Kategorie-Archiv: Architektur

Vom Wesen der Stadt

Die trügerische Natur der 50er Jahre

Reichowplatz

Dieser Platz ist nach dem älteren Bruder (*1899) meines Vaters (*1901) benannt, der eine Architekt, der andere Musiker, der sich zeitlebens mit Klavierspiel beschäftigt hat, immer auf der Suche nach den natürlichen Grundlagen. (Siehe hier.) Dieses Wort wurde mir erst auffällig, nachdem ich in den Büchern des Architekten Reichow eine Redundanz naturbezogener Begriffe festgestellt habe. In den Jahren nach dem Krieg, in denen mein Vater (zu spät) sein Klavierspiel auf ein neues Niveau zu heben trachtete, auch eine umfangreiche Sammlung mit technischen Übungen niederschrieb, veröffentlichte sein Bruder zwei opulente Bände über „Organische Baukunst“, gewann Preise und machte als Städtebauer Karriere.

Hans Bernhard R

Dieses Bild gefiel ihm: der berühmte Sohn an der Seite seiner alten Mutter. Nach dem Frühstück pflegte er zuweilen Geschichten vorzulesen, die er der Zeitung entnommen hatte, z.B. von Thaddäus Troll. Von dieser Oma kommt übrigens die ganze Musik in die Reichow-Familie. Ich werde nie vergessen, wie der Onkel einmal nach meiner Geige verlangte und sich damit niederkrümmend abmühte, die „Air von Bach auf der G-Saite“ wiederzufinden. Er muss es in seiner Jugend mal geübt haben.

Stadtbaukunst Organische Stadtbaukunst Seite 28

Jeder Satz zeigt, dass es ihm um ein harmonisches Ganzes geht, einen einheitlichen Organismus“ geht, er will zeigen, „was alles wir einer gesunden Landschaft als wichtigster Voraussetzung menschenwürdigen Großstadtlebens heute mehr denn je schuldig sind: ihr ihre Reinheit und Ursprünglichkeit wiederzugeben und zu erhalten, wenn wir sie wieder zu dem machen wollen, was sie den Menschen gesunderweise immer war und bleiben muß: zum ewigen Jungborn unserer physischen und geistigen Kräfte!“ Wenig später ist sogar schon (1948) davon die Rede, wohin „die bedenken- und sinnlos weitergetriebene Versteinerung alles städtischen Grund und Bodens, der Höfe, Straßen und Plätze“ geführt habe: „zu bedenklichen Klimaveränderungen.“ Manches scheint vielleicht aktuell und enorm weitsichtig gedacht, wenn nicht die ins Umfassende zielende Wortwahl, der Ruf „nach einer neuen Verinnerlichung“, „einer neuen Beseelung des Kosmos“ viel zu hoch gegriffen wäre, angesichts der allenthalben noch sichtbaren, gigantisch realen Zerstörung, an der doch diese ganze Generation mitgewirkt hatte. Bewusst oder unbewusst? Fatal wird es, wenn dann dem Unbewußten ein Loblied gesungen wird:

Und wie die Verzweckung und Entseelung, Vermassung und Entinnerlichung all unseres Daseins in wechselseitiger Beziehung die Zerstörung jeder menschenwürdigen Lebenseinheit in der Großstadt zuwege gebracht, so vermag auch nur die übersichtliche, lebens- und naturnahe Gliederung der bisher amorphen Großstadtmassen und ihre sinnvolle u n b e w u ß t  wirkende, auf naturnahes Leben zielende Ordnung die Einheit alles Großstadtdaseins planvoll zu begründen.

Gerade das Unbewußte solcher Wirkung ist schließlich das Geheimnis ursprünglich gesunden Lebens!

Das unbewußte Wirken werden wir deshalb als Grundsatz bei der Ordnung und Gestaltung aller stadtlandschaftlichen Funktionen wiederfinden, weil es aller menschlichen Natur zum Besten dient. Denn der Mensch und seine Gesundheit, die Einheit und Ganzheit seines Daseins steht über allem im Mittelpunkt unseres städtebaulichen Denkens und Trachtens. (Seite 29)

Man begreift es nicht, wie man sich solchen Visionen von Einheit und Ganzheit hingeben kann, wenn man noch vor Augen hat, wie die Welt gerade in Trümmer gelegt wurde. Das Schlusskapitel des ersten Bandes allerdings ist überschrieben: Von der Dauer der Stadtlandschaft, danach folgt ein Motto von Raoul H. France: „Weltgesetz ist, was Dauer sichert.“ Und dann endlich der ganz kurze Blick in die jüngste Geschichte – ich vermute, dass die zwei Jahre nach Kriegsende psychologisch wie eine große Zeitspanne wirkten  und ohnehin der Blick auf eine schönere Zukunft gerichtet war:

Die wir den Aufbau unserer zerstörten Städte planen oder lenken, belasten uns alle mit einer ungeheuren Verantwortung. Noch in fernsten Zeiten wird es uns zur Ehre gereichen, wie wir diese Verantwortung trugen, welche Pläne und Entschlüsse wir faßten. Und niemand wird danach fragen, wer seine Städte zuerst und am schnellsten, am billigsten oder am aufwendigsten, sondern wer sie am weitsichtigsten für ein dauernd menschenwürdiges Dasein, wer sie organisch und gesund für die größte Dauer zu gestalten vermochte.

