Kategorie-Archiv: Natur

Heimaten

Feld und Wald um Hackhausen

Mai Buchengang 170521

Ein Rundweg, der mir seit 50 Jahren bekannt ist, durch einen lichten Buchenwald, um eine riesiges Kornfeld herum, am Schloss Hackhausen vorbei (das man kaum sieht, nur das Fachwerkhaus), zurück durch den höhlenartig geformten Hainbuchengang. Ein Rundweg den man erreicht, wenn man den Viehbach über die kleine Holzbrücke und unter der Schnellstraße durch hinter sich gelassen hat. Nach allem was ich am Wochenende gelesen oder im Film gesehen habe (Schamanen in Nepal und Cracticus nigrocularis in Australien), kann ich einesteils nicht umhin, diese Eindrücke als Folie über die Wirklichkeit zu legen: ein schamanischer Rundweg, vergleichbar dem Helikopterflug über das Flußtal Uttar Ganga, hinauf zur Jenseitsgrenze, der abschließende Durchgang durch das mit blauen Steinen geschmückte Nest der Laubenvögel, obwohl diese Landschaft zugleich – seit damals, als ich hier (jenseits des Viehbaches) „sesshaft“ wurde – überlagert und durchsetzt wurde mit Erinnerungen an den Teutoburger Wald (1955) oberhalb Bielefeld und die weite rurale Hügellandschaft auf der Lohe bei Bad Oeynhausen (1950). Ich könnte mir aus echten Erinnerungen und freien Phantasiereisen einen eigenen Mythos schaffen und diesem magischen Spazierweg heilende Kräfte zuschreiben. Zudem gibt es im Buchenwäldchen eine winzige Laube mit dem (wundertätigen?) Marienhäuschen, von dem gesagt wird, der Solinger Sänger Alfons Holte habe es errichtet (jedenfalls regelmäßig gepflegt). Wie gesagt: „könnte“! Es wäre möglich! Ich könnte Kindern und Kindeskindern davon erzählen, als sei es Realität. Unermüdlich der krähende Hahn in einem Garten am Bussche-Kessel-Weg und die fernen Glocken der Kirche St. Joseph in Ohligs. Waldesdunkel. Heute noch findet hier man – wie zum Beweis der ewigen Wiederkehr des Gleichen – eine von Kindern aus Totholz gebaute „Bude“, so wie wir sie einst in Hobergs Busch unweit der Steinkuhle angelegt haben, in der wiederum ein namenloser Bach zwei Salamander-Teiche gebildet hatte, die wir aufsuchten, wenn unsere kleinen Scherbengärtchen am bemoosten Fuß der Buchen befriedigend ausgestaltet waren. Nester! Ja, der Mythos der Kindheit, und eine Bedrohung in riesiger Wolkengestalt, Kraftwerke bei Dormagen oder weiter in Richtung Niederrhein, und allzuwenig Blumen im Krautbereich der Wiese und am Rand des Roggenfeldes. Aber immer akustisch markiert die Herrschaftsbereiche der Zaunkönige und Rotkehlchen, sage ich. Sie beobachten mit Sympathie die Menschen bei der Gartenarbeit, gelernt haben sie es aber hier draußen bei den Wildschweinen. – Die übliche Mischung aus Wirklichkeit und meinen Projektionen.

Mai Buchenwald 170521

Mai Kiefern 170521 Mai alre Eiche 170521

Mai Feldweg 170521 Mai Wiese Wolke 170521

Mai Waldfachwerkhaus 170521 Mai Gundermann 170521 Alle Fotos: ER

Hackhauser Mai 2017 b Überquerung Viehbach (Styx)Hackhauser Mai 2017 x Keine Maikäfer mehr?Hackhauser Mai 2017 k Kinderversteck

Hackhauser Mai 2017 j Kraftwerke

Hackhauser Mai 2017 e  Hackhauser Mai 2017 y Handy JR

1952 (nicht ohne meine Katze)

