Kategorie-Archiv: Pflanzen

Formen des Lebens

Ein Gang durch die Botanik

Japanischer Blumenhartriegel

Geschlitztblättrige Rotbuche (hinter dem Zaun: der Gesang des Zaunkönigs)

Drüben, der weiße Strauch, dort hatte unser Weg begonnen. Pflanzenformen. Und insgesamt nur 2 Menschen, 2 Tiere und 1 Taubenhaus? Siehe auch hier. Auch hier. Des weiteren?

Der Zaunkönig hier klang anders als zuhaus.

Es war der 6. Juni 2022, 2. Pfingsttag. Danach zum Griechen „Villa Zefyros“ …

Ich denke das, was Bruno Latour so eindringlich dargelegt hat: wir sind nicht in diesem wunderbaren Planeten, wir leben nur auf einer ganz dünnen Schicht an der Oberfläche.“

Botanik, Lebewesen, Gaia… Was heute Abend noch dazukam:

Aus dem Naturkunderegal im Übezimmer (ein Buch aus dem Jahr 2007)

Bernhard Edmaier: Die Muster der Erde / Mit Anmerkungen von Angelika Jung-Hüttl / Phaidon Verlag Berlin 2007

Zitat aus der Einleitung:

Die Muster der Erde besitzen eine kaum zu beschreibende, geheimnisvolle Ästhetik. Der Grund dafür könnte es sein, dass diese Strukturen ganz nach den Naturgesetzen entstehen. Flüsse zum Beispiel oder auch fließendes Gletschereis suchen – immer der Schwerkraft folgend – den direktesten Weg bergab. Stoßen sie dabei auf Hindernisse, nagen sie solange daran, bis sie sie überwunden oder beseitigt haben. Fels verwittert am schnellsten dort, wo er gebrochen ist oder aufgrund seiner mineralischen Zusammensetzung am leichtesten durch Wasser aufzulösen ist. Der berühmte Fotograf Andreas Feininger schrieb dazu in seinem Buch Die Sprache der Natur (1966): „Ihre Formen sind … funktional gestaltet. Und eben weil sie im besten Sinne des Wortes funktional sind, empfinden wir sie als schön.“

  Von hoch oben

Aus dem Briefkasten (frische Post aus Mühlehorn/Schweiz)

Fernsicht

Aronstab

Warum Giftpflanze des Jahres 2019?

Ich kenne ihn im Garten seit mindestens 20 Jahren und verschone ihn (wie alles andere) , weil mir seine Blätter gefallen. Auch seine kostbar wirkende Blüte und sein Stab. Die Pflanze fühlt sich offensichtlich wohl an diesem Platz und kehrt immer prächtiger wieder. Ich werde sie das Jahr über im Auge behalten.

Wikipedia Aronstab hier

Warum Giftpflanze 2019 hier

Was gibts noch, wild und doch in Sichtweite und Griffnähe?

Globemaster (im Ernst). „Zierlauch“ Zwiebeln aus Texel 24. und 28. April im braunen Bereich (oben, vorne rechts, die rundliche Frucht, leider nur mein Stiefel). Was ich mir davon erwarte:

9.5. vor allem aber: Insektenfreundlichkeit…

Für alle, die sich wundern, warum ihnen solche Bilder, solche Notizen in einem Blog vorgesetzt werden, – in einer Zeit, die uns zwingt, ununterbrochen an den Krieg (und vorübergehend weniger an die Pandemie) zu denken -, müsste klar sein, dass es mir nicht anders geht als jenen. Die eigentliche (?) Aufgabe liegt neben mir, die Süddeutsche (29.04.), gekauft wegen Habermas. Auch die ZEIT von neulich (21.04. wegen Heinrich August Winkler 7 Mythen über Europa). Es sind nur Nachhilfen, die eine gewisse Eigentätigkeit erlauben, aber im Ganzen so wenig ändern wie Klavierüben, Konzertbesuch oder Gartenarbeit.

