Kategorie-Archiv: Antike der Römer

Lust auf Latein

SENECA heute

Seneca 50er Cover   *  *  *Seneca 50er   *  *  *

Ich kann mich gut erinnern, wie sich eine Glocke von Langeweile über die Schulklasse senkte, sobald diese Heftchen vor uns auf den Pulten lagen. Und es war doch noch nicht lange her, dass ich mit Begeisterung den Roman „Quo vadis“ gelesen hatte, auch den Kinofilm dann seit 1954  mehrfach gesehen habe, und nicht im Traum daran dachte, dass dieser Seneca identisch sein könnte mit dem, der beim Gastmahl an Neros Tafel saß. Vielleicht im Gespräch mit Petronius, dem „arbiter elegantiarum“… Dies Wort kenne ich ja nur von dort! Sicher hatte ich einen Pons unter dem Seneca liegen, wie etwas Unerlaubtes, ich ahnte aber nicht, dass dies eine interessante „private“ Botschaft aus der Antike werden könnte, wenn man nur mit Phantasie etwas nachhülfe. Nein, ich befand mich ja in der Schule, Ratsgymnasium Bielefeld.

Der richtige Umgang mit der Zeit
SENECA LUCILIO SUO SALUTEM
(1,1) Ita fac, mi Lucili: vindica te tibi, et tempus quod adhuc aut auferebatur aut subripiebatur aut excidebat, collige et serva. Persuade tibi hoc sic esse, ut scribo: quaedam tempora eripiuntur nobis, quaedam subducuntur, quaedam effluunt. Turpissima tamen est iactura, quae per neglegentiam fit. Et si volueris adtendere, magna pars vitae elabitur male agentibus, maxima nihil agentibus, tota vita aliud agentibus.
(1,2) Quem mihi dabis, qui aliquod pretium tempori ponat, qui diem aestimet, qui intellegat se cottidie mori? In hoc enim fallimur, quod mortem prospicimus: magna pars eius iam praeteriit; quidquid aetatis retro est, mors tenet. Fac ergo, mi Lucili, quod facere te scribis, omnes horas conplectere; sic fiet, ut minus ex crastino pendeas, si hodierno manum inieceris.
(1,3) Dum differtur vita, transcurrit. Omnia, Lucili, aliena sunt, tempus tantum nostrum est; in huius rei unius fugacis ac lubricae possessionem natura nos misit, ex qua expellit, quicumque vult. Et tanta stultitia mortalium est, ut, quae minima et vilissima sunt, certe reparabilia, inputari sibi, cum inpetravere, patiantur, nemo se iudicet quicquam debere, qui tempus accepit, cum interim hoc unum est, quod ne gratus quidem potest reddere.
(1,4) Interrogabis fortasse, quid ego faciam, qui tibi ista praecipio. Fatebor ingenue: quod apud luxuriosum sed diligentem evenit, ratio mihi constat inpensae. Non possum dicere nihil perdere, sed quid perdam et quare et quemadmodum, dicam; causas paupertatis meae reddam. Sed evenit mihi, quod plerisque non suo vitio ad inopiam redactis: omnes ignoscunt, nemo succurrit.
(1,5) Quid ergo est? non puto pauperem, cui, quantulumcumque superest, sat est; tu tamen malo serves tua, et bono tempore incipias! Nam ut visum est maioribus nostris, ’sera parsimonia in fundo est‘); non enim tantum minimum in imo sed pessimum remanet.
Vale!
Seneca grüßt seinen Lucilius
(1)  Tue es so, mein Lucilius; rette Dich Dir selbst; sammle und bewahre die Zeit, die Dir jetzt bald geraubt, bald entwendet wurde, bald entschlüpfte. Glaube mir, es ist so, wie ich schreibe: ein Teil der Zeit wird uns entrissen, ein anderer unbemerkt entzogen, ein dritter zerrinnt uns. Doch der schimpflichste Verlust ist der, der aus Nachlässigkeit erwächst; und betrachten wir’s genauer, so verfließt den Menschen der größte Teil der Zeit, indem sie Übles tun, ein großer, indem sie nichts tun, das ganze Leben, indem sie andere Dinge tun als sie sollten.
(2) Wen willst Du mir nennen, der einigen Wert auf die Zeit legte, der den Tag schätzte, der es einsähe, dass er täglich stirbt? Das ist unser Irrtum, dass wir den Tod in der Zukunft schauen: er ist zum großen Teil schon vorüber; was von unserem Leben hinter uns liegt, hat der Tod. Also, mein Lucilius, tue, wie Du schreibst; halte alle Stunden zusammen; ergreife den heutigen Tag, so wirst Du weniger von dem morgigen abhängen.
 *
(3) Indem man das Leben verschiebt, eilt es vorüber. Alles, mein Lucilius, ist fremdes Eigentum, nur die Zeit ist unser. Dieses so flüchtige, so leicht verlierbare Gut, ist der einzige Besitz, in den uns die Natur gesetzt hat; und doch verdrängt uns daraus, wer da will. Und so groß ist die Torheit der Sterblichen, dass sie das Geringste und Armseligste, wenigstens das Ersetzbare, haben sie es empfangen, sich aufrechnen lassen, dagegen niemand sich in Schuld glaubt, wenn er Zeit erhalten, während diese doch das einzige ist, was auch der Dankbare nicht erstatten kann.
 *
(4) Du fragst vielleicht, was ich denn selbst tue, der ich Dir diese Lehren gebe. Ich will es Dir offen gestehen. Es ist bei mir wie bei dem, der viel Aufwand macht, aber sorgfältig Buch führt; die Rechnung über meine Ausgabe ist in Ordnung. Ich kann nicht sagen, dass mir nichts zugrunde gehe; aber was zugrunde geht, und warum und wie, vermag ich zu sagen; die Gründe meiner Armut kann ich angeben. Allein es geht mir wie den meisten, die ohne ihr Verschulden in Dürftigkeit geraten sind: jeder verzeiht, niemand hilft ihnen.
(5) Doch – was ist’s? Ich halte den nicht für arm, dem das wenige genügt, das er übrig hat. Dir aber rate ich, spare was Du hast, und fange bei guter Zeit an. Denn wie unsere Alten meinten: „Zu spät ist es, auf der Neige zu sparen.“ Denn nicht bloß wenig ist es, sondern auch das Schlechteste, was auf dem Boden bleibt.
Lebe wohl!

