Kategorie-Archiv: Politik

Zeitsprung

Henning Venske

Kennengelernt haben wir uns vor über 40 Jahren. Jedenfalls bin ich sicher, dass er die Matinee mit der Gruppe Moin moderiert hat, 1976, (siehe hier). Für mich war es, glaube ich, das erste Konzert in der Reihe, für das ich nun allein verantwortlich war, bis dahin war ich freier Mitarbeiter des WDR gewesen, „fester Freier“, jetzt festangestellt. Venske begann mit der Erläuterung des  an der Nordsee allgegenwärtigen Friesengrußes „Moin“, lakonisch kurz und lustig. Seine Moderationen waren pointiert, unorthodox, unvergesslich. Die Ansage zu einem Heiduckenlied begann er folgendermaßen: „Heidschnucken heißen die schmucken Schafe in der Lüneburger Heide, sehr schmackhaft. Heiducken jedoch die Kämpfer in der ungarischen Puszta, sehr mannhaft“. Es war selten voraussagbar, wie er die Informationen verpackte, die er unglaublich schnell  aufnahm und mit einem Schuss jugendlichen Übermuts, ja, Mutwillens versah; er brachte einen neuen Ton in die Musikpräsentation. Witzig, aber nie flapsig. Wir wussten, dass er auch gerne für uns arbeitete, aber als ich es jetzt schwarz auf weiß las, nachdem ich ihn lange aus den Augen verloren hatte, war ich doch sehr gerührt. Ich muss den Text hier wiedergeben, stolz und dankbar.

Venske Cover 1979 1979

Venske Cover 2014

Venske 260 Venske 261

Es ist keine Retourkutsche, wenn ich hinzufüge, dass die Lektüre dieses Buches für mich von A bis Z ein großes Vergnügen ist, auch wenn von mir überhaupt nicht mehr die Rede ist (ja, natürlich nicht). Ein faszinierendes Leben „aus erster Hand“!

Konkreteres HIER. (Nebenbei: Dieser Hinweis bringt mir keinen persönlichen Gewinn, war mir allerdings auch wieder ein Vergnügen.)

Venske in Wikipedia HIER.

FREIHEIT!

Freiheit Arendt 1967 / 2017

Aus dem Nachwort von Thomas Meyer:

Hannah Arendts Idee, dass mit der Geburt eines jeden Menschen, eines jeden Gedankens ein ebenso kleiner wie radikaler, jedwede historische Erfahrung und jede Form des Pessimismus widerlegender Neuanfang gemacht ist, gehört zum Unerhörtesten, was die moderne Geschichte des Denkens zu bieten hat.

Thema Schweinebucht und Elend

Zwar wird das Scheitern der Invasion in der Schweinebucht oft mit falschen Informationen oder einem Versagen der Geheimdienste erklärt, doch tatsächlich liegen die Ursachen dafür tiefer. Der Fehler bestand darin, dass man nicht begriffen hat, was es bedeutet, wenn eine verarmte Bevölkerung in einem rückständigen Land, in dem die Korruption das Ausmaß völliger Verdorbenheit erreicht hat, plötzlich befreit wird, nicht von der Armut, sondern von der Undeutlichkeit und damit der Unbegreiflichkeit des eigenen Elends; was es bedeutet, wenn die Leute merken, dass zum ersten Mal offen über ihre Lage debattiert wird, und wenn sie eingeladen sind, sich an dieser Diskussion zu beteiligen; und was es heißt, wenn man sie in ihre Hauptstadt bringt, die sie zuvor nie gesehen haben, und ihnen sagt: Die Straßen, diese Gebäude, diese Plätze, das gehört alles euch, das ist euer Besitz und damit auch euer Stolz. Das – oder zumindest etwas Ähnliches – geschah zum ersten Mal während der Französischen Revolution. [Seite 10]

Amerikanische und Französische Revolution

Wenn die Männer der Amerikanischen und Französischen Revolution vor den Ereignissen, die ihr Leben bestimmten, ihre Überzeugungen prägten und sie schließlich entzweiten, etwas gemeinsam hatten, dann war es eine leidenschaftliche Sehnsucht danach, sich an den öffentlichen Angelegenheiten zu beteiligen, und eine nicht minder ausgeprägte Abneigung gegen die Heuchelei und Dummheit einer „guten Gesellschaft“ – hinzu kamen noch eine Rastlosigkeit und eine mehr oder weniger explizite Verachtung für die Belanglosigkeit bloß privater Angelegenheiten. Woher die ganz spezielle Mentalität rührte, hat John Adams ganz richtig erfasst, als er davon sprach, dass „die Revolution vollzogen war, bevor der Unabhängigkeitskrieg begonnen hatte“, aber nicht, weil ein besonders revolutionärer oder rebellischer Geist umging, sondern weil die Bewohner der Kolonien „durch das Gesetz in Körperschaften zusammengefasst waren, die politischer Natur waren“, insofern sie das Recht hatten, sich in den „town halls zu versammeln, um dort über öffentliche Angelegenheiten zu beraten“; denn „in diesen Versammlungen der Städte und der ländlichen Bezirke wurde die Denkungsart des Volkes ursprünglich geformt“. [Seite 18f]

Die Amerikanische Revolution hatte das Glück, nicht mit diesem Freiheitshindernis [Armut der Massen] konfrontiert zu sein, und verdankte ihren Erfolg zu einem Gutteil dem Fehlen verzweifelter Armut unter den Freien und der Unsichtbarkeit der Sklaven in den Kolonien der Neuen Welt. Natürlich gab es Armut und Elend in Amerika, die durchaus mit der Lage der „laboring poor“ in Europa vergleichbar waren. Mochte Amerika in der Tat „a good poor Man’s country“ sein, wie William Penn meinte, ein gutes Land für arme Männer, und bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts für die Verarmten Europas der Traum vom Gelobten Land bleiben, so ist nicht weniger wahr, dass diese „Gutheit“ zu einem beträchtlichen Maß vom Elend der Schwarzen abhing. [Seite 24f]

Eine der wichtigsten Konsequenzen der Revolution in Frankreich war es, dass sie zum ersten Mal in der Geschichte le peuple auf die Straßen brachte und sichtbar machte. Als das geschah, stellte sich heraus, dass nicht nur die Freiheit, sondern auch die Freiheit, frei zu sein, stets nur das Privileg einiger weniger gewesen war. Aus dem gleichen Grund jedoch blieb die Amerikanische Revolution weitgehend folgenlos für das historische Verständnis von Revolutionen, während die Französische Revolution, die krachend scheiterte, bis heute bestimmt, was wir als revolutionäre Tradition bezeichnen. [Seite 25f]

Der Zug der Frauen nach Versailles

Was die ursprüngliche Beziehung zwischen den Revolutionären und der breiten Masse der Armen, die von ihnen offen sichtbar gemacht wurden, angeht, so möchte ich Lord Actons interpretierende Beschreibung des Marsches der Frauen auf Versailles zitieren, der einen der entscheidenden Wendepunkte in der Französischen Revolution darstellte. Die Marschierenden, so Acton, „handelten spontan als Mütter, deren Kinder in Elendsquartieren Hungers starben, und damit liehen sie den Antrieben, welche sie weder teilten, noch auch nur verstanden, die diamantene Härte, der nichts widerstehen konnte“. Was le peuple, das gemeine Volk, wie man es in Frankreich verstand, in die Revolution einbrachte und was in Amerika völlig fehlte, war die Unwiderstehlichkeit einer Bewegung, die von menschlicher Macht nicht mehr zu kontrollieren war. Diese elementare Erfahrung der Unwiderstehlichkeit – so unwiderstehlich wie die Bewegung der Himmelskörper – erzeugte eine ganz neue Bildlichkeit, die wir heute fast automatisch assoziieren, wenn wir an revolutionäre Ereignisse denken. [Seite 29]

Hannah Arendts Werk „Über die Revolution“ (1963), bei Wikipedia zusammengefasst HIER. Man sieht in diesem langen Artikel auch, dass man selbst die scheinbar plausibelsten Erkenntnisse in Frage stellen kann (siehe Abschnitt Rezeption). Wobei man beobachten muss, auf wie hohem Niveau das geschieht. Für uns kann entscheidend sein, wer das in Gang gesetzt hat und als Initiator die entscheidende Rolle spielte. – Ich muss den Film noch einmal sehen. Meine Erinnerung meldet u.a. folgende Lappalie: damals wurde ungeheuer viel geraucht. Und: es ging vor allem um die Kontroverse in der Beurteilung des Bösen (Eichmann).

Hannah Arendt hier. Der Film hier.

Hannah Arendt DVD

Facebook im Visier

Aufklärung im TV 

Lanz Screenshot 2018-03-24 15.30.56 Markus Lanz und Ranga Yogeshwar (ZDF)

(Markus Lanz Ausgangsfrage:) 5:15 „Facebook – 50 Millionen Daten geklaut, was ist da passiert? Kannst du uns das so erklären, dass wir alle das verstehen?“

[Im folgenden stehen in runden Klammern immer Einwürfe, meist von M.Lanz]

RY [Ranga Yogeshwar] Wir wissen alle: es gab eine Wahl in den USA, Donald Trump ist Präsident geworden, und wenn man sich die Wahl genauer anschaut, merkt man, er ist sehr knapp Präsident geworden, da war keine große Mehrheit, in einigen Staaten, da gab es mehrere tausend Stimmen als Unterschied, und es wurde viel darüber spekuliert, war dieser Wahlkampf einer, bei dem Internet, ganz konkret die sozialen Netzwerke, eine wichtige und vielleicht größere Rolle gespielt haben, als der eine oder andere denkt. Nun klingt das für den Laien abstrakt, und er sagt, was soll Facebook mit einem Wahlkampf zu tun haben, aber: was bei jeder Wahl auch in den USA der Fall ist: es gibt die einen, die wählen fest die Demokraten, die andern die Republikaner, aber dann, und das war bei dieser Wahl auch besonders, gab es viele, die sich noch nicht entschieden hatten, und wenn man jetzt, und jetzt stellen wir uns einfach mal vor, wir wären sozusagen Wahlkämpfer, dann würden wir ja sagen, o.k., die die ohnehin die falsche Partei wählen, die brauchen wir gar nicht (muss man sich nicht drum kümmern), aber wenn wir die, die ein bisschen unentschlossen sind, möglicherweise zuerst einmal identifizieren und dann so mit Informationen füttern, dass sie möglicherweise anfangen, ihre Meinung wirklich zu ändern, können wir das Ding reißen. Und genau das ist passiert, und zwar in mehreren Stufen: die erste Stufe war, dass man dafür Daten braucht, und da kommt Facebook ins Spiel, weil Facebook natürlich erstens mal ein gigantisches soziales Netzwerk ist, zwei Milliarden Nutzer (ist unvorstellbar), also auch in den USA weit verbreitet, und anhand der Daten in Facebook und auch bestimmter Apps, die da sind, war man nun in der Lage, zu erst einmal genau auszuloten, wer, wie ist das Profil von dem einen oder dem andern. (Wer sind sozusagen die wankelmütigen Kandidaten?) Wer sind die Wankelmütigen, wofür interessieren die sich, womit kann ich die ködern? 7:18

(Was sind die Probleme dieser Leute. Wir gehen da gleich tiefer rein. Herr Schieb, wenn man das hört: 50 Millionen Profile, – ich habs immer noch nicht verstanden, wie haben die das gemacht, was haben die zusammengeführt, und was ist das, was da gestern rausgekommen ist? Ist ja im Grunde eine Explosion, die diese digitale Welt erschüttert hat, und von der man noch nicht so genau weiß, wann irgendwann die letzten Eruptionen wirklich zuende sind.)

Lanz Yogeshwar Screenshot 2018-03-24 15.32.07 Markus Lanz, Ranga Yogeshwar (ZDF)

JS [Jörg Schieb] Also erstmal ist es so, dass 2016 nicht das erst Mal war, dass soziale Netzwerke ne Rolle gespielt haben, (Obamas Wahlen ja auch schon!) da hat man ja ganz klar gesagt, das hat ne Rolle gespielt, die jungen Leute anzusprechen, aber nicht mit diesen Methoden (genau! Reden wir hier von Tricks? Reden wir hier von Manipulation? Wovon reden wir hier?) Ich würds nicht unbedingt als Manipulation bezeichnen, im Grunde ist das, was Cambridge Analytica gemacht hat, sehr konsequent das weiterzutreiben, was Facebook sowieso hat, als Geschäftskonzept. 8:10 Nämlich, denn das Geschäftskonzept von Facebook ist ja nicht, dass wir uns unterhalten oder Fotos austauschen, das ist quasi das Lockmittel. Das ist das, was wir gerne tun möchten, aber das dient letztlich nur dazu, dass Facebook möglichst viele Benutzer bekommt und die möglichst gut kennenlernt. Auch das hat natürlich einen Hintergrund, dieses Kennenlernen bedeutet: möglichst die Vorlieben kennen, die Orte kennen, wo man ins Restaurant geht, wo man eincheckt, welche Hotels man besucht, ob man Fahrrad fährt, Veganer ist und solche Geschichten. Warum? Nicht weil es so interessant wäre, sondern weil das die Möglichkeit bereitet, möglichst genaue Werbung zu päsentieren. Das nennt sich Targeting, in dieser Fachsprache, in der Onlinewerbung (Targeting Zielen, genau gerichtet) es gibt ja dieses Gießkannenprinzip Anzeige für Unterhosen sie spricht aber, sie spricht eigentlich nur Männer an, wenns Männerunterhosen sind, (von Frauen gesehen, genau, macht kein‘ Sinn) ist es verschenktes Geld 9:02 jetzt ganz genau hingehen zu können und nem Veganer ein veganes Restaurant empfehlen zu können, als plattes Beispiel, ist natürlich viel besser, man weiß, es ist ein Veganer und der wohnt möglicherweise in der Stadt, oder besucht die Stadt regelmäßig, wo es das Restaurant gibt, dafür bezahlt jemand, der Werbung schaltet, mehr Geld, weil es eben treffsicher ist, treffgenau ist, als für so ne lapidare Werbung, die jeder sehen kann. Und genau deswegen versucht Facebook Benutzer möglichst genau zu kennen und mehr über sie zu erfahren, als wir uns vorstellen können. Also man weiß mittlerweile, dass Facebook uns, jeden von uns, besser kennt als – na ja, Sie sowieso, als n Freund oder sogar die Familie. Also, das ist ganz definitiv (können Sie das mal so konkret machen?). Ja, zum Beispiel, was ich insgeheim mir wünsche, was ich für Träume habe, das lässt sich ableiten, nicht dadurch, dass ich plump so auf ne Webseite gehen, sagen wir mal ehmm Motorradfahrer, kuck mal diese Seite so regelmäßig an, das wäre einfach, dass man sich das merkt, das wird zwar auch registriert, aber durch die Tatsache, dass ich bestimmte Dinge like, also: mag, da reichen 6 – 7 Likes, die ich wahllos mache, um relativ präzise sagen zu können, wie ich ticke. Nicht weil ich schon so viele Informationen über mich preisgegeben habe, sondern genau deswegen, weil Facebook 2 Milliarden Menschen genau kennt und scannt, und die Gewohnheiten eben von 2 Milliarden Menschen schon kennt und das vergleichen kann. Also Big Data, dieses große Datenpoolprinzip, wird hier halt zur Spitze getrieben und wirklich komplett ausgenutzt. Also nicht ich verrate wirklich aktiv, was mich interessiert und was meine Neigung ist, sondern insgeheim, durch verschiedene Reaktionen lässt es Rückschlüsse zu, also letztlich weiß Facebook nicht 100prozentig genau, (aber Sie kriegen ein Gefühl dafür!), aber Sie kriegen ein Gefühl dafür, und diese Treffsicherheit ist enorm hoch (ist enorm hoch), und genau das wollte Cambridge Analytica ausnutzen (diese Firma Cambridge Analytica, ich lese die unterschiedlichsten Dinge darüber, lese darüber, dass ein eher rechts ausgerichteter amerikanischer Milliardär, Robert Mercer, dahintersteckt, als Financier, der 15 Millionen Dollars da investiert haben soll, ich höre, dass eine Firma dahinter, ein gewisser Steve Bannon eine entscheidende Rolle gespielt haben soll, sogar den Namen soll er sich für diese Firma ausgedacht haben, wer sind diese Leute, wer ist Cambridge Analytica?). 11:26

