken, zumal der Text so allgemein gehalten ist, dass man jeden Inhalt hineindeuten kann: „Im Namen der Liebe: Hass hat Hass nie besiegt, lass es Liebe sein, Top, wir können nicht verlieren“ usw., letztlich dürfen wir die frommen Wünsche auf zwei Personen reduzieren und alle anderen ausschließen. „Eins und eins macht zwei – Wir sind jetzt und frei“. Freundliche Begegnungen allenthalben, selbst Kopftücher inbegriffen, bunte Großstadt auf Grußabstand. Es hält sich alles im Rahmen des Beliebigen, wie in den alten Zeiten, als man so allgemein wie nur möglich hoffte „Wunder gibt es immer wieder“ (1970) oder sich noch schwammiger „Ein Bisschen Frieden“ (1982) wünschte. Und es gibt auch musikalisch keinen nennenswerten Niveau-Unterschied. Die Melodie „Im Namen der Liebe“ ist wie tausend andere. Der gemeinsame Nenner: Meidet Konflikte, habt euch alle lieb. Denkt euch nichts dabei.

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Heaven shall burn (Info über diese Gruppe bei Wikipedia hier)
1 Titel
HIER Heaven shall burn mit „Übermacht“

Übermacht (Text)

Absolute rule, reason alone did not prevail
Only one hope, your time is up
And all new entities will dawn
And they’ll be risen from no ashes
Merciless and adamant, all options gone
We are surrounded by the wolves

Es zwingt Dich auf die Knie
Vor Unerbittlichem stehst Du allein
Und voller Zweifel im Zustand der Angst
Endlich, beugt sich Dein Haupt der Übermacht

Du hast die Henker selbst gewählt
Hast jeden Widerstand aus Deinem Geist verbannt
Als die Jahre des Handelns verstrichen
Dein Tanz im Lügenreigen
Brachte Dein treues Herz zum Schweigen

Days of the green wolves dawning
A new hegemony ascending, survive at any cost
Like flies you’ll crowd around the only light
No storm will sweep away what you call safety
No war will swallow all your rapture
For generations, unfolding in obscurity
Lifted upward to the stars by collective heresy

Days of the green wolves dawning
A new hegemony ascending, survive at any cost
Now you know, time wasted is time lost

Es ist vorbei
Vor Unerbittlichem stehst Du allein
Und ohne Gnade hör‘ ich die Seelen brechen
Endlich, devot folgst Du dem Übergang

Did you never see the shadows?
Freedom from danger is no more
How could you fail to hear the echoes
The calling of impending doom?

Days of the green wolves dawning
A new hegemony ascending, survive at any cost
So much too late you saw and understood

Es zwingt Dich auf die Knie
Endlich, beugt sich Dein Haupt der Übermacht

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Ein Spiel mit der Rebellion, Identifikation mit der Übermacht, man will selbst gefährlich wirken, indem man an dieser gefährlichen Überwelt teilhat, das Unterliegen ist fingiert, gleich stehen sie auf und machen weiter, siehe Stillstand bei 3:03, man braucht das, um nicht gegen die Effekte abzustumpfen, Ästhetik der Horrorfilms, man lerne Näheres bei Wikipedia hier

Psychologisch ist der Clip und die Musik nicht so weit von Marianne Rosenberg entfernt, wie der Autor des SZ-Artikels meint, das eine ist die Heuchelei der Zärtlichkeit, das andere die der unzähmbaren Wildheit. „Das Tier in mir“.

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Rapper Fler hier bei Wikipedia
Am 20. März 2020 wurde Flers 16. Soloalbum Atlantis veröffentlicht.
Die zugehörigen Singles Shirinbae, Fame, Noname
(ein Disstrack gegen seinen ehemaligen Weggefährten Bushido),
Grind und Lost erreichten allesamt die deutschen Charts.
https://www.youtube.com/watch?v=MZXZ5seI7Rk Hier „Shirinbae“
https://www.youtube.com/watch?v=a0-0tOeigKg    Hier  „Grind“
https://www.youtube.com/watch?v=IvJd8P1yzMs      Hier „Vermächtnis“
.
Vermächtnis (Text)

Simes got that secret sauce

Wenn ich sterbe, ist das hier mein Vermächtnis (mein Vermächtnis)
Hoffe, ich bleibe der Straße im Gedächtnis (im Gedächtnis)
Wenn ich sterbe, spielt das hier kein Orchester (nein)
Mit paar Gangster chillen macht dich noch lang nicht zum Gangster (nein)

Wenn ich sterbe, ist das hier mein Vermächtnis (meine Legacy)
Hoffe, ich bleibe der Straße im Gedächtnis (so wie Maxim)
Wenn ich sterbe, spielt das hier kein Orchester (eh-eh)
Mit paar Gangster chillen macht dich noch lang nicht zum Gangster

Don-Bosco-Heim, ich war Maler und Lackierer (psst, psst)
Karte, BVG-Ticket, der Verlierer (Blick nach oben)
Meine Mama gab mir die Antidepressiva (Psychiatrie)
Wegen ihr bin ich so ein schlechter Diskutierer (kann nix dafür)
Reflektiere mein selbst nur in der AP (tick-tock)
Reflektiere mein selbst nur in dem Selfie (Paparazzi)

Seh‘ dich hier am Block niemals ohne einen Begleiter (heiße Luft)
Von dem Shisha-Rauchen wirst du bestimmt kein Fighter (pah, pah)
Deine Bitch ist mein Beifahrer (legendär)
Trag‘ den Carlo-Sweater wie’n Bulldozer (drip, drip)
Roli ist an mei’m linken Arm am Schimmern (pow, pow)
Hater schauen auf mein Insta, Kammerflimmern (Herzinfarkt)

Wenn ich sterbe, ist das hier mein Vermächtnis (mein Vermächtnis)
Hoffe, ich bleibe der Straße im Gedächtnis (im Gedächtnis)
Wenn ich sterbe, spielt das hier kein Orchester (nein)
Mit paar Gangster chillen macht dich noch lang nicht zum Gangster (nein)
Wenn ich sterbe, ist das hier mein Vermächtnis (meine Legacy)
Hoffe, ich bleibe der Straße im Gedächtnis (so wie Maxim)
Wenn ich sterbe, spielt das hier kein Orchester (eh-eh)                                                          Mit paar Gangster chillen macht dich noch lang nicht zum Gangster

