Archiv des Autors: JR

Ave maris stella

Der Hymnus

Gestern Nacht auf ARTE:

https://www.arte.tv/de/videos/103384-000-A/das-vokalensemble-amarcord-singt-josquin-des-prez/ HIER

Separat anklicken:

1:21

Josquin des Préz – Ave Maria…Virgo serena

7:54

Sequenz – Ave Maria

10:01

Josquin des Préz – Missa Ave maris stella, Kyrie – Gloria

18:03  ⇐ ⇐ ⇐ ⇐ ⇐

Hymnus – Ave maris stella

Information bei WIKIPEDIA : HIER

Erinnerung an Aufführungen … unvergesslich: Marien-Vesper von Claudio Monteverdi

Diese Fassung von Monteverdi (Marienvesper), in Noten nachlesbar:

Das bei Amarcord folgende „Illibata Dei Virgo“ von Josquin hier mit dem Taverner Consort (mit Notentext!):

Eine gute Einführung in Josquins Kompositionsweise gibt Prof. Dr. Michael Kube hier.

Mehr davon:

https://josquin.boulezsaal.de/de hier  (darin weiteren Links folgen, etwa dorthin:)

Tony Craggs einzigartige Morphologie

Besuch 16.04.24 im Kunstpalast Düsseldorf

Mehr über Tony Cragg hier und über den Kunstpalast hier

Zum erstenmal: Bildwerke berühren!

 

         

       

Tony Craggs Werkstatt

 

(Alle Fotos von JR, bis auf drei – von ER)

Wenn Sie folgender Zeitungsbeilage begegnen, – studieren sie doch das NRW-Blättchen, es lohnt sich!

Nicht nur wegen Kunstpalast, – es ist lebendig aufgemacht und erschließt aktuell lauter interessante Projekte.

Ich liebe Zeitsprünge, vielleicht um die Jahrzehnte in meiner Hand zu fühlen: wenn Sie noch etwas Zeit haben, mir auf einen Sprung zu folgen, lesen Sie doch dort noch etwas weiter:

Zeitsprung 16. August 1960

Noch etwas zum Kunstpalast Düsseldorf: es gibt einen phantastischen Bildband zum gesamten Museumsbestand (außerhalb der Cragg-Ausstellung). Exzellente großformatige Wiedergaben, und separat, in kleinformatigen Bildreihen, jeweils nach Großepochen gegliedert, dazu Kommentare von Felix Krämer (Felicity Korn und Westrey Page), – hier mit meiner Tageszeitung zum Maßstabvergleich (=latentes Bekenntnis zur Region).

19./20.04.24 Süddeutsche Zeitung

In dem schönen Bericht gibt es zwei Missverständnisse: da ist der Hinweis auf John Bergers Buch „Sehen“, als gehöre zu der Thematik des Sehens (Das Bild der Welt in der Bilderwelt) implizit der Hinweis „Anfassen verboten“.  In Wahrheit war sie eng verbunden mit der Entwicklung der Ölmalerei, die das Sehen unerhört intensivierte, – als sei der Gegenstand dargestellt, die Haut, das Fell, die Kleidung real berührbar, zum Greifen nah. Darin lag durchaus eine sexuelle Komponente, die neuerdings sogar krass vordergründig aufgefasst werden könnte: „Darf ich jetzt hemmungslos die Genitalien streicheln?“ Ah, falsch verstanden: im Fall der Skulptur des „Sitzenden Knaben“ ist nur die Rede davon, „dass man ihr unweigerlich wie aufmunternd über den Kopf streicheln möchte“. Die glänzenden Stellen der bronzenen Nacktskulpturen in Indien und anderswo verraten andere Vorlieben, die sich vielleicht nur im banalen Alltag äußern.

Künstliche Intelligenz, mehr davon

Bis zum Überdruss?

Jede Zeitung, jede Illustrierte weiß irgendetwas darüber zu berichten und hat irgendwelche Experten an der Hand. Und ausgerechnet ich, der ich voller Skepsis war und bin, will mich nun auch noch einmal vergewissern, dass diese Erfahrung mit der Künstlichkeit auch ihr Gutes hat. Haben wir uns früher nicht auch ernsthaft gestritten, wenn es um neue Techniken des Übens ging, und hat nicht sofort jemand gehöhnt (und sei es ein innere Stimme): Ja ja, ihr vorbildlichen Deutschen, euch geht es immer nur um das rein Menschliche, ihr wollt nur Künstler sein, keine Virtuosen. Wie war das noch mit Hermann Hesse, nachdem Karlheinz Deschners „Kunst, Kitsch und Konvention“ erschienen war? 1962 erst??? Oder schon?? Zur Sache, keine blinde Schwärmerei… Im Lexikon Philosophie von Thomas Vašek von 2017 jedenfalls fand gab es noch keine KI im Namen der übermenschlichen Erkenntnis, wenn auch lauter gute Artikel zu Geist und Denken.