Schieb Screenshot 2018-03-24 15.33.13 Jörg Schieb (Screenshot ZDF)

RY Also es gab in den letzten Tagen … eigentlich sind die Recherchen hervorgekommen, was da wirklich los ist, die Kollegen in Grossbritannien vom Guardian, von New York Times, vom Channel Four, das war ne große – ich war gerade in London noch gestern – und die, das waren wirklich zwei große Sendungen zur Hauptsendezeit, (was haben die da gemacht?) die haben investigativ sehr genau gekuckt, was ist das für ein Unternehmen und haben Journalisten dahingeschickt mit versteckter Kamera und merken, wie diese Firma vorgegangen ist, es gibt daneben so einen, der ausgestiegen ist, der wirklich auch die Praktiken dargestellt hat, und wir fangen mal beim Namen an, Cambridge Analytica: wer in Cambridge, das ist die große Universität, Cambridge Oxford, und Steve Bannon, das war der Wahlkampf-Chef von Trump (das Mastermind sozusagen) jetzt muss man sich mal die Dreistigkeit vorstellen, diese Firma sitzt eigentlich in London, die mieten Büros in Cambridge, nehmen ihre Mitarbeiter und sagen: o.k. kommt, an dem Tag kommt Steve Bannon, und täuschen vor: das ist n ganz akademischer Verein. De facto dahinter ist es so, es ist eine Firma, die mit kriminellen Methoden versucht, Wahlkampf zu machen. Kriminell heißt, es wurden zum Teil Prostituierte eingeladen, also es gibt in dem Video, was man sieht, Szenen, wo man wirklich sagt: das kann nicht wahr sein, also wo man merkt … wie … ja, absurd Politik geht, Machtgewinn geht, indem Menschen bewusst vorgeführt werden, unter Druck gesetzt werden, wo ein System sich offenbart und in diesen Interviews gefilmt wurden, hört man, das ist nicht nur im Wahlkampf in den USA so, das passiert öfters, und das lässt jeden, der sich das anschaut, daran zweifeln, (das ist ja auch das, Herr Schieb, was die Leute so elektrisiert, ne? Dass man plötzlich das Gefühl hat, ah, Moment mal, eh, der Brexit zum Beispiel hat damit möglicherweise auch damit zu tun, dass die Firma, die sich damit ja auch teilweise brüstet. Diese Reporter, von denen du gerade sprachst, von Channel Four haben sich ausgegeben als Interessenten … Wahlkampf auf Sri Lanka … ein Geschäftsmann, der irgendwie Hilfe brauchte, wie kann man andere Leute unter Druck setzen, wie kann man sie manipulieren, schick da mal n paar Mädchen vorbei und dann werden wir den Rest erledigen usw. – diese 50 Millionen Datensätze, was hat es mit denen auf sich, wie kommen die daran, wie kommt Cambridge Analytica an diese Datensätze von Facebook? Wenn ich dort jetzt n Account habe, dann gehe ich doch davon aus, dass der geschützt ist und nicht hinten rum an Cambridge Analytica verkauft wird.) 14:20

JS Genau das ist der wichtige Punkt, den man auch in aller Deutlichkeit sagen muss, dass Facebook hier Massenverrat begangen hat nachgewiesenermaßen, aber es sowieso täglich tut, weil das Prinzip ist so gewesen. Cambridge Analytica hat keine direkte Verbindung mit Facebook gehabt, hat also die Daten nicht gekauft, das sowieso nicht, man kann jetzt keine Daten kaufen bei Facebook, das kann man nicht (das ist schon mal wichtig zu verstehen), das tun die nicht, aber wenn man eine App entwickelt, also eine Anwendung, die in dem Portfolio von Facebook läuft, auf dem Smartphone oder auf dem Desktop-Computer, also eine App, die in Facebook läuft, dann hat man das Privileg, auf bestimmte Daten zuzugreifen, die Facebook zur Verfügung stellen kann und auch zur Verfügung stellen möchte (kostet die was?), um die Anwendung sinnvoll zu machen, dass ich mich bequem einloggen kann, dass ich meinen Namen nicht wieder eingeben muss, dass ich auch sehen kann, mit wem bin ich denn befreundet, z.B. Freunde in ein Spiel zu ziehen, sehr häufig wird das gemacht (bezahlt man dafür dann? Oder wird einem das so zur Verfügung gestellt?), das wird einem so zur Verfügung gestellt, weil Facebook ja ein Interesse daran hat, möglichst jeden Bedarf abzudecken, egal ob verrückt oder nicht verrückt, Inhalte, Fotos, Videos, Spiele, alles wird da angeboten, und je länger die Menschen Zeit verbringen in Facebook, diese Präsenzzeit ist halt Geld wert. 15:32 Also die Wahrscheinlichkeit, dass man irgendeine Werbung anschaut, also anklickt, wird dadurch deutlich erhöht. (Woran wir wieder merken, dass es nichts kostenlos gibt, denn alles hat n Preis, ne? Alles hat n Preis! Und immer dann, wenns kostenlos ist, besonders vorsichtig sein. Wie geht’s dann weiter? Wie kommen die jetzt wirklich an diese 50 Millionen, was machen die da mit diesen 50 Millionen Datensätzen?)

JS Also es gab eine Firma SCL [? hier ? nein hier !], oder es gibt eine Firma SCL, die hat eine App entwickelt, 2016 war das, nee 2015 schon, die nannte sich „This is your digital life“, war angeblich ein psychologisches Experiment, deswegen war Facebook etwas großzügiger bei der Herausgabe von Daten, da konnte man kucken, was bin ich den so fürn Typ, wo bin ich vernetzt, wo sind meine Freunde, also im Grunde genommen schon son kleinen Einblick in die Information, die auch Facebook über einen hat, und diese Daten von 270.000 Benutzern, die diese App offiziell benutzt haben, hatten die gleich im Sack sozusagen. Von den Benutzern gabs ne Freigabe, haben die Benutzer gesagt, die App benutze ich, und damit hat man zugestimmt, meistens ohne es zu wissen, wer liest sich das ehrlicherweise durch (genau!), dass die Daten von Facebook (du kommst an diesen Punkt, stimmen Sie den Nutzungsbedingungen zu, und ich sitze dann immer davor und denke, na gut, wenn ich jetzt nein sage, dann komm ich ja nicht mehr weiter, dann habe ich meinen Rechner umsonst gekauft) ja, man kann nicht bei Marc Zuckerberg anrufen und mit dem verhandeln und sagen: der Paragraph gefällt mir, der aber nicht. Das ist nicht besonders…, also friss oder stirb, das sind alles Mittel.. akzeptieren oder nicht, das macht auch schon das Missverhältnis deutlich, der gigantische Konzern und der kleine User. Also dieser App-Anbieter hat 270.000 Nutzer gehabt, diese Daten wurden alle schon mal eingesammelt, jetzt kommt der springende Punkt: Jeder einzelne Benutzer ist ja befreundet, das ist ja der Sinn und Zweck bei Facebook, im Schnitt 190 Freunde pro User, d.h. also etwa 200 mal 270.000, plopp sind wir bei 50 Millionen, die App hatte den Zugríff auf die Daten, dieselben Daten, die die registrierten Benutzer oder mehr oder weniger dieselben Daten wie die registrierten Benutzer und konnte von den Freunden die Information auch auslesen. Was ein psychologisches Experiment sein sollte, eine Praxis, die Facebook allerdings danach nicht eingestellt hat, aber stark beschnitten hat, das muss man fairerweise sagen. 17:40

RY Die Brisanz, die wir im Moment erleben, sind zwei Sachen, und ich glaube, dass wird der Lackmustest sein in den nächsten Wochen, ob Europa tatsächlich mündig ist, was das betrifft. Wir haben offensichtlich hier eine Spitze eines Eisbergs. Ich wage zu prognostizieren, dass wir noch viel mehr hören werden. Wir merken, es gibt große soziale Netzwerke, die einen immensen Einfluss haben und die damit auch Demokratien, die Art und Weise, wie wir kommunizieren, die Art und Weise, wie Bewusstsein entsteht, die Art und Weise, was wir glauben und nicht glauben, massiv beeinflussen. Und wir haben im Moment die Situation, dass z.B. Facebook Algorithmen verwendet, die niemand kennt. Ich persönlich glaube, wir müssten eine Offenlegung verlangen, also eine Art Rechenschaftspflicht, und ich würde persönlich so weit gehen zu sagen, vor dem Lichte und auch der Brisanz – weil man muss sich klar machen, die Konsequenzen auch für die Politik sind eine Entmündigung, wenn das so weiter geht (ist richtig!) , werden irgendwann Milliardäre bestimmen, wer sozusagen hier Politik macht. Also die Politik selber hat hier ein Interesse einzuschreiten, (ja, oder die machen die Politik selber!) ich würde sehr radikal, ich meine, das ist jetzt vielleicht – ich weiß, jetzt kommt n Shitstorm – aber ich würde sagen: in Deutschland oder Europa, man sollte wirklich mal die Pausentaste drücken und sagen: so! stopp! Wir stoppen Facebook, bis das aufgeklärt ist. Denn die Konsequenzen daraus, auch hierzulande, – überlegen wir – im letzten Jahr, ich mein, ich ging mit vielen Leuten in Berlin demonstrieren gegen Fake News, 11.000 Leute, weil wir inzwischen auch gemerkt haben, dass wir hier ein Riesenproblem haben (absolut!), dass Menschen irregeleitet werden, und ich glaube, an irgendeiner Stelle müssen wir so langsam mal aus diesen Wildwest-Methoden, die es mal gab, ein vernünftiges Prozedere machen. (Beifall) (Also ich fände es gut, sich mal klarzumachen, was das bedeutet. Ich hab neulich mal ne Untersuchung gelesen, die besagt, dass sich Fake News im Netz sechsmal schneller und besser duchsetzen als die Wahrheit.

JS Sechsmal schneller, und Sie erreichen zehn bis hundert mal so viele Menschen, das ist also ein gigantischer Effekt (warum ist das so?) – das haben Forscher untersucht, das liegt daran, dass Fake News, falsche Nachrichten, wie immer man das nennen möchte, emotionaler sind, sie haben einen Überraschungseffekt, das heißt, sie machen uns neugierig: wie stimmen zu, dann machen sie uns deswegen neugierig, oder wir lehnen sie ab, dann machen sie uns auch neugierig, das heißt: das ist ein menschlicher Reflex, das zu lesen, das zu kommentieren, das zu liken, oder zu widersprechen. Und jetzt kommen wir zu einem ganz ganz wichtigen Punkt: Die Tatsache, dass die Fake News so gut funktionieren, dass wir darauf ansprechen, ist der Effekt, ist sogar ein Turboeffekt für die Fake News: wir Menschen sorgen dafür, dass sie sich verbreiten, denn – Facebook sagt ja sogar, wir sollen Gegenargumente liefern, wir sollen gegenargumentieren, die Gegenrede, so nennen die das, um Fake News zu entlarven. Wenn wir das machen, belohnen wir aber die Fake News, weil die Algorithmen immer kucken, welche Texte, welche Fotos sind denn interessant, wo reagieren denn die Leute? Und die Algorithmen sind nicht schlau, die unterscheiden nicht zwischen einer intelligenten Auseinandersetzung oder einer Zustimmung, sondern die sehen nur: da ist Action, da ist was los, da geh ich doch hin, ich zeig das jetzt noch mehr Leuten, 21:14 weil das scheint ja interessant zu sein. Und das ist der Turboeffelt, wir haben die Blase, diesen Algorithmus, der saudämlich ist, der dafür sorgt, dass Dummheiten, Verrücktheiten und Lügen sich um so schneller verbreiten, und alles Wahre, leise Formulierte, was stimmt, geht unter. Und das ist genau das Gefährliche an den … sogenannten sozialen Netzwerken, weswegen ich auch sage, es sind asoziale Netzwerke, weil sie das Falsche belohnen (Beifall) weil sie das Falsche belohnen und das Richtige und Wahre (Beifall bleibt)…

Brinkbäumer Schieb Screenshot 2018-03-24 15.32.59 Klaus Brinkbäumer und Jörg Schieb (ZDF)