   SZ 29.04.22

SZ, dank der „Personen auf dem Fahrgleis“, später dank „Stau der verspäteten Züge vor Köln“ die Dauerlektüre auf der Bahnfahrt Solingen Köln 15.27 hin, nach Konzert Gleis 1 ab 22.52 zurück

Schlaflabor notiert (Alexander Schubert wg. Hegel, = nicht identisch)  -„Musik Amnesie Gedächtnis“ Das Gras wächst / weiter, erinnere dich – Stefan Fricke (Autor, s. hier). Mein durch Musik geläutertes Gedächtnis suggerierte mir später: das stand was über Ameise und Gras…

Am nächsten Morgen (Verurteilung des Habermas-Artikels – wie erwartet – Solinger Tageblatt)

Für die Aburteilung genügt 1 Satz (wie im Fall Kant, um ihn als Rassisten zu brandmarken, s. Alexander Schubert² betr. Hegel)

Man muss nicht etwa mühsam suchen, um in dem sehr differenzierten Essay von Habermas den zitierten Satzteil zu finden, er springt als Extra-Block in die Augen, aber nur bei einer sorgfältigen Lektüre  entdeckt man ihn im engeren Kontext, der keinesfalls eine tendenziöse Verkürzung gestattet: Habermas warne vor einer Eskalation des Krieges und

beklagt dabei fatalerweise das „ungestüme moralisierende Drängen der zum Sieg entschlossenen ukrainischen Führung“.

Es geht aber folgendermaßen weiter:

Und man sieht, dass Habermas nicht klagt, sondern denkt.

Um hier den berühmt-berüchtigten Begriff rechtmäßig zu gebrauchen: er denkt dialektisch. Und damit der Sachlage vollkommen angemessen. Man muss nur dem Text genau folgen, die Funktion von Worten wie „Dilemma“ erfassen, die penible Beschreibung der zwei Seiten, ihrer Asymmetrie, der völkerrechtlich definierten Schwelle, der roten Linie, der national oder eher postnational, postheroisch  geprägten Identitäten; bedrängt von der atomaren Drohung, der Konfusion gleichzeitig aufeinanderstoßender, aber historisch ungleichzeitiger Mentalitäten, all das kann nicht logisch in eine pragmatische Formel politischen Handelns münden. Es gibt keinen Ratschlag, keine leichtfertige Schlagzeile, keine „gordische“ Lösung. Daher kann es auch keinen kernigen Abschluss dieses Essays geben, sondern nur einen vagen Ausblick:

Macrons Wiederwahl markiert eine Galgenfrist. Aber zunächst müssen wir einen konstruktiven Ausgang aus unserem Dilemma finden. Diese Hoffnung spiegelt sich in der vorsichtigen Formulierung des Zieles, dass die Ukraine den Krieg nicht verlieren darf.

Quelle Süddeutsche Zeitung 29. April 2022 Jürgen Habermas: Krieg und Empörung / Schriller Ton, moralische Erpressung: Zum Meinungskampf zwischen ehemaligen Pazifisten, einer schockierten Öffentlichkeit und einem abwägenden Bundeskanzler nach dem Überfall auf die Ukraine.

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Weiteres zum Ukraine-Krieg HIER (Dank an JMR)

Pressetext hr

Es wird Frühling. Und es ist Krieg. Der Zwiespalt ist kaum auszuhalten, sagt die Schriftstellerin Katja Petrowskaja. Sie lebt in Berlin und Tbilisi und blickt aus der Ferne auf die unfassbare Gewalt, auf getötete Kinder und Massengräber in ihrer Heimat, der Ukraine. Juri Andruchowytch ist mittendrin und verliert trotz allem seinen Humor nicht. Die Botschaft der beiden Schriftsteller*innen aber ist klar: Wenn ihr der Ukraine nicht helft, diesen Krieg zu gewinnen, dann kommt der Krieg morgen zu euch! Und was sagt der Historiker? Timothy Snyder analysiert die deutsche Sehnsucht nach historischer Unschuld, die zu schlimmen Fehlern führt – im perversen Versuch, Vergangenheitsbewältigung und Gasgeschäfte zu verbinden. Es sind drei verschiedene Perspektiven auf den russischen Krieg gegen die Ukraine, die Jagoda Marinic in dieser Folge von FREIHEIT DELUXE auslotet. Am Ende steht die Erkenntnis: Das russische Vorgehen gegen das Nachbarland ist zutiefst faschistisch. Das zu stoppen, kann nicht allein die Aufgabe der Menschen in der Ukraine sein. Hier hört ihr: – wie Katja den Frühling in Zeiten des Kriegs wahrnimmt (7:00) – wieviel Normalität im Krieg ist und wieviel Krieg in der Normalität (8:45) – warum wir alle für die Toten verantwortlich sind und warum Appeasement-Politik ein Fehler ist (18:35) – warum für Katja ein Satz von Richard David Precht das Ende des deutschen Humanismus markieren könnte (20:40) – warum die Menschen in Iwano-Frankiwsk scheinbar entspannt mit ihren Hunden spazieren gehen (44:30) – warum Juri mit einer Partisanengruppe auch in den Kampf ziehen würde (59:20) – warum Juri Schriftsteller und trotzdem nicht verrückt ist (1:05:20) und warum der Krieg schon morgen nach Deutschland kommen kann (1:06:20) – wie Deutschland versucht, Gasimporte und Vergangenheitsbewältigung zu verbinden (1:26:00) – warum Timothy glaubt, dass Scholz, Steinmeier und andere deutsche Politiker den Faschismus in Russland nicht sehen wollten (1:31:00) – wie man auf atomare Erpressung reagieren sollte (1:44:00) – und warum die Welt ohne den ukrainischen Widerstand viel düsterer wäre (1:58:20) Ein Transkript der Folge findet ihr hier: https://download.hr2.de/podcasts/freiheit_deluxe/ukraine-spezial-100.pdf