Lohe Katze

2017 Die Bilderwelt von damals – für immer.

Mai Holunder JR 170521

Auf Flügeln des Gesanges

Ich schwöre: als mir die Überschrift dieses Artikels einfiel, habe ich nicht an Mendelssohns Lied gedacht, sondern nur an den Cracticus nigrogularis aus der Familie der Würgerkrähen, auch Metzger-Vogel genannt. Und dann überwältigte mich die Erinnerung an die Melodie und daran, dass im Text von Lotosblumen, Veilchen und den Fluren des Ganges die Rede sei, und ich konnte nicht widerstehen, das Lied hier einzubinden, auf die Gefahr hin, dass es mich Überwindung kosten würde, all dies gegen ein geflügeltes Flötenspiel im australischen Busch einzutauschen.

Hollis absolute bird Vorbild: Cracticus nigrogularisHollis absolute bird rück Hollis Taylor: Eigene Werke 2017

Hollis Taylor Thesis Screenshot 2017-05-19 Doktorarbeit 2008

(Erklärung folgt)

Der wirkliche Zugang zu Hollis Taylor’s  Welt: HIER.

Zum Bild-Kapitel über bowerbird aesthetics siehe auch bei Wikipedia über Laubenvögel.

Toleranz gegenüber Intoleranz?

Nach Markus Lanz

Den Gag mit dem sich reimenden Namen des Moderators im Titel wollte ich mir sparen, ebenso wie eine wohlfeile Distanzierung von dieser Art Talkshow, in der es durchaus nicht selten gelingt, kontroverse Themen so zu führen, dass sie sehr bedenkenswerte Perspektiven eröffnen. Wie in diesem Fall der Konfrontation zweier Islamkritiker, die am Ende doch zum einvernehmlichen Urteil kommen: der individuell auftretende Islam sei friedlich und menschenverbindend, als Massenideologie jedoch gefährlich und menschenverachtend. (Alltägliche mitmenschliche Praxis gegen Machtpolitik.)

Hamed Abdel-Samad, Politologe
Der Islamkritiker erklärt in seinem aktuellen Buch „Ist der Islam noch zu retten?“, weshalb die Religion seines Erachtens nicht reformierbar ist.

Ulrich Kienzle, Journalist
Der Nahost-Experte gibt eine Einschätzung zu Hamed Abdel-Samads Religionskritik. Er sagt: „Der Islam ist gefährlich und nicht gefährlich zugleich.“

Es begann mit dem Begriff „Leitkultur“ und lief letztlich auf die Frage hinaus: Muss man gegenüber intoleranten Weltanschauungen Toleranz walten lassen? Ist Hamed Abdel-Samad schon zu weit gegangen, als er als Redner bei der AfD aufgetreten ist – mit dem Risiko, von dieser Partei für ihre ideologischen Zwecke instrumentalisiert zu werden? Letztlich distanziert er sich heute: er würde es kein zweites Mal tun. – Andere Frage: Hätte Angela Merkel beim Staatsbesuch in Saudi-Arabien ein Kopftuch tragen sollen? Sie tat es nicht. Aber darf sie den Panzerverkauf an ein solches Regime tolerieren?

Diese Sendung ist inzwischen zum Nachhören freigeschaltet: HIER. Ab 4:35 bis 38:55. Abrufbar bis zum 12.8.2017.

Ich finde, jeder Mensch sollte sich mit diesen Fragen beschäftigen, sie tauchen in verschiedensten Maskierungen allerorts auf – seit jeher und selbst innerhalb der friedlichsten Familie. Es ist unnötig, sich vom Ernstfall überraschen zu lassen. Wie ist es z.B. wenn jemand von mir Solidarität (die Unterschrift zu einem Aufruf) verlangt, während ich zweifle? Wenn jemand bei mir Empathie für seine Antipathien gegen xy einklagt? Und, falls ich sie verweigere, mich an den Pranger stellt?

Hier ein plausibler Klärungsversuch:

In dem Wertekatalog, der sich etwa im deutschen Grundgesetz wiederfindet, steckt eine Grundsatzentscheidung der Gesellschaft, dass Grundrechte, etwa das auf Leben, Gleichberechtigung, Religions- oder Meinungsfreiheit, keinesfalls verletzt werden dürfen. In der Verfassung liegen ethisch-politische Festlegungen, und Abweichungen davon müssen oder dürfen sogar nicht toleriert werden.

