Es war mir völlig entfallen, dass ich dies Stück besitze. Es ist lange vor Bartóks gleichnamigem Klavierstück entstanden, das ich einmal fleißig geübt habe. Man weiß offenbar nicht genau, ob Bartók dies hier gekannt hat. (Siehe hier). Nur ein paar Blätter. Es verlegt sich leicht. Bemerkenswert finde ich, dass es als F-dur-Werk gilt, weil es ein b vorgezeichnet hat, das aber im Notentext überall aufgelöst ist. Also lydisch F? Ein Rätsel.
Eine Veröffentlichung aus dem Jahr 1953 mit internationalem Copyright?
Kann ich mir nicht vorstellen: die Noten sind leicht einzusehen in der Petrucci Music Library HIER
Ich möchte sie aber nicht üben müssen. Lassen wir doch andere für uns spielen!
Er kennt sein Piano, aber kein piano, das allerdings in den Noten steht. Die ich bekanntlich besitze. (Er hat keine!) Aber ehrlich gesagt: ich vermisse das piano nicht.
An dieser Stelle könnte ich mal beiläufig erwähnen, dass ich kein echter Pianist bin, nur mein Leben lang gern Klavier gespielt und auch ernsthaft geübt habe. Von Haus aus bin ich Geiger, vom Leben her auch Wissenschaftler und Radio-Redakteur (gewesen). Ich habe jetzt zufällig nicht nur diese Noten, sondern auch alte Dokumente wiedergefunden: das Zeugnis meines Klavierlehrers Rummel, das ich brauchte, weil ich einen Studienzuschuss von der Firma Oetker bekam und dort in Bielefeld regelmäßig meine Leistungen belegen musste.
Hiermit bestätige ich, dass ich inzwischen nach weiteren Jahrzehnten regelmäßigen Übens bemerkenswerte Fortschritte nachweisen kann. Die Firma Oetker dürfte mir eigentlich noch viel Gutes tun! Vor allem bin ich ja immer noch fleißig und interessiert. Aber von all denen, die mir eine Bescheinigung mit Stempel der Hochschule ausstellen könnten, lebt leider keiner mehr. Außer Wolfgang Marschner, der zuletzt nicht mehr so gut auf mich zu sprechen war, weil ich ihm nicht als erklärter Geiger nach Freiburg folgen wollte. Und das war die beste Entscheidung meines Lebens.
An manchen Tagen hat man Glück, und schon hagelt es alltägliche Einsichten, die man nur vergessen hat, täglich penibel umzusetzen.
Zwei Beispiele der letzten 2 Stunden:
a) Beim Geigeüben – in den leichteren Dont-Etüden (die ich gar nicht genug loben kann, gerade gegenüber den schweren und bekannteren, die „24 Vorübungen zu Kreutzers und Rodes Etüden für die Violine“ von Jacob Dont, Op. 37, revidiert von Hans Sitt. Verlag C.F.Peters Frankfurt/M, London, NewYork) die Nr. 7 in a-moll „Vivace“, hier die Schlusszeilen:
Es gibt darin immer wieder Saitenwechsel, die eine heftige (?) Bewegung hin zur E-Saite erfordern, und dieser Aufprall gerät oft zu heftig, weil der Bogen dann zu einer Springbewegung neigt, die abgefangen werden muss. Besonders auffällig im zweiten Takt der zweiten Zeile, zweite Sechzehntelgruppe: man befindet sich in der 4. Lage, den Ton c“ (3. Finger D-Saite) erreicht man im Aufstrich, und unmittelbar danach folgt im Abstrich das hohe e“‘. Wenn man es in Zeitlupe ausprobiert, weiß man genau, was passiert: der Aufprall geht zu sehr im rechten Winkel auf die Saite, dadurch wackelt die Bogenstange und erzeugt ein unschönes Geräusch. Abhilfe: man hält inne nach der Bewegung zur E-Saite und lässt den Bogen nicht senkrecht auf die Saite prallen, sondern „schräg“, statt des rechten Winkels denkt man sich die Linie der Winkelteilung, sozusagen in den Abgrund zwischen E-Saite und Unterarm.
Das Anhalten und die Zeitlupe wirken Wunder.
b) Beim Klavierüben – Chopin-Impromptu Nr. 1 As-dur op.29
Dass man nach der Leggiero-Girlande die Trillerkette der rechten Hand ebenso intensiv aber anders übt, liegt „auf der Hand“, auch, dass es um Stärke und Brillanz geht. Weniger vielleicht, dass die linke nicht irgendwie arpeggiiert, sondern – genau wie rechts der Trillerton a“ nach den Vorschlägen (Achtung: kein b“ einfügen!) – mit dem Basston ES auf die Zeit beginnt, den nächsten Ton A ruhig und stark folgen lässt, dann den linken Daumen mit Schwung auf den obersten Ton GES wirft, der durchaus nach dem Trillerakzent der Oberstimme kommen darf, als leicht verspätete Zählzeit (der Basston ES war pünktlich), die Verspätung gibt ihm besonderes Gewicht, ihm und der Zweiergruppe, die er mit dem folgenden C bildet. Genau so in den beiden Zweiergruppen des nächsten Taktes, und erst im übernächsten Takt wird der stärkste Ton – Zählzeit 1 mit Akzent! – noch überboten durch das Weiterbinden auf den dritten Ton, das AS, das zusammen mit dem Melodieton des“‘ als Fortissimo herausragt: das Intervall Quart+Oktave im ff wirkt wie eine Überdissonanz – durch Leere.