FREIHEIT DELUXE mit Jagoda Marinic ist eine Produktion des Hessischen Rundfunks und des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels.

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Zurück in den Garten: Sie wollen wissen, was es mit Arons Stab wirklich auf sich hat? In Arnold Schönbergs Oper „Moses und Aron“ erlebt man folgende Szene (darüberhinaus könnten Sie in die Bibel nachschauen, wie Aarons Stecken grünte, so im 4. Buch Moses Kapitel 17, – aber das ist eine andere Geschichte):

Quelle Karl H. Wörner: Gotteswort und Magie / Die Oper »Moses und Aron« von Arnold Schönberg / Verlaf Lambert Schneider Heidelberg 1959

Die Krone der Schöpfung

Aber nichts von Förster Wohlleben

Ich weiß: da ich selber ihm gern zugehört habe (hier), tat mir diese Gegenmedizin gut. Die Naturschwärmerei führt nicht weit, ebensowenig wie Musikschwärmerei; jedes konkret benannte Detail ist interessanter als das bloß mit heißem Herzen gefühlte. Es war ein netter Zug, wenn er davon sprach, dass er den Vorwurf der „Vermenschlichung“ gern auf sich nehme, da er nunmal nicht „bäumisch“ zu reden vermag. Aber wer verlangt das denn?

Dies ist eine schmucklose DVD, die ich gern konsumiert habe. Da sprechen redliche Leute, die uns nicht mit ihrer naturreinen Güte überrumpeln. (Vorsicht: Dies habe ich nach dem ersten Hören niedergeschrieben…) Sie sprechen sehr ausführlich, und das bedeutet nebenbei, dass ich es vielleicht nur einmal hören möchte, für später jedoch gern ein Stichwort-Verzeichnis hätte. Oder einige Kernsätze. Daher dieser Merkzettel, der vielleicht noch etwas anwächst, zumal durch Infos aus Wikipedia und ähnlichen Quellen, die den ersten Eindruck – vorsichtig gesagt – relativieren.

Übrigens ist auch der Titel dieses Beitrag nicht so emphatisch gedacht wie er auf den ersten Blick aussieht. Ich denke zugleich an den Menschen und die Abwandlung seines rühmenden Beinamens in Gottfried Benns Version („…der Mensch, das Schwein“), dann wieder an die ironische Rehabilitierung selbst dieses letztgenannten Tieres in moderner Sicht. (Einen Hinweis aus der Neuen Bücherliste der ZEIT ist nachgetragen…)

Ein Film von Holger Douglas. (Die Musik ist wie so oft in Naturfilmen für Musiker schwer erträglich. Der Sprecher ist in Ordnung, für den Vortrag der Gedichte (Kapitel 2: Eichendorff, Dauthendey) allerdings weniger geeignet. Musik ist etwas anderes. Und Lyrik auch.