Lexikon „Philosophie!“ Theiss 2017

Zitat, gefunden beim Kurkurator JMR:

Die „Sorge vor … der Technisierung [des Organischen hat] auch ihre
Begründung … – aber dann richtet sie sich eher auf die Frage, wer über solche neue Macht der Menschen verfügen wird und wie sie auf das Wohl des Menschen eingegrenzt werden kann, als auf die andere Frage, ob ein vermeintliches Recht der Natur auf Enthaltung des Menschen von letzten Eingriffen dadurch verletzt würde.“ / The „concern about … the
mechanisation [of the organic] also has its justification … – however, it is directed more towards the question of who will have such new human power at their disposal and how it can be limited to the good of mankind, rather than the other question of whether a supposed right of nature to abstain from final interventions would thereby be violated.“

Hans Blumenberg (1966)

04/2024 www.kurkurator.de/futuristic-footers-2024

siehe human hier

Und wie kam ich kürzlich auf diese neue Zeitschrift,- es war ein Hinweis in Facebook (Meta), vertrauenswürdig, mit respektablen Namen verbunden (Thomas Vašek ! , Daniel Martin Feige). Das wird keine kritiklose Beschreibung einer von menschlichen Schwächen befreiten Zukunft sein. Und nach einer unnötig langen Recherche im Internet fand ich das Heft (vorrätig) im  nahen Buch- und Zeitschriftenladen des Haupt(!)bahnhofs Solingen.

von Daniel Martin Feige

(Fortsetzung folgt)

Tiktok

Für und Wider

Zur Einführung:

https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-11-april-2024-102.html hier

ab 52:03 (bis 59:23) d.h. viertletzte Markierung, zu Tiktok spricht Sascha Lobo , kurz und glasklar / zeigt Herstellung von Bildern Deep Fakes „Putin lacht, eine Katze haltend“

„Tiktok“ in Wikipedia hier

Titelzeile dazu: »Es scheint, als hätten sie sein Gesicht gehäutet, noch bevor das Video beginnt«

Um nicht zu vergessen, was in der obigen ZEIT detailliert beschrieben wurde. Über den Autor Clemens J. Setz hier Artikel DIE ZEIT 4. April 2024 Seite 49.

  am Ende ist von gore videos die Rede. Was ist das?

Indirekt darüber: https://www.youtube.com/watch?v=8n4T3hOag2w hier (Dauer 17:50)

Zitat

Ein Klick, der das ganze Leben beeinflussen kann: das gilt bei Gore-Videos, die brutale Bilder und extreme Gewalt zeigen. Zu finden sind sie einfach im Netz auf Plattformen wie Pr0gramm, dem Fight Club des Internets. Auch hier gilt die Regel: Man spricht nicht über Pr0gramm. Und trotzdem schauen sich viele die Schock-Videos an, oft „zum Spaß“ oder aus „Neugierde“. Reporterin Carolin von der Groeben trifft zwei junge Männer, die sich regelmäßig Gore-Videos anschauen. Sie sind auf der Plattform hängen geblieben.

Externes Info:

„pr0gramm“ ist eine Imageboard-Online-Plattform, die seit 2007 Beiträge in Form von Bildern und Videos verzeichnet. Innerhalb der Plattform hat sich eine eigene Community gebildet, die sich über eine eigene Kultur und Sprache auszeichnet. Häufig können nur interne Mitglieder verstehen, worüber gesprochen wird.Quelle: https://praxistipps.chip.de/pr0gramm-was-ist-das-alle-infos-zur-webseite_140954

Was hat diese  , in den letzten Jahrzehnten offensichtlich zunehmende Grausamkeit der ganz „normalen“ Fernseh-Krimis mit dem Tiktok-Sadismuszu tun? Die Phantasie, die an den Tag gelegt wird – bei der Erfindung von Mord-Varianten und Todesarten? und die Bereitschaft, dies alles detailverliebt im Bild zu zeigen? Ist diese Neigung, eine Art Voyeurismus zu bedienen, unter dem Begriff Sadismus zu subsumieren? Die als Fiktion erkennbare Grausamkeit mit der realisierten im Prinzip gleichzusetzen?

ST 6.4.24

Tchibas neue CD und mehr

Wie man Klanggestalten erleben kann

In den 80 Jahren gab es im WDR eine Sendereihe, wo man am helllichten Tage Gespräche über Neue Musik hören konnte: unbescholtene Zuhörer befragten auskunftswillige Komponisten. Manches war wohl interessanter als die Stücke selbst, aber ich erinnere mich an einen dieser „Workshops“, in dem ein Stück gespielt (?) wurde, worin der Komponist eindrucksvoll einen gesprochenen Satz behandelte, der in einem Gespräch live vorgekommen war: „Das ist doch keine Musik mehr!“ Er benutzte ihn, zerlegte ihn, re-kom-ponierte seine phonetischen Details, – es war einfach spannend mitzuerleben, wie eine sehr äußerliche Kritik verinnerlicht und konstruktiv entwickelt wurde. Zugleich war es ein leicht ironisches Spiel, das den Zuhörer und wohl auch Fragesteller zum Schmunzeln brachte. Zum Vorschein kam, dass schon in seiner verbalen Distanzierung genug Musik steckte.

Ich habe mir angewöhnt, – vielleicht seit ich Stockhausen, den ich aus der leichtfertig bevorzugten Perspektive des Hochschulorchesters kannte, auf nächtlichen Autofahrten im Radio reden hörte – , mein Urteil zurückzustellen oder vielmehr angemessen anders als vorher zu reagieren. Statt zum Beispiel über fehlende Melodik oder Harmonik zu lamentieren, einfach zu fragen: sind es Klanggestalten, denen ich etwas abgewinnen kann? Etwas „Gestalthaftes“? Oder interessant Gestaltloses? Dergleichen gelingt ja fast immer, wenn ich Klänge des Alltags höre und – zugegeben – schon mit dem Vorsatz, sie als bedeutungsvoll zu betrachten, allen voran: Vogelstimmen (nach dem Vorbilde Messiaens: mit Empathie), ebenso  Babygeschrei (natürlich: mit Empathie), Meeresrauschen, komplexe Maschinengeräusche oder was auch immer. Wieso sollte ich mich über elektronisch erzeugte Klänge aufregen, wenn ich weiß, dass andere Menschen von ihnen fasziniert sind? Es genügt vorauszusetzen, dass sie den von ihnen selbst erzeugten oder vollendeten Klanggestalten Bedeutung beimessen. Ich muss ihnen nicht gleich triumphierend Beethovens letzte Streichquartette entgegenschleudern.