Die Hervorhebung in roter Farbe stammt von mir. Mein Großvater mütterlicherseits hatte ähnliche Wunschvorstellungen, allerdings bezogen auf sich selbst, seine nächsten Verwandten und ein engeres Leben auf dem Dorfe, bei Rohkostversorgung in guter Landluft, einem Leben nach den Reformvorstellungen Are Waerlands,  schon seit 1935 im Zeichen eines Dr. Malten („So heilt die Natur“). Für ihn war klar, dass er „gut 100 Jahre alt werden würde“ und wir alle für immer frei von Krankheiten sein würden. Politisch war er – nicht erst seit dem Krieg – kontrovers eingestellt, so dass mein Vater, mal in Polen, mal im norwegischen Kirkenes stationiert, besorgte Briefe an meine Mutter nach Hause schickte, sogar einen fast drohenden Ton anschlug (weil wir zuhaus „dem Vaterland in den Rücken fallen“), der sonst sorgfältig bewahrte Briefwechsel meiner Eltern weist hier plötzlich Lücken auf.

Stadtbaukust Trilogie

Mein Onkel richtete sein Augenmerk auf Städte von größter Lebensdauer, er schrieb den dritten Band der Trilogie nicht mehr, stattdessen „Die autogerechte Stadt“, womit er aber – entgegen dem verbreiteten Missverständnis – durchaus eine menschengerechte Stadt meinte. Es gab auch Großstädte, die er gelten ließ.

Stadtbaukunst San Francisco

Siehe auch: HIER (Wikipedia-Quelle)

Fragwürdig an Reichows „autogerechter Stadt“ ist aus heutiger Sicht vor allem sein permanenter Bezug auf biologistische Ideale, die er als „organisch“ und damit „naturwüchsig“ vorstellt. Damit einher ging die Vorstellung von der Großstadt als ungesunder Großeinheit, als Moloch, die es zu heilen, durch Ordnung und Städtebau in übersichtliche Nachbarschaften zu gliedern gelte. Dieser Impuls war bereits bei den Stadtreformern der englischen Gartenstädte und den Städtebauern der 1920er Jahre anzutreffen. Er war im Falle von Reichow anschlussfähig auch an völkisch und führerstaatlich motivierte kleinteilige „Organik“. Durchmischung, Überlagerung und Chaos, die städtisches Leben prägen und attraktiv machen, kommen in einer solchen Argumentation nicht vor.

Die andere Welt (auf der Lohe), die sich quasi „unbewusst“ (ohne Theorie) aufs Familiäre, Persönliche, die eigene Haut zurückzog, verließ sich darauf, dass ein Dr. Malten für den großen Überbau gesorgt hatte.

Malten Natur

Dr. Malten „So heilt die Natur“

Ich glaube nicht, dass mein Großvater den theoretischen Teil des Werkes wirklich durchgearbeitet und verstanden hat, ich selber bin immer drin steckengeblieben, zumal ich seit Mitte 1955 Julian Huxleys „Entfaltung des Lebens“ verinnerlichte und diese seltsame Teleologie des Dr. Malten wohl hätte widerlegen können. Andererseits bemerkte ich erst Anfang der 60er Jahre und später, in welchem Maße die Vorkriegsideologie uns alle im Griff gehalten hat. Der Titel des Buches von Ludwig Klages „Der Geist als Widersacher der Seele“ (das ich nicht besaß) spukte in unseren Köpfen herum, zuweilen in Rilkes poetischer Gestalt. Mit diesem Kalender bewaffnet fuhr ich im April 1960 zur Aufnahmeprüfung nach Berlin. Auch das subkutan wirkende Gegengift des Arztes Gottfried Benn war darin zu finden.

Kalender Rilke 1960 Kalender 1960 Benn

Dazu gehörte „Struktur der modernen Lyrik“ von Hugo Friedrich und Theodor W. Adornos „Philosophie der Neuen Musik“, weitere Gegenströmungen, die Moderne in jeder Form, aber auch die intensive Zuwendung zu fernöstlichen Gedankenwelten. Alles koexistierend. Liebe zur Natur und Skepsis gegenüber Naturschwärmerei. Abkehr vom Vegetarismus als Abwehr des Elite-Denkens. Berlin / Köln / Großstadt erleben.  „Berlin Alexanderplatz“, Jürgen Becker (!), Musil, Proust, Christopher Caudwell. Den Rest besorgten die 68er Jahre.

Nietzsche, mit dessen Zarathustra ich begonnen hatte, ahnungslos, was sein Freund Peter Gast mir im Nachwort einbrockte oder unterjubelte, seriös angehoben durch den Ober-Nazi Alfred Bäumler, – erst mit dem Buch von Karl Jaspers wurde mir klar, dass „wilde“ Nietzsche-Lektüre viel vergeudete Zeit bedeutete. Andererseits – dass Unordnung nicht grundsätzlich vom Teufel war:

Dörfer in der Stadt

*  *  *  *

Mein Motiv, diesen Artikel zusammenzustellen, lag in der These, dass vieles, was in meiner Jugend gut gewesen sein soll, aus der Zeit vor dem Krieg stammte; und nur dieser selbst, wie auch die Hitlerzeit insgesamt wurde weitgehend ausgeklammert, als habe es sich nur um einen Betriebsunfall gehandelt. Man müsse jetzt nur die ewigen Werte wieder ernsthaft beherzigen. Daher erschien es mir wichtig, die Rolle Adornos und die (linke) Studentenbewegung hervorzuheben. Ich hatte die Bände zur Organischen (Stadt-)Baukunst noch nicht gründlich genug gelesen. Im Vorwort des ersten Bandes wird durchaus Bezug auf den Krieg genommen, und es wird klargestellt, dass das Werk in den Grundzügen eben schon vor den großen Zerstörungen geschaffen worden ist. Klar ist immerhin, dass die idealistische Weltsicht keinerlei prinzipiellen Schaden erlitten hat. Weiterhin wird – wenn ich recht verstehe – für die Ewigkeit gebaut.

