Archiv der Kategorie: Natur

Die Insel im Sturm

TEXEL ab 6. Dezember 2017

TEXEL MM 11  De Koog

TEXEL MM 14  *   *   *

TEXEL MM 13 *   *  *

TEXEL MM 12   *   *  *

TEXEL MM 10 Oudeschild

TEXEL MM 9

Texel MM 1 *   *   *Texel MM 2 *   *   *

Oben: Vor 400 Jahren (Museum Kaap Skill)

Texel Robbe *  *  *

Neu: Immigrant aus England

TEXEL MM 7  *   *   *

Die Retter vom Ecomare sind da:

TEXEL MM 4 *   *   *

TEXEL MM 5 *   *   *

TEXEL MM 6 *   *   *

Ein letzter Blick von Bos en Duin auf Den Hoorn:

Blick von Bos en Duin nach Den Hoorn *   *   *

Was ich auf Texel alles nicht lesen konnte:

Kehlmann etc

Luther etc HÖREN Musikhören etc s.a. HIER

Das Buch über Tyll habe ich angefangen, nach 100 Seiten kann ich sagen: es ist das beste an erzählender Literatur, was ich seit 10 Jahren gelesen habe. Und knüpft für mich nahtlos bei dem Museum an, das ich auf Texel besucht habe. Kehlmann versteht es auf hellseherische Weise, in den Gehirnen der Zeit des Winterkönigs zu lesen. Das allmähliche Erwachen des Knaben, dem ein fremder Wanderer den Namen „Tyll“ gibt, ist das eines lebendigen Menschen in einer Welt von Schlafwandlern. Einer, dem das Denken und Wissen zum Hauptproblem wird, ohne dass wir je den Eindruck haben, einen erhöhten Standpunkt einzunehmen; wir teilen seinen Horizont, und das macht diese Welt so faszinierend, als sei es unsere eigene.

Seite 176

Als es Abend wird, sitzen sie auf dem Boden und hören dem Erzähler zu. Er spricht vom armen König zu Prag, dessen Herrschaft nur einen Winter gedauert hat, bis ihn des Kaisers mächtiges Heer vertrieben hat, nun liegt sie darnieder, die stolze Stadt, und wird sich nie erholen. Er spricht in langen Sätzen in einer wiegend schönen Melodie, ohne seine Hände zu bewegen: mit der Stimme allein schafft er es, dass man nicht anderswo hinschauen mag. Das alles sei wahr, sagt er, sogar das Erfundene sei wahr. Und Nele, ohne dass sie verstünde, was das heißen soll, klatscht.

Seite 178

Sie rührt sich nicht. Hinter ihr spricht der Erzähler von der Flucht des Winterkönigs aus der brennenden Stadt – nun fällt er Europas protestantischen Fürsten zur Last, zieht mit seinem albernen Hofstaat durchs Land, trägt noch Purpur, als wäre er einer der Großen, aber die Kinder lachen über ihn, und die weisen Männer vergießen Tränen, weil sie in ihm die Hinfälligkeit aller Größe sehen.

* * *

Ein Beispiel, wie Athanasius Kircher die Frage klärt, ob man in einem glatt polierten und verschlossenen Rohr einen Klang aufbewahren könne (aus meiner Bibliothek):

Kircher Schall im Rohr

Aus: Athanasii Kirchers Neue Hall= und Thonkunst oder Mechanische Gehaim=Verbindung der Kunst und Natur / Nördlingen 1684 (mehr daraus hier).

* * *

Das neue Kapitel bei Kehlmann heißt ZUSMARSHAUSEN, und nun weiß ich in etwa, wo ich mich befinde. In meiner eigenen Vergangenheit, mit dem Collegium aureum: der Oboist Christian Schneider überredete mich, in der Brauerei des Ortes viele, bis heute nie genutzte Gläser zu kaufen (Schwarzbräu – seit 1648). Dort beschloss ich, den angefragten Text zu Regers Orgelfantasien zu schreiben, ich hörte ständig die Probe-Cassette als Kontrastprogramm zur Alten Musik, die wir in der Wallfahrtskirche Violau aufnahmen, deren Neubau nicht lange vor dem der Brauerei fertig gewesen ist. Habe ich damals wirklich von meinem Platz im Ensemble aus den „Gnadenkelter“ an der Wand gesehen und gedeutet? Jahrhunderte blickten mich an (s.a. Reger-Text). By the way: Bin ich nicht auch ein begnadeter Geschichtenerzähler? Und wie Athanasius K. finde ich Verbindungsfäden zwischen allen Elementen der Realität. Und was nicht passt, das mache ich passend.

Zusmarshausen Solingen

Ich muss für heute schließen, da ich den nötigen Ernst nicht wahren kann. War es die Kapitelüberschrift ZUSMARSHAUSEN, die den Umschlag bewirkte? Von der Schlacht dort hatte ich keine Ahnung. Und möchte beinah nichts darüber wissen. Das wird sich durch Kehlmann ändern…

Vom Wesen der Stadt

Die trügerische Natur der 50er Jahre

Reichowplatz

Dieser Platz ist nach dem älteren Bruder (*1899) meines Vaters (*1901) benannt, der eine Architekt, der andere Musiker, der sich zeitlebens mit Klavierspiel beschäftigt hat, immer auf der Suche nach den natürlichen Grundlagen. (Siehe hier.) Dieses Wort wurde mir erst auffällig, nachdem ich in den Büchern des Architekten Reichow eine Redundanz naturbezogener Begriffe festgestellt habe. In den Jahren nach dem Krieg, in denen mein Vater (zu spät) sein Klavierspiel auf ein neues Niveau zu heben trachtete, auch eine umfangreiche Sammlung mit technischen Übungen niederschrieb, veröffentlichte sein Bruder zwei opulente Bände über „Organische Baukunst“, gewann Preise und machte als Städtebauer Karriere.

Hans Atelier in Rissen Wohnhaus & Atelier in Rissen (60er Jahre)

Hans Bernhard R

Dieses Bild gefiel ihm: der berühmte Sohn an der Seite seiner alten Mutter. Nach dem Frühstück pflegte er zuweilen Geschichten vorzulesen, die er der Zeitung entnommen hatte, z.B. von Thaddäus Troll. Von dieser Oma kommt übrigens die ganze Musik in die Reichow-Familie. Ich werde nie vergessen, wie der Onkel einmal nach meiner Geige verlangte und sich damit niederkrümmend abmühte, die „Air von Bach auf der G-Saite“ wiederzufinden. Er muss es in seiner Jugend mal geübt haben.

