Schallplattenpreis (Longlist)

Rubrik: Traditionelle ethnische Musik

Titelseite (zum Original: hier Pressebereich aller Rubriken: hier)

Peter Havlicek: Neue Schätze – 25 Freunde spielen Lieder von Karl Hodina (Non Food Factory)

Hineinhören: hier

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Damir Imamovic: Singer Of Tales (Wrasse Records)

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 Text

 Cover

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Susanne Lundeng: Hold dæ på vingan (Heilo)

Zum Reinhören (Einzeltitel der CD): hier

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Masters of Frame Drums: Elements (Seyir Muzik)

Alle Titel anspielen: hier

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Elias Nardi, Daniele di Bonaventura, Ares Tavolazzi: Ghimel (Visage Music)

Alle Titel anspielen: hier

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Matthieu Saglio: El Camino De Los Vientos (Act)

Seit fast 20 Jahren lebt Matthieu Saglio in der spanischen Metropole Valencia. Die drittgrößte Stadt Spaniens ist seit Jahrtausenden ein Knotenpunkt, griechische, römische, westgotische und arabische Einflüsse prägten diesen Ort, heute begegnen sich dort Kulturen aus aller Welt. Der ideale Platz für einen wie Saglio, der in seinem Cellospiel und seinen kompositorischen Entwürfen immer mehrere Kulturen zusammendenkt und -lebt. Nachdem er sich von einer reinen Klassikkarriere verabschiedet hatte, setzte er in seinen vielfältigen Projekten Flamenco und Jazz, Alte Musik, Barock und westafrikanische Farben in spannende neue Beziehungen. Mit dem Trio NES entwarf er an der Seite der Sängerin Nesrine Belmokh und des Perkussionisten David Gadea eine international gefeierte Mixtur aus arabischem Flair und Jazzimprovisation („Ahlam“, ACT 2018).

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Weiteres vom Ich im Spiegel

Kein bloßes Mondgesicht

Es passierte mir kürzlich bei der Betrachtung des Mondes (siehe hier!), aber vielleicht nur, weil ich am gleichen Tag Emanuele Coccia gelesen hatte und schon bei einem Fernsehfilm über den Genter Altar und Jan van Eyck versucht hatte, mein Erinnerungsvermögen zu aktivieren. Und diese Obsession hört nicht auf, ich muss das auflösen, weil die alte Gefahr der Mystifiziererei wiederzukehren droht. Ich stehe vor dem Spiegel und beginne damit, die Rechts-Links-Vertauschung zu studieren: wenn ich meine rechte Hand auf den Spiegel zu bewege, tut der gegenüberstehende Ich-Typ das gleiche, die beiden Hände bewegen sich aufeinander zu, aber es ist seine linke Hand, zweifellos, – und meine rechte. Ich weiß, auch mein Gesicht ist seitenverkehrt, das ist nichts Neues, aber – plötzlich ist mir nicht mehr wohl bei dieser Selbstverständlichkeit.

Also: jetzt ist das Buch eingetroffen, das bei mir nicht mehr aufzufinden war und das ich deshalb nach 20 Jahre aufs neue bestellt hatte. Es ist auch aufs neue interessant, aber enthält nicht die erhofften (erinnerten???) Informationen.

 ISBN 3-492-23538-7

Da gibt es nichts vom Spiegel, außer zufallsbedingt auf Seite 48, angesichts der Tatsache, dass schon Neugeborene etwas imitieren:

Auf den ersten Blick mag einem die Fähigkeit zu imitieren zwar komisch und niedlich erscheinen, aber nicht sonderlich bedeutungsvoll. Doch wenn Sie kurz darüber nachdenken, wird Ihnen aufgehen, wie erstaunlich sie in Wirklichkeit ist. Im Mutterleib gibt es keine Spiegel: Neugeborene haben noch nie ihr eigenes Gesicht gesehen. Wie können sie also wissen, ob sich ihre Zunge im Mund oder draußen befindet?

Doch das läuft darauf hinaus, dass wir „offenbar von Geburt an eine Verbindung her[stellen]zwischen diesem persönlichen Selbst und den Körperbewegungen anderer Menschen, die wir lediglich sehen und nicht spüren.“ (a.a.O. Seite 49)

Mir kommt der Verdacht, dass ich einmal ein anderes Werk kannte, vielleicht von Daniel Stern, das hier im Literaturverzeichnis steht: „Die Lebenserfahrung des Säuglings“, Stuttgart 1992. Aber nichts über Spiegel, nur „das narrative Selbst“.

Inzwischen habe ich etwas ruhelos herumrecherchiert, in dem rde-Büchlein aus dunkler Erinnerung von 1959 – Adolf Portmann über das „Bild des Menschen“, mich erinnernd an Versuche mit Affen, die eindeutig zeigten, dass sie das eigene „Selbst“, wenn sie live gefilmt wurden, auf dem Bildschirm erkannten. Dann habe ich – da Coccia sich auf Lacan bezieht – in dessen Wikipedia-Biographie entsprechende Forschungsergebnisse aus der Kinderpsychologie gefunden: hier, das ist doch genau das, was ich meinte, vermutlich kennt es jeder, nur ich bin jahrzehntelang im Tal der Ahnungslosen verblieben. Aber jetzt nicht mehr lange: ich stoße auf das richtige Wikipedia-Stichwort: SPIEGELTEST.

Ich kann mein Glück nicht verbergen, – es ist keine Psycho-Mystik, es handelt sich zweifellos um taghelle Wissenschaft. Bin ich nicht immer wieder darauf gekommen, z.b. auf der Italien-Tournee in einer Autobahnraststätte? Als wir im weitläufigen Speiseraum auf das mächtige, streng perspektivische Gemälde einer toskanischen Landschaft an der Wand schauten und ins Sinnieren kamen: angenommen sie wäre wirklich fotografisch absolut genau, – dürfte das  die Frage aufwerfen, ob sich unsere Augen bzw. ihre physische Linse unterschiedlich einstellen, wenn wir in die illusionäre Ferne des Bildes schauten im Wechsel zu den Statuen im Vordergrund? Aber das erledigt sich schnell, wenn die Speisen realitätsgerecht auf dem Tisch stehen. Hätte auch nichts mit meinem Problem zu tun. (Die Linse reagiert auf variable Meldungen über Schärfe und Unschärfe. Wenn sich was ändern lässt, stellt sie sich ein, wenn nicht, dann eben nicht.)

Das könnte  man auch als ein Gleichnis behandeln!

Was bleibt, ist die Frage, ob man sich auf die Frage einlassen soll, ob der Raum im Spiegel philosophisch etwas hergibt… oder nur für ein vor-wissenschaftliches Denken, zu dem man dann eben auch die frühe arabische Optik rechnen müsste.

Über den Artikel Spiegeltest lande ich beim Ich-Bewusstsein, und dort – schönes Gefühl der Wiedererkennung – bei Karl Jaspers und schließlich bei Thomas Metzinger, dessen voluminösen Band „Bewusstsein“ ich immer wieder bei offenen und meist ergebnislosen Fragen zu Rate ziehe.

 Vielmehr: es nimmt kein Ende…

Kein Zurück zu Rousseau

Eine Rekapitulation

Warum? (Lesen Sie!)

