Kategorie-Archiv: Biologie

Verkettung glücklicher Umstände

Es begann mit einer Mail…

… von Freund Berthold, die nur aus einem pdf-Anhang der Neuen Zürcher Zeitung vom 22. Februar 2019 bestand, hier ist der Beleg (aus Urheberschutzgründen lediglich als Fragment):

Aber der Artikel gefiel mir so sehr, dass ich nicht nur das Buch bestellte, das hier besprochen war, sondern auch – nach einigen Recherchen zum Autor der Buchbesprechung – ein Buch, für das dieser selbst verantwortlich zeichnete: „Wohin geht das Gedicht“ (ohne Fragezeichen) herausgegeben (eben) von Roman Bucheli. Es kam schnell und befriedigte mich vollkommen, eine willkommene Rückkehr zur Lyrik auf dem Umweg über die Prosa, eine unverkennbare Prosa von Lyrikern, schwer zu beschreiben, nicht etwa preziös, sondern kunstvoll kunstlos, faszinierend in jedem Satz.

 Siehe auch hier .

Ist es ein Zufall, dass die neue ZEIT am 7. März den größten Teil des Dossiers dem Thema Lyrik widmet? Einem Dichter, mir unbekannt, anderen jedoch „als einer der bedeutendsten Lyriker in Deutschland“ bekannt? (S. a. Wikipedia hier.)

 DIE ZEIT 7.3.2019 Seite 11

Natürlich ist es Zufall!

Und nach langer Zeit – ich fürchtete schon, dass der Frühling mit seinem anschwellenden Vogelgesang ohne erneuernde Impulse vorüberziehen würde – traf auch das ersehnte, weil von Bucheli so schön beschriebene Buch bei mir ein. Am 18. März.

Und deshalb hatte gestern auch die ZDF-Sendung „aspekte“ Glück: ich stand sie von A bis Z durch, nur um die angekündigte Präsentation des Vogelfreundes nicht zu verpassen.

 screenshots ZDF-Sendung

 ZDF ZDF ZDF

Und wer diesen Meister der Vogelbeobachtung etwas näher kennenlernen möchte, dies wäre ein Anfang, und danach bleibt auf jeden Fall das Buch. Für immer. (Der Film immerhin bis 22.03.2020!) HIER.

Dank an Berthold!

Entwarnung für Erdmännchen

Reagiert Suricata auf eine Melodie?

Ich habe die Töne im ZDF-Film mit Dirk Steffens nur von diesem gehört, nie von einem der Erdmännchen oder gar von dem starken Weibchen dieser (aus Menschensicht) drolligen Tierart. Auch bei Wikipedia hier erfahre ich nichts über die musikalische Wechselwirkung zwischen Mensch und Tier, obwohl es dort immerhin ein Tonbeispiel der Warnrufe gibt:

Der Fernsehfilm von gestern Abend ist noch bis Februar 2022 in der Mediathek des ZDF abrufbar, vielleicht hilfts, machen Sie doch die Probe: HIER ca. 2:40 bis 9:40.

Pressetext: Doku | Terra XSüdafrika – Überlebenskampf zwischen den Ozeanen. Vor der Küste Südafrikas treffen zwei Ozeane aufeinander. Ihre Strömungen prägen das ganze Land, von der Kalahari bis zu den Savannen. Dirk Steffens begleitet Forscher zu den Erdmännchen und eine Anti-Wilderer-Einheit bei ihrem Einsatz für die Nashörner.

 Screenshot aus dem ZDF-Film

Springen Sie auf 3:08, Dirk Steffens hat soeben das Auto verlassen und meint, es seien „die sympathischsten Tiere in der ganzen Kalahari“. Ich kenne sie nur aus der Solinger Fauna, ehrlich, und fand sie possierlich, so wie sie dastanden und nach Gefahren Ausschau hielten. Aber bei Dirk Steffens faszinierte mich plötzlich nur noch das melodische Motiv, was hat es denn damit auf sich? Sobald er den eben zitierten Satz gesagt hat, hört man den rhythmisierten Terz-Sprung von Fagott oder Oboe, der sofort motivisch umwickelt wird, der Filmkomponist meint es vielleicht allzu gut. Und bei 3:33 erklärt Steffens: man muss es summen, und summend geht er auf die Tiere zu: „Seit 25 Jahren nähert sich niemand diesen Tieren, ohne zu singen“, sagt er, und das Orchester beginnt ihm wieder leise zu antworten, eine kleine Polyphonie, und auch sein „Hallo, guten Morgen!“ tut Wirkung: „Ich kann ganz nah rangehen.“ Die Erdmännchen sind nämlich habituiert. Die Tiere sind an den Menschen gewöhnt und lassen sich in ihren Lebensgewohnheiten nicht weiter stören, ein ideales Studienobjekt. Nur über die spezielle Tonfolge erfahre ich weiter nichts. Könnte es z.B. auch eine andere sein? Man darf sie offenbar transponieren. Dürfte man auch einen weiteren Ton einbeziehen, das Motiv anders rhythmisieren? Ich nehme mir vor, bei der Verhaltensforscherin, die den Fernsehmann begleitet und beim Namen genannt wird, weiteres in Erfahrung zu bringen. Sie heißt Marta Manser.

 Dirk Steffens und Forscherin Marta Manser

Es gibt einen Bericht in der Neuen Zürcher Zeitung vom 10.02.2015: Der Ruf der Erdmännchen. Die Erdmännchen, welche die «fleischfressende Insel» in der fabelhaften Romanverfilmung «Life of Pi» bevölkern, sind computeranimiert. Ihre Stimmen aber sind echt. Dafür sorgte Marta Manser von der Universität Zürich. Nachzulesen hier. Aber zu hören gibt es die Stimmen nicht. Allerdings gibt es da noch eine Sendung im SRF über „Martas Welt“ am 11. Oktober 2015, abrufbar hier , im Film bei 4:48 wieder das Stichwort „habituiert“, – aber ohne Motiv. Erst bei 9:54 und nicht auf Publikum berechnet, summt die Mitarbeiterin Samantha genau unsere Töne, als sie die Erdmännchen eins nach dem anderen mit Wasser und etwas Ei auf die Waage zu locken beginnt. Keine weitere Erklärung. Erst bei 13:00 – „zurück in die Forschungsstation“ – erfährt man etwas, in Zürich, wo bereits „Tausende von Aufnahmen abgespeichert sind“. 13:22 Beispiele von Alarmrufen…. der eine heißt: „Ich unterwerfe mich“, der andere „Weg da!“. Aber genau wo es ins Detail gehen sollte, wie ich finde, sagt der SRF-Sprecher: „Ich merke, Marta geht in ihrer Welt ganz schön ins Detail“ und blendet sich aus.