Stadtbaukunst Organische Stadtbaukunst Seite 28

Jeder Satz zeigt, dass es ihm um ein harmonisches Ganzes geht, einen einheitlichen Organismus“ geht, er will zeigen, „was alles wir einer gesunden Landschaft als wichtigster Voraussetzung menschenwürdigen Großstadtlebens heute mehr denn je schuldig sind: ihr ihre Reinheit und Ursprünglichkeit wiederzugeben und zu erhalten, wenn wir sie wieder zu dem machen wollen, was sie den Menschen gesunderweise immer war und bleiben muß: zum ewigen Jungborn unserer physischen und geistigen Kräfte!“ Wenig später ist sogar schon (1948) davon die Rede, wohin „die bedenken- und sinnlos weitergetriebene Versteinerung alles städtischen Grund und Bodens, der Höfe, Straßen und Plätze“ geführt habe: „zu bedenklichen Klimaveränderungen.“ Manches scheint vielleicht aktuell und enorm weitsichtig gedacht, wenn nicht die ins Umfassende zielende Wortwahl, der Ruf „nach einer neuen Verinnerlichung“, „einer neuen Beseelung des Kosmos“ viel zu hoch gegriffen wäre, angesichts der allenthalben noch sichtbaren, gigantisch realen Zerstörung, an der doch diese ganze Generation mitgewirkt hatte. Bewusst oder unbewusst? Fatal wird es, wenn dann dem Unbewußten ein Loblied gesungen wird:

Und wie die Verzweckung und Entseelung, Vermassung und Entinnerlichung all unseres Daseins in wechselseitiger Beziehung die Zerstörung jeder menschenwürdigen Lebenseinheit in der Großstadt zuwege gebracht, so vermag auch nur die übersichtliche, lebens- und naturnahe Gliederung der bisher amorphen Großstadtmassen und ihre sinnvolle u n b e w u ß t  wirkende, auf naturnahes Leben zielende Ordnung die Einheit alles Großstadtdaseins planvoll zu begründen.

Gerade das Unbewußte solcher Wirkung ist schließlich das Geheimnis ursprünglich gesunden Lebens!

Das unbewußte Wirken werden wir deshalb als Grundsatz bei der Ordnung und Gestaltung aller stadtlandschaftlichen Funktionen wiederfinden, weil es aller menschlichen Natur zum Besten dient. Denn der Mensch und seine Gesundheit, die Einheit und Ganzheit seines Daseins steht über allem im Mittelpunkt unseres städtebaulichen Denkens und Trachtens. (Seite 29)

Man begreift es nicht, wie man sich solchen Visionen von Einheit und Ganzheit hingeben kann, wenn man noch vor Augen hat, wie die Welt gerade in Trümmer gelegt wurde. Das Schlusskapitel des ersten Bandes allerdings ist überschrieben: Von der Dauer der Stadtlandschaft, danach folgt ein Motto von Raoul H. France: „Weltgesetz ist, was Dauer sichert.“ Und dann endlich der ganz kurze Blick in die jüngste Geschichte – ich vermute, dass die zwei Jahre nach Kriegsende psychologisch wie eine große Zeitspanne wirkten  und ohnehin der Blick auf eine schönere Zukunft gerichtet war:

Die wir den Aufbau unserer zerstörten Städte planen oder lenken, belasten uns alle mit einer ungeheuren Verantwortung. Noch in fernsten Zeiten wird es uns zur Ehre gereichen, wie wir diese Verantwortung trugen, welche Pläne und Entschlüsse wir faßten. Und niemand wird danach fragen, wer seine Städte zuerst und am schnellsten, am billigsten oder am aufwendigsten, sondern wer sie am weitsichtigsten für ein dauernd menschenwürdiges Dasein, wer sie organisch und gesund für die größte Dauer zu gestalten vermochte.

Die Hervorhebung in roter Farbe stammt von mir. Mein Großvater mütterlicherseits hatte ähnliche Wunschvorstellungen, allerdings bezogen auf sich selbst, seine nächsten Verwandten und ein engeres Leben auf dem Dorfe, bei Rohkostversorgung in guter Landluft, einem Leben nach den Reformvorstellungen Are Waerlands,  schon seit 1935 im Zeichen eines Dr. Malten („So heilt die Natur“). Für ihn war klar, dass er „gut 100 Jahre alt werden würde“ und wir alle für immer frei von Krankheiten sein würden. Politisch war er – nicht erst seit dem Krieg – kontrovers eingestellt, so dass mein Vater, mal in Polen, mal im norwegischen Kirkenes stationiert, besorgte Briefe an meine Mutter nach Hause schickte, sogar einen fast drohenden Ton anschlug (weil wir zuhaus „dem Vaterland in den Rücken fallen“), der sonst sorgfältig bewahrte Briefwechsel meiner Eltern weist hier plötzlich Lücken auf.

Stadtbaukust Trilogie

Mein Onkel richtete sein Augenmerk auf Städte von größter Lebensdauer, er schrieb den dritten Band der Trilogie nicht mehr, stattdessen „Die autogerechte Stadt“, womit er aber – entgegen dem verbreiteten Missverständnis – durchaus eine menschengerechte Stadt meinte. Es gab auch Großstädte, die er gelten ließ.

Stadtbaukunst San Francisco

Siehe auch: HIER (Wikipedia-Quelle)

Fragwürdig an Reichows „autogerechter Stadt“ ist aus heutiger Sicht vor allem sein permanenter Bezug auf biologistische Ideale, die er als „organisch“ und damit „naturwüchsig“ vorstellt. Damit einher ging die Vorstellung von der Großstadt als ungesunder Großeinheit, als Moloch, die es zu heilen, durch Ordnung und Städtebau in übersichtliche Nachbarschaften zu gliedern gelte. Dieser Impuls war bereits bei den Stadtreformern der englischen Gartenstädte und den Städtebauern der 1920er Jahre anzutreffen. Er war im Falle von Reichow anschlussfähig auch an völkisch und führerstaatlich motivierte kleinteilige „Organik“. Durchmischung, Überlagerung und Chaos, die städtisches Leben prägen und attraktiv machen, kommen in einer solchen Argumentation nicht vor.

Die andere Welt (auf der Lohe), die sich quasi „unbewusst“ (ohne Theorie) aufs Familiäre, Persönliche, die eigene Haut zurückzog, verließ sich darauf, dass ein Dr. Malten für den großen Überbau gesorgt hatte.

Malten Natur

Dr. Malten „So heilt die Natur“

Ich glaube nicht, dass mein Großvater den theoretischen Teil des Werkes wirklich durchgearbeitet und verstanden hat, ich selber bin immer drin steckengeblieben, zumal ich seit Mitte 1955 Julian Huxleys „Entfaltung des Lebens“ verinnerlichte und diese seltsame Teleologie des Dr. Malten wohl hätte widerlegen können. Andererseits bemerkte ich erst Anfang der 60er Jahre und später, in welchem Maße die Vorkriegsideologie uns alle im Griff gehalten hat. Der Titel des Buches von Ludwig Klages „Der Geist als Widersacher der Seele“ (das ich nicht besaß) spukte in unseren Köpfen herum, zuweilen in Rilkes poetischer Gestalt. Mit diesem Kalender bewaffnet fuhr ich im April 1960 zur Aufnahmeprüfung nach Berlin. Auch das subkutan wirkende Gegengift des Arztes Gottfried Benn war darin zu finden.

Kalender Rilke 1960 Kalender 1960 Benn

Dazu gehörte „Struktur der modernen Lyrik“ von Hugo Friedrich und Theodor W. Adornos „Philosophie der Neuen Musik“, weitere Gegenströmungen, die Moderne in jeder Form, aber auch die intensive Zuwendung zu fernöstlichen Gedankenwelten. Alles koexistierend. Liebe zur Natur und Skepsis gegenüber Naturschwärmerei. Abkehr vom Vegetarismus als Abwehr des Elite-Denkens. Berlin / Köln / Großstadt erleben.  „Berlin Alexanderplatz“, Jürgen Becker (!), Musil, Proust, Christopher Caudwell. Den Rest besorgten die 68er Jahre.