Allerdings scheint es mir sehr hilfreich zu sein, wenn man im Fall Neuer Musik Äußerungen des Komponisten oder der Komponistin kennt, an denen ablesbar oder wahrnehmbar ist, dass er/sie es ernst meint und nicht ein belangloses Spiel treibt. Zum Beispiel hat mich im unten zitierten Text positiv überrascht, dass Martin Tchiba von seiner „Auseinandersetzung mit Popmusik“ spricht. Darauf kommt man beim Zuhören nicht ohne weiteres, zumal Tr. 1 zunächst an Steve Reich denken lässt. Empfehlenswert: auf die eigene Position vor den Lautsprechern zu achten , so dass man auch „wandernde“ Impulse lokalisieren kann.

Web-Seite Martin Tchiba https://www.tchiba.com/923 hier

Zitat:

Von Komposition zu Komposition entstand in dieser Zeit eine eigene Ästhetik, die evident auch von meiner Auseinandersetzung mit Popmusik beeinflusst ist; hier geht es vor allem um ein Klangideal, das von einer gewissen „Glattheit“ geprägt ist, die in einem dialektischen Spannungsverhältnis zu den dezidiert „unperfekten“ – bisweilen auch trashigen – elektronischen Artefakten und Field Recordings steht: Während bei Studioaufnahmen sogenannter E-Musik in der Regel ein „natürliches“, auch räumlich dem Konzerterlebnis nachempfundenes Klangbild präferiert wird, herrscht in der Popmusik unserer Tage meist eine „nahe“, (im nicht negativen Sinne) eher sterile Studio-Klangästhetik vor. Ich finde dieses Pop-Klangideal zumindest für manchen musikalischen Content absolut reizvoll und auch konsequent: Eine „genuin elektronische“ (oder: akusmatische) Musik darf und soll durchaus nach Studio klingen …

Weitere Infos siehe im oben gegebenen Link! Des öfteren auch in diesem Blog: hier, hier, hier, hier und hier.

Ich habe mich frühzeitig – auch dank der Sendungen meines Kollegen Harry Vogt, die er mich moderieren ließ, obwohl ich für eine andere Musik im WDR „zuständig“ war –  mit Komponisten wie Giacinto Scelsi oder Salvatore Sciarrino beschäftigt. Zwar setze ich mich nicht pausenlos mit ihnen auseinander, – es gibt vielzuviel, was mir näherliegt -, aber ich weiche ihnen nicht aus, im Gegenteil. Es genügt die kleinste zusätzliche Anregung. Wieder ist der Auslöser ein Text, der mir seltsamerweise erst neuerdings begegnet, obwohl er einen Doppel-Aspekt behandelt, der mich jederzeit fesselt: dem des Physischen und des Geistigen, so wie es tagtäglich präsent ist, wenn man als Instrumentalist mit den eigenen physiologischen Grenzen ebenso wie mit dem extern darzubietenden geistigen Gehalt  konfrontiert ist.

Stefan Drees
Orientierung an der »Logik des Körpers«
Zu einem zentralen Aspekt von Salvatore Sciarrinos Sei Capricci
per violino (1975/76)

aus: Stefan Drees / Titel s.o.

(Fortsetzung folgt)

Leonardos Frauen

Was gehn sie uns an?

Als blutige Laien in der Kunstbetrachtung haben wir immer ein schlechtes Gewissen, wenn wir ein Gemälde oberflächlich nach seiner Lebensähnlichkeit beurteilen; andererseits beginnt man sofort zu spotten, wenn einer dagegenhält mit Bemerkungen zum strukturellen Aufbau des Werkes. Ich erinnere mich, dass zeitweise ein impressionistisches Kalenderbild an der Wand über dem Schreibtisch meines Vaters hing, in das ich mich „verliebte“, während er, der sich gerade Hamanns große dickleibige Kunstgeschichte zugelegt hatte, offenbar einen rein sachlich-ästhetischen Zugang suchte. Die farbenfroh schöne Frau von Renoir oder Monet hatte sogar einen Namen, sie war einmal „real“ (gewesen). Als mein Freund zu Besuch kam, führte ich ihn wie zufällig zum Porträt, beiläufig murmelnd „findichschön“, worauf er knallhart entgegnete: „hat viel Holz vor der Hütten“, und damit war sie schlagartig entweiht. Ja, entweiht. Alerdings hatte ich  schon ein ungutes Gefühl, wenn ich auf dem Cover meiner ersten Concert Hall Schallplatten las: „Hohe Lebensstunden weihet mit Musik“. Auch Musik sollte etwas mit dem wirklichen Leben zu tun haben. Einmal legte ich ein Bild auf das Notenpult und versuchte, auf der Violine die irgendwie geforderten oder unterstellten „überströmenden Gefühle“ zum Ausdruck zu bringen. Da trat überraschend mein Vater ins Zimmer trat und rief „das ist viel zu schnell“, während ich eiligst mit dem Geigencorpus das kompromittierende Bild verdeckte. –