(Die obige Synopsis verdanke ich der Website www.gottwein.de)

Wäre es möglich gewesen, mich für immer an solche Lektüre zu binden, wenn es damals schon Lehrbücher gegeben hätte wie heute? Nun ist das folgende ganz neu, winkt mit Informationen über Freizeit und gehört vielleicht zu den Glücksfällen. Zudem mindert sich leicht der Anreiz einer Aufgabe, sobald sie zur Pflicht wird. Vor allem auch in der Gruppe, in der immer ein latenter Wettbewerb läuft und die Gefahr, zu unterliegen oder eine schlechte Figur zu machen, nie auszuschließen ist. Immer wieder irritiert es mich, auf welche Weise neugierige, wissbegierige Kleinkinder in der Schule zu verdrossenen Lernern werden, die aus lauter „Coolness“ Front machen gegen sogenannte „Streber“ in ihren Reihen. Wer die winzige Schwelle hinnimmt, – überhaupt zu einer Leistung aufgefordert, zu bestimmten Reflexionen angehalten zu werden, auf die man vielleicht lieber selbst gekommen wäre, der liest mit größtem Vergnügen. Er oder sie kann gar nicht anders. Der Ton ist seriös, und doch locker genug („wer dies liest, ist doof“), das Angebot so verlockend und aktuell (!) – etwa über Zeitmanagement heute und Massenveranstaltungen bei den Römern -, dass man schnell eingefangen ist. Ich überspringe ungern die ersten Seiten, um sofort – oh je: aus didaktischen Gründen – an den schon zu Beginn dieses Artikels angebotenen Text anzuknüpfen:

Seneca heute Cover Vandenhoeck & Ruprecht Leseproben HIER.