All dies zu üben, pedantisch in Zeitlupe, nicht „erregt“, sondern rein technisch, mit Pedal genau zu den Phrasierungen der Zweiergruppen… das macht riesig Spaß. (Während die Musik zugleich etwas ganz anderes als Spaß ausdrückt. Die junge Generation wird an dieser Stelle mit einem gewissen Recht das Wort „GEIL“ benutzen.)
Jeder weiß: man kann nicht erwarten, dass die Analyse genau so attraktiv ist wie das Musikstück selbst, dessen rätselhafter Schönheit man vielleicht gerade durch genauere Betrachtung näherkommen will. Greifen wir ein Bruchstück heraus: Wird am Ende herauskommen, dass dieser Dschungel aus Tönen übersichtlich wird?
Mit Bestimmtheit wäre zu antworten: Ja, ganz gewiss! Auch wenn ich es noch nicht neu geübt hätte, könnte ich sagen: Bach Wohltemperiertes Clavier II Fuge cis-moll, „irgendwo in der Mitte“. (Genau: die Takte 32 bis 47 aus einer Gesamtzahl von rund 70 Takten.) Die längeren Notenwerte oben am Ende der ersten Zeile sind das zweite Thema der Fuge. Als ich sie in den 80er Jahren zum ersten Mal geübt habe, hat mir mein Sohn heimlich in die Spielnoten eine Mahnung geschrieben, weil ich lange Zeit nicht mehr von vorn begann, sondern immer hier auf der zweiten Seite, wo zum erstenmal dieser chromatische Abstieg thematisch wird (er hatte wohl heimlich nachgeschaut, ob dies das Thema der Fuge sei):
Nein, das zweite Thema, – aber wo genau beginnt es? Die durchgehenden Sechzehntel jedenfalls gehören zum ersten Thema… Ich muss analysieren und vorläufig aufhören zu spielen… Aber soll ich mich etwa in eine graphische Analyse wie die folgende versenken? Das braucht doch eine Stunde mindestens. Soll ich nicht lieber weiterüben???
Quelle Alfred Dürr / Bärenreiter ISBN 3-7618-1229-9 Seite 278
Und wo steht in der Analyse, wie schön die Fuge ist? Natürlich nirgendwo. Das ist nicht die Aufgabe der Analyse. Es ergibt sich ja auch nicht beim Blick auf die Noten. Sondern erst wenn sie erklingen, und nicht schon beim ersten Mal, sondern erst nach zwanzig Mal hören und (am besten) Spielen, – und dann erst entstehen die Fragen nach dem Warum.
***
Ich stehe nicht allein mit meiner Verwunderung darüber, dass mich die eigenen Fragen nerven. Peter Schleuning schreibt einmal in seinem Buch über die Brandenburgischen Konzerte von Bach:
Es ist eine Binsenweisheit, wenn immer wieder – anklagend oder entschuldigend – beteuert wird, dass eine Analyse nicht den Eindruck der Musik wiedergeben kann. Dazu ist sie auch nicht da. Sie soll ergründen und darzustellen suchen, was sich unter der unmittelbar hörbaren Oberfläche an Beziehungen und Zusammenhängen tut und wie dieses sich auf den Höreindruck auswirken oder diesen gar bereichern kann. Selbstverständlich kann keine noch so einleuchtende Analyse und ebenso wenig eine noch so schöne Tabelle einen Eindruck von der unermüdlichen Kraft und Frische dieses Konzertsatzes vermitteln, von diesem quasi-naiven, munteren Ernst, mit dem die Musik uns fortträgt.
Er schreibt das anlässlich des dritten Konzertes in G-dur und erwähnt wenigstens in seiner Analyse die Spannung, die von diesem „munteren“ Satz ausgeht. Und in diesem Sinne ist die Fuge – zwar nicht munter – aber doch auch unablässig in Bewegung und entwickelt ebenfalls eine außergewöhnlich Spannung.
Im Fall des Brandenburgischen Konzertes gibt es noch ein separates, geradezu unlösbares psychologisches Problem: da gibt es drei Instrumentengruppen, und jeweils drei einzelne Instrumente, die dasselbe spielen, einen ganzen Satz lang, viele viele Töne, und Bach schreibt dreimal diese selbe Sache untereinander. Warum??? Warum nicht nur einmal und an den Anfang ein „alle drei“? Aber das ist ein völlig anderes Problem, das lese man bei Schleuning nach. In unserer Fuge ist kein Takt mit einem anderen identisch, und selbst die Themen und die Relationen wandeln sich.
