Schlagwort-Archiv: Vogelstimmen

Der Ruf des Brachvogels

Wie ich mich wieder auf Zen besann

Die Vorgeschichte habe ich ja schon am 23. März angedeutet (hier). Und jetzt hat voll die Vogelsangsaison zugeschlagen, auch am Schreibtisch vorm Computer habe ich die Ohren nach draußen gerichtet, lese immer mal wieder in Arnulf Conradis schönem Buch, lege andere, über die er spricht, daneben (z.B. von Hoffmann oder Tiessen), fühle mich ein bisschen verwandt mit ihm. Und dann diese Seiten über Nachtigall und Amsel! Erst recht mit den Passagen über den Brachvogel öffnete er Tür und Tor, die Insel Texel tut sich mir auf, Wanderungen durch „De Bollekamer“ (wenn man das Video anklickt, hört man fortwährend den Ruf des Brachvogels).

Lesen Sie den Text auf dem rückwärtigen Einband? Conradi zitiert immer wieder aus Dumoulins ZEN-Werk, allerdings einem anderen als dem, das ich 1962 studierte:

H.Dumoulin: ZEN Geschichte und Gestalt / Francke Verlag Bern1959

Musik der Natur: Atlantis Musikbuch-Verlag Zürich 1953, 1989 / ISBN 3.254-00157-5

Über die Nähe zur Meditation

ZITAT Arnulf Conradi (Seite 181f)

An einem anderen Tag, Mitte Mai, um die Mittagszeit, hörte ich am Ufer des kleineren Sees, zu dem mich mein üblicher Spaziergang führt, gleich drei Nachtigallen: zwei direkt am See, in der Böschung des Ufers, etwa hundert Meter voneinander entfernt, und eine dritte auf der anderen Seite einer neben dem Weg liegenden Wiese, die leicht ansteigend an ein Wäldchen grenzt, dem ein Weidengesträuch vorgelagert ist. Auch die dritte Nachtigall war von den beiden anderen ungefähr hundert Schritte entfernt, die drei bildeten sozusagen ein Klangdreieck. Ich setzte mich mitten auf der Wiese etwa im Zentrum dieses Dreiecks ins Gras. Die drei Vögel konnten einander deutlich hören, und es war offensichtlich, dass sie einander zu überbieten suchten. Nie vorher habe ich in der Mitte eines solchen dreiseitigen Wohlklangs gestanden. Es dauerte mehr als eine Stunde, bis sich ein Sänger nach dem anderen erschöpft abmeldete. Es war wunderschön, und ich glaube nicht, dass eine Amsel da hätte mithalten können. Trotzdem bin ich froh, dass es das Buch von Heinz Tiessen gibt. So ernsthaft hat sich noch kein Musiker mit dem Gesang der Vögel beschäftigt.

Wir haben bislang nur über die Singvögel gesprochen, aber was ist mit den Gesängen, den Rufen und Geräuschen der anderen? Auch unter den Limikolen, den Watvögeln, gibt es Arten mit sehr melodischen Rufen. Zum Beispiel dem Großen Brachvogel mit seinem weichen „tlüie“, einem tiefen Flötenton, der melodisch ansteigt, sicher einer der schönsten Rufe in der Vogelwelt. Ich höre ihn meist auf Sylt, und da ist er für mich der typische Ruf des Watts geworden. Aber einmal, vor etwa zwölf Jahren, habe ich diesen Ruf auch in der Uckermark bei einem meiner Spaziergänge gehört. Ich war zuerst ein wenig verwirrt, glaubte mich einen Augenblick am Nylönn von Kampen, aber dann sah ich acht Große Brachvögel über mich hinweg ziehen, sechs eng zusammen fliegend, zwei etwas seitlich verschoben. Es war am 14. Juli, also mitten im Sommer, sie waren offensichtlich mit der Brut schon durch. Mit ihren langen gebogenen Schnäbeln und den langsamen Flügelschlägen strichen sie vorüber.

