Kategorie-Archiv: Ungarn

Jederzeit Bartók

Die letzten Werke, das Ungarische und das Klavier

Es geht um Zoltan Kocsis, Pál Kadosa, Dezsö Ránki u.a. (2002) Den Anfang dieses Films (s.u.) wird man nie vergessen! Der Klang des Flügels, die Zitate der Stadt mit dem Clou des Kusses, das Baby, die Menschen. Ab 5:18 Pál Kadosa als Lehrer, der junge Kocsis mit Chopin-Ballade in g, Dezsö Ránki als Schüler mit Beethoven op. 110, bei 8:33 Dezsö Ránki, Andras Schiff u Jenö Jandó – Mozart 3 Klaviere KV 242, Mahlers ganze Sinfonien, Liszt immer gegenwärtig! Kocsis 1986 Liszt Es-dur Konzert, nach 13:00 La Campanella, schön im Café, Ave Maria, wie er das entwickelt! Chopin E-dur-Etüde u.a. Liszt würde nie am Flügel sitzen und zeigen, wie man das spielt, er lässt Schüler machen! „close to human speech“. Ab 21:00 Kodály: Transylvanian Lament sehr gut: klangliche Gestaltung, Intensität des Gesangs! Ab 25:05 Brahms und Ungarn. „As teaching must or should be in a noble conservative spirit!“ 29:07 Dohnányi als Lehrer in Berlin 1940. / ab 29:46 Bartók Romanian Dance Nr.1 / 32:39 For Children book 1 nr.21 / 33:20 Film Bartók rauchend, fühlte sich in USA missachtet, zwischen den beiden Weltkriegen ein unglaublich intensives Leben, 35:35 Géza Anda, Cziffra, Annie Fischer: 1964 Beethoven Nr.3 C-moll, seit Liszt alle das gleiche Feeling, „I feel much more affinity with Annie Fischer than with Cziffra or the others“ 37:16 Rob. Schumann Konzert Annie Fischer

Folgendes Video: András Schiff im Gespräch mit Arie Vardi (2013) // Themen ab 1:02 György Sandor, Bartók Konzert Nr.3, Diskussion über den Charakter des Thema, ab 1:37 Musikbeispiel mit András Schiff bis 6:25, A.S. soll noch mal das Thema anspielen, ein „Schwanengesang“, Abschied vom Leben, wunderbares Buch seines Sohnes Peter Bartók „My Father“, er sagte: ich bin wirklich traurig, diese Erde verlassen zu müssen – mit einem gefüllten Koffer (von Ideen), 7:37, A.S.: Ich traf Sandor in der Carnegie Hall „he was very rude to me“: Du und Annie Fischer, ihr versteht diese Musik nicht, das ist so zu spielen (spielt: 7:43) – Vardi erzählt von einer ähnlich heftigen Kritik, „you are wrong!“,  he told me that this is a soldier song, „Verbunkos!“ A.S. erklärt was das ist, z.B. in Kodálys Harry Janos (spielt ab 8:41) this is a Verbunkos! not this (spielt noch einmal das Thema des Klav.konzertes) Bartók schreibt im Klavier mezzoforte, aber Sandor sagt: wieso spielt ihr alle piano, da steht mf, von Bartók geschrieben, wir sagten: schau auf die Begleitung! A.S.: Bartók hatte nicht die Zeit, die Orchestration zu beenden! Und viele dynamischen Zeichen stammen nicht von ihm sondern von Tibor Serly. In der Partitur steht p, aber ich habe immer um pp gebeten! Wie ein Waldesrauschen! 9:48 Vor Jahren, beim Marlborough Festival in Vermont, hörten wir morgens 6 Uhr diesen Vogelruf (spielt bis 10:09), den man im 2. Satz des Konzertes hört. Und Bartók hat dort in Vermont seinen Sommer verbracht! [Siehe dazu Alison K. Curzio hier , und die entsprechenden Vogelstimmen findet man hier .] Vardi: wenn das ein Verbunkos ist, wieso ist die Begleitung so delikat??? A.S.: Es gibt kein Verbunkos in Triple-Time! A.V.: Aber wenn man mit Sandor diskutierte, konnte man nicht gewinnen! A.S.: „Bless his memory, but we have not to argue with him…“ 11:01 Can you play once again this wonderful…“ (spielt ab 11:06) „that is also much about homesickness“: A.S. Seltsamerweise erinnert es mich an das letzte Mozart-Konzert the same list about mathematicians etc and there ist not a single non-jewish among them / Distanz zum gegenwärtigen Ungarn 14:03 the government and the Hungarian society terrible antisemitic / anti Gypsies / lost territorium after the world war / haben Sie Angst nach Ungarn zurück? I am angry wirh H. / 15:07 great conductors – Ormandy, Solti: Jewish names – Originally, Solti was called Stern, Dorati was called Deutsch, Ormandy was called Blau. Um 1900 fühlten sich die Juden sicherer, wenn sie keinen Nahmen trugen, der jüdisch klang. Ilona Vincze (Lehrerin von Vardi). A.S. Einer meiner Lehrer Sandor Vegh. Klaviertrio mit Ilona V.; Bitte um ein Bartók-Stück mit real Hungarian accent. Very sad.16:43 Für Kinder. Wunderbar! Chillalok, chillalok“- „Let the stars shine, show me the way to my lost beloved“. Beide singen mit in „One who stole a horse.“ Hungarian accent, (igen, igen). Bartóks eigenes Spiel auf Schallplatte. Written paper, you would see this – playing like a good student: 19:32 (spielt) dagegen Bartók rubato. „he plays parlando“. Beethoven similar conclusion wichtig A.V. parlando: nicht genug, wunderschön zu spielen, sondern you look in the eyes and you tell the truth! what happened to this guy, who stole a horse? Gefängnis. Ein anderes Stück für uns… über den wechselnden Takt! Brahms Gipsy Music in Budapest Restaurants, not Volksmusik bis etwa 23:10 [Siehe auch hier ab 1:59].