Nietzsche, mit dessen Zarathustra ich begonnen hatte, ahnungslos, was sein Freund Peter Gast mir im Nachwort einbrockte oder unterjubelte, seriös angehoben durch den Ober-Nazi Alfred Bäumler, – erst mit dem Buch von Karl Jaspers wurde mir klar, dass „wilde“ Nietzsche-Lektüre viel vergeudete Zeit bedeutete. Andererseits – dass Unordnung nicht grundsätzlich vom Teufel war:

Dörfer in der Stadt

*  *  *  *

Mein Motiv, diesen Artikel zusammenzustellen, lag in der These, dass vieles, was in meiner Jugend gut gewesen sein soll, aus der Zeit vor dem Krieg stammte; und nur dieser selbst, wie auch die Hitlerzeit insgesamt wurde weitgehend ausgeklammert, als habe es sich nur um einen Betriebsunfall gehandelt. Man müsse jetzt nur die ewigen Werte wieder ernsthaft beherzigen. Daher erschien es mir wichtig, die Rolle Adornos und die (linke) Studentenbewegung hervorzuheben. Ich hatte die Bände zur Organischen (Stadt-)Baukunst noch nicht gründlich genug gelesen. Im Vorwort des ersten Bandes wird durchaus Bezug auf den Krieg genommen, und es wird klargestellt, dass das Werk in den Grundzügen eben schon vor den großen Zerstörungen geschaffen worden ist. Klar ist immerhin, dass die idealistische Weltsicht keinerlei prinzipiellen Schaden erlitten hat. Weiterhin wird – wenn ich recht verstehe – für die Ewigkeit gebaut.

Organische Stadtbaukunst Vorwort 1948 Organische Stadtbaukunst

Und um meinem Vater, der schon mit 58 Jahren starb, Ehre zu erweisen, möchte ich auch von seinem Werk, an dem er mit Herzblut arbeitete, wenigstens den Anfang wiedergeben. Die klavierspielenden Söhne habe es zu seinen Lebzeiten wenig geschätzt. Wir hielten es für eine Zwangsjacke. Eine Fehleinschätzung natürlich. Übrigens hat er nie von ewigen Werten gesprochen, er war ein Skeptiker und sprach mit Emphase nur von der Pflicht. Wahrscheinlich wären wir uns heute näher als früher.

Artur Reichow Klavier 1a  *  *  *Artur Reichow Klavier 1b  *  *  *

Ich schreibe dies also nicht, um mit den Leitbildern meiner Jugend abzurechnen. Sie erschienen mir nicht als solche, ich war nachhaltig beeindruckt durch einen Vortrag (incl. Diskussion) von Carlo Schmid über „Vorbilder“. Ein älterer Mitschüler im Publikum stand auf und beschwerte sich, dass er Jesus nicht genannt habe! Ich fühlte mich mit der Verehrung Albert Schweitzers auf der sicheren Seite (Arzt in Afrika, Bach-Forscher, bekennender Nietzsche-Leser trotz „Leben-Jesu-Forschung“). Ich schreibe um die unmittelbar mich betreffende Vorgeschichte zu verstehen. Mein „Zarathustra“ ist markiert durch drei Unterschriften, womit drei Generationen gekennzeichnet sind, jeweils im Alter von 17, 16, 15 Jahren, aber auf sehr verschiedenem Bewusstseinsstand. Ich glaube nicht, dass Nietzsche das Problem war (der war geschützt durch seine mythologisch überbordende Schreibart), sondern der schrecklich verständliche Peter Gast mit seinem Nachwort. Diese Kröner-Ausgabe war 1930 gedruckt worden, meine Mutter war Jahrgang 1913.

Zarathustra Signaturen

1981 war das Nietzsche-Thema in der Familie geläufig, das Wagner-Thema sowieso, Adornos „Versuch über Wagner“ lag griffbereit seit 4. April 1966 (da hatte ich meine Staatsarbeit über den „Tristan“ längst geschrieben, und derjenige, der eines Tages als letzter mit roter Schrift Besitzrechte am Zarathustra dokumentieren sollte, war gerade 4 Tage alt ).

Das Nachwort des Nietzsche-Freundes Peter Gast (1854-1918!!) ist heute wohl kaum noch zu finden und soll hier in Auszügen wiedergeben werden. Interessant übrigens, dass der „Instinkt“, der als bedeutsam lenkende Instanz durch Nietzsche zu Ehren kam, die gleiche Rolle spielte wie später das Unbewusste, das in deutschen Kreisen der 30er Jahre durchaus nicht zu dem Konnex gehörte, der von Sigmund Freud und der Psychoanalyse entwickelt worden war.

Nietzsche Peter Gast Nachwort 1 Nietzsche Peter Gast Nachwort 2 Nietzsche Peter Gast Nachwort 3 Nietzsche Peter Gast Nachwort 4 Nietzsche Peter Gast Nachwort 5 Nietzsche Peter Gast Nachwort 6 Nietzsche Peter Gast Nachwort 7Nietzsche bei Kröner

Gescannt aus dem Original Alfred Kröner Verlag Leipzig 1930. In meinen Händen ab November 1956. Bis Ende desselben Jahres besaß ich auch die anderen Werke Nietzsches, die im Anhang annonciert waren, alle weiterhin ausgestattet mit den Nachworten des Propagandisten und Fälschers Alfred Bäumler!!! Man lese die zuletzt wiedergegebenen „Waschzettel“. Um hier auch noch direkt aus Bäumlers Nachwort zur „Fröhlichen Wissenschaft“ (Seite 324) zu zitieren:

Zu dem Thema Deutschland gehört auch der höchst wichtige Aphorismus über Luther (Nr. 358). Der Begriff des „guten Europäers“, der schon in ‚Menschlich, Allzumenschliches‘ auftritt und in ‚Jenseits von Gut und Böse‘ eine Rolle spielt, erfährt im Aphorismus 377 eine ausführliche Darstellung. Im ‚Wanderer und sein Schatten‘ ist den guten Europäern die Aufgabe und Überwachung der gesamten Erdkultur zugewiesen (Aph. 86). Zur Erfüllung dieser Aufgabe ist eine „Verstärkung und Erhöhung des Typus Mensch“ nötig. Nichts steht dem mehr entgegen als die „Religion des Mitleidens“, die seit der Französischen Revolution in Europa vorherrschend ist. Wir guten Europäer, so erläutert Nietzsche im ‚Willen zur Macht‘ (Aph. 117) seinen Gedanken, führen im Grunde einen Krieg gegen das 18. Jahrhundert. Unter dem 18. Jahrhundert versteht Nietzsche immer das Jahrhundert Rousseaus und der Revolution.

Alfred Baeumlers Tendenz ist klar, auch wenn er vorgibt, nur Nietzsches Worte wiederzugeben. Und es scheint ja auch so, als ob er die Einführung von Peter Gast, der noch dem 19. Jahrhundert angehörte, in aller Harmlosigkeit beigefügt hat. Er weiß, dass sie prophetisch gelesen wird, auch wenn gerade von Napoleon die Rede ist:

„Die Menge  b r a u c h t  nicht nur Führer, sie  w i l l  sie selbst, wenn auch uneingestandenermaßen. Sie weiß mit sich nichts anzufangen; sie wird sich auf die Dauer zum Ekel. – Kommt aber der Große, dann fühlt sie mit heiligem Schauer, was sie nie gefühlt: daß über ihr noch sieben Himmel der Übermenschheit ausgespannt sind!“

Siehe oben im Peter-Gast-Text Seite 406. Siehe auch in Wikipedia über Alfred Baeumler HIER. Im Artikel über Peter Gast dagegen fehlt vielleicht der warnende Hinweis, dass dieser Mann ein peinlicher Jünger des vereinsamten Nietzsche war, mit wenig eigenem Denkvermögen.