Mein Outfit passt in das Schemata (immer fly)
Für die Vollidioten vom Dezernat (kleine Girls)
Deutsche Star-Producer nur Plastik-Beats (Plastik-Beats)
Keiner pu-pu-pumpt wie am Muscle Beach (keiner)
Rap ist straight seit dem ersten Take (huh, huh)

Ihr gebt mir Anerkennung mit eurem Hate (huh)
Live on Stage mit der Uzi-Waffe (klick, pow)
Dreißig Grad, ich trage die Gucci-Jacke (ja)
Deutsche Rapper biten MHD (wouh)
Rapper biten Rapper, Schneeballsystem (ja)
Guck mal, jeder bläst jetzt für die Radio-Plays (ay)
Doch hat mal angefangen durch die Carlo-Tapes (wouh)

Wenn ich sterbe, ist das hier mein Vermächtnis (mein Vermächtnis)
Hoffe, ich bleibe der Straße im Gedächtnis (im Gedächtnis)
Wenn ich sterbe, spielt das hier kein Orchester (nein)
Mit paar Gangster chillen macht dich noch lang nicht zum Gangster (nein)
Wenn ich sterbe, ist das hier mein Vermächtnis (meine Legacy)
Hoffe, ich bleibe der Straße im Gedächtnis (so wie Maxim)
Wenn ich sterbe, spielt das hier kein Orchester (eh-eh)
Mit paar Gangster chillen macht dich noch lang nicht zum Gangster

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Man könnte sagen, das ist einfach nur schlechte Sprache, Unterschicht, unbeholfen, mit einigen hochgegriffenen Vokabeln („Schemata“, „Vermächtnis“, „Orchester“, dies allerdings gereimt auf „Gangster“). Man könnte auch sagen, das steht in der Tradition des „poète maudit“, aber eher rückbezogen auf Villon als auf Verlaine, man darf an Kinski denken und einige Berufsprovokateure. Aber nur wenn man es als Provokation ganz hoch hängen will. Dagegen dürfte ein anderer sagen: Rap steht in der Tradition des klassischen Rezitativs (bei dem manche nur warten, wann endlich die „Musik“ beginnt). Oder im Gegenteil, Rilke abwandelnd: Hört euch die Rapper an, wenn erst das Singen begann, wie bald sie lügen. Dieser Mann wird nicht singen. Aber er verwendet auch keine Musik, an die man sich hängen könnte. Oder doch: ein Ostinato aus hochgesetzten klassischen Akkorden. Fetzen. Den Fans genügt eine rhythmisierte Sprache, die gegen Normen verstößt, aber mit fast musikalischem Nachdruck. Mit unwillkürlicher oder auch beabsichtigter Komik („keiner pu-pu-pumpt“). Man muss die Sprache hören, nicht lesen. Am Ende wird er hingerichtet, und man beginnt von vorn, aufmerksamer, spielt er das oder ist er das?!

Orchester in Corona-Zeiten

Ein Leserbrief

Quelle Zeitschrift „das Orchester“ Magazin für Musiker und Management Rubrik „Intermezzo“ Seite 55 September 2020

Siehe auch HIER im Blog am 1. Juni 2020

Es geht weiter: Solinger Tageblatt am 31. August 2020

Nono & Sciarrino / Hören & Lesen

Zum Weiterarbeiten (einige vorläufige Notizen)

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An dieser Stelle unterbreche ich die wiederholte Lektüre des Textes, um sie in meine persönliche Arbeitssituation einzubeziehen. Der Name Scherchen bedeutete mir etwas, seit ich mein Studium in Berlin begann, Frühling 1960, und – aus meiner optimistischen Sicht – wie immer in die wichtigste Phase meines Lebens eintrat. Dazu gehörte unbedingt die wirklich „Neue“ Musik, markiert durch die intensiv fortgesetzte Lektüre der „Philosophie der Neuen Musik“ von Theodor W. Adorno im Café Kranzler, verbunden mit halbstündlichen Kaffee-Bestellungen, eine Art Rausch. Der in Berlin beheimatete Mitstudent L.K., der die Uraufführung der Oper „Moses und Aron“ auf Band mitgeschnitten hatte (Skandal, Ansprache Scherchens an das randalierende Publikum), gemeinsamer Besuch mindestens zweier weiterer Aufführungen. Studium des Klavierauszugs „Moses und Aron“, dazu das Buch „Gotteswort und Magie“ von Karl H. Wörner 29.Nov.60, „Schöpfer der Neuen Musik“ von H.H.Stuckenschmidt 5.Dez.60, Begeisterung für Anton Webern, für „Wozzeck“ mit FiDi, Enttäuschung über Serielle Musik, die auch durch stetes Wiederholen (= „Einübung“) nicht attraktiver wurde usw. Nach dem Wechsel Richtung Köln alle Interessen fortgesponnen, u.a. Hermann Scherchens Buch „Lehrbuch des Dirigierens“ 8.Okt.61, LP Schönberg „Erwartung“ (durch stetes Wiederholen amalgamiert) und LP Violinkonzert mit Marschner, bei dem ich begann (u.a. Ursache für den Wechsel nach Köln). All dies hatte mit meinem eigentlichen (als vorläufig empfundenen) Studium „Schulmusik“ und „Germanistik“ wenig zu tun, bedeutete aber die wesentliche Motivation.

Was mich am obigen Booklet-Text und an der ganzen Produktion so affiziert, beginnt mit dem Titel „Leben in Anachronismen“, was in diesen Wochen zusammentrifft mit der eigenen Arbeit am Bartók-Text und dem Phänomen Bartók-Rezeption (schon in Berlin markiert, siehe folgende Seiten aus Adorno 1960, Gräter 1955).

 der erste Leitfaden (mit Protestnotizen!) s.a. hier Blatt 40/96

 lebenslange Folgen

(Fortsetzung folgt)

Zurück zum oben wiedergegebenen Booklettext Seite 6, rechte Spalte, der Zeile 10/11 angegebene Link „polifonica-monodia-ritmica“ ist hier abzurufen. Er beginnt so:

Vor, während und nach unserer Produktion von Luigi Nonos Polifonica-Monodia-Ritmica (am 7.-9.Februar 2005 im HR Frankfurt) ergaben sich unvorhergesehene, doch aus heutiger Sicht produktive Schwierigkeiten mit der Textform und Gestalt des Werkes.