Aber meine Hoffnung ist groß, dass ich auf anderem Weg in Zürich noch fündig werde…

Es könnte sich um einen menschlichen Denkfehler handeln, und jedes andere, nur gesummte Motiv könnte den gleichen Effekt auf Erdmännchen haben: Entwarnung.

Oder falscher Alarm? Alles nur aufgebauscht? Es geht jedenfalls nicht nur um die attraktiven Vogelstimmen im Frühling (auf den ich warte):

 

Mehr über Meerkatzen (im Deutschen das falsche Wort!) bei „The Kalahari Meerkat Project, KMP“ hier . Dort wird neben dem Initiator des Projekts, Prof. Tim Clutton-Brock (Cambridge), auch Prof. Marta Manser (Zürich) genannt.

*    *    *

Am Sonntag lief die ZDF-Sendung „Terra X“, heute ist Mittwoch, und ich wache auf mit zwei erfreulichen Gedanken, von denen der zweite so banal ist, nein: scheint, dass ich ihn kaum zu verschriftlichen wage, um nicht alles andere zu entwerten. Durch einen komischen Effekt, den ich nicht erwartet oder gar beabsichtigt habe. Daher zögere ich, den Link zu setzen, der das ominöse Motiv erhellt. In der Musik berufe ich mich auf Mozart, der mit Sicherheit selbst nach der Komposition der „Maurerischen Trauermusik“ keinen Gag ausgelassen hätte. Über den Tod seines Vogels „Staar“ aber, dem er mit dem Thema seines Klavierkonzertes KV 453 ein Denkmal setzte, war er untröstlich.

Der eine Gedanke ist der, dass die Verhaltensforscherin mir eine freundliche Antwort geschrieben hat, die das menschliche Erdmännchen-Motiv „entmythologisiert“  hat: es könnte wohl auch anders lauten, sagt sie, entscheidend ist die beruhigende Wirkung des summenden oder leise singenden Menschen. Und darüber hinaus habe ich nun Verbindung zu einer großartigen Forschungseinrichtung in Zürich bekommen habe. Hier nur drei kleine Beispiele (von ca. 30!) aus dem Archiv (1 Warnton, 2 Räuber in Sicht, 3 Futtersuche) :

Copyright ‚Kalahari Research Project, NC, South Africa‘
Dank an Prof. Dr. Marta Manser!

Der andere Gedanke betrifft das von Menschen gesummte Motiv selbst als motivierende Kraft: woher kommt es, ist es irgendwo in der Musik wiederzufinden, gibt es ein „Alleinstellungsmerkmal“? Die große Terz der Fünften von Beethoven, allerdings mit drei auftaktigen Tönen, nicht zweien, die etwa wie der Wachtelschlag rhythmisiert sein könnten, der in der „Pastorale“ (neben dem Kuckucksruf und dem Nachtigallen-Crescendo) zitiert wird. Falsche Fährte! Heureka! Wie oft war ich im Engadin, wieviel Kuhglocken habe ich auf den Almen aufgenommen? Murmeltiere beobachtet? Zumindest ihre Warnpfiffe gehört. Oder die heimkehrenden Ziegen in Ftan, deren kleinere Glocken mich an die hämmernden Nibelungen im „Rheingold“ erinnert hatten und  mit diesen zusammen in eine WDR3-Sendung eingegangen waren…

Hier wird jetzt gleich der Link folgen, der keiner Wissenschaft mehr nützt. Und ich schäme mich dafür, bin halt nur ein jederzeit spielender Musiker (ich wage nicht hinzuzufügen: „wie Mozart“, aber in jedem von uns steckt ein Mozart!).

HIER (Achtung Werbung! Aber nur die letzten Sekunden „gelten“ in unserm Zusammenhang).

Und glauben Sie mir, ich werde auch den folgenden Film nochmal anschauen. Ich habe da eine Szene in Erinnerung, wo zwei Männer singend miteinander Kontakt halten, über weite Almwiesen hinweg… (Mein Gott, schauen Sie nur nicht nochmal auf den Titel dieses Artikels, meine Herren. Sie sind ja nicht gemeint!)

Segensruf im Morgengrauen über die Alm,  anderes Motiv (aber etwas ähnlich E – Dis – H) und nur dieser eine Mann (Screenshot aus Ur-Musig ab 26:48)

Notation Orig.tonhöhe, lydisch, Rhythmus nur in etwa, frei, dem Text entsprechend, endet mit Juchzer, Wechsel zum anderen Sänger (ab 27:54 anderer Ort, andere Tonlage)

 (Skizze JR)

Hören Sie auch am Ende des folgenden Trailers:

Für mich ist das Rätsel gelöst (etwa so: 1 „Ricola“-Motiv 2 globalisierter Almsegen). Schön ist auch, dass man über diese Auflösung lachen kann. Denn es war nur ein Nebeneffekt. Was aber bleibet, ist das Erdmännchen…

Vogelgesänge in der Neuen Musik

Die erste Natur in der zweiten

Dies ist eine Radiosendung, die ich im Auge behalten will. In der aktuellen Woche kann man sie noch nach-hören, und dass man eine so farbige Sendung nur hört, kann man als Vorteil nehmen, zumal wenn man sich in dieser Stunde mit nichts anderem ablenkt. SWR2! Immer noch ein bemerkenswerter Sender! Der Zugang wäre hier.

Und doch will ich niemandem die dort vorhandene Ansicht (Foto Messiaen und Pressetext der Sendung) an dieser Stelle vorenthalten, damit man gar nicht erst in Versuchung kommt, groß rumzuklicken… (Entschuldigung!)

Stichworte zum Inhalt

Kurt Schwitters (Wolfgang Müller) und ein Star, der Passagen der „Ursonate“ zitiert, die Frage der Rechte. Stare von Hjertøya. Worte für die Lautäußerungen der Vögel. Klangsilben und Noten. Gesang des Sprossers. „Obervogelgesang“. Madrigal. Haubenlerche. Sciarrino. Atemsystem. Messiaen „nichttemperierte Intervalle“. Dorngrasmücke. „Reveil d’Oiseaux“. Singdrossel. Ab 25:15 Bauckholt „Zugvögel“. Lockpfeifen. Robin Hoffmann. „Die Pfeife verrät das Holz, woraus sie geschnitten sind.“ John Cage 1972. Drei Tonbänder Alltagsgeräusche New York, seine eigene Stimme, Käfigvögel, Titel „Bird Cage“. Zufallsverfahren. Immer ist es der Mensch, der die Situation bestimmt. Kurt Schwitters und die Stare. Spiel mit diesen Imitationen. Leierschwanz. Motorengeräusche. Differenziertes Hörvermögen der Vögel. 1823. Akustische Umweltverschmutzung oder Dialog. Beo aus Thailand: „I love you“.