Eines Tages kam meine 5 Jahre ältere Cousine auf der Durchreise mit ihrer Freundin zu uns, beide Kunststudentinnen in Basel, wir schauten gemeinsam den Prachtband „Europäische Meisterbilder“ an, – einige kannte ich allzugut -, mir schwante Unheil, plötzlich hielten sie inne, allerdings nicht dort, wo ich mich auskannte: sondern beim Jesus am Kreuz. Sie bewunderten die „Formauffassung“, die (attraktive?) Freundin legte den Finger auf die Reihe fein ausgearbeiteter Bauchfalten, oberhalb des Lendentuches. Mir stockte der Atem, und sie sagte: „wie fein ausgearbeitet!“ Gott sei Dank, beide waren vom Fach und bemerkten nicht die Röte in meinem Gesicht.

So etwa begann meine Pubertät, von der ich wenig wusste. Meine Mutter bemerkte nur verdächtig oft: „Die Flegeljahre bleiben bei ihm aus!“ Hat mich die Klassik gezügelt? Eine unendlich lange Zeit verging, ehe ich die Mentaltät der 50er Jahre in all ihrer Verklemmtheit durchschaute, die 6oer Jahre, die ich als Befreiung erfuhr, auch kunstästhetisch umsetzte. Erste Erleuchtungen (nach André Malraux‘ „Das Imaginäre Museum“ 1963): das Bändchen vom „Sehen der Welt in der Bilderwelt“ von John Berger (1974).

Derlei Dinge gingen mir durch den Kopf, als ich heute einer Anregung von Wilfried Schaus-Sahm folgte und mich mit der folgenden Betrachtung von Kia Vahland beschäftigte.

https://www.stadtmuseum-duisburg.de/leonardo-da-vinci-und-die-frauen/ hier

https://www.nationalgeographic.de/geschichte-und-kultur/2019/09/die-malerei-leonardo-da-vincis-ist-weiblich hier

https://de.wikipedia.org/wiki/Anbetung_der_K%C3%B6nige_aus_dem_Morgenland_(Leonardo_da_Vinci) hier

https://de.wikipedia.org/wiki/Bildnis_der_Ginevra_de%E2%80%99_Benci hier

https://de.wikipedia.org/wiki/Cecilia_Gallerani hier

https://de.wikipedia.org/wiki/Die_Verk%C3%BCndigung_(Leonardo_da_Vinci) hier

Zitat Vahland: vom Kuss

3:44 „Leonardo da Vinci hat ganz außergewöhnliche Frauen gefunden, die einen heute noch überraschen. Er malt erstmal natürlich viele Marien, da wissen wir nicht, wer die Modelle sind. Dann aber malt er noch als junger Mann Ginevra de‘ Benci (…). Er möchte, dass sich die Leute in seine Bilder verlieben. Er erzählt eine Geschichte, wie die Leute Bilder mit weiblichen Heiligen zurückbringen in die Werkstatt und ihn bitten, die Heilgenscheine zu übermalen, damit sie die Bilder besser küssen können. Und das ist ganz genau in Leonardos Sinn. Das heißt, er nutzt die Stärke der Frauen, er nutzt die Verführungskraft der Frauen, um seine Kunst, um die Malerei zu stärken. Die Malerei ist so verführerisch wie die Frauen, die er malt. Und stark, so unabhängig und so klug wie diese. Dafür müssen es natürlich selbständige Objekte sein und keine Objekte, über die man einfach verfügt. Und die Frauen auf den Bildern liefern sich den Betrachtern nie aus. Das sind immer ganz, ganz eigenständige Wesen. Denn sie stehen für Leonardo auch für die Malerei an sich. Schon seit der Antike ist das Bild einer schönen Frau auch das große Meisterwerk eines Malers, an dem er seine Kunst zeigt, und so ist es eben auch bei Leonardo da Vinci. Denen gehört seine Sympathie, auf die lässt er sich ein, mit denen tritt er in einen Dialog.“ 5:11

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(Abstrakte) Kunst in der Realität, was nicht unbedingt bedeutet: die neue Irrealität dank Caspar David Friedrich. Jedoch auch Düsseldorf (20 Minuten entfernt, nächste Woche):

https://www.kunstpalast.de/de/event/tony-cragg/#Ausstellung hier

Video mit Cragg – siehe bei 6:40 von Menschen, – „die streicheln meine Arbeit„.

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13.04.24 Noch etwas ganz Neues aus dem Kunstpalast in Düsseldorf: ! Blumen ! HIER .

16.04.24 Ich war dort, im Kunstpalast Düsseldorf Ausstellung Tony Cragg, hier „Die Welle“:

Bach bei Blumenberg nachgelesen

Matthäuspassion

Noch einmal: Timor Dei

Die Zeit vergeht. Es ist jetzt nur eine Ostererinnerung, die ich hatte dokumentieren wollen, und dann ist nur der Ansatz stehengeblieben,bzw der Vorsatz, einige Leseerlebnisse festzuhalten. Vor allem, wieviel Text bei Blumenberg den theologischen, exegetischen Implikationen gewidmet ist und einen gewahr werden lassen, wie sehr Bachs Musik über Anflüge des Zweifels und jede grundsätzlichere Infragestellung seiner Quelle hinweggetragen hat.