Zu einem Teil erklären sie sich aus der relativ kurzfristig – nämlich noch im Aufführungsmaterial – von Hermann Scherchen, dem Dirigenten der Uraufführung 1951 in Darmstadt vorgenommenen Kürzung des ca. 18-minütigen Gesamtwerks auf ca. 8 Minuten Spieldauer, zum anderen waren sie Folgen des ersten großen Publikumserfolgs dieser Aufführung für den jungen Nono, aber wohl auch der Drucklegung durch Hermann Scherchen selbst bei seinem ars viva Verlag (später von SCHOTT übernommen).

(weiterlesen im vorher angegebenen Link)

Stichworte zur griechischen Vasenmalerei:

https://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Vasenmaler

https://de.wikipedia.org/wiki/Lieblingsinschrift

Comics auf griechischen Vasen? von Gesine Manuwald hier

Zitat:

Faßt man die Ergebnisse der vorgetragenen Überlegungen zusammen, ergibt sich, daß die griechischen Vasenmaler das szenische Sprechen ihrer Figuren mit den aus den Mündern entströmenden Buchstabenketten nicht quasi als Notlösung ‚naiv‘ gehandhabt haben. Die besprochenen Vasenbilder belegen, daß die Maler mit diesem formalen Mittel überaus kunstfertig umzugehen wußten. Sie konnten unterschiedliche Arten von Äußerungen optisch differenzieren, sie gestalteten die Buchstabenketten graphisch so, daß sie mit ihrer Form in die Interpretation des Bildmotivs eingehen, und sie haben sich durch die Verteilung der Texte auf die dargestellten Figuren die Möglichkeit geschaffen, im Einzelbild wie in einer Bilderfolge einen in der Zeit stattfindenden Handlungsablauf zu erzählen. Die dadurch erreichte narrative Qualität der Bilder ist in vieler Hinsicht mit der
eines Comic vergleichbar, wie die ausgewählten Beispiele zeigen. Im Unterschied zu
solchen Vasenbildern, die sich auf Ereignisse aus dem Mythos beziehen, erzählen diese Bilder mit ihren sprechenden Figuren ihre kleine Geschichte weitgehend selbst.

https://digi.ub.uni-heidelberg.de/diglit/furtwaengler1924/0009/scroll

Furtwängler, Adolf ; Reichhold, Karl ; Huber, Alois
Griechische Vasenmalerei: Auswahl hervorragender Vasenbilder aus dem gleichnamigen großen Werke (Tafeln) — München, 1924

Luigi Nono: Eunice hier

ZITAT: Iemanjá, Yemayá (andere Schreibweisen u. a. YemanjáYemojaIemoja) ist in der Religion der Yoruba, in der kubanischen Santeria und im brasilianischen Candomblé die Göttin (Orisha / Orixá) des Meeres und der Mutterschaft.

Quelle Wikipedia hier

Vorsicht, vielleicht irreführend dies hier

ZITAT (Scan):

Quelle: Struktur und Freiheit in der Musik des 20. Jahrhundertszum Weiterwirken der Wiener Schule / Hartmut Krones / Böhlau Verlag Wien 2002 

Cover

Biblioteca Marciana hier … „Marciana“

Schweigen aus Feuer (Pavese) hier (Quelle?)

 

… in Erinnerung an die Arbeit des Freundes Christian Schneider

Ethnologie im Alltag

Eine Sammlung 

Ich kam darauf, als ich heute die Zeitung las, ein Foto des wieder mal erfolgreichen Lewandowski, der zweisame Torjubel, hinter den beiden ausflippenden Kontrahenten die leere Zuschauertribüne, wie trostlos. Jedes „Geisterspiel“ im Fernsehen – wie jüngst Leverkusen gegen Mailand – wirkt wie ein Ersatzspiel, ein Spiel das – trotz Lukaku – ohne die riesige Echokammer des physischen Publikums ein Geisterspiel bleibt, ganz besonders mit Fanjubel-Einspielern wie hier. – In der Post die Ankündigung einer neuen Reihe der Pianistenelite, und man reagiert nicht enthusiasmiert, bis man den jungen Mann entdeckt, den wir nachts im Fernsehen wie aus der Nähe gesehen haben, Alexander Krichel, sympathisch moderierend, Beethoven, Liszt, im Autokino Iserlohn („Liebe Musikfreunde, sehr verehrte Damen und Herren, liebe Autos!“), ein ganz großes Talent, – will man ihn nicht lieber live aus mittlerer Nähe erleben? Ohne beifälliges Hupen und blinkende Scheinwerfer. Ich glaube nicht, da lag auch ein Merkblatt mit Coronamaßnahmen bei. Und dann so viele große Talente hintereinander, alle mit Tasten unter den Händen, aber das ist vielleicht nicht das, was unter den Nägeln brennt. Oder im Ernstfall dann eben doch?! Ist ein Musikleben ohne Konzertsaal oder Theater denkbar? Nur mit Medien? Oder unter Wasser zum Beispiel, bei sehr knappem Lebensraum? Ob die Buckelwale sich – singend – über weite Strecken auch mit Kunstwerken versorgen? Oder melden sie einander den topografischen Ort der auf Korallenriffen gestrandeten und auslaufenden Öltanker? Kann man sich der nagenden Verzweiflung erwehren?