Noch einmal zu Chopin (ergänzend zu diesem Beitrag)
Was der analytische Blick zum Beispiel zutage fördert, – in meinem Fall erst nach Jahrzehnten -, ist folgende Auflösung für den Schluss des Impromptus in As-dur. Früher habe ich es einfach als schöne aber irgendwie beliebige Idee hingenommen, wie diese choralähnliche Formel sich auflöst und quasi in der Ferne entschwindet, im letzten Terzklang Unendlichkeit andeutend.
Die „choralähnliche Formel“ – das ist doch nichts anderes als der Abschied von der Melodie des Mittelteils! Die aufsteigende Linie g – as – b – c ist übriggeblieben, sie ist das Ziel der Linie gewesen, das die Cantilene des Mittelteils so oft vergeblich oder jedenfalls stockend angestrebt hat. Sehen Sie hier den rasanten Abgang und dann die 4 Takte mit der Melodielinie (vereinfacht gesagt:) c – f – g – as – b – c (und dann das Verweilen, das Nichtzurechtkommen mit diesem Ton c, die Rückkehr und das Zurückfallen auf den Ausgangston c und Neubeginn derselben Melodielinie mir neuem Scheitern). Und nun betrachten Sie, wie das harmonisiert ist: es ist bereits das Gerüst des abschließenden Chorals, wenn wir einmal bei der willkürlichen Benennung bleiben wollen. Die Behandlung des Tones c , sowohl in Takt 38 als auch in Takt 46 mit der vorangehenden bedeutungsverstärkenden Figur, und dann die Riesen-Corona vor dem großen c in Takt 49: das alles will uns doch eine Geschichte erzählen! Eine Geschichte, in der es scheinbar nur um bestimmte Töne geht. Ich breche ab… sonst erzähle ich sie noch, in wortreicher Attitüde. Da spiele ich sie doch lieber!
Ich habe noch einmal die Beschreibung dieses Stückes bei Tadeusz A. Zielinski gelesen (Chopin 1999 Seite 524) und finde sie völlig inakzeptabel. „Brillante Eleganz“? Ist es nicht eher die Unrast eines Verzweifelten, die dieses Stück umtreibt? Alles andere ist nur Maskierung, die für Salonfähigkeit sorgt. Oder soll ich doch sagen, an welche Geschichte ich denke? Stellen Sie sich doch einfach mal vor, dass der Ton c nicht nur ein Ton ist, sondern ein Mensch, eine Person. Ich phantasiere. Angenommen, sie hieße Caroline. Wie spannend wäre alles, was um ihren Ton herum geschieht, – wie er inszeniert wird, wie sich ihr Gesicht verändert…
Ach, ich ahne es: jetzt wollen Sie plötzlich viel mehr Analyse als mir lieb ist … ich ziehe die Reißleine, also Schluss damit! Nur noch ein kurzer Blick auf die Widmung des Werkes … wie bitte? A Mademoiselle … Caroline de Lobau… Nein!!!!!!!!!!
Oder wollen Sie zuerst wissen, ob es sich überhaupt lohnt? Schauen Sie HIER.
Sie können sich aber auch zuerst über die Schriftart informieren: zum Beispiel Hier oder Hier.
Bitte einzeln anklicken!
Fortsetzung folgt, wenn Sie wollen – aber nicht an dieser Stelle… sondern …wo? (ein Link wird kommen).
Hier ist der Link, der Ihnen dazu verhilft, das ganze Buch zu lesen, wenn Sie am Anfang viel Geduld haben, bis er sich realisiert hat (das Buch ist 534 Seiten stark): Der musikalische Quack-Salber.
Man sehe im Link auch die Bilderfolge „Rock am Ring“ in Mendig – und stelle sich vor, jemand nimmt teil, der (die) einem nahesteht … zeltend … (und hätte geruhsam in Stuttgart schlafen können). Inzwischen wurde das Festival abgebrochen.
Wenn es einen also wirklich betrifft, – nicht auszudenken. Z.B. noch ganz woanders, bloß auf dem Weg ins Theater:
Gestern die Kammerspiele, NICHT … (wie in der Werbung)
…“barrierefrei erreichbar“.
Hätten wir unseren Drink nicht in der Bar „Insel“ (!!! direkt neben den Kammerspielen) eingenommen , sondern bereits IM Theater, wären wir in die glückliche Lage gekommen, MIT den Schauspielern im Theater eingeschlossen zu werden!!!
Oder wenigstens MIT ihnen evakuiert zu werden.
Leider saßen wir noch ganz friedlich in der Sonne (!) auf der Insel-Terrasse, als peu à peu die Godesberger Innenstadt geflutet wurde…
Zunächst hält man es für Ausläufer einer gründlichen Wochenend-Geschäftsreinigung, dann denkt man, wahrscheinlich wird da hinten ein Brunnen gereinigt oder so. Dann stehen die ersten Menschen neben dem Wasser und machen Handy-Fotos. Das Ordnungsamt fährt wie ein Amphibienfahrzeug durch die Fluten- man denkt, ach , ein Glück, kümmert sich also jemand drum. Irgendwann sieht man, dass schon die Treppe der Kammerspiele auf einen Meter bedroht ist.