Meine neue CD, Aufnahme 1987

Die CD ist nicht leicht zu beschaffen, daher hier wenigstens etwas zur Lektüre:

Es lohnt sich, diese – ihrer Farbigkeit scheinbar beraubte – Klavierfassung des Concertos aufmerksam zu hören, gerade wenn man die brilliant instrumentierte Orchesterfassung gut kennt. Eine neue Eindringlichkeit entsteht, was man sich leicht erklären kann, wenn man einen dissonanten Akkord am Klavier vergleicht mit denselben Tönen, verteilt auf verschiedene Instrumente: ihr Zusammenklang erscheint weicher durch den physischen Abstand der Tonquellen voneinander. Ähnliche Erfahrungen macht man bei der Übertragung der Violin-Duos aufs Klavier. Es ist verblüffend: als habe sich ihre kompositorische Struktur geändert, möglicherweise erkennt man die Stücke gar nicht mehr, obwohl man sie als Geiger sehr deutlich „gefühlt“ gefühlt hatte.

Andererseits ist manches ja wirklich anders komponiert, weil es sich nicht in die Reichweite zweier Hände am Klavier mit insgesamt 10 Fingern hineinzwingen ließ. Wir erfahren ja auch nicht, wie der Rhythmus der Slide Drum im „Giuoco delle Coppie“ simuliert wird, und im eingebauten „Choral“ fehlt er einem dann tatsächlich. Er zeigt sich dem Kenner vielleicht als Phantasma.

 

(Fortsetzung folgt)

Du bist schön, Ungarn!

Marginalien zu Béla Bartók

hier (im externen Fenster) aufpassen ab 1:40 (wiedererkennen!)

Szép vagy, gyönyörű vagy Magyarország,
Gyönyörűbb, mint a nagyvilág.
Ha szól a zeneszó, látom gyönyörű szép orcád,
Táltos paripákon ide szállunk, hazahív fű, fa, lomb, virág.
Úgy hív a hegedű, vár egy gyönyörű szép ország.

Du bist schön, du bist schön, Ungarn, / Schöner als die große Welt …

[In Klammern sei gesagt: die Melodie ist schwach, sie wird erst durch Erinnerungen aufgeladen. Bis in die Mitte von Takt 3 weckt sie Erwartungen, der hüpfende Rhythmus enttäuscht, der Neuansatz zu Beginn der zweiten Zeile weckt neue Hoffnung, die mit der Sequenz im nächsten Takt enttäuscht wird, ganz banal die darauf folgenden gehaltenen Töne vor der Wiederholung, ebenso der Ausklang nach der Wiederholung. Bei Bartók wird aus all dem eine unvergesslich schöne (aber nicht leicht fehlerfrei erinnerbare), wirkliche Melodie.]

Der Komponist Zsigmond Vincze lt. Wikipedia: After having trained in Budapest, he became conductor of the Király Szinház in the city, and later was musical director of the opera in Debrecen. He achieved his first success in 1909 and went on to compose a number of other well-received stage works over the following 20 years.

The song “Szép vagy, gyönyörű vagy Magyarország” (“Hungary, you are beautiful and splendid” from his operetta A hamburgi menyasszony (The bride from Hamburg) [1922] was quoted by Bartók in the fourth movement of his Concerto for Orchestra.