Organische Stadtbaukunst Vorwort 1948 Organische Stadtbaukunst

Und um meinem Vater, der schon mit 58 Jahren starb, Ehre zu erweisen, möchte ich auch von seinem Werk, an dem er mit Herzblut arbeitete, wenigstens den Anfang wiedergeben. Die klavierspielenden Söhne habe es zu seinen Lebzeiten wenig geschätzt. Wir hielten es für eine Zwangsjacke. Eine Fehleinschätzung natürlich. Übrigens hat er nie von ewigen Werten gesprochen, er war ein Skeptiker und sprach mit Emphase nur von der Pflicht. Wahrscheinlich wären wir uns heute näher als früher.

Artur Reichow Klavier 1a  *  *  *Artur Reichow Klavier 1b  *  *  *

Ich schreibe dies also nicht, um mit den Leitbildern meiner Jugend abzurechnen. Sie erschienen mir nicht als solche, ich war nachhaltig beeindruckt durch einen Vortrag (incl. Diskussion) von Carlo Schmid über „Vorbilder“. Ein älterer Mitschüler im Publikum stand auf und beschwerte sich, dass er Jesus nicht genannt habe! Ich fühlte mich mit der Verehrung Albert Schweitzers auf der sicheren Seite (Arzt in Afrika, Bach-Forscher, bekennender Nietzsche-Leser trotz „Leben-Jesu-Forschung“). Ich schreibe um die unmittelbar mich betreffende Vorgeschichte zu verstehen. Mein „Zarathustra“ ist markiert durch drei Unterschriften, womit drei Generationen gekennzeichnet sind, jeweils im Alter von 17, 16, 15 Jahren, aber auf sehr verschiedenem Bewusstseinsstand. Ich glaube nicht, dass Nietzsche das Problem war (der war geschützt durch seine mythologisch überbordende Schreibart), sondern der schrecklich verständliche Peter Gast mit seinem Nachwort. Diese Kröner-Ausgabe war 1930 gedruckt worden, meine Mutter war Jahrgang 1913.

Zarathustra Signaturen

1981 war das Nietzsche-Thema in der Familie geläufig, das Wagner-Thema sowieso, Adornos „Versuch über Wagner“ lag griffbereit seit 4. April 1966 (da hatte ich meine Staatsarbeit über den „Tristan“ längst geschrieben, und derjenige, der eines Tages als letzter mit roter Schrift Besitzrechte am Zarathustra dokumentieren sollte, war gerade 4 Tage alt ).

Das Nachwort des Nietzsche-Freundes Peter Gast (1854-1918!!) ist heute wohl kaum noch zu finden und soll hier in Auszügen wiedergeben werden. Interessant übrigens, dass der „Instinkt“, der als bedeutsam lenkende Instanz durch Nietzsche zu Ehren kam, die gleiche Rolle spielte wie später das Unbewusste, das in deutschen Kreisen der 30er Jahre durchaus nicht zu dem Konnex gehörte, der von Sigmund Freud und der Psychoanalyse entwickelt worden war.

Nietzsche Peter Gast Nachwort 1 Nietzsche Peter Gast Nachwort 2 Nietzsche Peter Gast Nachwort 3 Nietzsche Peter Gast Nachwort 4 Nietzsche Peter Gast Nachwort 5 Nietzsche Peter Gast Nachwort 6 Nietzsche Peter Gast Nachwort 7Nietzsche bei Kröner

Gescannt aus dem Original Alfred Kröner Verlag Leipzig 1930. In meinen Händen ab November 1956. Bis Ende desselben Jahres besaß ich auch die anderen Werke Nietzsches, die im Anhang annonciert waren, alle weiterhin ausgestattet mit den Nachworten des Propagandisten und Fälschers Alfred Bäumler!!! Man lese die zuletzt wiedergegebenen „Waschzettel“. Um hier auch noch direkt aus Bäumlers Nachwort zur „Fröhlichen Wissenschaft“ (Seite 324) zu zitieren:

Zu dem Thema Deutschland gehört auch der höchst wichtige Aphorismus über Luther (Nr. 358). Der Begriff des „guten Europäers“, der schon in ‚Menschlich, Allzumenschliches‘ auftritt und in ‚Jenseits von Gut und Böse‘ eine Rolle spielt, erfährt im Aphorismus 377 eine ausführliche Darstellung. Im ‚Wanderer und sein Schatten‘ ist den guten Europäern die Aufgabe und Überwachung der gesamten Erdkultur zugewiesen (Aph. 86). Zur Erfüllung dieser Aufgabe ist eine „Verstärkung und Erhöhung des Typus Mensch“ nötig. Nichts steht dem mehr entgegen als die „Religion des Mitleidens“, die seit der Französischen Revolution in Europa vorherrschend ist. Wir guten Europäer, so erläutert Nietzsche im ‚Willen zur Macht‘ (Aph. 117) seinen Gedanken, führen im Grunde einen Krieg gegen das 18. Jahrhundert. Unter dem 18. Jahrhundert versteht Nietzsche immer das Jahrhundert Rousseaus und der Revolution.

Alfred Baeumlers Tendenz ist klar, auch wenn er vorgibt, nur Nietzsches Worte wiederzugeben. Und es scheint ja auch so, als ob er die Einführung von Peter Gast, der noch dem 19. Jahrhundert angehörte, in aller Harmlosigkeit beigefügt hat. Er weiß, dass sie prophetisch gelesen wird, auch wenn gerade von Napoleon die Rede ist:

„Die Menge  b r a u c h t  nicht nur Führer, sie  w i l l  sie selbst, wenn auch uneingestandenermaßen. Sie weiß mit sich nichts anzufangen; sie wird sich auf die Dauer zum Ekel. – Kommt aber der Große, dann fühlt sie mit heiligem Schauer, was sie nie gefühlt: daß über ihr noch sieben Himmel der Übermenschheit ausgespannt sind!“

Siehe oben im Peter-Gast-Text Seite 406. Siehe auch in Wikipedia über Alfred Baeumler HIER. Im Artikel über Peter Gast dagegen fehlt vielleicht der warnende Hinweis, dass dieser Mann ein peinlicher Jünger des vereinsamten Nietzsche war, mit wenig eigenem Denkvermögen.