Die Vorstellung wird also SICHER ausfallen, da kaum noch Leute trockenen Fußen hineinkommen könnten. Irgendwann realisiert man, dass das Wasser weiter vordringt und keinesfalls weniger wird, wenn auch nicht bedrohlich mehr, aber doch stetig! Ganz allmählich fällt – in Zeitlupe – der Groschen bei dir selber: ääääähm. Warum genau sitzt du jetzt noch hier. Es dauert nicht mehr so lange und du wirst nasse Füße kriegen.
Ein Schauspieler kommt , zieht sich die Schuhe aus und geht beherzt Richtung Eingang. Er versichert mir (doofe Fragen sind in solchen Ausnahmesituationen erlaubt…) , dass vermutlich keine Vorstellung stattfinden wird, er aber dennoch erstmal hineinmüsse (doofe Antworten auch…).
Man geht Richtung Bahnhof (nachdem die Option verworfen wird, wenigstens noch auf die hinausflüchtenden Schauspieler zu warten), sieht allerdings schon in der Parallelstraße Wasser Richtung Bahnhof strömen, überlegt sich , ob überhaupt noch eine Bahn fährt. Also besser der Fußmarsch (Sonne, tropischfeuchte Luft) am endlos langen Stau vorbei Richtung Innenstadt. Die wissen alle gar nicht, warum sie da stehen und vermutlich heute NICHT mehr durch Godesberg werden fahren können. Oder informieren ihre Smartphones sie?
Gut, dass wir zu Fuß sind. Aber es wird uns mulmig bei der Beobachtung, WIE SCHNELL, durch welch relativ kleine Ursache bereits ein solcher Ausnahmezustand passiert. Mit so vielfältigen Auswirkungen über Kilometer hinweg.
Statt Theater also heute ein bizarrer Spaziergang , anderthalb Stunden lang (in etwas unbequemeren Theaterschuhen eben) , durch Straßen , die man sonst NIE beschreiten würde. Langgezogene Industriestraßen mit uralten Eisengießer-Fabriken, dem alten Haribo-Werk , mit alten Gehöften, schnuckeligen kleinen Dorfkernen, alle immer noch dörflich, obwohl von der großen Stadt verschlungen und halbverdaut.
Plötzlich auch auftauchend ein riesiger verwunschener Park hinter schmiedeeisernen hohen Zäunen. Wem mag dieses Idyll mitten in der Stadt wohl gehören? Unglaubliche klitzekleine Gässchen zwischen Fachwerkhäusern. Friesdorf, unterhalb der Godesburg, dann Dottendorf, Kessenich.
Nur die letzten Kilometer in die Bonner Innenstadt fahren wir mit der Straßenbahn. Zu unserem Italiener. Auch das so wunderbar INTENSIV: mit Blick zur offenen Küche, wo ca 15 Männer, schweißgebadet im Akkord, Pizzen und Pasta bereiten. Einer zuständig nur fürs „Finish“ mit einem Öl oder noch ein paar Griffen Parmesan, einer zuständig für permanente Telleranlieferung, einer nur zum Pfanneschwenken .
Toll doch auch, wenn das zivilisierte Leben nicht so jämmerlich strauchelt wie beim Godesberger Hochwässerchen, sondern so fluppt wie bei Tuscolo in der Küche
So, ein aufregender Abend war das. Meine Füße tun ein wenig weh, leider kein Theater, aber eine Andeutung von großem Kino…
Schade nur, dass mir so die Drei Schwestern entgangen sind, denn drei sind bestimmt noch viel toller als
EINE
(schrieb ich gerade meinem Bruder)
Schönen Sonntag Euch!
Und liebe Grüße,
Saskia
Sonntag, 5. Juni 2016, 10 Uhr
P.S.
Sehr interessant ist vor allem die psychologische Erfahrung dabei.
Wie lange es dauert, bis man begreift. Wie sich Erkenntnis dann in einer Menschenmenge fortpflanzt (oder auch erstmal nicht), wie lange man sich in Sicherheit wähnt, weil einige Attribute ja immer noch für die gewöhnliche, gewohnte Sicherheit sprechen: die Sonne scheint , kein offensichtliches Unwetter, andere Menschen reagieren noch mit gewohnten kleineren Maßnahmen auf die zunächst kleinen Veränderungen (ein Mann von den Kammerspielen fegt z.B. mit dem Besen die Gullis frei, damit das Wasser besser ablaufen kann), die Menschen machen ihre Fotos (immer – scheinbar- Zeichen dafür, dass man hier was geboten bekommt, das man würdigen muss), die Menschen , die man auf dem Weg in die Gegenrichtung warnt, gehen dennoch weiter, denn glauben tun sie ja nur, was sie selbst sehen.