Mehr über Jan Kopp in Wikipedia hier.

Flötenkraut

Banale Fragen zur Botanik

Jeder Fachmann würde es belächeln, welche Alltagsprobleme sich unsereinem im Urlaub stellen. Was ist das, was diese Landschaft durchzieht und belebt, wie das Schleierkraut den einfarbigen Blumenstrauß? Abgesehen vom Gelb, das den gemeinen Hahnenfuß markieren könnte, den ich auch als Plage aus dem Garten kenne. Man sollte das Lächeln des Fachmannes ausblenden, eines Tages kenne ich auch die botanischen Unterarten, und dann wird er sich wundern…

 Fahrweg bei Den Hoorn

Natürlich ist es leichter, sich für Blumen zu interessieren, wenn sie einen mit so niedlichen Gesichtern wie auf dem nächsten Bild anschauen. Aber stellt man auch nur eine einzige bohrende Frage? Nie und nimmer:

Beet am Hauseingang in Den Burg (Texel)

Ich denke einen Moment lang an die Lohe bei Bad Oeynhausen und an Hobergs Garten, in dem ich als Kind neben Stiefmütterchen auch Schwertlilien und Goldlack kennenlernte. Aber wieso interessiert mich dieses verdammte Kraut soviel mehr? Vielleicht weil es dort hinter dem Kuhstall wuchs oder am Feldrand. An dem langen Grasweg, der ins Tal zur Steinkuhle führte.

Ist es Bärenklau, Wilde Möhre, Schafgarbe? Nichts dergleichen. Erst als die holländische Schwiegertochter ohne Zögern sagt „Fluitkruid“, befinde ich mich auf der sicheren Spur und freue mich vor allem über das nie gehörte Wort! Flötenkraut!? Heute kenne ich sogar noch hundert andere Wörter: zum Beispiel die Bezeichnungen Bange (Glarus), Bäumlikraut (Glarus), Buchholder (Württemberg), Buggla (St.Gallen), Buschmoren, Cherbel (St. Gallen Toggenburg), Chrabella (Bern), Emtstengel (Appenzell), Eselskörbel, Eselspeterlein, Feine Scherre (Memmingen), Hartkopf (Eifel bei Nürnberg), Hartkopp (Eifel bei Nürnberg), Heustengel (Appenzell), Hingstwend (Ostfriesland), Hundekümmel (Brandenburg), wilder Ibarach (St. Gallen), Kälberkerner, Kalberkropf (Ostpreußen), Kälberrohr (Schleswig-Holstein), Kälberscheere, Kalbarkrop (Mecklenburg), Kalverkropp (Altmark, Pommern), Kelberkern (Harz), Kerbelkern, Kirbel (Bern, Luzern), Kirbelstengel (Bern, Luzern), Kocker (Butjaden), wilder Körffel, Korbelkom, Krabellen (Luzern), Krebellen (Bern), Kreblikraut (Bern), Kruud (Ostfriesland), Kuhpeterlein (Schlesien), Ledepipenkrud, Ledespypenkrut, Leiterlikraut (Bern), Paguda (St. Gallen, Sargans), Pferdskümmel (Eifel), Piffenkrut, Pigudabengel (St. Gallen bei Sargans), Pipencrud, Ramschfedern (Waadt, Wallis), Rosskümmel (St. Gallen, Oberrheintal, Obertoggenburg), Schärläch (Glarus), Scharnpiepen (Oldenburg), Scharpenpiepen (Elsfleth), Scheere, Schierling (Eifel bei Daun), Tigerlikraut (Glarus), Tschickan (Graubünden), Wasserkraut (Werfen), Windroslein, Wolfswurzel und Zieger (Glarus). Ich verdanke sie allesamt Wikipedia. (Hundert war leicht übertrieben. Aber vergleichen Sie nur oben, unter dem Link zum Hahnenfuß die Menge der Namen und Arten!)

Ich habe also im kleinen Texel-Urlaub wenigstens diese eine Art für mich gewinnen oder: bestimmen wollen, lächerlich. Bärenklau scheidet sofort aus, die Blätter sind „lappig“, nicht farnähnlich fein gegliedert, wie im vorliegenden Fall. Möhre? Ja, könnte sein, wenn ich an das Grün der essbaren Möhre denke. Aber die Bilder stimmen nicht überein, auch nicht die Form der Dolden. Ich rätsele weiter, habe auch schon das Kraut im Visier, für das ich mich am Ende „entscheide“. Aus meiner Sammlung:

Ist es deutlicher geworden? Ich habe sogar eins mitgenommen, Ich grubs mit allen / Den Würzlein aus, / Zum Garten trug ichs / Am hübschen Haus. / Quatsch, ich riss es aus ohn‘ alle Würzlein und legt‘ es neben den Laptop am Esstisch. Das Wort Kerbel war mir noch eingefallen. Siehe den hier gerade angegebenen Wikipedia-Link. Das könnte hinkommen. Auf dem Wiki-Foto fehlt auch der Hahnenfuß nicht. Aber müsste das Kraut nicht auch duften? Ist es nicht ein Gewürz? Ich hab’s als Clou für mich behalten.

Und jetzt kommt die holländische Schwiegertochter ins Spiel, sie sagt: „Fluitkruid“, weiß aber den deutschen Namen nicht. Allerdings steht nun auch der wissenschaftliche Name dabei, siehe hier. Anthriscus sylvestris. Wunderschön der griechische Zusammenhang: Fluitenkruid dankt zijn naam aan het feit dat van de stengel fluitjes gemaakt kunnen worden. Om een fluit te maken moet bij een holle fluitenkruidpijp, met onderaan een dichte knoop, ongeveer halverwege een snee overlangs gemaakt worden. Anthriscus komt uit het Grieks. Bij de Oude Grieken was Anthriskon de naam voor een ons onbekende schermbloem. De naam is op dit geslacht overgegaan en zou samenhangen met antherix (halm). Sylvestris betekent in het bos groeiend. Über kurz oder lang bin ich beim Wiesen-Kerbel. Allerdings ohne jeden Flötenbezug…

Bin ich jetzt bald reif für den wissenschaftlichen Leitfaden zur Pflanzenbestimmung (von Thomas Huth, Hochrheinverlag 1981), der mich damals in Visperterminen/Wallis so überfordert hat? Nichts zum Kerbel, aber immerhin zur Wilden Möhre:

Umbelliferae ! Umbellum ist der Sonnenschirm, „Doldenblütler“ sind Sonnenschirmträger, auch Apiaceae, es ist die gleiche Familie wie der Kerbel und der Bärenklau.

