Archiv der Kategorie: Biographisches

Das neue Concerto ist da!

Was ist „Concerto“? Das Magazin für Alte Musik. (Im Internet noch nicht auf dem neuesten Stand. Aber materialiter – physisch – wie neugeboren. Mit einem Nachruf, der mir am Herzen liegt. Bitte anklicken:)

Concerto JR Franzjosef

Franzjosef Maier - Burghardt Foto

Franzjosef Maier (1925-2014)

Collegium aureum 1980

Das Collegium aureum 1980 vor Schloss Kirchheim (Foto: harmonia mundi / P.Richter). Von links nach rechts: Wolfgang Neininger, Rolf Schlegel, Ruth Nielen, Franzjosef Maier, Werner Neuhaus, Günter Vollmer, Horst Beckedorf, Hans Deinzer, Heinrich Alfing, Walter Lexutt, Jan Reichow, Franz Beyer, Helmut Hucke, ???, Heinz-Otto Graf, Ulrich Beetz, Rudolf Mandalka, Klaus Botzky, Barthold Kuijken, Christian Schneider, Gerhard Peters, ???,Günter Pfitzenmaier, Jann Engel, Robert Bodenröder, Friedrich Held.

Toleranz

Null Pardon für Götter aller Art?

Götter Presse Solinger Tageblatt 20.01.2015

Buddha gestürzt kl München 05.09.2013

Zu jeder Forderung nach religiöser Toleranz gehört die Frage: Und was ist mit den Ungläubigen? Warum das Gerede über gutes Einvernehmen zwischen „den drei“ Weltreligionen, wenn alle anderen unter ein heimliches Verdikt fallen: was ist mit der Vielgötterei des Hinduismus, – redet sich da jemand heraus mit dem Hinweis, dass man getrost – wie geschehen – Christus mit Krishna gleichsetzen dürfe? Und was ist, wenn der Thron leer bleibt, wie im Buddhismus? In München habe ich gesehen, wie sich Leute über eine umgestürzte Buddhafigur auf dem Viktualienmarkt aufregten, als sei es eine Untat wie die Sprengung des Weltkulturerbes in Bamian durch die Taliban. Wird man eigentlich über „Glauben“ jemals aufgeklärt, während man sich jede wichtige Urkunde durch einen Anwalt „beglaubigen“ lassen muss? Vielleicht war es ein Trick, die Aufklärung mancher Absurditäten grundsätzlich zu behindern, indem man uns bestimmte Paradoxa von Kindheit an einüben ließ: „Credo quia absurdum est“ oder: „Wenn ihr nicht umkehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht ins Himmelreich kommen.“

Ich will diese Sätze nicht ad absurdum führen (z.B. ist das Kind von ganz anderer Seite rehabilitiert, – durch Nietzsches Zarathustra und jede Mutter, jeden Großvater). Ich finde, dass jeder, der „im Namen Gottes“ zu anderen Menschen spricht, verpflichtet werden muss, die Gottesbeweise des Thomas von Aquin aufzusagen und Immanuel Kants Widerlegungen zu interpretieren. Zusatzaufgabe sei die Beantwortung der Frage: Was hat Hegels Weltgeist mit Theologie zu tun?

Oder: eine lange Rede von Jan Assmann anhören und inhaltlich wiedergeben. Zum Beispiel – da es in der Toleranzfrage immer um Offensichtliches und Sichtbares geht – etwas über die Frühzeit des Bildes, den „Iconic Turn im alten Ägypten“, also HIER. (Aber Sie brauchen gut 2 Stunden… ja und? ist es die Sache etwa nicht wert?).

So etwa dachte ich heute morgen ins Unreine, als ich den Artikel über „Verschnippelte Götter“ im Tageblatt gelesen hatte. Ist das denn erlaubt, die „winkende Göttin Shiva“ als Conchita Wurst zu malen. Reicht die Vielarmigkeit, oder ist nicht auch das Lingam zur Geschlechtsbestimmung geeignet? Nein, die Shiva, die ihr vielleicht meint, ist die Tochter von Nina Hagen, nicht der höchste indische Gott (oder einer von den mindestens Dreien).