Großer Brachvogel, Foto: Andreas Trepte, www.photo-natur.net

ZITAT Arnulf Conradi (Seite 49f)

Eines Tages flog ein Graureiher bei wolkenlosem Himmel mit seinen langsamen Flügelschlägen lautlos dieses Fließ hinunter, er war über der dunklen Oberfläche kaum zu sehen, aber wann immer er durch eine Schneise des Sonnenlichts glitt, leuchtete das unvergleichliche Grau seines Federkleides geradezu auf. Solche Momente, wenn man stehen bleibt und diesem fantastischen Bild nachhängt, erschließen einem nicht nur die Ästhetik des fliegenden Reihers, das Dunkelgrau der Deckfedern auf dem Rücken des Vogels und das Lichtgrau seines zum S gebogenen zurückgelegten Halses, sondern die ganze Schönheit der Natur. Der Anblick triff einen geradezu, und er trifft einen im ganzen Wesen, nicht nur im Denken. Das ist natürlich keine Erleuchtung im Sinne des Zen-Buddhismus, aber es ist ein tiefer Eindruck. Man ist plötzlich hellwach für diese Empfindung. sie erfüllt einen ganz, und man wird sie nicht leicht wieder vergessen. Auf kaum erklärliche Weise stärkt sie einen und verändert die Art, wie man die Umgebung sieht.

Erich Fromm kleidet das in eine Ausdrucksform, die er von der Schriftstellerin Gertrude Stein entlehnt: „Die Rose, die ich sehe, ist kein Objekt für mein Denken, so wie wir sagen: ‚Ich sehe eine Rose‘, und damit nur feststellen, dass das Objekt, eine Rose, zu der Gattung ‚Rose‘ gehört, sondern in der Bedeutung: ‚Eine Rose ist eine Rose ist eine Rose“.“ Wenn man „Reiher“ an die Stelle der „Rose“ setzt, kommt man der Empfindung, von der hier die Rede ist, nahe. Das Grau des Reihers im Grau der Schatten über dem dunklen Wasser, das plötzliche Aufleuchten in der Sonnenschneise, der lautlose, federnde Flug, der langsame Flügelschlag – das alles ist die Essenz des Reihers in der Empfindung des Vogelbeobachters und, wenn man das sagen darf, zugleich eine Meditation über die Natur. Ein Reiher ist ein Reiher ist ein Reiher.

Quelle Arnulf Conradi: Zen und die Kunst der Vogelbeobachtung / Verlag Antje Kunstmann GmbH, München 2019 / ISBN 978-3-95614-289-5

Zu dem Satz von Gertrude Stein siehe auch den letzten Abschnitt des Blogartikels „Brahms reden lassen“ hier.

Die Stimmen des Großen Brachvogels

https://www.nationalpark-wattenmeer.de/nds/service/mediathek/audio/gesang-und-rufe-des-grossen-brachvogels/3792 hier

https://www.vogelstimmen.info/Vogelstimmen_Hoerproben_GRATIS.html !!!!

Brachvogel ab 21:09 bis 23:35 (Vorsicht: Lautstärke der Sprecherstimme!)

*    *    *

Ich habe zu Anfang beschrieben, wie ich auf dieses Thema kam – dank der Buchbesprechung von Roman Bucheli in der NZZ; es war am 23. März 2019. Dies sei erwähnt, zum Beweis, dass ich nicht gesteuert bin durch die großartige Sachbuch-Bestenliste der ZEIT vom 25. April 2019. Ich gestehe allerdings gern, dass ich mir jedes Buch dieser (hier unvollständig wiedergegebenen) Liste zulegen würde, wenn ich nur genügend Zeit und Geld hätte … Zudem scheint die Sonne, und die Vögel singen.

Dvořáks Meise

Zu deutsch: Scharlachtangare, es ist keine Meise, sondern gehört zur Familie der Kardinäle, bei Wikipedia hier. Weitere Bilder und Tonaufnahmen hier.

