Kategorie-Archiv: Naturwissenschaft

Tiergeschrei bei Vollmond

Was Alexander Humboldt am Orinoco hörte

Orinoco Bassin Quelle der Karte: Wikipedia

ZITAT (Die Farbmarkierungen wurden von mir hinzugefügt. JR)

Durch den Rio Apure, dessen Überschwemmungen ich in dem Aufsatz über die Wüsten und Steppen gedacht, gelangten wir, von Westen gegen Osten schiffend, in das Bette des Orinoco. Es war die Zeit des niedrigen Wasserstandes. Der Apure hatte kaum 1200 Fuß mittlerer Breite, während ich die des Orinoco bei seinem Zusammenfluß mit dem Apure (unfern dem Granitfelsen Curiquima, wo ich eine Standlinie messen konnte) noch über 11 430 Fuß fand. Doch ist dieser Punkt, der Fels Curiquima, in gerader Linie noch hundert geographische Meilen vom Meere und von dem Delta des Orinoco entfernt. Ein Teil der Ebenen, die der Apure und der Payara durchströmen, ist von Stämmen der Yaruros und Achaguas bewohnt. In den Missionsdörfern der Mönche werden sie Wilde genannt, weil sie unabhängig leben wollen. In dem Grad ihrer sittlichen Roheit stehen sie aber sehr gleich mit denen, die, getauft, »unter der Glocke (bajo la campana)« leben und doch jedem Unterrichte, jeder Belehrung fremd bleiben.

Von der Insel del Diamante an, auf welcher die spanisch sprechenden Zambos Zuckerrohr bauen, tritt man in eine große und wilde Natur. Die Luft war von zahllosen Flamingos (Phoenicopterus) und anderen Wasservögeln erfüllt, die, wie ein dunkles, in seinen Umrissen stets wechselndes Gewölk, sich von dem blauen Himmelsgewölbe abhoben. Das Flußbette verengte sich bis zu 900 Fuß Breite und bildete in vollkommen gerader Richtung einen Kanal, der auf beiden Seiten von dichter Waldung umgeben ist. Der Rand des Waldes bietet einen ungewohnten Anblick dar. Vor der fast undurchdringlichen Wand riesenartiger Stämme von Caesalpinia, Cedrela und Desmanthus erhebt sich auf dem sandigen Flußufer selbst, mit großer Regelmäßigkeit, eine niedrige Hecke von Sauso. Sie ist nur 4 Fuß hoch, und besteht aus einem kleinen Strauche, Hermesia castaneifolia welcher ein neues Geschlecht aus der Familie der Euphorbiazeen bildet. Einige schlanke dornige Palmen, Piritu und Corozo von den Spaniern genannt (vielleicht Martinezia- oder Bactrisarten), stehen der Hecke am nächsten. Das Ganze gleicht einer beschnittenen Gartenhecke, die nur in großen Entfernungen voneinander torartige Öffnungen zeigt. Die großen vierfüßigen Tiere des Waldes haben unstreitig diese Öffnungen selbst gemacht, um bequem an den Strom zu gelangen. Aus ihnen sieht man, vorzüglich am frühen Morgen und bei Sonnenuntergang, heraustreten, um ihre Jungen zu tränken, den amerikanischen Tiger, den Tapir und das Nabelschwein (Pecari, Dicotyles). Wenn sie, durch ein vorüberfahrendes Canot der Indianer beunruhigt, sich in den Wald zurückziehen wollen, so suchen sie nicht die Hecke des Sauso mit Ungestüm zu durchbrechen, sondern man hat die Freude, die wilden Tiere vier- bis fünfhundert Schritt langsam zwischen der Hecke und dem Fluß fortschreiten und in der nächsten Öffnung verschwinden zu sehen. Während wir 74 Tage lang auf einer wenig unterbrochenen Flußschiffahrt von 380 geographischen Meilen auf dem Orinoco, bis seinen Quellen nahe, auf dem Cassiquiare und dem Rio Negro in ein enges Canot eingesperrt waren, hat sich uns an vielen Punkten dasselbe Schauspiel wiederholt; ich darf hinzusetzen: immer mit neuem Reize. Es erscheinen, um zu trinken, sich zu baden oder zu fischen, gruppenweise Geschöpfe der verschiedensten Tierklassen: mit den großen Mammalien vielfarbige Reiher, Palamedeen und die stolz einherschreitenden Hokkohühner (Crax Alector, C. Pauxi). »Hier geht es zu wie im Paradiese, es como en el Paraiso«, sagte mit frommer Miene unser Steuermann, ein alter Indianer, der in dem Hause eines Geistlichen erzogen war. Aber der süße Friede goldener Urzeit herrscht nicht in dem Paradiese der amerikanischen Tierwelt. Die Geschöpfe sondern, beobachten und meiden sich. Die Capybara, das 3 bis 4 Fuß lange Wasserschwein, eine kolossale Wiederholung des gewöhnlichen brasilianischen Meerschweinchens (Cavia Aguti), wird im Flusse vom Krokodil, auf der Trockne vom Tiger gefressen. Es läuft dazu so schlecht, daß wir mehrmals einzelne aus der zahlreichen Herde haben einholen und erhaschen können.

Unterhalb der Mission von Santa Barbara de Arichuna brachten wir die Nacht wie gewöhnlich unter freiem Himmel auf einer Sandfläche am Ufer des Apure zu. Sie war von dem nahen, undurchdringlichen Walde begrenzt. Wir hatten Mühe, dürres Holz zu finden, um die Feuer anzuzünden, mit denen nach der Landessitte jedes Biwac wegen der Angriffe des Jaguars umgeben wird. Die Nacht war von milder Feuchte und mondhell. Mehrere Krokodile näherten sich dem Ufer. Ich glaube bemerkt zu haben, daß der Anblick des Feuers sie ebenso anlockt wie unsre Krebse und manche andere Wassertiere. Die Ruder unserer Nachen wurden sorgfältig in den Boden gesenkt, um unsere Hangematten daran zu befestigen. Es herrschte tiefe Ruhe; man hörte nur bisweilen das Schnarchen der Süßwasser-Delphine, welche dem Flußnetze des Orinoco wie (nach Colebrooke) dem Ganges bis Benares hin eigentümlich sind und in langen Zügen aufeinander folgten.

Nach 11 Uhr entstand ein solcher Lärmen im nahen Walde, daß man die übrige Nacht hindurch auf jeden Schlaf verzichten mußte. Wildes Tiergeschrei durchtobte die Forst. Unter den vielen Stimmen, die gleichzeitig ertönten, konnten die Indianer nur die erkennen, welche nach kurzer Pause einzeln gehört wurden. Es waren das einförmig jammernde Geheul der Aluaten (Brüllaffen), der winselnde, fein flötende Ton der kleinen Sapajous, das schnurrende Murren des gestreiften Nachtaffen (Nyctipithecus trivirgatus, den ich zuerst beschrieben habe), das abgesetzte Geschrei des großen Tigers, des Cuguars oder ungemähnten amerikanischen Löwen, des Pecari, des Faultiers und einer Schar von Papageien, Parraquas (Ortaliden) und anderer fasanenartigen Vögel. Wenn die Tiger dem Rande des Waldes nahekamen, suchte unser Hund, der vorher ununterbrochen bellte, heulend Schutz unter den Hangematten. Bisweilen kam das Geschrei des Tigers von der Höhe eines Baumes herab. Es war dann stets von den klagenden Pfeifentönen der Affen begleitet, die der ungewohnten Nachstellung zu entgehen suchten.

Fragt man die Indianer, warum in gewissen Nächten ein so anhaltender Lärmen entsteht, so antworten sie lächelnd: »die Tiere freuen sich der schönen Mondhelle, sie feiern den Vollmond.« Mir schien die Szene ein zufällig entstandener, lang fortgesetzter, sich steigernd entwickelnder Tierkampf. Der Jaguar verfolgt die Nabelschweine und Tapirs, die dicht aneinandergedrängt das baumartige Strauchwerk durchbrechen, welches ihre Flucht behindert. Davon erschreckt, mischen von dem Gipfel der Bäume herab die Affen ihr Geschrei in das der größeren Tiere. Sie erwecken die gesellig horstenden Vogelgeschlechter, und so kommt allmählich die ganze Tierwelt in Aufregung. Eine längere Erfahrung hat uns gelehrt, daß es keinesweges immer »die gefeierte Mondhelle« ist, welche die Ruhe der Wälder stört. Die Stimmen waren am lautesten bei heftigem Regengusse oder wenn bei krachendem Donner der Blitz das Innere des Waldes erleuchtet. Der gutmütige, viele Monate schon fieberkranke Franziskanermönch, der uns durch die Katarakten von Atures und Maipures nach San Carlos des Rio Negro bis an die brasilianische Grenze begleitete, pflegte zu sagen, wenn bei einbrechender Nacht er ein Gewitter fürchtete: »möge der Himmel, wie uns selbst, so auch den wilden Bestien des Waldes eine ruhige Nacht gewähren!«

