Schlagwort-Archive: Dirk Steffens

Überleben (ohne Erdkruste)

Ist wirklich Rettung in Sicht?

Dirk Steffens setzt auf Abbau der industriellen Nahrungserzeugung, Optimismus sei angesagt…

Der Wald und – – – der Erdboden

https://plus.rtl.de/video-tv/serien/die-grosse-geo-story-899018/staffel-1-899019/episode-1-die-grosse-geo-story-wie-wir-die-welt-gesund-essen-899020 HIER

Ab 6:10 AMAZONAS, über Regenwald, Indigenen Landbesitz oder Landbesetzung durch Konzerne, Soja-Produktion, Kapital gegen Urbevölkerung,  – die Bedeutung der Erdkruste wo?

ab 26:50 !

Tageblatt über Buch „Eat it

Wissen Sie etwas über die Rauchschwalbe? (betr. Eva von Redecker) Oder über den Mauersegler? (betr. mich) Mir ist das Thema wichtig seit meiner Kindheit, die Schwalben auf der Lohe bei Bad Oeynhausen, später in Ftan, dem Dorf in Graubünden (ich notierte etwas über die Freude der jungen Schwalben, die auf den schrägen Blechdächern ihre Flugübungen begannen), die Mauersegler der 50er Jahre in Scharen am Himmel über der Bielefelder Pauluskirche, später auch in Solingen (2023 erstmalig nur noch vereinzelt). Leseprobe:

Leseprobe zum Leitmotiv der Schwalben

Quelle: Eva von Redecker: Bleibefreiheit / S.Fischer Verlag Frankfurt am Main 2023

Zu meinem Leitmotiv der Mauersegler 1989, der Schwalben 1982 Urlaub in Ftan

Während es in der westlichen Welt zumeist um Bewegungsfreiheit geht, die wir definiert haben wollen, thematisiert dieses Buch als erstes die „Bleibefreiheit“, die also nicht auf eine räumliche Veränderung zielt, sondern auf eine zeitliche. Ich bin an demselben Ort wie vorher, aber es weht eine andere Luft. Eva von Redecker greift zunächst zurück auf den Begriff „Solastalgie“, das mir 2019 zuerst im Zusammenhang mit Bruno Latours Heimatbegriff begegnete (hier).  Und nun stellen wir fest, mit einem Wort, das wir auch noch nicht kannten, also bei dieser Suche nach Bleibefreiheit: „Die Moderne hat uns schließlich keinen Trost versprochen, sondern Freiheit.“ Aber: „Hängt unsere Freiheit nicht vom Fortbestand der lebendigen Welt ab? Besteht sie nicht geradezu darin?“ (Seite 21) Bald darauf sind wir – wieder einmal bei Sokrates – wie schon kürzlich in Erinnerung an Oberstudienrat Dempe hier – nein, vor allem bei der dort ganz übersehenen Frau des weisen Mannes: „Wir können den Schmerz, den Xanthippe artikuliert, als Wunsch nach Bleibefreiheit deuten: der Wunsch danach, dass Sokrates noch ein wenig unter seinen Freunden weilen dürfe.“ (Seite 32 f) Und dann geht es mit einer herrlichen Formulierung auf das Problem der STERBLICHKEIT: „Stattdessen macht der overkill an Bleibefreiheit, den Platons Sokrates-Avatar einführt, auf einen Schlag die ganze Welt unwesentlich. Was zählt, ist die Seele und ihr ewiges Leben. Anders als später im Christentum ist die Welt als antiker Kosmos hier noch unendlich gedacht. Auch nicht, wie die meisten Griechen argumentiert hätten, die Polis als politische Gemeinschaft. Was allein zählt, ist die eigene Seele als Vehikel zur Todesumschiffung. Den anderen Ort, zu dem sie Zugang verschaffen soll, nennt Sokrates die »wahre Erde«. “ (Seite 33) Leider kommt dann ein großes Kapitel, das mir vorläufig unzugänglich bleibt, angefangen mit Simone de Beauvoir, fortschreitend zu italienischen Feministinnen um Luisa Muraro und „Die symbolische Ordnung der Mutter“ – die ich mir gerade eingedenk der eigenen Eltern noch nicht erschließen konnte. Um so bedauerlicher, wenn sie in einem weiteren, faszinierenden Ansatz den Blick auf das Alter der Welt und die Endlichkeit des Menschen richtet, selbst die Idee der „Selbstwiedergeburt“ plausibel macht. Zugleich passieren auf Seite 144 die ersten Fehler („Planten“ und „der Cartesianische Zweifel“ … „würde Muraro als Abwesenheit einer solchen Weltwahrnehmung einstufen.“ )

Unvergesslich die – nicht einmal ganz neuen – Gedanken zur „Theorie des Bodens“: die Pflanzen brauchen mehr als Luft und Licht. Dass sie leben, ist den Effekten der Biologie des Bodens zu verdanken. „Der Boden lebt.“ Man lese das Kapitel „Aus Gezeiten gemacht“ Seite 124 ff

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Dieses Video https://www.youtube.com/watch?v=VbQYy5mV1CE verweist auf folgende Sendung:

https://www.zdf.de/wissen/leschs-kosmos/die-erde-die-unsere-welt-rettet-landwirtschaft-neu-denken-102.html HIER

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https://www.youtube.com/watch?v=ZkBzbYuKZhE HIER Wo sind die Vögel?

ARTE-TEXT:

Vögel sind Nachfahren der Dinosaurier und älter als die Menschheit, doch überall verschwinden sie. Allein in Deutschland ist die Zahl der Feld- und Wiesenvögel in 30 Jahren um mehr als die Hälfte gesunken, in Frankreich mehr als ein Drittel. Die britische Vogel-Bloggerin Mya-Rose Craig hat sich auf eine Spurensuche nach den Ursachen gemacht und dabei Wissenschaftler, Landwirte und den US-Bestsellerautoren und Vogelbeobachter Jonathan Franzen getroffen. An der Universität von Exeter haben Wissenschaftler einen europaweiten Rückgang der Vögel seit 1980 um 421 Millionen Tiere festgestellt. Statt vier Vögeln pro Einwohner gibt es heute nur noch drei oder weniger. Ein Besuch bei der französischen Vogelkoryphäe Frédéric Jiguet zeigt: Es sind vor allem die Feld- und Wiesenvögel, die verschwinden. Diese Vogelgruppe lebt dort, wo früher Kühe auf Weiden standen und Bauern auf Äckern Korn anbauten. Es gab genug Kräuter und Insekten, von denen Vögel sich ernähren konnten. Heute sind Landwirte oft gezwungen, industriell zu wirtschaften und mit Pestiziden und Herbiziden zu arbeiten. Die Untersuchungen der Wissenschaftler machen deutlich, welche dramatischen Folgen, diese Art der Landwirtschaft hat. Der Filmemacher Heiko De Groot vermittelt in seiner Dokumentation eindrücklich, wie die intensivierte Landwirtschaft das Vogelsterben verursacht und welche Bedeutung Vögel für das Überleben der Menschen haben. Dokumentation von Heiko De Groot (D 2019, 53 Min)

Das Leben und der Faktor ZEIT

Quelle: SZ-Magazin 20. Oktober 2023 „Irgendwo da oben“ – „und ganz weit da unten

»Alles was ich für meine Arbeit wissen muss, finde ich im Licht der Sterne«

»Ich sehe völlig fremde Kreaturen und fühle mich bei ihnen zu Hause«

Katja Poppenhäger sucht nach Leben im All, Antje Boetius findet ständig neues in der Tiefsee. Ein gemeinsames Interview über die Enden der Welt (Interview: Marius Buhl)

Ein Gang durch die Botanik

Sonntagsvergnügen

  Anfang an Wellensittich-Voliere

Whatsapp senden

Alles zum Staunen. An Tieren sonst nur Insekten und freifliegende Vögel.

