Schöne Stimmen 1. Mai

Zum Kuckucksruf

Dass er nicht immer eine kleine Terz (wie im Kinderlied), sondern auch eine große (wie in Beethovens Pastorale) umfasst, war leicht zu bemerken. Bei dem rumänischen Panflötenspieler Georghe Zamfir habe ich mich zum erstenmal über den Kuckucksruf als klares Quartenintervall gewundert. (In „Ciocarlia„, was allerdings „Lerche“ heißt: nach dem großen Lerchensolo – bei 1:27). Habe aber später auch oft in der Natur (z.B. 2013 oberhalb Villanders/Südtirol) verschiedene Intervallvarianten gehört.

WDR5 hat das im vorigen Jahr mal thematisiert:

Bekannt ist, dass der Kuckuck auch in der großen Terz und in der Quarte rufen kann. Nicht belegt ist aber, ob ein einziger Vogel unterschiedliche Intervalle abwechselnd hervorbringt oder im Laufe seines Lebens überhaupt sein Intervall ändert. Wenn, dann nicht kurzfristig, sondern höchstens von Jahr zu Jahr, glaubt Karsten Gärtner, der sich seit 45 Jahren mit dem Kuckuck befasst und sogar über ihn promoviert hat. Belegen lässt sich diese These nicht, denn um die Kuckucke eindeutig voneinander zu unterscheiden, müssten sie entsprechend markiert werden, räumt Karsten Gärtner ein. Das ist bisher noch nicht passiert.

Jetzt habe ich meine alten Notizen wiedergefunden (mein Kuckuck verschwand 1992 für immer):

Kuckuck 1988

Kuckuck 1989

Kuckuck 1992

JR Eiche 1992 JR Goldregen1992 1992

Die todgeweihte Eiche lebt immer noch, wenn auch hauptsächlich als gewaltiger Efeu-Träger: ein Vogelparadies. Der Inhalt der Voliere bestand damals wie heute nur noch aus Gartengeräten. Über den Verbleib des Goldregens siehe hier und hier.

Ein Lamento wegen des Kuckuck-Verschwindens ist offenbar unangebracht (siehe folgendes ZEIT-Detail & Quellenangabe weiter unten).

Kuckuck LBV 2015 ZEIT

ZITAT aus Wikipedia

Die Tonhöhen der beiden Silben liegen meistens eine kleine Terz auseinander, das Intervall kann aber auch eine Sekunde bis eine Quinte betragen. Die Töne liegen zwischen den Halbtönen der Tonleiter und entsprechen etwa f2 (678 Hz) und d2 (565 Hz), wie aus den Rufen von sieben Kuckucksmännchen ermittelt wurde. Der Schnabel ist bei der ersten Silbe leicht geöffnet, bei der Zweiten geschlossen. Die Pausen zwischen den Rufen hängen vom Erregungszustand des rufenden Männchens ab. Je erregter, desto kürzer die Pausen. Bei sehr hoher Erregung kann es auch zu mehrsilbigen, sich überschlagenden „kuckuckuck…“-Rufen kommen.

Das Weibchen lässt bei Erregung zur Brutzeit einen trillerartigen Laut hören, der aus einer hart betonten, schnellen Folge von Tönen besteht und etwas an den Zwergtaucher erinnert. Seltener äußert es ein lautes Kichern, das etwa wie „hach hachhach“ klingt. Jungvögel betteln ab dem vierten Tag nach dem Schlupf mit „zisisis“ oder „srisrisri…“. Mit zunehmendem Alter wird dieser Bettelruf zu einem „gigigi…“. Bei Abwesenheit der Wirtseltern wird dann auch der Distanzbettelruf „ziii ziii“ oder „sriii sriii“ abgegeben.

Vorbemerkung: ich weiß, dass ich in meiner CD-Sammlung der Vogelstimmen Jungvogelgeschrei (aus dem Nest) gehört habe, dass nach einer viel höheren Anzahl von Individuen klang als im Nest vorhanden sein konnten. (Tonbeispiel noch nicht wiedergefunden. Es war kein Beispiel zum Kuckuck.)

ZITAT aus ZEIT-Artikel von Hans Schuh über Kuckucke (s.u.)

Kopiert wird nicht nur die Eioptik, sondern auch die Akustik. Denn für die Parasiten ist die Kommunikation mit ihren Wirten lebenswichtig. Die Fütterungsaktivität von Singvögeln wird erstens durch aufgesperrte Jungschnäbel und zweitens vom typischen Tschilpen und Bettelgeschrei der Küken stimuliert. Stimmanalysen haben ergeben, dass Jungkuckis besonders intensiv lärmen: aus voller Kehle, als bettele eine gesamte Brut. Die beeindruckten Gasteltern erbringen dann Höchstleistungen. Mit fünffacher Zaunkönigration gedeiht ein massiger Jungkuckuck.

Den ultimativen Beweis, wie der Jungparasit seine Stiefeltern akustisch reinlegt, lieferten Nick Davies und Kollegen mit einem pfiffigen Experiment: Sie ersetzten die Küken im Nest von Teichrohrsängern durch ein einziges Amselküken und prüften, wie es gefüttert wurde. Doch bald stellten die Forscher fest, dass die Baby-Amsel sich gar nicht füttern lassen wollte: Sicherlich verschreckt kauerte sie im schwankenden Schilfrohrnest am Boden. Also wurde das Prüfnest mit einem dicken Bambusstock stabilisiert. Prompt verdrängte Hunger die Seekrankheit und das Amselchen begann laut zu betteln. Die Teichrohrsänger brachten ihm Futter, aber viel weniger als einem Kuckucksjungen. Erst als die Forscher zu jedem Tschilpen über einen Minilautsprecher das Bettelgeschrei eines Jungkuckucks abspielten, erhöhte sich die Fütteraktivität. Die Musik macht’s.

QUELLE DIE ZEIT 29. April 2015 Seite 37 Triumph der Schlawiner Der Kuckuck und seine Opfer liefern sich einen Wettlauf des Schreckens – voller Täuschung, Tarnung und Spionage. Von Hans Schuh.

Ein alter ZEIT-Artikel vom 26. Juni 1987 über den Kuckuck ist dankenswerterweise online abzurufen, und zwar hier.

ZITAT FAZ über akustische Täuschung

In den Regenwäldern von Sumatra wurde beobachtet, dass die Menschenaffen einen charakteristischen Warnruf ausstoßen, wenn ihnen Menschen oder Raubtiere beunruhigend nahe kommen. Seltsamerweise halten sich einige Orang-Utans eine Hand vor den zum Rufen gespitzten Mund. Dass sie dadurch die Stimmlage stattlicherer Artgenossen erreichen, belegen detaillierte Analysen von Tonaufnahmen.

Quelle HIER ( http://www.faz.net/aktuell/wissen/natur/orang-utans-die-lautspiele-der-halbstarken-13549265.html )