Aus dem Nachlass von Artur Reichow (zwischen 1921 und 1932)
Das Buch Der Vortrag alter Klaviermusik, Berlin : Hesse, 1932 (Max Hesses Handbücher. 95.), das ich aus meiner Jugend kenne, ist verschollen. Aber die Beilage fand sich jetzt in einem anderen Buch derselben Reihe, die sich mein Vater seit Beginn seines Studiums in Berlin Stück für Stück zulegte, zumeist aus der Feder von Hugo Riemann (s.a. die Empfehlung im Vorwort von 1910).
Aus derselben Zeit (oder schon aus seiner Belgarder Vorbereitung für das Studium) stammten wohl die zahlreichen Hefte der Methode Rustin:
Das Werk von Erwin Bodky hat sich mein Vater erst bei seinem zweiten Studium (nach der Kapellmeister-Zeit) anschaffen können, als er Anfang der 30er Jahre bei Bodky Klavierunterricht hatte. Siehe auch die Programmzettel hier. Das Buch ist nicht mehr ohne weiteres greifbar, daher gebe ich wenigstens eins der Bachwerke als Beispiel, wie sie Bodky zu erarbeiten vorschlug, nämlich die Fuge in g-moll aus dem ersten Teil des Wohltemperierten Klaviers in seiner vierhändigen Fassung.
Zitat darin von Gerda Zeltner-Neukomm 1961 („im Jahr des Erscheinens der ersten deutschen Übersetzung durch Eugen Helmlé und Ludwig Harig“):
Ebenso unheimlich wie lustig. Diese Stilübungen wollen nicht einmal mehr literarische Konventionen zerstören, sie gehen vielmehr ganz selbstverständlich von der Voraussetzung aus, daß die Vernichtung bereits stattgefunden hat. Da nichts der Rede wert ist, bleibt nur, daß die Rede sich selber wert sei, und sie wird um so munterer, je wesenloser der Anlaß ist.
Dieser Bezug auf das, was ich vor Jahrzehnten kennengelernt habe, ist mir soviel wert, dass ich ich mich komplikationslos für das Neue begeistern kann, wenn nur das Begeistern nicht so maßlos altmodisch wäre.
Eine andere Schlagzeile im Feuilleton der Süddeutschen lautete gestern folgendermaßen:
Millionen für ein zerwühltes Bett / Warum befriedigt der Kunstbetrieb vor allem Luxusbedürfnisse? Und was passiert, wenn Kreativität zur Norm wird? Der Kunsthistoriker Wolfgang Ullrich sucht Antworten. Von Till Briegleb. (Siehe auch hier)
Ein sehr guter Bericht, die beiden Bücher habe ich bestellt, sie sind aber nicht – wie sonst – von heute auf morgen zu bekommen, sondern es dauert länger. Wahrscheinlich wegen dieses Berichtes.
Ullrich analysiert die Generation von marktbestimmenden Superreichen, denen „Kunst“ lediglich zum persönlichen „Souveränitätsgewinn“ dient – wobei dieser um so höher ausfällt, je größer die Lücke zwischen offensichtlicher Wertlosigkeit des Objekts und dem dafür bezahlten Preis ist. Er beschreibt die willfährige Deutungspropaganda abhängiger Kuratoren und Katalogtextverfasser, die auch dem offensichtlichsten Markenprodukt aus einer Künstlerwerkstatt mit gestelzter Prosa Relevanz andichten.
Und er belegt umfassend und mit durchaus scharfen Kommentaren, wie sich eine konsum- und statusgelenkte Gesellschaft diesem Mechanismus völlig ergibt. Inhaltlich orientiert man sich an einer Gruppe sehr reicher Menschen, die mit ihren Kaufentscheidungen jede Diskussion überflüssig machen. Wenn für ein zerwühltes Bett Millionen bezahlt werden, dann muss es Ausdruck von Tiefsinn sein. Nach dieser Logik funktioniere inzwischen die inhaltliche Wertschöpfung, und alle Marktbeteiligten, vom Sammler zum Kunstvermittler, vom Künstler bis zum Museumsbesucher, ja selbst die Kritiker und Kunsthistoriker bedienen dieses System.
Quelle wie oben fettgedruckt: Millionen für ein zerwühltes Bett / Von Till Briegleb / Süddeutsche Zeitung 31. Mai 2016 Seite 12
Mehr davon, wenn die beiden Bücher bei mir eingetroffen sind… (siehe zunächst hier).
Die dritte große Geschichte in dieser einen Tageszeitung (und es gibt noch mehr, z.B. die Seite über den Gotthard-Tunnel, die Seite mit dem lustigen Konterfei des Fußballspielers Boateng und über die perfide rhetorische Strategie der AfD, dann über das – wohl doch nicht so aufregende – Geheimnis der Grabkammer des Tutenchamun: es gibt Tage, an denen Zeitungen inhaltlich nicht zu bezahlen sind), die dritte große Geschichte also für mich ist die über
Die Teenie-Flüsterin / Die Journalistin Nancy Jo Sales versteht amerikanische Jugendliche wie kaum eine Zweite. In ihrem neuen Buch gibt sie Eltern verstörende Einblicke in das geheime Online-Leben ihrer Kinder. / Von Anne Philippi.