Klaus Brinkbäumer Es gibt ein wirklich eindruckvolles Beispiel aus den USA aus dem Wahlkampf von Breitbart. Haben wir alle schon gehört, Breitbart ist die extrem rechte Nachrichtenseite, wenn man es denn Nachrichtenseite nennen möchte, bei der (ideologische Plattform der Rechten!) Stephen Bannon auch beteiligt ist, derselbe Bannon, Trumps Wahlkampf Mastermind, von dem wir grade schon gesprochen haben. Breitbart hatte zu Beginn des amerikanischen Wahlkampfes 100.000 wir nennen es Follower, Fans, Leute, die die Seite also regelmäßig zu sehen bekamen, am Ende waren es über anderthalb Millionen, die alles weitergeleitet haben, das wichtige sind die Sharing-Funktionen, noch wichtiger als die Likes, (Teilen!) weil das dadurch geteilt wird, und dann gab es schlichte Erfindungen, also Pizzagate z.B. war eine Erfindung, also kein Wort stimmte, dass Hillary Clinton in einen pädophilen Ring involviert gewesen sei, ja, es gab kein Indiz, schon gar keinen Beweis, es war schlicht eine Erfindung (die Geschichte war im Keller einer Pizzeria … sollte das vonstatten gehen … missbrauchen böse Menschen arme kleine Kinder) – und diese Geschichte bekam mehr Aufmerksamkeit, wurde mehr geteilt als die ernsthaftesten, fundiertesten Enthüllung der New York Times. Plötzlich war Breitbart auf dem Niveau der New York Times durch genau diese Methoden, über die wir gerade gesprochen haben. Und wenn wir dann verstehen, dass es am Ende um genau 70.000 Stimmen ging, in drei Bundesstaaten, dann kann man die Frage gar nicht mehr verneinen, ob das eine Rolle gespielt habe (ist richtig!) (Schieb: War im deutschen Wahlkampf übrigens genauso. 23:25 LANZ: Wollte ich gerade sagen, wenn man AfD und Flüchtlingskrise gegoogel hat, haben Leute dafür gesorgt, dass Angela Merkel auftauchte beispielsweise. SCHIEB: Ich glaube acht der zehn am weitesten verbreiteten Nachrichten mit Angela Merkel waren nachweislich Fake News, acht von zehn, also, das ist ja mehr als deprimierend, das ist ja beängstigend, und das macht das Ausmaß deutlich, also dieses…. Cambridge Analytica ist im Grunde genommen nur eine Blaupause, die uns mal zeigt, welche Wirkung das alles hat (ein Brennglas im Grunde) . Ich glaube, die Spitze des Eisbergs auch deswegen, denn es wird noch tausend Fälle geben, von denen wir gar nichts wissen (so, und in dem Zusammenhang nochmal: wichtig zu erwähnen, es betrifft nicht nur Facebook, es ist das Geschäft der Datenriesen aus dem Silicon Valley. Und Cambridge ist nur einer davon. Ranga, du wolltest da noch was…)

RY Was bei dieser Thematik die große Schwierigkeit ist, – ich weiß nicht, ob ihr mir zustimmt -, ist: Am Anfang hört sich das furchbar abstrakt an, – ich kann mir vorstellen, jetzt sitzt zuhaus einer und sagt: ach, was soll Facebook…, was soll das? Und ich glaube, da ist es total wichtig zu verstehen, dass wir hier im Grunde genommen… wir erleben eine Veränderung der Medien, wir erleben eine Veränderung der Kommunikation in einer Gesellschaft. Und sich klarzumachen, dass im Moment die Kriterien nicht mehr die sind …  nämlich: wir kucken, dass Medien möglichst nah an der Wahrheit sind, dass – wenn sie etwas behaupten, dass man sie auch belangen kann, es gibt Presserecht usw., Medien sind etwas ganz Besonderes in einem Land, und was wir jetzt erleben, ist so, dass wir kommerzielle Interessen haben, wo wir möglichst viel Aufmerksamkeit erregen wollen, wo wir Klick-Rates haben, Teilung usw. um kommerziell etwas zu machen, und dass wir damit anfange, das Wichtigste, was eine Gesellschaft hat, nämlich die Kommunikationsstruktur, zu vernebeln. Und ich glaube, wir sind jetzt so an einem Punkt, wo ich wirklich erwarte eigentlich, – und das kann nicht der einzelne User sein -, wo auch die Politik aktiv sagen muss, JETZT REICHT’S!  Ich finde einfach, dies Thema ist unendlich wichtig, nicht weil es irgend so ein Insiderthema ist, – wir haben gesehen: Wahlen werden entschieden damit – (reden wir gleich noch ausführlich darüber, wollte nur kurz fragen: Bülent, bis du Facebook … eh ..)   25:50

Quelle dieser Abschrift (ohne Gewähr JR): ZDF-Sendung Markus Lanz vom 21. März 2018 / Zu Gast waren Moderator Ranga Yogeshwar RY, Internetexperte Jörg Schieb JS, Journalist Klaus Brinkbäumer etc. / Abzurufen bis 21.04.2018 HIER.

Wikipedia Jörg Schieb – Wikipedia Ranga Yogeshwar – Wikipedia Klaus Brinkbäumer

Bemerkung am Rande: Das fabelhafte Buch von Klaus Brinkbäumer – die Unterhaltung mit ihm ist in derselben Lanz-Sendung zu hören – habe ich mir direkt am nächsten Tag besorgt, nicht bei Amazon (auf diesem Weg habe ich mir nur den „Kampf der Tertia“ antiquarisch besorgt), sondern in der Buchhandlung meines Vertrauens (Jahn, Nähe Hbf.Solingen). Mein Scanner bewältigt das Format nicht, aber es bringt doch Farbe auf diese Seite:

Brinkbäumer Link zum Fischer-Verlag HIER.

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FORTSETZUNG FOLGT 2 Tage später ZDF HEUTE JOURNAL 25.03.2018 ab ca. 21:55 HIER 

ZDF Slomka Screenshot 2018-03-25 23.35.57

(Marietta Slomka:)

(6:52) Die Ermittler kamen am Abend , und sie blieben lange. Die britische Datenschutzbehörde ließ letzte Nacht stundenlang den Firmensitz von Cambridge Analytica durchsuchen, je nach Datenfirma, die mit ihren Wänlermanipulationen prahlt. Auch der Facebookkonzern soll weiter unter Druck gesetzt werden. Von der EU-Kommission in Brüssel, aber auch von einzelnen EU-Mitgliedern. Die deutsche Justizministerin wird sich morgen mit Vertretern des Konzerns treffen. Die Frage ist nur, was fff???… Die Frage ist nur, was das bringen kann. Solange das Geschäftsmodell von Facebook auf Big Data beruht und solange Millionen Menschen das nicht zum Anlass nehmen, ihre eigene digitale Sorglosigkeit in Frage zu stellen. Das genau könnte gesche…dass das genau geschehen könnte, dürfte Facebooks größte Sorge sein. Dominik Rzepka berichtet:

Wie sehr Facebook unter Druck steht, erkennt man in diesen Tagen daran, was nicht gesagt wird.

„Hat dieser aktuelle Skandal für Facebook das Zeug dazu, für Facebook existenzbedrohend zu sein?“

(Semjon Rens:)

„Ich glaube, klar isist, dass wir als Unternehmen ne ganz klare Verantwortung dafür haben, für die Daten unserer Nutzer und für die Information unserer Nutzer, die sie auf unserer Plattform teilen.“

„Also keine Bedrohung für Sie?“

„Also letzendlich ist es genau das, was ich gesagt habe, es ist ähmm… (Lächeln) für uns … ähmmm (noch 1 Mundbewegung ohne Ton, Lächeln) …“

ZDF Facebook Screenshot 2018-03-25 22.18.52

Facebook wankt. In den vergangenen Tage hat der Konzern 50 Milliarden Euro an Wert verloren. In britischen Tageszeitungen entschuldigt sich Facebook heute für den Skandal. Und doch ist seine Macht ungebrochen, jeder vierte Mensch dieser Erde ist bei Facebook. Den Konzern zu regulieren, dabei stoßen nationale Parlamente an ihre Grenzen.

(Dieter Janecek B’90/Bündnis GRÜNE Bundestagsausschuss Digitale Agenda:)

„Die machen dann, was sie wollen, und das ist die Haltung, die Facebook hat: Die führen sich auf wie ein eigener Staat auf der Welt, und das sind sie vom Umsatz her ja auch, sie sind mächtig, und das lassen sie die Politik spüren.“

Das Europäische Parlament versucht seit längerem, Facebook etwas entgegenzusetzen, ab Mai gelten neue Regeln zum Datenschutz, Bußgelder von 4% des Jahresumsatzes sind möglich. Bei Facebook wären das 1,5 Milliarden Euro; doch selbst die zuständige Kommissarin räumt ein: Facebook bringt auch die EU an die Grenzen der politischen Handlungsfähigkeit.

(Vera Jurova:)

„Es gibt keine Wundergesetze, die Bürger zu 100% schützen. Das ist vielleicht etwas frustrierend, weil die Menschen erwarten, dass wir ihnen mehr Sicherheit geben, aber Politiker haben das inzwischen nicht mehr voll und ganz in ihrer Hand.“

Es geht inzwischen um nicht mehr oder weniger als die Frage: wer hat die Macht? Wirtschaft oder Politik, Parlamente oder ein digitaler Weltkonzern wie Facebook. (9:38)

(Katarina Barley:)

Der Staat hat – und in diesem Falle auch die Europäische Union – setzen die Regeln, an die sich diese Unternehmen halten müssen, und wir haben an vielen Stellen auch schon bewiesen, dass wir auch große Unternehmen am Ende als Rechtsstaat auch belangen können. Grade Facebook hat im vergangenen Jahr von Seiten der Kartellbehörden auf europäischer Ebene eine hohe Strafe zahlen müssen…

Morgen trifft sich Katarina Barley mit europäischen Vertretern von Facebook. Ihr geht es um die Aufklärung des Skandals und um ein politisches Zeichen, das Zeichen auch in der digitalen Welt noch handlungsfähig zu sein. (10:12)

ZDF Barley Screenshot 2018-03-25 23.20.18

Nachtrag 5. April Es geht natürlich weiter: Beispiel Handelsblatt

Monatelang machte Facebook mit Fake News auf sich aufmerksam. Doch nun hat sich der einst bewunderte, inzwischen nur noch wundersame Internetkonzern auf eine andere Gattung verlegt: auf Fatal News in eigener Sache. Mark Zuckerberg musste eingestehen, dass vom Datenmissbrauch-Skandal rund um Cambridge Analytica 87 Millionen Nutzer betroffen sind, nicht wie bisher angenommen 50 Millionen. Was die Geschichte noch schlimmer macht: Facebook räumt zugleich ein, dass die Daten fast jedes Nutzers in der Vergangenheit durch Drittparteien geplündert worden sein könnten. Anlässlich der Beichte beschrieb Zuckerberg seine Firma erneut im Stile eines Gemeindepfarrers als „idealistisch“ und „optimistisch“, man habe sich Missbrauch schlicht nicht vorstellen können. Selig sind die Einfältigen, lautet der passende Kirchensatz hierzu.
(Hans-Jürgen Jakobs im „Morning Briefing“ des Handelsblattes)

Musik in politischen Visionen

Neues für meine Sammlung

Ich glaube, es war in den 80er Jahren, als ich mal begonnen habe, alle Fotos, Verse und Karikaturen zu sammeln, in denen Geigenspieler oder Geigen eine Rolle spielten. Es durfte auch eine Viola sein, zumal in der Wendezeit, als durch den ehemaligen Bratschisten Lothar de Maizière reiche Ernte winkte. Mich interessierten in anderem Zusammenhang aber auch Sujets, auf denen zu erkennen war, dass die musizierenden Menschen gar keine Ahnung hatten von den Instrumenten, die sie in Händen hielten. Besonders attraktive Beispiele gab es aus der Modebranche, etwa die in ahnungslosen Händen einer Ohrschmuckträgerin. Ich habe das Sammeln aufgegeben, erst als ich jetzt eine Geige im Handelsblatt sah, war ich wieder fokussiert. Es wird um die Stradivari-Preise gehen, – so mein erster Gedanke. Es ging jedoch wieder einmal um die Redensart, wer denn „die erste Geige spielt“, – fast so beliebt wie die Wendung, wer wohl „die Kuh vom Eis holen“ wird.

Geigenspiel in Politik

Die Kanzlerin besitzt also nur eine erste Geige, vielleicht die ihrer frühen Kindheit, aber ein anderer darf darauf ein Werk interpretieren, das allerdings von ihr dirigiert wird. Ob es ihr bekannt ist, steht nicht zur Debatte.

Und während alle Welt selbstkomponierte Lieder singt, bewegt der Finanzminister nur die Lippen zu einer Melodie, die von anderen geschaffen wurde, vielleicht sogar mit Text. Für die bloße Melodie würde allerdings ein halbgeöffneter Mund genügen, ohne Lippeneinsatz. – Der Schöpfer dieser visionären Bilderwelt ist der Herausgeber des Handelsblattes selbst, Gabor Steingart („Morning Briefing“ 19.12.2017).

Willkommener Anlass für einen Blick in meine Geigen-Sammlung:

Mode Geige Ohrenschmuck

Der Bogen als Säge

Maizière Säge 1 Peter Muzeniek SZ 24.Juli 1990

Maizière Säge 2Gabor Benedek  „Eulenspiegel“ Nr.19/1990

Vielarmiger indischer Geigengott

Doppel Geiger (Foto: „Selbstauslöser“ 1974)

(Reinhard Goebel, der 1990 tatsächlich von der einen Seite auf die andere umsattelte.)

Zugabe 21.12.2017

Soeben wurde mir bekannt, dass Reinhard Goebel in seiner Funktion als Dirigent eines vielköpfigen Ensembles an meinem Geburtstag ein Telemann-Konzert in Berlin geleitet hat. Da ich zu dieser Zeit auf der holländischen Insel Texel weilte, konnte ich nicht eruieren, ob es mir gewidmet war oder vielmehr dem Komponisten zum 250. Todesjahr. Es klingt auf jeden Fall so lebendig, als gehöre es in unsere Zeit!

China und wir

Einige Beispiele zum Thema Vertrauen

Zitat aus dem Spiegel 48/2017

In der Geschichte der Menschheit hat es einen derart rasanten Aufstieg – eher ist es eine Rückkehr – wie den chinesischen der vergangenen 30 Jahre noch nicht gegeben. Längst finanziert China andere Staaten, ohne Fragen nach Demokratie und Menschenrechten zu stellen: Der alte „Washington Consensus“ wird durch den „Peking Consensus“ ersetzt. Das chinesische Modell fasziniert Nachahmer, weil die Partei so geschlossen entschlossen wirkt und die chinesische Gesellschaft so jugendlich, beweglich, Start-up-gierig. Die westlichen Gesellschaften altern; viele Bürger sehen, dass ihre Löhne nicht mehr steigen, dass Bildung, Wohnraum und Gesundheit unerschwinglich werden, dass die alte Lehre, ein steigendes Bruttoinlandsprodukt bedeute Wohlstand für alle, nicht mehr stimmt.