Um Nietzsches Denken näherzukommen, bedurfte es eines Karl Jaspers, dessen große „Einführung in das Verständnis seines Philosophierens“ 1935 in Heidelberg abgeschlossen wurde  (Walter de Gruyter Berlin & Leipzig 1936). Ich erwarb das Buch im Mai 1965 und erlebte einen völlig neuen, differenzierten Nietzsche. Man kann nur vermuten, dass das Buch auf Grund seiner gedanklichen Akkuratesse in den 30er Jahren unterging oder einfach nicht verstanden wurde.

Es gab einen langen Vorlauf für die simplifizierende Weltanschauung der Hitlerzeit und ein Nachspiel bis in die zweite Hälfte der 60er Jahre, mindestens. Und vieles davon hatte mit meinem Leben zu tun. Jedenfalls, sobald ich genauer hinschaue.

Ein unverbindliches Vielerlei? Durchaus nicht. Ein Wort noch zum Lesen; Karl Jaspers im Vorwort zu seinem Nietzsche-Buch:

Nietzsche zu lesen, gilt manchen als leicht; wo man ihn aufschlägt, kann man ihn unmittelbar verstehen; fast auf jeder Seite ist er interessant; seine Urteile faszinieren, seine Sprache berauscht; die kürzeste Lektüre belohnt. Jedoch entstehen schon Störungen, wenn man, stehen bleibend bei solchen Eindrücken, viel lesen will; die Begeisterung für den unmittelbar ansprechenden Nietzsche schlägt in Abneigung gegen ein scheinbar unverbindliches Vielerlei um; immer anderes bei ihm zu lesen wird unerträglich. So aber wird weder ein wahres Verständnis noch die rechte Schwierigkeit erreicht.

Form und Fernhören

Muss ich wissen, wo ich mich befinde, wenn ich höre?

Beethovens Neunte, letzter Satz in der Schenker-Analyse

Schenker Beethoven IX Dauer: 27-28 Min.

Mahlers Siebte, fünfter Satz in Indorfs Übersicht

Mahlr VII Indorf Schema Dauer: 18.00 Min.

Gagaku, hier das altjapanische Orchesterstück Etenraku, im Kern

Etenraku als Ganzes Dauer: 9-10 Minuten

Es mag sein, dass die Lektüre des Buches „Höre(n)“ von Peter Szendy mich auf eine Einbahnstrasse befördert hat. Und währenddessen bin ich mir der Tatsache bewusst, dass es auf mich persönlich nicht ankommt. Das Stück in seiner Vollkommenheit bedarf gar keines Hörers. So Schönberg (nach Szendy Seite 144). Und der hörende Experte Adornos – vielleicht ein Phantom; es lebe der zerstreute Hörer! Jedenfalls kehre ich für ein paar Tage nicht um, sondern schaue, wo ich ankomme.

Der erste Punkt: Furtwängler. Was meinte er mit „Fernhören“?

Der zweite Punkt: Das Finale-Problem im Vordergrund der Siebten Mahler?

Der dritte Punkt: Auch ein Fernhören im Schnütgen-Museum Köln Japan HEUTE

Gagaku Konzert Schnütgen 20170623  Gagaku Konzert TANZ Schnütgen

Gagaku u a im Schnütgen 20170623 Handy-Foto JR

Foto oben: „Ninjomai“ Priestertanz, der leitende Zelebrant hält als Symbol kultischer Reinheit einen Zweig des heiligen, immergrünen Sakaki-Baums in der Hand.

Musik unten: Vorspiel zu SEIGAIHA (Atmo & Anfang des Abends) Aufnahme JR

Hintergrund: Museums-Kirche und christliche Symbole (Foto: JR)

Engel Schnütgen a Verkündigungs-EngelMemento mori Schnütgen Museum a „Betrachtungssärglein“

Meine These: es gibt kein Konzert, das keiner intensiven mentalen Vorbereitung bedarf. Das gilt für Mahler nicht weniger als für Gagaku aus Japan. Im Gegenteil: noch viel mehr. Und vielleicht anders als es erwartet wird.

Tageblatt Mahler ST 20170627 Solinger Tageblatt

Wenn man sich in der Mahler-Literatur umschaut, kommt man allerdings schnell zu dem Eindruck, dass es mit dem Finale der Siebten ein Riesenproblem gibt: Zu lang, zu lärmend, zu banal, zu C-dur usw. Also manches von dem, was man einst gegen Mahler vorgebracht hat, nur diesmal auch von Adorno bestätigt, also dem Mann, der mit seinem Buch 1960 das Mahler-Bild revolutioniert hat. So, wie Leonard Bernstein mit seiner Einspielung aller Sinfonien. Ich beziehe mich auf das äußerst konzise Buch von Gerd Indorf: Mahlers Sinfonien (Rombach Verlag Freiburg i.Br., Berlin, Wien 2010). Darin sind der analytischen Behandlung der 5 Sätze der Siebten Sinfonie 48 Seiten gewidmet, davon 15 allein dem Finale; und davon 1 Drittel der Möglichkeit einer Apologie dieses Satzes. Und genau dies Problem steht für mich jetzt im Mittelpunkt des Interesses: Kann man das auch ganz anders sehen? Kann man dieses Werk wirklich so auffassen, wie es die eben zitierte Ankündigung in der Zeitung avisiert, oder ist das bloße Werbesprache?