Anders als damals liebe ich die Verwirrung, die uns ergreift, wenn die greifbare und schmeckbare Realität zur Wissenschaft wird und die Ähnlichkeiten sich allmählich in Vielfalt auflösen. Ich denke an den Notarsgarten („Notaristuin“) in Den Burg:

Aha! Der Kerbel auch hier! Und jemand kümmert sich um Insekten, die sich gern zu Kraut und Unkräutern gesellen!

Den Burg

Und wieder zuhaus? Manches ist ähnlich, nur das Meer ist fern…

  SG-Ohligs

 Fernweh

Erinnerung an Texel Bos en Duin 14.-21.Mai

*   *   *

Und wie hat der Specht unser Insektenhotel gefunden?

Er hat es gefunden!

*   *   *

Bienen und Bäume

Botanischer Garten Solingen

Ein guter Ort am Sonntagmorgen, durchaus, an den Bienenwohnanlagen ist reger Flugbetrieb, Eingänge in allen Größen, 2-10 mm Durchmesser. Die Bäume ringsumher stehen kurz vorm Ausbruch der Knospen, ihre gewaltigen Wuchsformen kommen also noch voll zur Geltung, zugleich kündigt sich das tausendfache kleine Drama der Grün-Entfaltung an.

Botanischer Garten Bienen Info a

Links www.bsmw.de oder www.wildbienen.de

Botanischer Garten Bienen Info b

Botanisch Trompetenbaum Trompetenbaum mit Stütze

Botanisch Farrnblättrige Buche Botanisch Birke Nordamerika Botanisch Baum Handyfotos: JR

Die Ernüchterung durch andere Besucher

Botanisch Pok 1 .   .   .Botanisch Pok 2 .   .   .Botanisch Pok 3 .   .   .Botanisch Pok 4 .   .   .

Sie stören eigentlich nicht, nur ihr Desinteresse ist provozierend. Das Einzige, was sie sehen und sehen wollen, ist der virtuelle Quatsch in den Smartphones. Was für ein Irrtum zu glauben, – so war es in der Zeitung zu lesen -, dass jemand, der nun einmal hierher gelockt wird, auch das botanische Angebot wahrnehmen werde. Oder die faule Ausrede der Veranstalter (?), die partiell blinden Besucher würden den Umsatz am Getränkekiosk steigern. Sie lernen, dass in der Botanik nichts Interessantes zu finden ist, es sei denn, dergleichen würde mit Pokémons Hilfe eingeblendet.

Ich will kein Spieleverächter sein, für alle Fälle könnte man sich kundig machen, was hier eigentlich vor sich geht. Das Phänomen möchte ich durchaus verstehen. Allerdings glaube ich keinen Menschen gesehen zu haben, den ich verstehen will. Nur Bienen und Bäume. Schlimm!

Wikipedia über Pokémon go.

Interessant auch, was die Rheinische Post voriges Jahr aus Düsseldorf rückblickend darüber berichtete:

Mit Pokémon Go schuf das Entwicklerstudio das erste erfolgreiche Spiel mit „Augmented Reality“: Diese „erweiterte Realität“ besteht darin, dass Pokémons auf dem Bildschirm in die reale Umgebung projiziert werden. Nähert sich der Spieler einem Ort, scheinen die Monster vor ihm aufzutauchen. Grundlage für diese Technik sind die Smartphone-Kamera und die GPS-Ortungsfunktion.

„Für mich zählt das soziale, gemeinschaftliche Spielerlebnis“, sagt John Hanke. „Menschen versammeln sich zum Beispiel in Parks. Dadurch werden Städte lebendiger, und die Spieler bewegen sich mehr im Freien. Pokémon Go soll auch in zehn Jahren noch da sein.“

Quelle Hier . Oder ebenfalls voriges Jahr in der Solinger RP Hier.

Und jetzt (15. April 2018 12.30 h):

Botanik & Pokémon 180415 Foto: ER

Nachwort 17. April 2018

Natürlich: jeder hat das gleiche Lebensrecht. Und wenn mich die Leute an Schlafwandler erinnert haben, ist das meine Sache, – bin ich denn nicht selbst ein Tagträumer? Ich habe zu Wochenbeginn immer noch an Bienen und Bäume gedacht, – darüberhinaus wie immer an die Musik -, habe allerdings auch die Süddeutsche Zeitung gelesen, um ein wenig über die Welt da draußen informiert zu sein; nicht alles gleichermaßen gründlich, aber zum Beispiel Wort für Wort alles, was die neue Landwirtschaftsministerin über Glyphosat und unsere Zukunft gesagt hat. Ein Aufwacherlebnis. Das Entsetzen könnte nicht größer sein. Man sollte dieses Interview im Deutschunterricht der Schulen behandeln: wie besorgte Politiker reden, um auszudrücken, dass sie gar nichts sagen und noch weniger tun werden. Weil wir nämlich selber schuld sind. (Und die Bahn auch!) Wichtigster Merksatz: Alarmismus und Angst sind schlechte Ratgeber für Politiker. Aber Verantwortungsbewusstsein und Problembewusstsein braucht es. (Julia Klöckner). Und nun lesen Sie möglichst selbst; man kann nur hoffen, dass der Wortlaut des Interviews im Internet auffindbar ist, damit sich niemand über das Denkvermögen dieser neuen politischen Kraft Illusionen macht: 

„Ich bin auf einem Hof groß geworden“ Die neue Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) über Bauern, denen zu viel Schuld zugewiesen wird – und überforderte Verbraucher, die es sich mitunter auch gerne einfach machen. Süddeutsche Zeitung 16. April 2018 (Seite 6). Schlagzeile auf der Titelseite:

Klöckner Glyphosat

Neulich habe ich gehört, wie sich zwei kluge Menschen über so etwas wie Alarmismus unterhalten haben; sie sagten sinngemäß etwa folgendes:

Ist das nicht merkwürdig, dass die Menschen ganz lange geglaubt haben, was sie gar nicht wussten, dass es nämlich eine Apokalypse gibt? Und dass wir heute wissen, dass es eine Apokalypse geben wird, aber die Menschen es nicht glauben!? (Lesch lacht) Also: dass wir sozusagen dem ökologischen Kollaps mit Siebenmeilensteifeln entgegengehen und real wissen… wirklich real wissen: das ist die Wahrheit, – ja… wir wissen das, aber wir glauben es nicht.