Die Schwierigkeit mit Rousseau ist die, dass er es sich zu einfach macht, aber dies mit unendlich vielen Worten. Vielleicht ist auch die Formel schuld, auf die man seine Philosophie verkürzt hat: Zurück zur Natur. Wenn man jedoch die Korrektur versucht, stattdessen zu sagen: Zurück zu Rousseau, wird man vielleicht bald gewahr, dass man mit einer pathologischen Figur zu tun hat. Zugleich mit einer Zeitenwende, die aus einem einzelnen Menschen nicht ausreichend erklärt werden kann.

Carl Dahlhaus: Musikästhetik / Köln 1967

Wie lange hat mich das kleine Buch begleitet?

s.a. „lyrisches Ich“ hier bezogen auf diese Seite 36 „intelligibles Ich“

In den 90er Jahren begegnete mir zum ersten Mal eine erfrischend kritische Sicht auf die Ästhetik des 18. Jahrhundert und insbesondere auf Rousseau. Die entsprechenden Seiten des Skriptes (mit meinen Lesespuren) lasse ich hier in Kopie folgen, die vollständige Arbeit des Freundes Maximilian Hendler kann man im Internet nachlesen: hier.

Quelle Maximilian Hendler: Musikästhetik und Grenzen im Kopf / Skript Graz o.J.

Der Philosoph Rüdiger Safranski, der sich dummerweise aufgrund seiner Stellungnahme zur Flüchtlingsfrage spätestens 2018 ins Abseits bugsierte, hat 1990 in einem erhellenden Buch beschrieben, in welche Sackgassen sich der Mensch auf der Suche nach Wahrheit begibt, und zwar paradigmatisch an drei Gestalten der Geistesgeschichte: Rousseau, Kleist und Nietzsche. Das zugrundeliegende Dilemma tritt immer in dem gleichen Vorgang zutage: im Transzendieren. Indem ich aus der natürlichen Gebundenheit herauszutreten suche ins Offene, eine notwendige, aber schmerzhafte Trennung.

Das Transzendieren treibt uns ins Weite, aber auch in die Obdachlosigkeit. Deshalb das Bemühen, diese Weite und Unabsehbarkeit dann doch wieder in etwas Heimatliches zu verwandeln: das Festhalten an den Bildern, von den mythischen Anfängen bis in das Zeitalter des Fernsehens.

Das Transzendieren träumt von einer Welt, in der wir keine Angst zu haben brauchen, wo es die große Einheit gibt, die uns umfängt und trägt. So wie wir einst im Mutterleib umfangen und getragen worden sind.

Diese Sehnsucht nach Einheit hat über zwei Jahrtausende die abendländische Metaphysik bestimmt; und es ist immer derselbe Schmerz über den Verlust der fraglosen Einheit mit dem Lebendigen, wodurch die metaphysische Frage nach der ‚wahren Welt‘ und dem ‚wahren Leben‘ wachgehalten wird.

Wachgehalten wird sie auch deshalb, weil die Menschen von jeher drei Arten des beneidenswerten Gelingens vor Augen gehabt haben.

Man hat die Tiere beneidet, weil sie ganze Natur sind ohne störendes Bewußtsein. Man hat Gott bemneidet, weil er ganz Geist ist ohne störende Natur. Und man hat schließlich das Kind beneidet, dieses göttliche Tier. Man hat damit sich selbst um seine verlorene Kindheit beneidet, seine Spontaneität und Unmittelbarkeit. Unsere Erinnerung läßt uns glauben, daß wir alle die Austreibung aus dem Paradies schon einmal erlbt haben, als unsere Kindheit zu Ende ging.

Fast alle Träume des Gelingens, in denen Innen und Außen, Bewußtsein und Sein, Ich und Welt in magischer Einheit sich befinden, leben vom Bildervorrat erinnerter oder imaginierter Kindheit.

Quelle Rüdiger Safranski: Wieviel Wahrheit braucht der Mensch / Über das Denkbate und das Lebbare / Carl Hanser Verlag, Fischer Taschenbuch Frankfurt am Main 1993 (Seite 10f)

Du bist schön, Ungarn!

Marginalien zu Béla Bartók

hier (im externen Fenster) aufpassen ab 1:40 (wiedererkennen!)

Szép vagy, gyönyörű vagy Magyarország,
Gyönyörűbb, mint a nagyvilág.
Ha szól a zeneszó, látom gyönyörű szép orcád,
Táltos paripákon ide szállunk, hazahív fű, fa, lomb, virág.
Úgy hív a hegedű, vár egy gyönyörű szép ország.

Du bist schön, du bist schön, Ungarn, / Schöner als die große Welt …

[In Klammern sei gesagt: die Melodie ist schwach, sie wird erst durch Erinnerungen aufgeladen. Bis in die Mitte von Takt 3 weckt sie Erwartungen, der hüpfende Rhythmus enttäuscht, der Neuansatz zu Beginn der zweiten Zeile weckt neue Hoffnung, die mit der Sequenz im nächsten Takt enttäuscht wird, ganz banal die darauf folgenden gehaltenen Töne vor der Wiederholung, ebenso der Ausklang nach der Wiederholung. Bei Bartók wird aus all dem eine unvergesslich schöne (aber schwer fehlerfrei erinnerbare), wirkliche Melodie.]

Der Komponist Zsigmond Vincze lt. Wikipedia: After having trained in Budapest, he became conductor of the Király Szinház in the city, and later was musical director of the opera in Debrecen. He achieved his first success in 1909 and went on to compose a number of other well-received stage works over the following 20 years.

The song “Szép vagy, gyönyörű vagy Magyarország” (“Hungary, you are beautiful and splendid” from his operetta A hamburgi menyasszony (The bride from Hamburg) was quoted by Bartók in the fourth movement of his Concerto for Orchestra.

The fourth movement, „Intermezzo interrotto“ (literally „interrupted intermezzo„), consists of a flowing melody with changing time signatures, intermixed with a theme that quotes the song „Da geh‘ ich zu Maxim“ from Franz Lehár’s operetta The Merry Widow,[7], which had recently also been referenced in the ‚invasion‘ theme of Dmitri Shostakovich’s Symphony No. 7 „Leningrad“. The question as to whether Bartók was parodying Lehár, Shostakovich (or both) has been hotly disputed, without any clinching evidence on either side.

Ein anderes Lied vom Vaterland:

O Vaterland du machst bei Tag
Mir schon genügend Müh und Plag!
Die Nacht braucht jeder Diplomat
Doch meistenteils für sich privat!
Um Eins bin ich schon im Büro,
Doch bin ich gleich drauf anderswo,
Weil man den ganzen lieben Tag
Nicht immer im Büro sein mag!
Erstatte ich beim Chef Bericht
So tu ich meistens selber nicht,
Die Sprechstund‘ halt‘ ich niemals ein,
Ein Diplomat muss schweigsam sein!
Die Akten häufen sich bei mir,
Ich finde ’s gibt zu viel Papier;
Ich tauch die Feder selten ein
Und komm doch in die Tint‘ hinein!
Kein Wunder wenn man so viel tut,
Dass man am Abend gerne ruht,
Und sich bei Nacht, was man so nennt,
Erholung nach der Arbeit gönnt!