Achtung: der folgende Abschnitt beruht teilweise auf Erinnerungfehlern (geschrieben ohne vergleichende Rücksprache mit den Notentexten der Original-Passionen. Ich korrigiere nicht, weil die Irrtümer und deren Aufklärung eine interessante Aufgabe ergeben.

Es wird vielen so gehen, dass sie – wie der Evangelist Julian Prégardien hier von sich berichtet – zutiefst erschüttert werden durch die „Erbarme-dich“-Arie, vorbereitet schon durch das extensive Melisma „…und weinete bitterlich“. Man ist bereit, sich mit dem Schicksal des Petrus zu identifizieren -, und bemerkt doch kaum, dass diese Hauptfigur für den Rest der Geschichte keine Rolle mehr spielt. Man hat begriffen, was Sünde ist. In diesem Sinn wird er im Anfangschoral der zweiten Teil nochmal genannt. Im folgenden tritt Judas an seine Stelle und erlaubt – so scheint es – eine eindeutige Parteinahme. Das hat enormes dramatisches Potential vom Judaskuss bis zum Suizid und dem Nachklang der Silberlinge, aber so, dass man sich auch viel leichter von ihm trennt. Und doch wirkt diese Figur nach und lässt, anders als Petrus, bei näherer Untersuchung keine Ruhe. Petrus ist schwach, aber ob Judas böse ist (oder nur sein muss), das wissen wir nicht.

Ich erinnere mich, dass mich schon in meiner Jugend ein Fischer-Taschenbuch, das ich im April 1956 zu lesen begann, begeistert hat; es machte mir erstmals ein Denken in Ambivalenzen plausibel: es begann mit „Caesar und Brutus“ und behandelte im Anhang „Jesus und Judas“. Von einer  „Judastragödie“ ist die Rede. Quelle: Rudolf Goldschmit-Jentner: „Die Begegnung mit dem Genius“. (Heute sucht man in der allzu kurzen Wikipedia-Biographie vielleicht vergeblich Aufschluss über den Zeitraum 1933 -1945, für mich ist daher ein bestimmtes Detail der Vita an anderer Stelle wichtig: hier Mai 1943.)

Blumenbergs Buch „Matthäuspassion“ in der Besprechung von Christoph Türcke (ZEIT 19.5.89)

ZEIT 19.5.1989

https://www.zeit.de/1989/21/philosophie-im-plauderton HIER

(Fortsetzung folgt)

Was ist ein „golden moment“ des Musizierens?

Glatteis Musikpädagogik

Nicht jeder Beitrag in „Musik & Ästhetik“ muss mir gefallen; es genügt, wenn er unverhoffte Anregungen bietet. Das geschieht selbst dann, wenn der Titel eher entmutigt wie dieser: „Hegel, Plessner und die dispositionale Realität musikalischer Bewegung“ und der Autor mir völlig unbekannt ist: Markos Tsetsos.  Während es mich elektrisiert, wenn ich in Anmerkung 2 einen (aus meiner Sicht unbegreiflich) vernachlässigten Namen der Musikästhetik sehe, der das Problem erstmalig angegangen ist: Victor Zuckerkandl. Für mich Anlass nachzusehen, was der denn am Begriff musikalischer Bewegung aufgezeigt hat. Aber noch ehe ich es realisiere (ich komme an anderer Stelle darauf zurück), hat mich dieser neue Autor gefesselt, der immerhin schon 2007 eine Arbeit im Hegel-Jahrbuch veröffentlichen konnte, die sich durch besondere Klarheit auszeichnete: „Über den Lebensbegriff in der Ästhetik Hegels“ .

Inzwischen bin ich allerdings ausgewichen auf einen anderen Beitrag des oben genannten Ästhetik-Heftes, weil er erlaubte, eine Youtube-Aufnahme dingfest zu machen, die mich an viele Diskussionen vergangener Zeiten erinnerte, über die Vermittlung musikalischer und technischer Erfahrung im Lehrer-Schüler-Verhältnis, z.B. im regelmäßigen Unterricht oder in konzentrierten Meisterkursen, die extern stattfanden. (Flagrante Erfahrungen der Freunde, die den gemeinsamen Lehrer in Frage zu stellen schienen, wenn sie von Wunderbegegnungen mit Wolfgang Schneiderhan oder George Neikrug berichteten.)

Mir scheint, die Zeiten haben sich grundlegend geändert, ich habe damals Interessantes aus Sebök-Kursen gehört, z.B. dass die Geschichte der gültigen Klaviermusik mit Bach beginnt oder allerhand weise Sätze von der Art, dass alle Musik „romantisch“ sei. Keine Differenzierung zwischen barocken Affekten, klassischem Ausdruck, Expressivität, Identifizierung und Objektivierung, oder den zahlreichen Schattierungen, wie man sie schon damals in dem Buch „Denken und Spielen“ (1988) von Jürgen Uhde und Renate Wieland nachvollziehen konnte.