Man kann die Begründungen sogar nachhören: Richard David Precht und Harald Lesch im Gespräch über Verschwörungstheorien (hier, ab 17:13). Oder besser selbst eingeben: https://www.zdf.de/gesellschaft/precht/precht-186.html

Glyphosat Klöckner Stand 28.04.2018

ST Bienensterben stopp Titelzeile

So die Titelzeile in meinem Solinger Tageblatt. Ein guter Bericht von Khang Nguyen. Ausschnitt:

ST Bienensterben stopp 180428 Detail

Vorsicht bei solchen Meldungen über Politiker/innen: Weder von Christian Schmidt noch von Julia Klöckner habe ich soviel Einsicht im vorhinein bemerken können. Wir erinnern uns: sein Beispiel laut Tageblatt vom 02.02.18 (hier):

„Der Einsatz von Glyphosat ist umstritten. Es steht im Verdacht, krebserregend zu sein. Dennoch hat die EU – mit der Stimme des deutschen Landwirtschaftsministers Christian Schmidt (CSU) – die Zulassung für das Mittel verlängert.“

Interessantes Gerichtsurteil (gestern in der Süddeutschen Zeitung):

Aufsehen erregte ein Verfahren, das Willand mit seinem Team bis vor den Europäischen Gerichtshof trug. Es war der Fall des Hobby-Imkers Karl-Heinz Bablok, der nicht hinnehmen wollte, dass sein Honig Spuren von gentechnisch verändertem Mais enthielt – und so zu einem Produkt wurde, das viele Verbraucher ablehnen. 2011 gewannen sie das Verfahren. Belasteter Honig muss seitdem gekennzeichnet werden und darf nur mit gesonderter Zulassung in den Handel, betroffene Imker haben ein Recht auf Schadenersatz. Ein bahnbrechendes Urteil. Gentech-Mais wird hierzulande nicht mehr angebaut.

Quelle Süddeutsche Zeitung 27. April 2018 Seite 15 (Wirtschaftsteil!) „Anwalt der Bienen / Achim Willand kämpft für das Verbot schädlicher Pestizide“ online hier.

Siehe auch über VERTRAUEN bzw. „Glyphosat & Schmidt“ im Blogartikel CHINA hier!

Hinweis 6. Mai 2018 Süddeutsche Zeitung 5./6. Mai 2018 Seite 34/35 Wilde Schwestern Sie sind die vergessenen Verwandten der Honigbiene, dabei sind die Wildbienen fleißiger, weniger verzärtelt und mindestens genauso hübsch. Von Tina Baier. (Nur über – kostenloses – Testabo hier.)

Notiz aus dem Garten

Hummeln oder Bienen?

Eine Pflanze am sonnenseitigen Abhang fiel mir auf, die jedes Jahr wiederkehrt, überhaupt eine schöne Gemeinschaft, angrenzend an die Bärlauch-Ansiedlung, die weit in den Nachbargarten hinübergewachsen ist. (Die 2 „Urpflanzen“ hat Ende der 90er Jahre Freund Richard aus der Eifel mitgebracht.)

Nichts Besonderes, aber auffällig, wie wichtig sie für die Hummeln ist. Es brummt nur so…

Pflanze bestimmen

Zugegeben: ein dürftiges Bild (Scanner), aber man erkennt ganz gut die zweifarbigen Blätter. Es ist eindeutig das „Echte Lungenkraut“. Oder vielmehr das „Gefleckte Lungenkraut“, bei Wikipedia hier.

Die Bestäuber – es ist zunächst vor allem die langrüsselige Wildbienenart Anthophora plumipes, später eine weitere Art aus derselben Gattung – bevorzugen die jungen roten Blüten, die mehr Nektar enthalten als die blauen. Der Nektar ist durch einen Haarsaum an den relativ kleinen Schlundschuppen am Eingang der Kronröhre geschützt und wegen der etwa 1 Zentimeter langen Kronröhre nur langrüsseligen Bienenverwandten und Schmetterlingen zugänglich. Schwebfliegen fressen den Pollen.

Nein, also wohl keine Hummeln, wie ich oben schrieb, sondern eben die „Gemeine Pelzbiene“, siehe bei Wikipedia hier. Merkwürdig, dass diese Art also hier zuhaus ist und gleich in großer Zahl zur Stelle, wenn das Lungenkraut blüht. Schmetterlinge habe ich kürzlich ebenfalls gesehen (Zitronenfalter), wenn auch nicht an diesen Blumen.

Pelzbiene Anthophora_plumipes-pjt2 Pelzbiene (Foto: Pjt56 2015 Wikipedia)

Natürlich ist auch das Scharbockskraut wieder da, das ich – als sei es eine Seltenheit – zum erstenmal am 18. April 1985 identifizierte und in den BLV Naturführer von Seidel/Eisenreich eintrug. (Die erwähnte Pappel ist wenige Jahre später im Sturm umgebrochen.)

Scharbockskraut

Nachtigallen in Berlin

Vogelstimmenforschung und Autismus

Wenn Sie den Namen Constance Scharff in das Suchfenster dieses Blogs eingeben, haben Sie 1 Sekunde später mindestens 6 Beiträge und können lange lesen. Und wenn Sie damit fertig sind, ist auch vielleicht der neue ZEIT-Artikel schon im Internet aufrufbar:

DIE ZEIT 15.März 2018 Wer die Nachtigall stört… darf nicht forschen. Warum ein vielversprechendes Experiment monatelang nicht starten durfte – und jetzt sogar den Regierenden Bürgermeister beschäftigt. Eine Posse aus Berlin / Von Lorenz Marold.

Falls Sie Zweifel haben, ob der Autor – Chefredakteur des „Berliner Tagesspiegels“ – mit Recht in diesem Zusammenhang von „Fliegenschnäppern“ spricht, überzeugen Sie sich – obwohl es darum gar nicht in erster Linie geht – in den Wikipediaartikeln Fliegenschnäpper und Nachtigall. Ja, er hat!!!

Der Artikel beginnt folgendermaßen:

Berlin ist die Hauptstadt der Nachtigallen, 1500 Paare leben hier, mehr als in jeder anderen Stadt – es ziehen eben nicht nur komische Vögel her. Die Population ist seit Jahren stabil, obwohl die Fliegenschnäpper ein paar natürliche Feinde haben: „Fuchs, Hund, Grünflächenamt“, sagt Constance Scharff, Professorin für Verhaltensbiologie an der Freien Universität Berlin – denn ab und zu brettert ein Rasenmäher mit Behördenkennzeichen über die Nester. Dagegen ist das, was Scharffs Kollegin Daniela Vallentin plant, ein wahrer Liebesdienst: Sie möchte drei männliche Nachtigallen aus einem der Berliner Parks einfangen und mit drei gezüchteten weiblichen Nachtigallen im Labor zusammenführen. Zwecks Nachwuchserzeugung.

Ich zitiere jetzt nur fragmentarisch, da es mir nicht um das Ärgernis an Ort und Stelle geht, sondern um die Anregungen aus der Forschungsarbeit.