Folgendes Zitat aus: Klaus Döge: Dvořák / Leben Werke Dokumente / Serie Musik Piper Schott ISBN 3-7957-8277-5 /Seite 225 f

Ein Vogelruf war es auch, den er 1893 während seiner Sommerferien im amerikanischen Dorf Spilville, wo er nach acht Monaten Stadtaufenthalt endlich die Vögel wieder singen hörte, notierte …

Anmerkung (a.a.O.): 

Zum Cleveland Quartet Antonín Dvořák: String Quartet No. 12 in F major, Op. 96 „American“, dritter Satz: Hier klicken 16:14

Fundstück

Beim Studium des Buches „New Worlds of Dvořák“ von Michael B. Beckerman (W.N.Norton & Company New York London – 2003) entdeckte ich diesen Hinweis auf ein Buch mit Notationen von Vogelstimmen, 1892 veröffentlicht, das James Huneker dem Komponisten zugänglich gemacht haben könnte. Dieser Mann war Dr. Dvořáks Klavier-Kollege am New York Conservatory und führte ihn gelegentlich durch die Stadt: „Wir begannen bei Goerwitz und beschrieben einen riesigen Kreis durch den großen Durst-Gürtel von Zentral New York. An jedem Platz nahm Doc Borax einen Cocktail. (…) Wir sprachen deutsch und ich war froh, einen Mann zu treffen, dessen Akzent und Satzbau noch schlechter waren als meine.“ (Beckerman Seite 81)

 oberes Bild!

Ich habe mich auf die Suche begeben und eine Kopie im Internet gefunden (der Link folgt später):

Vom Reim

…und vom Assoziieren

Ich gehe ganz gern dem Phänomen nach, wie man assoziiert, also das Gedächtnis ohne besondere Anstrengung aktiviert und Netze spinnt zwischen entlegenen Themen. Wir machen uns einen Reim draus. Das ist der Vorgang. Die Vogelstimmen haben zwar nachgelassen, der Gesang jedenfalls; aber was ich da draußen ständig höre, ist der Doppelschrei das jungen Mäusebussards (siehe hier). Gestern ist er gegen die Scheibe unseres Wohnzimmers geflogen, heute saß er auf dem Steinstapel an der Terrasse und sah wohlgefällig dem Treiben der Kleinvögel an der Futterstelle zu. Mein gezücktes Smartphone verscheuchte ihn. Schon als ich wieder die Süddeutsche las – den Artikel von Sonja Zekri – hörte ich ihn wieder aus dem Tal rufen. Und als ich umblätterte und auf den schönen Artikel von Heinz Schlaffer über die neue Baudelaire-Übersetzung stieß, fiel mir ein, dass ich vor mehr als 10 Jahren in einer Mai-Sendung der Reihe „Musikpassagen“ das Thema Vogelstimmen (die Waldamsel) im Zusammenhang mit Trillern und Reimen behandelt habe. (Reime erinnerten mich an Sequenzen, Stichwort „Nessun dorma“.) Anlass genug, an diesem Netz weiterzuspinnen, zumal mir der SZ-Autor kürzlich unvermerkt wiederbegegnet war (hier). Und nun schreibt er über die unterschiedliche Bewertung des Reims im Französischen und im Deutschen. Natürlich fällt mir das Wandruszka-Buch wieder ein und die wunderbare Zeile: „Meine Schwester, mein Kind, denk es, wie lind wärs dorthin zu fliehn“ … es geht dabei um das Wort „douce“, das im Wort „lind“ bei George (Baudelaire-Übersetzung) eine einzigartige Entsprechung gefunden hat, – um des Reimes willen. Also: ich muss rekapitulieren und ausweiten. Der Rest das Tages ist gesichert.

Waldamsel Cover +

AUS EINER SENDUNG IN WDR 3 am 9. Mai 2001, wiederholt am 11. Mai 2006

 „Von Trillern, gereimten Melodien und den ungereimten Strophen der Wald-Amsel“ (Letzter Teil des Skriptes)

Musikpassagen, heute vorübergehend in einem Küsten-Buchwald an der Ostsee, in der Nähe von Stralsund, am Mikrofon ist J.R. Die neue Wald-Amsel-Aufnahme von Walter Tilgner. Wollen wir sie noch ein bißchen weiter sezieren?
Mir scheint, dass das folgende Anfangsmotiv nicht von der signalhaften Antwort getrennt werden darf. Und dann tut sie es doch: bei der dritten Version spinnt sie ein bißchen. Also – drei Ausschnitte jetzt:

34) Sonder-CD 2 24 Tracks / Anfang der Tracks 6 + 8 + 11
Aufnahme von Walter Tilgner (unveröffentlicht)

Hat sie ihren Irrtum bemerkt? Zwei Minuten später liefert sie uns das korrekte Motiv nach, – und fügt unseren altbekannten „Himmelsstürmer“ dran.