Mit den Naturszenen, die ich hier schildere und die sich oft für uns wiederholten, kontrastiert wundersam die Stille, welche unter den Tropen an einem ungewöhnlich heißen Tage in der Mittagsstunde herrscht. Ich entlehne demselben Tagebuche eine Erinnerung an die Flußenge des Baraguan. Hier bahnt sich der Orinoco einen Weg durch den westlichen Teil des Gebirges Parime. Was man an diesem merkwürdigen Paß eine Flußenge (Angostura del Baraguan) nennt, ist ein Wasserbecken von noch 890 Toisen (5340 Fuß) Breite. Außer einem alten dürren Stamme der Aubletia (Apeiba Tiburbu) und einer neuen Apozinee, Allamanda salicifolia, waren an dem nackten Felsen kaum einige silberglänzende Croton-Sträucher zu finden. Ein Thermometer, im Schatten beobachtet, aber bis auf einige Zolle der Granitmasse turmartiger Felsen genähert, stieg auf mehr als 40° Réaumur. Alle ferne Gegenstände hatten wellenförmig wogende Umrisse, eine Folge der Spiegelung oder optischen Kimmung (mirage). Kein Lüftchen bewegte den staubartigen Sand des Bodens. Die Sonne stand im Zenit, und die Lichtmasse, die sie auf den Strom ergoß und die von diesem, wegen einer schwachen Wellenbewegung funkelnd, zurückstrahlt, machte bemerkbarer noch die nebelartige Röte, welche die Ferne umhüllte. Alle Felsblöcke und nackten Steingerölle waren mit einer Unzahl von großen, dickschuppigen Iguanen, Gecko-Eidechsen und buntgefleckten Salamandern bedeckt. Unbeweglich, den Kopf erhebend, den Mund weit geöffnet, scheinen sie mit Wonne die heiße Luft einzuatmen. Die größeren Tiere verbergen sich dann in das Dickicht der Wälder, die Vögel unter das Laub der Bäume oder in die Klüfte der Felsen; aber lauscht man bei dieser scheinbaren Stille der Natur auf die schwächsten Töne, die uns zukommen, so vernimmt man ein dumpfes Geräusch, ein Schwirren und Sumsen der Insekten, dem Boden nahe und in den unteren Schichten des Luftkreises. Alles verkündigt eine Welt tätiger, organischer Kräfte. In jedem Strauche, in der gespaltenen Rinde des Baumes, in der von Hymenoptern bewohnten, aufgelockerten Erde regt sich hörbar das Leben. Es ist wie eine der vielen Stimmen der Natur, vernehmbar dem frommen, empfänglichen Gemüte des Menschen.

***

Quelle Alexander von Humboldt: Ansichten der Natur / Seinem teuren Bruder Wilhelm von Humboldt in Rom / Berlin, im Mai 1807 /  Philipp Reclam jun. Stuttgart 1999 ISBN 3-15-002948 (Seite 169-173)

Abgerufen bei:

http://gutenberg.spiegel.de/buch/ansichten-der-natur-4756/10 bzw. HIER

Nachwort

Wie ich dazu kam, in meinem kleinen Exemplar der“Ansichten der Natur“ zu lesen? Bei Markus Lanz war die Autorin Andrea Wulf zu Gast, deren Buch über Humboldt (A.v.H. und Die Erfindung der Natur) gerade erschienen ist. ZDF 18. Januar 2017 Videothek HIER ab 55:35

Seltsam, dass Daniel Kehlmann und seine Wiederentdeckung des Alexander Humboldt in Die Vermessung der Welt (2005) mit keinem Wort erwähnt wurde.

Gibt es den Bombardierkäfer?

Bitte nicht sofort googeln!

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Foto: Patrick Coin (cc-by-sa-2.5)

Natürlich haben Sie doch gegoogelt. Und nun das Hinterteil des Tieres mit ungläubigem Staunen betrachtet. Ein Wunder! Nein, ein Alleinstellungsmerkmal sondergleichen, wie die menschliche Sprache.

Aber ein beliebiger anderer Käfer ist nicht weniger bewundernswert. Mein Blick bleibt beim Anblick des herrlichen Darwin-Bandes, den ich nach der Rückkehr von der Nordsee zuhaus vorfand, sofort bei dem Käfer hängen, der hier durch Drehung bevorzugt wird, weil er bei der Wiedergabe des ganzen Covers (siehe weiter unten) etwas angeschnitten wird. Ausgerechnet am ungefährlichen Hinterteil. Das hat er nicht verdient:

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Er erinnert mich an die Käfer meiner Kindheit, vorwiegend Laufkäfer; damals war man der Erde noch näher, vor allem der Schnellkäfer hatte es uns angetan, dank seiner Knick-Knack-Automatik, mit der er sich hochschnellte, wenn man ihn auf der Hand rücklings drehte (s.a. hier oder auch hier).

Vom Bombardierkäfer habe ich etwa 2008 erfahren, als ich mir das dickleibige Buch „Geschichten vom Ursprung des Lebens – Eine Zeitreise auf Darwins Spuren“ angeschafft hatte. Der Autor Richard Dawkins war auf Seite 826 bei der Frage angelangt, welche Erfindungen die Evolution wohl nur 1 einziges Mal hervorgebracht hat (zum Vergleich: ein so kostbares Organ wie das Auge hat sich im Tierreich 40- bis 60-mal unabhängig entwickelt, die Echoorientierung wie bei den Fledermäusen viermal, z.B. auch bei Zahnwalen). Dawkins erzählt:

Ich habe diese Aufgabe meinem Oxforder Kollegen, dem Insektenexperten und Naturforscher George McGavin, gestellt. Er brachte eine hübsche Liste zusammen, die aber im Vergleich zur Liste der Dinge, die sich mehrfach entwickelt haben, immer noch kurz war: Die Bombadierkäfer der Gattung Brachinus sind nach Dr. McGavins Erfahrung als Einzige in der Lage, chemische Substanzen zu mischen und auf diese Weise eine Explosion herbeizuführen. Die Zutaten werden (natürlich!) in getrennten Drüsen produziert und aufbewahrt. Sobald Gefahr droht, werden sie in eine Körperhöhle am Hinterende des Käfers gespritzt und explodieren dort, wodurch eine ätzende und kochend heiße Flüssigkeit durch eine Düse in einer ganz bestimmten Richtung auf den Angreifer geschossen wird. Dieses Beispiel ist auch unter Kreationisten bekannt und findet bei ihnen sehr viel Anklang. Nach ihrer Auffassung ist es selbstverständlich unmöglich, dass sich der Mechanismus in allmählichen Schritten entwickelt hat, weil die Zwischenstufen ausnahmslos explodieren müssen. Bei einer Weihnachtsvorlesung für Kinder, die von der Royal Institution veranstaltet und 1991 im BBC.Fernsehen ausgestrahlt wurde, hatte ich die Freude, den Fehler in dieser Argumentation nachzuweisen. (…)

Er hat den Beweis erbracht, – aber wer das nachlesen will, muss es an Ort und Stelle tun. Hier nur noch die Bemerkung zum anderen Fall (Seite 843):

Die Echoorientierung der Fledermaus ist das Ergebnis einer langen Reihe winziger Verbesserungen, von denen jede additiv zu ihren Vorgängern hinzukam und den Evolutionstrend in die gleiche Richtung trieb.

Quelle Richard Dawkins: Geschichten vom Ursprung des Lebens. Eine Zeitreise auf Darwins Spuren. Ullstein Buchverlage Berlin 2008 ISBN 978-3-550-08748-6

Falls Sie fragen: kommt dieser Käfer auch bei uns vor? so kann ich Sie trösten: Ja! Aber ich kann leider nicht von einschlägigen Erfahrung aus meiner Kinderzeit berichten. Alles weitere finden Sie bei Wikipedia HIER.

Natürlich bin ich kein Naturforscher oder Biologe, weil die Musik stärker war. Aber das Interesse war einigermaßen früh da, wie ich mit meinem ersten Buch zu diesem Thema beweisen kann:

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So begann es, und es hört nicht auf, und es beginnt manchmal ganz von vorn, wie die Neuanschaffung (s.u.) beweist. Ich hatte zwar jede Menge Tierbücher, seit ich lesen konnte, aber ein digitales Kinderlexikon stand mir nie zur Verfügung (siehe hier, liebes Kind, lieber Emi, und lass Dir dann ein echtes Buch schenken!):

darwin-cover Verlag Theiss Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2016

ISBN 978-3-8062-3391-9

Vom Kapitalismus

Lektüre „zwischen den Jahren“

kapitalismuskritik-vorn kapitalismuskritik-hinten kapitalismustribunal-text

Zum Haus Bartleby in Wikipedia: hier. Über den Passagen-Verlag: hier. http://www.passagen.at

Anselm Lenz, Alix Faßmann, Hendrik Sodenkamp, Haus Bartleby (Hg.): Das Kapitalismustribunal / Zur Revolution der ökonomischen Rechte (Das rote Buch) Herausgegeben von Peter Engelmann / Passagen Verlag  2016 Wien / ISBN 978-3-7092-0220-3 /

ZITAT (Seite 14f)

Der in diesem Bande abgelegte wissenschaftliche Grundgedanke legt einen fundamentalen Blickwechsel auf die Entstehung menschlicher Ökonomie dar. Dieser lässt sich auf zwei Formeln bringen.

Erstens: Nicht die Ökonomie entsteht aus dem menschlichen Handeln und kann durch Gesetze eingedämmt werden, wie etwa die Spielregeln für einen sportlichen Wettkampf, die diesen möglichst „hart, aber fair“ ablaufen lassen: vielmehr entfaltet sich die Ökonomie erst auf Regeln, die immer grundlegend wirksam sind und im weiteren Verlauf menschlichen Wirtschaftens fortwirken. Das Kapitalismustribunal rückt die Emergenz aller Ökonomie aus den Gesetzen erstmals systematisch in den Mittelpunkt der wissenschaftlichen und juristischen Erforschung, um daraus rechtswirksame Grundsätze abzuleiten.