Aus dem Garten die Rufe der Taube, Ringeltaube, Türkentaube, – was denn nun? dieselbe, die Erich Moritz von Hornbostel versucht hat zu notieren (bitte abbilden!) – sie nervt, weil sie eine Menschenstimme karikieren könnte, eine jammernde alte Frau mit ihrer Kopfstimme,

und immer dasselbe, mit diesem Abbruch auf dem „Auftakt“, das Vorläufige, das darin anzuklingen scheint, sie wollen ja nur das Eine – ich denke an die Kaluli in Papua-Neuguinea, wie Steven Feld die Vogelstimmen erforscht hat und die zugehörigen Mythen vom Muni-Vogel, ob es für ihn auch so dämlich klang, nur dass er es den Kaluli zuliebe ernst nehmen musste? Aber es ändert sich ja auch schnell, wenn man es mit großer Aufmerksamkeit hört, z.B. nach verschlüsselten Aussagen sucht (Quatsch, nur als Beispiel gemeint). Heute Nachmittag kommt ein Film in ARTE, den ich wohl kenne und kritisiert habe, war das in Ordnung? Die Langeweile im Urwald, der Forscher, der mit seinem lästigen Team einfach zu lange blieb und im Grunde nicht interessiert war (so schien es mir). Neu verlinken! Das gibt es also ab heute Nachmittag noch einmal auf ARTE.

HIER

https://www.arte.tv/de/videos/083918-001-A/west-papua-mein-jahr-bei-den-korowai-1-3/

Und damals:

Neue Welt Papua

Was hatte JMR über die bedeutenden Menschen geschrieben (Thema Blumenberg, Adorno, Hegel).

hattest Du den tollen Aufsatz über Adorno und Blumenberg lesen können
gestern? Das bleibt ja faszinierend, wie große Geister aneinander
vorbeileben können... - und es gibt ja heute MEHR große Geister
gleichzeitig als zur Zeit von Hegel oder Kant. Weil es MEHR MENSCHEN gibt.

Così fan tutte noch einmal hören und sehen, vorher Excursions in World Music  repetieren (Anfang über Figaro, Bruno Nettls Vater Paul war Mozart-Forscher). Die Nebenfigur wichtiger nehmen. Habe ich erst nachträglich gescannt, obwohl sie mir besonders aufgefallen war(en).

  noch abrufbar hier

Das Fischer-Buch für das Mozart-Jahr 1956 fesselte mich schon früh:

  Paul Nettl

   Bruno Nettl

Oben: ISBN-13: 978-0-13-188785-5  //  ISBN-10: 0-13-188785-8 //

Die großartige Widmung dieses Buches an John Blacking:

(Bei dieser Gelegenheit erfahren, dass Bruno Nettl leider am 15. Januar 2020 verstorben ist.)

Nachzutragen: das unerhört kluge Gespräch Alexander Kluge / Vogl über Corona, aber auch die Wahrheit über Hegels Tod…

Kluge: Stellen Sie sich vor, Außerirdische kämen zu uns. Die haben keine Erfahrung, sie würden uns umbringen aus Ungeschicklichkeit. So ist es mit diesen Coronaviren, Außerirdische vom selben Planeten. Die kommen aus einer anderen Evolution. Und es ist ein absoluter Zufall, dass sie unsere Lungen anfallen. Die nehmen nicht „Lunge“, „Atmen“, „Mensch“ wahr, sondern „warm“ und „hochinteressante Art von Feuchtigkeit“.

Vogl: Es ist eigentümlich, dass diese Wesen, die weder lebendig noch tot sind, irgendwie lebende Kristalle, dass diese Wesen gerade dadurch herausfordern, dass sie einen Vorsprung an praktischem Wissen zu haben scheinen, dem Virologen, Epidemiologen, Hygieniker, Politiker notgedrungen hinterherlaufen.

Kürzlich hatte ich begonnen, einen Text über Neue Musik (Nono, Sciarrino) zu lesen, – dem Vorsatz nach: wie Clifford Geertz den Text einer Kultur liest, indem er dem Schreibenden über die Schulter schaut -, und jetzt lese ich aufs neue den Beginn eines geschriebenen Textes über ein geschriebenes Buch, das sich mit Resonanz in unserer Weltbeziehung beschäftigt, als etwas durchaus Nicht-Geschriebenes, ich lese den Anfang gewissermaßen laut, indem ich ihn herauslöse bzw. abschreibe:

Welche Rolle spielt Musik für die Menschen und deren Weltbeziehung? Der Umgang mit Musik in alltäglichen und außeralltäglichen Situationen hat in den vergangenen Jahrzehnten insbesondere aufgrund technologischer Entwicklungen der Speicherung, Übertragung und Wiedergabe von Musik (Tonträger, Radio, Internet, mobile Abspielgeräte) stark zugenommen. Doch was genau machen Menschen mit Musik und was macht Musik mit den Menschen? In der Gegenwart gibt es einerseits starke Tendenzen zu einer Instrumentalisierung von Musik, etwa als Wachmacher, als Mittel der Entspannung, zur Erlebnisintensivierung oder Stimmungsregulation. Andererseits zeigt sich jedoch ein ungebrochenes Verlangen nach neuen, unerwarteten Musikerlebnissen, nach Berührt- und Ergriffenwerden von Musik, nach der Erfahrung eines ‚Anderen‘ in und durch Musik. Gerade in dem Umstand, dass dieser Wunsch nicht immer eingelöst wird, dass also tiefgreifende, den Menschen berührende Musikerfahrungen stets unverfügbar bleiben, zeigt sich die Macht der Musik als eines Gegenübers, zu dem das Subjekt in eine mehr oder weniger ‚resonierende‘ Beziehung des Gebens und Nehmens treten kann.

Quelle Martin Pfleiderer und Hartmut Rosa: Musik als Resonanzsphäre / in Musik & Ästhetik Heft 95 Juli 2020 (Seite 5)

Andererseits lese ich alle paar Tage langgesponnene Texte, denen ich kein Wort glaube. zum Beispiel kürzlich über die Aufnahme der Bach-Solosonaten und – Partiten mit Thomas Zehetmair, und zwar in einem Internet-Magazin von kostbarer Aufmachung, genannt Klassik.info, also hier: Klassik.info , darin allzu vieles, was man nicht recht versteht, was einen ratlos macht, kann man auch besten Gewissens beiseitelegen. Ein Beispiel. Mich stört schon die (zufällige) Assonanz an Rilke:  „… ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte, in der betäubt ein großer Wille steht.“

ZITAT

Ganz anders Zehetmair. Er tanzt auch, aber nicht am Hof. Er wirbelt sich mit seiner Virtuosität geradezu in eine Trance, in deren Mitte Momente schwereloser Intensität entstehen.