Sie (…) landete in einer „Zweiten Welt“, wie ein Mädchen diese Welt in Sales Buch beschreibt: Die Welt der Texting-Apps und Social-Media-Plattformen, ein Paralleluniversum, das weder Papa noch Mama verstehen und auch nicht verstehen sollen. Sale traf 13-19-Jährige in zehn Staaten der USA, sprach mit ihnen über ihre zweite Welt, über ihre frühe Ehe mit einem Smartphone. Eine 16-Jährige in Los Angeles sagte, Social Media zerstöre ihr Leben. „Aber wenn wir damit aufhören, haben wir kein Leben mehr.“ Mädchen ihres Alters lebten mit dem Telefon. Und das gilt auf der ganzen Welt.
(…)
„Hier geht es um eine ganz neue Medien-Kultur“, sagt Sales. „Eine, in der nach Regeln gespielt wird, die immer weniger mit Spaß zu tun haben.“
(…)
Die Geschäftsmodelle der Tech-Welt basieren jedenfalls auf einer Kultur, deren Teilnehmer häufig am Asperger Syndrom leiden, der wohl berühmtesten psychischen Krankheit im Silicon Valley: eine spezielle Form des Autismus, welche die üblichen menschlichen Kontakte verhindert oder äußerst unangenehm erscheinen lässt. Menschen, die darunter leiden, kreieren dann Apps, die Asperger eher verschlimmern statt verbessern, also eine Art Henne-Ei-Problem: Wer war zuerst da? Menschen mit Asperger oder Menschen, die mit ihren Apps andere zu Asperger-Patienten machen?
Quelle Süddeutsche Zeitung 31.Mai 2016 Seite 31 MEDIEN (Titel wie oben fettgedruckt) Die Teenie-Flüsterin / Von Anne Philippi / über die Journalistin Nancy Jo Sales und ihr Buch „American Girls: Social Medias and the Secret Lives of Teenagers“.
Erwin Bodkys erstes Buch „Der Vortrag alter Klaviermusik“ (Max Hesses Verlag , Berlin 1932) war schon erstaunlich genug. Nach seiner Vertreibung aus Berlin und 25 Jahren weiterer Forschung brachte er 1960 in den USA dieses umfangreiche neue Buch heraus, das zum Standardwerk wurde. Originalausgabe „The Interpretation of Bach’s Keyboard Works“ Harvard Univdersity Press Cambridge, Massachusetts 1960. Die Übertragung von Maidy Wilke erschien 1970 bei Hans Schneider Tutzing. (Vgl. auch Artikel Erwin Bodky ALT).
Es entbehrt nicht der unfreiwilligen Ironie, wenn im Geleitwort des Verlages hervorgehoben wird, dass Hans Joachim Moser (der als NSDAP-Mitglied dem Regime jahrelang ideologisch zugearbeitet hat) „für viele Jahre mit dem Verfasser als Kollege an der Akademie der Tonkunst in Berlin freundschaftlich verbunden“ war. Siehe auch Mosers Biographie hier.
Reiselektüre auf der Fahrt nach Freiburg und zurück. Bodky zitiert Moser mindestens 9 mal und meistens mit positiver Einschätzung… Aber auch Moser hatte seinen (jüdischen) Kollegen Bodky im 1935 veröffentlichten Bach-Buch durchaus wohlwollend zitiert:
Auch die Bibliothek, die sich in den Bücherschränken von Neumeyer-Junghanns-Tracey angesammelt hat, ist gewaltig. Ein Buch von Erwin Bodky habe ich allerdings vermisst. Ich glaube, das lag auf einer anderen Traditionslinie. Aber die meisten dieser Linien, auch meine, führen zurück nach Berlin, wo mit Curt Sachs und seinen Kollegen alles begann, nicht zuletzt die Musikethnologie, wenn nicht die NS-Zeit der frühen Berliner Blüte alsbald ein Ende bereitet hätte. (Ab 1930 war Marius Schneider Assistent bei Curt Sachs und Erich Moritz von Hornbostel gewesen, ich lernte bei ihm ab 1967 in Köln „Vergleichende Musikwissenschaft“ und schloss mein Studium 1971 bei seinem Nachfolger Josef Kuckertz ab, der 1980 wiederum nach Berlin, an den frühen Ort der musikhistorisch-ethnologischen Initiativen, wechselte.)