Aus dem Buch MAYA Der Indische Mythos von Heinrich Zimmer Rascher Verlag Zürich 1936 Seite 355f:

Maya Zimmer 1 Maya Zimmer 2

Zeugung? Geburt? Tod?

Ich erlaube mir darauf hinzuweisen, dass der Indologe Heinrich Zimmer auf den Tag genau 50 Jahre vor mir in derselben Stadt geboren wurde wie ich, in Greifswald; dass es aber nicht zulässig ist, auch eine Parallelität im Todesdatum zu suchen, denn dieses wäre der 20.03.1993 gewesen. Der Schleier der Maya bedecke, was ich an diesem Tag getan habe. (Ich weiß es wirklich nicht. Mit Sicherheit aber war ich nicht in New York.)

—–

Natürlich konnte ich es nicht lassen: was habe ich an diesem 20.03.93 getan? Es lässt sich rekonstruieren, bis ins Detail, wenn ich auch die Tage ringsum ins Auge fasse: vor allem habe ich den Trailer für eine Matinee mit Geoffrey Oryema entworfen (und produziert). Mein Notizbuch ist ziemlich ergiebig, ich werde einen Extra-Blogartikel daraus machen. Die Violinschlüssel bedeuten „Musik“, ich habe sie noch im Ohr. Finde ich sie wieder? Ja, hier ist sie, und ich möchte gleich heulen. Wie damals. Aufarbeitung eines „fatalen“ Datums.

Matinee 1993 Oryema

Kantabel und virtuos – Zum Gedenken an den Violinisten Franzjosef Maier

Laufplan der WDR 3 Radiosendung am 3. Januar 2015 18:05 – 19:00 Uhr 

[siehe am Ende dieses Artikels auch Fotos und einen Nachruf von Gerhard Peters]

Abt Klassische Musik

Red Dr. Richard Lorber

Titel Vesper I

Kantabel und virtuos – Zum Gedenken an den Violinisten Franzjosef Maier

Autor: Christoph Prasser

Jingle Vesper 0’11

Moderation 1:

Guten Abend und herzlich willkommen zur Vesper auf WDR 3.

Am 16. Oktober vergangenen Jahres ist im Alter von 89 Jahren der Violinvirtuose Franzjosef Maier verstorben, der seit Beginn der 1950er Jahre einen erheblichen Anteil hatte an der Entwicklung der Kölner „Alte Musik-Szene“. Der erste Teil der Vespersendung erinnert an den einflussreichen Geiger, der nicht nur durch sein meisterhaftes Spiel zu Berühmtheit gelangt war, sondern sein Wissen auch als erster Dozent für Barockvioline an der Kölner Musikhochschule weitergeben konnte, wo Geiger wie Reinhard Goebel, Werner Ehrhardt, Manfredo Kraemer und viele andere zu seinen Schülern zählten. Diese wiederum gaben sein Wissen in berühmt gewordenen Ensembles wie „Musica Antiqua Köln“ oder „Concerto Köln“ weiter und förderten und festigten damit den Ruf der Stadt Köln als Zentrum für „Alte Musik“ und „Historische Aufführungspraxis“. Dem WDR war Maier dabei in unzähligen Produktionen und Konzerten zeit seines Lebens verbunden. Und im „Collegium musicum des WDR“ war Franzjosef Maier über Jahrzehnte als Konzertmeister tätig. Zur Erinnerung an den großen Musiker bringt die Vesper heute ausgewählte Aufnahmen, die vor allem in Produktionen Alter Musik mit dem Kölner WDR entstanden sind. Autor der Sendung ist Christoph Prasser.