Alle Fotos: Lumix E.Reichow  

Der große Ausblick und die Kleinigkeiten. Ordnung und Unordnung.

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Am Abend mehr über Farbensehen im Fernsehen bei Terra X mit Dirk Steffens HIER

Zeigt er uns hier die Farbe Blau, Lila oder – Purpur?

Über Schnecken, die Farbexplosionen auslösen, Vögel, die Feuer legen, Eisflächen, die singen, und Holzstämme, denen plötzlich scheinbar Haare wachsen.

À propos „Eisflächen, die singen“ – die Filmmusik, die den Naturphänomenen ansonsten hinzugefügt wird, ist grauenhaft, dem phantastischen Thema völlig unangemessen.

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Nach dem Botanischen Garten das obligate Mittagessen in der Heidberger Mühle nicht zu vergessen, einer der besten Punkte zwischen Solingen-Wald und Haan. Siehe Fotos und Infos oben im Link. Unten der Blick von der Terrasse, am 1.8. im Foto festgehalten von E.Reichow, – eine eigenartige Stimmung, der Karpfenteich steht noch entleert, die angrenzende Itter hatte neulich in ihrem Bett getobt, wie alle Bäche und Flüsse in der Region Solingen (und anderswo). Siehe auch hier.

Wetterextreme verstehen Juli ’21

ZEIT nehmen z.B. für Leschs Kosmos (der auch unserer ist)

HIER zur Sendung (Mediathek)

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Mitdenken in Diskussionen 

Markus Lanz – Spezial vom 20. Juli 2021

Hier  (Dirk Steffens ab 55:13) Laschet… Merkel… „Beredte Inkompetenz“ – 25 Jahre zu spät u.a.

Auch zu empfehlen die Sendung vom 21. Juli (gestern) HIER , angefangen etwa mit dem Statement von Luisa Neubauer am Schluss der Sendung (ab 1:14:05), um sich dann rückwirkend die konkreteren Auseinandersetzungen „zuzumuten“:

Ich weiß gar nicht, ob es so hilfreich ist. Oder ob … es sind ja große, zum Teil auch psychologische Fragen, und natürlich ist vieles unvorstellbar, wir hätten uns auch nicht vorstellen können, dass so eine Flut so schlimm wird, wir hätten uns auch nicht vorstellen können, dass wir uns als Menschheit in den wenigen Jahrzehnten an einen Punkt manövrieren, dass man über Massensterben spricht und sich fragt, wir lange können wir auf diesem Planeten noch leben, das sind alle unvorstellbare Sachen! Und das Schöne ist ja, wir sind in einem Land, in dem wahnsinnig gute Wissenschaft am Start ist, d.h. was man mittlerweile ja sehr gut machen kann, man kann Berechnungen anführen, und da ist es hilfreich, darauf zu gucken, – es gibt seh sehr gute Studien,  in „Friday for future“ haben wir eine eigene in Auftrag gegeben, die berechnen, wie funktioniert das, wie kommen wir auf null CO² oder auf null Emissionen, und da sind großartige Pfade aufgezeichnet, das muss ich ehrlich sagen, und da bin ich bei Ihnen, wir müssen anfangen darüber zu sprechen, was für ein krasser Aufwand das ist, aber auf der andern Seite darüber sprechen, was die Alternative ist, also – Klimakrise, das heißt: Nichthandeln ist eben das Teuerste von allem und das Unbequemste von allem, und ich glaube, wir müssen anfangen, uns darüber im Klaren zu sein, es mangelt uns nicht an Ingenieursleistung, es mangelt uns nicht an innovativen Ideen,es mangelt uns ganz konkret an politischem Willen. Und das Schöne ist ja, in diesem Jahr haben alle Menschen, die über 18 sind und wählen können, die Wahl, man kann sich entscheiden für oder gegen politischen Willen, und die Wahlprogramme sprechen da schon auch eine relativ klare Sprache, darüberhinaus z.B. mobilisieren auch jetzt : es braucht jetzt auch konkrete Veränderungen mach dieser Katastrophe: DAS IST WÄHLBAR.

Es ist kein Zufall, dass wir nicht in die Pötte kommen mit 1,5 Grad-Politik, dahinter stehen eben bisher mehrheitliche Entscheidungen auf politischer Seite, die sagen: „Das wollen wir nicht“, – das ist wichtig so festzuhalten: es gibt Alternativen, wir können das hinkriegen, das Projekt Klimaneutralität, es gibt politische Vorschläge dafür, es gibt da Ideen auf psychologischer Seite, es gibt auch in der Bevölkerung einen ganz ganz großen Willen, dass wir das anpacken, und jetzt geht es eben ums Politische.

Von der ebenfalls teilnehmenden CDU-Politikerin Wiebke Winter hier nur ein Zitat aus anderem Zusammenhang (t-online-Artikel, Tim Kummert) – und Sie wissen schon warum:

Während Winter über die Folgen der Klimakrise spricht, werden die Auswirkungen bereits im Rheinland spürbar: Ganze Landstriche gehen unter, in den nächsten Tagen werden Dutzende Menschen sterben. Winter schüttelt den Kopf und sagt: „Wieso hat die Politik in den letzten 30 Jahren nur so wenig versucht, was zu ändern? Ich fühle mich ein wenig wie bei der Titanic, das Leck ist da! Momentan tanzen viele jedoch nur und spielen die Geige!“

Verschwörung X

Kondensstreifen und anderer Zauber

Die folgenden Fotos habe ich im September 2019 in Südtirol gemacht, in diesem Jahr habe ich vergeblich Ausschau gehalten, – Corona hat den Flugbetrieb minimiert.

Ich hatte damals noch nicht davon gehört, dass sich auch Verschwörungstheoreriker dieses Phänomens annehmen, heute gab es mal wieder allerhand Aufklärung bei Lesch & Steffens, allerdings findet man im Fall der Kondensstreifen in einer anderen Quelle ein etwas anderes Ergebnis: HIER.