Zweitens: Derzeit gültige Rechtstexte, in ihrer vornehmsten Form also die Erklärung der Menschenrechte von 1948, aber auch Verfassungstexte, formulieren bürgerliche Positivrechte dessen, was in einer Ökonomie jeder Bürgerin und jedem Bürger zukommen soll. Die Adresse der Gewährleistung ist dabei immer der Staat oder eine staatsähnliche Autorität. Die in allen diesen Texten kodifizierten Gesetze sind Individualrechte, die unsystematisch nebeneinander stehen. Sie kommen einem Forderungskatalog gleich, der „auf der Gnade“ der jeweiligen Autorität fußt. Ihre Umsetzung scheitert auch an eben dieser Mangelhaftigkeit ihrer Ausgangsbasis.

Die erstmalige und systematische Formulierung ökonomischer Grundrechte für jeden Menschen stellt, so lautet die begründete Überzeugung der Herausgeber dieses Buches, eine juristische Revolution dar, die aus zynischen, übereilten, unwissenschaftlichen oder ahistorischen Perspektiven nur unterschätzt werden kann.

Es geht also um nicht weniger als einen grundlegenden „Wechsel der Perspektive für die Grundlegung des Rechts.“

Keine Zeit könnte günstiger sein für einen solchen Neubeginn als die „zwischen den Jahren“.

Oder auch gleich danach…

Die Beiträge sind allerdings von sehr unterschiedlicher Relevanz (subjektiv gesehen) und auch von wechselnder Klarheit. Ich werde (nach subjektivem Ermessen) eine Liste erstellen, in welcher Reihenfolge sie sich mir als weitertragend und anregend erwiesen. Man gerät des öfteren in Versuchung, die Lektüre einzustellen, wenn Kenntnisse vorausgesetzt werden, die nicht vorhanden sind, Namen und Begriffe auftauchen, die einem nicht geläufig sind und auch nicht erläutert werden.

Zum Beispiel habe ich noch nie von „überpositivem Recht“ gehört und atme also auf, wenn ich die Frage lese: Können Sie definieren, was überpositives Recht und Naturrecht sind? (Seite 40). Die Antwort folgt auf dem Fuße:

Das Naturrecht ist die rechtsphilosophische Meinung, dass sich etwas Rechtliches aus der Natur der Menschen ergibt und auch aus den Ansprüchen der Völker – also ein Natur- und Völkerrecht. (…)

Und das positive Recht ist entweder staatlich gesetztes Recht, oder aber, darüber streitet man sich, es spiegelt die allgemeinen Rechtssätze des Völkerrechts.

Von einem „überpositiven Recht“, das ich nun als drittes noch erwartete, ist im weiteren mit keinem Wort die Rede. Erst durch separate Recherche erfahre ich, dass es sich nicht um ein drittes Recht handelt, sondern in der Frage schon enthalten war: es ist identisch mit dem Naturrecht. Ich hätte Wikipedia nicht bemühen müssen, wenn die Frage gelautet hätte: Können Sie definieren, was überpositives Recht bzw. Naturrecht ist?

Aber jetzt, nachdem ich mich kundig gemacht habe, fühle ich mich mehr als überdumm, – was nicht Ziel eines aufklärerischen Textes gewesen sein dürfte.

Wenig später wird mit der Radbruchschen Formel operiert, ohne dass sie näher erläutert wird, – ich vermute, sie soll sich aus dem Folgenden erschließen; weiß auch, dass ich ab Seite 25 einen Originaltext von Gustav Radbruch gelesen habe, dennoch muss ich wieder unterbrechen und ins Internet gehen, um zu lernen:

Als Radbruchsche Formel wird die These Gustav Radbruchs bezeichnet, wonach sich der Richter im Konflikt zwischen positivem (gesetztem) Recht und Gerechtigkeit unter bestimmten Umständen gegen das Gesetz für die Gerechtigkeit entscheiden müsse.

An manchen Stellen ist es mühselig, einen leicht zu verstehenden Text leicht zu verstehen. Ich glaube, – ohne überheblich zu sein -, ich würde in der Musik anders verfahren und z.B. nicht voraussetzen, dass jeder weiß, was Mozart-Quinten sind. Obwohl Mozart berühmter und sogar bedeutender ist als Radbruch.

Man könnte einwenden: Schon der allererste Artikel nach dem Vorwort des Buches war doch überschrieben mit: „Überpositives Recht“ (Seite 17). Aber 1. habe ich darin keine Erläuterung gefunden, und 2. stillschweigend gehofft, dass die Klärung im weiteren Verlauf von selbst eintritt. In der Tat: aber nur durch eigene Recherche außerhalb.

Man verstehe mich recht: meine Zeilen sollen nicht vor diesem Buch zurückschrecken lassen, sondern dazu verleiten, es sehr ernst zu nehmen. Es handelt sich sozusagen um locker zusammengefügte Kongressbeiträge, die sich ursprünglich an ein bereits eingeweihtes Publikum wendeten, jetzt aber einem breiten Publikum zugänglich gemacht werden, da sie im Prinzip uns alle angehen. Wobei sie sich im einzelnen als mehr oder auch weniger kompatibel erweisen.

Nach meinem heutigen Lesestand (30.12.16) würde ich empfehlen, mit den hier genannten, vollständig aus sich selbst verständlichen Texten zu beginnen:

David Graeber: Gesetze entstehen aus gesetzwidrigen Aktivitäten (Seite 85ff).

Lili Fuhr: Carbon Metrics – Wider die Vermessenheit des Messens der Klimapolitik
(Seite 73ff). Sehr klar und weiterführend (s.a. die beiden Links unten).

„Religionen sind die falsche Adresse“ Gespräch mit Viktor Kucharski (Seite 77ff).

Womit sich ein wunderbarer Anschluss an die bedeutende alte Arbeit von Max Weber ergibt:

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Repetieren: Max Weber HIER ! (=Wikipedia-Artikel zu „Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus“, unter den Weblinks kommt man auch zum gesamten Originaltext. – Oder auch im Zusammenhang des Gesammelten Werke auf der CD-Rom „Weber im Kontext“, wie folgt:

weber-screenshot-2016-12-26-16-21-49 Siehe auch hier.

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Einige Stichworte (nachgeliefert zum Buch Das Kapitalismustribunal):

Neoliberalismus HIER

Positives Recht HIER

Carbon Metrics TEXT und HIER

Ein weiterer Text aus einem Artikel, mit dem ich aus heutiger (Neujahrstag 2017) Sicht vielleicht die Lektüre des „Kapitalismustribunals“ beginnen würde. Als Autor wird angegeben „Das unsichtbare Komitee„, Titel: Zonenweise rentabel fragmentiert (Seite 101-103).

Liest man die Prognosen von „Experten“, findet sich darin, grob gesagt, folgende Geografie: die großen metropolitanen Regionen, die miteinander konkurrieren, um Kapital und Smart People anzulocken; zweitrangige metropolitane Zentren, die sich durch Spezialisierung halten; arme ländliche Gebiete, die sich kümmerlich durchschlagen, indem sie sich in Orte verwandeln, die die „Aufmerksamkeit der Städter auf sich ziehen könnten, die sich nach Natur und Ruhe sehnen“; Landwirtschaftszonen, bevorzugt bio, oder „Biodiversitätsreservate“; und zuletzt die schlichtweg abstiegsbedrohten Zonen, die früher oder später von Checkpoints umzingelt und aus der Ferne via Drohnen, Hubschraubern, Blitzaktionen und massiver Telefonüberwachung kontrolliert werden.

Das Kapital stellt sich, wie man sieht, nicht mehr die Frage „der Gesellschaft“, sondern die der „Regierbarkeit“, wie es höflich sagt. Die Revolutionäre der 1960/70er Jahre haben ihm ins Gesicht geschleudert, dass sie es satthaben, seither selektioniert es seine Erwählten.

Es denkt sich nicht mehr national, sondern gebietsweise. Es breitet sich nicht mehr gleichförmig aus, sondern konzentriert sich örtlich, indem jedes Gebiet als Kulturlandschaft organisiert wird. Es versucht nicht, die Welt unter dem Kommando des Fortschritts im Gleichschritt marschieren zu lassen, sondern lässt im Gegenteil zu, dass sich die Welt entkoppelt in Zonen hoher Mehrwertschöpfung und in vernachlässigte Zonen, in Kriegsschauplätze und befriedete Räume. Es gibt den Nordosten Italiens und Kampanien. Letzteres ist gerade gut genug, die Abfälle des Ersteren aufzunehmen. Es gibt Sophia-Antipolis und Villiers-le-Bel [s.a. hier JR]. Es gibt die City und Notting Hill, Tel Aviv und den Gazastreifen. Smart Cities und vergammelte Vororte. Dasselbe für die Bevölkerung. Die „Bevölkerung“ als Gattungsbegriff gibt es nicht mehr. Es gibt die junge „kreative Klasse“, die ihr soziales, kulturelles und Beziehungskapital im Zentrum der intelligenten Metropolen gewinnbringend anlegt, und all jene, die so eindeutig „nicht vermittelbar“ sind. Es gibt Leben, die zählen, und andere, die zu zählen man sich nicht einmal die Mühe macht. Es gibt Bevölkerungen im Plural, die einen Riesenbevölkerungen, die anderen Bevölkerungen mit hoher Kaufkraft.