Seneca Hengelbrock Seneca Hengelbrock f  *  *  *Seneca Hengelbrock ff Seneca Hengelbrock fff *  *  *

Ein Wort noch zum Autor des Lehrbuchs (für ältere oder sogar – alternde Schüler): Dr. Matthias Hengelbrock. Ich wäre vielleicht nie ohne Facebook auf diese Quelle des Wissens gestoßen. Ich kenne ihn allerdings schon länger als Fachmann für Alte Musik, er besitzt – anders als ich – tatsächlich alle LPs und CDs, die es vom Collegium Aureum gab und gibt, und natürlich alles, was er sonst noch braucht für seine Tätigkeit in der Jury „Preis der Deutschen Schallplattenkritik“, also unendlich viel, siehe HIER.

Wie war denn Ciceros Witz?

Nichts macht neugieriger als ein Witz, den jemand aus irgendeinem Grund partout nicht erzählen will.

Und so geht es mir mit dem Gerücht, dass der berühmte antike Redner und Politiker Cicero Witze in der Redekunst, die er wie kein anderer beherrschte und beschrieben hat, sehr wichtig fand, dass uns aber angeblich kein einziger davon witzig erscheint.

So schreibt jedenfalls Peter L. Berger (1998), während er sich auf einen Essay von Joachim Ritter (1940) bezieht:

Das Komische hängt immer von der Lebenswelt ab, in der es sich ereignet. Man kann nicht über Witze aus Lebenswelten lachen, die man nicht begreift. Deshalb ist es beispielsweise schwierig für den modernen Leser, irgendeinen Humor in den vorgeblich komischen Episoden zu entdecken, die Cicero schildert. Die besten jüdischen Witze verpuffen in China. Und was einer Gruppe von Bauarbeitern höchst komisch erscheint, amüsiert Mitglieder der anglistischen Fakultät Harvard kaum, und vice versa.

Quelle Peter L. Berger: Erlösendes Lachen / Das Komische in der menschlichen Erfahrung / Walter de Gruyter, Berlin New York 1998

Und schon interessiert mich nichts mehr als Ciceros Gelächter, mehr als das Homerische, das wohl nur die Götter betraf und vor allem als laut und nicht enden wollend beschrieben wird. Im altsprachlichen Gymnasium, das ich einst besuchen durfte oder musste, war das Lachen kein Thema; es entstand spontan auf Seiten der Schüler, vorwiegend durch Albernheit und mutwillige Störung des Unterrichts. Oder auch als Scheinantwort, z.B. auf die ernste Frage des Lehrers, was denn die Inschrift „Deo et literis“ (sic!) über dem Eingang bedeute: „Gott und den Litern!“

CICERO Büste Cicero (106 – 43 v. Chr.)

Ich habe mir jetzt wenigstens einige weiterführende Quellen zusammengesucht, so dass ich für eine echte Antwort auf die Frage zu Ciceros Witz gewappnet bin (paratus sum).

Allgemein zu „De Oratore“ bei Wikipedia HIER

Der Text deutsch (und lateinisch) HIER  (Egon und Gisela Gottwein)

Ein anderes Beispiel (am anderen Ort Übersetzung & Kommentar von Dr. Raphael Kühner. Stuttgart, 2. Auflage, 1873) :