Die These, unsere Demokratie sei ein Endpunkt der Entwicklung, war größenwahnsinnig: Solange es etwas zu verteilen gibt, hat es jedes System leicht. Seit elf Jahren hat die Freiheit weltweit abgenommen. Von 195 Staaten sind nur noch 87 frei, 59 teilweise frei, 49 sind unfrei. Die Türkei und Russland haben sich aus dem Kreis der Demokratien verabschiedet, Polen und Ungarn scheinen zu folgen, die USA schlingern. Darum sollte allen in Berlin, nicht nur der FDP langsam klar werden, worum es geht.

Quelle DER SPIEGEL 23.11.2017 Seite 8 Leitartikel Ein Beben im Zentrum Europas Die Berliner Regierungskrise und der Siegeszug der Autokraten. Von Klaus Brinkbäumer

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REDEBEITRAG in einer Talkshow (Wörtliche Niederschrift 1.12.2017 JR)

„CHINA – dieses Land ist instabiler als ihr denkt!“ (Jan-Philipp Sendker)

Davon bin ich überzeugt. Wir müssen keine Angst vor China haben, wir müssen erstmal Angst um China haben. Ich bereise das Land seit ’95, zunächst als Asienkorrespondent des STERN, jetzt aber schon seit über 10 Jahren als Romanschriftsteller. Ich hab eine Trilogie geschrieben, drei Romane, die in China spielen, und bin jedes Jahr zwei, dreimal dagewesen, um für die Bücher zu recherchieren, und natürlich ist es unglaublich überwältigend, wenn Sie da sind Das erste Mal, als ich da war, da gab es kaum Hochhäuser, da fuhren die Leute alle mit dem Fahrrad, die Züge waren langsam und unbequem, heute ist China der größte Automarkt der Welt, es hat die meisten Hochhäuser, (VW macht die Hälfte seines Gewinns in China!) es ist so mächtig geworden, wenn es dort Probleme gibt, dann merken wir das hier auch. Darum müssen wir Angst um China haben, denn wenn es da zur Krise kommt, – und ich bin überzeugt, da kommt es zur Krise -, dann merken wir das hier ganz deutlich. (Warum kommt es dort zu einer Krise?) Ich glaube … wie gesagt, immer wenn ich hinfahre, die ersten zweidrei Tage bin ich überwältigt, weil wieder neue Hochhäuser, wieder neue Flughäfen, unglaublich, was die da schaffen, (die schaffen es wenigstens, so etwas fertig zu kriegen, n Flughafen) also: Und dann rede ich mit Menschen, ich bin ja , ich bin ein Geschichtensammler, ich reise durch das Land mit ner Freundin und nem Freund, und wir treffen Menschen und wir reden, ich höre zu, ich kucke hin, ich erzähle eine kleine Geschichte, die glaube ich sehr viel illustriert 42:33:

Wir hatten auf der letzten Reise … , da habe ich meinen letzten Roman „Am andern Ende der Nacht“ habe ich recherchiert, war drei Wochen unterwegs und wir trafen einen Freund meiner Freundin, wir saßen beim sehr teuren Franzosen, und die Flasche Wein, das ging bei tausend Dollars los. Der bestellte gleich eine, die war so lecker, dass wir dann gleich noch eine getrunken haben, und ein Herr Mitte sechzig, unglaublich freundlich, jovial, und der erzählte mir seine Geschichte, die gar nicht so untypisch war für das heutige China, der hatte vor über 40 Jahren aufm Bau angefangen, als Bauarbeiter, das boomte, es wurde gebaut und gebaut, heute, 40 Jahre später, besitzt er Einkaufszentren, besitzt er Hochhäuser, Hunderte von Eigentumswohnungen, ich weiß nicht, der hatte bestimmt 60, 70, 80 Millionen, das erzählte er, und auch voller Stolz, das war sehr beeindruckend natürlich, und irgendwann, mitten im Gespräch, fragt er mich, ob ich ihm einen Gefallen tun könnte. Ja selbstverständlich, du bist so nett hier, du lädst uns ein, du erzählst, womit kann ich dir behilflich sein? Ja, könntest du mir helfen, nach Deutschland auszuwandern? Was?! Er sagte: ich habe ein großes Problem. Ich bin 65, meine Frau auch, und wir haben ein behindertes Kind, das ist dreißig, ein Sohn, und der ist Autist. Er lebt bei ihnen, sie kümmern sich um ihn; er sagt, er weiß nicht, was mit diesem Kind passieren soll, wenn wir mal nicht mehr da sind. Ich sage: Gibt’s hier keine Heime? Ja, natürlich gibt’s hier Heime, aber keins, wo du dein Kind hingeben kannst. Sagt ich: Ja, du hast viel Geld, was ist mit privater Pflege? Ja, ich könnte meinem Kind 10 Menschen rund um die Uhr, jeden Tag bis an sein Lebensende, in einem kleinen Palast mit goldenen Wasserhähnen, – ich hab aber keinen Menschen, dem ich vertrauen kann. Dass die nichts mit dem Jungen machen, wenn wir nicht mehr da sind. Hat er keine Geschwister, frag ich. Ne, hat er nicht, aber weißt du, aber wenn er welche hätte, denen könt ich auch nicht vertrauen. Wer weiß, in welche Familien die reinheiraten, und was die dann machen. Und er hatte gehört, dass in Deutschland, Schweiz und Neuseeland, das waren die drei Länder, hatte er gehört, denen könne man vertrauen, da könne man sein Kind in eine Institution geben, man weiß, man stirbt vorher, und das Kind wird dann nicht umgebracht wegen des Geldes. Da dacht ich, das ist ja unglaublich, dieser Mann hat soviel Geld und findet in diesem großen Land kein Heim, keinen Menschen, dem er sein Kind anvertrauen kann. (Das heißt, Sie reden über fehlendes Vertrauen, darum geht’s, was ja ein wichtiger Kitt in der Gesellschaft ist…) Ich glaube, ein ganz, ganz wichtiger Kitt. Kein Vertrauen und eine ständige Angst (Zusammenhalt auch) Zusammenhalt! Ich war jetzt in Venedig grad, mit meiner Frau und meiner Tochter, wir drängelten und überholten ständig diese teuren Wassertaxis, da waren lauter Chinesen da drin. Alles, mit diesen teuren Handtäschchen, da ist unglaublich viel Geld mittlerweile, das sieht beeindruckend aus, wieder, und da musst ich an ein Abendessen denken bei einer Recherche, da saß ich mit 10 Chinesen so Mitte fuffzich zusammen, alle kamen in diesen teuren Luxuslimousinen vorgefahren, alle hatten wirklich – ich will gar keine Markennamen nennen – also es war ganz viel Geld im Raum. Und die waren selbstbewusst, die waren in London gewesen, in Paris gewesen, und ich dachte, das ist das moderne China, wie sie sich gerne präsentieren. Und dann habe ich meinen Freund, der das Ganze für mich organisiert hat, das ging mir so durch den Kopf: Sag mal, ihr seid alle so selbstbewusst, ihr seid sehr reich, aber wenn die Regierung es will, dann kann sie euch über Nacht alles wegnehmen, und ihr könnt nichts dagegen tun, ja? Stimmt das jetzt oder übertreib ich? Ne, sagt der, das stimmt!

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Was das für ein Lebensgefühl sein muss: eigentlich immer Angst haben zu müssen. (Hm, Vertrauen, ja! Sie haben auch mal angerissen die Geschichte eines Mannes, der – und da geht’s ja auch um Vertrauen – der letzten Endes seinen eigenen Vater verraten hat. Was ist das für eine Geschichte?)

Ja, das ist eigentlich, nach unsern Maßstäben, würd ich sagen, ein Großteil Chinas ist ein traumatisiertes Land. Also, was haben die in den letzten 60 Jahren miterlebt, an Revolution, Konterrevolution, an politischen Verfolgungen, die ??revolution (furchtbar!), und das ist auch so eine geschicht. Das ist ein Mann, den habe ich kenngelernt, wir fingen uns so an anzufreunden, n bisschen älter als ich, und da habe ich gedacht: das wäre der Botschafter des modernen Chinas. Der war erfolgreich, Rechtsanwalt, der war in der Welt umhergereist, kannte klassische Musik, schätzte er, wusste, was n guter Bordeaux-Wein ist, also – kultiviert, unglaublich! Und dann saßen wir mal zusammen in seiner Kanzlei, in Shanghai, er hatte über dreißig Angestellte, und mein Vater war grad gestorben, ich erzählte von meinem Vater, und plötzlich war dieser große Mann ganz still, und ihm rannen die Tränen über die Wangen. Ich sagte, was ist los? Habe ich was Falsches gesagt oder war…, da sagte er: Mein Vater ist auch tot. Ist er grad gestorben? Mein Beileid. Nee, sagt er, der ist schon lange tot, er ist ermordet worden während der Kulturrevolution von den roten Garden. Weil er heimlich Konfuzius gelesen hat. Aber woher wussten die roten Garden, dass dieser Mann heimlich zuhaus Konfuzius liest? Erzählt mir mein Freund, der Rechtsanwalt: Von mir! Ich war selber Rotgardist, ich hab zu ihnen gesagt – ich war dabei, als sie kamen – ihn abgeholt haben und vor dem Haus auf der Straße totgeprügelt haben. Und das Schlimmste, erzählte er, damals hab ich gedacht: es geschieht ihm recht!

Und mit dieser Scham zu leben – er hat gesagt: du siehst mich hier, erfolgreich, und du würdest nie glauben, es gibt Tage, da bleib ich im Bett, weil ich mich vor lauter Scham nicht aus dem Haus traue. Ich kann meinen eigenen Anblick nicht ertragen. Und das ist so… das erzählt so viel über eine Gesellschaft (absolut!). Das ist natürlich – das muss man dazusagen, das ist jetzt nicht… ähnliche Geschichten hat es hier in Deutschland vor 80 Jahren gegeben, da hat’s auch die Kinder gegeben, die erzählt haben, was der Papa über den großen Führer erzählt hat, und das Ende wissen wir. Aber der Umgang damit! Da darf eben nicht darüber diskutiert werden. 48:24 Da gibt’s keine Talkshow, wo jemand sagte: Ich habe diesen Mann getötet, es tut mir unendlich leid, ich schäme mich dafür! Das ist da alles tabuisiert. Und das macht das so gefährlich. (Und das wird ja restriktiver, nach allem, was ich lese und höre…Man hat von außen das Gefühl, da öffnet sich grade was, die sind unterwegs, man trifft sie in allen Teilen der Welt usw. und ist nicht so wild, und interessanterweise – das fällt mir auch immer auf in der deutschen Außenpolitik – wir entdecken bei Erdogan immer die Menschenrechte, aber in China kucken wir großzügig über viel hinweg. Das passt alles nicht so zusammen, aber das nur am Rande. Und es scheint offenbar immer restriktiver zu werden, weil dort ein Regime ist, das Angst hat vor dem eigenen Volk…?) Natürlich! Sie vertrauen ihren Leuten nicht, und die Menschen vertrauen ihrem Regime nicht. Nein, das ist ja kein Zeichen von Stärke, wenn du anfängst, einen Menschen immer mehr zu überwachen, immer restriktiver zu werden. (Baum: Sie haben ein ganz wichtiges Wort gesagt: Angst müssen wir haben – UM China. Was können wir tun?) Auf jeden Fall müssen wir ganz selbstbewusst unsere Werte verteidigen, weil dafür respektieren sie uns. Dafür beneiden … wie oft ist mir gesagt worden, wie ich beneidet werden kann, dass ich in einem Land lebe, in dem ich keine Angst haben muss. Wo man der Polizei, der Justiz, der Presse vertrauen kann, auch wenn sie Fehler machen, natürlich, aber das sind keine Systemfehler, es sind individuelle Fehler. Vertrauen, das ist mir da erst bewusst geworden, was für ein Privileg das eigentlich ist. Und das versuche ich natürlich, gerade weil wir so wenig über China wissen, versuche ich das natürlich in die Geschichten, die ich sammle, versuche ich in die Romane einzubauen, damit wir da etwas lernen… (Allerletzte politische Frage noch zu China: wie schaut man von China aus auf Donald Trump? Ich hab Kommentare gelesen beim letzten Besuch, da wurden ja unglaubliche Milliarden-Deals besprochen und auch abgeschlossen, und in einem Punkt schrieb dann jemand: In Wahrheit verachten sie ihn.)