Diese Symphonie birst an Ideen: eine Reise von nächtlichem Beginn zu einem taghellen, meistersingerlichen Finale mit Kaffeehaus-Potpourri; zwischendurch Mandolinenklänge und eine Gitarrenserenade.

Man lese dagegen Gerd Indorf:

Im Verlauf der Satz-Analyse ist immer wieder deutlich geworden, dass die zur Schau gestellte Positivität, der „angestrengt fröhliche Ton“ (Adorno 1960 S. 180), der affirmativ eine heile Welt beschwört, „jenes ominöse Positive, das freilich das Finale ruiniert (ebd. S. 137), das ästhetisch unglaubwürdig wirkt. Es hat nicht an Versuchen gefehlt, „das aufdringliche Insistieren in ständiger Diatonik sowie schon die Wahl der Tonart C-Dur“ und ein merkwürdig ausgehöhltes Meistersinger-Pathos“ (Ruzicka, S. 109) als kritisch-uneigentlich ironisierende Botschaft Mahlers aufzufassen, mit der „Musik insgeheim nein zu sich selbst sagen kann“ (ebd. S. 106). Auch Hansen sieht das Finale ohne nähere Begründung als „ironisches, stellenweise gar frivoles Spiel […] in jedem Augenblick könnte es sich in eine Katastrophe verkehren“ (1996, S. 151). Diese Beurteilung scheint mir freilich mehr aus der Erwartungshaltung der Rezipienten zu entstehen, denn die Satzästhetik bietet dafür keine Grundlage.

Quelle Gerd Indorf, a.a.O. Seite 343

Warum ist es (heute) so schwer, eine problemfreie Apotheose als Finale dieser Sinfonie zu akzeptieren, während ernstzunehmende frühe Mahlerverehrer wie Paul Bekker begeistert waren? (Mein Vorschlag: grundlose Freude. Die Sinfonie ist ja groß genug, alles ist gesagt, warum sollte man diesen Augenblick nicht 18 Minuten lang feiern!? Mit einem Programm, das geradezu – siehe oben – parodistisch parataktisch gebaut ist: eine fröhliche Dramaturgieverweigerung.)

Es berührt eigenartig, wie Gerd Indorf am Ende seiner klugen Ausführungen doch – gewissermaßen schweren Herzens – zu einem Kompromissvorschlag kommt. Es wäre gewiss allzu leicht, nun den unerbittlichen Arbiter elegantiarum zu spielen, nachdem man alle Argumente von einem Autor vorgeführt bekommen hat, für den gewiss das gleiche gilt wie für Paul Bekker:

Und wenn ein derart kluger, sensibler Autor wie Paul Bekker, dessen Mahler-Interpretationen wir heute, nach bald 90 Jahren, immer noch mit Gewinn lesen, den Satz anders bewertet als wir, so besagt das vor allem, dass die Rezeption von Kunstwerken nicht ausschließlich auf der Grundlage analytischer Tatbestände beruht, sondern darüber hinaus Empfindungen und Wertungen unterliegt, die im jeweiligen zeitgenössischen Lebensgefühl ihre Wurzeln haben . Man sollte sich also in aller Bescheidenheit eingestehen, dass auch unser Mahler-Bild, das von dem der früheren Generationen erheblich abweicht, transitorisch ist und von künftigen Generationen relativiert wird.

Quelle Gerd Indorf, a.a.O. Seite 347

So bleibt alles in der Schwebe, und ich kann mich – so naiv es nur geht – dem Mahler-Live-Konzert in Solingen aussetzen, nach Tagen oder Stunden, die ich mit Gary Bertinis Aufnahme (Kölner Rundfunk-Sinfonieorchester,1990) verbracht habe. Unterbrochen von dem Japan-Ausflug Köln: die älteste, in ununterbrochener Tradition überlieferte Orchestermusik der Welt. Und von dem Gedankenspiel mit den neuen französischen Ideen der „Fernhörens“, die auf Furtwängler (Schenker?) zurückweisen, der jedoch gerade zu Mahlers Musik zeitlebens Distanz hielt.

Schenker Furtwängler 1a Furtwängler über Schenker in „Ton und Wort“

Interessant, was Furtwängler an Schenker fragwürdig findet. Und wie er dann zum Begriff „Fernhören“ übergeht. Er spricht aber zunächst über die Konzeption der „Urlinie“; sie sei bisher (1947) nicht allgemein überzeugend dargetan und begründet worden:

Schenker Furtwängler 2b Schenker Furtwängler 3b Schenker Furtwängler 3c

Furtwängler demnach wörtlich: „Das Fernhören, das heißt das Hören, das Ausgerichtetsein auf eine weite Ferne, auf einen großen, oft über viele Seiten weggehenden Zusammenhang, kennzeichnet für Schenker die große klassische deutsche Musik (…).“

Nicht mehr und nicht weniger. Möglicherweise nimmt Furtwängler diesen Befund jedoch zum Anlass, jede Musik, die „anders“ ist – wie z.B. den Jazz – abzuqualifizieren. Und zwar unter Berufung auf absolute Allgemeingültigkeit dieser Kriterien des organischen Zusammenhangs, der offenbar im jazzartig wuchernden Dschungel nicht nachweisbar ist. Zumal die Sicht etwas behindert ist. Viele Blätter können im Weg sein. Der bei Furtwängler „oft über viele Seiten hinweggehende Zusammenhang“ ist offenbar wertvoller, – ein schriftlich, auf Notenlinien nachweisbarer Zusammenhang. Und zuweilen auch nur dort, in langwieriger Analyse-Arbeit nachweisbarer Zusammenhang, der dann gewusst wird. Ob beim bloßen Hören erfahrbar, beim Spielen hervorkehrbar und ob diese Haltung zur Musik überhaupt wünschenswert wäre, das ist vielleicht ebenso frag=würdig, wie – nach Peter Szendy – der Typus des Experten-Hörers in Adornos Einleitung in die Musiksoziologie.