Zitat Seite 102

Jetzt erst entdecke ich im Autorenverzeichnis die Information über „Das unsichtbare Komitee“ (Zitat Seite 153):

… nach der Sabotage an einer Eisenbahnstrecke, auf der im November 2008 ein Castortransport mit radioaktivem Material geplant war, wurde die erste Publikation des Unsichtbaren Komitees, Der kommende Aufstand, von der französischen Regierung als ein „Handbuch des  Terrorismus“ beschlagnahmt und war Vorwand für die skandalöse, z.T. monatelange Inhaftierung von neun Menschen aus dem Dorf Tarnac. Die Polizei in Frankreich hat im Zuge der „Terrorismusbekämpfung“ viele Spekulationen angestellt, wer dazugehören mag, aber die Identität der Autoren wurde nie bekannt. 2010 erschien „Der kommende Aufstand“, Edition Nautilus, Hamburg. / Das Kapitalismustribunal ist notwendig, weil „sich das Kapital nicht mehr die Frage der Gesellschaft, sondern der Regierbarkeit stellt“. / Auszug aus: „An unsere Freunde“, Edition Nautilus, Hamburg 2015. Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

Um es nicht zu verschweigen: gerade am Ende des Buches gibt es für meine Begriffe allerhand Unausgegorenes, aber eher in Stil und Gedankenführung. Die Seiten zur Prozessordnung etwa. Pars pro toto: die gezierte Verbform „gölte“ im Nachwort des Herausgebers (Seite 135)

Selbst die briefliche Stellungnahme von Alain Badiou wirkt seltsam unkonzentriert, zumindest improvisiert.

Unerträglich im Aufsatz von Louis Klein (Seite 110) ein Zitat von Joseph Stalin, als sei er im Ernst eine zitierbare Instanz. Ob der betreffende Satz inhaltlich korrekt ist oder nicht, er ist ungenießbar und verfärbt das ganze Umfeld. Sinnigerweise stutzt man ohnehin dank eines Rechtschreibfehlers.

Noch eine Web-Adresse für nachhaltige Information zum Thema: capitalismtribunal.org bzw. HIER.

Denken und Zweifeln

Von der wissenschaftlichen Methode (Langeweile)

Als ich vor langer Zeit anfing (versuchte anzufangen), systematischer zu denken, – was von einer Unzufriedenheit mit meiner bisherigen Denkweise ausging – glaubte ich, bei einer Tabula rasa ansetzen zu können. Vorbild: Descartes. Eine ungeprüfte Voraussetzung (siehe das soeben verwendete Wort „glaubte“) war, dass ich dazu dank gründlicher Konzentration auch in der Lage sein werde. Was aber Konzentration sei, schien mir klar. Ebenso, dass ein Buch dieses Titels von Swami Sivananda dasselbe meinte wie ich, obwohl die Lektüre von fortwährenden Zweifeln begleitet war. Zumal diese Lektüre parallel zu „Drei Gründer des Philosophierens: plato – augustinus – kant“ von Karl Jaspers lief. Ich spürte den Widerspruch zwischen diesen Welten, ohne zu wissen, wie ich methodisch auf sicheren Boden kommen sollte. Ein paar hilfreiche Worte und Wortkombinationen fehlten damals noch: introspektive Erkenntnis, introspektiver Bericht, Selbstzuschreibung oder „Mechanismen, die bei der introspektiven Erkenntnis involviert sind“, „Verzerrungen oder gar Fehler der Introspektion“, die generell schwer zu erkennen sind, „Schwächen unseres Wahrnehmungssystems“, „verbale Berichte“, die für die Erfassung einer kompletten Erfahrung notwendig sein sollen. All diese Begrifflichkeiten tauchen im folgenden Text auf. Besonders erhellend wirkte auf mich merkwürdigerweise das Wort „Flaschenhals“.

ZITAT

Es gibt also eine Reihe gut nachvollziehbarer Gründe dafür, dass die introspektive Erkenntnis eigener mentaler Zustände unter Einschränkungen steht, die für die Erfahrung dieser Zustände nicht gelten. Ihren Ursprung haben diese Einschränkungen in den Begrenzungen des Arbeitsgedächtnisses, das hier den entscheidenden Flaschenhals für den introspektiven Bericht, für die Selbstzuschreibung und für den Transfer ins Langzeitgedächtnis bildet. Vor allem deshalb fällt es den Versuchspersonen so schwer, ihre komplette Erfahrung zu erkennen und dann in verbalen Berichten zu erfassen. Hieraus ergibt sich im Übrigen nicht nur ein weiterer Beleg für die bereits mehrfach begründete Annahme, dass die Introspektion alles andere als direkt ist, vielmehr lassen sie auch einige der Mechanismen erkennen, die bei der introspektiven Erkenntnis involviert sind.

Im Alltag fallen die skizzierten Unzulänglichkeiten nicht auf: Zum einen sind Verzerrungen oder gar Fehler der Introspektion generell schwer zu erkennen. Zum zweiten kommen diese Abweichungen im Alltag vermutlich auch nicht so häufig vor – immerhin müssen dazu in den psychologischen Experimenten recht artifizielle Bedingungen geschaffen werden, die im Alltag nicht so häufig anzutreffen sein dürften. Das mag auch damit zusammenhängen, dass wir Situationen, in denen es auf fehlerfreie Wahrnehmung ankommt, so auszugestalten versuchen, dass Fehler minimiert werden. Ein Beispiel hierfür ist die Gestaltung von Schildern und Signalen im Verkehr, die den Schwächen unseres Wahnehmungssystems Rechnung trägt.

Doch unter bestimmten Bedingungen werden solche Fehler dann doch sichtbar, z.B. bei sogenannten Anschlussfehlern im Film. Solche Fehler entstehen, wenn sich mehr oder minder große Details einer Szene vor und nach einem Schnitt unterscheiden, z.B. wenn sich die Kleidung eines Schauspielers von einer Einstellung zur nächsten ändert oder in der einen Einstellung eine Person auftaucht, die in der anderen fehlt, obwohl es sich um dieselbe Szene handelt. Dabei trägt unsere Schwäche bei der Entdeckung solcher Veränderungen einerseits dazu bei, dass derartige Fehler überhaupt erst entstehen, obwohl es in Filmteams eine eigene Person gibt (Script/Continuity), die für die Vermeidung solcher Anschlussfehler verantwortlich ist. Andererseits profitieren Filme in einer gewissen Weise von unserer Veränderungsblindheit, denn den meisten Zuschauern fallen solche Fehler überhaupt nicht auf.

Quelle Michael Pauen: Die Natur des Geistes / S.Fischer Wissenschaft Frankfurt am Main 2016 ISBN 978-3-10-002408-4 (Seite 252) Siehe auch HIER.

Als psychologisches Problem könnte man betrachten, dass bei dieser Art Introspektion nichts zu erwarten ist, was in feierlicher Form als Erleuchtung zu bezeichnen wäre. Immerhin: als eine gewisse Aufklärung könnte man es durchaus bezeichnen. Und mich macht es fast glücklich, dass man mit dieser geduldigen Arbeit weiter kommt als mit kühnen philosophischen Entwürfen. Eine Begeisterung, die durch eine längere Phase der Langeweile vorbereitet wird, folgt zwar nicht zwingend, ist aber nicht ausgeschlossen.

Wer bin ich?

Ist die Selbsterforschung ein Weg?

Es stört mich nicht, wenn man mich falsch einschätzt, weil ich Bachs Magnificat so hoch einschätze, Monteverdis Marienvesper ebenso, die ganze Gotik, ja, auch die früheren Kirchenbauten, auch die weniger himmelstrebende Romanik bis hin zu den noch viel schwerer die Erde belastenden Pyramiden. Es wäre lästig, für all dies eine Begründung zu geben, die von meiner begrenzten Person ablenkt – nicht wahr? –  von der ich nicht einmal weiß … (und wenn ja, wie viele …). Mitte der 50er Jahre habe ich angefangen, Nietzsche zu lesen, Kröner-Verlag, Nachwort von Alfred Bäumler, dem Nazi, von dessen Belastung ich nichts wusste. „Jenseits von Gut und Böse“ – das lernte ich immerhin – hat mit 1933 nichts zu tun, aber was es erkenntnistheoretisch bedeutete, ahnte ich nicht, Nietzsche war zu leicht zu verstehen! Dass es ganz anders geht, lernte ich erst 10 Jahre später, durch das Nietzsche-Buch von Karl Jaspers, gedruckt 1936, was in diesem Fall nichts Böses bedeutete. Im Vorwort stand: „Man muß aus bloßer Nietzsche-Lektüre zum Nietzsche-Studium kommen, dieses verstanden als Aneignung im Umgang mit dem Ganzen von Denkerfahrungen, das Nietzsche in unserem Zeitalter war: ein Schicksal des Menschseins selbst, das an die Grenzen und Ursprünge drängte.“ Ich weiß nicht, ob es mir damals gelang. Soweit ich weiß, hat mir dann in den 60ern Marcel Proust mehr bedeutet… was auch nicht falsch war. Doch zurück zu Nietzsche, weil ich eigentlich auf HEUTE hinauswill:

Es giebt immer noch harmlose Selbst-Beobachter, welche glauben, dass es »unmittelbare Gewissheiten« gebe, zum Beispiel »ich denke«, oder, wie es der Aberglaube Schopenhauer’s war, »ich will«: gleichsam als ob hier das Erkennen rein und nackt seinen Gegenstand zu fassen bekäme, als »Ding an sich«, und weder von Seiten des Subjekts, noch von Seiten des Objekts eine Fälschung stattfände. Dass aber »unmittelbare Gewissheit«, ebenso wie »absolute Erkenntniss« und »Ding an sich«, eine contradictio in adjecto in sich schliesst, werde ich hundertmal wiederholen: man sollte sich doch endlich von der Verführung der Worte losmachen! Mag das Volk glauben, dass Erkennen ein zu Ende-Kennen sei, der Philosoph muss sich sagen: »wenn ich den Vorgang zerlege, der in dem Satz »ich denke« ausgedrückt ist, so bekomme ich eine Reihe von verwegenen Behauptungen, deren Begründung schwer, vielleicht unmöglich ist, – zum Beispiel, dass ich es bin, der denkt, dass überhaupt ein Etwas es sein muss, das denkt, dass Denken eine Thätigkeit und Wirkung seitens eines Wesens ist, welches als Ursache gedacht wird, dass es ein »Ich« giebt, endlich, dass es bereits fest steht, was mit Denken zu bezeichnen ist, – dass ich weiss, was Denken ist. Denn wenn ich nicht darüber mich schon bei mir entschieden hätte, wonach sollte ich abmessen, dass, was eben geschieht, nicht vielleicht »Wollen« oder »Fühlen« sei? Genug, jenes »ich denke« setzt voraus, dass ich meinen augenblicklichen Zustand mit anderen Zuständen, die ich an mir kenne, vergleiche, um so festzusetzen, was er ist: wegen dieser Rückbeziehung auf anderweitiges »Wissen« hat er für mich jedenfalls keine unmittelbare »Gewissheit«. – An Stelle jener »unmittelbaren Gewissheit«, an welche das Volk im gegebenen Falle glauben mag, bekommt dergestalt der Philosoph eine Reihe von Fragen der Metaphysik in die Hand, recht eigentliche Gewissensfragen des Intellekts, welche heissen: »Woher nehme ich den Begriff Denken? Warum glaube ich an Ursache und Wirkung? Was giebt mir das Recht, von einem Ich, und gar von einem Ich als Ursache, und endlich noch von einem Ich als Gedanken-Ursache zu reden?« Wer sich mit der Berufung auf eine Art Intuition der Erkenntniss getraut, jene metaphysischen Fragen sofort zu beantworten, wie es Der thut, welcher sagt: »ich, denke, und weiss, dass dies wenigstens wahr, wirklich, gewiss ist« – der wird bei einem Philosophen heute ein Lächeln und zwei Fragezeichen bereit finden. »Mein Herr, wird der Philosoph vielleicht ihm zu verstehen geben, es ist unwahrscheinlich, dass Sie sich nicht irren: aber warum auch durchaus Wahrheit?« –

Quelle Friedrich Wilhelm Nietzsche: Jenseits von Gut und Böse – Kapitel 3 (Paragraph 16) zitiert nach „Projekt Gutenberg“ Spiegel.de HIER.

Heute sehe ich das als Anfang eines richtigen Weges, auf dem mich viele andere Bücher begleiteten; ich hebe nur eins hervor, das mich in den 90er Jahren überzeugte, Francis Crick, also näher an der Wissenschaft. Vielleicht notiere ich bei Gelegenheit, was sonst noch alles auf dem Wege lag und jetzt im Bücherschrank hinter mir, z.B. von Antonio R. Damasio: „Ich fühle, also bin ich“ oder, im neuen Jahrhundert, von Joseph LeDoux: „Das Netz der Persönlichkeit / Wie unser selbst entsteht“ , dickleibig und fast ungelesen, in den letzten Jahren dagegen, gründlich durchgearbeitet, Thomas Nagel mit „Geist und Kosmos“.

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Was ist aus Thomas Metzinger geworden? Sein Buch „Bewußtsein“ begann ich am 24.12. 1995. Die SZ-Seite oben stammt aus 2003.

metzinger-bewusstsein-a Und das Gespräch mit Precht aus 2011:

Beachtenswert sind auch die Kommentare mancher Youtube-Besucher: viele Normalverbraucher halten solche Gespräche für Nonsens, weil sie sich der Gewissheit ihrer Innenperspektive nicht berauben lassen wollen. Früher hätten sie gar nicht den Saal betreten, in dem solche Gespräche stattfanden. Jetzt klicken sie rein und werden böse, dass dergleichen erlaubt ist.

Und seit neuestem gibt es das folgende Buch – wieder einmal scheint sich alles zu klären – von Michael Pauen:

pauen

Klarer geht es nicht, eine historische Zusammenfassung und eine neue Systematik. „Alles zu klären“ kann nur bedeuten: erkennen, was fehlt und was noch kommen sollte (falls sich nicht die Voraussetzungen wieder grundlegend ändern).

Warum ich all dies gerade jetzt rekapituliere? Es liegt nicht (nein! bitte nicht!) an der besinnlichen Zeit. Mein Kollege aus WDR-Zeiten, Michael Rüsenberg, dort für Jazz zuständig, veranstaltet eine interessante Reihe mit dem Titel „Gedankensprünge“, und wer einen Blick hineinwirft (HIER), weiß alles. Lesen Sie doch dort schon mal etwas weiter. Schauen Sie auch ins Archiv.

25. Nov.2016 abends

buchhandlung-bonn-161125 Bonn „buchladen 46“ Außen- und Innenperspektive

Kein Zweifel (vgl. Beweisfoto oben), ich war also dort: ab Solingen per Bahn 18:15 h, Zugchaos in Köln, an Bonn 19:20 + Wanderung in die Kaiserstraße, Vortrag bzw. Pauen im Gespräch mit Rüsenberg 20:10 bis 21:40, ab zum Bahnhof, ab Bonn 21:52, in Köln warten, Mr.Clean, und weiter 22:52, zuhaus 23:30 h. Eine Unternehmung von gut 5 Stunden. War es die Sache wert? Wenn man das Versagen der Bahn in Köln, das Getümmel in der Bahn auf der Rückfahrt von Bonn (Freitagabend, junge Leute unterwegs, nette, lebendige, aber sehr viele) etc. all diese Dinge mitbedenkt? Ja. So wie die Fahrt nach Stuttgart damals, mit dem Ziel, mittags Zehetmair mit Bach zu hören, Kind und Enkelin zu sehen und zurück nach Solingen. Ja, genauso! Die Selbstwahrnehmung, das Erleben der eigenen Mühe gehört dazu, wie zu einer Pilgerfahrt! Die Fremderfahrung, man hat beim Weiterlesen auf der Rückfahrt und später zuhaus die Stimme des Autors im Ohr. Dazu passt kein pathetischer Tagebuch-Eintrag. So ist Wissenschaft. Großartig in der geduldigen Kleinarbeit, vertrauenerweckend.

pauen-bio pauen-buch-innen-inhaltpauen-signatur

Nachtrag

Inzwischen kann man Videoclips auch aus der Veranstaltung direkt anklicken: a) Über das Erste-Person-Privileg b) Kontra Erklärungslücken-Theoretiker HIER Die Kluft zwischen Wissen und Bewusstsein.

Wie die Vögel fliegen

Oder: wie Dichter den Vogelflug deuten

Hölderlin:

Wieder ein Glück ist erlebt. Die gefährliche Dürre geneset,

Und die Schärfe des Lichts senget die Blüte nicht mehr.

Offen steht jetzt wieder ein Saal, und gesund ist der Garten,

Und von Regen erfrischt rauschet das glänzende Tal,

Hoch von Gewächsen, es schwellen die Bäch und alle gebundnen

Fittige wagen sich wieder ins Reich des Gesangs.

Voll ist die Luft von Fröhlichen jetzt und die Stadt und der Hain ist

Rings von zufriedenen Kindern des Himmels erfüllt.

Gerne begegnen sie sich, und irren untereinander,

Sorgenlos, und es scheint keines zu wenig, zu viel.

Denn so ordnet das Herz es an, und zu atmen die Anmut,

Sie, die geschickliche, schenkt ihnen ein göttlicher Geist.

Quelle Friedrich Hölderlin. Aus: Stuttgart hier

***

Stifter:

Und so schritten sie nun mit einander fort; über Hügel zu Hügeln, über Felder zu Feldern – und oft konnte man den Jüngling sehen, wie er an einem Wiesenbache den Hund wusch und ihn mit Gräsern und Laubwerk troknete – oft, wie sie ruhig neben einander gingen – und oft, wie der Hund neben seinem Herrn stand und die Augen zu ihm empor richtete, wenn dieser auf einer Anhöhe stille hielt und weit und breit über die Auen schaute, über die langen Streifen der Felder, über die dunkeln Fleken der Wäldchen und über die weißen Kirchthürme der Dörfer.

An dem Wege des Wanderers wallten oft die Wellen des Kornes, das jemanden gehören mußte, Zäune umgaben es, die jemand gezogen haben mußte, und Vögel flogen nach diesen und jenen Richtungen, wie nach verschiedenen Heimathen.

Quelle Adalbert Stifter. Aus: Der Hagestolz hier

***

Benn:

(…) so fallen die Tage,

bis der Ast am Himmel steht,

auf dem die Vögel einruhn

nach langem Flug.