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Also ich denke, sie verachten ihn, und sie können natürlich ihr Glück gar nicht fassen, der serviert ihnen ja Asien auf dem Silbertablett, das ist, die müssen ja aus dem Champagnertrinken gar nicht rauskommen! (Also sozusagen die Abkehr dieser pazifischen ??? der mal sagte, unsere Zukunft liegt im Pazific und nicht unbedingt so sehr in Europa / Baum: Aber vielleicht sollten wir fragen: wie sehen sie uns denn? Als Europäer oder als Deutsche?) Also wir werden – was ich erlebt habe – unglaublich respektiert, bewundert als natürlich die Führungsmacht, und die wissen so viel über uns, das war toll, also ich hab mit Chinesen gesprochen, die wussten das Geburtsdatum von Franz Beckenbauer auswendig, und manche konnten Teile unserer Nationalhymne vorsingen, (sprechen Sie Mandarin?) also ich spreche, aber nicht so, dass ich diese Interviews, die unglaublich komplex sind, alleine – deshalb reise ich immer mit chinesischen Freunden, die das übersetzen, aber die mir auch die Kultur übersetzen, weil es manchmal Antworten gibt, die … wo ich denke: wie kann man auf die Frage solche Antworten verstehe ich gar nicht, den kulturellen Hintergrund, die verstehn den, und der wird mir dann erklärt. (Also mein Eindruck ist also in China, die haben einen gewissen Respekt vor uns…) Absolut. (Das ist natürlich auch eine Möglichkeit auch der Einflussnahme, nicht? / Klar!) Ja, die Einflussnahme, und da geht es natürlich über das Geld. Da müssen wir vorsichtig sein, glaube ich. (deswegen .. dem großen Bellheim, den kaufe ich mir einfach mit meinem Geld. Um es mal freundlich zu formulieren. Burma ist so’n Herzensthema von Ihnen, Sie haben gerade so ein grandioses schönes Buch gemacht: „Das Geheimnis des alten Mönchs. Märchen und Fabeln aus Burma.“ Wieso haben es Ihnen diese Fabelmärchen so angetan, und was ist der Unterschied zu dem, was wir von Grimms Märchen so kennen? 52:01)

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BURMA

Also ich fahr auch nach Burma seit 1995, und das hat mich so berührt, bewegt, das Land, die Menschen dort, dass zwei meiner Romane dort spielen, Herzenhören und Herzenstimmen, und während der Recherchen zu meinen Büchern wurden mir soviel Geschichten erzählt, Fabeln, Parabeln, ich hab die immer fleißig aufgeschrieben, dann habe ich eben gedacht, vielleicht kann ich sie für einen meiner Romane verwenden, eins kam dann auch vor, ich hab zwei Notizbücher voll mit solchen Geschichten gehabt. Und dann hat mich im letzten Jahr so eine amerikanische Autorin angesprochen 52:29 , die auch so viel Geschichten hat, ob wir nicht ein Buch daraus machen sollen, dann hab ich meinen Sohn angerufen, der lebte damals in Burma, weil er da mal als Freiwilliger Englisch unterrichtete in zwei Waisenhäusern, und dann hat der sich umgehört, in Klöstern, in Waisenhäusern, in Schulen, dann haben wir gesammelt, und merkt ich, diese Geschichten – ich bin eigentlich kein Märchen-Fan, es gibt ja so Liebhaber, aber das bin ich nicht, die Geschichten sind so anders, sie sind zum Teil so lustig, so voller Zärtlichkeit, (und die kommen nicht so mit dieser Moral!) genau! (ohne diese moralische Keule, sag ich mal), die haben ne ganz andere .. entweder keine Moral oder ganz pfiffige Lösungen (pragmatisch!) …. (nennen Sie mal ein Beispiel!) Ich erzähl Ihnen mal eine meiner Lieblingsgeschichten. Es geht um einen kleinen Jungen, der heißt Pu und seinen Freund, das ist ein Tiger, und die beiden sind so (zeigt: Finger überkreuz = ganz eng), spielen jeden Tag miteinander, aber eines Tages wird der Tiger gefangen, in dem Dorf, wo der Junge wohnt, weil sie Angst vor ihm haben. Er sitzt dann im Käfig und keiner traut sich, ihn zu töten, sie denken: der wird sowieso bald verhungern und verdursten, wir lassen ihn einfach im Käfig. Und jeden Abend geht der kleine Pu zu seinem Freund, und der Freund sagt: Mensch, du musst mich hier rausholen, hier verdurst ich aber, der Junge sagt: Das kann ich nicht, ich werde verhauen, ich werde aus dem Dorf vertrieben, das kann ich nicht. Aber nach ner Woche dann hat er doch Mitleid und macht die Käfigtür auf, das Tier springt raus, baut sich vor ihm auf, ich habe so einen Hunger, ich bin zu schlapp zum Jagen, ich muss dich fressen. Der Junge: das kannst du nicht machen, ich hab dich befreit, du schuldest mir Dankbarkeit. Ach was, Dankbarkeit, sagt der Tiger, also die streiten sich und irgendwann sagen sich die, wir müssen n Richter finden, der das entscheidet. Dann gehen sie in den Dschungel, da finden sie einen Totenkopf, von einem alten Ochsen. Dann reden sie mit dem, also wie ist das, schildern ihren Streit, und der Ochse sagt: Dankbarkeit? Ich hab mein Leben lang für meinen Herrn geackert und mich geplagt, ich hab alles geschleppt, bis ich alt und schwach war, dann hat er mich geschlachtet und gefressen, es gibt keine Dankbarkeit, der Tiger kann den Jungen fressen. Hab ich doch gesagt, sagt der Tiger. Sie gehen weiter und finden einen alten Banyanbaum, wieder schildern sie den Streit, der sagt: Dankbarkeit gibt’s nicht. Die Menschen ruhn sich bei mir im Schatten auf, aber wenn es sein muss, würden sie mich sofort fällen, – der Tiger kann das Kind fressen. Der Tiger will das Kind fressen, kommt n Hase vorbeigehoppelt. Also bitte! Einen letzten Richterspruch, bitte bitte, einmal noch. Der Tiger sagt okay, einmal noch. Sie schildern den Streit, und der Hase ist in den Märchen und Fabeln das schlaue, das weise Tier, der sagt: Hm, das ist ein ganz schwieriger Fall, – zeigt mir, wo er angefangen hat! Da es mitten in der Nacht war, gehen sie zurück zu dem Käfig, der Hase sagt zu dem Tiger: Also, wo, wo warst du? in einem Käfig? da geh mal wieder rein! Der geht wieder rein, sie machen die Tür zu. So, und jetzt zeig mir, Pu, wie du sie aufgemacht hast. Er macht sie dann nochmal zu, dann sagt der Hase: Stopp! Jetzt ist der Tiger drin, du stehst davor, alles ist wie vor dem Streit, also damit – ist er beigelegt. (Lachen, Beifall.) (LANZ: Schöne Geschichte, sehr zu empfehlen: Das Geheimnis des alten Mönchs. Märchen und Fabeln aus Burma.) 55:40

Quelle ZDF bei Markus Lanz zu Gast: Jan-Philipp Sendker 30. November 2017 (noch abzurufen bis 1.3.2018 HIER

Zufriedene Gesichter allenthalben.

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Ich muss sagen: ich wäre als Kind nicht ganz zufrieden gewesen, denn der Käfig ist ja der Ort, in dem der Tiger zugrunde gehen sollte. Die Anfangssituation lag doch zeitlich weiter davor: als die beiden, der Junge und der Tiger, noch draußen miteinander spielten.

Aber ich glaube, hier soll vor allem der schlaue Mechanismus gezeigt werden, wie das gefährlich gewordene Tier überlistet wird.

Nichts gegen die Brüder Grimm: auch dort gibt es ähnliche Mechanismen: wenn z.B. der Bauer mit dem Teufel wettet. Das eine Mal verspricht er dem Sieger alles, was über der Erde wächst – und pflanzt Kartoffeln an, dem andern bleibt das schlappe Grün. Das nächste Mal soll des Teufels sein, was in der Erde reift, – und sät Korn, so dass dem Teufel die Stoppeln und die Wurzeln bleiben.

Und auch Richard Wagner hat seinen Trick aus der Märchenwelt:

Wagner Rheingold Lindwurm Kröte a Wagner Rheingold Lindwurm Kröte b

Richard Wagner: Der Ring des Nibelungen – Das Rheingold 3. Szene / aus: Richard Wagners Musikdramen / Edmund E.F. Kühn Globus Verlag Berlin W 66 (1914)

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WIE WAR DAS NOCHMAL MIT DEM GLYPHOSAT? Siehe FAZ unten. Sehr sehenswert auch die Behandlung in der HEUTE-SHOW. Siehe HIER. Ab 9:41 !  „Glyphosatan“ Schmidt. „Es geht natürlich um die Stimmen der Bauern in Bayern.“ Bis 15:40.

Und das Deutschland-Märchen aus China? Zum Thema VERTRAUEN in der Politik gab es am 1. Dezember, dem Tag nach der oben behandelten LANZ-Sendung, als sei es abgesprochen, noch einige aufschlussreiche Beiträge, und zwar in der Sendung ASPEKTE. Siehe HIER. Gleich ab Anfang (0:25) !VERTRAUEN! in der Politik? Die Philosophin Rebekka Reinhard ab 1:39 Werbefachmann Stefan Wegner ab 2:00 der Philosoph Julian Nida-Rümelin ab 2:30 und der GRÜNEN-Politiker Hans-Christian Ströbele ab 5:35 live im Studio bis 11:30.

Aber dann schnellstens noch zu FAZ heute hierGLYPHOSAT-STREITDie Wahrheit wird degradiert Von Joachim Müller-Jung / aktualisiert am 

Kurzes ZITAT FAZ

Der politische Alleingang des christdemokratischen Bundeslandwirtschaftsministers in Sachen Glyphosat entwickelte sich im Laufe dieser Woche zu einem gewaltigen Lustkiller. Jetzt hat endgültig keiner mehr Lust aufs Koalieren. Gleichzeitig wünschen sich alle wie närrisch ein „Zukunftsbündnis“, so wie die saarländische christdemokratische Ministerpräsidentin, die damit den Streit um die Zulassungsverlängerung für das Unkrautvernichtungsmittel wenigstens etwas ausbremsen wollte. Der Vertrauensverlust beim Volk, den der Gebrauch solch realitätsferner Phrasen und die strategischen Scharmützel auslösen, wird dabei offenbar billigend in Kauf genommen.

hart aber fair HIER !!! Ranga Yogeshwar bei 19:oo Krefelder Studie u.a., Achtung ab 27:00 Schmidt über Termin 12. Dezember, „Neonicotinoide“ greifen an im Gehirn und verändern die Orientierungsfähigkeit der Bienen. In den Haaren der Kongressteilnehmer Spuren der Gifte!

Insektensterben Screenshot 2017-12-04 22.41.41 Screenshot

Und wenn man noch einmal gründlich studieren will, wie sich Chrsitisan Schmidt aus der Verantwortung seiner Glyphosat (mit Blick auf eine späteres, höheres Ziel?) herauszuwinden sucht, der sehe auch noch den ersten Teil der Lanz-Sendung mit ihm (und Dirk Steffens) HIER.

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Privater Blick zurück

Wie begann unser Artikel? So: „In der Geschichte der Menschheit hat es einen derart rasanten Aufstieg – eher ist es eine Rückkehr – wie den chinesischen der vergangenen 30 Jahre noch nicht gegeben.“ Und so auch bei mir (um es scherzhaft zu sagen): 1987-2017

China WDR 1987 China WDR 1987 2

China WDR 1987 3 China WDR 1987 4

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China WDR 1987 9

Loop Aspekte

Ad infinitum bis genau 26. Oktober 2018 23:59 Uhr

Eine Fernsehsendung, in die ich dank der HEUTE-Show geriet und die ich sonst nur sporadisch sehe, hat mich heute vom ersten bis zum letzten Beitrag fasziniert. Und mehr noch: es war, als ob sie mich gemeint hat. Das geht einem aber oft so, wenn man bemerkt, dass man all dies möglichst bald wiederholen will, und zwar nicht nur einmal. Hoffentlich ist das weiter abrufbar, sagt man dann. Das ist wie bei einem Kind, dem man eine Geschichte erzählt: es schaut mit großen Augen, schaut und schaut, und am Ende sagt es: Nochmal erzählen! Und dann muss alles noch einmal kommen, möglichst mit genau denselben Worten!

Manches kannte ich: z.B. Jan Wagner, Dorothee Oberlinger, manches müsste ich schon viel länger gekannt haben, z.B. Mia Couto aus Mozambique, anderes wird mich noch länger beschäftigen, z.B. die Loop-Ausstellung in Wolfsburg. Es soll sich mit meinem alten Thema der Wiederholung verbinden und vor allem in genau dieser Zusammenstellung noch oft wiederholen: diese Sendung.

Aspekte Screenshot 2017-10-28 Hier im externen Fenster öffnen!

Oder zunächst nur etwas lesen?

Was bedeutet Loop? Siehe Wikipedia hier.

Und Loop in Wolfsburg (château de loup)? HIER.

Die neue CD, noch ungeöffnet, der Plan: sie oft zu hören. Wie auch die Pariser Quartette mit „The Age of Passion“ (Karl Kaiser)

Oberlinger Telemann ***Oberlinger Cover Inhalt ***

Dorothee Oberlinger in der Aspekte-Sendung ab 35:43

Wagner, Jan Cover Wagner, Jan rück 2014

Jan Wagner in der Aspekte-Sendung ab 18:43

Die nun folgende Mail, mit der es vor zwei Jahren begann, ist nicht an ihn, sondern an mich gerichtet:

Am 16.11.2015 um 12:11 schrieb Klaus G.:  Lieber Jan, meinem verbliebenen religiösen Bruder hatte ich zu seinem (und meinem) Geburtstag den Gedichtband „Regentonnenvariationen“ zukommen lassen, worüber er sich sehr angetan geäußert hat und mir, der ich den Band gar nicht selbst besitze, daraus das Gedicht „die Etüden“ in Kopie zugesandt. Nun weiß ich nicht, ob du das kennst, egal: ich schicke diese Kopie, denn das Werk ist zu schön, als dass man es nicht kennen sollte.
Ich hoffe es geht dir gut, ich kann über mich zumindest nicht wirklich klagen. Ich habe kürzlich meinen auch ziemlich alt gewordenen Geigenbauer aufgesucht, um die (neue) Geige etwas richten zu lassen, klingt jetzt schön, aber das Unwägbare alter Instrumente fehlt. Vielleicht kauft er mir einen Bogen ab, ich habe zu viele.
Sei freundlich gegrüßt von
Klaus

Wagner Jan Etüden

Immer wieder merkwürdig: der Klavierunterricht als Kindheits(alp)trauma, zumal es doch bei diesen Etüden offenbar um boogie-woogie-Figuren ging. Kinder lieben Loops, Reime, Verse, Formeln, warum nicht am Klavier? „all die zweiviertel- und dreisechstel etüden“ – kaum vorstellbar – aber vielleicht entsteht gerade aus diesem Gebräu ein Gedicht wie dieses, „jene schimmernde lampe tee auf dem tisch“. Versinkt „das schwarzlackierte ungetüm“ – der Flügel – in dem sie (die Klavierlehrerin ist angeredet) etwas hören konnte, was ich nicht verstand. Und wird hier hörbar.