Ich will kein Misstrauen säen, aber etwas hat sich in den Sendungen der beiden Autoren verändert. Sie versuchen die Inhalte anders zu „verkaufen“, vermutlich im Bemühen um noch größere Volksnähe, sie inszenieren sich, bemühen sich in kurzen Dialogen als Selbstdarsteller. Unnötig. Schon glaubt man ihnen nicht mehr aufs Wort und schaut zur Kontrolle – ins Internet. (Nein, Quatsch!) Die Forscherin Giulia Silberberger (ab 17:30) blieb natürlich, Pluspunkt, dass sie beiläufig ihre private Erfahrung mit Zeugen Jehovas einbrachte. (Unter Verschwörern werden Neulinge mit Liebe überschüttet, Zweifler mit „hate bombing“. Ich denke zurück an unsere Begegnung am Völser Weiher hier . Die eigene Anfälligkeit für wirre Fakten, wenn die Übermittlerinnen „nett“ sind, aus Ostberlin kommen und Angst haben.

Gestern sah ich ein Buch ihres Vordenkers Sucharit Bhakdi als Nr.1 Sachbuch auf der SPIEGEL-Bestsellerliste). Ein anderes (von Harari) würde ich sofort kaufen; es ist nicht etwa schlecht, weil es auf dieser Liste steht. Ansonsten sehr aufschlussreich auch die Reaktionen der Zuschauer im Anhang des obigen Youtube-Videos. Viele „überlegene“, leicht gönnerhafte Konsumenten. (Extern hier)

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Heute Lektüre beendet: Charles Taylor. „Multikulturalismus und die Kultur der Anerkennung“. Hervorragend! Problematik der Rechtslage von Minderheiten auch in vernünftigen Demokratien. Einleuchtendes Beispiel Kanada (Quebec). Man ist begierig die anschließenden, im Buch abgedruckten Kommentare zu lesen. Und am Ende Jürgen Habermas. Siehe hier „Mensch und Menge“. Und nochmals – eingedenk der Anregung – Süddeutsche Zeitung / Thomas Steinfeld vom 23. September.

Nachtrag 22.10.2020

Zitat aus dem abschließenden Essay des Taylor-Buches von Jürgen Habermas (S.149):

Juristen haben den Vorzug, normative Fragen im Hinblick auf Fälle zu diskutieren, die zur Beschlußfassung anstehen; sie denken anwendungsorientiert. Philosophen entziehen sich diesem dezisionistischen Druck; als Zeitgenossen klassischer Gedanken, die sich über mehr als zweitausend Jahre erstrecken, verstehen sie sich ungeniert als Teilnehmer am ewigen Gespräch. Um so mehr fasziniert es, wenn dann doch einmal einer wie Charles Taylor versucht, seine Zeit in Gedanken zu fassen und philosophische Einsichten für politisch drängende Fragen des Tages fruchtbar zu machen. Sein Essay ist ein ebenso seltenes wie brillantes Beispiel dieser Art, obwohl (oder besser: weil) er nicht die modischen Pfade einer „angewandten Ethik“ beschreitet.

Kapitelüberschrift: Immigration, Staatsbürgerschaft und nationale Identität.

 

Aus dem Kommentar von Michael Walter (Seite 93) stammt die zusammenfassende Beschreibung der zwei Liberalismus-Formen:

Meine Frage gilt den beiden Arten von Liberalismus, die Taylor beschrieben hat und die ich hier noch einmal kurz skizzieren möchte. Die erste Art von Liberalismus („Liberalismus 1“) setzt sich so nachdrücklich wie möglich für die Rechte des Einzelnen ein und, gleichsam als logische Folge hiervon, auch für einen streng neutralen Staat, also für einen Staat ohne eigene kulturelle oder religiöse Projekte, ja sogar ohne irgendwelche kollektiven Ziele, die über die Wahrung der persönlichen Freiheit und körperlichen Unversehrtheit, des Wohlergehens und der Sicherheit seiner Bürger hinausgingen. Die zweite Art von Liberalismus („Liberalismus 2“) läßt zu, daß sich ein Staat für den Fortbestand und das Gedeihen einer bestimmten Nation, Kultur oder Religion oder einer (begrenzten) Anzahl von Nationen, Kulturen und Religionen einsetzt – solange die Grundrechte jener Bürger geschützt sind, die sich in anderer Weise (oder gar nicht) engagiert oder gebunden fühlen.

Taylor gibt der zweiten Art von Liberalismus den Vorzug, auch wenn er diese Wahl in seinem Essay nicht ausführlich begründet. Man muß beachten, daß der Liberalismus 2 permissiv und nicht in jeder Beziehung festgelegt ist: Liberale der zweiten Art, so schreibt Taylor, „sind bereit, die Wichtigkeit bestimmter Formen der Gleichbehandlung abzuwägen [ohne dabei irgendwelche Grundrechte in Frage zu stellen] gegen die Wichtigkeit des Überlebens einer Kultur, und sie entscheiden dabei bisweilen [Hervorhebung von mir] zugunsten der letzteren“. Dies bedeutet offenbar, daß Liberale der zweiten Art sich manchmal auch für den Liberalismus der ersten Art entscheiden. Der Liberalismus 2 hält sich verschiedene Optionen offen, und eine von ihnen ist der Liberalismus 1.

Das scheint mir richtig zu sein. (…)

[Taylor] würde, so vermute ich, die Ausnahme machen, die die Bewohner von Quebec verlangen: er würde Quebec als „eine Gesellschaft mit besonderem Charakter“ anerkennen und zulassen, daß sich die Provinzregierung für den Liberalismus 2 entscheidet und dann (innerhalb bestimmter Grenzen: sie kann Plakatwerbung in französischer Sprache verlangen, aber sie kann englische Zeitungen nicht verbieten) im Sinne der Bewahrung der französischen Kultur aktiv wird. Aber genau das bedeutet ja eine Ausnahme machen; die kanadische Bundesregierung würde sich das Projekt von Quebec oder ein anderes ähnliches Projekt nicht zu eigen machen. Gegenüber allen ethnischen Gruppen und Religionen in Kanada bleibt sie neutral; sie verteidigt also einen Liberalismus der ersten Art.

Ich habe so ausführlich zitiert, weil ich eine andere Form des Sonderweges im Sinn habe, die mich anhand einer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt: Prinzip „Breton Girl“ Folk mit impliziter Ideologie dessen, was schottisch ist, Cape Breton, Nova Scotia. (JR)

Verschwörungstheorien

Möglichkeiten der Analyse

Man staunt immer wieder: es ist ja nicht so schwer zu analysieren, man sträubt sich nur, angesichts der massenhaften und lautstarken Proteste, diese allzuleicht abzutun:, – irgendwas muss doch dran sein. Gehört es zur Demokratie, auch Schwachsinn zu tolerieren, selbst wenn er für alle gefährlich werden kann? Äußern diese Leute ihre Überzeugungen so aggressiv, weil es allerhöchste Zeit ist und sie anders nicht gehört werden? Wollen sie die scheinbar rettungslos ambivalenten Verhältnisse kraft ihrer großen gemeinsamen Vision einfach nur klären? Ja, sie wollen es einfach, und mancher notorisch tolerante Intellektuelle denkt vielleicht einen Moment lang an Nietzsche, ja, der Wille an sich kann doch gewaltige Kräfte freisetzen. Und dem dekadenten Rom geschah es ganz recht, dass Barbaren einfielen und Platz schufen für ein neues, geradliniges Denken… Und was der Phrasen mehr sind, die nichts mit Nietzsches Ambivalenzen zu tun haben.