Um Nietzsches Denken näherzukommen, bedurfte es eines Karl Jaspers, dessen große „Einführung in das Verständnis seines Philosophierens“ 1935 in Heidelberg abgeschlossen wurde  (Walter de Gruyter Berlin & Leipzig 1936). Ich erwarb das Buch im Mai 1965 und erlebte einen völlig neuen, differenzierten Nietzsche. Man kann nur vermuten, dass das Buch auf Grund seiner gedanklichen Akkuratesse in den 30er Jahren unterging oder einfach nicht verstanden wurde.

Es gab einen langen Vorlauf für die simplifizierende Weltanschauung der Hitlerzeit und ein Nachspiel bis in die zweite Hälfte der 60er Jahre, mindestens. Und vieles davon hatte mit meinem Leben zu tun. Jedenfalls, sobald ich genauer hinschaue.

Ein unverbindliches Vielerlei? Durchaus nicht. Ein Wort noch zum Lesen; Karl Jaspers im Vorwort zu seinem Nietzsche-Buch:

Nietzsche zu lesen, gilt manchen als leicht; wo man ihn aufschlägt, kann man ihn unmittelbar verstehen; fast auf jeder Seite ist er interessant; seine Urteile faszinieren, seine Sprache berauscht; die kürzeste Lektüre belohnt. Jedoch entstehen schon Störungen, wenn man, stehen bleibend bei solchen Eindrücken, viel lesen will; die Begeisterung für den unmittelbar ansprechenden Nietzsche schlägt in Abneigung gegen ein scheinbar unverbindliches Vielerlei um; immer anderes bei ihm zu lesen wird unerträglich. So aber wird weder ein wahres Verständnis noch die rechte Schwierigkeit erreicht.

Maximen

Beginne den Tag!

Orpheus

Auch ich könnte so in Rätseln sprechen, und jede Leserin, jeder Leser ebenfalls, und vielleicht schauen Sie manchmal in solche Ratgeber. Wie ich mit 15, als ich das Weiseste beherzigen wollte, was es gibt (aber das war wirklich nur die eine Seite meiner Pläne), das Taoteking (seit gestern wieder ganz neu, nämlich als Daodejing abgesegnet von Jan Philipp Reemtsma). Und inzwischen bin ich ganz skeptisch gegenüber solchen Rätselsprüchen, die nur deshalb so weise erscheinen, weil sie so vieldeutig sind, am Ende legt man das Allerweiseste selbst hinein. Und mag es um so weniger hochschätzen. Den Zarathustra wollte ich am liebsten auswendig lernen, ach, diese schrecklichen Prophetengebärden! Urworte Orphisch, alle Strophen schrieb ich mir mit Tinte an die Fensterscheiben, so dass ich lesen und lernen konnte, während ich auf die Stadt Bielefeld hinabschaute. Vom Paderborner Weg 26 (heute Furtwänglerstraße). Mein heutiges Urwort steht nun da oben als Überschrift. Und ehrlich gesagt: ich kam darauf, weil ich gestern tatsächlich mal nachgeschlagen habe, was denn im Ernst am Tempel von Dephi stand. Ich erinnerte nur einen Spruch, aber es waren derer (dessen?) drei, wenn richtig ist, was im Buch von Kükelhaus (s.a. hier) stand, das ich gerade aufwärmte (ich sage nicht wo):

(Überlegen Sie selbst)

Beginne den Tag. Womit? Klar: mit etwas, was du gut kannst. Sagen wir: Geigespielen, aber nur was wirklich gut gelingt. Notfalls leere Saiten einstimmen und einfach nur streichen. Oder sonst eine Bewegung, eine rein gymnastische Grundhaltung. Sagen wir: Im Gleichgewicht stehen. Wichtig ist nur eins: Keine Kritik! (Ich bin hässlich. Ich bin gebrechlich. Das Wetter ist schlecht. Dies wird nicht mein Tag. Das alles NICHT. Aber auch sonst nichts mit NICHT.)

Kükelhaus

Quelle Hugo Kükelhaus, Rudolf zur Lippe: Entfaltung der Sinne / fischer alternativ / Frankfurt am Main 1984

In der Tat, es sind drei Sprüche, von denen aber der dritte so rätselhaft ist, dass er kaum je zitiert wird. Wikipedia sagt:

Der Überlieferung zufolge sollen am Eingang des Tempels von Delphi die Inschriften „Erkenne dich selbst“ (gnôthi seautón, γνῶθι σεαυτόν) und „nichts im Übermaß“ (μηδὲν ἄγαν, medèn ágan), angebracht gewesen sein. Insbesondere die erste, bekanntere Aufforderung deutet die eigentliche Absicht des Kultes bzw. der verehrten Gottheit an, nämlich die Auflösung individueller Probleme und Fragestellungen durch die Auseinandersetzung mit der eigenen inneren Persönlichkeit. Die Erkenntnis der „Innenwelt“ diente damit als Zugang zur Problemlösung in der „Außenwelt“.

Die zweite Inschrift (medèn ágan, „Nichts im Übermaß“, „Alles in Maßen“) mahnt zur Bescheidenheit im eigenen Tun. Das rechte Maß steht für eine Grundfigur antiken griechischen Denkens, die neben der platonischen Seinslehre bis zur aristotelischen Tugendethik auch die Musik, die Mathematik, Medizin und viele andere gesellschaftlichen Bereiche erfasste.

Die Existenz dieser Inschriften ist nicht durch archäologische Funde, sondern aus schriftlichen Überlieferungen bekannt. So lässt z. B. Platon im Phaidros und vor allem im Symposion den griechischen Philosophen Sokrates über die Bedeutung dieser Inschriften referieren.

Weit weniger bekannt ist, dass nach einer Überlieferung des Charmides sowie dem etwa 500 Jahre jüngeren Bericht Plutarchs zu diesen beiden Weisheiten noch eine dritte, „Du bist“ (), gehört. Inwieweit diese das Portal zierte, ist ungewiss. Nach Plutarchs Erzählung war sie vermutlich eher eine gesprochene Antwort der Besucher des Tempels auf die Inschriften. Durch ihre später gewonnene Bedeutung kann sie jedoch legitim als „dritte apollonische Weisheit“ gelten.