Im Aspekte-Beitrag spricht Jan Wagner abschließend (ab 24:05 bis 24:40) das Gedicht „selbstporträt mit bienenschwarm“ aus dem neuen Band, der auch diesen Titel trägt:

Aspekte Beitrag Jan Wagner Screenshot 2017-10-28

In seiner Arbeit geht es um größtmögliche Freiheit auf dem engsten Raum! (Felicitas Hoppe über Jan Wagner)

Zitat (J.W.): Lyrik war immer schon eine Sache, die sozusagen eher im Halbdunkel stattfand. Oder in einer Nische existierte. Die gute Nachricht ist: sie existiert seit Jahrtausenden, und sie ist immer noch da! Das Wahrnehmen von Welt durch Sprache. Und das … probieren zu verstehen, was uns umgibt, indem man Vergleiche benutzt. Etwas ist wie etwas anderes. Das macht ja jedes Kind. Oder der ganz natürliche Zugang zu Metaphern. Der Donner hat große Füße. Das sagen Kinder. – Bei mir war das mit 15,16, wo ich Georg Heym und Georg Trakl zum Beispiel las, auch noch andere Dichter, und dachte: das ist unendlich faszinierend. Aber .. nein, man fällt nicht vom Himmel, und.. und .. man arbeitet sich lange ab an solchen Vorbildern,  probiert sehr lange…  herauszufinden, wie das überhaupt geht. Und man muss auch lange lesen, um auch Klischees zu vermeiden. Es wimmelt da von Fallen, und ein Gedicht ist so kurz, und manchmal nur 10 oder 6 Zeilen lang, es reicht ein winziger Fehler, und alles ist kaputt. (23:27)

Beitrag über (mit) Jan Wagner endet bei 24:40

***

Zu klären wäre, was Dorothee Oberlinger beiläufig erwähnte, dass die Melodie, die sie spielen werde, – der Mittelsatz eines Bach-Cembalo-Konzertes, ich hätte jederzeit behauptet: „eine der schönsten Melodien von Bach“ – auf Telemann zurückgeht! Ich schaue nach im BWV-Schmieder (sicher veraltet), also BWV 1056, da steht: Den 2. Satz der Nr. 1056 (5. Konzert) übernahm Bach in die KK „Ich steh‘ mit einem Fuß im Grabe“ (vgl. Nr. 156) . Und dort steht: Der Instrumentaleinleitung liegt der 2. Satz des f-moll-Violinkonzertes, das nur in einer Klavierbearbeitung überliefert ist und dessen ursprüngliche Tonart wohl g-moll gewesen ist, zugrunde.

Bach - Telemann

Also: was ist genau mit Telemann? Erster Hinweis auf Ulrich Siegele hier. Oder lieber Steven Zohn hier.

This middle movement closely resembles the opening Andante of a Flute Concerto in G major (TWV 51:G2) by Georg Philipp Telemann; the soloists play essentially identical notes for the first two-and-a-half measures. Although the chronology cannot be known for certain, Steven Zohn has presented evidence that the Telemann concerto came first, and that Bach intended his movement as an elaboration of his friend Telemann’s original.

Und nun – hören Sie: HIER.

Soviel Zeit musste sein (eine sehr beliebte Redewendung, wenn man sich thematisch verzettelt). Aber für Bach ist keine Stunde zuviel! Übrigens habe ich die obige CD vor allem bestellt, weil mich die Telemann-Interpretation im Blick auf Bachs Solissimo-Werke für Geige interessiert.

LOOP Über die Endlosschleife in der Aspekte-Sendung ab 24:45

Zur Shibuya-Kreuzung in Tokyo 29.10.2017 kurz vor 12 Uhr (s.u.) und: LIVE 

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ZITAT Aspekte-Text:

Dazu hören Sie eins der bekanntesten Popmusikstücke, das gänzlich aus Loops besteht: „I feel love“, gesungen von Donna Summer.

Zitat Aspekte-Text:

Zusammen ergeben Bild und Ton die Quintessenz des Loops. Der Loop, die Endlosschleife, entsteht nicht durch die Menschen oder die Autos, denn es sind ja immer neue Menschen und Autos, die die Kreuzung passieren, sondern durch die sich pausenlos wiederholende und scheinbar nicht zu unterbrechende Ampelschaltung. Sie gibt den Rhythmus vor, nach dem Menschen und Autos sich richten. Für den Wechsel der Ampelsignale gibt es viele Entsprechungen: Ein- und Ausatmen, Tag und Nacht, die Jahreszeiten, Werden und Vergehen, also all das, was man den Rhythmus des Lebens nennt; etwas, das beruhigend und beunruhigend zugleich ist, wie Donna Summer’s Gesang zugleich tröstlich und nervtötend sein kann. Chaplins Film zeigt wie kein zweiter Film, worum es geht. Die endlose Schleife der Fabrikarbeit mit ihren sich wiederholenden Vorgängen, und das Individuum, das versucht dennoch seine Pirouetten zu drehen. Eine Ausstellung in Wolfsburg erkundet jetzt alle Erscheinungsformen der nicht endenden Wiederholung. Und zwar in einem ziemlich großen Bogen, der vom tibetischen Rad des Werdens mit seinem unendlichen Kreislauf der Wiedergeburt bis zu Stanley Kubricks „2001“ und zu apples neuem Hauptquartier reicht: überall sich drehende Räder, Kreise, Schleifen.   Es ist als wären das harmonisch Runde und die grenzenlosen Räume Merkmale eines Jahrtausende alten Exorzismus, eine Methode, sich irgendwie gegen die Zeit zu behaupten. (Gregor Schneider, Künstler:) „Mit diesem Begriff Unendlichkeit kann ich eigentlich gar nichts anfangen. Aber woher kommt die Faszination von Unendlichkeit? Vielleicht weil wir sterben, vielleicht weil wir wissen, dass wir e-n-d-l-i-c-h sind?“ Eine Fraktion der Künstler, die in Wolfsburg zu sehen sind, geht das Problem von der anderen Seite an. Etwa ??? Norman. Sie hängen kleine und kleinste Teile aneinander, statt Harmonie: Irritation. Und vielleicht ist die zunächst simpel erscheinende Wiederholung manchmal sogar das raffiniertere Mittel, nämlich eins, das die Sinne schärft. – Im Zentrum der Ausstellung: Gregor Schneiders Installation BAD. Eine begehbare Serie, ein Parcours von 21 Badezimmern-Nachbauten, durch die man sich nahezu unbegrenzt lange bewegen könnte. Jedes Badezimmer im 70-ger, 80-er Jahre Styling, also aus der Zeit, in der Gregor Schneider Kind war, gleicht dem nächsten, sogar bis zum Schmutz in der Steckdose. (Gregor Schneider:) „Das ist meine Erfahrung, dass ich nur bestimmten Dingen Aufmerksamkeit schenke – und dass durch eine Wiederholung, also durch eine Quantität auch eine Qualität entstehen kann. In der Art und Weise, wie ich Dingen Aufmerksamkeit schenke, und für mich, der auch die Welt verrückt oder verrutscht, wahrnimmt, – es ist ein Versuch, sich diese Welt begreifbar zu machen.“ – Einer der ersten verbürgten Film-Loops aus dem Jahr 1896 von Thomas Edison. Nur aus praktischen Gründen wurde der Kürzestfilm im Kino im Dauer-Loop gezeigt. Das Publikum reagierte bei jeder Wiederholung anders. Zuerst gespannt, dann immer lauter johlend, was zeigt, dass jemand, der sich wiederholende Dinge ansieht, nicht immer denselben Gedanken denkt. (Ralf Beil, Museumsdirektor Kunstmuseum Wolfsburg:) „Es geht eigentlich um das Gegeneinander von Linearität, linearem Zeitbegriff und dann wirklich zyklischem Zeitbegriff. Das was ich mir eigentlich wünsche, dass Besucher/innen, die in die Ausstellung kommen, dass die mal nachdenken über diese Zyklen, die sie nicht ändern können, in die sie einfach eingespannt sind, und dann natürlich in die vermeidbaren negativen Loops, die sie in ihrer privaten Beziehung, die sie im Alltag erleben, und dass da etwas passieren kann.“ War der Loop, trotz seiner Allgegenwart, bisher ein unterschätztes Phänomen, dann ändert sich das vielleicht mit der Ausstellung in Wolfsburg. (Ende 28:48) (Autorin des Aspekte-Beitrags: Miriam Böttger).

Wolfsburg Never Ending Stories Screenshot

Heute (29. November) in der SZ

Aufpassen, ab wann der Artikel online steht, sonst: ab zum Kiosk! Der Artikel gibt einiges an Stoff zum Denken, dazu später mehr.

SZ Loop SZ

Quelle: Süddeutsche Zeitung 29. November 2017 Seite 10 das digitale Walross Sounds ohne Ende und die Dominanz des Viervierteltaktes – die Berliner Software Ableton ist weltweit das Standardinstrument des zeitgenössischen Pop / Von Jan Kedves

Über Insekten

Skandalöse Zustände und Reaktionen (Achtung, neuer Schluss!)

Letzte Woche empörte es mich in den Nachrichten (Tagesschau oder Heute?): am Ende, nach der Meldung über das Insektensterben, hatte wieder der Vertreter aus der Landwirtschaft das letzte Wort: Es fehlen noch die beweiskräftigen Studien! Wir kennen das als notorisches Aufschiebe-Argument. Wir kennen das seit langer Zeit:

Bauernverband sieht weiteren Forschungsbedarf

Der deutsche Bauernverband pocht hingegen auf weitere Untersuchungen. „In Anbetracht der Tatsache, dass die Erfassung der Insekten ausschließlich in Schutzgebieten stattfand, verbieten sich voreilige Schlüsse in Richtung Landwirtschaft“, sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken. „Die neue Studie bestätigt und betont ausdrücklich, dass es noch dringenden Forschungsbedarf zum Umfang und den Ursachen des dargestellten Insektenrückgangs gibt.“

Siehe den Link im Artikel „Hummeln zuhaus“ HIER.

Siehe auch in der Süddeutschen des Wochenendes:

Insekten Süddeutsche 21. Oktober 2017 Detail: Insekten Süddeutsche

Quelle Süddeutsche Zeitung 21./22. Oktober 2017 (Seite 4 MEINUNG) siehe HIER.

Ich habe bei CAMPACT folgenden Appell unterzeichnet:

*** TEXT ZUM WEITERLEITEN PER MAIL ***

Hallo,

Kanzlerin Merkel könnte noch schnell das wahrscheinlich krebserregende Glyphosat durchwinken, bevor die Grünen mit am Kabinettstisch sitzen. Schon am Mittwoch geht es in Brüssel um die Zukunft des Ackergiftes.

Stimmt Deutschland nicht mit Nein, landet Glyphosat für zehn weitere Jahre auf unseren Feldern. Dabei ist das Gutachten, mit dem die EU für die Zulassung wirbt, zu großen Teilen von Monsanto abgeschrieben.

Die Jamaika-Parteien könnten die Glyphosat-Zulassung verhindern. Gerade die Grünen müssen Merkel jetzt klarmachen: Eine Jamaika-Koalition gibt es nur mit einem Nein zu Glyphosat. Campact hat deshalb einen Eil-Appell gestartet – ich habe ihn gerade unterzeichnet. Bitte unterschreibe auch Du.

https://www.campact.de/Roundup

Beste Grüße
Jan Reichow

s.a. HIER

Nachtrag

Lese-Empfehlung: DIE ZEIT 26. Oktober 2017 

ZEIT Insekten HIER!!!

Es ist eine Schande, dass gerade dieser Artikel online noch nicht freigeschaltet ist! (Ich werde es an dieser Stelle vermerken, sobald es passiert ist.) Jetzt: HIER 5.Dez.17

Nachtrag 5. Dezember 2017 

ARD-Sendung „hart aber fair“ Thema Insektensterben HIER !!! 

Nachtrag März 2018 (Video auf arte bis 10.04.2018)

Meine Devise heißt: Sympathie für Insekten, auch auf der WIESE DES SCHRECKENS… LINK HIER , Nachsicht für den ziemlich reißerischen Werbetext. Die Bilder lohnen sich…

Pressetext:

Mit Stilmitteln aus dem Horrorfilm-Genre zeigt diese ungewöhnliche Naturdokumentation die abenteuerliche Reise eines sechsbeinigen, sympathischen Helden mit roten Flügeln und sieben Punkten durch eine ganz gewöhnliche Wiese – in der es vor Ungeheuern nur so wimmelt. Dank hochwertiger Makroobjektive und extrem feiner Kamerasteuerung, Ultrazeitlupenaufnahmen und Zeitraffern gelingen technisch brillante, hochaufgelöste Aufnahmen in 4K aus einer absoluten Wunderwelt des Gruselns und Staunens: Da gibt es den seltsamen Warzenbeißer, der auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Heuschrecke erscheint und doch in Sekundenschnelle zum gefräßigen Raubtier mutiert. Da lähmen andere Räuber ihr Opfer mit Gift, um es dann als „lebende Tote“ zu vergraben – diese „Zombies“ sollen Nahrung für den Nachwuchs sein. Da gerät sogar der Todestanz einer Ameise in der Fallgrube eines Giftmörders dank extrem langsamer Zeitlupen zu einem ästhetischen Ballett des Todes. Und wie in jedem Horrorfilm gibt es bevorzugte Opfer, wehrlos und naiv, die bei regelrechten Massakern zu Dutzenden bei lebendigem Leibe ausgesaugt und sogar von vermeintlich vegetarisch lebenden Schafen und Ziegen aufgefressen werden. So entpuppt sich die Wiese vor unserer Haustür als Ort voller Gattenmörder, fliegender Killerkommandos, Luftpiraten und weiterer Überraschungen: Denn die Reise des roten Glückskäfers steckt voller erstaunlicher Wendungen – romantische Liebeleien inklusive. Doch auch unser Held erfährt zum Schluss eine bestürzende Verwandlung: ein mörderisch-augenzwinkerndes Gruselvergnügen!

 

Vom Wert einer Zeitung

Um einmal einiges aufzuzählen…

Vielleicht ist es kein Tag wie jeder andere. Und es hätte auch eine andere Zeitung sein können, die Frankfurter Allgemeine, die Neue Zürcher Zeitung, die ich beide sporadisch im Internet lese, die ZEIT, die ich wöchentlich in Papierform auf dem Tisch ausbreite, beginnend mit dem Feuilleton, fortfahrend mit dem Teil Wissen, und zum vorläufigen Ende die ersten 3-4 Seiten. Heute aber ist es die Süddeutsche Zeitung, die per Ferien-Umleitung dank einer Freundin für zwei Wochen täglich bei uns hereinschaut. (Auch sonst ziemlich regelmäßig, aber immer verbunden mit einer Fahrradfahrt zur Bahnhofskiosk, also nicht „immer“.) Vorübergehend im Wechsel mit Claus Klebers sehr lesenswertem Büchlein „Rettet die Wahrheit“, das in meiner Buchhandlung Jahn an der Kasse lag und bei ZDF-Lanz mit dem Autor durchgesprochen worden war, als ich den neuen Fabiou abholte: „Philosophie des wahren Glücks“, weil mich sein „Versuch, die Jugend zu verderben“ seit Monaten (vor dem Einschlafen) beschäftigt hat.