Ich will diese Gesprächsrunde deutlich in Erinnerung behalten, weil sie typisch ist für die vernünftige Seite, die auch immer wieder zu vernehmen ist, für jeden greifbar, auch in der Tageszeitung. Ist es wirklich so kompliziert, dass Schwachköpfe sich nur radikal verweigern können? Und was nicht einfach ist, wird dann einfach gemacht?!

 Solinger Tageblatt 18. Mai 2020

(Auf dem Foto zwei Ritter von der traurigen Gestalt, die das Schild halten: GIB GATES KEINE CHANCE, also mit Anspielung auf die sinnvolle und erfolgreiche Aids-Kampagne.)

Die Lanz-Sendung sei hier vorgemerkt, besonders wegen der präzisen Beiträge von Michael Butter und natürlich – wie meist – von Dirk Steffens. Womit nicht gesagt sein soll, dass die anderen Gäste weniger Erwähnenswertes beigetragen haben. Wieder einmal ein hervorragendes Beispiel zeitgemäßer Aufklärung.

ZDF Markus Lanz 13. Mai Zu Gast: Moderator (Wissenschaftsjournalist) Dirk Steffens, Politikerin Simone Lange, Amerikanistik-Professor Michael Butter und Psychiater Prof. Michael Schulte-Markwort

Beitragslänge: 74 min Datum: Video verfügbar bis 12.06.2020

  Hier ⇐ ⇐ ⇐ ⇐

 Amerikanistik-Professor Michael Butter

LANZ (ab 18:54) … wann wird aus der kritischen, berechtigten Frage eine Verschwörungstheorie?

MICHAEL BUTTER: „… wenn man annimmt, es gibt eine Gruppe im Hintergrund, die alles geplant hat. Nichts geschieht durch Zufall, alles wurde geplant, nichts ist wie es scheint, und alles ist miteinander verbunden. Das sind im Grunde die drei Charakteristika in der Verschwörungstheorie, also es ist eine Sache darüber zu diskutieren, wie gefährlich ist dieses Virus, und waren diese Maßnahmen angemessen und wie kommen wir da wieder raus, es ist ne völlig andere Sache zu sagen: dieses Virus gibt es überhaupt nicht, bzw. ich weiß, dass das völlig ungefährlich ist, und das ist alles nur ein Komplott von denen und denen um dieses und jenes Ziel zu erreichen, wenn man so argumentiert, dann ist man bei der Verschwörungstheorie, und um an das anzuschließen, was da grade gesagt wurde: das ist die Attraktion der Verschwörungstheorie, weil Verschwörungstheorien antworten auf Angst und niederschwellig auch auf  Unsicherheit. Wir wissen aus vielen psychologischen Studien, dass Unsicherheit ein Faktor ist, der Verschwörungstheorien antreibt. Menschen neigen zu Verschw wenn sie Probleme haben mit Unsicherheit und Ambivalenz umzugehen, weil Verschw Sicherheit bieten, Corona-Verschw sogar in zweifacher Hinsicht, – einmal die Sicherheit, dass man weiß was geschieht, man weiß, dass es da einen Plan gibt, eine Gruppe, die das alles orchestriert hat, und offensichtlich ist das für viele Menschen leichter zu akzeptieren als hinzunehmen, dass man nicht weiß, was grade passiert oder dass man nicht weiß, wer da verantwortlich ist. Und bei Corona kommt jetzt noch hinzu, dass diese Verschwörungstheorien ja alle behaupten, das Virus gibt es gar nicht oder es ist völlig ungefährlich, es ist nur eine Hysterie, die beschworen wird, um andere Ziele zu erreichen, und das bedeutet dann ja, ich muss mir keine Sorge machen um meine Gesundheit, ich muss mir keine Sorgen machen um die Gesundheit meiner Angehörigen und Freunde, sondern ich kann mich so verhalten, wie ich mich immer verhalten hab und begreife es dann auch als einen Akt des zivilen Ungehorsams, wenn ich da die Regel nicht einhalte. 20:39 (LANZ: Männer sind wirklich anfälliger als Frauen?)

Das ist ganz spannend, es ist so, dass die meisten Studien mittlerweile zu dem Ergebnis kommen: Männer sind wirklich anfälliger als Frauen für Verschwörungstheorien. Das mag damit zu tun haben, dass die meisten Verschwörungstheorien ja irgendwo auch ne Antwort auf so ne Krise traditioneller Männlichkeit ist, Männlichkeit, die sich in so ner Versorgerrolle begreift, Beschützerrolle begreift, und … ich verliere meine Arbeit, ich bring nicht mehr soviel Geld nach Hause (LANZ: ich hab die Kontrolle…) ja genau, ich habe die Kontrolle nicht mehr, gleichzeitig Verschwörungstheorien auch so ein Alleinstellungsmerkmal, ich gehöre nicht zu diesen blöden Schlafschafen da draußen, die keine Ahnung haben, was vor sich geht, sondern ich bin einer von denjenigen, die verstanden haben, was da passiert, der im Hintergrund die Strippen zieht. ( LANZ: Können Sie mal erklären, à propos „im Hintergrund Strippen ziehen“ – warum Bill Gates da so in den Fokus geraten ist? Bill Gates und seine Frau. 21:24)

Also ich glaube, es gibt zwei Gründe dafür: darrrrrrrrs eine ist, dass es ganz viele Verschwörungstheorien gibt seit vielen Jahren, dass so internationale Eliten, mächtige menschen, die reich geworden sind, in den Blick nehmen und das Gefühl haben, die wollen eine Neuordnung der Wirtschaft herbeiführen oder sonst irgendwas, bei Gates kommt dann noch hinzu, dass er mit seiner Stiftung sich seit Jahren fürs Impfen einsetzt, und ganz viel Verschwörungstheorien antreibt, und diese Verschwörungstheorien brauchten jetzt grad n Gesicht, in der Flüchtlingskrise war das George Soros, der zum Gesicht dieses angeblichen großen Austausches wurde und jetzt w ein anderer alter mächtiger (ungarisch-stämmiger Milliardär) genau, der dann vor allem aus Ungarn beschuldigt wurde, antisemitische Verschwörungstheorien, und jetzt ist es dann eben Bill Gates, weil er eben diese Stiftung betreibt, die zu einem gewissen Teil die Weltgesundheitsorganisation finanziert und jemand deshalb unterstellt, er wolle eine globale Impfpflicht durchsetzen und wolle sich an diesen Impfungen persönlich bereichern, er wolle eventuell, das ist so ne amerikanische Variante, die Weltbevölkerung reduzieren, und dazu kommt dann noch was, was ganz wichtig ist für die verschwörungstheoretische Argumentation, das ist das sogenannte Vorwissen. Verschwörungstheoretiker zielen immer darauf ab, dass irgendjemand schon vorher davon Bescheid wusste, und das muss dann auch mit der Schuldige sein. Und die Stiftung von Bill Gates hat ja im vergangenen Jahr eine globale Pandemie simuliert, die in China ihren Ausgang nimmt, und entsprechend kommt da der Verschwörungstheoretiker und sagt: Ah, cui bono, wem nützt es? Bill Gates, wer hats vorher gewusst, Bill Gates, ergo: wer steckt dahinter? Bill Gates! 22:53