35) Sonder-CD 2 24 Tracks / Tr. 13
Aufnahme von Walter Tilgner (unveröffentlicht)

Ein anderes Mal verballhornt sie die beiden Motive, – ich glaube, weil sie etwas aufgeregt ist. Sie kam gerade erst an ihren Platz geflogen.

36) Sonder-CD 2 24 Tracks / Tr. 23
Aufnahme von Walter Tilgner (unveröffentlicht)

Mit einem Glanzstück der Sammlung ungereimter Strophen möchte ich mich von der Waldamsel verabschieden.

37) Sonder-CD 2 24 Tracks „Wald-Amsel“ Tr. 24“ 2’01“
Aufnahme von Walter Tilgner (unveröffentlicht)

38) Vogelhochzeit Tr. 17 Pirol etc. beginnen erst ab 0’50“ (1’55“)
Wergo SM 9004-2 (LC 0846)
darin:
39) 5000 256 4 Beethoven /Brendel Son. G op. 14,2 0’50“
Philips 412575-2

Was ist ein Reim? Der Gleichklang zweier oder mehrerer Silben oder Worte:
Glut, Flut, Blut, alles Vergängliche, Unzulängliche, allzu Bängliche, – solcher Reime im Leben, kann es auch allzu viele geben.
In der Musik aber noch eher; man könnte von Reimen sprechen, wenn ein und dieselbe melodische Linie stufenweise versetzt wird. Das kann wunderschön sein, und wirkt durchaus nicht – was auch möglich wäre – wie die allzu einfallslose Fortspinnung eines Gedankens. Entscheiden Sie selbst, – verübeln Sie mir nur nicht die Vivaldische Jahreszeit! („Winter“)

40) Vivaldi „L’inverno“ Giuliano Carmignola Tr. 11 1’45“
Divox Antiqua CDX 79404
41) Beethoven op. 59, 2 Alban-Berg-Quartett 1’05“
EMI CDC 7471312 (LC 0542)
42) 5006 117 Wagner „Tristan und Isolde“ CD 3 Tr. 11 „Mild u. leise“ 2’02“
Birgit Nilsson /Bayr. Festsp./ Karl Böhm
DGG 419-890-2 (LC 0173)
43) 5039 845 Tr. 15 Albinoni / M.André (g-moll) ab 0’16“ bis 1’38“
44) 5024 052 CD 2 Tr. 16 Bach / Joh.P. / „Es ist vollbracht“ ab 0’04 bis 0’47“
Teldec 9031-74862-2 (LC 6019)
45) 5000 245 CD 2 Tr. 3 Beethoven /Cello A/ Rostrop./Barenb. ab 6’30“ bis 7’40“
Philips 412 256-2
46) Beethoven Sinf. 1 CD 1 Tr. 1 ab 1’18“ bis 1’40“
Teldec 2292-46452-2 (LC 3706)
47) 5033 421 Parvarotti / Puccini Tr.1 „Nessun dorma“ 3’00“
Decca 425099-2 (LC 0171)
48) 5042 582 Zupfg. „Bunt sind schon die Wälder bis 1’07
49) 5031 000 Mozart / Manno Tr. 2 ab 1’08“ bis 2’21“
Arte Nova 74321 464952 (LC 3480)
50) Schubert / Müllerin / Wunderlich Tr. 11 „Mein!“ 2’43“
DGG 423956-2 (LC 0173)