Unsere erste Musik zeigt Maier als Solist und Konzertmeister an der Spitze eines Ensembles, mit dem er am meisten bekannt werden sollte, dem „Collegium aureum“. Dieses in der Regel dirigentenlose Orchester für historische Aufführungspraxis sollte er über Jahrzehnte vom Konzertmeisterpult aus leiten. Die folgende Aufnahme des Mozart-Rondos in C-dur für Violine und Orchester stammt aus dem Jahre 1977 und wurde wie so viele Aufnahmen des Ensembles im Cedernsaal des Schlosses in Kirchheim aufgenommen. (Mod.: 1’58)

Musik 1: 

K.: Wolfgang Amadeus Mozart 6029210105 7’02

Allegretto grazioso aus: Rondo C-dur KV 373

Franzjosef Maier, Violine / Collegium aureum / Ltg.: Franzjosef Maier

Moderation 2:

Das Collegium aureum mit Mozarts Allegretto-grazioso, dem Rondo in C-dur KV 373. Solist und musikalischer Leiter der Aufnahme war der Geiger Franzjosef Maier.

Maier wurde am 27. April 1925 in Memmingen im Allgäu geboren und lernte schon früh Klavier, Violine und Bratsche. Ab 1938 besuchte er das Augsburger Konservatorium, anschließend die Münchner Akademie und das musische Gymnasium in Frankfurt. Nach Kriegsende und Gefangenschaft studierte er schließlich bis 1948 an der Kölner Musikhochschule.

Als junger Geiger geriet Maier sehr schnell ins Fahrwasser des WDR, der damals noch NWDR hieß. Dort produzierte er mit dem Musikwissenschaftler Eduard Gröninger erste Werke für den Rundfunk, die sich bereits an einem historischen Klangbild orientierten, denn der NWDR war ein innovativer Pionier in Sachen Alter Musik. Schließlich wurde Maier Gründungsmitglied des „Collegium musicum des NWDR“, eines Orchesters, das sich auf historische Aufführungspraxis spezialisiert hatte und neben dem sich später das Schwesterensemble „Cappella Coloniensis“ etablieren sollte. Die Cappella wurde letztlich zum prominenten Aushängeschild für Alte Musik, allerdings ohne Franzjosef Maier. Das lag aber nur daran, dass Maier in jener Zeit im Schäfferquartett als 2. Geiger spielte und er die Quartettarbeit der Orchesterarbeit zunächst vorzog. Denn ursprünglich sollte Kurt Schäffer, der Namensgeber des Quartetts und Maiers ehemaliger Lehrer an der Kölner Musikhochschule, Konzertmeister in der neu gegründeten Cappella werden. Er verzichtete aber, nachdem Maier ihn bat, die Arbeit am Schäfferquartett fortzuführen. Vielleicht spielte dieser Verzicht auch mit eine Rolle für das spätere Zerwürfnis zwischen Maier und Schäffer, aber erst nach der Trennung vom Schäfferquartett war für Maier der Weg frei für seine spätere Karriere als Leiter des Collegium Aureum.

Unsere nächste Musik zählt zu den Höhepunkten der Violinliteratur in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts und zeigt einen Franzjosef Maier in Hochform. Heinrich Ignaz Bibers virtuose Sonate Nr. 1 in A-dur gehört zu den 8 Salzburger Sonaten aus dem Jahre 1681. Die Violinstimme wird von einer Basso-continuo-Gruppe unterstützt, die aus Orgel, Violone und Violoncello besteht. (Mod.: 2’22)

Musik 2:

K.: Heinrich Ignaz Biber 6029229102 13’29

Sonate Nr 1 A-dur (für Violine und Basso continuo)

Franzjosef Maier, Violine / Rudolf Mandalka, Cello / Johannes Koch, Violone / Wilhelm Krumbach, Orgel

Moderation 3:

Die Vesper auf WDR 3 mit der Sonate Nr 1 in A-dur für Violine und Basso continuo von Heinrich Ignaz Biber. Gespielt hat sie der im Oktober vergangenen Jahres verstorbene Geiger Franzjosef Maier, dem der erste Teil der heutigen Sendung gewidmet ist.