Da geh ich zu Maxim,
Dort bin ich sehr intim,
Ich duze alle Damen
Ruf sie beim Kosenamen,
Lolo, Dodo, Joujou
Clocio, Margot, Froufrou,
Sie lassen mich vergessen
Das teure Vaterland!
Dann wird champagnisiert,
Und häufig pamponiert, (cancaniert)
Und geht’s ans Kosen, Küssen
Mit allen diesen Süssen;
Lolo, Dodo, Joujou
Clocio, Margot, Froufrou,
Dann kann ich leicht vergessen
Das teure Vaterland!

Über Lehárs Operette und auch über die Verwendung dieses Liedes siehe Wikipedia hier.

hier Da geh‘ ich zu Maxim (im externen Fenster)

Wikipedia über Bartóks Konzert für Orchester: hier

Thomas Hengelbrock spricht über Bartóks „Konzert für Orchester“: ab 0:58

Die Aufnahme des ganzen Werkes HIER (im externen Fenster)
Einzelsätze:
1. Satz: Introduzione, Andante non troppo. 00:0010:12
2. Satz: Giuco* delle coppie, Allegretto scherzando. 10:1316:35
3. Satz: Elegia/Klagelied. 16:3624:04
                                                                        
4. Satz: Intermezzo interrotto, Allegretto. 24:0628:17
5. Satz: Finale, Pesante. 28:19
Es ging in diesem Beitrag um den Nachweis der beiden, im 4. Satz des Werkes zitierten

Melodien: dort bei 25:04 („Ungarn“) und bei 26:05 („Maxim“). Man dürfte dabei nicht lächeln. (Die auch von Schostakowitsch in der „Leningrader Sinfonie“ zitierte Melodie!) Bei 26:54 wieder „Ungarn“, con sordino, wie aus der Ferne..

*Anm.: muss heißen „Presentando le coppie“ lt. Georg Solti vgl. Wikipedia

Kurz-Kritik

Klassik im Club

Abrufbar bis Oktober hier

Eigenwerbung Info hier

Unter der Rubrik „Klassik“: indiskutabel

Kategorie: Klub-Kitsch

Mein Prädikat: Für Kinder und Jugendliche nicht geeignet

Für die Zukunft: so ähnlich, aber GANZ anders. Große Klassik, auch indische und arabische, auch wirklich Zeitgenössisches!

Verfremdete Vogelstimmen

Dialekte der Weißkehlammer

Ich glaube, das hat es noch nie gegeben: eine Vogelstimme auf der Titelseite einer der großen Tageszeitungen, der Süddeutschen, gleich unter dem Schlagzeilen-Artikel: Wirecard soll seit 2014 betrogen haben. Die Autorin ist mir längst bekannt, ich beachte ihre Meldungen auch in versteckteren Regionen des Blattes, Katrin Blawat. Kürzlich zum Beispiel ein spannender Artikel über die verblüffende Beobachtungsgabe der Wespen (hier). Und nun dieser Sprung unter den Wirecard-Skandal!

In diesem Fall war mir der Vogel unbekannt, aber von regionalen Dialekten der Buchfinken hatte ich schon früh gehört, und seitdem beachte ich z.B. immer die unterschiedliche Ausprägung des Abschlusstrillerschlags, sei es hier im Bergischen Land oder in den Südtiroler Bergen, etwa im Kiefernwald beim Rinderplatz, oberhalb von Villanders (auf dem Weg zur Marzuner Schupfe), unvergesslich kraftvoll. So ähnlich habe ich mir das hier auch vorgestellt: „In den 1960er Jahren bestand das Finale des Weißkehlammer-Gesangs noch in ganz Kanada aus einem Triplett, also einer Einheit aus drei Noten.“ Das weckt die trügerische Hoffnung, dass es vor diesem Triplett noch etwas Bemerkenswertes zu hören gab, etwa wie beim Buchfinken: der eigentliche „Schlag“, ein Anlauf in Gestalt mehrerer gehämmerter Töne. Vergleichbar auch dessen bloßer „Regenruf“, der aber auch Dialektfärbungen kennt:

 

Nun ist es gar nicht so schwer, im Internet auch entlegene Vogelstimmen aufzufinden, ich habe also etwas anzubieten. Zunächst die obige Quelle, Dialekte betreffend. Ich habe schon einmal daraus zitiert, damals kam ich vom Gibbongesang auf Meisenrufe, und auch dort gab ein SZ-Artikel den ersten Anstoß (hier).

Um es kurz zu machen: der Gesang der Weißkehlammer besteht offenbar nur aus dem „Finale“, aus 3 gezogenen, unterschiedlich langen Tönen in absteigender Folge, der Ruf aber aus zahlreichen 1-tönigen Einzelimpulsen. Visualisiert folgendermaßen:

Quelle: avi-fauna.info hier / dort finden Sie auch einen Steckbrief, und: Sie können die beiden Beispiele anklicken und hören.

Und unterdessen wird unser Ohr „scharf“ gemacht auf winzigste Veränderungen. Das Wunder des Vogelgesangs findet sich nicht nur in der ausschweifenden Phantasie des Drosselgesangs, nicht nur in der Monomanie des Zilpzalp-Syllabierens, sondern erst recht in den winzigen Abwandlungen, die dann monomanisch beibehalten werden. Ich nenne es biologische Identitätssetzung. (Und versuche dabei ein bedeutendes Gesicht zu machen.)

Und selbst das Wort von der Monomanie des Zilpzalps relativiert sich, wenn Sie sich das wunderbare Buch von Thielcke genauer anschauen:

 Thielcke a.a.O. Seite 33

Wenn Sie also mit mir Variantenbildung in der Weißkehlammerkehle untersuchen wollen, – bei ebird.org gibt es ebenfalls eine interessante Auswahl, die den Anfang darstellen könnte, sogar mit 4 und mehr Tönen, manche selbst mit kleinen Rhythmen:

 abrufbar hier

(Tipp: vielleicht müssen Sie nach jedem Abhörvorgang hierher zurückkehren, um ein anderes Beispiel anklicken zu können.)

Politexpress

Vorbildliches Gespräch, viel zu schnell

Nein, ich bin kein Fan von Friedrich Merz, aber bin enthusiasmiert, wenn sich Leute lebendig, informiert und geistesgegenwärtig miteinander unterhalten. Ein verbreiteter Fehler der heutigen Jugend: sie spricht zu schnell. Und ich wette, dass es nicht an meinen Lebensjahren liegt, wenn ich sie nicht verstehe. Es ist nicht nur die Geschwindigkeit, sondern die Artikulation. Daher diese Recherche. Was passiert da rhetorisch? Vergleichbar, wenn ich CD-Booklettexte lesen will, und ich muss sie erst kopieren und vergrößern, um sie zu entziffern. Aber da es gibt offenbar kein Kalkül im Hintergrund. Im vorliegenden Fall wäre es zunächst wünschenswert, man könnte die Gespächsanteile der „Klimaaktivistin“ Luisa Neubauer technisch verlangsamen, und wenn die Stimme dabei eine tiefere Färbung annähme, wäre es auch nicht zu ihrem Schaden. Aber mir scheint es taktisch berechnet, den endlosen Strom gleichmäßig (eintönig und irritationsfrei) fließen zu lassen und kleine Holpereien unkorrigiert zu lassen. Es wirkt emotionsfrei und druckreif. Im Druck kommt vielleicht etwas Formelhaftes zum Vorschein. Was ja in Ordnung sein kann, wenn es sozusagen als Zitat am richtigen Platz wirkt.