Vallentin, die vor Berlin in New York forschte, arbeitete zuvor mit Zebrafinken. Die lernen das Singen von ihrem Vater. Vallentin fand heraus, dass bestimmte Nervenzellen den Einfluss des väterlichen Gesangs regulieren. Nun will die ausgebildete Mathematikerin wissen, ob auch bei Nachtigallen ähnliche Mechanismen wirken, wenn die Männchen bei ihrem kunstvollen Wettstreit zwischen Zuhören und Singen wechseln. (…)

Wenn zwei Menschen sich unterhalten, sprechen sie meist abwechselnd, zuweilen gleichzeitig, manchmal beenden sie sogar die Sätze des anderen. Bei einer autistischen Erkrankung ist diese Fähigkeit gestört. Männliche Nachtigallen interagieren ganz ähnlich wie Menschen, deswegen wollen die Wissenschaftlerinnen die neuronalen Aktivitäten einzelner Zellen messen, um besser zu verstehen, was dort während des Singsang-Einklangs genau passiert.

Ich wollte hier nur vom Ziel der Forschung reden. Wenn aber der Hintergrund der Polit-„Posse“ zutage treten soll, muss man den ganzen Artikel lesen. Und dann – ehe man den Stab bricht – vielleicht auch noch den heutigen Artikel in der Süddeutschen Zeitung, in dem sich eine durchaus kompetente Wissenschaftsjournalistin auf andere Weise differenzierend zu dem Fall äußert.

Süddeutsche Zeitung 17./18.März 2018 Seite 37  (Tierversuche) Forschung im Hinterzimmer / Von Kathrin Zinkant

Da ich gerade in den Revieren der Naturwissenschaft wildere, möchte ich auch eine schöne Sache aus der Pflanzenkunde festhalten, eine Buchbesprechung in dem Heft ZEIT LITERATUR März 2018 Seite 42:

Unsere grünen Mitgeschöpfe Sie gaben der Welt ihre Form – Pflanzen, schreibt der italienische Philosoph Emanuele Coccia, wurden lange unterschätzt. Weil der Mensch sich als Krone der Schöpfung verstand. Von Fritz Habekuss.

Gewiss, man denkt nicht nur einen Augenblick an den Förster und Bestsellerautor Wohlleben. Aber es klingt dann doch ganz anders.

Was dieses Buch so zauberhaft macht, ist, wie es die Gedanken sacht aufhebt, die wohl jeder schon einmal gedacht hat, der sich auf die Natur eingelassen hat (also hoffentlich, leider tut es nicht jeder), und diese dann weiterträgt. Etwa die Überlegung, ob Pflanzen, trotz der Absenz von Sinnesorganen und komplexen neuronalen Strukturen, so etwas wie ein Bewusstsein, ein Weltempfinden haben.

Immerhin ähneln die Wurzeln, wenngleich im Dunkeln verborgen, in Aufbau und Funktion dem tierischen Gehirn. Sie sind keine Anker, sie sind Netzwerke, durch sie fließen Nährstoffe und Informationen, sie durchdringen ihre Umwelt und stehen mit ihr in Kontakt. Schon Platon schrieb, dass der Mensch ein Gewächs sei, „das nicht in der Erde, sondern im Himmel wurzelt“.

Das besprochene Buch von Emanuele Coccia: Die Wurzeln der Welt Eine Philosophie der Pflanzen / Hanser Verlag, München 2016; 192 Seiten, 20,-€.  / Siehe auch hier bei Denis Scheck…

ZITAT aus dem Gespräch in „druckfrisch“ Denis Scheck mit Emanuele Coccia:

D.Sch. 4:48 „Einer der Schlüsselbegriffe Ihrer Philosophie der Pflanzen ist der Begriff der Verbindung…eine Pflanze schafft Verbindung zwischen… allem eigentlich… – E.C. „Zunächst einmal Verbindung zwischen der nichtlebendigen Welt und der lebendigen Welt, im Sinne, dass … Pflanzen sind Lebewesen, die gerade diese Gabe haben, die ‚Materie‘ ins Leben zu verwandeln, im Grunde, d.h. sie haben diese Fähigkeiten, die Energie aus der Sonne und die Kohlensäure in lebendige Materie zu verwandeln, was natürlich die Bedingung der Möglichkeit des Lebens überhaupt darstellt.“ – „Und damit landen Sie bei der in meinen Augen natürlich spektakulärsten Erkenntnis Ihres Buches, nämlich dass Sex für die Pflanze Vernunft ist. Das müssen Sie erläutern!“ – „Nicht nur für Pflanzen, Sex ist für alle Lebewesen eine riesige und wunderschöne Erfindung. Im Grunde die Tatsache, dass wir Sex haben müssen, um uns zu produzieren, heißt das, dass wir… wir müssen uns mit anderen vermischen, und da müssen [wir] sozusagen Differenzen, Variationen herstellen. Das ist eine wunderschöne Idee: das Lebewesen kann besser leben, wenn es sich ständig verändert, ständig mit anderen Lebewesen sich mischt. Und im Falle der Pflanzen ist Sex sogar interessanter.“ – „Die brauchen ja nicht nur einen Partner (genau!), die brauchen ja viel mehr.“ Ja! Die brauchen eigentlich Tiere, Wind, Licht, Regen, usw., das heißt: sie müssen eigentlich, um Sex zu haben, irgendeinen Hund nutzen, im Grunde wird Pflanzen-Sex ein kosmisches Phänomen, oder eine Art interspezifische Orgie (?), das ist wunderschön, diese Idee, dass, um zwei Partner Sex haben zu lassen (dürfen), die ganze Welt muss dabeisein.“

Notiz 21.03.2018

Vorgemerkt für den Fall, dass der konkrete Frühling nicht ausreicht:

https://www.klett-cotta.de/buch/Leben/Der_englische_Gaertner/90548 hier

(Einleitung lesen, auch betr. Wittgenstein)

Notiz 01.04.2018

Das oben erstmals im Blog präsentierte Buch von Emanuele Coccia ist inzwischen eingetroffen und zur Hälfte gelesen bzw. nach-gedacht: es ist viel umfassender und grundlegender, als nach dem Denis-Scheck-Gespräch zu erwarten war. Die Manie, über die Sexualität Interessenten einzufangen, führt auch schon mal in die Irre. Einesteils trifft es einen Aspekt des Buches, aber auf weniger spektakuläre Weise als in dieser Sendung insinuiert. Faszinierender ist zunächst das Kapitel über den Atem. Und vieles andere. Siehe auch hier.

