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Sehnsucht nach Südtirol

Zur Frage, ob eine Wiederholung möglich sei

Wie Szendy mit Kiekegaards Hilfe Verwirrung stiftet

Südtirol 2011 Blick aus der Ferne 110805 Wo ich einmal saß (Prackfied in der Ferne)

Südtirol 2011 Abendstimmung 110804 Die Wolke, die nichts bedeutete

Ich beziehe mich auf Kierkegaard, dessen „Wiederholung“ ich vor Jahren immer mal wieder vorgenommen und ebenso oft aufgegeben habe. Ehrlich gesagt: aus Langeweile, gegen besseres Wissen. Und auf Szendy, der – wenn ich mich nicht irre – einen Aspekt der Wiederholung herauslas, der für K. überhaupt kein Hauptmotiv darstellte. Mir ging es ähnlich: was mich interessierte, war die Wiederholung in Ritual und Musik. Auch das Wiederholungsverbot in der Neuen Musik, dessen Sinn mir letztlich nie eingeleuchtet hat. Gewiss, eine Hauptrolle spielte dabei die Aversion gegen das Banale, das bloß Rhetorische, und dessen Vermeidung war weitgehend eine Maxime des vorauseilenden Gehorsams. Vorauseilend auch dem eigenen Denkvermögen, bzw. dem Dilemma, dass die sich wiederholenden Tätigkeiten trotzdem weiterhin den Blick auf jegliches Geschehen interpunktieren.

Mein heutiger Rat an mich selbst: wenigstens kursorisch die Einleitung von Hans Rocholl zu Kierkegaards Schrift zu lesen und insbesondere die Stellen zu bedenken, die sich (aus meiner Sicht) konkret greifbaren Inhalten nähern: technische Beispiele, etwa Druck und Gegendruck, Raketen-Antrieb, Reise-Malessen, Posthorn-Töne, der Reim, schließlich auch der Witz im Anschluss an Schopenhauers Definition. Und plötzlich dämmert einem die Möglichkeit, dass auch Peter Szendy – von Kierkegaard aus – vielleicht doch keine absurden Verbindungen knüpft, etwa zum Refrain eines Chansons…

JR Hopfensee 170908 Am Hopfensee/Allgäu

(Fotos: E.Reichow)

Zu den wichtigsten Dingen, die aber in diesen Überlegungen fehlen, gehört die Wiederholung als Einübung. Zumindest in der Musik ist das ein wichtiger Aspekt, auch in der Diskussion über das Wiederholungszeichen: gilt es nur der besseren Einprägung (darf also wegfallen, wenn man das Werk als ziemlich bekannt voraussetzen kann?) oder der Balance (die man sich nicht als latent vorhanden einfach nur denken kann). Die Wiederholung im „Ohrwurm“ dient nicht der Einübung, sondern der Einhämmerung. Ich soll den eigenen Gedanken aufgeben und mich fügen. Dagegen die Rolle des Chorals (den damals jeder kannte) in den zwei Bach-Kantaten, die ich höre, BWV 125 „In Fried und Freud ich fahr dahin“ und BWV 138 „Warum betrübst du dich, mein Herz“: die Choräle sind als Melodien so komplex, dass ich sie – für sich genommen, kaum ausschöpfen kann. Und nun erst in der Zitierweise Bachs, insbesondere wenn er einzelne Zeilen innerhalb eines Rezitativs herausstellt. – Dann in den Haydn-Quartetten, op. 74, 1-3, deren Originalität ich beim wiederholten (bloßen) Hören immer mehr bewunderte, während mir beim Studium der Noten manches gewollt originell erschien (was mir bei Mozart nie in den Sinn käme). Ich irre mich. Die weiteren Wiederholungen müssten der weiteren Aufklärung dienen.

Niemals hieße eine solche Wiederholung, dass nur das erste Mal als authentisch zu betrachten und zu restituieren sei. Gerade nicht! (Daher wirkt auch die „Wiederholung“ der Berlin-Reise oder gar der Verlobung bei Kierkegaard so befremdlich.) Wandelbares Material, konfrontiert mit wandelbarer Psyche, zu einem unwandelbar gültigen Ergebnis führen zu wollen. Genau dafür ist es nicht angelegt.

Eins wäre noch zu erwähnen: Keineswegs hege ich die Absicht, mich mit diesen Andeutungen nach außen verständlich zu machen. Sie dienen nur dem Zweck, mir (und einigen Interessenten) den Zusammenhang in Erinnerung zu halten. Jedes Foto beweist mir, dass Innen und Aussen nur in den seltensten Fällen zusammenstimmen. Und so kann man die Ungeklärtheit frohen Sinnes hinnehmen.

Regentropfen ER Regentropfen JR

Am Weg zur Marzuner Schupfe 11.09.2017 (ER & JR)