„All ihr muntern Waldvögelein,
Groß und klein,
Endet eure Melodein!
Durch den Hain
Aus und ein
Schalle heut ein Reim allein!
Die geliebte Müllerin ist mein!
Mein!“
Meine Damen und Herren, im Fernseh-Talkshows sagt man an solchen Stellen gern: Das ist ein schönes Schlusswort…. aber wir sind ja noch gar nicht am Ende, und meinetwegen könnte es immer so weitergehen. Es wäre noch viel zu klären.
Ungeklärt bleibt z.B., ob die Vögel Musik machen oder ob nur wir eine Vogelmusik hören. Es könnte sein, dass die Waldamsel bei ihren ungereimten Strophen ein Vergnügen empfindet wie wir, wenn wir in ein Kaleidoskop schauen. Es könnte auch sein, dass die Vögel ein akustisches Orientierungsnetz durch den Wald spannen. Jedenfalls unterhalten sie sich nicht miteinander, selbst wenn sie aufeinander reagieren. Das gibt es ja auch unter Menschen: nicht richtig zuhören, aber auf ein Stichwort warten, um selber loszulegen und nicht wieder aufzuhören…
Ich m ö c h t e daran glauben, dass die Vögel etwas Wichtiges tun; immerhin erreichen sie, dass wir gerührt sind, zuhören und n i c h t selber loslegen…
Andererseits warnt die von mir sehr verehrte Philosophin Susanne K. Langer „vor einer vorschnellen Übertragung der menschlichen Funktionen von Vokalisierungen auf das Tierverhalten. Während Vokalisierungen für den Menschen ihre hervorstechende Bedeutung in der Kommunikation haben, ist es durchaus wahrscheinlich, dass diese bei Tieren vornehmlich einen Selbstbezug haben. Bei Tieren seien Vokalisierungen primär expressive Akte innerer Spannungen. ‘Vokalisierung und ihre verschiedenen funktionalen Ersatzformen Flügelputzen, Beinputzen, Schnabelklappern usw. sind ursprünglich expressive Akte innerer Aufregung und es ist durchaus vorstellbar, dass ihre elementare Motivation die Selbstausdehnung, die Vergrößerung des Akts in einer geräuschvollen Vollendung ist.’“

51) Vorarlberger Rheindelta: Haubentaucher Tr. 3 (5’43“) Walter Tilgner privat
darin folgender Text:

Der Haubentaucher ist Vogel des Jahres. Kennen Sie ihn? Die Haltung seines Körpers gleicht der eines sinkenden Schiffs, aber den Kopf trägt er stolzer als irgendein anderer Wasservogel, wenn wir vom Schwan einmal absehen, der dafür keine Haube hat.
„Die Zerstörung kleiner, schilfgesäumter Teiche führt zum Verlust von Brutplätzen und kann durch die Neuschaffung von Gewässern nicht oder nur unvollständig kompensiert werden. Vor allem aber Störungen durch den menschlichen Freizeitbetrieb an Teichen und Seen können zu Brutausfällen führen und so geeignet erscheinende Gewässer völlig entwerten.“
Es gibt auch Fischer, die im Haubentaucher einen vermeintlichen Konkurrenten sehen. „So wird etwa am österreichischen Almsee durch das Anstechen der Eier immer wieder der Bruterfolg vereitelt.“ (Andreas Ranner Nr. 16/ März 2001)

(Haubentaucher hoch!)

Man kann solche Lautäußerungen so lieb gewinnen
wie die Äußerungen eines Säuglings, von dem man nichts weiß, nichts, nur dass man sich verwandt fühlt über alle Kommunikationsbeschränkungen hinweg.
Und dass man eine Zukunft glaubt.
Es ist schon eine Art Liebe. Ohne logische Begründung.

Die lebensprühende Aufnahme stammte wieder einmal von Walter Tilgner, er hat sie am 17. Juni 1980 im Vorarlberger Rheindelta gemacht. Hoffen wir, dass sie dort auch heute noch möglich wäre.

52) Schubert / Müllerin / Wunderlich Tr. 8 ab: 3’19“ bis (Ende:) 4’03“

Das waren die Musikpassagen auf WDR 3, Fritz Wunderlich wird uns gleich mit Schubert ans Ende geleiten, Hubert Giesen am Klavier. Schöner geht es nicht. Diese Sendung wurde vorbereitet im Studio für Klangdesign, Thomas Bleul an den Reglern; unser Hörertelefon hat die Gratis-Nummer 0800 – 5678 333, falls Sie Fragen oder Anregungen haben.
Am Mikrofon verabschiedet sich J.R.