Mir ist aber schon in der Schule bei klugen Mitschülern etwas Automatenhaftes aufgefallen, etwas emotionsfrei Abrufbares, wie später zum Beispiel bei Adorno. Es ist also nicht abwertend gemeint, wenn ich etwa bei Greta Thunberg an ihn denke, was jedenfalls unpassend ist, sowohl für ihn wie für sie. Man verlässt sich eben gern auf die Kraft der reinen Argumentation, misstraut einer pathetischen Deklamation und jeder Schauspielerei. (Daher die zwiespältige Wirkung der sogenannten „Wutrede“.) Rhetorik hat einen schlechten Ruf, war aber in früheren Zeiten ein wichtiges Schulfach. – Auf einem anderen Blatt steht der Einsatz der Mimik, wobei Merz zweifellos ein interessanteres Studienobjekt wäre als die makellose Neubauer.

  HIER abrufbar

Angefangen beim grünen Anzug, den Merz einmal trug:

 Screenshot JR

28:50 NEUBAUER: Ja, ehrlicherweise … die Titelgeschichte dazu war ja, dass Sie jetzt sich irgendwas mit den Grünen vorstellen können, da muss ich ehrlicherweise sagen – also das will ich Ihnen lieber gar nicht anlasten – aber ein Jahr vor der Bundestagswahl in einer Zeit, wo so viele Sachfragen, Inhaltsfragen im Raum stehen, und Sie, bei allem Respekt, mandatpolitisch gesprochen überhaupt nichts sind, finde ich diese Farbenspielerei politisch fast unachtsam (Lanz: haben Sie denn grad gesagt: Sie, die Sie mandatsmäßig gar nichts sind?) das ist ja de facto, wo wir gerade sind, ehm, und an der Stelle stellt sich natürlich die Frage, (Lanz lacht demonstrativ amüsiert „nicht schlecht!“) dahinter Ökologie und Wirtschaft, wie kann das zusammengehen, ja, und da bin ich …. so ein bisschen … ach ja, ich weiß auch nicht, sagen wir: vielleicht ein bisschen skeptisch, weil, eine Sache, die wir nicht brauchen, noch mehr Politiker, die sagen, sie fänden die Sache mit dem Klima finden wir gut, und denken das aber nicht zuende, und attestieren sich praktisch selbst Klimafreundlichkeit, was nicht funktioniert, wir sprechen von der wissenschaftlichen Herausforderung, oder vor allem einer Herausforderung mit einer wissenschaftlichen ehm Basis, und das heißt, wenn Sie das jetzt ernst meinen, wunderbar, ehm … bisher hat weder die CDU, noch, soweit ich das überblicke, Sie irgendwas vorgelegt, bevor man darauf schließen lassen könnte, dass das Thema bei Ihnen in guten Händen ist, ehm wir sprechen von dem CO2-Budget für Deutschland, von der Wirtschaft ?? glänzen das ist einfach ne große Herausforderung, und das sind gigantische Themen, und da muss man wirklich wirklich fundierte, weitreichende weitblickend und ernstgemeinte, wissenschaftlich fundierte Antworten zu liefern, und das ist viel zu tun.

LANZ: Herr Merz, Sie sind ein Schnelldenker und auch Schnellredner, 1 Minute Zeit, um Luisa Neubauer jetzt davon zu überzeugen, dass Sie der Richtige für Schwarz/Grün sind.

MERZ: Also zunächst mal geht’s mir persönlich auch um diese Themen und gar nicht um irgendwelche taktischen oder andere eh Spiele. ehm Wir müssen einfach die Herausforderung annehmen, und wir tun es ja auch. Wir haben ja auch in der Umweltpolitik viel erreicht (Lanz: … ich lass jetzt nicht locker, Sie müssen schon konkret werden) .. ja, mach ich ja. Wir haben doch den CO2-Ausstoß in den letzten 30 Jahren um 40 Prozent gesenkt, und zwar mit einem marktwirtschaftlichen System. Deutschland hat die Klimaziele bis heute erfüllt, wissend, dass die zweite Hälfte des Marathonlaufs die schwierigere Hälfte ist. (LANZ Jetzt müssen Sie, den zweiten Teil müssen Sie auch dazu sagen! wir haben sie gerade noch erreicht, weil Corona gekommen sit) MERZ: Der zweite Teil (das haben Sie grade noch erreicht, weil Corona gekommen ist) nein nein, zum Jahreswechsel 19/2o hat von Corona noch keiner gesprochen, und da haben wir das über das Europäische Handelssystem Emissionshandelssystem 38 % erreicht, und 40 sollten es sein. Aso, so, und Klimapolitik fängt ja nicht erst heute an, sondern hat vor 30 Jahren angefangen, die CDU hat den ersten Umweltminister gehabt, die CSU den ersten Landesumweltminister, so, das ist also nicht so, als ob die Union … (LANZ: Sie wollen der erste Umweltkanzler werden?) die ham wa schon, wir haben mit Angela Merkel, die ja auch viel gemacht hat in diesem Bereich etc. etc. 31’41