Zwei Möglichkeiten, über das Gegebene hinauszugehen:

MAHLER VII unter Claudio Abbado siehe HIER. Unter Leonard Bernstein siehe HIER.

Ich glaube, auf dem richtigen Weg zu sein. Und es wird Fortsetzungen geben.

Schnütgen Jesus rollt Schnütgen Jesus Japan b

Handy-Fotos: JR

Die beste Zeit im Jahr

Zwischentöne im Actus tragicus

Es fasziniert mich, Johann Sebastian Bach als Geistesbruder des großen Gottfried Wilhelm Leibniz zu sehen, der die Infinitesimalrechnung erfand. Natürlich verdanke ich den Impuls der wiederkehrenden Lektüre des Buches „Leibniz und die Revolution der Gartenkunst“ von Horst Bredekamp. Ich denke auch an Mozart (siehe hier). Und an Bach, Mozart und Leibniz zugleich, wenn ich am Tag vor dem 1. Mai durch den Benrather Schlosspark spaziere und mir vornehme, noch in diesem Frühlingsmonat Schloss Herrenhausen in Hannover zu besuchen.

Benrath 2017 aa … … …Benrath 2017 b … … …Benrath 2017 f … … …Benrath 2017 c … … …Benrath 2017 e … … …Benrath 2017 d Fotos: E.Reichow

A propos: „Natur“. „Wie natürlich ist unsere Natur?“ Man steige einmal in die ZDF-Precht-Sendung vom 20.3.2017 ein [ HIER ], in der sich Richard David Precht mit Andrea Wulf unterhält, die ein Buch über Humboldt geschrieben hat, etwa bei 12:50, und springe nachher zurück auf – sagen wir – 7:00, alles ist interessant, aber nicht ganz auf dem Niveau von Bredekamp (Precht: „Der Barockgarten ist die domestizierte Natur“ – sagt er, um ihn vom englischen Garten abzusetzen. Aber natürlich bedeutet jeder Garten eine Domestizierung der Natur.)

(Fortsetzung folgt)

Übrigens: der Titel dieses Blogbeitrags, der ein bisschen an den vorigen anknüpft, bezieht sich eigentlich auf ein schönes Lied von Martin Luther, das manchmal auch in der (falschen) Schreibweise „Maien“ für „mein“ begegnet: „Die beste Zeit im Jahr ist mein“. Hier eine Aufnahme, anrührend gesungen von dem Kammerchor Hallenser Madrigalisten:

Leider nur zwei von vier Strophen. Es handelt sich um den Chorsatz von Melchior Vulpius. Diesen Satz und eine andere, vielleicht heute bekanntere Melodie desselben Textes fand ich im alten Chorbuch „Musik in der Schule“ Band 3 Möseler Verlag Wolfenbüttel (1954). Ob Vulpius oder schon Luther die Choral-Melodie unterlegt hat, weiß ich nicht. Als Quelle finde ich nur Martin Luther, 1538 (1483 – 1546), Schlußstrophen des Gedichtes “Frau Musica” (“Für alle Freuden auf Erden”)  – Musik: nach der Choralmelodie ”Wenn wir in höchsten Nöten sein”. – (Fragwürdig, – doch nicht etwa Lyon 1547? Lied 211)

Die beste Zeit

***

Achtung: Heute auch neuer Eintrag in Blog-Beitrag Syrien-Skandal  HIER.

Keimzelle Familie nach 1933

(Fortsetzung des Beitrags „Zeitlosigkeit“ vom 17. Februar 2017 HIER.)

Es mag manch einem übertrieben scheinen: aber da ich nun einmal im eigenen Haus auf diese Zeitdokumente gestoßen bin, die Aufschluss geben über Vorstellungen von Privatheit im sog. Dritten Reich, will ich sie festhalten. Und die leicht provozierende Überschrift mag darauf hinweisen, dass ich kein Lob der deutschen Gemütlichkeit im Sinne habe. Mir fällt zum Beispiel auf, dass die Sphäre der Familie in einem traulichen Bild beschworen wird, das dem damals längst vergangenen Jahrhundert entstammt (1863). Bemerkenswert, dass der Vater fehlt.

Wohnmöbel nach 1933 1 … …Wohnmöbel nach 1933 2 … …Wohnmöbel nach 1933 3 … …

Familie unter Lampe Rumpf (näher am Original)

Wohnmöbel nach 1933 4 Doch der Vater?

Nein, „der denkende Mensch mit seinen schaffenden Händen“.

Wohnmöbel nach 1933 5 Gut- und Schlecht-KriterienWohnmöbel 6 … …Wohnmöbel 7 … …Wohnmöbel 8 … …

Aus dem alten Band „Deutsche Lyrik seit Goethe’s Tode“ (ausgewählt von Maximilian Bern, 10. Auflage 1886) stammt das Schwab-Gedicht, das meine Oma noch in den Kriegsjahren mit singender Stimme auswendig rezitiert hat. Es stand auch noch in den Lesebüchern der Zeit zwischen den Weltkriegen. Demnach war es durchaus nicht so, dass das Unheil ausgeklammert wurde. Davon zu hören, erhöhte die Gemütlichkeit. Die Oma erzählte sogar auch selbst von einem Blitz, der einmal dort – sie zeigte auf eine Stelle in der äußeren Wohnzimmerwand – eingeschlagen habe, dann zur Tür hinaus und die Treppe heruntergezischt sei und bei den Kühen im Stall vorbei ins Freie und in die Erde gefahren sei. Sie rezitierte oder erzählte dies natürlich auch nicht gerade, wenn ein reales Gewitter sich ankündigte oder draußen schon tobte. Vielmehr sorgte sie dafür, dass Scheren von der Nähmaschine am Fenster in der Schublade verschwanden, damit sie den Blitz nicht anzogen.