Hier wird man vielleicht auch das eingangs genannte Problem des Verhältnisses unserer Gesellschaft zum Islam ansiedeln müssen – und wie so oft genauer differenzieren: Insofern fundamentalistische Strömungen im Islam gegen die Wertefestlegungen unserer Gesellschaft verstoßen, müssen sie nicht toleriert werden. Eine Religion, die versucht, eigene Vorstellungen, die unseren gesellschaftlichen Wertvorstellungen widersprechen, mit welchen Mitteln auch immer in der Gesellschaft durchzusetzen, muss man nicht tolerieren.

Das gilt übrigens für andere Religionen ganz genauso, namentlich auch für die christlichen, in denen es ebenfalls fundamentalistische Strömungen gibt. Und das gilt nicht, weil der Fundamentalismus selbst intolerant ist, sondern weil er gegen die ethisch-politischen Grundsätze unseres Zusammenlebens verstößt. Soweit aber lediglich kulturelle Unterschiede bestehen, hat der Islam wie alle Kulturen, Religionen und Weltanschauungen ein Recht darauf, toleriert zu werden. Dazu gehört seine Ausübung durch die Gläubigen und das Errichten von Gotteshäusern in demselben Umfang, in dem man es auch anderen Religionen gestattet. Auch das gehört zu den ethischen Grundsätzen unserer Gesellschaft.

Quelle Dr.Dr. Rainer Erlinger im SZ-Magazin Heft 10/2011 Süddeutsche Zeitung / Abrufbar HIER.

Aber mit diesen Grundsätzen allein ist es nicht getan. (Wie steht es z.B. mit der Toleranz im Alltag. „Wie … ordnet man die häufigen kleinen Probleme des Alltags ein? Wenn unterschiedliche Vorlieben, Interessen oder Bedürfnisse aufeinanderprallen?“ In diesem Artikel wird auch Karl Poppers „Paradoxon der Toleranz“ behandelt:

 Uneingeschränkte Toleranz führt mit Notwendigkeit zum Verschwinden der Toleranz. Denn wenn wir die uneingeschränkte Toleranz sogar auf die Intoleranten ausdehnen, wenn wir nicht bereit sind, eine tolerante Gesellschaftsordnung gegen die Angriffe der Intoleranz zu verteidigen, dann werden die Toleranten vernichtet werden und die Toleranz mit ihnen. (1944)

Quelle Erlinger a.a.O. / siehe auch im Originaltext Popper hier.

(Fortsetzung folgt)

Vormerken: Haydn (bis 7.Juni)

Haydn WDR Screenshot 2017-05-07 Dies Bild nur zum Lesen anklicken! Ansonsten bitte eine Zeile weiter auf HIER…

Zum Nachhören: HIER

In Search of Haydn (1/2)

07.05.2017 | 54:25 Min. | Verfügbar bis 07.06.2017 | WDR

Der preisgekrönte Filmemacher Phil Grabsky begibt sich in seiner Dokumentation auf die Spuren von Joseph Haydn, der einer der größten musikalischen neuerer und einer der geistreichsten und produktivsten Komponisten aller Zeiten war. Ausschnitte aus Haydns bedeutendsten Werken, interpretiert von weltweit gefeierten Musikern und Gespräche mit namhaften Haydn-Experten sowie Auszüge aus Haydns Briefen und Erinnerungen geben einen tiefen Einblick in Leben und Werk des Komponisten.

Die beste Zeit im Jahr

Zwischentöne im Actus tragicus

Es fasziniert mich, Johann Sebastian Bach als Geistesbruder des großen Gottfried Wilhelm Leibniz zu sehen, der die Infinitesimalrechnung erfand. Natürlich verdanke ich den Impuls der wiederkehrenden Lektüre des Buches „Leibniz und die Revolution der Gartenkunst“ von Horst Bredekamp. Ich denke auch an Mozart (siehe hier). Und an Bach, Mozart und Leibniz zugleich, wenn ich am Tag vor dem 1. Mai durch den Benrather Schlosspark spaziere und mir vornehme, noch in diesem Frühlingsmonat Schloss Herrenhausen in Hannover zu besuchen.