Um darüber Genaueres zu erfahren, empfehle ich, an den zitierten Ort zu gehen, an die

Quelle bei Wikipedia: HIER (Orakel von Delphi)

Womit aber begann mein Tag? (Nachdem ich diesen Artikel begonnen hatte und bei Kükelhaus innehielt?) Mit der erneuten Lektüre eines Interviews mit Thomas Lange, dessen Methode ich gerade erst (vom Hörensagen oder Sagenhören) kennengelernt habe. Ein Zitat, das zu meiner oben angedeuteten und dort vielleicht in ihrer Bedeutung übertrieben dargestellten Einsicht passt:

Ja, eine Sache, die ich immer wieder sehe, ist die Kritik am eigenen Spiel, dass Spieler sich während des Spielens kritisieren. Und ich bin der Meinung, dass das nicht ins Spiel rein gehört. Wenn überhaupt Kritik, dann sollte diese ausserhalb des Spielprozesses passieren. Um diese störende Art von Selbstbeobachtung zu beschreiben, hole ich etwas aus und gehe einen Schritt zurück in die Wissenschaft: 1927 hat Heisenberg die sogenannte Unschärferelation entdeckt. Wenn man eine Sache bzw. ein Objekt beobachtet, z.B. im atomaren Bereich, verändert sich nur dadurch, das sie beobachtet wird, die Sache. Und dann hat er noch festgestellt, dass durch verschiedene Arten von Beobachtung die Sache sich auf verschiedene Weise verändert. Das ist ein großes Thema in der Quanten-Physik. Für mich gilt das aber eigentlich für jeden Lebensprozess. Sobald ich eine Sache beobachte, verändert sich die Sache selbst.
Deswegen braucht man beim Musizieren das, was ich eine Feldwahrnehmung nenne. Das heisst, man sieht ein Feld, mit einem Musiziervorgang darin, und man sieht sich selbst auch in diesem Feld agieren und wie man auf den Musiziervorgang einwirkt.
Die besonders störende Art von Selbstbeobachtung, die kritisch untersuchende Selbstbeobachtung, lässt den Prozess stehen, obwohl die Musik eigentlich immer weiter fließen möchte. Das verhindert sozusagen das Basiselement von Musik, dass der Klang immer weiter fließt. Also: Kritik verhindert Resonanz.

Quelle Thomas Lange: Resonanzlehre HIER

Und wie soll ich den Artikel beenden? Indem ich einfach aufhöre und zum Beispiel solch ein Feld schaffe. Aber vielleicht ohne an Heisenberg zu denken…

Lenggries vor 44 Jahren

Weihnachtsoratorium mit dem Collegium Aureum

Entscheidender Faktor: der Tölzer Knabenchor unter Gerhardt Schmidt-Gaden. Die quirlige Vitalität in der Polyphonie. Und alle waren verliebt in die samtene Stimme von Andy Stein. Schwer erträglich schon damals: die halbtaktig skandierende Betonung der Choräle. Wohl ein Missverständnis.

WeihnachtsOratorium 1973 Kirche innen a Die Aufnahmesituation

WeihnachtsOratorium 1973 vorn

WeihnachtsOratorium 1973 Mitwirk  WeihnachtsOratorium 1973 Instr

WeihnachtsOratorium NotenWeihnachtsOratorium 1973 Fotos a WeihnachtsOratorium 1973 Fotos b

Autogramme: Barry McDaniel, Andreas Stein, Gerhard Schmidt-Gaden, Franzjosef Maier. Acht Fotos von oben links in drei senkrechten Reihen, 1 Barry McDaniel, 2 Fj Maier, Theo Altmeyer, Hans Buchhierl, 3 Theo Altmeyer, Andy Stein 4 G. Schmidt-Gaden, Wolfgang Neininger, Jan Reichow, Franz Beyer, Karlheinz Steeb, Peter Mauruschat, Heinrich Alfing, 5 Karlheinz Steeb, Hans Buchhierl, Horst Beckedorf, Rolf Schlegel, Franz Lehrndorfer (Orgel), G. Schmidt-Gaden 6 Steeb, Hans-Georg Renner, Bruce Haynes, P. Mauruschat, Robert Bodenröder, 7 gesamt 8 Andy Stein, Hans-Georg Renner, Bruce Haynes.

Alle Fotos: Marianne Adelmann, Zürich / Das Impressum zeigt merkwürdigerweise den wichtigsten Namen der Produktion NICHT: Dr. Alfred Krings. Er war seit 1969 fest angestellt im WDR, blieb aber parallel dazu der – neben Rudolf Ruby – führende Kopf der Harmonia Mundi. Er steckt wohl letztlich hinter dem unten wiedergegebenen musikwissenschaftlichen Kontext (Wolfgang Werner ist mir unbekannt). Ebenso wird er den Beitrag „Wider den Strich“ von Walter Dirks in Auftrag gegeben haben, dessen 80. Geburtstag im Kleinen Sendesaal des WDR vom Bläserensemble des Collegium Aureum mit Mozarts Gran Partita beehrt wurde.

WeihnachtsOr Namen Produktion *  *  *

Der musikwissenschaftliche Stand

WeihnachtsOratorium 1973 Rhetor Über  *  *  *  WeihnachtsOratorium 1973 Rhetor  *  *  *

Der geistige oder auch „geistliche“ Hintergrund *  *  *

WeihnachtsOratorium 1973 Wider den Strich

Aus dem Beitrag „Wider den Strich“ von Walter Dirks.

Übrigens: in demselben Jahr 1973 kam auch das Weihnachtsoratorium unter Nikolaus Harnoncourt heraus (mit den Wiener Sängerknaben), im Jahre 1982 erschien sein Buch „Musik als Klangrede“, wodurch dieses Wort zum meistgebrauchten in der Bach-Praxis wurde.

*    *    *

Viel später: Collegium aureum & Tölzer Knabenchor 80er Jahre (Foto E.Reichow)

 

 

Franzjosef Maier, Marlis Maier, Rudolf Mandalka

Über Insekten

Skandalöse Zustände und Reaktionen (Achtung, neuer Schluss!)

Letzte Woche empörte es mich in den Nachrichten (Tagesschau oder Heute?): am Ende, nach der Meldung über das Insektensterben, hatte wieder der Vertreter aus der Landwirtschaft das letzte Wort: Es fehlen noch die beweiskräftigen Studien! Wir kennen das als notorisches Aufschiebe-Argument. Wir kennen das seit langer Zeit:

Bauernverband sieht weiteren Forschungsbedarf

Der deutsche Bauernverband pocht hingegen auf weitere Untersuchungen. „In Anbetracht der Tatsache, dass die Erfassung der Insekten ausschließlich in Schutzgebieten stattfand, verbieten sich voreilige Schlüsse in Richtung Landwirtschaft“, sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken. „Die neue Studie bestätigt und betont ausdrücklich, dass es noch dringenden Forschungsbedarf zum Umfang und den Ursachen des dargestellten Insektenrückgangs gibt.“

Siehe den Link im Artikel „Hummeln zuhaus“ HIER.

Siehe auch in der Süddeutschen des Wochenendes:

Insekten Süddeutsche 21. Oktober 2017 Detail: Insekten Süddeutsche

Quelle Süddeutsche Zeitung 21./22. Oktober 2017 (Seite 4 MEINUNG) siehe HIER.

Ich habe bei CAMPACT folgenden Appell unterzeichnet:

*** TEXT ZUM WEITERLEITEN PER MAIL ***

Hallo,

Kanzlerin Merkel könnte noch schnell das wahrscheinlich krebserregende Glyphosat durchwinken, bevor die Grünen mit am Kabinettstisch sitzen. Schon am Mittwoch geht es in Brüssel um die Zukunft des Ackergiftes.

Stimmt Deutschland nicht mit Nein, landet Glyphosat für zehn weitere Jahre auf unseren Feldern. Dabei ist das Gutachten, mit dem die EU für die Zulassung wirbt, zu großen Teilen von Monsanto abgeschrieben.