Die Union hat das Thema Klimapolitik nicht erst gestern gesehen. So, jetzt müssen wir das weiterentwickeln, jetzt sage ich mal aus meiner Sicht, es sind zwei Punkte, Frau Neubauer, wir müssen das mit marktwirtschaftlichen Instrumenten machen, nicht indem wir das System in Frage stellen, sondern wir müssen das marktwirtschaftlich machen, und wir müssen natürlich wissenschaftlich natürlich die Klimaforscher ernstnehmen, aber wir müssen auch die Ökonomen ernstnehmen, das sind auch Wissenschaftler, die uns auch Vorschläge machen, wie wir zum Beispiel unsere Volkswirtschaft weiterentwickeln, und das ist eine schwierige Aufgabe, die ist hoch komplex, aber ich glaube, wir trauen uns das in diesem Lande zu. Wir können uns das zutrauen, das Problem zu lösen. LANZ: Sie mit den Grünen. MERZ: Na ja, gut, die Grünen sind ja ohnehin jetzt schon in einigen Landesregierungen dabei, sie werden am Freitag im Bundestag dem Kohleausstiegsgesetz zustimmen. Ja? so also das heißt ja, wir sind ja in der Verantworung mit den Gründen zum Teil schon zusammen. Volker Bouffier, der schwarze Sheriff  regiert seit sechs Jahren erfolgreich mit den Grünen. Also es ist keine Erfindung von Friedirch Merz. 32:41 NEUBAUER: Darf ich da ganz kurz (klar!) Also es ist nett, dass Sie nach gestern blicken und sagen, dass wir da schon Klimaschutz gemacht haben, das zählt heute in dem Sinne nicht mehr, weil die Herausforderungen, das wissen Sie ja selbst, vor uns liegen. Jetzt fragen wir, deutsche Klimaziele, wunderbar, die sind nicht pariskompatibel, wenn Sie also sagen, ich möchte Klimaschutz umsetzen, dann heißt das in erster Instanz: deutsche Klimaziele anheben, damit die pariskompatibel sind, das ist Klimaschutz international, die Abkommen müssen eingehalten werden. Sie wollen das Ganze marktwirtschaftlich regeln, – machen Sie das, aber das bedeutet, der CO2-Preis oder eine CO2-Bepreisung müsste relativ sofort 50, 60, 70 Euro (LANZ: Genau! Ganz kurz dazwischen: wären Sie dazu bereit?) MERZ: Eh, ich habe das Sachverständigengutachten, das Sondergutachten, das dazu gemacht worden ist, mit Interesse und Zustimmung gelesen, ich hätte mir gewünscht, dass in dem Klimapaket, dass sich die Koalition beschlossen hat, etwas weniger Details und kleinklein gemacht worden wäre und etwas stärker auf die CO2-Bepreisung ausgerichtet gewesen – NEUBAUER: – 50 Euro, ja oder nein? MERZ: das ist nie, passense mal auf, morgen sagen Sie dann 60 Euro, ja oder nein?  und übermorgen sagen Sie dann 150 Euro ja oder nein. NEUBAUER: (? alle durcheinander ?) MERZ: … heute ist zu niedrig, um das Ziel zu erreichen. (33:48) O.k., O.K. Wohin soll er denn gehen? MERZ: er muss so gesteuert werden, dass zwei Ziele erreicht werden. Wir müssen eine wirklich nachhaltige Reduktion des CO2-Haushaltes erreichen, und wir müssen gleichzeitig dafür sorgen, dass sich die Familie ein Auto leisten können, den Job behalten und auch noch Lebensmittel kaufen … NEUBAUER: Ne, jetzt verwechseln Sie aber zwei Sachen: das ist ne Gestaltungsfrage, und das ist die Frage: wie wird das verteilt? Die Frage von ehm Gestaltung von Gerechtigkeit kann ja nicht die Ob-Frage „machen wir das überhaupt?“ aushebeln oder auch nur einschränken. Während das CO2?? für Deutschland, das wissen Sie ja sicherlich, 6.7 Gigatonnen das ist gesetzt! Daran muss man sich orientieren, das ist der Ma… Rahmen, in dem wir handeln können. Sie wollen Ihre (M: unsere!) marktwirtschaftliche Ordnung nicht gestört wissen, das ist okay, gibt es bisher keine marktwirtschaftliche Ordnung, die innerhalb der planetaren Grenzen funktionieren kann, sie ist darauf angelegt, auf einem endlichen Planeten immer zunehmend Ausbeutung bei Ökosystemen, Menschen und Tieren zu betreiben, da muss man ganz schön tief eingreifen, systemisch eingreifen, um das zu adjustieren, dass das überhaupt nur tragfähig sein kann. Und wenn wir von der Preisfrage sprechen, wunderbar, es stimmt, es ist wirklich teuer, Wirtschaften zu dekarbonisieren, das muss ja aber kommen, es ist wirklich teuer, große Transformationen anzustoßen, es ist wirklich teuer, Klimaschutz zu leisten und in dem Maß umzusetzen in der Tragweite umzusetzen, wie wir das brauchen. Was wir uns aber nicht leisten können, ist in die großen, planetaren, globalen Klimakrisen, ökologischen Krisen, ??? Krisen, Gerechtigkeitskrisen reinzurasen. Und das ist auch für eine Ökonomie unbezahlbar, ich spreche auch mit Blick auf Davos, da war ich im Januar, ein Wirtschaftsforum, das sich mit dem Klima beschäftigt hat, aus ?? Perspektive heraus, Wirtschaften, die ungestört, ungehindert in planetare Katastrophen hineinrasen, sind nicht mehr zu retten, auch finanziell nicht. Das heißt, das Günstigste, was man jetzt machen kann, ist radikaler Klimaschutz, und zwar tiefgreifend. (35:45)

MERZ: Ja, kein Widerspruch dazu, vielleicht ein Aspekt, Frau Neubauer, das können wir natürlich in Deutschland machen, nur wir machen 2 % der Emissionen auf dieser Welt aus, 98 % sind nicht in Deutschland, wir müssen auch n bisschen ein Auge drauf haben, wie das in Amerika läuft, was mich sehr beschwert, sie Amerikaner haben dafür kein Gefühl, kein wirklich gutes jedenfalls, was in Russland passiert, was in China passiert, was leider auch in Australien passiert, also die Kohleverbrennung auf dieser Welt nimmt ja zu, wir steigen aus, in dem Rest der Welt nimmt sie drastisch zu, (LANZ; aber was folgt daraus?) was folgt daraus, wie können wir alternative Energien so entwickeln, ich geh noch einen Schritt weiter, da werden Sie wahrscheinlich nicht einverstanden sein, ich glaube, dass wir irgendwann mal die Frage ernsthaft diskutieren müssen, wie wir den CO2 aus der Luft wieder rauskriegen, nur mit Vermeidung alleine wird’s wahrscheinlich nicht gehen. Wir müssen das Zeug irgendwo zurückgewinnen, abscheiden, möglicherweise sogar eh eh eh längerfristig lagern, vielleicht wiederverwenden, also das ganze Thema ist technologisch überhaupt noch nicht ausgereift, und Sie werden es nur hinbekommen, wenn Sie den Menschen einen Anreiz geben, sich so klimafreundlich wie möglich zu verhalten und wenn sie gleichzeitig mit modernsten Technologie (LANZ: aber wie macht man das?) Na ja, also zum Beispiel über einen CO2-Preis, ich bin ja nicht dagegen (LANZ: Genau, aber ich würd Sie gern jetzt noch einmal festnageln) ich nenne Ihnen hier jetzt keinen Preis, weil ich meine, der Preis kann nächstes Jahr schon wieder 10 Euro (LANZ: heute!) nein, also heute wäre ein Preis von 50 Tonnen eh Euro pro Tonne sicherlich ein besserer Preis um die Wirkungen…, der Sachverständigenrat hat das ja auch so vorgeschlagen. Ich hab mit dem Vorsitzenden darüber eine lange Diskussion gehabt, warum habt ihr das so gemacht? Die haben das sehr genau ausgerechnet, ich glaube, dass das in die richtige Richtung geht, und der Sachverständigenrat war ja auch etwas enttäuscht darüber, dass die Vorschläge von der Bundesregierung nicht alle übernommen worden sind…