53) Schubert / Müllerin / Wunderlich Tr. 9 „Des Müllers Blumen“ 3’42“
DGG 423956-2 (LC 0173)
54) Nachtigallen

**********************************************©Reichow 5/2001

Hier eine Belohnung für koreanische Blog-Gäste:

Das schmale Nachschlagewerk von Dr. Otto Bantel stammt aus der Anfangszeit meines Germanistikstudiums: „Grundbegriffe der Literatur“ (Hirschgraben Verlag, Frankfurt am Main 1962), hier die aufschlussreiche Anfangspassage zum Reim:

Bantel über Reim

„… um den heidnischen Stabreim zu verdrängen.“!!! Ein anderes Netz: siehe HIER und später über die Zeitenwende des Jahres 1000 hier.

Zu Otfried von Weißenburg siehe bei Wikipedia hier, auch über die Einführung des Reimes!

Der Reim kennzeichnet eine bevorzugte Stelle im Versgefüge. Der Gleichklang bezieht die Reimworte aufeinander, sie treten als besonders bedeutsam ins Ohr. In ihm schwingt der Drang des Gleichartigen mit, sich zu vereinen. Goethe flicht daher im „Westöstlichen Diwan“ die persische Erzählung ein, nach welcher der Reim als Rede- und Antwortspiel zweier Liebenden erfunden worden sei. Die Romantik sieht im Reim die Veschmelzung der Laute als Sinnbild der Liebe, Tieck weiß im reimenden Dichter seine Sehnsucht, die Laute, die in der Sprache einzeln und unverbunden stehen, näherzubringen, damit sie ihre Verwandtschaft erkennen und sich gleichsam in Liebe vereinen.

in der modernen Dichtung wird, in Abwehr der leeren Reimklingelei, die sich im 19. Jahrhundert breit machte, seine Anwendung differenzierter. Dichter wie Rilke oder Benn suchen nach den seltenen, überraschenden Reimen, wobei oftmals ein inhaltlich gewichtloses Wort in den Reim gebunden wird, so daß der musikalische Reiz nur leicht mittönt und die offene Form des Verses, die dem modernen, vielschichtigen Bewußtsein gemäß ist, kaum angegriffen wird.

Quelle Dr. Otto Bantel: Grundbegriffe der Literatur / Hirschgraben Verlag, Frankfurt am Main 1962 (Seite 70 f, Abkürzungen von mir aufgelöst)

Heinz Schlaffer schreibt über die neue Übersetzung von „Les Fleurs du Mal“ (Baudelaire) durch Simon Werle.

ZITAT

Werles kluges Nachwort unterrichtet den Leser über die unterschiedliche Bedeutung des Reims in der französischen und in der deutschen Verskunst. Im Französischen bietet er sich leicht, zu leicht, an. Er gibt sich mit Nachsilben wie in „tapage“ und „carnage“ oder in „guerrière“ und „meutrière“ zufrieden. Im Deutschen ist er schwerer zu finden, da betonte Stammsilben übereinstimmen müssen. Deshalb berührt der Reim ein französisches Ohr nur schwach, ein deutsches lässt er aufhorchen. Unter den früheren Übersetzungen der „Blumen des Bösen“ rühmt Werle besonders die Wolf von Kalckreuths, die 1907 im Todesjahr des Neunzehnjährigen, erschien. Kalckreuth schwächte das Problem der aufdringlichen Reime ab, indem er viel gebrauchte, blasse den exquisiten vorzog. So reimt er in der letzten Strophe der „Reise“ die Wörter „trinken-Geist-sinken-beweist“, damit sich die Aufmerksamkeit nicht auf das Ende der Verszelle konzentriert. Werle streut Assonanzen und unreine Reime ein – in derselben Strophe: „Zügen – versengt – liegen – schenkt“ -, um der Monotonie des Gleichklangs zu entgehen. Zugleich verschafft ihm der Verzicht auf den exakten Reim die größere Freiheit bei der Suche nach dem passenden Wort.

Quelle Süddeutsche Zeitung 5./6. August 2017 Seite 18 Ruhm, Satan, dir und Preis Charles Baudelaire hielt die einstige Schönheit im Augenblick ihres Untergangs fest. Simon Werle hat nun den Zyklus „Les Fleurs du Mal“ neu übersetzt. Von Heinz Schlaffer. (Rowohlt 525 Seiten 38 Euro).