Die Jamaika-Parteien könnten die Glyphosat-Zulassung verhindern. Gerade die Grünen müssen Merkel jetzt klarmachen: Eine Jamaika-Koalition gibt es nur mit einem Nein zu Glyphosat. Campact hat deshalb einen Eil-Appell gestartet – ich habe ihn gerade unterzeichnet. Bitte unterschreibe auch Du.

https://www.campact.de/Roundup

Beste Grüße
Jan Reichow

s.a. HIER

Nachtrag

Lese-Empfehlung: DIE ZEIT 26. Oktober 2017 

ZEIT Insekten HIER!!!

Es ist eine Schande, dass gerade dieser Artikel online noch nicht freigeschaltet ist! (Ich werde es an dieser Stelle vermerken, sobald es passiert ist.) Jetzt: HIER 5.Dez.17

Nachtrag 5. Dezember 2017 

ARD-Sendung „hart aber fair“ Thema Insektensterben HIER !!! 

Nachtrag März 2018 (Video auf arte bis 10.04.2018)

Meine Devise heißt: Sympathie für Insekten, auch auf der WIESE DES SCHRECKENS… LINK HIER , Nachsicht für den ziemlich reißerischen Werbetext. Die Bilder lohnen sich…

Pressetext:

Mit Stilmitteln aus dem Horrorfilm-Genre zeigt diese ungewöhnliche Naturdokumentation die abenteuerliche Reise eines sechsbeinigen, sympathischen Helden mit roten Flügeln und sieben Punkten durch eine ganz gewöhnliche Wiese – in der es vor Ungeheuern nur so wimmelt. Dank hochwertiger Makroobjektive und extrem feiner Kamerasteuerung, Ultrazeitlupenaufnahmen und Zeitraffern gelingen technisch brillante, hochaufgelöste Aufnahmen in 4K aus einer absoluten Wunderwelt des Gruselns und Staunens: Da gibt es den seltsamen Warzenbeißer, der auf den ersten Blick wie eine gewöhnliche Heuschrecke erscheint und doch in Sekundenschnelle zum gefräßigen Raubtier mutiert. Da lähmen andere Räuber ihr Opfer mit Gift, um es dann als „lebende Tote“ zu vergraben – diese „Zombies“ sollen Nahrung für den Nachwuchs sein. Da gerät sogar der Todestanz einer Ameise in der Fallgrube eines Giftmörders dank extrem langsamer Zeitlupen zu einem ästhetischen Ballett des Todes. Und wie in jedem Horrorfilm gibt es bevorzugte Opfer, wehrlos und naiv, die bei regelrechten Massakern zu Dutzenden bei lebendigem Leibe ausgesaugt und sogar von vermeintlich vegetarisch lebenden Schafen und Ziegen aufgefressen werden. So entpuppt sich die Wiese vor unserer Haustür als Ort voller Gattenmörder, fliegender Killerkommandos, Luftpiraten und weiterer Überraschungen: Denn die Reise des roten Glückskäfers steckt voller erstaunlicher Wendungen – romantische Liebeleien inklusive. Doch auch unser Held erfährt zum Schluss eine bestürzende Verwandlung: ein mörderisch-augenzwinkerndes Gruselvergnügen!

Bäume hören

Wie uns David G. Haskell in den Wald lockt

Ein erster Blick in die Baum-Klang-Sammlung

(im Anschluss an einen Bericht in der ZEIT – online hier – aber nur als Anreiz)

Baum-Klang-Sammlung  Nur zum Lesen anklicken!

Zum Hören anklicken:

Tree sounds compilation

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Wer sich bei diesem Thema („… haben wir doch schon gehabt!“) an die Bestseller von Peter Wohlleben erinnert, lese zur Vorsicht auch das folgende Gespräch im FAZ-Blog: HIER.

Bei Haskell ist scheinbar von denselben Vorgängen die Rede, aber ohne diese kindlich- anthropomorphe Tendenz. Alles da draußen ist wie ich, – lauter fühlende Wesen. Aus dem ZEIT-Gespräch:

Haskell: (…) Licht ist hier unten die zentrale Überlebensfrage. Sehen Sie diese Pflanze dort, die Fußblätter? Was aussieht wie viele verschiedene Pflanzen, ist ein einziges Individuum. Vieles hier ist [jedoch] nicht so wie es scheint. Keiner dieser Bäume ist ein Einzelkämpfer, Vertreter unterschiedlicher Arten stehen über Netzwerke von Pilzen miteinander in Kontakt. Ein Wald sieht vielleicht aus wie eine Ansammlung von Individuen. Aber das führt in die Irre. Wir müssen ihn als Netzwerk begreifen. Genau diese Idee behandle ich in meinem neuen Buch Der Gesang der Bäume.

ZEIT: Die meisten Theorien der Biologie, Chemie, Wirtschaft oder Religion gehen von der Idee eines Individuums aus. Die fundamentale Grundeinheit der Physik ist das Atom, in der Biologie eine Art, eine Spezies. Auch in der Religion geht es um die Entscheidungen eines Einzelnen.

Haskell: Es steckt viel Wahrheit darin, so auf die Welt zu schauen. Aber es gibt den anderen Blick, in dem diese Dinge nur temporäre Manifestationen temporärer Verbindungen eines Netzwerks sind. Ubnd dieses Netzwerk überlebt die Zeiten und etnwickelt sich. Wenn Sie diesen Baum von seinem Netzwerk abschneiden, dann stirbt er.

ZEIT: Fließen jetzt in diesem Moment Informationen durch das Wald-Netzwerk?

Haskell: Natürlich. Die Wurzeln dieses Baums hier sind über unterirdische Pilze mit vielen anderen Bäumen verbunden. Wird einer von Insekten befallen, gelangt diese Information ins gesamte Netzwerk. Als wir uns vom Auto auf den Weg gemacht haben, sind auch wir Teil davon geworden. Unsere Ankunft ist von Vogelrufen durch den Wald getragen worden, deshalb werden wir wahrscheinlich keine Füchse oder Hirsche sehen. Sie können an diesem Ort nicht unbemerkt auftauchen.

Quelle Der oben verlinkte ZEIT-Artikel „Grausam und schön“ 12.Okt.2017 (Seite 39)

Das klingt zum Teil ähnlich wie bei Wohlleben, aber der gedankliche Hintergrund ist anders. Auch zur Idee mit dem Netzwerk könnte man sagen: alles schon dagewesen. Habe ich das im Prinzip nicht schon Anfang der 90er Jahr gelesen (und unterstrichen)?

Vester Vernetzung z.B. Frederic Vesters Bücher!

Vester Inhalt  Vester Cover

Noch ein bemerkenswerter Absatz aus dem Zeit-Interview mit David G. Haskell, der den Menschen natürlich nicht aus dem Netz ausschließen will, sondern glaubt, dass wir eine Ethik der Zusammengehörigkeit brauchen :

Nehmen wir diesen Wald. Er ist wunderschön, seine einzelnen Elemente fügen sich zu einem Ganzen, er vibriert, ist voller Leben – Menschen eingeschlossen. Hier und da befriedigen Menschen ihre Bedürfnisse, fällen etwa Bäume oder jagen. Andere Areale werden ganz in Ruhe gelassen. Dort entscheiden andere Arten, Wind und Feuer darüber, wie unsere Zukunft aussieht.