LANZ: Ich bin trotzdem … verrückt, ich hab neulich ein Interview mit einem New Yorker Medizinhistoriker gelesen, der sagte: wenn Donald Trump hingeht und sagt: wer hätte das wissen können, das sowas kommt? Dann muss die Antwort lauten: Jeder! Hm Einfach jeder konnte das wissen. (An Dirk Steffens:) War dir das auch klar? DIRK STEFFENS: Wir haben in dieser Sendung mal gesprochen, vor n paar Wochen, wie die Wahrscheinlichkeit und auch die Häufigkeit von Pandemien in den letzten Jahrzehnten angestiegen ist, vor allem mit Umweltzerstörung, Überbevölkerung und globaler (ML: Kannst du das so mal kurz erklären, also: wo ist da der Zusammenhang? Mir war das am Anfang der Geschichte… mir war das am Anfang noch nicht klar…) 23:33

DIRK STEFFENS Von den drei Punkten also Überbevölkerung, also mehr Menschen, schnellere Ansteckung, logisch, Globalisierung, Flugverkehr, Warenverkehr, schnellere Ausbreitung auch logisch, bisschen komplexer der dritte Punkt: wie entstehen Zoonosen (Zoonosen sind Krankheiten, die von Wildtieren auf ) von Tieren auf Menschen überspringen, davon ist der überwiegende Teil von Wildtieren, auch wahrscheinlich Corona, aber dazu gehört auch Sars und Ebola und Mers und (viel Lungen, ne?) Zika, wo springen Krankheiten von Tieren auf Menschen über, das ist zum Beispiel da, wo man Wildräume vernichtet, also wenn jetzt Wilderer jetzt irgendwo in den Urwald gehen, wo vorher nie ein Mensch war, kommen die in Kontakt mit Erregern, die vorher halt noch nie in Kontakt waren mit Menschen. Und wenn wir uns die Kette von Coron zum Beispiel ankucken, – es ist ja noch nicht bewiesen, aber wenn es so ist, dass es Fledermäuse, dann die Panguline waren und dann Menschen, dann muss man sich mal fragen (Panguline: Schuppentiere), wo kommen also diese drei Lebewesen normalerweise zusammen? Und die Antwort ist: in einer intakten Natur: nirgends! Also kann der Erreger gar nicht überspringen, der kann nur überspringen, wenn der Mensch so eingreift, dass zum Beispiel Fledermäuse und Panguline gefangen werden, dass man bestimmte Populationen ausrottet in der Wildnis und dass Erreger versuchen, auf andere Arten rüberzukommen, also Naturzerstörung, man kann das runterbrechen auf den Satz: Naturzerstörung produziert Seuchen. 24:54 Wie beim Klimawandel: es hat vorher auch schon Stürme gegeben, aber durch den Klimawandel werden sie häufiger und schwerer.

Und so ist das auch bei Pandemien, es hat natürlich auch früher schon Seuchen gegeben und Pandemien, aber sie werden jetzt häufiger, und sie treffen uns härter. Das ist nur eine der Bedrohungen aus der Ökologie. 25:12

LANZ: Aber dieses Bill-Gates-Thema lässt mich nicht los. Ich habe vor ein paar Tagen einen alten Vortrag von Bill Gates angesehen, 5 Jahre alt, da beschreibt er das, da wirft er sogar so nen Corona-Virus an die Wand und sagt: wahrscheinlich wird es das sein! Aber genährt eben durch Sars, 2003, die Chinesen sind seit langem vorbereitet auf das, was da möglicherweise kommt, und jetzt haben wir genau dieses Super-Virus. STEFFENS: Na ja, weil natürlich jede Frau, jeder Mensch in der Forschung der Pandemien mit solchen Szenarien gearbeitet hat. Und dann im Nachhinein zu sagen, die habens ja gewusst, ist natürlich hochdämlich, natürlich ist n Virologe vorbereitet auf n virologisches Event, sonst wäre er ja im falschen Job.

LANZ Trotzdem nochmal die Frage: cui bono, – wem nützt es? ich frag mich immer:  mit m bisschen Nachdenken kommt man ja auf das eine oder andere: was sollten die Chinesen davon haben, dass sie solch Super-Virus züchten? Deren Wirtschaft schadet es doch am meisten. Also – neben anderen auch. Die ökonomische Dimension ist doch bei den Chinesen etc. oder Bill Gates, welches Interesse soll Bill Gates daran haben etc. 26:34

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 Ist alles längst aufgeklärt? Titel der ZEIT am 14. Mai 2020 (von Javier Jaèn).

SEHENSWERT auch: Allianz des Schwachsinns / Spiegel TV 18. Mai 2020  HIER.

(Fortsetzung folgt)

Unser „Point of no return“

Was der Natur-Aktivist Dirk Steffens dazu sagt

In der ZDF-Sendung Markus Lanz am 11.9., hier abrufbar bis 11.10. 2018 (Niederschrift  JR unkorrigiert; ohne Gewähr.) Siehe auch Harald Lesch hier.

Ab 42:45 Es geht zunächst um den Hambacher Forst. [Mehr dazu in der ZEIT HIER.]

 Screenshot ZDF-Sendung 41:39

MARKUS LANZ: Da passiert etwas, wir setzen da auf eine Energieform, von der wir eigentlich alle wissen, das ist nicht die Zukunft, sondern im Gegenteil, im Zweifel auch unser Untergang.

DIRK STEFFENS: Man muss für den Hintergrund vielleicht kurz erwähnen, in Berlin tagt gerade die sogenannte Kohle-Kommission. Das ist ne Kommission, da sitzen auch Umweltorganisationen drin und die verschiedensten Verbände und Interessengruppen, und die sollen darüber reden, wie man verträglich aus diesem Braunkohleabbau aussteigen kann, weil jeder Mensch auf der Welt weiß, das ist nicht die Technik der Zukunft, weil sie extrem klimaschädlich ist. Jetzt wissen wir alle: Deutschland hat sich lange als Klimaweltmeister gefeiert, aber Deutschland ist inzwischen – das war es früher nicht – Deutschland ist inzwischen der größte Braunkohleverfeuerer der Welt. Wir verfeuern mehr Braunkohle als China, das ist total verrückt (weil die Steinkohle verfeuern? Oder warum?), ja weil die andere Energieformen auch nutzen, die haben natürlich fürchterlichen Smog da (Braunkohle ist vom Wirkungsgrad noch schlechter), wir verfehlen ja krachend alle unsere Klimaziele in Deutschland, und Deutschland hat in den vergangenen 9 Jahren genau gar nichts an CO²-Emissionen eingespart, trotz all der Bemühungen, denn gefühlt, sein wir doch mal ehrlich, jeder von uns hat das Gefühl – die Autos werden immer sparsamer, ich dämme meine Fenster, die Heizung, alles wird immer besser, (die Windräder werden mehr), genau, die Windräder werden mehr, aber was ist passiert, wir haben genau NICHTS erreicht, und das Resultat ist NULL. Und jetzt beantragt ein Energiekonzern genau in den Wochen, in denen diese Kohlekommission in Berlin sitzt, um einen verträglichen Ausstieg zu verhandeln, JETZT RODEN WIR. Und das lockt jetzt natürlich all die radikalen Umweltschützer, die natürlich schlecht sind für die Umweltschützersache an. Also wenn ich jetzt n G20-Radikalinski wäre und hätte mal wieder Lust auf richtig Randale, dann würde ich sagen „Danke, RWE, ich weiß jetzt, wo ich hinfahren muss.“ Denn ab Oktober darf da gerodet werden. Und es ist einfach politisch unverantwortlich, RWE hat rechtlich natürlich alles auf seiner Seite, denn das ist n rechtlich klarer Fall, die dürfen das! Aber politisch ist es wirklich unverantwortlich. 44:44 (Du sagst: das ist wie n Honigtopf…)