Keine Katzenmusik

Neues aus der Tierstimmenforschung

Ein Merkzettel betr. die schwedische Forscherin Susanne Schötz, Autorin des Buches: „Die geheime Sprache der Katzen“ Ecowin Verlag 2017.

(Im Folgenden das Bild nur anklicken, um den abgebildeten Text zu lesen. Zum Weiterklicken ins Netz auf das Wörtchen hier rechts neben dem Screenshot klicken.)

Susanne Schötz Forschung ! hier !

Susanne Schötz Forschung Web Katzen ! hier ! dann obere Leiste: „CAT SOUNDS“

Oder auf deutsch: Katzenlaute: Ein Überblick der gewöhnlichsten Katzenvokalisierungen – hier (externes Fenster).

Erinnerung an Porto Mos 2013 (Foto: Chr. Haas)

Katze in P Mos aufrecht Haas

Singende Dinosaurier

Gefühlter Frühlingsanfang 

Girlitz_1

Seit gestern (11.März) höre ich den Buchfink wieder, auch den Girlitz (s.o. und hier), um nur die von der Stimme her auffälligsten zu nennen, die vielen Meisenarten, den Buntspecht und die bekannte Schwarzdrossel schon länger: und dies ist ein und derselbe Vogel, dem ich voriges Jahr so oft zugehört habe; ich erkenne es an bestimmten (individuellen!) Motiven, die hervorstechen. Anlass für mich – an dieser Stelle einige Jahrmillionen zurückzugehen. Dass sie singen, ist nur 1 Faktor ihrer Entwicklung, man muss zunächst von ihren Beinen reden und von ihren Luftsäcken. So entnehme ich es der Zeitschrift Spektrum der Wissenschaft 9.17:

Betont kräftige Hinterbeine kennzeichnen alle Dinosaurier und zählten zu den Attributen, welchen sie ihre Herrschaft verdankten. Bei den ersten Theropoden verschmolzen dann das rechte und das linke Schlüsselbein in der Körpermitte zum Gabelbein. Diese scheinbar geringfügige Neuerung stabilisierten den Schultergürtel. Damit vermochten die hundegroßen Räuber die Schockkräfte beim Packen der Beute besser aufzufangen. Bei den Vögeln dann spannt sich das Gabelbein wie eine Feder, die beim Flügelschlag Energie speichert.

Ebenso reichen die evolutionären Wurzeln der charakteristischen luftgefüllten Hohlknochen der Vögel mit Verbindung zu den großen Luftsäcken und der Lunge weit zurück, für die Flugfähigkeit wichtige Merkmale. Denn schon viele Dinosaurier hatten von Luftsäcken ausgehöhlte Knochen – ein Zeichen für die für Vögel typischen hocheffizienten „Durchfluss“-Lungen, die Sauerstoff auch im Ausatmen aufnehmen. Ihre leichten Knochen sparen den Vögeln viel Gewicht ein, während das Luftsacksystem den enormen Energieumsatz ermöglicht.

*  *  *

Wie viele Zufälle haben im Verlauf von Jahrmillionen zur Entstehung der Vögel beigetragen! Die Evolution vermag nicht vorauszuschauen. Niemand von uns, wäre er damals dabeigewesen, hätte geahnt, was aus dem Federkleid der Dinosaurier, das zum Warmhalten und Prahlen diente, einmal werden würde. Die Evolution wirkt stets nur aus dem Augenblick heraus, mit dem gerade Vorhandenen, das vom nie verschwindenden, immerfort wechselnden Umwelt- und Wettbewerbsdruck geprägt ist. Je mehr die Wissenschaftler andere bedeutende Übergänge in der Evolutionsgeschichte der Tierwelt begreifen – ob den Landgang der Wirbeltiere, die Umwandlung von Landsäugetieren in Wale oder die Entstehung unseres aufrechten Ganges -, umso mehr kristallisiert sich heraus, dass sie nach demselben Prinzip abzulaufen scheinen: So ein Wandel gleicht nicht einem Sprint, sondern eher einem Marathonlauf, wenn auch ohne Ziellinie.

Noch ein Befund unserer Statistikstudie ist erwähnenswert, den wir nicht so erwartet hatten. Er könnte erklären, wieso ausgerechnet die Vögel das Massenaussterben am Ende der Kreidezeit überlebten. Anhand unserer großen Datensätze haben wir Evolutionsraten von Skelettmerkmalen ermittelt, also das Tempo von deren Veränderungen – als Anzeichen für evolutionäre Vitalität. Dabei zeigte sich: Die ganz frühen Vögel legten ein außergewöhnliches Tempo vor, viel rascher als Velociraptor, Zhenyuanlong und andere nah verwandte Zeitgenossen aus der „Nichtvogel“-Fraktion. Sobald das Lego-Kit beisammen war, entfaltete es anscheinend ein riesiges evolutionäres Potenzial. Damit bewältigten die Vögel sogar die Verheerungen nach dem Asteroideneinschlag. In jener total veränderten Welt fanden sie dadurch genügend neue Lebensmöglichkeiten.

  *   *   *

All dies zusammen betrachtet, entstand der Bauplan der Vögel also nicht in einem einzigen großen Wurf, sondern aus einer Menge Einzelentwicklungen. Zur Veranschaulichung spreche ich gern von einem Satz Legobausteinen, die nach und nach Stück für Stück zu etwas ganz Neuem zusammengesetzt werden.

Quelle Paläontologie Das Puzzle der Vogelevolution Die Vögel entstanden nicht in wenigen großen Evolutionsschritten. Viele charakteristische Eigenschaften waren schon lange vor ihnen bei Dinosauriern vorhanden. Von Stephen Brusatte (Paläontologe an der University of Edinburgh). In: Spektrum der Wissenschaft 9.17 (Zitate von Seite 36 und 37). http://www.spektrum.de/artikel/1485123 (ist nur für Abonnenten zugänglich).

Abgeschrieben mit Blick auf Leonard (genannt Lego-Leo), s.a. hier.

Vom zweistimmigen Gesang der Gibbons

Nach der Sendung Terra X „Vietnam“ 28.01.2018

Es war die kurze Szene mit der Musik des Dschungels am Anfang des (wirklich) faszinierenden Films. In der ZDF Mediathek noch einige Jahre (!!!) abzurufen. (Allzu „kurze Szene“? wie immer ist die Filmusik aufdringlich-geschickt und viel zu früh reingemischt.)

HIER  beginnen bei 1:30 (ab etwa 5:40 über das Alter der Wälder in Vietnam) also: Thema Gibbon!