Gustav Leonhardt erläutert in der Sendung „Reiziger in Muziek“ (Sendedatum vermutlich 2001) – pars pro toto – ein Detail beim Vortrag der Sarabande aus der Französischen Suite II. Genau genommen die Länge des Tones e“ in Relation zur nächsten Umgebung. Gewiss – ein Sechzehntel, jeder sieht es. Aber am Cembalo verändert es seinen Wert auf irrationale Weise…
Ab 23:24 schön: weniger reden („praten“) als spielen! Bei 24:19 falsches Notenbild (andere Sarabande), 25:16 rechte Seite o.k. Sarabande, eine Melodiestimme, 2 begleitende Stimmen, für das ganze Stück, auf 2 Manuale zu verteilen, so dass die Melodie stärker ist (es geht auch anders), 25:58 während er beginnt zu spielen: wieder falsches Notenbild (bitte auf das hier oben gegebene Beispiel schauen), Melodietöne 1-6 innerhalb der Harmonie… warten vor dem hohen Ton = neue Harmonie (der Vorschlag c ist offenbar ein unauthentischer Zusatz), Durchgang mit dem harmoniefremden Ton d (über dem Bass-Es) auf Zählzeit 2: linke Hand ganz lang gehalten, rechte Hand beweglich, nicht genau vertikal zusammen „kloppen“, keine Attacke auf dem Ton d, – weicher wird es dadurch, dass man den vorherigen Ton es“ noch weiterklingen lässt, während das d schon angeschlagen wird, 2 Versionen ab 27:57 – bei den ersten beiden Schlägen weiß man noch nicht, dass es ein dreiteiliger Takt ist, das Warten auf dem dritten Schlag bewirkt jetzt, dass die 1 im nächsten Takt bedeutungsvoller wird. Spannung auf 1 wird gehalten.
29:25 korrektes Notenbild – ohne die kleinen Zusatzzeichen meiner Henle-Ausgabe: sie stammen übrigens aus anderen abschriftlich überlieferten Versionen des Bach-Kreises. Merkwürdigerweise spielt Leonhardt aus einer didaktischen Ausgabe (Tempoangabe „Andante“ ist natürlich Zusatz des Herausgebers), und die auf der linken Seite eingeklebte Sarabande g-moll (siehe 24:22) hat er aus BWV 823, dem Fragment einer Suite in f-moll, umgeschrieben, wohl zu Vergleichszwecken.
Anhörenswert auch vorher (ab 16:46 bis 17:54 Bach im Vergleich zu anderen Komponisten „so organisch“), wenn Leonhardt von seinem Experiment erzählt , 3 Takte aus einem Werk herauszuschneiden und die „Probanden“ um Rekonstruktion zu bitten. Es ist unmöglich, – anders als bei Händel zum Beispiel. „Bach ist ein Mirakel!“
***
Zu melodisch freien Gestaltung
Er zitiert Carl Dahlhaus: Man kann sich die Musikgeschichte des 18. Jahrhunderts sehr gut ohne Bach vorstellen, – aber die des 19. Jahrhunderts nicht.
Ab 23:04 über metrische Verschiebung zwischen der linken und der rechten Hand. Hören Sie Klavierspiel um 1930: da wird alles arpeggiert… notiert übereinander und doch nicht gleichzeitig angeschlagen… Frühzeit des 20.Jahrhunderts im Namen einer sachlichen Interpretation … Tempo, Phrasierung, Artikulation … „Goldberg“: über vorgegebener Bass-Progression möglichste Vielfalt … 26:40
Und ein paar chromatisch absteigende Töne von Jan Pieterszoon Sweelinck
HIER ab 38:18 Ton Koopman 1982 Länge 9:45 (bis 48:03)
HIER Seite A ab 13:00 Fritz Neumeyer 1962 Länge 8:27
Man vergleiche die beiden Interpretationen hinsichtlich des Tempos und der Agogik: linke und rechte Hand – auf den Punkt genau zusammen? oder in der Vertikalen verzogen? Gibt es Beschleunigung oder Verzögerung?
Man muss nicht glauben, dass das Rubato oder das mit agogischer Freiheit behandelte Tempo eine Erfindung der späteren Zeit sei, in der man es genauer zu benennen und zu notieren suchte. Es ist ein menschliches Grundbedürfnis ebenso wie lebendige Deklamation oder die Wahl zwischen motorischer oder tänzerischer Rhythmik. Ich werde demnächst auch an einem ausführlichen Beispiel zeigen, wie intensiv man dieses Problem (?) der Vortragsart in der indischen Musik sieht und handhabt.
Paul Badura-Skoda zitiert, wie Carl Philipp Emanuel Bach das Rubato in aller Ausführlichkeit behandelt, und fügt hinzu, dass es so für Vater Bach genauso wie für Chopin anwendbar sei:
Hierher gehört auch das Tempo rubato. In der Andeutung desselebn haben die Figuren bald mehrere, bald weniger Noten als die Eintheilung des Tactes erlaubet. Man kann dadurch einen Theil des Tactes, einen ganzen, auch mehrere Tacte, so zu sagen verziehen. … Wenn die Ausführung so ist, daß man mit der einen hand wider den Tact zu spielen scheintindem die andere aufs pünctlichste alle Tacttheile anschläget: so hat man gethan, was man hat thun sollen. Nur sehr selten kommen alsdenn die Stimmen z u g l e i c h im Anschlagen … E gehört zur richtigen Ausführung dieses Tempo’s viele Urtheils-Kraft und ganz besonders viel Empfindung. Wer beydes hat, dem wird es nicht s chwer fallen, mit aller Freyheit, die nicht den geringsten Zwang verträgt, seinen Vortrag einzurichten, … Hingegen wird bey aller Mühe, ohne honlängliche Empfindung nichts rechts ausrichten können werden. Sobald man sich mit seiner Ober-Stimme sclavisch an den Tact bindet, so verliert dies Tempo sein Wesentliches, weil alle übrigen Stimmen aufs strengste nach dem Tacte ausgeführt werden müssen. Außer dem Clavier-Spieler können alle Sänger und Instrumentalisten, w e n n s i e b e g l e i t e t w e r de n, dieses Tempo viel leichter anbringen als der erstere, zumal, wenn er sich allein begleiten muß … In meinen Clavier-Sachen findet man viele Proben von diesem Tempo. Die Eintheilung und Andeutung davon ist so gut, als es seyn konnte, ausgedrückt. Wer Meister in der Ausführung dieses Tempo’s ist, bindet sich nicht allezeit an die hingesetzten Zahlen 5, 7, 11 usw. Er macht zuweilen mehrere, zuweylen weniger Noten, nachdem er aufgeräumt ist, aber allerzeit mit der gehörigen Freyheit.