Benrath 2017 aa … … …Benrath 2017 b … … …Benrath 2017 f … … …Benrath 2017 c … … …Benrath 2017 e … … …Benrath 2017 d Fotos: E.Reichow

A propos: „Natur“. „Wie natürlich ist unsere Natur?“ Man steige einmal in die ZDF-Precht-Sendung vom 20.3.2017 ein [ HIER ], in der sich Richard David Precht mit Andrea Wulf unterhält, die ein Buch über Humboldt geschrieben hat, etwa bei 12:50, und springe nachher zurück auf – sagen wir – 7:00, alles ist interessant, aber nicht ganz auf dem Niveau von Bredekamp (Precht: „Der Barockgarten ist die domestizierte Natur“ – sagt er, um ihn vom englischen Garten abzusetzen. Aber natürlich bedeutet jeder Garten eine Domestizierung der Natur.)

(Fortsetzung folgt)

Übrigens: der Titel dieses Blogbeitrags, der ein bisschen an den vorigen anknüpft, bezieht sich eigentlich auf ein schönes Lied von Martin Luther, das manchmal auch in der (falschen) Schreibweise „Maien“ für „mein“ begegnet: „Die beste Zeit im Jahr ist mein“. Hier eine Aufnahme, anrührend gesungen von dem Kammerchor Hallenser Madrigalisten:

Leider nur zwei von vier Strophen. Es handelt sich um den Chorsatz von Melchior Vulpius. Diesen Satz und eine andere, vielleicht heute bekanntere Melodie desselben Textes fand ich im alten Chorbuch „Musik in der Schule“ Band 3 Möseler Verlag Wolfenbüttel (1954). Ob Vulpius oder schon Luther die Choral-Melodie unterlegt hat, weiß ich nicht. Als Quelle finde ich nur Martin Luther, 1538 (1483 – 1546), Schlußstrophen des Gedichtes “Frau Musica” (“Für alle Freuden auf Erden”)  – Musik: nach der Choralmelodie ”Wenn wir in höchsten Nöten sein”. – (Fragwürdig, – doch nicht etwa Lyon 1547? Lied 211)

Die beste Zeit

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Achtung: Heute auch neuer Eintrag in Blog-Beitrag Syrien-Skandal  HIER.

Hummeln zuhaus

Was man tun kann

Bombus_hypnorum_male_-_side_(aka)  Hummeln Cover

Linke Seite: Foto von André Karwath aka Aka – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, hier.

Vor drei Jahren habe ich mich schon einmal für das Buch oben rechts begeistert (vgl. HIER). Die Liebe bleibt bestehen und lässt sich gern durch Wissen erweitern:

Hummelhaus Screenshot 2017-04-27 19.14.41 HIER  gibt es alles zu lesen, und:

Man kann ja sogar selbst aktiv werden werden. Dort auch drei Filme anschauen, oder auch gleich Hier beginnen.

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3sat-Info über schwindende Insektenvielfalt: Hier (Text)und Hier (Film).

Noch zwei Tage „Die Walküre“

Kurze Selbstverpflichtung 19. April 2017

HIER  Osterfestspiele Salzburg 2017 Rekonstruktion des Bühnenbildes und der Kostüme von 1967 (Karajan) HEUTE 21.04.2017 letzter Tag! 

Walküre Hunding Screenshot Hunding & Sieglinde

Erster Aufzug bis 1:03:32 Zweiter Aufzug ab 1:04:27 bis 2:35:29 Dritter Aufzug 2:36:00 bis 3:50:40 (3:57:20)

Walküre 1   Walküre 2 …..Walküre 3a   Walküre 3b …..Walküre 4   Walküre 5 …..