(Ich meine das mittlere! 😇)

Was ist der Wald für mich? (Ein individuelles, auf mich zugeschnittenes Produkt? Ein altes Wort lautet: „Glotzt nicht so romantisch!“ Und ich zitiere noch ein ironisches, aber sehr wahres Wort:)

Die Kritik der Massenkultur basierte traditionell auf der Differenz zwischen einem wahren, authentischen Geschmack und dem Massengeschmack. Doch genau diese Differenz funktioniert nicht mehr. Heute ist der Massengeschmack ein Forschungsfeld für professionelle Beobachter geworden. Produktforscher suchen im Firmenaufrag mittels Testvorführungen, Werbepsychologie und statistischen Erhebungen nach individuellen Merkmalen des Massengeschmacks, die für die Entwicklung und Platzierung ihrer Produkte verwendet werden können. Mittlerweile wird gerade der individuelle Geschmack mithilfe von Datenmassen erfasst. Jede Konsumwahl wird vom Subjekt als individuelle aufgefasst: Jedes Ich hat seinen persönlichen Geschmack. Meine selbständige Wahl, von meinen Geschmackspräferenzen zielsicher und ohne äußere Manipulation aus einem riesigen Angebot gesteuert, ist genau auf mich zugeschnitten und kann von mir zusätzlich verfeinert werden. Im Endeffekt aber finde ich mich als Mitglied einer intern höchst differenzierten Konsum-Masse wieder. Ich habe diese Masse nicht gewählt. Es stellt sich aber heraus, dass mein Geschmack, mein individuelles Präferenzsystem, weitgehend ähnlich funktioniert wie das der anderen Mitglieder »meiner« Konsum-Masse. Meine Geschmackswahl ist von mir selbst bestimmt – ebenso wie bei den vielen anderen. Wir haben alle unabhängig voneinander ein sehr ähnliches Bewertungs- und Entscheidungssystem (mimetisch) ausgebildet. Am Ende meiner Kaufentscheidung im Internet sagt mir das System des Online-Händlers: »Kunden, die diesen Artikel kauften, wählten auch…« Als im April 2018 der Musik-Streaming-Dienst Spotify an die Börse ging, schrieb die Süddeutsche Zeitung anerkennend, dass es ihm mit seinen Algorithmen gelänge, den  »individuellen Massengeschmack« von Millionen Hörern präzise zu erfassen.

Meine subjektiven Entscheidungen vollziehen sich in einem Netz ähnlicher Präferenzen. Die Masse, zu der ich gehöre, handelt nicht als homogener Verbund; jeder entscheidet für sich.

Quelle Gunter Gebauer / Sven Rücker: Vom Sog der Massen und der neuen Macht der Einzelnen. / Deutsche Verlags-Anstalt München 2019 (Zitat Seite 245f)

P.S. Ich hoffe nur, dass ich der menschlichen Masse nicht im Wald begegne.

Die Fachleute, die zu Wort kommen: Prof. Ulrich Kutschera (Info vorsichtshalber nachzulesen hier) , Prof. Christian Ammer (Wikipedia hier), – es gibt einen lesenswerten Briefwechsel zu Waldfragen mit Prof. Ammer, nachzulesen hier ,

und Ernst Jungk vom Arboretum (nicht Arboreum, siehe Cover) Alzey, das er zwiefach vertritt: siehe hier und mit seinen eigenen Worten:

„Ich möchte damit ausgleichen, dass wir auf der anderen Seite unseres Werkes in die Natur eingreifen müssen, um den Ton für unsere Ziegelproduktion abzubauen“, erklärt der passionierte Baumfreund und -kenner, dem diese Versöhnung zwischen Technik und der Natur sehr wichtig ist. (Quelle hier).

Preisfrage: welcher Fachmann spricht hier von einer „Aurakarie“ statt einer Araukarie?

(Preis geht in jedem Fall an mich! Und dieser Beitrag entgeht nur um ein Haar der Löschung!)

Alles könnte so schön sein!

Warum „könnte“ ? (Gedanken in der Krüdersheide)

 Das alte Forsthaus

 

 Auf die Hofschaft zu Die stillen Pferdekoppeln Abendbrot der Pferde

 Wie es ist, ein Baum zu sein

 Doppelhaus

 Hausbesitzer

 Rein pflanzliche Wesen am Zaun Klassischer Wohnsitz Füsers Krüdersheide Wenn es nur nicht dunkel wird Zu spät Sackgasse

Fotos: E.Reichow 23. November 2020

Muster im Botanischen Garten

Ostersonntagmorgen

Das niedlichste Bild nehme ich nur kurz in diese Frühlingsschau, weil ich die Erlaubnis nicht eingeholt habe. Aber es passte so unglaublich gut, Jubelrufe der Kinder: am Rand einiger Beete waren kleine Geschenke versteckt… (ich werde einfach behaupten, die Mütter hätten mich auch ungefragt fotografiert…) es ist überall viel von Hoffnung die Rede: genau so sieht das in der Wirklichkeit aus.

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 (Foto ER, alle anderen JR)

Fortsetzung folgt (Lehrpfadplan)