Das beginnt von der ersten Note weg. Das Allegro der g-Moll-Sonate setzt ein Fragezeichen und damit das Ostinato für die gesamte Interpretation: ein befreiendes, improvisatorisches Fragen. Die Fuge dann öffnet den Klangraum zu einer musikalischen Suche, die zwischen pulsierendem Drang und stotterndem Grübeln alles Höfische und Ornamentale verflüssigt zu einem expressiven Glutkern. Selbst die Arpeggien auf dem emotionalen Höhepunkt – in den meisten Einspielungen ein unüberwindbares Geklippe – werden mit atemberaubender Eloquenz in diese Ästhetik eingebunden. Zehetmairs Agogik folgt einer emotionalen Intelligenz, die feinste Abschattungen einfängt.

Selbst wenn man „das Allegro der g-Moll-Sonate“ als Schreibfehler entschuldigen mag – eigentlich nicht entschuldbar, wenn man das Schriftbild des Adagios vor Augen hat, das vorher so schwülstig gerühmt wurde -, der Gedanke an das stotternde Grübeln und das unüberwindbare Geklippe lässt jedes Wohlwollen auf den Nullpunkt schwinden. Solch einem Stilisten glaubt man keinen „expressiven Glutkern“ mehr oder gar „feinste Abschattungen“, ob mit oder ohne emotionale Intelligenz eingefangen.

Ohnehin kann es nur auf himmelschreiender Unkenntnis beruhen, wenn jemand als Vergleichseinspielungen, die in der letzten Zeit erschienen seien, nur die von Amandine Beyer (2012) und von Giuliano Carmignola (2019) erwähnenswert findet. Und warum sollen die mit historischen Instrumenten und Bögen gespielten überhaupt in einer streng getrennten Liga wahrgenommen werden?

Ich bin noch einseitiger und unterscheide zuerst einmal, wer spielt in Sonata I zu Anfang der zweiten Zeile ein E als „Basston“ und wer ein Es, das ja leider nicht dasteht (und trotzdem richtig ist). Und lässt sich in der 8. Zeile durch die leuchtende Parallele des Quintgriffs As/Es nicht belehren? Das machen nun allmählich alle der wirklich großartigen Bach-Geigerin Isabelle Faust nach, aber es bezeugt einen Mangel an Urteilsvermögen, ganz besonders wenn man es einfach nachmacht.

*     *    *

Die Theorie von der Kugelgestalt der Zeit hat mir schon bei Bernd Alois Zimmermann nicht eingeleuchtet. Und nun fangen – davon ganz unabhängig – Vogl und Kluge davon an und überzeugen mich kaum:

Vogl: Wie Jorge Luis Borges das versucht hat, in der Erzählung Der Garten der Pfade, die sich verzweigen: Man kann Täter oder Opfer, beides zugleich und keines von beiden sein – aber alles muss gleichzeitig erzählt werden?

Kluge: Ja, ein kugelförmiges Erzählen mit geschwächten Konsequenzen und Kausalketten. Der Zeitpfeil dreht sich wie eine Kompassnadel, Abdriften entstehen, und durch eine Veränderung des Winkels kommt man in einer anderen Realität als der an, von der man ausgegangen ist. Wenn wir also an der Fülle des Konjunktivs festhalten, der ja immer kugelförmig ist, weil alle Möglichkeiten darin enthalten sind, wenn die Sinne damit umzugehen lernen und die Arbeitskraft sich daran gewöhnt, dann würden wir ganz konkret an der Nicht-Linearität bauen, wie Bauleute an einer utopischen Architektur. In der Musik gibt es das übrigens, in den Obertonreihen, man hat nicht nur den linearen Fortgang. Also wenn man den Ton C und dann den Ton E anschlägt, dann schwingt auf beiden eine Obertonreihe mit, die ist ziemlich unendlich, irgendwann hört man sie nicht mehr. Aber im Grunde wurde die Fülle aller Töne gleichzeitig angeschlagen, und darin kann sich ein guter Komponist bewegen. Das wäre eine kugelförmige Dramaturgie. Und so könnte auch ein polyphones, mehrstimmiges Denken möglich sein…

Das klingt dilettantisch. Warum C und E, interessanter wäre doch etwa C und H ? Wenn die beiden Obertonreihen noch weniger Töne miteinander gemeinsam hätten und beide vollkommen gegeneinander „schwebten“.

Auch wer noch nie von dem österreichischen Kulturphilosophen Robert Pfaller gehört hat, ist vielleicht schon drauf gekommen, dass es komisch ist, wie erfolgreich die Kochshows im Fernsehen sind, während das Gros der Zuschauer*innen gar nicht mehr selbst kocht. Es geht nicht darum, die Anregungen praktisch umzusetzen und real zu genießen. Es genügt, anderen beim Genießen oder bei der Vorbereitung eines Genusses zuzuschauen. Der Philosoph hat das auf den Begriff gebracht: Interpassivität. „Kochen dient vielen Menschen zur Erholung. Interpassives Verhalten besteht nur darin, diese Erholung an den Fernseher zu delegieren.“

Dabei gehe es um Steigerung der Lust bzw. Vermeidung von Unlust, die sich üblicherweise durch aktives Tun einstellt. Wer eine Speise genießen will, müsse sie zumindest aktiv verzehren. Bei der Interpassivität hingegen würden die eigenen Genüsse an andere Personen oder Geräte delegiert, so dass es zu einer Verlagerung der Lust komme – ohne dass man selbst aktiv werden müsste.

Ich bin nicht sicher, ob er uns unterstellt, dass wir glauben, „der Fernseher“ selbst sei des Genießens mächtig. Oder ob wir es doch wieder selbst sind, die sich dieser Vorstellung erfreuen, so kümmerlich sie auch sei; es winkt keine Enttäuschung, weil ihre Virtualität ja gar nicht in Frage steht. Die Wirkung ist schwach, aber vorhanden!

Bei Wikipedia lese ich:

Ein geläufiges Beispiel […] aus dem Alltag ist das von Slavoj Žižek analysierte Konservengelächter („canned laughter“) in Sitcoms, das an unserer Stelle lacht und uns so die „Mühe“ des eigenen Lachens erspart. Wir fühlen uns so befreit, als wäre das Lachen unser eigenes gewesen.