Also die Süddeutsche heute, Freitag, den 29. September 2017. Endlich eine volle Seite über das Phänomen „Referendum in Katalonien“, und zwar derartig in Schwerpunkte aufgeteilt, dass man keinen auslässt. Und den Leser, der die Problematik aus der Ferne mit Befremden verfolgt hat, merkwürdig verändert daraus hervortauchen lässt.

Seite 13 Hirngespinste! Stierkämpfer und Kolonialherren die einen, Akrobaten und Händler die anderen. Über die historischen Wurzeln des Konflikts zwischen Spaniern und Katalanen. / Referendum in Katalonien 300 Jahre Streit, drei Schriftsteller, ein Abgrund. Von Thomas Urban.

Aber es ist auch die Konfrontation von zwei politischen Kulturen. Der Wohlstand der Katalanen beruhte auf Handwerk und Seehandel. In den Städten entwickelt sich ein selbstbewusstes Bürgertum, vergleichbar den Hansestädten und italienischen Stadtrepubliken. Eine Tradition des politischen Kompromisses und ein ausbalanciertes Machtsystem entstanden.

Spanien hingegen war eine Monarchie mit klarer Machthierarchie: König, Adel, Klerus und Bauern, die Frondienste leisten mussten. Nach der Entdeckung Amerikas beruhte die spanische Wirtschaft nicht auf Handel und Erfindergeist, so stellen es mit Vorliebe katalanische Historiker dar, sondern auf der Ausplünderung der Reiche der Azteken und Inkas. Die Gestaltung der Politik blieb bis in die Neuzeit einer kleinen Elite vorbehalten. Nach Meinung links-liberaler Politologen lebt dieses hierarchische Politikmodell in der PP fort.Dort sei, so sagen sie, die innerparteiliche Demokratie rudimentär ausgebildet. Auch gelte für sie die Devise: „Der Gewinner nimmt sich alles.“ Vor allem wenn es um die Verteilung von Posten und Haushaltsmitteln geht. Es ist kein Zufall, dass PP-Politiker in Korruptionsaffären verwickelt sind.

Nach katalanischer Ansicht verstehn die Spanier in Madrid Politik nur als Konfrontation. Symbolisch dafür stehe der Stierkampf. In Katalonien ist das Spektakel verboten, zum Ärger des Traditionalismus in Madrid. Stolz verweisen die Katalanen auf ihre (Gegen-) Tradition: die Castells. Türme aus Menschen, mehrere Etagen hoch, Ergebnis eines Höchstmaßes an Konzentration und Koordination. In Spanien aber amüsiert man sich über diesen „komischen“ Sport, bei dem es nicht um das unmittelbare Kräftemessen geht.

Lügen und Rechtsbruch Das Referendum ist illegal. Von Juan Cruz.

Spanien ist tot Wir müssen wählen dürfen. Von Albert Sanchez Pinol.

Ihr spinnt alle beide! Der Hass vergiftet uns. Von Almudena Grandes.

Seite 14 Rastlose Flucht nach vorn Vorbei? Seid euch da bloß nicht so sicher: Gerd Koenen erzählt die Geschichte der kommunistischen Weltbewegung. „Die Farbe Rot“ ist ein unvollkommenes Meisterwerk der historischen Analyse. Von Jens Bisky.

ZITAT

Was war der Kommunismus? Laut Brecht das Einfache, das schwer zu machen ist. Gangchanzhuyi – die chinesische Umschreibung des höchsten Ideals und endgültigen Ziels der Partei, bedeutet etwa „die gemeinsame Wiedergeburt der Herrschaft der Gerechtigkeit“. Der Ökonom John Maynard Keynes vermutete, „die subtile, beinahe unwiderstehliche Verlockung des Kommunismus“ bestehe darin, „dass er verspreche, die Dinge schlimmer zu machen“. Es handele sich um einen „Protest gegen die Hohlheit des Wohlergehens“, also einen „Appell an den Asketen in uns“. Kommunisten in vielen Ländern sahen in ihrer Bewegung die Avantgarde einer „menschheitlichen Selbstbeauftragung“ zur vernünftigen Neuordnung aller Verhältnisse im Handstreich.

In Gerd Koenens monumentaler Studie über die „Ursprünge und die Geschichte des Kommunismus“ findet man all diese Bestimmungen, Aphorismen, Selbstbeschreibungen – und noch viele mehr. Ein Charakteristikum des Kommunismus sieht Koenen, angeregt vom Roman „Der stille Don“, für den Michael Scholochow den Literaturnobelpreis erhielt, in der „extremen Spannung zwischen dem Höchsten und dem Niedrigsten, zwischen Humanismus und Terror“. Aber auch das bleibt nicht das letzte Wort der analytischen Erzählung. Koenen misstraut der wohlfeilen, allzu oft mit liberaler Selbstzufriedenheit verbundenen Formel vom „Ende des Kommunismus“. Er schreibt im kritischen Handgemenge, widerspricht beliebten Deutungen, etwa denen von Ernst Nolte oder Eric Hobsbawm. Von der ersten Seite an enttäuscht er alle Erwartungen an ein Handbuch, einer konventionellen Darstellung in antiquarischer Absicht. (…)

Was war der Kommunismus?

Gewiss war er weder eine bizarre Idee deutscher Stubengelehrter noch eine große Utopie, die leider falsch umgesetzt wurde. Er lebte und lebt von kulturell tief verwurzelten Sehnsüchten. Religiöse und philosophische Erzählungen schildern das Heraustreten der Menschheit aus einem mythischen Urzustand als Schrecken eigener Art. „Schuld- und fluchbeladen“ erscheint der Verlust ursprünglicher Einheit, gleichviel ob man in deren Beschwörung Erinnerungen oder Fiktionen sehen will.

Koenen rekapituliert die Erzählungen von Gilgamesch, die biblische Schöpfungsgeschichte, Hesiods „Werke und Taten“, asiatische Lebenslehren, christliche Reichtumskritik. Er gewinnt der eindrücklichen Revue eine wichtige, Max-Weber-Lesern plausible Pointe ab: die Herkunft des modernen Sozialismus und Kommunismus aus der christlich-abendländischen Gedankenwelt sei leichter zu verstehen, als die Frage zu beantworten, warum in diesem neuzeitlichen Europa eine Wirtschafts- und Lebensweise entstand, die sich um Ursprünge, Gemeinschaft, Herkommen wenig schert, tradierte Bindungen sprengt und heute summarisch „Kapitalismus“ genannt wird.

Nachdem ich fleißig abgeschrieben habe, was mir persönlich behaltenswert erschien, entdecke ich beim Recherchieren des Wortes „Gangchanzhuyi“, dass dieser ganze Artikel im Internet auffindbar ist: Hier. Bitteschön, doppelte Empfehlung!

Seite 14 Wer sind eigentlich diese Deutschen? Seine Geschichte des Dritten Reiches ist ein Standardwerk. Ein Treffen mit dem britischen Historiker J. Evans, der an diesem Freitag siebzig wird. Von Alexander Menden.

Als er in den Sechzigerjahren begann, in Oxford Geschichte zu studieren, hatte der deutsche Historiker Fritz Fischer gerade eine Debatte über die Gründe für den Ersten Weltkrieg eröffnet. „Fischer war ein Held für mich“, sagte Evans. (…) Wie viele gleichaltrige Geschichtsstudenten fand Evans Fischers These aufregend, der Weltkrieg und auch der Nationalsozialismus seien ein Folge der gesellschaftlichen Entwicklung im deutschen Kaiserreich gewesen – zumal 1968 gerade eine Wiederbelebung neonazistischer Ideen in ganz Europa stattfand. (…)

Evans selbst studierte eingehend die Hamburger Archive, publizierte unter anderem über feministische Bewegung in Deutschland und über die „völlig in Vergessenheit geratene“ Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung: „Deutschland war ja bis zum Wirtschaftswunder, das die berühmte nivellierte Mittelstandsgesellschaft hervorbrachte, eine zutiefst gespaltene Klassengesellschaft“ sagt er. Deshalb finde er die Generalisierung deprimierend, die immer wieder gerade von britischen Historikern vorgenommen werde, wo einfach von „den Deutschen“ die Rede sei: „Es gibt keine Differenzierung, die auf diese klassenbedingte Spaltung, auf den Dissens mit den Nazis eingeht.“ Er bezog auch Stellung gegen Daniel Goldhagen, der die nach Evans‘ Einschätzung unzulässig vereinfachende Behauptung aufstellte, „eliminatorischer“ Antisemitismus sei der deutschen Kultur eingeschrieben.

Seite 16 Im Wellnesstempel der Könige Deutsche Archäologen restaurieren die Stätten von Meroe – einst Herz eines riesigen Reiches im Sudan. Von Hubert Filser.

(…) Die antike Stadt Meroe war mehr als 1000 Jahre die Hauptstdt eines großen Reichs im Mittleren Niltal, das sich von der Südgrenze des mächtigen Ägypten bei Assuan bis ins Herz Afrikas erstreckte. Die Könige von Meroe waren die Nachfolger der legendären „Schwarzen Pharaonen“, die im 7. Jahrhundert vor Christus in Ägypten geherrscht hatten. Am Königshaus herrschte offenbar ein ziemlich weltoffenes Klima, denn viel der Bauten vereinen verschiedene Kulturen der damaligen Zeit. Die Bilder im Bad zeigen ägyptische und einheimische Götter, der Flötenspieler belegt den griechischen Einfluss, er ist dem Kult um den griechischen Weingott Dionysos zugeordnet. „Auch die sprudelnde Säule ist ein Beleg für den Kulturtransfer“, sagt DAI-Forscherin Simone Wolf. „Solche Säulen standen zur gleichen Zeit auch in Pompeji“.

Sudan_Meroe_Pyramids_2001_numbered

Sudan Meroe Pyramiden, nummeriert (Foto: Francis Geius – Mission SFDAS 2001 Photographer: B N Chagny, hier nach Wikipedia).

Über nubische Pyramiden hier.

(Fortsetzung folgt)

Wie wichtig ist Wählen?

Hilfe zur Meinungsbildung

Warum ich Markus Lanz empfehle? Auch ich finde ihn manchmal unerträglich, und ganz besonders wenn er Politiker in die Enge zu treiben versucht. Mögen sie es verdient haben oder nicht. In vielen anderen Fällen ist anerkennenswert, dass er intelligenten Leuten die Gelegenheit gibt, ihre Gedanken in Kürze, aber nicht zu kurz darzustellen und ohne sie gleich in Kontroversen zu verwickeln. Oder ihnen ständig in die Parade zu fahren. Gut also, wenn es nicht um Politik geht. Oder? Ein hilfreiches Beispiel gestern: Richard David Precht (ich nehme ihn als Stimme der Vernunft) und der Pädagoge Josef Kraus. Der Link zur schnellen (oder auch gründlichen) Orientierung: HIER ! Beginnen bei 4:31: die drei langfristig größten Probleme werden beim Wahlkampf überhaupt nicht angesprochen,von keiner Partei! Weiß jemand, WARUM? Ab 29:48 Themenwechsel: BILDUNG (mit Josef Kraus, Pädagoge, er ist „der ehemalige Präsident des Deutschen Lehrerverbandes. Seit Juli ist Kraus im Ruhestand. In der Sendung sagt er, warum Schule nicht zur Spaß- und Verwöhnschule werden darf.“)

ZDF Screenshot 2017-09-01 09.42.29 Screenshot ZDF-Sendung

Andererseits notiere ich den Wortlaut des Gesprächs, um im Nachhinein zu prüfen, ob es hier nicht zu pauschal zugeht. Die großen Entwürfe sind leicht gemacht, der politische Alltag kann jede Initiative, wenn sie denn  zustandekäme, im Keim ersticken. Nehmen wir Entwicklungspolitik: ist überhaupt Vertrauensbildung möglich, gibt es die kleinste Chance, der Korruption Herr zu werden? Verlaufen nicht alle (demokratischen) Prozesse so langsam, dass die übergeordneten Ziele schon Jahrzehnte vor ihrer Realisierung ausgehöhlt erscheinen? Man muss nur ins Detail gehen, also stehenbleiben, um die Gesamtbewegung aus den Augen zu verlieren. Vielleicht nicht „wir“, die wir problembezogen diskutieren, aber „die Leute da draußen“, die schwerfällige Masse, um die es sich dreht. Was für eine Hybris… (Spielen Sie mit mir den Advocatus Diaboli!)

Precht: Wahlkampf ist ein zu großes Wort. Eigentlich handelt es sich um Verweigerung, wirklich n Wahlkampf zu machen. Was mich am meisten stört, dass die wirklich langfristig größten Probleme, alle drei im Wahlkampf nicht angesprochen werden. Das erste sind die gesamten gesellschaftlichen Umbrüche durch die Digitalisierung, die unsere Gesellschaft nicht einfach nur n bisschen moderner machen, sondern eine völlig neue Gesellschaft erzeugen werden. Auf die wir überhaupt nicht vorbereitet sind, in der Arbeitswelt nicht, politisch nicht vorbereitet, gesellschaftlich nicht vorbereitet, wird von den Parteien nicht ernsthaft thematisiert. Das zweite, was nicht thematisiert wird: unsere Art zu wirtschaften geht auf Kosten unserer Enkel, das wissen wir alle. Wir denken jeden Tag daran, das Land zukunftsfähig zu machen, aber nicht, es enkeltauglich zu machen. Wenn alle so wirtschaften würden wie wir, – und immer mehr Ländern sind in der Lage, ähnlich zu wirtschaften, wird dieser Planet in wenigen Jahrzehnten unbewohnbar sein. Das gesamte große ökologische Thema ist selbst bei den Grünen in den falschen Händen, es wird nicht ernsthaft diskutiert, der Klimawandel ist schon wieder vergessen, wenn Wahlkampf ist, also das zweite Problem. Das dritte Problem: das Migrationsthema. Also es ist im Augenblick so, dass Frau Merkel sich mit Herrn Macron sich geeinigt, dass wir, damit das gar nicht all diese Bilder vom Mittelmeer weiter gibt, oder von Menschen die in der Sahara umkommen, dass wir in Afrika ansetzen, südlich der Sahara, durch sogenannte Partnerschaften, was ein sehr euphemistisches Wort ist, dass letztlich keiner mehr in der Lage ist, das Land nach Norden hin zu verlassen. Das ist natürlich von allen Lösungen, die es gibt, die schlechteste, weil – ich weiß nicht, wie weit die horizontale Entfernung quer durch Afrika ist, aber wir reden hier über 3000 oder sowas Kilometer, das ist natürlich eigentlich nicht möglich, und stattdessen bräuchten wir eine Entwicklungshilfepolitik, die flüchtlingspräventiv mit den Ländern zusammenarbeitet und hilft, ihre Not zu lindern, diesen Ländern hilft, auf die Beine zu kommen, und statt soviel Geld für Rüstung auszugeben, wie es im Augenblick geplant ist, sollte man dieses Geld in die Entwicklungshilfe stecken. 6:35 (Beifall)

Lanz: Warum greift man diese Themen nicht an? Warum traut sich keiner, sich wirklich mal hinzustellen und zu formulieren, was Sache ist. (…) Hat man Angst, dass den Leuten die Wahrheit nicht zuzumuten ist?