Nun also eine Wiederauferstehung: „Masterclass-Lesson“ von 1987 mit György Sebök, die eigentlich nur als zentrales Beispiel eines eher negativ besprochenen Werkes von Nicole Besse mit dem Titel „Musik als Kunst der Begegnung“ dienen soll. Dabei ist allerdings zu bemerken, dass die sich heute aufdrängende Kritik an dieser pädagogischen Begegnung der freundlich-autoritären Art völlig ausgespart ist. Ist es womöglich nur dem Zeitgeist geschuldet, wenn man sich auf das latente Genderproblem konzentriert? Es ist nicht die Länge der Vorrede (bei minimalem Sinn), die lähmend wirkt, in der sich aber schon das Machtgefälle manifestiert, sondern das begleitende Dauerlächeln des Masters und sein auf die junge Pianistin fixierter Blick. Sie hat nichts zu sagen, ja, sie hat nicht mal einen Namen.

Später wird sich zeigen, dass sie glänzend Klavier spielt, wenn man sie lässt, und dies ist überhaupt die Grundlage der scheinbar magisch gelingenden Unterweisung. Das nichtsahnende Publikum darf annehmen, dass die Fähigkeiten erst hier unter dem Zuspruch des väterlichen Magiers aufgeblüht sind.

Natürlich geht es um diese Musik (Haydn C-dur-Klaviersonate 2. Satz). Er ist bewundernswert, wie die Pianistin auf Störungen reagiert, Ab-lenkungen wegsteckt, z.B. bezüglich der Kopfdrehung in die Richtung dessen, der sie korrigieren wird, – wäre die Spiegel-Frage auch gekommen, wenn ein männlicher Könner den lernenden Part innegehabt hätte? – wäre auch dann der Lehrer hinter ihn getreten und hätte ihm überraschend den Kopf „verdreht“?

Reise in die Weisse Wüste

„Eine Heimat, die an die Ewigkeit reicht“

Hans Mauritz berichtet aus Ägypten

Im Ramadan 2024 reiste ich mit einer Freundin in die Weisse Wüste, die etwa 420 km südöstlich von Kairo und 130 km von der Oase al-Bahariya entfernt ist. Dieses Gebiet ist bei Touristen beliebt wegen seiner Kalksteinfelsen und Steinformationen, ein riesiger Skulpturenpark, wie von einem übermenschlichen Künstler aufgebaut. Weite Flächen glänzen weiss in der Sonne und lassen an Schneefelder, an Seen und an Eisschollen denken. In der Ferne glaubt man Städte mit Kuppeln und Moscheen zu sehen und hoch auf den Felsen Ruinen von Burgen und Gehöften. Auf einem Hügel tront eine Madonna, anderswo hocken dunkle Gestalten auf hellen Klippen. Kolossale Menschenköpfe ragen aus dem Sand heraus, bedrohliche Gesichter mit Fratzen und aufgerissenen Mäulern. Überall riesige Tiere mit ausgestreckten Hälsen, Pferde und Kühe, Elefanten und Nashörner, Vögel, Enten und Schildkröten. Wenn unser Jeep näher kommt, verschwinden diese Trugbilder und verwandeln sich in Geröll, in Steine und Felsen in bizarren Formen . Wir fahren durch eine tote, versteinerte Welt, eine Welt der Illusionen, eine Fata Morgana, die nur in unseren Augen und Köpfen existiert. Menschen, Tiere, Häuser, Städte sind ein Nichts, das uns durch seine Täuschungen zu necken scheint.

Die Weite und das Schweigen sind sogar in dem Zeltlager präsent, in dem wir dreimal übernachten. Zwei Abende und Nächte waren wir ganz allein und liessen die Einsamkeit zu unserer Seele sprechen. An einem dritten Abend tauchten dann Gruppen von Touristen auf und brachten Betriebsamkeit und Geschwätz.

Ein Blick in die Semantik (1) zeigt, dass das deutsche Substantiv „Wüste“ und das Adjektiv „wüst“ negative und bedrohliche Assoziationen hervorrufen. Synonyme von „Wüste“ sind „Unfruchtbarkeit, Wildnis, Unwirtlichkeit, Verlassenheit und Öde“. Das Adjektiv „wüst“ meint „unbewohnt, öde und verlassen, ausgestorben, wirr und chaotisch, abscheulich, widerwärtig, grässlich und vulgär“. Das Verb „verwüsten“ bedeutet „zerstören, beschädigen, ausplündern und brandschatzen“. Ein „Wüstling“ ist ein zügelloser, lasterhafter Mensch, rücksichtslos, zu Gewalt neigend und mit einem sexuell ausschweifenden Lebenswandel. Aber Zusammensetzungen wie „Wüstenheiliger“, „Wüsteneremit“ und „Wüstenpilger“ weisen darauf hin, dass dieser endlose, leere Raum auch eine ganz andere Dimension erahnen lässt.

Die Unendlichkeit lässt an grenzenlose Freiheit denken , und die Stille redet von Gott. Nicht umsonst sind alle grossen monotheistischen Religionen in der Wüste entstanden. Die Wüste war Heimat von Propheten, von Einsiedlern und Mystikern. „Wenn ich einen Gottlosen bekehren wollte, würde ich ihn in eine Wüste verbannen„, sagte der französische Philosoph Théodore Jouffroy. (2) „Die Welt tötet uns durch Betriebsamkeit, die Wüste belebt uns durch Stille. Die Wüste ist das Erwachen der Seele, die Heimat Gottes, ein Paradies aus Nichts, eine Heimat, die an die Ewigkeit reicht. Wir gehen in die Wüste, um unseren Durst nach Freiheit zu stillen„. Dies sind Zitate aus einer Aphorismen-Sammlung von Ibrahim al-Koni (3). Dieser Schriftsteller ist nicht Ägypter, sondern Libyer. Er wurde 1948 in der Region von Ghadames, im Nordwesten der Sahara nahe der algerischen Grenze, geboren. Er entstammt einem Tuareg-Stamm, seine Muttersprache ist Tamasheq, ein Berberdialekt, und er hat erst mit zwölf Jahren Arabisch gelernt, die Sprache, in welcher er dann mehr als achtzig Bücher geschrieben hat (4). Dass wir ihn zum Kronzeugen für unseren Bericht heranziehen, ist nicht unberechtigt. Dieses Wüstengebiet ist, über alle nationalen Grenzen hinweg, eine geographische Einheit. Die Weisse Wüste liegt zwar im ägyptischen Sprachgebrauch in der „Westlichen Wüste“, aber der offizielle Name, den die Geografen verwenden, lautet „Libysche Wüste“.