Gewitter Gedicht Schwab

Was meine Großmutter wirklich über die Zukunft dachte, weiß ich nicht. Fest steht, sie erwartete ein Strafgericht, ohne es mit dem Krieg in Verbindung zu setzen. Sie drohte immer mal wieder mit dem Tag des Hammagedon (sic!) und gab der Hoffnung Ausdruck, dass wir Kinder mit ihr zusammen zu den 144.000 gehören, die überleben werden. Das Fotodrama-Buch aus dem Jahre 1914 war eine ihrer Quellen:

Zukunftsvisionen

Ihre Tochter, meine Mutter schrieb am 22. Februar (das heutige Datum!!!) 1944 an meinen Vater, der hoch im Norden – im finnischen Kirkenes – stationiert war, den Brief, aus dem der folgende Ausschnitt stammt (Übertragung aus der Handschrift JR). Sie befand sich mit uns Kindern vorübergehend in ihrem Elternhaus auf der Lohe bei Bad Oeynhausen; auch ihr Bruder Ernst war zu einem Heimatbesuch von der Ostfront gekommen, wohl dem letzten in seinem Leben:

Ich habe immer noch keine Post von Dir. Seit dem 5.II. ist alles still geblieben, und ich weiß nicht, ob Du nun wieder gut in Kirkenes bist, und ob es Dir gut geht. –

Es geht uns hier gut. Die Kinder sind vergnügt und ausgelassen, haben besten Appetit und gehen mit solcher Fröhlichkeit unter die kalte Waschung, daß es eine Lust ist. Gestern hatten sie und auch wir ein großes Erlebnis.

Ernst, die Kinder und ich machten uns mittags in schöner Sonne auf nach Wittelmeyers, mitten während eines tollen Alarms, auf den wir hier keine Rücksicht nehmen. Unterwegs waren wir Zeuge der Luftschlacht, die sich über uns abspielte. Die Jäger machten sich mit einer Verbitterung dahinter, daß man die Bomber z. T. einzeln in Unsicherheit ihre Straßen suchen sah. Dann wurden auch diese Einzelnen noch gestellt, und einen sahen wir brennend abstürzen, einen viermotorigen Bomber. Es war ein grausig schönes Bild. Ernst war begeistert, und Bernd zitterte vor Erregung. Heute morgen wollte er schon um 8° nach draußen, um seinen Spielkameraden von diesem Erlebnis zu berichten. –

Wie man nach 1933 ein Heim gestaltete

Zeitlosigkeit

Dies war der Stil der Zeit, so wohnte man. Und einige Möbel, angeschafft in Greifswald Ende der 30er Jahre, hatte meine Mutter noch bis zu ihrem Tod 2006. Sie war stolz auf die Schlichtheit und nannte den Stil „zeitlos“. Den Gebrauch des Wortes „deutsch“ im Sinne des hier wiedergegebenen Werbe-Prospektes habe ich bei ihr nie erlebt:

Schlichter, schöner Hausrat ergibt ein Bild heiterer Wohnlichkeit. (Seite 2)

Die Deutsche Arbeitsfront ist bestrebt, nicht nur den Arbeitsplatz des schaffenden deutschen Menschen zweckmäßig, licht und schön zu gestalten, sondern in gleicher Weise auch seine nächste Umgebung. (Seite 3)

(…)

Wer die köstlichen Schilderungen und Bilder deutscher Wohnstuben aus der Zeit um 1800 betrachtet, wird schwer verstehen, daß es nur einer Generation bedurfte, um hier fast alles zu zerschlagen. (Seite 6)

(…)

Helfen wir, daß auch unsern Kindern dieses Glück zuteil wird, aus einer Brunnenstube deutschen Familienlebens tapfer hinauszuziehen in die Arbeit und das Schaffen. (Seite 6)

Wohnstube 1935Wohnen Seite 2Wohnen VorwortWohnen Vorwort 1935Wohnen b Küche 1935Wohnen Text c 1935 Wohnen 7Wohnen 8Wohnen 9Wohnen 10Wohnen 11Wohnen 12Wohnen 13Wohnen 14Wohnen 15Wohnen 16Wohnen 17Wohnen Küche 1935Wohnen 19Wohnen 20Wohnen 21Wohnen 22Wohnen 23Wohnen 24Wohnen 26Wohnen 27Wohnen 28Wohnen 29Wohnen 31Wohnen Möbel letzte Seite

Fragment aus den Erinnerungen meiner Mutter:

Wohnen Möbel GR-Eintrag

Wohnen Möbel GR-Eintrag f kurz

Greifswald Am Georgsfeld 65

Unser Heim kl Unser Heim

Unser Heim Deine Ecke Jan in der Sofaecke

Unser Heim Esstisch Unser Heim Flügel

Unser Heim Schrank Unser Heim die Restfamilie

Das gemütliche Heim: der Platz am Flügel bleibt leer, ebenso wie der Platz am Schreibtisch: die deutsche Restfamilie und der Krieg (Ende 1942).

(Fortsetzung des Themas HIER.)

Individualist op hoge See

Rainer Prüss

Prüss Hardanger gr … …Prüss individualisierte Gesellschaft … …Pruess Denkzettel 12 Screenshot 2017 … …Pruess Web Screenshot 2017-02-02 HIER anklicken! Bio extra.