Ich fühle mich allerdings nicht befreit, sondern verärgert. Man erkennt es: das künstliche Lachen wird als künstlich erkannt, es tötet den Witz. So wie jemand, der einen Witz – eine Handlungsweise – nicht versteht und dennoch lebhaft darauf reagiert. Das Konservengelächter erkennt man daran, dass es der Witzigkeit der Pointe nicht angemessen dosiert ist.

Man könnte einen Umweg machen und den Gebrauch der Pornografie vergleichen. Da ist eine Stellvertretung im Spiel: da wird nur der reale andere Mensch als ein „Störfaktor“ umgangen, die aktivierten Vorstellungen sind Genuss genug und sind mit dem Kochbeispiel nicht kompatibel. Denn da weiß man absolut nicht, wie die Wirklichkeit schmeckt. (Man spricht nicht umsonst vom „gemalten Mittagessen“.) Während man im andern Fall einfach sagt: diese Hälfte des Anteils lässt mich auf die andere gern verzichten.

Die Analyse darf weitergehen, – aber nicht hier.

Wenn die ZEIT auf dem Tisch liegt wie heute (13.08.2020), möchte ich, weil ich keine Zeit habe, in kürzester Zeit wissen, welche zwei oder höchstens drei Artikel für mich HEUTE relevant sind, bzw. nicht nur für mich, sondern für ALLE. Da habe ich den Bericht über den Mainzer Schott-Verlag und die Lage der von Tantiemen lebenden Komponisten vorgemerkt, dann den über die Lage des Planeten (Wie empfindlich reagiert das System Erde?), und dann auf derselben Seite „Wissen II“ – eher als Satyr-Spiel des Luxus-Sonder-Dramas: „Menschen, die mäßig viel Alkohol trinken, bleiben im Alter geistig fitter“ – sagt eine Studie, die uns auch das Relativieren lehrt, selbst zu ungunsten der eigenen Person. Der entscheidende Punkt, an dem ein prinzipieller Fehler passiert, ist der, dass man zwei Sachverhalte an denselben Personen konstatiert, z.B. dass sie alle über 85 Jahre alt sind und alle die Eigenart haben, jeden Abend ein Glas Wein trinken, UND DANN die Sachverhalte in kausale Verbindung setzt: die Leute sind so alt geworden, WEIL sie jeden Abend ein Glas Wein trinken.

Mehr vielleicht hier. ZEIT online Der Zweifel „Zum Wohl?“ Von Stefanie Kara. Und zur Lage des Planeten „Der zarte Planet“ Wie empfindlich reagiert das System Erde? Wer das versteht, weiß auch, wie sich der Klimawandel auswirkt. Dank Korallen und Wolken sind Forscher nun einer Antwort näher gekommen. Von Stefan Schmitt: hier. Und weiter:

Schott-Verleger Hanser-Strecker will es gar nicht so weit kommen lassen, dass irgendetwas dichtgemacht wird oder „ganze Werkgattungen ausgeschaltet werden wie Dinosaurier“. Wenn die Milliardenpakete nicht an der richtigen Stelle landeten, sagt er, sei das „Wurzelwerk“ unwiederbringlich zerstört. Mit 100 Milliarden Euro „Bruttowertschöpfung“ liegt die Kultur- und Kreativwirtschaft an zweiter Stelle hinter der Autoindustrie. Das Bewusstsein dafür dürfte in der Politik in den letzten Monaten gewachsen sein.

Und was tat der Komponist Jörg Widmann, als sich sein Kalender plötzlich leerte? „Ich habe mir immer gewünscht, Zeit am Stück zum Komponieren zu haben. Aber ich konnte nicht! Ich war unerklärlicherweise wie gelähmt.“ Im Juni wurde der Bann gebrochen – Daniel Barenboim wollte ein Stück für den Pierre-Boulez-Saal in Berlin. Mit einem Atmen und einem Metallklang beginnt und endet Widmanns Empty Space. […] „“Ich wollte, dass wir weiter auseinanderstehen als erlaubt, damit man erst recht spürt, wie sich der leere Raum füllt.“

Doch nur das reale Füllen der Räume kann verhindern, dass „alles zusammenbricht, was sich in den letzten Jahrhunderten aufgebaut hat“, wie der Komponist Aribert Reimann sagt. Berühmt wurden die Fotos, die der Bariton Michael Volle postete, als es langsam wieder losging: der randvolle Flieger, in dem er saß, das fast leere Theater, in dem er sang. Längst gibt es Erwägungen, Konzertbesuche lückenlos, aber nur mit Corona-App zu erlauben. „Ohne Risiko funktioniert es nicht“, meint Kanngießer-Strohmeier [Boosie& Hawkes, Berlin], „und man muss darüber nachdenken, weil die Häuser sonst in die Knie gehen.“

Quelle DIE ZEIT 13. August 2020 Seite 49 Das Jahrhundertwerk muss überleben Der Mainzer Schott-Verlag druckte Beethovens „Neunte“ und Wagners „Ring“. Corona ist die größte Krise in seiner Geschichte. Eine Erkundung zwischen leeren Sälen und den Schreibtischen berühmter Komponisten. Von Volker Hagedorn. / online HIER. /

Noch zu erwähnen (ist die Titelseite lesbar?) und bzgl. der ersten beiden Artikel hier zu behandeln ist das neue Heft Musik & Ästhetik.