            

Die Oasen, die wir vor und nach unserem Ausflug in die Wüste besuchen, bilden einen starken Kontrast zu dieser Welt aus Sand und Steinen. In unseren Augen, an Weiss und Grau gewöhnt, an das Nichts, die Leere und Unendlichkeit, erscheinen die Oasen wie eine andere Welt. Die Dattelplantagen, die Olivenhaine und der Klee erstrahlen in saftigem Grün. Gut genährte Kühe und elegante Pferde weiden auf den Wiesen. Stille herrscht freilich auch hier. Nur wenige Bauern fahren auf Eselskarren und Motorrädern vorbei, um auf den Feldern zu arbeiten, Viehfutter zu transportieren und ihre Tiere zu versorgen. Obwohl in diesem Grün Ställe und z.T. stattliche Häuser versteckt sind, wohnt hier niemand. Die Fellachen ziehen es vor, in den Dörfern entlang der Strasse zu leben, die in pharaonischer, griechisch-römischer und koptischer Zeit blühende Kulturzentren waren, deren Tempel, Friedhöfe und Gräber heute von den Touristen besucht werden. Aber die Dörfer wirken unspektakulär und schäbig. Wichtiger als Einsamkeit und Nähe zur Natur sind diesen Menschen wohl dörfliche Gemeinschaft und Geselligkeit. Manche ihrer Söhne arbeiten im Tourismus und fahren stattliche Autos, auch wenn dieser Sektor immer mal in der Krise steckt. In den Nächten, in denen wir in den Oasen übernachteten, waren wir stets die einzigen Gäste in den prächtigen Hotels.

In der Oase al-Bahariya besuchten wir den Landwirtschaftsbetrieb, den unser Reiseführer Montasser Farag und seine Schweizer Gemahlin Juliette Kaltenrieder betreiben (5). Die beiden haben sich 2008 auf einer Wüstenreise kennen gelernt, drei Jahre später geheiratet und sich in al-Bahariya niedergelassen. Weil Montassers Reiseunternehmen in Schwierigkeiten gerät, als 2015 bei al-Bahariya mexikanische Touristen von Soldaten getötet werden, die sie für Terroristen hielten, und die Wüste danach jahrelang für den Tourismus gesperrt wird, beschliesst das Paar, auf Landwirtschaft umzusatteln.

Juliette und Montasser erwerben drei Hektar Land, auf denen 70 bis 80 Palmen wachsen, und bauen das Unternehmen „Oasen-Delikatessen“ auf, das vor allem Datteln und Oliven produziert. Die Schweizer Geografin und Dozentin eignet sich das Wissen über traditionelle Anbaumethoden und moderne Techniken an, mit dem Ziel, Bio-Produkte von höchster Qualität zu erzeugen. Die Arbeitsvorgänge sind sehr aufwendig und erfordern Konzentration und ein gut geschultes Team. Die Datteln müssen sortiert, getrocknet und gewaschen werden. Jede Dattel wird mit Stirnlampe einzeln begutachtet, um Schädlingsbefall zu erkennen. (6)

Juliette arbeitet mit einer Gruppe von Frauen zusammen, die so zu einer bezahlten Arbeit kommen, was in der Oase ganz ungewöhnlich ist. Auf diese Weise erwerben sie Wissen und Erfahrung, ihr Selbstvertrauen wird gestärkt, und sie sind stolz auf ihre Arbeit und die Qualität der Erzeugnisse. „Juliette hat mir mehr geholfen als meine Mutter“, sagt eine junge Mitarbeiterin.

Der Schweizerin gelingt es, sich in diese fremde Welt zu integrieren, weil sie deren Traditionen und Denkweisen respektiert, ohne sich selbst aufzugeben. Ihre Arbeit gibt ihr Erfüllung. „Nach Ägypten auszuwandern, ist das Beste, was ich je getan habe.“ (7) Dennoch bleiben Misserfolge nicht aus. Der Betrieb erweist sich als zu klein, um mit den grossen, industriell arbeitenden Firmen zu konkurrieren. Der Export ihrer Produkte in die Schweiz wird erschwert durch hohe Zollgebühren, und der Bio- und Fairtradehandel bringt nicht, was er verspricht. Juliette greift zu ungewöhnlichen Lösungen. Sie verteilt einen Grossteil der Datteln an Menschen in den Armenvierteln von Kairo und in der Oase selbst. Und sie startet eine Patenschaftaktion: Interessierte können eine Palme adoptieren und werden dafür mit Datteln belohnt.

Wüste und Oase, Leere und üppige Vegetation, Leben und Tod, Jenseits und Wirklichkeit, Physik und Metaphysik, Glaube an Gott und Arbeit im Dienst von Anderen: Unsere Reise schenkt uns einen Erlebnisschatz, wie er vielfältiger nicht sein könnte.