Walküre Hunding Siegmund Screenshot Hunding, Sieglinde, Siegmund

Walküre Texte Titel   Walküre Regieanweisung  Ausgabe 1914

Die Walküre
Oper von Richard Wagner: Die Osterfestspiele Salzburg feiern 2017 ihr 50. Jubiläum und nehmen dies zum Anlass, eine „Wiederbelebung“ der „Walküre“ aus der ersten Osterfestspiel-Produktion 1967 zu zeigen. (Noch 2 Tage verfügbar)
Walküre Wotans Abschied Screenshot Screenshot Wotans Abschied
Walküre Feuerzauber Screenshot Feuerzauber

Besuch im Garten

Bloße Statistik zur allmählichen Ergänzung (privat)

Bussardnest a' In der Astgabel dort oben?

Eigentlich keine Besucher, sie wohnen alle hier, ganz in der Nähe. Und zwar auch der Mäusebussard, er mit Weibchen schon seit 2-3 Wochen (Nest in der Nähe s.o.), die Singvögel regen sich seinetwegen nicht auf, ständig ist sein „hiäh“ zu hören. Natürlich hält er zu uns Distanz.

Mäusebussard b 170417  Mäusebussard

Habicht oder Bussard 170417

Gimpel a 170417 Gimpel (Dompfaff)Gimpel b 170417

Rotkehlchen 170419 Rotkehlchen

Liste zur Vervollständigung: Buntspecht, (oder Mittelspecht?), Kleinspecht, Rotkehlchen, Wintergoldhähnchen, Kohlmeise, Blaumeise, Weidenmeise, Schwanzmeisen, Mönchsgrasmücke, Heckenbraunelle, Kleiber, Zilpzalp, Zaunkönig, [der Gelbspötter ist wieder da: 29.04.17], Türkentaube, Elster, Eichelhäher. [07.05.17 – Übrigens kann ich mich mit dem Gelbspötter geirrt haben; er ist nicht mehr zu hören; aber Stare sind seit Anfang Mai da! ] Wie die Bussarde zum erstenmal in diesem Jahr: zwei Rabenkrähen. Schwer zu erwischen (alle Fotos durchs Doppelglas-Fenster), sie bleiben nur Sekunden:

Krähe April 2017 Ebenso die Elster:

Elster 170517 kl

Ich weiß, es ist nicht unproblematisch, jetzt noch Futter bereitzustellen. Andererseits gibt es gute Gründe – und den Versand „Vivara“. (NACHTRAG: Pro Vogelfütterung siehe NATUR Sonderheft „Vogelwildes Deutschland“ Mai 2017 Seite 42 – der Ornithologe Peter Berthold im Gespräch mit Sebastian Jutzi: „Wer füttert, hilft den Vögeln. Sie haben besseren Bruterfolg, mehr Junge überleben, sie sind kräftiger, die Tiere kommen besser durch den Winter und so weiter.“ Achtung: dieser Ratschlag gilt nicht für den öffentlichen Raum der Kommunen; dort gelten eigene Regeln, die strikt eingehalten werden müssen, Zuwiderhandlungen können bestraft werden. 

Filmempfehlung: „Wie Tiere fühlen“ auf ARTE HIERNoch bis 12. Mai 2017!

ARTE Screenshot 2017-04-18  oben auf HIER klicken

Als Ergänzung zu dem Thema „Empathie bei Tieren?“: die Grundlagen könnten „mechanischer Natur“ sein, wenn man von der Ameisenforschung ausgeht. In einem ZEIT-Bericht über die größte Ameisenart Megaponera in der Savanne an der Elfenbeinküste erfährt man, dass diese Tiere Termitenarbeiterinnen jagen, die allerdings von wehrhaften Termitensoldaten geschützt werden. Mit ihren Mundwerkzeugen werden diese Wachposten selbst der Riesenameise gefährlich. „Über Jahrtausende haben sich die beiden Arten aufeinander eingestellt. Entwickeln die einen wehrhaftere Soldaten, musste die andere mit geschickteren Jagdstrategien nachziehen.“ Es gibt regelrechte Schlachtordnungen mit Toten und Verletzten, wobei das Besondere bei den Ameisen ist, dass die verletzten Individuen wieder mit zurück zum Nest getragen werden. Das ist erstaunlich. „Zwar konnten Forscher schon höher entwickelte Tiere wie Schimpansen oder Delfine beim gegenseitigen Helfen beobachten, doch erstmals weist [Erik] Frank nun in der Klasse der Insekten ein vergleichbares Verhalten nach. Generell wird bei Ameisen davon ausgegangen, dass das Individuum wenig zählt, die Kolonie dagegen alles. Wieso helfen die Ameisen verletzten Artgenossen dann überhaupt? Die Antwort hängt mit der Populationsdynamik dieser Tiere zusammen. Ihre Kolonien bestehen aus wenigen Hundert bis 2400 Tieren, pro Tag schlüpfen durchschnittlich nur 13 Tiere. Da eine Truppe drei- bis fünfmal täglich zum Beutezug ausschwärmt, würden die durchschnittlich zu erwartenden Verluste bald das Ende der Kolonie bedeuten. Allein gelassen stürbe nämlich rund ein Drittel der Verletzten.“