ZEIT: Sie ziehen also keine Grenzen zwischen Mensch und Natur.

Haskell: Menschen sind natürlich! Ein Flugzeug und ein Wolkenkratzer auch, denn sie sind aus Dingen gemacht, die aus der Erde kommen und durch den menschlichen Geist geformt sind. Und das ist ein Resultat der natürlichen Selektion. Ein Flugzeug ist so natürlich wie ein Vogelnest.

ZEIT: Noch nie hatte eine Primatenart einen so großen Einfluss auf die Erde wie wir heute, und das ist global gesehen kein guter.

Haskell: Unser Geist ist mächtig, er hat etwa herausgefunden, wie man fossile Brennstoffe nutzbar [machen] kann. Die Ethik, die wir brauchen, erreichen wir nicht, indem wir uns als Aliens auf diesem Planeten begreifen. Das würde bedeuten, dass wir unsere Natur verneinen. Hören Sie diesen Rotkardinal singen? Er macht nichts anderes als wir beide gerade. Die eine Handlung ist nicht mehr oder weniger natürlich als die andere.

Roter_Kardinal_(Cardinalis_cardinalis)_B._Walker Roter Kardinal (B.Walker in Wikipedia)

Mit meinen Natur- und Baumbüchern könnte ich ein eigenes Regal füllen, die Liebe geht in die Kindheit zurück. Manches kann ich datieren, z.B. mein Lieblings-Bilderbuch in den 70er Jahren, als wir gerade ein eigenes Haus hatten, mit einem wilden Garten  bzw. direktem Zugang zur Wildnis, falls man es so nennen kann. In manchen Nächten am Kamin (der ist längst verschlossen) saß ich und blätterte mit Begeisterung im „Johnson“, derselbe Autor, der das Buch vom Wein geschrieben hat. Eine spezielle Doppelbegabung wie bei mir… In dem mächtigen Bäume-Buch finde ich viele Zeitungsausschnitte, darunter auch noch immer den Auslöser des Kaufes damals: einen ZEIT-Artikel vom 3. August 1978. (Siehe unten rechts in der Ecke, ich löse das Detail heraus.)

Bäume Johnson NATUR Bäume ZEIT

Der Preis damals war erheblich, deshalb verzichtete ich auf das ebenfalls verlockende Gartenbuch daneben…

NATUR Bäume ZEIT Johnson

Und ich kann es mir heute nicht versagen, auf den Anfang des Artikels von Manfred Sack hinzuweisen, als hätte es so sein müssen, dass ich es in dieser Woche wiederlese; er zitiert Hans Christoph Buch, der einem Nachbarn, der Bäume fällen will mit der Begründung „eines Tages müssen sie doch weg“, entgegenhält: genauso könnte man „mit einem Schnellfeuergewehr von irgendeinem Turmfenster aus wahllos Passanten abknallen, einen Atomkrieg vom Zaume brechen oder, um ganz sicher zu gehen, alle Flußufer der Erde mit Atomkraftwerken bestücken“; denn „eines Tages müssen sie ja doch weg: die Bäume, die Blumen, die Vögel – und natürlich auch die Menschen…“

QUELLE DIE ZEIT 4. August 1978 Die Verteidigung der Natur / Bücher über Landschaft und dergleichen / Seite 34 / Von Manfred Sack.

Das alte Bilderbuch ist auch noch da: „Peterchen im Walde“ von Georg Netzband. Jedes einzelne Bild hat sich mir eingegraben, obwohl ich Peterchen selbst ziemlich blöd fand.

Peterchen im Walde Peterchen im Walde Vögel

16. Oktober 2017 Ohligser Heide Waldweg

Peterchen auf dem Weg JR im Walde 171016

Ohligser Heide Pano171016 Panorama: E.Reichow

Ohligser Heide Waldbild b 171016

Eiche am Drei-Insel-Teich 171016 (Huawei-Fotos JR)

19. Oktober 2017 An der Terrasse der Heidberger Mühle

Zitronenfalter 20171019 Heidberger M

Nachtrag 21.03.2018

Siehe auch hier „Nachtigallen in Berlin“ (wegen E.Coccia).

Hamburgfahrt nach Xavier-Chaos

Wochenende 7.- 8. Oktober

Eine Bahnreise war geplant, aber alle Verbindungen hatte der Sturm gekappt, daher die Autofahrt zum Familientreffen nach Hamburg, Samstag hin, Sonntag zurück mit Umweg über Buxtehude und Stade. Für die innere Reise bedeutungsvoll die Begegnungen (Familie) und die Begleitmusik im Auto: „Nachtviolen“ – Schubert mit Gerhaher, vor einigen Jahren im (verlorenen) Blog mit einer Artikelreihe bedacht, Rekapitulation (was ist geblieben?) plus neue Lyrikerfahrungen (hier). Entzifferung der Texte mit dem bloßen Ohr, vergleichbar einer verrätselten Bildbetrachtung.

Buxtehude a (Handy-Foto JR)

Nachtviolen

Zum Vergleichen: Herbst D 945 mit Christian Gerhaher (Gerold Huber) hier
und mit Dietrich Fischer-Dieskau (Gerald Moore) hier . Zum „eiligen“ Vergleich vieler Stimmen (und der Klavierbegleitungen!) siehe hier. Der Text:

Herbst
(Ludwig Rellstab)

Es rauschen die Winde
So herbstlich und kalt;
Verödet die Fluren,
Entblättert der Wald.
Ihr blumigen Auen!
Du sonniges Grün!
So welken die Blüten
Des Lebens dahin.

Es ziehen die Wolken
So finster und grau;
Verschwunden die Sterne
Am himmlischen Blau!
Ach, wie die Gestirne
Am Himmel entflieh’n,
So sinket die Hoffnung
Des Lebens dahin!

Ihr Tage des Lenzes
Mit Rosen geschmückt,
Wo ich die Geliebte
Ans Herze gedrückt!
Kalt über den Hügel
Rauscht, Winde, dahin!
So sterben die Rosen
Der Liebe dahin.

***

JR in Buxtehude 171008 In Buxtehude (Foto E.Reichow)

Falls ich gefragt werde: warum hältst Du denn da in Buxtehude die Philosophischen Schriften von Rudolf Eucken umklammert? so antworte ich: ich habe sie gerade in einer Telefonzelle „eingetauscht“, – ohne einen Gegenwert zu hinterlassen:

JR Tauschbörse Buxtehude

In der Telefonzelle lagen aufeinandergestappelt u.a. an die hundert Bände einer Sammlung Nobelpreis für Literatur, so auch der das Jahr 1908 betreffende Band, in dem Rudolf Eucken (geboren in Aurich!) ausgezeichnet worden war. Ich las, noch halb ins Innere der Zelle geneigt, einige Zeilen zur Geschichte der Zuerkennung gerade dieses Preises, – da war’s um mich geschehen. Es ging um den „Idealismus“ zur Zeit unseres alten Kaisers Wilhelm II, und der von ihm komponierte und getextete „Gesang an Ägir“ wurde erwähnt. (Warum finde ich diese Perle nicht in Wikipedia?)