Bei vielen schönen Aufnahmen im Zoo stören die anwesenden Menschen durch ihre belustigten Reaktionen. Nur ein Youtube-Beispiel zum Zwiegesang:

Die folgende Einführung in den Gibbon-Gesang stammt von Thomas Geissmann (Universität Zürich):

Im Wald ist die stimmliche Verständigung von Vorteil, weil Rufe im dichten Blätterwerk weiter tragen als optische oder geruchliche Signale. Gibbons «markieren» ihr Wohngebiet durch laute, lange Morgengesänge, die in der Regel 10 bis 20 Minuten dauern, je nach Art. So tun Gibbons den Konkurrenten unter anderem kund «Hier wohne ich». Die meisten Gibbonarten produzieren Duettgesänge. Weibchen und Männchen singen jeweils unterschiedliche Strophen und koordinieren ihre Gesangsbeiträge nach festen Regeln. Zudem kennt man von vielen Arten auch Sologesänge der Männchen. Bei zwei Arten, nämlich dem Kloss-Gibbon und dem Silbergibbon (Hylobates klossii und H. moloch), produzieren Männchen und Weibchen ausschliesslich Sologesänge. Während Sologesänge vermutlich vor allem dem Verteidigen von Ressourcen (Territorium, Fruchtbäume, Partner) und eventuell der Partnersuche (mate attraction) dienen, dürften den Duettgesängen noch andere Funktionen zukommen. Vermutlich erfüllen dabei die geschlechtsspezifischen Gesangsanteile unterschiedliche Funktionen. Bei einfacheren Duetten sind partner-bewachende oder paar-anzeigende Funktionen wahrscheinlich, während bei den komplexen Duetten der Siamangs (Symphalangus syndactylus) zudem auch paar-bindende Funktionen involviert sein dürften.

Die Gesänge finden meist in den frühen Morgenstunden statt, zeigen aber oft art- und manchmal sogar geschlechtsspezifische Zeitpräferenzen. So erreicht der Weisshandgibbon in Malaysia seine grösste Rufaktivität morgens um 8 – 9 Uhr, der im gleichen Gebiet lebende Siamang dagegen etwa zwei Stunden später. Die verschiedenen Gibbonarten lassen sich an ihren Gesängen erkennen. Da die artspezifischen Merkmale nicht erlernt werden, sondern erblich sind, sind die Gesänge in der Systematik nicht nur bei der Artidentifikation, sondern auch bei der Bestimmung der Verwandtschaft zwischen Gibbonarten von Bedeutung. Die Gesänge weisen bei allen Gibbonarten Unterschiede zwischen den Geschlechtern auf, wenn auch in verschiedenem Ausmass. Ein relativ einfaches Duett produziert zum Beispiel der Nördliche Weisswangen-Schopfgibbon (Nomascus leucogenys): Erwachsene Männchen singen drei verschiedene Strophen:

• Einzelne Heullaute, bei denen ein kleiner Kehlsack aufgeblasen wird, • Reihen von rhythmischen hohen Kurzlauten: Staccato-Laute, • Rufreihen mit starken Frequenzsprüngen: Multimodulierte Laute.

Erwachsene Weibchen produzieren dagegen nur eine einzige Strophenform, die als great-call bezeichnet wird. Jeder great-call besteht aus Lauten aufsteigender Tonhöhe, die mit beschleunigtem Tempo ausgestossen werden: Laute und Intervalle werden im Strophenverlauf verkürzt. Mehr oder weniger ähnliche great-call-Strophen finden sich im Weibchengesang aller Gibbonarten. Im Duettgesang werden die drei Männchenstrophen in der oben genannten Reihenfolge wiederholt. Von Zeit zu Zeit setzt das Weibchen mit seinem great-call ein. Das Männchen verstummt zu Beginn einer Weibchenstrophe und antwortet danach mit einer speziellen multi-modulierten Strophe, der so genannten coda. Dann folgt erneut der Zyklus der drei Männchenstrophen. […] Bei den Duettgesängen anderer Gibbonarten können mehr Variabilität, mehr Strophen und mehr vokale Interaktionsformen zum Einsatz kommen. Die komplexesten Säugetierduette kennt man vom Siamang (Symphalangus syndactylus).

GIBBONS A Screenshot 2018-01-30 10.19.13

Quelle Thomas Geissmann Begleitheft zur Ausstellung / Accompanying booklet Gibbons – die singenden Menschenaffen / Gibbons – the singing apes / pdf. siehe HIER (nach Anklicken warten!)

Gibbons B Screenshot 2018-01-30 10.19.38

zur Gibbon Sound Gallery siehe u.a. Hier

ZITAT (Hinweis zur Evolution des Gibbon-Gesangs)

Jede Gibbonart hat ihren eigenen unverwechselbaren Gesang, aber all diesen Lautfolgen sind gewisse Elemente gemein, die sich laut dem Gibbonexperten Thomas Geissmann von der Universität Zürich-Irchel bei einem gemeinsamen Vorfahren gefunden haben müssen. Somit haben schon die Vorfahren moderner Gibbons vermutlich Duette und lange, laute und komplexe Gesänge angestimmt. Die einzelnen Phrasen bestanden wahrscheinlich zunächst aus einfachen Tönen und entwickelten sich bei den Männchen allmählich von einfachen zu immer komplexeren Phrasen weiter. Die Weibchen brachten vermutlich einen einzigen, lang gezogenen Ruf (great call) aus einzelnen Lauten hervor, die zunächst lauter und schneller und gegen Ende kürzer und langsamer wurden; an diesem Punkt könnte der Ruf von akrobatischen Darbietungen begleitet gewesen sein. Die Männchen ließen sich möglicherweise zu ähnlichen Darbietungen hinreißen, oder auch nicht. (Geissmann, „Gibbon Songs and Human Music“)

Quelle Dean Falk: Wie die Menschheit zur Sprache fand / Mütter, Kinder und der Ursprung des Sprechens /DVA München 2010 / ISBN: 978-3-641-05098-6 / Anm. 30

Als Anregung: Zitat zur „Archäologie“ der Meisenrufe!

Meisenrufe historisch G.Thielcke

Nur als Beispiel. Ein interessantes Kapitel aus einem immer noch sehr lesenswerten Buch:  Gerhard Thielcke: Vogelstimmen / Springer-Verlag Berlin, Heidelberg, New York 1970.

Gerade heute meldet die Süddeutsche Zeitung ein neues Forschungsergebnis zu Meisenrufen: bei einem bestimmten Warnruf produzieren sie offenbar das Bild (!) einer Schlange in ihrem Kopf und suchen nach der Entsprechung am Boden.

SZ Meisen a SZ Meisen b SZ Wissen (31. 01.2018) Seite 14

Siehe auch den hier erwähnten Wissenschaftler Toshitaka Suzuki über das „Vokabular“ der Meisen in „Bild der Wissenschaft“ hier.