Quelle DIE ZEIT 20. April 2017 Seite 38 Verletzte ins Lazarett Ein deutscher Biologe beobachtet in der Einsamkeit der afrikanischen Savanne die größten Ameisen der Welt – und lüftet ihr Überlebensgeheimnis. Von Fritz Habekuss.

Man findet eine Beschreibung dieses Verhaltens aber auch schon in dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel (folgendes Zitat ist leicht gekürzt):

Cooperative self defence

While cooperative defence of the nest is well known in ants, cooperative self-defence outside of the nest is much less so. When M. analis ants are attacked by driver ants outside of the nest, they cooperate with one another in an attempt to defend themselves by checking each other’s extremities for enemy ants and removing any that are clinging to their legs or antennae.

Saving injured individuals

During the battle against termites some of the ants get injured. The termite soldiers are able to bite off extremities or cling on to the ant body after their death. These ants have evolved a unique mechanism to deal with this increased foraging cost. After the battle injured ants „call“ for help with a pheromone in their mandibular gland (consisting of two chemical compounds: Dimethyl disulfide and Dimethyl trisulfide). This attracts nestmates which then start to investigate the injured nestmate and pick her up. By carrying these injured ants back they reduce their mortality by 32% to close to zero. Inside the nest the clinging termites get removed. In case they lost one or two legs the ants adapt to a four or five legged locomotion to compensate for it, allowing them to reach running speeds similar to a healthy ant. These injured ants are then capable again of performing colony tasks and are even observed in future raids against termites. A model calculated the value of this helping behaviour to allow a colony to be 28.7% larger than a colony that would not show this behaviour (due to the energy saving by not having to replace the injured workers with new healthy replacements). This is the only invertebrate species known to show such a behaviour towards injured individuals.

Siehe auch hier. (In: „Bild der Wissenschaft“ 13.4.2017)

Ausblick: Zum Schutz der Vögel

Vogeljagd Solinger Tageblatt 25.4.2017

Siehe auch HIER (FAZ). Stichwort: Empathie für Vögel, Urlaub auf Malta oder Zypern?

Zitat aus dem Editorial der Zeitschrift NATUR

Geflügelter Bote

Bei Licht betrachtet sind unsere Sing- und Greifvögel, Wasser- und Rabenvögel die einzigen Wildtiere, die in unserem Alltag präsent sind. Der Rothirsch sitzt nur bei den wenigsten auf dem Gartenzaun, der Fuchs zwitschert kein Lied zum Frühstück und auch Seehunde tauchen nicht unbedingt ihre Schnauzen in Gartenteiche.

Vögel sind damit Boten der Natur. Sie erinnern uns, dass wir nicht allein auf diesem Planeten sind. Ihre Zahl, der Zustand der Populationen, ihr Verhalten sind ein Gradmesser für den Zustand der Welt. Wenn kein Gesang mehr ertönt, kein Flattern uns mehr umgibt, ist es Zeit, sich ernsthaft Sorgen zu machen.

Quelle Editorial der Zeitschrift NATUR, Autor: Peter Laufmann Mai 2017 Sonderausgabe  „Vogelwildes Deutschland“ Reguläres Mai-Heft siehe Hier.