NEUBAUER: Vielleicht kann man das Ganze wissenschaftlich noch ein bisschen einordnen, weil dass Klimaschutz international noch ein bisschen eingeordnet werden muss, keine Frage. Deutschland ist in Europa der größte Emittent, sieben der 10 größten CO2-Quellen in Europa sind deutsche Kohlekraftwerke. Wenn wir also zum Beispiel – Sie haben vorhin die Relevanz von Europa angesprochen – sagen, die Liste von Kontinenten, die jetzt vorlegen können, was Klimaschutz betrifft, ist relativ kurz. Wenn Deutschland nicht in die Gänge kommt, können wir uns das für Europa knicken. Das heißt, an der Frage ist Deutschland richtig gefragt. Dann muss das europäisch koordiniert werden, das ist genau richtig, heißt aber nicht, dass …(LANZ: auch was Trassen angeht…) genau! aber das heißt nicht, dass wir ? In Brüssel irgendwie unsere Emissionen reduzieren werden, sondern dass wir dafür sorgen müssen, dass das, was wir in Deutschland machen, tiefgreifend und erfolgreich genug ist und gleichzeitig europäisch koordiniert, und erst dann könnte das eine Vorbildfunktion sein für den Rest der Welt, welchem Land der Welt möchten wir denn bitteschön sagen, dass wir das Klimaschutz möchten, wenn eins der reichsten Länder, Deutschland, es nicht kann. Und wir müssen uns mal dem bewusst werden, in Deutschland werden Klimaziele, Pariser Klimaziele, nicht erreicht, weil man es nicht möchte! Wir wissen, wir können nach Corona Krisen ernst nehmen, man kann auch die Wissenschaft ernst nehmen, aber es wird ja aktiv blockiert, am Freitag soll im Bundestag ein besagtes ? Bundesgesetz verabschiedet werden, das ist ein Kohlegesetz, das im Endeffekt zementiert, dass wir Paris nicht mal mehr einhalten wollen, bevor wir es überhaupt versuchen. Und Stichwort CCS-Technologie – Sie kennen ja die Berichte – da ist natürlich eingerechnet, dass das notwendig ist, aber es ist auch wieder nur eine Sache, die zusätzlich passieren muss zu dem radikalen Klimaschutz, der effektiven Reduktion, zu Instrumenten, die marktwirtschaftlich funktionieren, die aber natürlich begleitet werden müssen, von dem Ende vom Verbrenner, von dem Kohlekraftwerk, das wissen wir ja alles.

LANZ: Okay, verstanden! Frau Röser einmal an dem Punkt. Beton – Zement? Sehr energieintensiv. (39:19) Etc. etc. [weiter ab 41:15]

(Fortsetzung folgt)

Mond und Spiegel

Es ist nie zu spät

Ich wusste, bzw. ich erinnerte mich, dass ich einmal davon gehört oder gelesen hatte, wie auch immer diese späten Einsichten oder Anstöße zu Recherchen, die Dinge zutage fördern, die man längst wusste (oder nicht ganz verstanden hatte und als Revenants den Schlaf oder die Ruhe rauben). So geschehen am 2. Juni, wiedergekehrt, als ich das Phänomen meinem Enkel zeigen wollte, der für die Wand seines Zimmers einen riesigen Mond hinter knorrigem Eichengeäst gemalt hatte. Meine Handyfotos dagegen sind keine Kunstwerke, beim zweiten habe ich den Mond einfach künstlich herangezoomt.

 22:01 h

 22:17 h

Auch im Facebook hatte ich das vorgezeigt, für solche Fotos kommen viele Likes, wie sonst nur bei Tieren oder Babys oder gar Tierbabys. Es wird überdies etwas Mitleid im Spiel sein, weil ich nichts Besseres zustandebekomme.

Jetzt weiß ich endlich, wo man des Rätsels Lösung findet, – es gibt noch keine. Jedenfalls keine abgesicherte. Wikipedia Stichwort MOND, was sonst? Ich hätte es auch am 2. Juni auf dem Balkon mit W-Lan-Hilfe gründlich suchen können, wenn das magische Auge des Mondes mich nicht gehindert und beim bloßen Gedanken daran beschämt hätte:  man kennt es als „Mondtäuschung“, Wikipedia Hier .

Aber damit nicht genug, jetzt müsste ich den wertvollen Stoff erarbeiten, repetierbar machen, dem Enkel per Whatsapp übermitteln. Schon taucht eine Schimäre am Horizont auf, sollte hinter der Sache mit dem Spiegel vielleicht auch eine solche Täuschung stecken? Jedenfalls bei Überbewertung? Etwa auch bei….? Ich denke an Coccias erkenntnisträchtige Behandlung der Parallelwelt in den Bildern, die wir fälschlich als Schein behandeln. Siehe hier.

 Quelle siehe hier

Und siehe dort (Thema SPIEGEL) insbesondere auch unter Symbolik und Aberglaube. Mit diesem Hinweis will ich nichts gesagt haben, nur mögliche Irrwege ausgeschaltet haben. Immerhin habe ich mir ein Buch, an das ich mich erinnerte, ohne es wiederzufinden, neu bestellt: Forschergeist in Windeln / Wie ihr Kind die Welt begreift. Auch dazu gibt es ein Wiki-Stichwort, natürlich: Spiegelstadium – hier.

Radikale Musik zu Corona

Zwei Viertelstunden Leben

Es ist vielleicht keine schlechte Idee, sich in dieser außergewöhnlichen und latent (oder offen) beunruhigenden Zeit, während sich die meisten notgedrungen (oder in selbstbefreiender Absicht) in Richtung Urlaub bewegen, zu einer Konzentration aller Kräfte motivieren zu lassen. Woraus sich nicht unbedingt ein Erfolgserlebnis ergibt, im Gegenteil, man kann leicht Schiffbruch erleiden, wenn man fremde Höchstbegabungen bei Gipfelleistungen erlebt. Also: Bescheidenheit ist angesagt.

Hier Carolin Widman im WDR-Gespräch / Leider ist die Musik, um die sich das Gespräch dreht, nicht zu hören, immerhin habe ich mir große Mühe gegeben sie zu finden – ohne Erfolg. Vielleicht ein andermal: Gloria Coates Sonata No. 2 for Violin Solo (2020). Bei dieser Gelegenheit kam es für mich zur späten Entdeckung der atemberaubenden Aufnahme eines Solostücks, das Luciano Berio 1976 geschrieben hat, die Sequenza VIII, und ich möchte diesem Werk die nächste Viertelstunde widmen. Die Interpretin schrieb dazu:

„Die Sequenza VIII für Violine solo von Luciano Berio ist eines meiner Lieblingswerke, seitdem ich sie 2004 anläßlich einer DVD-Produktion in Paris kennenlernen durfte. Ich spiele sie, so oft sich die Gelegenheit dazu bietet.

Sie kreist ewig um den Ton a, sie stellt sich dem Konflikt mit dem Nachbarton h mutig, modifiziert, variiert, sequenziert, spinnt volle 10 große UE-Seiten lang durch alle Seinszustände, bis sie wieder auf dem 10 Sekunden langen Doppelgriff a–h endet: 10 Sekunden a–h, die die Ewigkeit sind.

Aber da haben die Dissonanz und der Widerstand schon längst ihren Schrecken verloren, und a–h klingt sogar nach Auf- und Erlösung. Das zunächst unlösbare Grundproblem wurde also im Laufe von 10 Minuten Spiel- und Lebenszeit zur Auflösung desselben. Große Kunst.“

Carolin Widmann (Quelle: hier) Folgendes Video ©2005

Dasselbe Video im externen Fenster HIER.

Die NMZ hat kürzlich in ihrem Newsletter dankenswerterweise ein Interview zugänglich gemacht, in dem die wunderbare Künstlerin sich zu den Schwierigkeiten der Corona-Zeit äußert, und das oben erwähnte WDR-Konzert (Redakteur: Harry Vogt) spielt da für sie eine maßgebende Rolle. Zugleich wird erschreckend klar, dass die Kunst in Corona-Zeiten eben nicht nur von der Begeisterung der Menschen lebt: man könnte von Hoffnung reden, aber „das Zauberwort“ – so schließt der Beitrag – „heißt: Geld.“ Hören Sie Carolin Widmann HIER .