1) Musik als Resonanzsphäre / von Martin Pfleiderer und Hartmut Rosa

2) Metapherntanz auf dem Brocken / Zu Kierkegaards Musikdenken. Oder: Resonanz als das Dämonische in der Musik / von Boris Voigt

3) Über musikalische Entdifferenzierung / von Tobias Janz

Janz: ab Seite 104 über Reckwitz

(folgt)

Die letzte „Zigeunerweise“ von Sarasate

… und eine Bemerkung von Bartók 

Meine Geschichte habe ich wohl schon erzählt (zumindest etwas davon an dieser Stelle). Ich habe jetzt nochmal bei Bartók nachgeschlagen und gedacht: dann kann ich es auch notieren bzw. kopieren und der Allgemeinheit zugänglich machen. Man weiß, dass Sarasate seine „Zigeunerweisen“ dem Notenbuch eines bekannten Budapester (oder Bukarester?) Musikanten entnommen und vermarktet hat. (Korrigiere ich im Laufe dieses Blogartikels!Aber vom Thema des letzten finalen Teils wusste ich diesbezüglich nichts Genaues, dabei hat es überhaupt die bekannteste Herkunftsadresse solcher Musik, nämlich eine Ungarische Rhapsodie von Franz Liszt. Jeder könnte das wissen, wenn er nur solche Virtuosenstückchen liebte und zwar dann auch nicht nur solche der Geiger sondern auch solche der Pianisten. Das ist  gar nicht so häufig. Und wenn man schon die eine oder andere, vor allem die berühmte Rhapsodie von Liszt kennt, dann vielleicht nicht gerade die dreizehnte. Ich habe sie nur herausgesucht, weil Bartók sie erwähnt im ersten Band der Sammlung „Das Ungarische Volkslied“ und die Figuration aufs 18. Jahrhundert bezieht. Ehrlich gesagt: wenn ich alle Lieder kennte, die er notiert hat, oder wenigstens die 320 Lieder dieses Bandes, hätte sie also zum Beispiel innerlich durchgesungen, – ich hätte den (Schein-)Sarasate nicht erkannt, – natürlich aber in Bartóks Liszt-Notenbeispiel schon vor langer Zeit, aber da gab es google und youtube noch nicht, und deshalb habe ich die Sache auf sich beruhen lassen. Zur Sache, heute ist der Tag!

 also: youtube nachschauen, reinhören (bei 6:19):

Jetzt die berühmte Aufnahme mit Heifetz, weil auch in Noten nachlesbar ab 6:55:

Und die Quelle,bzw. die Quelle hinter der Quelle, die Bartók dingfest gemacht hat:

Auch den Text findet man in deutscher Übersetzung (72.):

Quelle Béla Bartók: Ethnomusikologische Schriften / Faksimile-Nachdrucke I DAS UNGARISCHE VOLKSLIED / B. Schott’s Söhne Mainz 1965 / Bemerkung Seite 218, Notenteil Seite 20, Liedtext Seite 138

Was ist mit den anderen „Zigeunerweisen“ von (?) Sarasate. Der Henle-Verlag, der sie 2013 neu herausgebracht hat, gibt einen interessanten Kommentar dazu, „Geklaute Melodien“ – Sarasates „Zigeunerweisen“ unter Plagiatsverdacht, online hier (mit Hörbeispiel!). Sarasate traf Liszt 1877; dessen Rolle bei der Vermittlung der sogenannten Zigeunermusik wird behandelt, nicht aber die Verwendung des gleichen Themas schon in der 13. Ungarischen Rhapsodie. (Im youtube-Notendruck steht „Erschienen: 1854“, was lt. MGG 2004 „Liszt“ Bd. 11, 253 hinkommen könnte.) Sarasates kompiliertes Opus erschien 1878.

Der Henle-Verlag gibt auch die Ungarischen Rhapsodien von Franz Liszt heraus, aber bisher wohl noch nicht die 13., das Vorwort zur 12. dagegen kann man hier nachlesen.

Was bewirkt guter Journalismus?

Er beflügelt

Nie im Leben hätte mich „Vom Winde verweht“ interessiert. Jetzt nach den empörenden Bildern aus Amerika ist der Film (und das Buch) ins Gerede gekommen. Ad acta, denkt man. Aber darüber hinaus bedarf es eines intellektuellen Funkens, der eben aus den ernsthaft arbeitenden Medien kommt, mehr oder wenig durch Zufall: weil man sich plötzlich mehr Zeit nimmt als geplant. Hier und heute zum Beispiel:

   Hier

Ich weiß, dass man über die Verlinkung an eine Bezahlschranke kommt, soweit reicht meine Aktivierung nicht, aber ich habe den Artikel in Papier gelesen (gestern Abend bei REWE gekauft) und werde ihn eines fernen Tages auch digital wiederfinden. Warum er mich beflügelt? Ehrlich gesagt: es liegt am ersten Absatz und an den beiden schönen Menschen.

Nein, an den vielen Denkanstößen.

Ich überlege, wie ein nichtrassistischer Film aussehen müsste, wieviel schwarz, wieviel weiß, wie schwarzweiß dürfte er zeichnen, wie heftig mit dem neutralen Zaunpfahl winken. An welches Publikum müsste er sich richten? Wie ließe es sich motivieren, bei der Sache zu bleiben? Wie langweilig dürfte das Gleichgewicht aller mit allen wirken?

Was habe ich heute getan, ehe ich mich meinen privaten Vorhaben widme? (Beethoven, Kant, Hinrichsen, Gartenarbeit). In Wikipedia über „Vom Winde verweht“ (das Buch) nachgeschaut, was wird dort über Schwarz und Weiß gesagt? Ich muss einiges festhalten:

Anders als das Lesepublikum der 1950er und 1960er Jahre war der deutsche Literatur-Nobelpreis-Träger Heinrich Böll von dem Roman wenig angetan. Das Buch habe „jenen unbestimmbaren flutschigen Inhalt, der sich nicht genau definieren läßt, niemals genau zu definieren sein wird.“[7]

Die Darstellung der historischen Abläufe im Roman erfolgt aus der Perspektive der Protagonisten, also der der besiegten weißen Südstaatler. Alan T. Nolan kritisiert daher in The Myth of the Lost Cause and Civil War History, dass die Darstellung einem einseitig prosüdlichen Narrativ folge. Die Sklaverei und die Rolle des Ku Klux Klan nach dem Sezessionskrieg würden beschönigt, die Reconstruction und die nordstaatlichen Soldaten dagegen negativ dargestellt. Der Roman folge in diesem Sinne den typischen Topoi des Lost Cause und gebe nicht die historischen Tatsachen wieder.[8]