Zeitsprung 2017 – 1967

Stadtkirche Ohligs Zeitung Diese Zeitungsnotiz war der Anlass…

Genauer gesagt: die Tatsache, dass eins der größten Orgelwerke von Bach angekündigt wurde und dass man bei einem Kirchenmusikdirektor aus Berlin mit einer guten Aufführung rechnen darf. (Kein Irrtum!) Womit ich nicht gerechnet hatte: dass der Raum und die Realität des Klanges so überwältigend sein würden. Ein Event? Alles wie vor 50 Jahren. (Die Buxtehude-Passacaglia hatte ich vorab noch einmal zuhaus gehört, Martin Rost an der Stellwagen-Orgel zu Stralsund, CD MDG).

Stadtkirche Ohligs 2017 Stadtkirche Ohligs 2017 Texte

Stadtkirche Ohligs 2017 Programm a Stadtkirche Ohligs 2017 Programm b

Der Kirchenraum ist derselbe wie damals, inzwischen alles sehr schön renoviert, gutes Programm, nur die Bibeltexte hätte ich lieber in Luthers Deutsch gehört. Ach, die Choräle! Nicht gesungen, aber mit Text, wie neu. Interessantes auch in den neuen Stücken, ein moderner Choral endet mit einer Strophe in Bachs Harmonisierung, und zwischen den Zeilen einige b-a-c-h-Rufe… Mir ist es recht. Am Ende wartet ohnehin der große Bach. Viel wunderbare Wildheit in der Fantasie, und wie aus dem Nichts der Aufstieg, der den Ahnungslosen auf der Stelle aus der Fassung bringt, auch wenn man vorher alles nochmal in den Noten durchgeschaut hat, unbegreiflich stark und EINFACH. („Confirmatio“ habe ich vor Jahrzehnten drüber geschrieben, als ich das Buch von Jacobus Kloppers und die Regeln der Rhetorik studierte.) Und was für eine fröhliche Riesenfuge in Moll! Übersprudelnd – sie wird ihren lächerlichen Beinamen leider nicht mehr verlieren.)

30 Bach Orgel G-moll a Bach Orgel G-moll b

Und dann ist da noch dieser subjektive Zeitsprung. Damals kam ich aus Bayreuth, wo wir mit dem Collegium – ich glaube – die Johannes-Passion (im Juli???) gespielt hatten. Wenig Schlaf, Vollmond, nächtliche Autofahrt durch die Eifel. Aber das E-dur-Konzert hatte ich in den Fingern und im Kopf, alle Müdigkeit verflog. Das waren Zeiten!

Stadtkirche Ohligs1967 a Leitung: Konrad Burr (Schüler von Fritz Neumeyer und Michael Schneider), unser erstes gemeinsames Konzert; heute spielen wir immer noch zusammen, Mozart-Violinsonaten und Vierhändiges am Klavier.

Stadtkirche Ohligs 1967 Progr x Stadtkirche Ohligs 1967 Mitw

Was gab es noch für mich, in diesem Jahr damals? Violin-Examen, die Orient-Tournee mit Kammerorchester unter Günter Kehr, Beginn des Studiums außereuropäischer Musik, weitere Reisen mit den Deutschen Bachsolisten (Helmut Winschermann), Bach-Kantaten mit dem Collegium Musicum des WDR, Quartettspiel, viel Klaviertrio.

JR Bach Solo 1967

Bachsolisten 67 a Bachsolisten b

Trio Konzert 1967 Erbach Trio Konzert 1967 Progr

Aber eine Entdeckung muss ich heute für immer festhalten, das A und O für Bach-Verehrer – in einer Zeit, da die Selbstverständlichkeiten verloren gehen. CHORÄLE. Wer sie nicht kennt und liebt, wird es nicht leicht haben mit Bach. Und ohne Bach ist das Leben noch viel schwerer.

Allerdings ist dies erst der Anfang (immer nur eine Strophe). Um eine Melodie zu begreifen, braucht man viele Strophen. Das Gesangbuch gehört zur Grundausrüstung des Musikers, egal welchen Glaubens oder Nichtglaubens. Schön: dieser Berg als Einladung. Petrarca war dort.