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Kleine Kombinationsaufgabe: Wo liegt der genaue Anfang des Stückes Sequenza VIII ? Wenn jemand Ihnen gesagt hätte: jedenfalls nicht dort, wo das Video beginnt, hätten Sie zugestimmt?

Eine Hilfe: Hören Sie aus heuristischen Gründen eine zweite Aufnahme, deren Faszinosum heute – „in Corona-Zeiten“ – auch darin besteht, dass sie in einer echten Publikumskonzertsituation stattfindet. Jennifer Koh.  Performed live Thursday, March 12, 2015 at Heritage Hall | Vancouver, BC Kanada.

Dasselbe Video im externen Fenster HIER .  (Das Stück beginnt bei 0:49 / Carolin Widmann beginnt das reale Stück in ihrem Video bei 1:59, ab 8:39 erlebt man also zum zweitenmal, was ganz am Anfang schon unter dem Vorspann zu hören war. Ein fabelhafter Vorspann, und die Bedeutung des Wiedererkennens ist nicht zu unterschätzen. Man vergisst es nie. Wo steckt es bei Jennifer Koh?)

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Heute kam Post, deren Absender eigentlich immer nur Gutes zu vermelden hat. Ein fleißiger Kölner Konzertveranstalter. So auch jetzt, obwohl er gerade – wie viele Kollegen – mit der Stornierung von Konzerten beschäftigt ist. Paradoxerweise bietet er uns nun in diesem so schwierig gewordenen Beethoven-Jubiläumsjahr keine Trostpreise und Sahnebonbons an, sondern einen besonders schwierigen Brocken.

KONZERTBÜRO ANDREAS BRAUN

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Freunde des Asasello-Quartetts,

das Asasello-Quartett, das als „Quartet in residence“ der Hochschule für Musik und Tanz Köln am Mittwoch, 17. Juni 2020 das Eröffnungskonzert seiner  Meisterklasse hätte geben sollen, die Corona-bedingt nach 2021 verschoben wurde, hat stattdessen unter Einhaltung aller Abstands- und Hygieneregeln eine beeindruckende Video-Produktion von Ludwig van Beethovens Großer Fuge B-dur op. 133 eingespielt, die Sie meiner Meinung nach keinesfalls verpassen dürfen.

Ich bin sicher: Sie werden es nicht bereuen, sich eine Viertelstunde Zeit genommen zu haben!

Mit besten Grüßen

Ihr

Andreas Braun

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HIER finden Sie das gleich unten ebenfalls abrufbare Video im externen Fenster. Sie können, während es läuft, zurückkehren und weiterlesen, aber das ist nicht der Sinn der Sache, und es ist ohnehin unmöglich, bei der Großen Fuge irgendetwas zu lesen. Sie stört!!! Nur wenn Sie Noten lesen können, haben Sie einen Ausweg: Sie können sich auf das bloße Tonmaterial konzentrieren, mit dem uns das Quartett eine Viertelstunde lang beschäftigt. Wer will, kann dann abbrechen und beginnen, sich gedanklich mit dem Thema „Musik und Gewalt“ auseinanderzusetzen. Oder meinen Sie, das sei unpassend „in Coronazeiten“?

Für manche durchaus musikalische Menschen hat das Werk heute noch eine eher abschreckende Wirkung, der Wiener Rezensent von damals wurde berühmt für die Worte, es sei ihm so unverständlich „wie Chinesisch“. Und ich lese heute den einstweilen wohl letzten Stand, der jede Wertung vermeidet:

Das kolossale Stück ist in charakterlich völlig heterogene Abschnitte gegliedert, in denen man einerseits funktional Glieder eines formalen Organismus (mit expositions-, durchführungs- und reprisenartigen Zügen) oder sogar eine zyklische Satzfolge innerhalb des Satzes (Kopfsatz, langsamer Satz, Scherzo, Finale) sehen kann, aber auch die Errungenschaften einer weiter intensivierten Auseinandersetzung mit der Technik der Variation zu würdigen hat.

Quelle Hans-Joachim Hinrichsen: Beethoven Musik für eine neue Zeit / Bärenreiter Metzler Kassel und Berlin 2020 (Seite 307)

… zu würdigen hat, jawohl! Also halten wir uns daran!

     

Kein Zweifel: Man darf das Unternehmen, eine solche Fuge mit Verstand anzuhören, keinesfalls gering einschätzen. Es ist eine Riesenaufgabe! Insofern liebe ich die Analogie, die Oskar Kokoschka zwischen Beethovens Großer Fuge und Altdorfers Alexanderschlacht herstellt. Niemand käme auf die Idee, dieses gewaltige Gemälde anzuschauen und zu erwarten, dass es ihn im Detail erfreut wie eine Schäferszene von Watteau. Und auch eine Aufzählung aller Einzelteile vermittelt keinen blassen Schimmer von der wilden Zumutung, die das Ganze darstellt (die roten Zeitangaben beziehen sich auf die obige Aufnahme):

I Takt 1-30 Overtura 0’00-1’03 das schiere Material / es ist wichtig, das als letztes hingetupfte Thema dann auch weiterhin zu erfassen, also in der Fuge zu verfolgen, und nicht nur den heftigen Kontrapunkt zu beobachten. (Diesen nenne ich intern „Hauen und Stechen“, das Thema dagegen „Erbarm dich mein“, – das Ergebnis muss einem wirklich am Herzen liegen: es geht ums Überleben.)

II Takt 30-158 B-Dur-Fuge 1’03-4’41 Vier Durchführungen (die 2. beginnt bei 1’50, die 3. gleich nach 3:14, die 4. bei 4’03)

III Takt 159-232 Ges-Dur-Fugato 4’41-7’26 meno mosso

IV Takt 233-272 „Alla marcia“-Episode 7’27-7’54 Scherzo? Einleitung zur Fuge

V Takt 272-413 As-Dur-Fuge 7’54-9’37 Zerlegung in Fragmente

VI Takt 414-492 Reprisenelemente der B-Dur-Fuge 9’37-10’40

VII Takt 493-510 Reprisenelemente des Ges-Dur-Fugatos 10’40-11’17

VIII Takt 511-532 Überleitung: Rückkehr nach B-Dur 11’18-11’45 Auflösungsfeld

IX Takt 533-564 Reprise der „Alla marcia“-Episode 11’46-12’08

X Takt 565-741 Satzcoda 12’08-15’20 (darin Zitat Overtura rückwärts = Epilog)

(Schema nach Gerd Indorf: „Beethovens Streichquartette“ Verlag Rombach 2007 Seite 433 und 435, ergänzt durch Hinweise in meiner Partitur, die auf eine Radio-Analyse mit Robert Levin & LaSalle in den 80er Jahren zurückgehen)

Der Ausdruck „Alla marcia“ bezieht sich auf Erinnerung an op.132, 4. Satz s. Indorf S.399, dort: „… der Sprung ‚zurück‘ in die schlichte, selbstgenügsame ‚Volkstümlichkeit‘.“

(Dieser Blogbeitrag wurde bis heute – 30. Juni 2020 – erst 11 Mal angesehen. Und das ist gut so, denn wir haben Ferien wie noch nie, und diese Coronazeit, ganz niederdrücken soll sie uns uns gewiss nicht, – so ähnlich schrieb schon Beethoven, allerdings über das Schicksal, dem er in den Rachen greifen wollte. Ich nehme mal diese Große Fuge als Rachen oder Drachen. Ich werde ihn mindestens 11 Mal besuchen, in tiefster Verehrung, aber für das Zählwerk gelten nur externe Besucher.)

