Schlagwort-Archiv: „Tyll“ von Kehlmann

Die Insel im Sturm

TEXEL ab 6. Dezember 2017

TEXEL MM 11  De Koog

TEXEL MM 14  *   *   *

TEXEL MM 13 *   *  *

TEXEL MM 12   *   *  *

TEXEL MM 10 Oudeschild

TEXEL MM 9

Texel MM 1 *   *   *Texel MM 2 *   *   *

Oben: Vor 400 Jahren (Museum Kaap Skill)

Texel Robbe *  *  *

Neu: Immigrant aus England

TEXEL MM 7  *   *   *

Die Retter vom Ecomare sind da:

TEXEL MM 4 *   *   *

TEXEL MM 5 *   *   *

TEXEL MM 6 *   *   *

Ein letzter Blick von Bos en Duin auf Den Hoorn:

Blick von Bos en Duin nach Den Hoorn *   *   *

Was ich auf Texel alles nicht lesen konnte:

Kehlmann etc

Luther etc HÖREN Musikhören etc s.a. HIER

Das Buch über Tyll habe ich angefangen, nach 100 Seiten kann ich sagen: es ist das beste an erzählender Literatur, was ich seit 10 Jahren gelesen habe. Und knüpft für mich nahtlos bei dem Museum an, das ich auf Texel besucht habe. Kehlmann versteht es auf hellseherische Weise, in den Gehirnen der Zeit des Winterkönigs zu lesen. Das allmähliche Erwachen des Knaben, dem ein fremder Wanderer den Namen „Tyll“ gibt, ist das eines lebendigen Menschen in einer Welt von Schlafwandlern. Einer, dem das Denken und Wissen zum Hauptproblem wird, ohne dass wir je den Eindruck haben, einen erhöhten Standpunkt einzunehmen; wir teilen seinen Horizont, und das macht diese Welt so faszinierend, als sei es unsere eigene.

Seite 176

Als es Abend wird, sitzen sie auf dem Boden und hören dem Erzähler zu. Er spricht vom armen König zu Prag, dessen Herrschaft nur einen Winter gedauert hat, bis ihn des Kaisers mächtiges Heer vertrieben hat, nun liegt sie darnieder, die stolze Stadt, und wird sich nie erholen. Er spricht in langen Sätzen in einer wiegend schönen Melodie, ohne seine Hände zu bewegen: mit der Stimme allein schafft er es, dass man nicht anderswo hinschauen mag. Das alles sei wahr, sagt er, sogar das Erfundene sei wahr. Und Nele, ohne dass sie verstünde, was das heißen soll, klatscht.

Seite 178

Sie rührt sich nicht. Hinter ihr spricht der Erzähler von der Flucht des Winterkönigs aus der brennenden Stadt – nun fällt er Europas protestantischen Fürsten zur Last, zieht mit seinem albernen Hofstaat durchs Land, trägt noch Purpur, als wäre er einer der Großen, aber die Kinder lachen über ihn, und die weisen Männer vergießen Tränen, weil sie in ihm die Hinfälligkeit aller Größe sehen.

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Ein Beispiel, wie Athanasius Kircher die Frage klärt, ob man in einem glatt polierten und verschlossenen Rohr einen Klang aufbewahren könne (aus meiner Bibliothek):

Kircher Schall im Rohr

Aus: Athanasii Kirchers Neue Hall= und Thonkunst oder Mechanische Gehaim=Verbindung der Kunst und Natur / Nördlingen 1684 (mehr daraus hier).

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Das neue Kapitel bei Kehlmann heißt ZUSMARSHAUSEN, und nun weiß ich in etwa, wo ich mich befinde. In meiner eigenen Vergangenheit, mit dem Collegium aureum: der Oboist Christian Schneider überredete mich, in der Brauerei des Ortes viele, bis heute nie genutzte Gläser zu kaufen (Schwarzbräu – seit 1648). Dort beschloss ich, den angefragten Text zu Regers Orgelfantasien zu schreiben, ich hörte ständig die Probe-Cassette als Kontrastprogramm zur Alten Musik, die wir in der Wallfahrtskirche Violau aufnahmen, deren Neubau nicht lange vor dem der Brauerei fertig gewesen ist. Habe ich damals wirklich von meinem Platz im Ensemble aus den „Gnadenkelter“ an der Wand gesehen und gedeutet? Jahrhunderte blickten mich an (s.a. Reger-Text). By the way: Bin ich nicht auch ein begnadeter Geschichtenerzähler? Und wie Athanasius K. finde ich Verbindungsfäden zwischen allen Elementen der Realität. Und was nicht passt, das mache ich passend.

Zusmarshausen Solingen

Ich muss für heute schließen, da ich den nötigen Ernst nicht wahren kann. War es die Kapitelüberschrift ZUSMARSHAUSEN, die den Umschlag bewirkte? Von der Schlacht dort hatte ich keine Ahnung. Und möchte beinah nichts darüber wissen. Das wird sich durch Kehlmann ändern…