Sonja Zekri beurteilt den Roman als „modern in der Frauenfrage und archaisch im Verhältnis zwischen Schwarz und Weiß“: Mit der repressiven Idealisierung der Südstaatenfrauen habe Mitchell nichts anfangen können, das zeige schon ihre Protagonistin. Scarlett O’Hara habe sie als eine lebenshungrige, unzerstörbare, mehrfach verheiratete, erfolgreiche Geschäftsfrau gezeichnet, habe ironisiert „die übliche männliche Enttäuschung darüber, dass eine Frau über ein Gehirn verfügt“ (so Mitchell). – Auf der anderen Seite sei es ein rassistisches Buch. Entgegen entschuldigender Rede sei die Sklaverei durchaus Thema gewesen. Ausgerechnet in einer Zeit, in der der Süden die Rassentrennung gesetzlich verankerte, habe Mitchell den Weißen alle Schuldgefühle genommen. In Form einer „Romancing Slavery“ strahle Sklaverei im warmen Licht einer idealen Gemeinschaft. Mammy, Pork und die anderen Sklaven wüssten die Geborgenheit und Fürsorge der weißen Besitzer zu schätzen und fürchteten nichts so sehr wie die Yankees. „Die Besseren unter ihnen verschmähten ihre Freiheit und litten genauso wie ihre weiße Herrschaft“, so Mitchell.[9]

Die französische Autorin Annie Ernaux bezieht sich in ihrem Lebenswerk Die Jahre wiederholt positiv auf den Roman, der wenige Jahre vor ihrer Geburt erschienen war und dessen Lektüre sie immer wieder beeindruckt hat.[10]

Das ist genug Wikipedia-Stoff, um mich beim Rekapitulieren dieses Blog-Artikels zu motivieren. Bölls Wort „flutschig“ ärgert mich ebenso wie seine resignierende Weigerung, genau das genauer zu definieren.

Und es stört mich, dass Annie Ernaux, die mich so beeindruckt hat (hier und hier), von diesem Kitsch-Roman so beeindruckt gewesen sein soll. Ihr Buch „Der Platz“ steckt heute noch zwischen den Papieren auf meinem Schreibtisch, weil ich mich nicht trennen konnte. „Eine lebensverändernde Lektüre“ (Didier Eribon) steht auf dem Umschlag, und ich frage mich, ob ich das eigentlich bestätigen kann. Da muss ich erst wieder ein bisschen rekapitulieren…

Und bei allem Lob des guten Journalismus, muss ich erwähnen, dass die Klassik-Kolumne zum Stichwort Venedig auf der Rückseite desselben Blattes der SZ mich so geärgert hat, dass ich sie auf keinen Fall genauer bezeichne.

Etwas ganz anderes: wenn Sie sich für investigativen Journalismus interessieren und erfahren wollen, weshalb man sich nicht nur ständig über Trump aufregen muss, sondern mindestens ebenso über gewisse Zustände und Vorkommnisse im eigenen Land (Stichworte: FLEISCH und AMTHOR), dann widmen Sie sich doch der Lanz-Sendung von gestern Abend. Die Zeit wäre sehr sinnvoll angelegt: HIER

Fragen über Fragen

Die wichtigste: Warum singen wir?

Fangen wir doch ganz von vorn an, wenn wir Fragen haben. Bei den alten Griechen? Nein, oder vielmehr: Ja. Wo denn sonst? In der Schule! Wie bitte? Du hattest gar kein entsprechendes Fach? Schau mal ins Internet, Schulfach Philosophie. Was steht am Ende des Griechenkapitels? 2 Erkundige dich im Internet, wie Sokrates gestorben ist. Ansonsten Fragen über Fragen. Es ist nie zu spät. (Quelle: hier.)

The central idea of this book is very simple yet very complex at the
same time. The author suggests that human singing had a tremendously
important role in our evolutionary past. It was singing that provided
our ancestors with defence against predators, provided our ancestors
with food, gave rise to human intelligence, morality, religion, formed
the human body and facial morphology, gave birth to human arts and
the mystery of artistic transformation.

We will also discuss some very important questions connected to
our brain activities associated with singing or listening to music:
• Why does singing activate such deep structures in our brains,
structures that are connected to the critical factors of our physical
survival?
• Why is listening to rhythmic music one of the best known ways to
induce hypnoses and trance in humans?
• How can a person with brain damage, who does not remember
anything from his past, still remember musical compositions he
learned decades ago?
• How can a person with a horrible head injury, who can not even
clearly pronounce his own name, sing well and clearly pronounce
all the words of a song?
• Why do people whistle when they are afraid?
• Why do people hum when they feel good?
We will also discuss some questions that are barely, if at all, connected
to human singing:
• Why do birds stop singing when they sit on the ground?
• Why is it safer to sing if you live in trees or in the water?
• Why do soldiers in Iraq listen to loud rock music before going on
combat missions?
• Why do some humans like having a radio or TV on when they are
not paying attention to it?
• Why do some people like talking to themselves?
And finally, the reader will also find in this book, plenty of questions
that might seem totally unrelated to the topic of singing:
• Why do humans have long hair on their head?
• Why do humans have long legs?
• Why do humans have eyebrows?
• Why do humans walk on two legs?
• Why do humans sweat and smell?
• Why did human ancestors practice cannibalism?
• Why are the evolutionary histories of humans and lions so close
to each other?
• Why do humans stutter and have dyslexia?
• Why are there more stutterers among Africans than among American
Indians?
• Why are there no professional speech pathologists in China?
• What was the evolutionary function of human clothes?
• Why do humans like decorating their bodies and faces?
• Why do male lions have manes?
• Why does the peacock has such an amazingly beautiful tail?
• Why are humans the only species who can ask questions?
• How can someone be intelligent enough to answer complex questions,
and still be unable to ask questions?
• Why did Jacqueline Kennedy not remember climbing out of the
moving car following the fatal shooting of President J.F. Kennedy?
• Why did Sigmund Freud not like listening to music?
• Why are masks so universally popular in human cultures?
• Why do some humans have two identities?
• What is the evolutionary function of our unconscious mind?

Questions, questions, questions. Hundreds of questions.

Zusatzfrage: Woher könnten alle diese Fragen stammen? Wo kann ich sie gefunden haben? In einem Buch (gewiss, siehe oben: „central idea of this book“) oder im Internet?

(Mir genügt es für heute, sie gestellt bzw. weitergeleitet zu haben.)