Precht: Ja! Und da gibt es mehrere Gründe für. Also der erste Grund ist: Jeder Politiker, der sich in einem Wahlkampf befindet, hat Angst, den Leuten Angst zu machen. So, und bei den drei Themen, die ich gerade genannt hab, und das wird dem Fernsehzuschauer nicht anders gehen, dem wird erstmal mulmig. Ja, und dass man sowohl denkt, was die Ökologie anlang, und was die Migrationsprobleme anbelangt, wie was die Digitalisierung anbelangt, ojeh, es kommt etwas Riesiges auf uns zu, und die Politik hat für diese Sachen keine Lösung, keine Antworten, und ich werfe ihr vor, sie versucht auch nicht ernsthaft, langfristig ernsthafte Antworten zu generieren. Das ist das, was mich daran stört. Sie hat also keine Visionen, keine Ideen, wie man diese Probleme lösen könnte.

Lanz: Das klingt wahnsinnig desillusionierend (…) 7:53

Gaus: Ich würde zu Prechts Liste noch zwei Themen dazunehmen, die auch nicht aufgegriffen werden: Was kostet die Energiewende? Was kostet das Erneuerbare- Energie-Gesetz (usw. 8:16). Was ist mit Griechenland los?  Meinungsinstitut: dass 39 % der jetzt Wahlberechtigten nicht mehr wissen, was sie 2013 gewählt haben. … am Rande der politischen Amnesie (lachen). Ich glaube, es gibt ne Erklärung dafür: es haben sich damals schon die Parteien nicht mehr voneinander unterschieden. (…) jetzt wieder 48 % Unentschiedene (…)

Precht: Der Witz ist, es geht in erster Linie gar nicht darum, dass man den Menschen in Deutschland das gar nicht zumutet, sondern dass man es erstmal seiner eigenen Partei nicht zumutet. Da fängt das ganze Problem schon an. Und das Problem hatte Macron nicht. (…) musste er nicht auf Parteibefindlichkeiten Rücksicht nehmen.Also einer der Gründe, warum grade die SPD im Hinblick auf die Digitalisierung nichts anderes versucht als die sterbenden Arbeitsmärkte nochmal zu zementieren, statt sich darauf einzulassen: was sind die sozialen Herausforderungen? was könnte an die Stelle bosheriger Gewerkschaften treten in einer digitalen Welt? Darauf kann sie sich nicht einlassen, weil sie dann riesigen Ärger mit den Gewerkschaften kriegt, 11:46 so dass ich im Zweifelsfalle gar nicht weiß, ob dieser ideenlose Wahlkampf, den die SPD macht, auf Martin Schulz zurückzuführen ist, was ich weniger glaube, als auf die Rücksichten, die er gegenüber der eigenen Partei nehmen muss, (??? Lanz spricht hinein) auch nicht einschränken kann, und das haben wir ziemlich ähnlich: die Grünen sind nicht bereit, in Bezug auf das, was ökologisch auf uns zukommt, den eigenen Wählern reinen Wein einzuschenken. Da wird irgendwie die Vorstellung genährt, man könnte, wenn man in nem Energiesparhaus lebt, man könnte mit n paar Energiesparbirnen den Klimawandel aufhalten. Also im Grunde genommen ist das ja so die Idee, also n bisschen mehr davon, und dann geht das. 12:19 kann man also übern ganzen Globus hinwegfliegen. Wenn Sie mal die Frage stellen: Wieviel CO² sparen Sie eigentlich durch ein Energiesparhaus ein, wie oft können Sie dafür nach Amerika fliegen? Dann stürzen Sie schon im Atlantik sofort ab. Die Antwort ist: wir müssen unser Lebensmodell umstellen, wenn wir wirklich ökologische Politik machen. Das erzählen die Grünen ihren Wählern nicht, und das erzählen die auch einander nicht. (Beifall) 12:46 LANZ: Autoindustrie, Elektromotor. Ein Auto ist kein Statussymbol mehr! Wir werden uns anders fortbewegen müssen. Warum reden wir nicht über solche Dinge?

PRECHT: Weil natürlich das alte Geschäftsmodell wunderbar funktioniert hat. Also die deutsche Automobilindustrie ist die beste der Welt, sie trägt sehr zum deutschen Wohlstand bei, – also hat man versucht, dieses alte Geschäftsmodell auf ewig zu zementieren und daran festzuhalten, weil man wusste, die neuen Entwicklungen, die führen weg vom Status-Auto. 13:58 Das Status-Auto bedeutet aber eine diversifizierte Palette von lauter Mittelklassewagen herzustellen, die eigentlich keiner braucht, aber von dem die Automobilindustrie lebt. Wenn am Ende nur noch son paar uniformierte Kleinwagen da sind, dann geht das ganze Geschäftsmodell kaputt, deswegen hat man versucht, das Elektroauto zu blockieren. Aber man muss noch einen Satz dazusagen, ich bin kein großer Freund des Elektroautos, das Elektroauto ist auch nicht die beste Lösung. nach wie vor: in den Batterien sind seltene Erden, die in Afrika unter katastrophalen Umständen gewonnen werden. Wir können bis heute Elektromotoren nicht recyclen, die Herstellung einer Batterie ist wahnsinnig energieintensiv, so, die eigentliche Lösung ist die Brennstoffzelle. Aber da ist genau dasselbe (- also Wasserstoff, nicht?)  genau: mit Wasserstoff angetriebene Brennzelle, das ist umweltmäßig, ökologisch mit Abstand das beste Modell, Toyota baut solche Autos!, also das geht, (sehr energieintensiv, Wasserstoff herzustellen! muss man auch sagen), ja, aber wenn Sie insgesamt die Bilanz sehen, zwischen Diesel – ist das Schlimmste – und Benzin und Elektroauto halten sich ungefähr die Waage, und dann ist das mit Abstand die beste Lösung. Aber: da hat keiner reininvestiert, die Japaner haben dareininvestiert, und (versuchen das, Mercedes) Mercedes, der Gedanke ist alt! die Lobby dahinter, wir hatten kein Interesse, es zu machen. Das ist (vor zehn Jahren wurde dieses Team, das diese Brennstoffzelle entwickelt hat, eingestellt) ja! die hatten Angst, dass das das Geschäftsmodell verhagelt! 15:20 (Lanz: Also, nochmal die Frage: Wie, warum mutet man uns solche Wahrheiten nicht zu? Die Leute merken doch, wie sich solche Unternehmen, VW und viele andere, da sitzen doch unglaublich fähige, gute Leute, die verstehen doch und spüren doch, dass da was stattfindet, da draußen, d.h. dieses Keine-Antworten-Kriegen von politischer Seite führt doch im Zweifel zu mehr Verunsicherung als weniger. Was wäre denn Ihrer Meinung nach der Entwurf, die Vision, die große Rede, die jemand halten müsste?) 15:55

PRECHT: Also, ich glaube, wir sind uns auch in der Frage einig, – zunächst mal sich ehrlich zu machen, ich glaube, damit würde man in Deutschland ähnlich gut punkten können, wie Macron das in Frankreich… ich glaube, dass das funktionieren würde, sie trauen sich nicht aus der Deckung, gerade auch der eigenen Partei gegenüber. Das ist wichtig, schon die eigene Partei hemmt die Erdigkeit der Politiker, nicht nur die Angst vorm Wähler im allgemeinen. Das ist der Grund, weshalb das nicht passieren wird. Das zweite ist, ich meine, wir reden über sehr komplexe Themen, also die Frage, wie man dies gewaltige Thema MIGRATION in den Griff kriegt 16:27 Da gibt’s nicht mal so eben ne kleine Formel, die man aus der Tasche ziehen kann und sagen kann: damit ist das Problem gelöst. Sondern das ist eine ganz große gesamtgesellschaftliche Anstrengung, wo sehr viele Sachen von berührt sind. Ökonomische Fragen berührt sind: wir bräuchten zum Beispiel ein einseitiges Freihandelsabkommen mit der Dritten Welt. Wir machen ein Abkommen und sagen, ihre dürft alles was ihr herstellt zollfrei in die Europäische Union verkaufen, aber ihr dürft auf jedes Produkt, das aus der Europäischen Union kommt, den Zoll eurer Wahl machen. Das wäre zum Beispiel optimale Entwicklungshilfe. Da haben wir in der Doha-Runde mehr als 10 Jahre drüber geredet, war die Europäische Union, waren die europäischen Staaten nicht zu bereit, und jetzt muss man fragen: die Bananen aus Tansania und was weiß ich ist ja nicht mal 1 % unseres Marktes, d.h. da denkt jeder kleinklein an das jeweilige Problem, denkt nicht im großen Maßstab, denkt nicht langfristig, denkt nicht, was das alles am Ende kostet, und zwar kostet an Menschenleben, kostet an Geld, kostet an politischer Unruhe und alles was damit einhergeht. Wir müssen eine ganz andere Entwicklungshilfepolitik machen, das Entwicklungshilferessort ist glaube ich unter 1 %, also das müsste n ganz anderen Stellenwert haben. Und zwar um das Leben all dieser Menschen, die damit ihr Leben verlieren, und um unseretwillen. 17:38 JOSEF KRAUS: (Neo-Kolonialismus) LANZ: Hilft es wirklich der AfD, wenn wir über Migration sprechen? Precht: Ja, das ist ne Antwort, die versteht jeder. Und die andere Antwort, wie sieht eine Entwicklungshilfepolitik aus, die diesen Ländern hilft, auf die Beine zu kommen, die also wirklich flüchtlingspräventiv ist, und die sagt, die Welt ist durch die Globalisierung kleiner geworden. Wir haben überall in der Welt davon profitiert, dass wir die seltenen Erden aus dem Kongo kriegen, dass Leute in Bangladesh unsere T-Shirts zusammennähen usw., so, aber wenn wir die alle für unseren Wohlstand nutzen, dann müssen wir uns auch in irgendeiner Form für deren Leben verantwortlich fühlen. Und das ist der Schritt, den wir machen. Wenn ich jetzt sehr pathetisch formuliere: im 18. Jahrhundert ist durch die Erklärung der Menschenrechte ja zum erstenmal die Idee, dass das Leben eines jeden Menschen gleichviel wert usw. formuliert worden. Im 19. und 20. Jahrhundert ist es sehr mühselig in Europa durchgesetzt worden. Und im 21. Jahrhundert müssen wir begreifen, dass es nicht nur für Europäer gilt. (Beifall) 19:29

LANZ: Trotzdem nochmal die Frage: Ist es den Menschen nicht zuzumuten, wenn man ihnen sagt: Pass auf, das, was da grade passiert, dass Menschen an die Grenze kommen und einfach sagen: Asyl! Und gleichzeitig sagen: Ich hab meinen Pass irgendwo unterwegs verloren, um dadurch zu ermöglichen oder sicherzustellen, dass man einfach in dieses Land reinkommt, das können wir so nicht weiter machen.

PRECHT: Da sind sich alle einig, das will ja gar keiner! Also ich kenne überhaupt keinen, der das für ne gute Lösung… LANZ: …weit und breit keinen Plan, der mal sagt: da gibt es ein ordentliches Einwanderungsgesetz beispielsweise. Da gibts ne Idee: wir formulieren klipp und klar und deutlich,    für jemanden, die nicht Asyl benötigt, – das ist nochmal was ganz anderes, Asyl ist etwas, was wir zu gewähren haben! Menschen… PRECHT: Lassen Sie mich nochmal an das Argument von Herrn Kraus, das nicht falsch ist, aufgreifen, dass er gesagt hat: ist ja komisch: wen wollen wir reinlassen, – Ärzte aus Syrien: JA, Ungelernte aus Syrien: NEIN. Weil klar ist: der Arzt aus Syrien wird sich hier wunderbar integrieren, und den können wir im Zweifelsfall auch gut gebrauchen. Aber der wird eben genau so in Syrien gebraucht! Das ist kein uninteressantes Argument, wir wollen eine Politik machen, die nur denjenigen Migranten erlaubt zu uns zu kommen, die in den Heimatländern ganz besonders dringend gebraucht werden. (…)  Machen wir uns nichts vor: Wenn Sie jetzt Kanzlerkandidat einer Oppositionspartei wären, von wem lassen Sie sich beraten? Sie beauftragen eine PR-Agentur. So, und die kuckt, die fragt die Leute in der Fußgängerzone, oder im Telefon-Interview: was assoziieren Sie mit der Sozialdemokratie? Da wird dann son Mindmapping gemacht, und am häufigsten kommt das Wort Gerechtigkeit, und so wird n Wahlkampfthema gemacht. Und das ist das, was mich stört: also das sind synthetische Formen, mit denen man versucht, auf eine Marktforschungsart und – weise ein Thema zu finden, und dann ist ja völlig klar, dass so ein Thema immer ein Gegenwartsthema ist und nie ein Zukunststhema (Lanz spricht rein: es geht um Angebot und Nachfrage sozusagen) Genau! wie das Thema geschaffen wird. KRAUS: kleine Korrektur: es ist ja keine Oppositionspartei, es ist ja ne Regierungspartei! PRECHT: Aber die sind jetzt im Wahlkampf  (Ja!) wie eine Oppositionspartei und sagen: wir wollen an die erste Stelle treten. 22:43

(Fortsetzung folgt)

s.a. hier Precht in ttt

Hier Info Hannes Jaenicke (facebook) nur zur Kenntnis (wird wieder gelöscht).