*     *     *

Ich kann nicht verhehlen, wie wenig eine mehr oder weniger numerische Analyse mir im Fall Beethovens vermittelt, weder an Inhalt noch an Bedeutung, und doch lässt es sich wohl nicht vermeiden, um auf diese Weise eine erste Übersicht zu gewinnen. In diesem Fall greife ich nach langer Zeit einmal wieder auf eine historische Arbeit über Beethoven zurück, die etwas Wesentliches leistete, so oft ich sie zu Rate zog: nämlich den Durchblick und die Begeisterung zugleich zu steigern (was natürlich kausal miteinander verbunden ist). Es ist das Buch von Walter Riezler aus dem Jahre 1934. Ich beginne mit den Sätzen über Variation, danach folgen die beiden letzten Seiten des Buches, die ich als Faksimile wiedergeben möchte.

Bekanntlich hat Beethoven in seinen großen Spätwerken häufiger als früher die Form der Variation angewendet, vor allem für langsame Sätze: Neunte Sinfonie, Klaviersonaten op. 109 und 111, Streichquartette op. 127, 131, 132, 135. Nicht etwa die Freude am kombinatorischen Spiel der Fantasie trieb ihn dazu, eher das Bedürfnis nach einer gewissen Entspannung, für die gerade diese Form besondere Möglichkeiten bietet. Hier steht nicht das eine gegen das andere, sondern eines ist dem anderen nebengeordnet, Länge und Gliederung des Themas bestimmen in hohem Grade alles Kommende. Die Form ist an sich flächenhafter als irgendeine andere bei Beethoven – aber das Wunderbare ist, wie er diese Flächen nach der Tiefe zu durchleuchtet, wie er auch hier den ganzen Reichtum der Gegensätze und Vieldeutigkeiten entfaltet. Am großartigsten ist dies in op. 127 und 121, während er in op. 111 und 132 in einer immer intensiveren, immer durchseelteren Figuration sein Genüge findet. (In op. 132 legt ⇓

  

Bemerkenswert auch die Assoziation: „ein ekstatisches Stampfen wie in gewissen orgiastischen Tänzen der Naturvölker“… (S. 260 unten)

Selbst bei Riezler, der insgesamt zu einer heroischen Auffassung neigt, fehlt nicht diese Beschwörung des Fremden, eher ethnologisch auflösbaren Anteils des letzten Beethoven. Eine sehr komplexe Analyse wie die von Klaus Kropfinger nimmt unvermerkt  eine so undurchsichtige Gestalt an, dass dem gutwilligen Leser jede vereinfachende Übersicht wie ein Verrat erscheint. Das Rätselhafte beginnt bei Beethovens Vorstellung vom „Ganzen“ (Seite 300) und seinem verbal skizzierten Vorsatz: „letzes Quartett mit einer ernsthaften und schwergängigen Einleitung“. (Seite 301)

Quelle Beethoven Interpretationen seiner Werke. Herausgegeben von Albrecht Riethmüller, Carl Dahlhaus, Alexander L. Ringer. Wissenschaftliche Buchgesellschaft (Laaber 1994 bzw. 1996) Band II (ab Seite 312 im Zusammenhang des ganzen Quartetts, ab Seite 338 als separate „Große Fuge“).

Des weiteren zu empfehlen der Wikipedia-Artikel über die Große Fuge (HIER), nicht zu vergessen die Wirkung in Beethovens Zeit: das Wort „Chinesisch“ steht ja nicht allein, – „wenn die Spieler, gegen sich selbst misstrauisch, wohl auch nicht ganz rein greifen, freylich, dann ist die babylonische Verwirrung fertig; dann giebt es ein Concert, woran sich allenfalls die Marokkaner ergötzen können, denen bey ihrer hiesigen Anwesenheit in der italienischen Oper nichts wohlgefiel, als das Accordiren der Instrumente in leeren Quinten, und das gemeinsame Präludiren aus allen Tonarten zugleich.“ [Allgemeine Musikalische Zeitung 1826.]

Zuletzt ein beliebtes und von überzeugten Abendländern gern wiedergegebenes Narrativ, das auch auf eine javanische Delegation bezogen auftaucht. (Ihr gefiel das allererste Stück des Sinfoniekonzerts am besten von allen: westliche Konzertbesucher nennen es Einstimmen.) Die Ganzheit der Menschheit im Blick? Eine ethnologische Betrachtung fremdartigster Phänomene an den Grenzgängen Beethovens ist gar nicht so absurd, wenn sie auch immer wieder gern ins Witzig-Absurde transponiert wird. Hier liegt noch ein Ausschnitt aus der Süddeutschen auf dem Schreibtisch, von mir extra kunstvoll drapiert:

Zitate zu afrikanischer Musikauffassung  Eine Übung des planlosen Assoziierens

Was ist ein Ganzes?

In westlichen Musikkulturen wird beim Erlernen von Musik gezählt und metrisiert, eine Praxis, die in den Lernprozessen afrikanischer Musik unbekannt ist. Hier gilt das pattern als Ganzes, determiniert durch seinen Anfangspunkt, seinen Einsatzpunkt, seine Länge und Innenstruktur, ausgedrückt in Nennwerten, seine Relation zu anderen patterns, zur gleichförmigen, rasenden Pulsation der Nennwerte und manchmal zu einem Beat.

Was ist Emotion?

Nach den bisherigen Untersuchungen scheinen die meisten afrikanischen Musikarten emotional neutral zu sein.

Wir wirkt Musik?

Während in der abendländischen Musik die Bewegungen des sein Instrument spielenden Musikers vornehmlich im Hinblick auf das zu erwartende Ergebnis sinnvoll sind, werden in der afrikanischen Musik die Bewegungsmuster selbst als sinnvoll wahrgenommen. Sie sind in sich eine Quelle des Vergnügens, ob dabei Klang entsteht oder nicht.

Wie hört ein afrikanischer Rezensent europäische Kammermusik?

„Vor wenigen Tagen gab es in Lomé ein besonderes Ereignis. Fünf Musiker waren aus Deutschland gekommen, um uns ihre Kunst vorzuführen. Die Insttrumente, die sie spielten, sind hierzulande unbekannt. Es waren auch nicht gewöhnliche Musiker, sondern durchaus ehrenwerte und würdige Herren. Obwohl sie nicht mehr die jüngsten waren, gingen ihre Finger flink und exakt wie Maschinen. Es war eine Wonne zu sehen, welche Freunde sie selbst an den hervorgebrachten Tönen hatten. Jedermann weiß, daß bei den Deutschen von Faulheit keine Rede sein kann: Flöten und Hörner wurden geblasen für eine Stunde und vierzig Minuten.“

Quelle Gerhard Kubik: Verstehen in afrikanischen Musikkulturen / in: Musik in Afrika herausgegeben von Artur Simon / 1983 Staatliche Museen Preußischer Kulturbesitz, Berlin Museum für Völkerkunde / Zitate: Seite 323 und 340