Carl Philipp Emanuel Bach: Versuch über die wahre Art das Clavier zu spielen / Dritte Auflage (S. 99 f., Zusatz zu S. 129 der ersten Auflage). Hier zitiert nach:
Quelle Paul Badura-Skoda: BACH Interpretation / Laaber Verlag 1990 / Seite 75 f
Was ist das, was ich eben aus dem Garten mitbrachte?
Es ist kein Veilchen, das ist klar. Mit allen Wurzeln höb ich es aus… Nein, nur ein landläufiges Unkraut. (Unkraut? Kenne ich nicht…) Vielleicht ein Vergissmeinnicht? Wäre das nicht eher dies:
(bitte anklicken, wegen der Blüten)
Sie sehen: ich habe entdeckt, dass man Blümchen einfach scannen kann. Wovon Goethe, als er im Walde so vor sich hin ging, noch keine Ahnung hatte… Und wenn ich jetzt nachschlage (auch sein Gedicht Gefunden) und bei Wikipedia fündig werde, interessiert mich jeder Satz über das Pflänzchen. Aber welches von beiden? Schauen Sie selbst, hier!
Vgl. auch meine triumphale Benennung des „Stinkenden Storchschnabels“ am Anfang dieses Blogeintrags über Trappeto hier.
Heute könnte ich behaupten, dass der Storchschnabel (nicht der eben genannte, sondern der schlechthin) meine Lieblingsblume ist, – wenn es nicht so viele Arten gäbe, dass eine Differenzierung unausweichlich wäre. Ich werde mit Wikipedia beginnen und dann vor die eigene Haustüre schauen…
Koinzidenz
Die Zeitschrift LANDLUST (Mai/Juni 2016) widmet dem Gundermann, vor allem weil er dekorativ und – in allen seinen Teilen (jedenfalls Blüten und Blättern) – essbar ist, einen schön bebilderten Artikel:
Und heute (Heft Juli/August 2016) eine vorsichtige Korrektur: der Gundermann ist im Übermaß giftig – von Ziegen auf der Weide gefressen. In „menschlicher“ Dosierung nicht. Zudem lernt man, den Gundermann vom Günsel zu unterscheiden: die rundlichen Blätter sind das Indiz. „Gundermann hat fast kreisrunde, gekerbte Blätter. Günsel hat eiförmiges, glänzendes Laub; die Blüten sitzen sehr viel dichter.“ Ajuga reptans und Glechoma hederacea.
Wäre das nicht ein guter Einstieg in die Botanik? Einfach genauer hinzusehen?
Nachtrag 12. April 2018
Habe ich damals nun wirklich vergessen zu recherchieren, was es mit Gamander Ehrenpreis auf sich hat? Unverzeihlich, hier ist das Kraut…
Peinlich, reingefallen! Den Link hatte ich schon oben gesetzt, aber nicht dazugeschrieben, dass Gamander-Ehrenpreis identisch ist mit dem Wilden Vergissmeinnicht…
Und dieses ist nicht zu verwechseln mit dem – Vergissmeinnicht, wobei in diesem Link besonders der Absatz Etymologie zu beachten ist:
Allerdings sei der Name „Vergissmeinnicht“ früher eher für die Pflanzenart Veronica chamaedrys („Gamander-Ehrenpreis“) verwendet worden. Grund hierfür war die rasche Vergänglichkeit der Blüten und ihr leichtes Abbrechen, was mit der den Männern nachgesagten Treulosigkeit verglichen wurde. Andersherum wird gleichsam überliefert, dass die Blüten die Frau an ihren Geliebten und ihre versprochene Treue erinnern sollte. Vergissmeinnichte und Ehrenpreise wurden in früherer Zeit auch „Männertreu“ genannt (heute heißt die Pflanzenart Lobelia erinus so). Andere Volksnamen sind „Froschäuglein“ und „Katzenauge“, wobei Letzteres wiederum eher den Ehrenpreis meint.
Quelle Wikipedia zu Vergissmeinnicht (s.o.)
Aber fragen Sie mich all dies nicht, wenn ich gerade keinen Laptop zur Hand habe…