240. Es gibt zwei Arten des Witzigen, von denen die eine sich mit der Sache, die andere sich mit dem Wort beschäftigt. Mit der Sache, wenn man etwas als eine Anekdote erzählt, wie du, Crassus, einst von dem Memmius*, er habe dem Largius ein Stück aus dem Arm gebissen, als er sich mit ihm zu Tarracina um ein Mädchen gezankt hatte. Die Erzählung war schneidender Spott, aber ganz von dir selbst erdichtet. Zum Schluß fügtest du hinzu, in ganz Tarracina hätten damals an allen Wänden die Buchstaben L. L. L. M. M. geschrieben gestanden. Auf deine Frage, was das bedeuten solle, habe dir ein alter Mann aus der Stadt gesagt: ‘Largius’ Linke letzt Memmius’ Maulgier **.’ 241. Ihr seht, wie witzig, wie artig, wie rednerisch diese Art des Lächerlichen ist, mag man nun eine wahre Geschichte erzählen können, die man jedoch mit kleinen erdichteten Zügen versetzen muß, oder mag man etwas erdichten. Eine vorzügliche Eigenschaft in dieser Art des Witzes besteht darin, daß man das Geschehene so veranschaulicht, daß die Sitten dessen, von dem man erzählt, seine Sprache, alle seine Mienen ausgedrückt werden, so daß die Zuhörer meinen, die Sache geschehe und ereigne sich eben jetzt vor ihren Augen.

*Gaius Memmius, im Jahr 111 v. Chr. Volkstribun, war ein hämischer Ankläger ein mittelmäßiger, aber beißender Redner sowie auch ein beißender Liebhaber. Siehe Cicero, Brutus 36, 136, und Vom Redner II 70, 283. Günstiger urteilt über ihn Sallustius, lugurtha 27 und 30. Er wurde vom Volkstribunen Saturninus ermordet. – Der hier genannte Largius ist unbekannt. – Tarracina war eine Stadt in Latium, früher Anxur genannt.

**Im Original steht: lacerat lacertum Largi mordax Memmius, d. h. es zerfleischt den Arm des Largius der beißige Memmius. Um in der Übertragung die Anfangsbuchstaben der angegebenen Worte festzuhalten, mußte ich etwas freier übersetzen, indem ich lacerat durch letzt, d. h. verletzt, lacertum durch Linke, mordax durch Maulgier wiedergab.

Darüberhinaus gibt es noch eine im Internet nachlesbare Seminar-Arbeit über Ciceros Humortheorie, die zu weiteren Schritten ermutigt und den Blick auf die vorhandene Sekundärliteratur lenkt:

Die Humortheorie in Marcus Tullius Ciceros “De oratore” von Franziska Scheiner – Universität Duisburg Essen Fakultät für Geisteswissenschaften – Germanistisches Institut WS 2012/2013  – auffindbar HIER

ZITAT (Seite 8)

Cicero ist einer der ersten, der den Witz überhaupt als relevant für die Rhetorik die  [der] Gerichtsrede einstufte. Hierzu muss bemerkt werden, dass sich das antik[e] römische Gerichtswesen wesentlich vom heutigen Gerichtswesen unterschied. In Rom waren direkte Rededuelle vor Gericht oder im Senat nur erfolgreich, wenn die Angriffe auf den Gegner absolut nichts mit dem tatsächlichen Tatbestand zu tun hatten. Die andere Person musste persönlich diskreditiert werden und dies ging laut Cicero, der zu dieser Einsicht aus persönlicher Erfahrung gekommen war, besonders gut dadurch, dass man die andere Person niveauvoll lächerlich machte und mit kleinen Spitzen in der Rede [zu] verunsicherte.

Aus dieser Forderung folgt bereits, dass hier der Witz als Witz nicht „autonom“ behandelt wird, sondern als Mittel zu einem einzigen Zweck, nämlich den Gegner herabzusetzen. Das ist wohl auch der Grund, weshalb Ciceros „Witze“ in unserer Gesellschaft nicht zünden: sie sind meilenweit vom Prinzip der „political correctness“ entfernt, es werden keine unbekannten Fakten präsentiert, keine Widersprüche aufgedeckt, aus denen sich eine humoristische Sich ergäbe, sondern es werden unangenehme Assoziationen ins Spiel gebracht, die ein schadenfrohes Lachen auslösen. Ein wesentlicher Faktor des Witzes fehlt: der befreiende Charakter.