Eucken Nobel Wilhem II a Eucken Nobel Wilhem II b

Und nochmals lese ich mich fest – nach Haus zurückgekehrt –  im Spiegel-Artikel zum Populären unter Wilhelm II (sehr lesenswert: hier). Spielte der Idealismus zu seiner Zeit in etwa die Rolle, die zu Schuberts Zeit – in der Metternich-Ära – die gute alte „Romantik“ spielte? Rechtzeitig ist heute das (von JMR empfohlene) Schubert-Buch eingetroffen:

Schubert Harry Goldschmidt a  Schubert Harry Goldschmidt b

Quellen 

a) Kleine Geschichte der Zueignung des Nobelpreises an Rudolf Eucken von Dr. Gunnar Ahlström, Mitglied des Schwedischen Instituts, in: Sammlung Nobelpreis für Literatur 1908

b) Harry Goldschmidt: Franz Schubert / Ein Lebensbild / VEB Deutscher Verlag für Musik Leipzig 1962

Nun wird es auch für mich Zeit, mein Buxtehuder Foto vom Kopf auf die Füße zu stellen und mir vorzunehmen, Schubert in späteren Artikeln nicht aus den Augen zu verlieren:

Buxtehude b (Handy-Foto JR)

Kuhglocken im Allgäu

Screenshot 2017-10-03 Das Erste Sushi a abrufbar bis 2.10.2018 HIER

3:17 Natürlich kennt der Bauer jede Kuh mit Namen, auch wenn für uns eine aussieht wie die andere. Aber nicht nur das: er kann sogar jede einzelne Glocke zuordnen.

„Wenn die Kuh vom Dunklen in den Stall reinkommt, dann kann ich sagen, welche Kuh da kommt. Weil das hör i ja.“ „Moment, jede Glocke klingt anders?“ „Ja.“ „Und Sie wissen alle, wo die im Stall ihren Platz…“ „Da hat jede ihren Platz, jaja, das weiß die Kuh auch nächscht Jahr no. Die sind ja im  Winter unten im Tal, und im Frühjahr werden sie wieder raufgetrieben, da weiß jede, wo sie war. Darf man nicht sagen: blöde Kuh. 3:57

Screenshot 2017-10-03 Das Erste Sushi b Screenshots JR

Erinnerung an Südtirol (14.09.2017):

Villanders Vorm Melken a  Villanders Vorm Melken c Villanders Vorm Melken d

Villanders Vorm Melken b Sie sind noch nicht lang zurück von der Alm.

Und kennen auch hier ein anderes Leben: Täglicher Auslauf noch im September.

Villanders Auslauf der Kühe In der Ferne liegt Dreikirchen.

Handy-Fotos JR

Kuhglocken im Wallis (Schweiz): HIER

Ziegenglocken in Mittenwald (Bayern): HIER

Sehnsucht nach Südtirol

Zur Frage, ob eine Wiederholung möglich sei

Wie Szendy mit Kiekegaards Hilfe Verwirrung stiftet

Südtirol 2011 Blick aus der Ferne 110805 Wo ich einmal saß (Prackfied in der Ferne)

Südtirol 2011 Abendstimmung 110804 Die Wolke, die nichts bedeutete

Ich beziehe mich auf Kierkegaard, dessen „Wiederholung“ ich vor Jahren immer mal wieder vorgenommen und ebenso oft aufgegeben habe. Ehrlich gesagt: aus Langeweile, gegen besseres Wissen. Und auf Szendy, der – wenn ich mich nicht irre – einen Aspekt der Wiederholung herauslas, der für K. überhaupt kein Hauptmotiv darstellte. Mir ging es ähnlich: was mich interessierte, war die Wiederholung in Ritual und Musik. Auch das Wiederholungsverbot in der Neuen Musik, dessen Sinn mir letztlich nie eingeleuchtet hat. Gewiss, eine Hauptrolle spielte dabei die Aversion gegen das Banale, das bloß Rhetorische, und dessen Vermeidung war weitgehend eine Maxime des vorauseilenden Gehorsams. Vorauseilend auch dem eigenen Denkvermögen, bzw. dem Dilemma, dass die sich wiederholenden Tätigkeiten trotzdem weiterhin den Blick auf jegliches Geschehen interpunktieren.

Mein heutiger Rat an mich selbst: wenigstens kursorisch die Einleitung von Hans Rocholl zu Kierkegaards Schrift zu lesen und insbesondere die Stellen zu bedenken, die sich (aus meiner Sicht) konkret greifbaren Inhalten nähern: technische Beispiele, etwa Druck und Gegendruck, Raketen-Antrieb, Reise-Malessen, Posthorn-Töne, der Reim, schließlich auch der Witz im Anschluss an Schopenhauers Definition. Und plötzlich dämmert einem die Möglichkeit, dass auch Peter Szendy – von Kierkegaard aus – vielleicht doch keine absurden Verbindungen knüpft, etwa zum Refrain eines Chansons…

JR Hopfensee 170908 Am Hopfensee/Allgäu

(Fotos: E.Reichow)

Zu den wichtigsten Dingen, die aber in diesen Überlegungen fehlen, gehört die Wiederholung als Einübung. Zumindest in der Musik ist das ein wichtiger Aspekt, auch in der Diskussion über das Wiederholungszeichen: gilt es nur der besseren Einprägung (darf also wegfallen, wenn man das Werk als ziemlich bekannt voraussetzen kann?) oder der Balance (die man sich nicht als latent vorhanden einfach nur denken kann). Die Wiederholung im „Ohrwurm“ dient nicht der Einübung, sondern der Einhämmerung. Ich soll den eigenen Gedanken aufgeben und mich fügen. Dagegen die Rolle des Chorals (den damals jeder kannte) in den zwei Bach-Kantaten, die ich höre, BWV 125 „In Fried und Freud ich fahr dahin“ und BWV 138 „Warum betrübst du dich, mein Herz“: die Choräle sind als Melodien so komplex, dass ich sie – für sich genommen, kaum ausschöpfen kann. Und nun erst in der Zitierweise Bachs, insbesondere wenn er einzelne Zeilen innerhalb eines Rezitativs herausstellt. – Dann in den Haydn-Quartetten, op. 74, 1-3, deren Originalität ich beim wiederholten (bloßen) Hören immer mehr bewunderte, während mir beim Studium der Noten manches gewollt originell erschien (was mir bei Mozart nie in den Sinn käme). Ich irre mich. Die weiteren Wiederholungen müssten der weiteren Aufklärung dienen.

Niemals hieße eine solche Wiederholung, dass nur das erste Mal als authentisch zu betrachten und zu restituieren sei. Gerade nicht! (Daher wirkt auch die „Wiederholung“ der Berlin-Reise oder gar der Verlobung bei Kierkegaard so befremdlich.) Wandelbares Material, konfrontiert mit wandelbarer Psyche, zu einem unwandelbar gültigen Ergebnis führen zu wollen. Genau dafür ist es nicht angelegt.

Eins wäre noch zu erwähnen: Keineswegs hege ich die Absicht, mich mit diesen Andeutungen nach außen verständlich zu machen. Sie dienen nur dem Zweck, mir (und einigen Interessenten) den Zusammenhang in Erinnerung zu halten. Jedes Foto beweist mir, dass Innen und Aussen nur in den seltensten Fällen zusammenstimmen. Und so kann man die Ungeklärtheit frohen Sinnes hinnehmen.

Regentropfen ER Regentropfen JR

Am Weg zur Marzuner Schupfe 11.09.2017 (ER & JR)