Ja! es ist so überhaupt nicht notwendig, es in diesem Moment zu tun, also: RWE sagt zwar, uns gehen die Kraftwerke aus, weil wir dann nichts mehr zu feuern haben, aber alle andern sagen: drei bis vier Jahre reichts noch locker, was wir noch auf der Halde haben, und Deutschland exportiert ja sogar Strom. Es ist ja nicht so, dass hier morgen alle Lichter ausgehen würden, und das Unverantwortliche ist natürlich auch dadran, das ist ja ein sehr politisches Thema im Augenblick, Frau Nahles hat ja zum Beispiel gesagt, es sei eine Blutgrätsche gegen die Arbeitskräfte! Aber die eigentlich Blutgrätsche ist ja, dass wir Arbeitskräfte, – von denen jeder weiß, dass sie keine Zukunft haben -, noch ne Zeit lang künstlich am Leben erhalten, aus kurzfristigen politischen Interessen, und den Leuten keine Zukunftsperspektive mehr bieten. Also wenn ich da leben würde und hätte n Job, von dem ich weiß, o.k., jetzt bis zur nächsten Wahl werde ich vielleicht gepempert, aber danach werde ich dann sowieso arbeitslos, dann würde ich doch von Politikern erwarten, dass eine echte Zukunftsperspektive geboten wird. Und in erneuerbaren Energien arbeiten heute sowieso schon viel mehr Leute als in der Braunkohle. (Ja, ….) Volkswirtschaftlich sinnlos, aber für den Betrieb kurzfristig, betriebswirtschaftlich sinnvoll. 45:50

ML Du bist doch häufig auch im Gespräch mit Politik und tauschst dich auch aus mit… was passiert denn da eigentlich. Ich weiß z.B., dass ein großer Konzern wir Daimler, ich meine, deutsche Ingenieure, ich meine, Auto-Ingenieure sind die talentiertesten dieses Planeten (ohne Frage!) ich frage mich immer, wo da dieser deutsche Pioniergeist, den es mal gab, dieser Aufbruch…

DST Man müsste den nur triggern… Nachhaltiges Handeln muss sich auch wirtschaftlich mehr lohnen als nicht nachhaltiges, und sofort würde sich dieser Ingenieursgeist wieder Bahn brechen. Da bin ich mir ganz sicher. (Beifall 46:19) Man müsste politisch dafür sorgen, dass die Rahmenbedingungen wieder so sind, dass man das quasi neu entfacht.

Das ist ja in allen Bereichen: auch in der Landwirtschaft, was ja für unsere Ökologie in Deutschland ganz wichtig ist, du bekommst als Bauer mehr Subventionen, wenn du möglichst große Flächen hast. Du bekommst weniger Subventionen, wenn du nachhaltig wirtschaftest. Also: mit Staatsgeldern wird hier natürlich die Richtung vorgegeben. Und solange einfach großes, industrielles Wirtschaften in der Landwirtschaft gesponsert wird, und nicht das nachhaltige kleinere, müssen wir uns nicht wundern…

ML Also tipping points oder Kipp-Punkte… Das ist auch so’n anderes Schlagwort in dem Zusammenhang. Erklär das mal aus deiner Sicht. Was droht da? 47:00

DST Der Begriff kommt aus der Klimaforschung und gilt aber auch für andere ökologische Zusammenhänge. Also n berühmter tipping point … also das sind so Kipp-Punkte, man muss sich das so vorstellen: es gibt da Entwicklungen, wie auf ner Wippe, man geht da auf einer Seite der Wippe hoch, es passiert lange nichts, außer dass ich hochgehe, und irgendwann bin ich in der Mitte, und dann macht es BAMM. Und das gibt es in der Wissenschaft bei Erdsystemen (?) auch. Wenn wir z.B. durch die Autoindustrie CO² emittieren, wird die Atmosphäre ein bisschen wärmer. Wenn es ein bisschen wärmer wird, taut in den Arktisregionen der Permafrostboden, – also das ist Boden, der das ganze Jahr über durchgefroren ist. Da drin sind aber organische Stoffe, wenn die auftauen, vergammeln die, und dann wird Methan frei. Methan ist n anderes Gas, und Methan ist über 20 mal klimaschädlicher als CO² , und das heißt: man macht n bisschen wärmer, dadurch wird ein natürlicher Prozess angestoßen, der es dann viel wärmer macht und den man dann nicht mehr bremsen kann. Und wenn dieser Methan…turbo mal anspringt, so richtig, in der Arktis, dann würde es auch gar nichts mehr bringen, wenn wir Menschen überhaupt kein Kohledioxyd mehr emittieren, weil dann die Entwicklung von alleine weiterläuft. Die ist dann nicht mehr zu stoppen. (kipping point!) Ja, und dann geht ein stabiles System ins Chaos über, wissenschaftlich betrachtet, und das sind dann die Katastrophen, die wir alle nicht wollen. (Tipping point – das hat sich durchgesetzt, das so zu nennen – es gibt aber noch ganz ganz viele…) Ja, im Regenwald! (Im Regenwald!? Das kannte ich nicht. Erzähl das mal!)

Die großen Regenwälder wie der Amazonasregenwald, die binden unglaubliche Mengen an Wasser. Wenn sich nun aber durch Abholzung, Wasserabbau, die Verdunstung, der Niederschlag, der Verbrauch von Wasser verändert, dann trocknen diese Regionen weitgehend aus. In diesen Wäldern sind unglaubliche Mengen von Treibhausgas gebunden, wenn diese Wälder also sterben, dann werden allein durch das Sterben der Wälder wieder unglaubliche Treibhausgasmengen freigesetzt, und das ist auch so’n Kipp-Punkt: wenn es noch n bisschen wärmer wird, und der Regenwald funktioniert nicht mehr so wie bisher, dann macht es plötzlich bumm, und wir haben plötzlich viel Treibhausgas in der Atmosphäre, dann wieder auch ohne menschlichen Einfluss. 49:00

ML Solche Kipp-Punkte gab es ja in der Geschichte der Menschheit immer wieder… Beispiel?