Interessant ist zum Beispiel die Begründung, weshalb ein Witz, der einen körperlich klein geratenen Menschen treffen sollte, als bloße Possenreißerei negativ beurteilt wird:

245. Es trat ein winzig kleiner Zeuge auf. ‘Ist es erlaubt, eine Frage an ihn zu richten?’ sagte Philippus. Hierauf erwiderte der Vorsitzer des Gerichtes, der Eile hatte: ‘Nur mach es kurz!’ Da sagte jener: ‘Du sollst dich nicht beschweren. Ein kleines Ding will ich nur fragen.’ Ein witziger Einfall! Aber zu Gericht saß Lucius Aurifex, der selbst noch kleiner war als der Zeuge. Das ganze Gelächter wandte sich gegen den Richter, und so erschien der Witz als eine Possenreißerei. Also das, was eine Person treffen kann, die wir nicht getroffen wissen wollen, gehört, mag es auch noch so hübsch sein, seinem Wesen nach in das Gebiet des Possenhaften.

Der Übersetzer fügt hinzu, dass der verwendete Ausdruck „perpusillum rogabo“ doppeldeutig ist, da „perpusillum“ sowohl Maskulinum (“Einen winzig kleinen Menschen werde ich fragen”) als auch Neutrum (“Nur eine Kleinigkeit werde ich fragen”) sein kann.

Aber die negative Beurteilung trifft diesen Wortwitz nur deshalb, weil er zufällig auch auf den noch kleineren Richter bezogen werden konnte.

Quelle Raphael Kühner 1873 (wie oben, Seite 189)

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Humor im frühen Italien

ZITAT

Scherze sind eine weitere Form der Kommunikation; man fängt an, die Geschichte ihrer Konventionen zu schreiben [Buchhinweise]. Sie unterscheiden sich gewiß beträchtlich von Epoche zu Epoche. Wenn wir ins Italien der frühen neuzeit reisen könnten, hätten wir vermutlich große Schwierigkeiten mit einem Humor, der heutzutage praktisch auf Kasernen (und Colleges, ihr zivile gegenstück) begrenzt ist. Sogar am Hof von Urbino, wie er in Castigliones Hofmann – stark idealisiert – beschrieben wird, bewarf man sich bei Tische mit Brotkügelchen. Handfeste Späße der verschiedensten Art waren sehr beliebt. Zahlreiche Quellen bestätigen den Hang für die burle oder beffe. Vergleicht man die Motive der italienischen Kurzgeschichte jener Zeit, der novella, mit denen von Volkssagen und Erzählungen aus anderen Ländern, so zeigt sich, daß die Italiener besonders von Kniffen und Gaunerei fasziniert waren, insbesondere aber vom Thema der Demütigung des Opfers (Rotunda, 1942). Handfeste Späße waren eingebaut in italienische Landhäuser wie die Medici-Villa in Pratolino aus dem sechzehnten Jahrhundert, wo der Gastgeber seine ahnungslos im Garten lustwandelnden Gäste durchnässen, die Zuschauer zum Schauspiel machen konnte. [Seite 17]

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Castigliones Gespür für die Dramaturgie des Alltagslebens ist bereits erwähnt worden (S.20). Seine Erörterung der Stellung des Lachens in einer kultivierten Gesellschaft, einschließlich seiner Definition des Komischen als „einer gewissen Mißbildung“ (una certa deformità) ist berühmt. Es ist jedoch bekannt, daß Castiglione in diesem Abschnitt Cicero folgt, und daß sein Hauptziel nicht so sehr darin besteht, die Sitten und Gebräuche seiner Welt zu interpretieren als vielmehr, sie zu ändern. Auf jeden Fall bleibt Castiglione ein entscheidender Zeuge für das Verhalten, das er ablehnt. [Seite 27 f]

Quelle Peter Burke: Städtische Kultur in Italien zwischen Hochrenaissance und Barock / Verlag Klaus Wagenbach Berlin 1986 ISBN 3 803135338