Quelle Gottfried Benn: Aus „Ach, das ferne Land“ Statische Gedichte / Arche Zürich 1948

(Fortsetzung folgt)

Dank an JMR für Hölderlin und Stifter

 

Kleine Barthes-Recherche

Die bürgerliche Singstimme

Nur um das Ergebnis einer Irritation und einer Suche festzuhalten: in dem Magazin Musik & Ästhetik Heft 79 Juli 2016 las ich einen erhellenden Text von Ferdinand Zehentreiter mit dem Titel „Warum Musik keine ‚Sprache der Gefühle‘ darstellt / Eine erfahrungstheoretische Kritik“ (Seite 54 -68). Ins Stocken geriet ich bei Anmerkung 5: Hat denn Roland Barthes wirklich über Gérard Souzay geschrieben? Ich erinnere mich nur an die Gegenüberstellung Fischer-Dieskau / Charles Panzéra.

Barthes zitiert bei Zehentreiter Musik & Ästhetik Heft 79

Allerdings ist hier ausdrücklich von der vollständigen Sammlung der Mythen des Alltags die Rede, und im Nachwort meiner Suhrkamp-Ausgabe entdecke ich jetzt die Notiz:

Unser Band enthält eine Auswahl aus dem 1957 in Paris erschienenen Buch Mythologies. Fortgelassen wurden in der deutschen Ausgabe einige kürzere Texte des ersten Teils, deren Thematik und Bedeutung einem mit den Verhältnissen in Frankreich wenig vertrauten Leser nur unzureichend sich erschlossen hätten.

Der Name Gérard Souzay hätte mich allerdings elektrisiert, da ich um 1964 noch ein Konzert mit ihm Kölner Gürzenich erlebt hatte. Das Internet führt weiter: Zumindest der Anfang des Originaltextes von Barthes ist offenbar zuverlässig auf der Website eines Stimmphysiologen wiedergegeben:

Les principaux signes de l’art bourgeois. Cet art est essentiellement signalétique, il n’a de cesse d’imposer non l’émotion, mais les signes de l’émotion. C’est ce que fait précisément Gérard Souzay : ayant, par exemple, à chanter une tristesse affreuse, il ne se contente ni du simple contenu sémantique de ces mots, ni de la ligne musicale qui les soutient : il lui faut encore dramatiser la phonétique de l’affreux, suspendre puis faire exposer la double fricative, déchaîner le malheur dans l’épaisseur même des lettres; nul ne peut ignorer qu’il s’agit d’affres particulièrement terribles. Malheureusement, ce pléonasme d’intentions étouffe et le mot et la musique, et principalement leur jonction, qui est l’objet même de l’art vocal. Il en est de la musique comme des autres arts, y compris la littérature : la forme la plus haute de l’expression artistique est du côté de la littérature, c’est-à-dire en définitive d’une certaine algèbre : il faut que toute forme tende à l’abstraction, ce qui, on le sait, n’est nullement contraire à la sensualité.

Das hilft mir auf die Sprünge und gibt Gelegenheit, ein etwas anderes Umfeld wahrzunehmen, außerhalb des gewohnten der Musik und der Ästhetik, nämlich hier [ http://www.revoice.fr/Pages/RolandBarthesetlavoix.aspx ]

Ich erinnere mich übrigens an eine Aufnahme der „Jahreszeiten“ von Haydn (Neville Marriner 1980) mit Dietrich Fischer-Dieskau, wo dieser ebenfalls (vor Ausbruch des Gewitters, Simon: „O seht! Es steigt in der schwülen Luft am hohen Saume des Gebirgs von Dampf und Dunst ein fahler Nebel auf.“) versucht, dem Adjektiv des Nebels eine gespenstisch fahle Färbung zu geben, – lächerlich, ein „pléonasme d’intentions“, genau wie ihn Barthes beschreibt. In diesem Fall wohl eine der Manieriertheiten, die „Fi-Di“ im Laufe seiner Entwicklung eher mehr als weniger pflegte. (Unvergesslich die frühen Interpretationen, etwa der „Lieder eines fahrenden Gesellen“ unter Furtwängler.)

Weltwissen der Zoologen

Weißdorn – Rotdorn – Bienen – Buchfinken

Falls Sie die beiden Bücher von Peter Wohlleben gelesen haben und zu der Meinung neigen, dass sich ein neues Bild vom Wesen der Pflanzen und Tiere anbahnt, kann ich Ihnen die Lektüre des aktuellen Spiegels empfehlen. Da wird durchaus nichts ironisiert. Die SPIEGEL-Geschichte heißt:  Tiere sind auch Menschen. Der Förster Peter Wohlleben hat einen Bestseller über das Seelenleben von Hunden, Pferden, Hühnern geschrieben – und an Universitäten ist „Human Animal Studies“ das Trendfach. DER SPIEGEL 30/2016 (23.Juli Seite 110 bis 113). Am besten, Sie sehen sich einmal den kurzen Film, den der Spiegel darüberhinaus liefert. Fazit: „Glück hängt nicht von der Gehirngröße ab!“ (Wohlleben) FILM hier.

ZITAT

Es gab Zeiten, da hat man vom menschlichen Geist recht dürftig gedacht. Die Sonderstellung des Menschen ist nur dadurch gewahrt worden, daß die Vorstellungen vom Tier noch viel simpler waren. Heute ist uns dies durch die Entdeckungen der jüngsten Zeit ganz gründlich vergangen! Wir müssen sehr hoch von der tierischen Weltbeziehung denken, auch wenn wir unsere Aussagen über das Erleben dieser schwer zugänglichen tierischen Innerlichkeit mit größter Zurückhaltung machen.

Die Anregung zu neuem Denken über tierisches Innenleben stammen nicht etwa nur aus der Erforschung des Schimpansen oder anderer Tiere, die ihrer Organisation nach uns besonders entsprechen. Was unsere Auffassungen wandelt, sind gerade die Erfahrungen an Tieren, die unserer eigenen Organisation fernstehen, die gar nicht unmittelbar mit uns verwandt sind; die Psyche der Zugvögel, der Umgang der Bienen mit dem Himmelslicht und ähnliche Erscheinungen zeigen uns die tierische Weltbeziehung in einem neuen, fremden Licht und mahnen uns an das Geheimnis dieser im Keim bereits vor jeder Erfahrung erblich vorbereiteten Eingliederung in die Umgebung. Sie zeigen uns das Rätselhafte unseres eigenen Welterlebens in einem neuen Licht.

Das erste Buch (über die Bäume) von Peter Wohlleben erschien 2015 und das Exemplar, das ich mir vor ein paar Tagen zugelegt habe, stammt aus der 21. Auflage!!!! Ich weiß nicht, wieviel 1000 verkaufte Bücher das bedeutet, ich weiß auch nicht seit wann das Buch bis vor kurzem an der Spitze der Spiegelbestsellerliste stand, es wurde jetzt gerade auf den zweiten Platz verdrängt durch das neue Buch (über das geheimnisvolle Seelenleben der Tiere), ebenfalls von Peter Wohlleben. Nun haben Sie hoffentlich aufmerksam das Zitat gelesen, das ich eben eingerückt hatte. Jetzt will ich auch das Datum einblenden, das ich meist bei Anschaffung eines Buches unter meinen Namen setze:

JR Datum Bielefeld

Zugegeben: es war ein Taschenspielertrick von mir, mit dem ich den erfolgreichen und begnadet erzählenden Förster keineswegs unglaubwürdig machen wollte. Das neue Trendfach jedoch, das der Spiegel konstatiert, reflektiert eine Forschung, die schon seit über 50 Jahren im Trend liegt. Und ich habe mein Bild von den Tieren immer in diesem Trend gehalten: „Die Entdeckung des tierischen Bewusstseins“ von Marian Stamp Dawkins 1995, „Der Geist der Tiere“ – Philosophische Texte zu einer aktuellen Diskussion herausgegeben von Dominik Perler und Markus Wild 2005. Und das Buch, aus dem ich oben zitiert habe, stammt von Adolf Portmann: „Neue Wege der Biologie“ Deutsche Buch-Gemeinschaft, München 1962.

Ich bitte um Entschuldigung.

***

Ein Gespräch der FAZ mit Marcel Beyer vom 15.05.2008, das ich aus Anlass der Verleihung des Büchner-Preises 2016 nachgelesen habe (Link von JMR), hat in meiner Erinnerung manches in Bewegung gebracht, dem ich nachgehen muss. Allein das Wort „Weltwissen“ in der Überschrift… Aber der Zusammenhang geht weiter: die frühen Jahre ab 1960, die Gespräche mit Freund Hans Mauritz, der damals bereits bei Hugo Friedrich in Freiburg studierte. Wahrscheinlich hat er mich auch auf Marcel Proust gebracht. Ebenso auf Ernst Robert Curtius.

Portmann Weltwissen Portmann Weltwissen Text

FAZ 2008 Marcel Beyer im Gespräch: Mich fasziniert das Weltwissen der Zoologen Die Frage ist: Was interessiert den Dichter an der Forschung?

ZITAT

Sie wollen im Ernst behaupten, dass Proust sich aus Bienenbüchern Ideen für seine Hauptfigur geholt hat?

Bienenbücher hat er auf jeden Fall gelesen, Proust war ja ein großer Fan von Maurice Maeterlinck und hat dessen „Leben der Bienen“ gekannt. Und auch sonst war er, was Bienen angeht, informiert. Aber ich will gar nicht auf das Wissen des Autors hinaus, sondern schauen, was für ein Konzept Proust von seiner Figur hat. Insbesondere in dieser berühmten Szene, in der sich der Erzähler vom Duft des Weißdorns betört, in denselben schmeißt. In jedem Gartenbuch wird darauf hingewiesen, dass der Weißdorn scheußlich riecht. Er duftet einfach nicht. Also habe ich mich gefragt: Ist das denn ein Mensch, der sich so verhält wie eine Biene, die sich vom Weißdorn angezogen fühlt? Mal sehen, was dabei herauskommt.