DST Naja, wir haben ja Warmzeiten gehabt, immer wieder, auf der Erde, wir haben ja auch kalte Zeiten gehabt auf der Erde, wir haben ja auch fünf mal immer wieder Massenaussterben gehabt durch solche Einflüsse. Also das kann zum Beispiel auch n Vulkanausbruch sein, der soviel Schwefel oder andere Stoffe in die Atmosphäre gibt, dass dann was Schlimmes passiert. Das hat es übrigens – und das ist ein großes Missverständnis in der Politik – wir leiten ein Ereignis immer nur zurück auf Frauen und Männer, die irgendwann irgendwelche Entscheidungen getroffen haben. Aber wenn du beispielsweise an ein historisches, ein welthistorisches Ereignis wie die Französische Revolution, dann hat die auch was mit Ökologie zu tun. Die Menschen waren arm, und dann ist am andern Ende der Welt n Vulkan ausgebrochen, es gab vulkanische Winter, es gab, auf die Armut von Menschen draufgesetzt, dann noch Missernten, die ökologische Ursachen hatten. Dann wurde aus Armut fürchterlicher Hunger, und dann explodiert ein politisches Pulverfass.  [Mehr dazu HIER JR]

Auch unsere Flüchtlingskrise hat natürlich etwas mit Ökologie zu tun, Syrien hatte jahrelang Dürre, das hat die wirtschaftlichen Bedingungen vor Ort verstärkt, bevor der Bürgerkrieg ausbrach. Und wenn wir uns mal vorstellen, wieviel Hunderte von Millionen Menschen, die in Indien, in Bangladesh, auf den Malediven, die vielleicht nur ein zwei Meter über dem Meeresspiegel liegen, wenn die Meere ansteigen, wenn die ökologische Katastrophe weitergeht, dann wird das ganz schnell Weltpolitik. Und das wird leider immer ausgeblendet, wir reden über die Themen so, als wäre das nur ne Verhandlungsfrage, als müsste man nur sagen: „na, wir machen jetzt n anderes Einwanderungsgesetz, und dann ist das Problem vorbei.“ Wir müssen jetzt endlich mal lernen, das im Gesamtkontext zu sehen, wo der Mist eigentlich herkommt, der uns jeden Tage vor die Füße fällt. (50:36 Beifall)

ML An welchem Punkt … Dirk, an welchem Punkt kommt in dem Zusammenhang die Rippenqualle ins Spiel?

DST Ja, die Rippenqualle, ein bisschen das Problem, das hört sich dann plötzlich so albern an, die Rippenqualle! Die Rippenqualle ist ne ganz hübsche Qualle, die hat so (du hast so’n paar Bilder mitgebracht) ja, die Bilder kucken wir uns mal an: das ist noch keine Rippenqualle, Quallen gelten als Indikatoren für den Zustand der Meere, wenn es viele Fische gibt und Meeressäuger, die fressen Quallen, also wenn man die Fische zu sehr wegfängt, dann verquallen unsere Meere. Es gibt dann immer mehr. Und Rippenquallen hat es früher – das ist auch noch keine Rippenqualle – (auch schöne Tiere) – hier sehen wir jetzt die erste Rippenqualle in der Ostsee, wo sie eigentlich nicht hingehört. Das heißt, das ist ein Tier, das als Bioinvasor bei uns in eine Gegend nach Deutschland gekommen ist, wo es früher nicht gelebt hat. Durch äußere Umstände, weil es vielleicht im Wasser der Schiffe mitgefahren ist, oder durch Erderwärmung. Und diese Rippenqualle vermehrt sich jetzt, sie kann 15.000 Nachkömmlinge pro Tag erzeugen, das ist ne unglaubliche Zahl, und diese Wissenschaftlerin, die wir da so’n bisschen andeuten, hat hier z.B. Dorscheier in die Nähe der Rippenqualle gebracht, und die Rippenqualle frisst keine Dorscheier, das ist ne gute Nachricht. Aber dann hat sie ganz kleine Dorschlarven – da unten sehen wir eine – zu den Quallen gesetzt, und da sehen wir, was passiert: die Qualle frisst die. Und wenn wir nun n Jäger haben, der unsere sowieso schon bedrohten Dorschbestände noch im Babystadium auffrisst, dann kriegen wir noch n zusätzliches Problem mit Überfischung, auch da kann es natürlich n Kipp-Punkt geben. Wenn es irgendwann so wenig Dorsche gibt, dass die sich zur Befruchtung nicht mehr finden, dann bricht der Bestand von klein auf ganz zusammen.

ML Das ist das, was du meinst, wenn du sagst, du bist hier an dem Punkt, wo es egal ist, (ja!) was wir tun.

DST Und das ist n Missverständnis, es ist kein Gradient, es ist keine Ebene, die man hochgeht, sondern irgendwann an den point of no return, und da wollen wir nicht hin! Keiner kann seriös genau sagen, was dann passiert, egal, ob mit Klima, mit Ökologie, mit Artensterben, es gibt niemand, der sagt, dass er diesen point of no return erleben möchte. (Plastikmüll ist gerade so’n Riesenthema, in dem dieser junge Holländer…) Ja! Boyan Slat. (… der jetzt in der San Francisco Bay, glaube ich, die ersten Experimente macht, ja? Den Versuch sozusagen, Plastik aus dem Meer zu fischen. Ich find’s faszinierend, dass jemand in der Lage ist, … ist n sehr junger Mann …) so Mitte 20 (so: der entwickelt diese Idee, der sammelt Geld von Investoren, das mein ich! Wieder der amerikanische Pioniergeist, sagen o.k., sind wir dabei, unterstützen wir… du sagst aber: dennoch bin ich da eher skeptisch bei dem Versuch auf diese Art da Plastik aus dem Meer…). Ja, da muss ich wissen, dieser Schlauch, den er da hat, mit diesem Vorhang, der soll das Plastik einsammeln, der ist 600 Meter lang, kann man sagen: 600 Meter und die Größe der Ozeane, rein rechnerisch, das bringt gar nichts. Würde er jetzt antworten: wir ziehen das aber in die Regionen, wo sich Plastikinseln, Plastikansammlungen gebildet haben. Aber – das wenigste Plastik treibt an der Oberfläche. Wir haben etwa 140 Millionen Tonnen Plastik in den Ozeanen. Das ist … genau! – weil man sichs nicht vorstellen kann …wenn man n Güterzug damit beladen würde, mit diesem Plastik, dann würde der von hier bis zum Mond und halb zurück reichen. So … soviel Müll (da kommt Frau Winterling wieder ins Spiel) genau! Soviel Müll ist in den Meeren und wenn man dann mit nem kleinen Vorhang die oberen drei Meter abfischen… und auch nicht weiß, was das mit der Ökologie an der Oberfläche macht, dann ist das ne gute Show, die Sinn macht, weil sie das Thema in die Diskussion bringt, aber das löst das Problem überhaupt nicht. (Und gibt’s auch da so einen Kipp-Punkt?) Bei Plastik ist das schwer zu sagen, weil wir ja nicht wissen… Plastik zersetzt sich ja dann, wird zu Mikroplastik, Mikroplastik ist alles, was kleiner ist als 5 Millimeter. Das wird aber auch ganz klein, und dann fressen Muscheln das, dann fressen Krebse das, dann die Fische, und wir wissen nicht, was dieser Kunststoff in unsern Körpern macht, Kunststoff selbst ist dann als anorganisches Material nicht so schädlich, aber da sind ja Weichmacher drin, Farbstoffe, und ganz ehrlich: ich möchte das nicht essen. (Fruchtbarkeit der Frauen usw. ganz viele Themen. Wir haben ja auch da immer so subjektiv das Gefühl: Plastik, da sind wir jetzt gar nicht so schlimm, wir Deutschen.) Wir sind der größte Plastikverbraucher in Europa! So wie wir der größte Braunkohleverfeuerer sind, so auch der größe Plastikverbraucher, und bis vor ein paar Jahren hatten wir’s ja bequem, wir haben ja dieses ganze Plastik verbraucht, wir haben n ganz gutes Einsammelsystem, also die Entsorgungsindustrie … oder … Einsammelindustrie … wir haben das nach China exportiert! Also wir haben den Müll, diesen Plastikmüll nicht wirklich recycelt, die Quote ?? gering, sondern wir exportieren dies in arme Länder, die dann daraus mehr oder weniger gut irgendwas machen. Und das ist natürlich ne ganz schwierige wirtschaftliche Verflechtung, ganz sicher nicht umweltfreundlich. Und dann gibt’s noch andere Sachen, die man bisher nicht wusste, das ist Mikroplastik, allein durch Autofahren in Deutschland – Autofahren! Was man ja gewöhnlich nicht aufm Meer tut, sondern auf Straßen irgendwo im Inland – gibt’s Abrieb von den Reifen, das ist Mikroplastik, und das sind ungefähr 100.000 Tonnen im Jahr. Und durch Regen wird das in die Flüsse gespült, und durch die Flüsse geht das ins Meer. Und das sind Probleme, die man vor kurzem noch gar nicht kannte, und hier haben wir wieder den Affen, der im Atomkraftwerk sitzt und russisches Roulette spielt. Intelligent genug, die Pistole zu bedienen, aber wir wissen nicht, was für Folgen das hat.