(Fortsetzung folgt)

Tui-Übung

Der TUI ist eine Vogelart in Neuseeland. Wikipedia sagt:

Die Stimme des Tui ist recht laut und kraftvoll, der melodische Klang wird oft von abwechslungsreichen klickenden und schnarrenden Geräuschen unterbrochen. Er ist dem der südamerikanischen Glockenvögel (Procnias) zum Verwechseln ähnlich, die Stimme der Glockenvögel weist jedoch deutlich weniger Resonanz auf.

Ich möchte ihn hören und am liebsten beim Singen auch sehen; hier ist eine Möglichkeit, der Vogel wurde aufgenommen im Orana Wildlife Park, Christchurch, Newzealand:

Interessant, dass der Aufzeichner zunächst eine Version mit verlangsamtem Gesang veröffenlicht hatte, bei dem man jedes Detail in tiefer Lage überdeutlich und genau, aber eben auch verfremdet wahrnimmt. Es sei der erste Teil meiner Übung, zwischen diesen beiden Versionen zu wechseln, bis sie ganz vertraut sind.

Als nächste Stufe folgt der Vergleich mit völlig anderen Quellen des Tui-Gesangs, nämlich hier.

http://nzbirdsonline.org.nz/species/tui

Zur Erinnerung und zur besseren Orientierung kann ich mir mit Hilfe des folgenden Fotos Notizen zu den einzelnen Aufnahmen machen:

Tui Beispiele Tui 12 Beispiel Bild

Der Gesang des Tui-Vogels steht am Anfang der Komposition „Couleurs de la cité celeste“ von Olivier Messiaen. Ich lege die Aufnahme auf einem zweiten geöffneten Fenster bereit und stelle jedesmal, wenn ich den Vogel „real“ gehört habe, die von Messiaen gewählte Eröffnungsphrase dagegen, 7 Sekunden (youtube s.u. von Anfang der Aufnahme bis in die Pause nach 7 Sekunden), sofort ein zweites Mal und noch 10 weitere Male.

Es reihen sich mehrere Vogelstimmen aneinander, der Tui kommt noch einmal ab 0:32 (bis 0:40), dann – nach der kleinen Pause – erklingt zum erstenmal die Alleluia-Melodie ab 0:43 (bis 0:52).  Und damit habe ich schon ein paar wesentliche Dinge ins Gedächtnis eingegraben. Ich sollte sowohl die originalen Vogelstimmen wie auch die Umsetzung bei Messiaen imaginieren können…

(Fortsetzung folgt, wenn ich genügt oft geübt habe)

Weitere Bausteine:

Der BENTEVEO aus Argentinien (leider mit Geräuschen von Baufahrzeugen, aber instruktiv):

„Troglodyte Barré“  bzw. „Thryophylus pleurostictus“

Zu vergleichen mit den schönen Beispielen im folgenden Artikel (siehe rechts: cri & chant)

ZITAT

Chant : C’est l’un des chanteurs les plus accomplis du genre thryothorus. Son chant, qui retient fortement l’attention, est un mélange de sifflements, de glougloutements et de trilles dont certaines phrases rappellent fortement ceux du rossignol européen. Les cris comprennent de courts trilles et un ronflement rauque et nasillard ‚jerr-jerr-jerr‘.

http://www.oiseaux.net/oiseaux/troglodyte.barre.html

Meditation über Messiaens Motive

Was bedeuten ihm Vogelstimmen?

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1) HIER Ohne Ton: Lektüre des Textes einer Radiosendung.

2) Hier Filmausschnitt (0:52): Song Thrush (Grive Musicienne) „à la manière d’une incantation“.

3) Hier Filmausschnitt (1:16): „Voici le rossignol!“

4) Hier Filmausschnitt (6:15): Peter Hill. Ab 4:57 (bis 6:00), s.a. hier, ab 2:01! = Wood Thrush.

5) Hier ein weiterer Ansatz, Vogelstimmen in Messiaens Werk wahr zu nehmen

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Zu 2) Das, was man in dem Moment, wo Messiaen zu sprechen anfängt, gehört hat, ist keine Singdrossel (Schnitt); man hört sie erst Sekunden später hinter seiner Stimme.