Quelle:  HIER FAZ 15.05.2008 Mich fasziniert das Weltwissen der Zoologen In Marcel Beyers Roman „Kaltenburg“ sind die Protagonisten Wissenschaftler: Zur Zeit arbeitet der Autor am Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte in Berlin. Was interessiert den Dichter an der Forschung? Die Fragen stellten Jürgen Kaube und Julia Voss.

Es gibt in diesem Interview eine Stelle, die bei mir einige Zweifel an der zoologischen Kompetenz des Schriftstellers auslöst (und nicht nur an dieser), da sagt er:

Ich habe den Eindruck, dass für einen Zoologen ein ästhetischer Reiz etwas ganz anderes ist als für mich. Den Roman „Kaltenburg“ hat in der Schlussfassung ein berühmter schwedischer Ornithologe gelesen und sehr hilfreiche Korrekturen angebracht. Das waren zum einen sachliche Korrekturen, dann kam aber auch dieser Moment, da hieß es im Manuskript „der Buchfink singt wunderbar“. Da schreibt mir der Ornithologe an den Rand: „Der Buchfink singt nicht wunderbar, sondern scheußlich“.

Einerseits muss dies ein Ornithologe gewesen, der – salopp gesagt – nicht alle Tassen im Schrank hatte. Andererseits antwortete auf die Nachfrage des Interviewers, wie denn nun der Buchfink wirklich singe, der für das richtige Wort zuständige Mann: „Er knarrt“. Und das ist nun absolut danebengegriffen. Was auch immer der Buchfink an leicht unterschiedlichen Rufen von sich gibt, – typisch ist der „Schlag“ und der abschließende Kurztriller, der je nach Heimatregion des Vogels durchaus unterschiedlich ausfallen kann. Es gibt bekanntlich Dialekte beim Buchfinken. Aber es gibt weder in der Toscana noch im Engadin noch in Schweden Buchfinken, die knarren. Wenn Marcel Beyer gesagt hätte, der Gesang eines Rotkehlchens gleiche dem Quietschen einer Schranktür, könnte ich es nachvollziehen, obwohl ich es besser weiß (man muss dem Vogel nur näher sein). Aber ein singender Buchfink schlägt und zwar nicht scheußlich, sondern kraftvoll.

***

Was ist nun mit dem Weißdorn? Ich muss weiter ausholen. Da ist also zunächst Marcel Proust, meine Suche nach der verlorenen Stelle begann HIER und wurde fortgesetzt HIER. Und endlich begann ich in meinen Originalen zu suchen, das fing ja wohl damals mit dem Swann-Auszug an:

Proust Swann 1960 Proust Swann 1960 Walser

Erst später begann ich, mir die Einzelbände der Gesamtausgabe peux-à-peux anzuschaffen. Und darin, gleich in Band 1 auf Seite 184 f steht die Passage über Weißdorn und auf Seite 186 geht es um die Entdeckung der rosa Blüten. Nie habe ich den Vergleich vergessen, wenn Erdbeeren in Quark gedrückt werden (oder so ähnlich). Ich las mit vorsätzlicher Intensität: Denn von besonders „lesemoralischer“ Wirkung war übrigens in dem Sonderband „Eine Liebe von Swann“ die Beigabe gewesen, die auch im obigen Randtext hervorgehoben wird: Martin Walsers „Leseerfahrungen mit Marcel Proust“. Unvergesslich ist aber vor allem Proust-Essay von Curtius und darin vor allem das Kapitel mit der Überschrift „Kontemplation“. Die Erfüllung einer großen Hoffnung schien sich anzukündigen, die (Wieder-)Herstellung eines Urvertrauens.

*** An dieser Stelle wird der Proust-Text folgen, den ich andächtig abschreiben werde.

Für mich erhob sich summend darüber [über dem kleinen Pfad in die Felder] der Duft der Weißdornhecken. Diese Hecken bildeten in meinen Augen eine unaufhörliche Folge von Kapellen, die unter dem Schmuck der wie auf Altären dargebotenen Blüten verschwanden; unter ihnen zeichnete die Sonne auf den Boden ein lichtes Gitterwerk, so als fiele ihr Schein durch ein Kirchenfenster; ihr Duft strömte sich so voll und überquellend aus, wie ich ihn vom Altar der Muttergottes stehend verspürt hatte und die ebenso geschmückten Blüten trugen eine jede mit gleicher gedankenloser Miene ihr schimmerndes Strahlenbündel aus Staubgefäßen, feine glitzernde Rippen im spätgotischen Stil wie die, die in der Kirche das Gitter der Empore durchzogen oder die Kreuze der Buntglasfenster, die aber hier die weiße sinnliche Fülle von Erdbeerblüten hatten. Wieviel naiver und bäuerlicher wirkten im Vergleich dazu die Heckenrosen, die in wenigen Wochen im vollen Sonnenschein den gleichen ländlichen Weg erklimmen würden, mit der glatten Seide ihres rötlichen Mieders bekleidet, das der leiseste Hauch zerflattern machte.

Aber ich mochte mich noch so lange vor dem Weißdorn aufhalten, ihn riechen, in meinen Gedanken, die nichts damit anzufangen wußten, seinen unsichtbaren, unveränderlichen Duft mir vorstellen, ihn verlieren und wiederfinden, mich eins fühlen mit dem Rhythmus, in dem sich seine Blüten in jugendlicher Munterkeit und in Abständen, die so unerwartet waren wie gewisse musikalische Intervalle, hierhin und dorthin wendeten; sie entfalteten für mich auf unbestimmte Zeit hin den gleichen Reiz in unerschöpflicher Fülle, aber ohne daß ich tiefer in ihn einzudringen vermochte, so wie es gewisse Melodien gibt, die man hundertmal hintereinander spielt, ohne in der Entdeckung ihres Geheimnisses einen Fortschritt zu machen.

Die Krise des Vertrauens in ein biologisches „Weltwissen“ à la Proust oder Portmann kam in den 80er Jahren (siehe hier), bei mir persönlich, in der Öffentlichkeit jedoch meldet es sich heute wieder in Gestalt dieses überaus beredsamen Försters, der wohltuend den mystischen Aspekten, die seit Maeterlinck en vogue waren, aus dem Wege geht.

Termiten 1960 JR

Es begann damals mit dem Buch über die Termiten, dem bald auch das gelbe Buch über „die Seele der weißen Ameise“ folgt. Was ich damals natürlich noch nicht wusste (und auch nie von selbst merkte) war die Tatsache, dass Maeterlinck in großem Stil bei Marais abgeschrieben hat (siehe hier). Ich vermute, dass er es mit einer erfolgreicheren Philosophie ausgestattet hat. Und gerade diese hat mich fasziniert.

Maeterlinck Termiten Maeterlinck Termiten Fazit

Marais weiße Ameisen Maeterlinck Biene ganz

Über Maeterlinck siehe auch in der folgenden Sendung des Deutschlandfunks HIER.

Anmerkung zum Anthropomorphismus

Der „neue Trend“, den Tieren menschliche Gefühle zu unterstellen, ist vorwissenschaftlich und irreführend, kann vielleicht manchen Tieren nützen (wachsende Bereitschaft ihren Lebensraum zu schützen), hat aber auch für Tiere nachteilige Folgen, wenn der Mensch sie in ihren Bedürfnissen missversteht, diese Möglichkeit jedoch neuerdings wieder guten Gewissens ausschließt.

Der Storch, der im brandenburgischen Ort Glambeck alle Spiegelbilder auf Fensterscheiben und lackierten Flächen für Rivalen hält und entsprechend traktiert, ist ein anderes Beispiel. Er ist nicht eifersüchtig, sondern von der „Natur“ falsch programmiert. (Einerseits gibt es in der natürlichen Welt der Störche keine massiven Spiegel, andererseits könnte gerade dieser Storch an einer individuellen Fehlbildung leiden.)

Ich vermute aber, dass der Förster Wohlleben zur Aufklärung beiträgt. Wenn man sein Bäume-Buch gelesen hat, erscheint vielleicht sogar der Proustsche Weg der Einfühlung in die Pflanzenwelt als feinsinnige Illusion und bleibt ein Weg ins eigene Innere.

In halber Höhe eines nicht zu ermittelnden Baumes war ein unsichtbarer Vogel bemüht, sich den Tag zu verkürzen; mit einem lang angehaltenen Ton versuchte er die Einsamkeit auszuloten, aber er erhielt eine so klare Antwort, eine Art Resonanz aus nichts als Schweigen und tiefer Ruhe, daß es schien, als hielte er nun für immer den Augenblick fest, den er eben noch versucht hatte, schnell zum Enteilen zu bringen. 

Proust (Bd. 1, a.a.O. Seite 184) lauscht in die Natur wie später der intime Vogelkenner und Naturmystiker Olivier Messiaen, – anthropomorphisch. Nachzugehen wäre auch den Momenten, in denen er erwartet, dass die Naturphänomene sich öffnen, gewissermaßen „aufklappen“ wie die magischen Kirchtürme in der Ferne. (S.a. Martin Seel in seiner Ästhetik der Natur zum einsamen Vogelruf. )

Wohlleben beide Cover

Wieviel Hirn darfs denn sein?