(O.Lafontaine: Die Kernfrage ist ja, ob in unserer Wirtschaftsordnung, die wir jetzt haben, das Problem noch zu lösen ist. Da würde mich ihre Frage [Antwort] mal interessieren!) 56:06

DST Ja, jetzt bin ich ja 50 Jahre alt geworden und hab gelernt, – also einer meiner Vorsätze zu meinem Geburtstag war, dass ich überhaupt nur noch über Dinge rede, von denen ich auch n bisschen was verstehe. Und das ist natürlich unheimlich schwierig. Aber wenn Konzerne Gewinn machen können und die Umweltkosten, die z.B. bei der Produktion eines Gutes herstellen [entstehen], auf die Allgemeinheit übertragen, also wenn ich irgendwas herstelle, dabei n Fluss verschmutze, streiche den Profit ein und die ganzen Steuerzahler müssen dann das Reinigen des Flusses bezahlen, dann läuft in dem Wirtschaftssystem was falsch. Und im Umweltschutz international wird ganz groß dieses Thema der Inwertsetzung von Natur diskutiert, dass also Dinge so bezahlt werden müssen, wie sie auch wirklich (wie hoch der Preis wirklich ist) genau! Auf allen Ebenen, nicht nur die Rohstoffe, sondern auch der Umweltschaden usw. (Beifall 56:52) Wenn ich Wasser aus einem Fluss rausnehme, um damit in meinem Chemiewerk was zu machen, dann muss ich auch die Reinigung dieses Wassers bezahlen, und das kann ich dann nicht den Arbeitnehmern und Steuerzahlern aufbürden. Also das ist die Idee, und am Ende muss man das auch über das Produkt mitbezahlen, sonst … dann würde sich das System von alleine steuern im Idealfall.

LANZ: Hinweis auf Naturfilmfestival in Eckernförde, das größte Europas… (folgt Zusammenschnitt aus Filmen). 12.-16. September. HIER

Klima kurzgefasst (bis 7.9.)

Auch für Unbelehrbare

Prof. Dr. Mojib Latif ab 42:18 bis 59:57 (bei Markus Lanz)

Kürzestfassung 51:22 bis 52:44  (1887 bis jetzt, von der Gegenwart bis 2096)

HIER abrufbar bis 7. September 2017

Screenshot Latif 170606 Mojib Latif

Globale Erwärmung – wenn nichts geschieht

Globale Erwärmung Screenshot 2017-06-07

Ergänzendes durch den anderen deutschen Klimafachmann

ZITAT Hans Joachim Schellnhuber:

Es geht dabei auch um starke Emotionen, und Paris hat die richtigen geweckt. Alle Länder haben sich darauf geeinigt, die Erderwärmung scharf zu begrenzen. An den zwei Grad kommt also niemand mehr vorbei. Es ist die wichtigste Zahl des 21. Jahrhunderts, und sie wirkt.

ZEIT: Wie denn?

Schellnhuber[Beispiel: Speicherplatz auf Computerchips, der sich alle paar Jahre verdoppelt, obwohl immer wieder das Ende dieses Gesetzes prognostiziert wurde. Dank Kundenerwartung!] So könnte es auch bei der globalen Klimapolitik laufen: Wenn alle daran glauben, dass wir es schaffen, schaffen wir es auch. Seit Paris ist das vorstellbar geworden. Doch die Uhr tickt. ZEIT: Was heißt das konkret? Schellnhuber: Möglich, dass der Klimavertrag zwanzig Jahre zu spät beschlossen wurde – weil wir uns Kipp-Punkten im Klimasystem rasant nähern. ZEIT: Und was bedeutet das? Schellnhuber: Jenseits der Zwei-Grad-Linie kann der grönländische Eisschild abschmelzen, der Meeresspiegel um sieben Meter steigen. Alle tropischen Korallenriffe werden abgestorben sein, der Golfstrom wird möglicherweise versiegen. Die Menschheit wird das überleben – zumindest ein Teil. Aber es wird die uns vertraute Welt nicht mehr geben.

Quelle DIE ZEIT 8. Juni 2017 Seite 3 „Trumps Auftritt könnte dem Klima einen Dienst erweisen“ – Deutschlands prominentester Klimaforscher erklärt, welche paradoxen Folgen die Absage der USA auf das Pariser Abkommen womöglich hat – und was die Bundesregierung jetzt tun muss (Es fragten Petra Pinzler und Mark Schieritz.)

Nachtrag 5.7.2017

Dirk Steffens ist ein vertrauenswürdiger und kenntnisreicher Mann. Man muss sich einfach anhören, was er über Grönland (und auch Sri Lanka) zu erzählen hat. Bei Markus Lanz (4.7.2017) HIER ab 28:42. (Bis 5.10.2017)

Screenshot 2017-07-05 09.16.49 ARKTIS Screenshot JR