Fotos (mit Menschen und grüner Vegetation): ©Juliette Kaltenrieder / Alle Wüstenfotos: ©Hans Mauritz

(1) „Wüste“ s. „Uni Leipzig: Wortschatzportal“ und „Deutsches Wörterbuch von Jacob und Wilhelm Grimm“

(2) Wikiquote, „Wüste“

(3) „Schlafloses Auge. Aphorismen aus der Sahara“,2001, Lenos, Basel

(4) Wikipedia, Ibrahim_al-Koni

(5) Neue Zürcher Zeitung, 27.1.2022

(6) Bericht von Christina Suter, Newsletter von „Oasen-Delikatessen“,15.3.2024, https:// www.oasen-delikatessen.com

(7) Der Bund, 7.9.2020

Hans Mauritz, März 2024

Was machte Igor Levit sprachlos?

Zu einem interessanten Porträt-Film

https://www.arte.tv/de/videos/092276-000-A/igor-levit-no-fear/ HIER verfügbar bis 21.06.24

Pressetext:

Igor Levit: No fear

Das inspirierende Porträt eines Künstlers auf seinem Parcours zwischen traditioneller Karriere und neuen Wegen in der Welt der Klassik: Der Film begleitet den Pianisten Igor Levit bei der Aufnahme neuer Werke, seiner Zusammenarbeit mit seinem kongenialen Tonmeister, mit Dirigent*innen, Orchestern und Künstler*innen.

Igor Levit ist ein Ausnahmekünstler im mitunter etwas gediegenen Universum der klassischen Musik. Seit er auf den großen Bühnen steht, meldet er sich immer wieder öffentlich und politisch zu Wort – eine Überlebensstrategie, die er in seinem Leben und in seiner Musik verfolgt. Er füllt die großen Konzertsäle rund um die Welt und spielt bei Eiseskälte im Dannenröder Forst aus Protest gegen dessen Rodung. Er legt die gefeierte Aufnahme aller Beethoven-Sonaten vor und widmet sich dann Schostakowitsch und Ronald Stevensons atemberaubender „Passacaglia on DSCH“. [ab 38:15 bis 50:20] siehe dazu Levits Video hier und zum Komponisten Wikipedia hier .

Er schlägt die Brücke vom Alten zum Neuen, von der Musik zur Welt, dorthin, wo die Menschen sind.
Der Dokumentarfilm von Regina Schilling („Kulenkampffs Schuhe“) begleitet den Pianisten bei der Erkundung seines „Lebens nach Beethoven“, bei der Suche nach den nächsten Herausforderungen, nach seiner Identität als Künstler und Mensch. Das Kamerateam beobachtet ihn bei der Aufnahme neuer Werke, bei der Zusammenarbeit mit seinem kongenialen Tonmeister, mit Dirigenten, Orchestern und Künstlern, bei seinem Eintauchen in die Musik, seiner Hinwendung zum Publikum, diesen unwiderstehlichen Wunsch zu teilen.
Dann bremst Covid dieses Leben unter ständiger Hochspannung von einem Tag auf den anderen aus. Über 180 gebuchte Konzerte werden abgesagt. In dieser Situation des unfreiwilligen Stillstands ist Levit einer der Ersten, der erfinderisch wird und mit seinen allabendlich gestreamten Hauskonzerten eine musikalische Lebensader zwischen sich und seinem Publikum auf Instagram und Twitter aufbaut. Während dieses Prozesses entdeckt er eine neue Freiheit, abseits der Zwänge des Tourneebetriebs, der Veröffentlichungen und der Vermarktung.

Regie: Regina Schilling / Jahr: 2022

Ab 55:22 Blick auf Salzburg / er beginnt, dem Kollegen Markus Hinterhäuser (Intendant der Salzburger Festspiele) von Keith Richards zu erzählen (Muddy Waters), und der andere erwähnt (allzu beflissen?) die Traurigkeit Chet Bakers. Gut seine kurze Bemerkung über die Oboe /diese Vergeblichkeit der Imagination, die manche Klavierlehrer einem auferlegen… bis 58:07

Nachhilfe in Sachen Blues

↑ siehe bei 4:24 (Muddy Waters)

Diese Beispiele dienen nicht nur der Exemplifizierung dessen, worüber kurz die Rede war, sondern auch der Nachprüfung, was davon übrig bleibt, wenn man es in extenso hört. Stimmt das Erinnerungsbild oder sollte man Vorsicht walten lassen? Das ist keine rhetorische Frage, die Antwort kann auch lauten: nein, ich sollte diese Musik auf jeden Fall länger auf mich einwirken lassen, und selbstverständlich gilt das gleiche für die Beethoven-Sonaten: wenn jemand, der sie studiert hat, beiseitelegen will – etwa um eine andere Form der Unmittelbarkeit zu erleben – ist das etwas anderes, als wenn man ihre Lebendigkeit nie wahrgenommen hat. Die Äußerungen die ein Mensch tut, der so Klavierspielen kann, dass unsereins nur staunt und die traumhafte Fingergerfertigkeit bloß hörend bewundert, darf niemand sonst „1 zu 1“ übernehmen. Und zum Beispiel die Ausdruckskraft eines einzigen Tones von Muddy Waters ausspielen gegen die ersten 25 Sekunden der Sonate op. 110, etwa hier. . .