(Alle Fotos ©Rainer Prüss, Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung, JR)

Ich kenne wenig Leute (genauer: keine) von dieser Kreativität, und zwar schon sehr lange, nur dass ich es vor 40 Jahren noch nicht erkannt habe. Da sah (hörte) ich nur 1 Facette, und in seiner Bio-Trilogie gehöre ich innerhalb der Musik wohl in die Radio-Sparte: „Auftragskompositionen und Produktionen für RB, NDR, WDR, tätig als Rundfunk-Moderator (WDR), Sprecher (RB), Juror (WDR, mdr).“ Da gibt es bestimmte Musiktitel, die ich durch die drei Moderatoren von „Liederjan“ kennengelernt habe und die bis heute weiterwirken. Unvergessen: „Jimmy Clay“ von Patrick Sky (aber die Fassung mit Fiddle). Wahrscheinlich gab es wenig Überschneidungen in unseren Plattenschränken, gerade das war gut so! Begonnen hatte es jedenfalls mit der „Zupf-Streich-Zieh und Drückmusik“ im Rheinischen Landesmuseum, als mir der sympathische Sprecher der Gruppe auffiel, mit seinem schönen friesischen Akzent. Wann war das? Muss bald nach meiner Festanstellung im WDR (1976) gewesen sein. Ein „Flensburg Journal“ hat das merkwürdige Original-Genie 2014 zu würdigen gewusst:

Rainer Prüß – Was noch?

ZITAT (privat)

soso, Du warst also auf Spurensuche und bist im Flensburg Journal fündig geworden… ja, das ist wirklich nett geschrieben und faktisch fast korrekt, nur dass ich, weil ich englisch Skinny Minny singen konnte, bei Paul A. Grimmke anfangen durfte, der selber stattdessen eine gute Ronny-Stimme hatte…
und die Zupf- Streich- Zieh- und Drückmusik muss zwischen 76 und 78 gewesen sein. Den Ort Rheinisches Landesmuseum hätt‘ ich gar nicht mehr gewusst, aber ich weiß, dass wir beeindruckt waren, dass Du unser einfaches Zeugs sogar für den „Rundfunk“ haben wolltest. Das hat uns in unserem musikalischen Tun sehr bestätigt! Dafür kommt hier noch mal ein verspätetes Danke! Manche Einflüsse werden einem ja erst später bewusst.
R.P.
Und das Neueste:
Prüss facelook Screenshot 2017-02-03

Hamburg diesig

Unterwegs in der Speicherstadt

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P1080296  Katharinenkirche im Blick (unten rechts)

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P1080312  Michel und Hammonia

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P1080368 Im Hotel AMERON

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P1080366 Blick in die Zukunft: Pierdrei

Alle Fotos: E.Reichow

Von Lüneburg ausgehend

Das Buch ist da!

backsteingotik

Der Titel des Blogbeitrags ist nur für mich von Bedeutung; Lüneburg war der Auslöser, kommt aber in diesem Buch überhaupt nicht vor. Letztlich waren es ein paar rätselhafte Anmerkungen der Dame, die dort mit einer Führung durch die Kirche St. Nicolai betraut war. Ich konnte es im Nachhinein nicht glauben, dass es eine Art Hierarchie der Steine gebe: zugunsten des geschnittenen Felsens, zum Nachteil des gebackenen Ziegels, richtiger: des Backsteins. Sicherlich ein Missverständnis meinerseits. Aber ein Missverständnis, das zur Suche und zur Bestellung dieses wunderschönen Buches führte, in dem ausführlich vom Material die Rede ist. Ich habe ja auch nicht zum erstenmal Backsteingotik erlebt: Schließlich bin ich in Greifswald geboren, dort in der St-Marien-Kirche getauft, und ich muss bis zu meinem 5. Lebensjahr auch immer wieder den Dom St. Nikolai wahrgenommen haben. Aber wichtiger waren mir die Steinplatten des Bürgersteigs, über die ich hüpfen konnte, ohne die Randlinien zu berühren.

ZITAT

Der Innenraum der romanischen Jerichower Klosterkirche (seit 1148) ist vollständig mit roter Ziegelfarbe getüncht, auf der weiße Fugenstriche einen regelmäßigen Rhythmus erzeugen. Das Baumaterial Backstein wird durch die aufgebrachte Farbe gleichsam veredelt, es erhält eine ebenmäßige Farbhaut. Der genormte Backstein bleibt aber das Modul, das kleinste Maß, das den Raum bestimmt. jeder Stein hat seine Geschichte: Aus einer Grube geschaufelt, wurde der Ton von Menschen durchgeknetet, bevor er bei etwa 800 Grad gebrannt wurde. Ganze Wälder wurden als Brennholz verheizt, tonnenweise wurde Kalk zu Mörtel gemischt. Was bei einem romanischen Kloster wie Jerichow schon eine Leistung ist, gerät bei den fast hundert Meter langen, im Mittelschiff oft mehr als dreißig Meter hohen gotischen Stadtkirchen zu einem organisatorischen, finanziellen und menschlichen Kraftakt.

***

In der flachen Küstenlandschaft entwickelte sich durch das Material Backstein eine ganz eigenständige Ausprägung der Gotik. Der Backstein gibt ein sehr kleinteiliges Modul vor, das man baukünstlerisch anders behandeln muss als Haustein. Backstein reagiert anders auf Druck und Zug. Aus Backstein lassen sich bestimmte Detailformen nicht herausarbeiten. Das gotische Raumgefühl, das die tragende, geschlossene Wand optisch aufzulösen suchte, entwickelt sich durch das Material Backstein in der Spätgotik in eine neue Richtung, denn Backsteinmauern betonen eher die Schwere. Die vielfach sich überschneidenden, verschliffenen Formen der französischen Gotik sind damit kaum möglich.

Quelle BACKSTEINGOTIK Die Texte dieses Buches – Deutsche Stiftung Denkmalschutz Bonn, 4. völlig überarbeitete und ergänzte Neuauflage 2005 – stammen von Angela Pfotenhauer und Elmar Lixenfeld. ZITATE Seite 11, 15f etc..

(Fortsetzung folgt)