The fourth movement, „Intermezzo interrotto“ (literally „interrupted intermezzo„), consists of a flowing melody with changing time signatures, intermixed with a theme that quotes the song „Da geh‘ ich zu Maxim“ from Franz Lehár’s operetta The Merry Widow,[7], which had recently also been referenced in the ‚invasion‘ theme of Dmitri Shostakovich’s Symphony No. 7 „Leningrad“. The question as to whether Bartók was parodying Lehár, Shostakovich (or both) has been hotly disputed, without any clinching evidence on either side.

Ein anderes Lied vom Vaterland:

O Vaterland du machst bei Tag
Mir schon genügend Müh und Plag!
Die Nacht braucht jeder Diplomat
Doch meistenteils für sich privat!
Um Eins bin ich schon im Büro,
Doch bin ich gleich drauf anderswo,
Weil man den ganzen lieben Tag
Nicht immer im Büro sein mag!
Erstatte ich beim Chef Bericht
So tu ich meistens selber nicht,
Die Sprechstund‘ halt‘ ich niemals ein,
Ein Diplomat muss schweigsam sein!
Die Akten häufen sich bei mir,
Ich finde ’s gibt zu viel Papier;
Ich tauch die Feder selten ein
Und komm doch in die Tint‘ hinein!
Kein Wunder wenn man so viel tut,
Dass man am Abend gerne ruht,
Und sich bei Nacht, was man so nennt,
Erholung nach der Arbeit gönnt!

Da geh ich zu Maxim,
Dort bin ich sehr intim,
Ich duze alle Damen
Ruf sie beim Kosenamen,
Lolo, Dodo, Joujou
Clocio, Margot, Froufrou,
Sie lassen mich vergessen
Das teure Vaterland!
Dann wird champagnisiert,
Und häufig pamponiert, (cancaniert)
Und geht’s ans Kosen, Küssen
Mit allen diesen Süssen;
Lolo, Dodo, Joujou
Clocio, Margot, Froufrou,
Dann kann ich leicht vergessen
Das teure Vaterland!

Über Lehárs Operette und auch über die Verwendung dieses Liedes siehe Wikipedia hier.

hier Da geh‘ ich zu Maxim (im externen Fenster)

Die Verwendung der Lehár-Melodie

Quelle: Arbeitsblatt Musik Leistungskurs JKG Bruchsal hier

Ergänzung (JR 31.07.2020):

Lehár Datum 1861 ist das *Jahr des Textbuches, die Operette uraufgeführt 1905

Richard Strauss „Till Eulenspiegel“ op. 28 geschrieben 1895

Wikipedia über Bartóks Konzert für Orchester: hier

Thomas Hengelbrock spricht über Bartóks „Konzert für Orchester“: ab 0:58

Die Aufnahme des ganzen Werkes HIER (im externen Fenster)
Einzelsätze:
1. Satz: Introduzione, Andante non troppo. 00:0010:12
2. Satz: Gi[u]oco* delle coppie, Allegretto scherzando. 10:1316:35
3. Satz: Elegia/Klagelied. 16:3624:04
                                                                        
4. Satz: Intermezzo interrotto, Allegretto. 24:0628:17
5. Satz: Finale, Pesante. 28:19
Es ging in diesem Beitrag um den Nachweis der beiden, im 4. Satz des Werkes zitierten

Melodien: dort bei 25:04 („Ungarn“) und bei 26:05 („Maxim“). Man dürfte dabei nicht lächeln, es ist bitterer Ernst. (Die auch von Schostakowitsch in der „Leningrader Sinfonie“ zitierte Melodie!) Bei 26:54 wieder „Ungarn“, con sordino, wie aus der Ferne…

*Anm.: muss heißen „Presentando le coppie“ lt. Georg Solti vgl. Wikipedia / ABER: später hat B.B. doch sein Placet gegeben. (giuoco veraltende Form für gioco Spiel)

Zitat Laura Krämer (Heidelberg 2013 Dissertation):

Ursprünglich hatte Bartók den Satz „Presentando le Coppie“ („Vorführen der
Paare“) betitelt, in der Absicht, eine entsprechende Wendung aus dem Ungarischen zu übersetzen. Offenbar gab die italienische Phrase aber nicht wieder, was
Bartók aussagen wollte, so dass der neutralere Titel „Giuoco delle Coppie“
(„Spiel der Paare“) gewählt wurde. [Anm. 254]

254 Cooper 1996, S. 23. Die Episode wird von Antál Doráti kolportiert.