Kurzfassung eines langen Artikels

Schnell stellte sie fest, dass nicht einmal Gewissheit bestand, aus wie vielen Neuronen das menschliche Gehirn überhaupt besteht. Dieses Unwissen schien ihr unerträglich. Sie beschloss die Hirnzellen auszuzählen.

Das Ergebnis bestätigte ihren Verdacht, dass der Mensch Rekordhalter bei der Neuronenzahl ist. In seinem Großhirn sind 16 Milliarden Nervenzellen miteinander verdrahtet – rund dreimal so viele wie beim Elefanten. Nicht im bloßen Hirnvolumen, sondern in der Zahl der grauen Zellen schien also das Geheimnis menschlicher Intelligenz zu liegen. Dicht an dicht drängeln sie sich offenbar in seiner Großhirnrinde.

Wie aber schaffte es Homo sapiens – anders als seine tierischen Vettern -, die vielen Milliarden Neuronen in seinem Gehirn zu ernähren? Auch darauf hat Herculano-Houzel eine Antwort: das Kochen habe den entscheidenden Unterschied ausgemacht. Erst das Feuer habe die Menschwerdung ermöglicht.

Durch das Kochen steigerte der Urmensch den Kalorienertrag seiner Nahrung, er ersparte sich mühselige Kauarbeit und verringerte die Kosten der Verdauung.

Und so trat Homo sapiens die Herrschaft über den Planeten Erde an.

Quelle: DER SPIEGEL 29/2016 (Seite 121) Johann Große: Die Lehren der Hirnsuppe / Evolution / Eine brasilianische Neurobiologin hat die Nervenzellen von Mensch, Affe und Elefant gezählt – und glaubt, so das Erfolgsrezept des Homo sapiens gefunden zu haben.

Mir scheint die Sache mit dem Kochen und dem Ersparen mühseliger Kauarbeit allzu einfach. Ich habe schon des öfteren über drastische Veränderungen in der Lebensweise der Menschen gelesen (Sesshaftwerdung, Ackerbau etc.), auch über den Gebrauch des Feuers etc., konsultiere jedoch zunächst den bewährten Richard Dawkins, der sich ausführlich und mit der Evolution des Gehirns (und mit dessen Volumen im Verhältnis zum Körper) beschäftigt, merkwürdigerweise aber nur ein paar Seiten dem Feuer (bei den „Ergasten“, Vorfahren des Homo sapiens) widmet. Ihm ist die Differenzierung der Software des Gehirns offenbar wichtiger als deren Energieversorgung.

Nachtrag 1. September 2016

Heute können wir endlich die Frage klären, ob jeder Vollrausch tatsächlich 10.000 Hirnzellen abtötet. Aber im Moment … kann ich mich beim besten Willen nicht erinnern, wo ich die Auflösung gelesen habe. Jedenfalls stammt meine Verunsicherung (mal wieder) vom Anfang der 60er Jahre, als ich meiner Freundin die Wohltaten der Weines verbal zu vermitteln suchte.

Scherz beiseite: Christoph Drösser hat dazu in seiner Rubrik „Stimmt’s?“ in der ZEIT eine schöne Rechnung präsentiert:

Abgesehen davon, dass unser Gehirn sehr üppig mit Nervenzellen ausgestattet ist (geht man von 100 Milliarden Hirnzellen aus, würde das rein rechnerisch für zehn Millionen Räusche reichen): Diese Warnung, die wohl aus der Zeit der Prohibition in den USA stammt, ist völlig aus der Luft gegriffen.

Danke, das genügt. Selbst wenn es nur 16 Milliarden wären, wie oben erwähnt, gäbe es keinen Anlass zur akuten Beunruhigung. Drösser zählt die Symptome auf, die uns allen bekannt sind, – betreffend Gleichgewichtssinn, sprachliche Artikulation und Erinnerungslücken -, und bemerkt:

Aber all diese Symptome weisen nicht auf den Tod von Gehirnzellen hin, sondern auf eine gestörte Kommunikation zwischen ihnen. Tatsächlich mindert Alkohol die Signalübertragung in den Dendriten, den „Kabeln“ unseres Denkapparats – aber nicht auf Dauer. Ist der Kater überwunden, ist auch das Gehirn wieder einsatzfähig.

Quelle DIE ZEIT 1. September 2016 Seite 32 „Stimmt’s?“ von Christoph Drösser.

Sinnstiftung?

Ein scheinbar hochtrabendes Wort 

Die Essenz eines Artikels zeigt sich selten in der Überschrift. (Auch nicht im Blog: da folgt sie oft genug einer kurzfristigen Laune und dem Anreiz, einen Anreiz zu bieten.) Im heutigen Fall hätte ich auch schreiben können: „Das Projekt moderner Wissenschaft“ oder „Die generationenübergreifende Wahrheitssuche“ – aber wer weiß, ob ich dabei selbst die Motivation behalten hätte, die im Fall des ZEIT-Artikels im Namen des Autors lag, der mir als Philosoph positiv in Erinnerung ist: Michael Hampe. Die Überschrift jedenfalls (Warum lügen und betrügen Wissenschaftler?) hat mir lediglich signalisiert: Genau, so ist es doch überall, sie sind alle bestochen. Und selbst der Untertitel hat mich nicht angestachelt: „Wie kann man der moralischen Entkernung der westlichen Demokratien entkommen? Ein Plädoyer wider die enthemmte Konkurrenz der Einzelkämpfer.“ Ich glaube, solche gutgemeinten Appelle führen zu nichts, – so meine vorläufige Reaktion, bis ich auf die Zeilen stieß, die ich mehrfach lesen musste. Durchaus mit einer leicht erklärlichen Skepsis, – wenn dabei urplötzlich ein religiöser Hintergrund zum Vorschein kommt:

Sofern akademische  Ausbildungs- und Anreizsysteme vor allem Personen fördern und anstellen, die auf ihren persönlichen Erfolgt in der Konkurrenz blicken, unterminieren sie selbst das Projekt moderner Wissenschaft: die generationenübergreifende Wahrheitssuche, für die nur Personen geeignet sind, die ihr eigenes Erkenntnisleben für das gemeinschaftliche Erkenntnisinteresse opfern können, etwa indem sie feststellen, dass alles, was sie bisher für wissenschaftlich richtig hielten, sich als falsch herausgestellt hat. Die Fähigkeit, das einzugestehen, ist […] überhaupt das wesentliche Kriterium für einen Wissenschaftler. Die Fähigkeit zur Einsicht und vor allem zur öffentlichen Darstellung der Fehlerhaftigkeit des eigenen Erkennens dürfte jedoch kaum den Erfolg in kurzfristigen Konkurrenzen um Posten und Fördermittel begünstigen.

(…)

Wie alle kollektiven Projekte, die in einer Gemeinschaft verfolgt werden und die über einen Zeitraum laufen, der die Lebensspanne des Einzelnen übertrifft, geben sie dem endlichen einzelnen Leben einen es selbst überschreitenden Horizont: Wer sich an diesen Projekten beteiligt, hat an etwas Anteil, was in Bedeutung und Dauer die eigene Existenz übertrifft. Aufgeklärte Wahheitssuche und soziale Demokratie übernehmen deshalb Funktionen der Erlösungsreligionen: Sie gaben auf eine säkulare Weise einzelnem Leben einen überindividuellen Bezugsrahmen, der die Endlichkeit der partikularen Existenz auf tröstliche Weise relativierte. So wie in Erlösungsreligionen das einzelne Leben Teil der von Gott gestifteten Ewigkeitsperspektive war und in ihr aufgehoben war, sind in der aufgeklärten Wahrheitssuche einzelne Forschende im kollektiven Prozess der Erkenntnis „aufgehoben“, leisten zu ihm einen Beitrag, der eventuell erst lange nach dem endlichen Forscherleben Früchte tragen wird. In diesen Sinnhorizont eintreten zu können machte das Großartige eines Forscherlebens aus.

Zu schön, um wahr zu sein? Lesen Sie doch selbst den ganzen Artikel. Mich erinnerte die Gedankenführung an ein Buch, das ich nun suchen werde, um das Muster zu vergleichen.

Quelle DIE ZEIT 4.Mai 2016 Seite 44 Warum lügen und betrügen Wissenschaftler? Datenfälschungen haben den Ruf zahlreicher Universitäten beschädigt. Die Schummelei beschränkt sich aber nicht auf die Wissenschaft. Wie kann man der moralischen Entkernung der westlichen Demokratien entkommen? Ein Plädoyer wider die enthemmte Konkurrenz der Einzelkämpfer.  Von Michael Hampe.

Siehe auch: hier.

Lies das Gedicht, das mit der Zeile endet: „Was aber bleibet, stiften die Dichter“ – und immer – wie jetzt gerade – leicht verfälscht zitiert wird: korrekt hier.

Und wenn die Frage entsteht, wer eigentlich die Indier sind, die in der letzten Strophe genannt sind: wahrscheinlich sind die „West-Indier“ gemeint, bzw. die Schiffer von Bordeaux, die  auf der Garonne bis dahin kreuzen müssen, wo „meerbreit / Ausgehet der Strom“, welche also nun wieder lossegeln. (Nach Jochen Bertheau S. 117)

(Fortsetzung folgt)

Exkurs zum Sinn (mit & ohne Sinn)

Sinn Spirit aus HörZu-Radio aktuell (14-20 Mai)

Sinn Halm Sinn Becker