Die Anfangszeit der historischen Aufführungspraxis, die ihren stärksten Triebmotor in den 1950/60er Jahren durch Produktionen des WDR erhielt, war geprägt durch die Suche nach dem historisch authentischen Klang. Maier fühlte sich aber nicht nur der historischen Aufführungspraxis verpflichtet, sondern er blieb auch den Komponisten der neueren Musikgeschichte treu. Und so spielte er die Kompositionen der alten Meister bis in die Mitte der 1960er Jahre nicht etwa auf einer zurückgebauten oder historischen Violine alter Mensur, sondern meist auf seiner moderneren Vuillaume-Geige, die er dafür lediglich mit Darmsaiten bespannte. Auch der Kammerton blieb bei ihm meist bei 440 Hertz. Allerdings benutzte er für Produktionen Alter Musik zwingend einen alten historischen Bogen.

In der nun folgenden Aufnahme spielt er allerdings ein 1752 erbautes historisches Instrument in alter Stimmung, eine Geige von Michele Deconetti. Die hatte er 1965 als Dauerleihgabe von der Schwägerin des Harmonia-Mundi-Geschäftsführers Rudolf Ruby bekommen. Nicht ohne Hintergedanken, denn schließlich war die Harmonia-Mundi die Plattenfirma, die Maiers Collegium aureum unter Vertrag hatte.

Hören sie jetzt den Tenor James Griffett mit Joseph Haydns Bearbeitung des schottischen Volkslieds „Margret’s ghost“. Franzjosef Maier spielt Violine, Rudolf Mandalka Violoncello und Bradford Tracey sitzt am Hammerklavier. (Mod.: 1’45)

Musik 3:

K.: Joseph Haydn 6044235119 7’57

Margret’s ghost, Hob XXIa:65

(Bearbeitung eines schottischen Volksliedes für Singstimme, Violine, Violoncello und Tasteninstrument)

James Griffett, Tenor

Franzjosef Maier, Violine

Rudolf Mandalka, Violoncello

Bradford Tracey, Hammerklavier

Moderation 4:

Margret’s ghost”, die Bearbeitung eines schottischen Volksliedes von Joseph Haydn, mit dem Tenor James Griffett und dem Geiger Franzjosef Maier. Eine historische Aufnahme aus dem Jahre 1980.

Bereits ein Jahr zuvor hat Maier die nun folgende Aufnahme für den WDR produziert. Als Orchester stand hier das Collegium musicum des WDR zur Verfügung, das durch die Strahlkraft der berühmten Cappella Coloniensis des WDR zwar an Bedeutung verloren hatte, nicht aber an musikalischer Qualität. Dafür sorgte schon die Besetzung des Orchesters, in der mittlerweile bereits Geiger wie Gerhard Peters und andere saßen, die ihre Meisterkurse für Barockvioline bei Franzjosef Maier an der Kölner Musikhochschule erfolgreich hinter sich gebracht hatten. Gemeinsam spielen sie nun als „Collegium musicum des WDR“ die Sonata a cinque, op 2 Nr. 6 in g-moll von Tomaso Albinoni. (Mod.: 0’57)

Musik 4:

K.: Tomaso Albinoni 6109386103 8’29

Sonata a cinque, op 2, 6 g-moll

(für 2 Violinen, 2 Violen und Basso continuo)

  1. Adagio

  2. Allegro

  3. Grave

  4. Allegro

Collegium musicum des WDR

Moderation 5:

Die viersätzige Sonata a cinque, op 2 Nr. 6 in g-moll von Tomaso Albinoni, gespielt vom Collegium musicum des WDR. Die Leitung hatte der Geiger Franzjosef Maier, der im Oktober vergangenen Jahres im Alter von 89 verstorben ist und dem der erste Teil der heutigen Vespersendung gewidmet ist. Mit Maier ging einer der Pioniere und Schlüsselfiguren des letzten Jahrhunderts, die sich um die Rekonstruktion und Wiederbelebung Alter Musik im neuen Klanggewand verdient gemacht haben. Als Professor für Violine an der Kölner Musikhochschule konnte er seine Kenntnisse und Erfahrungen an zahlreiche Schüler weiterreichen, die heute diese Ideen selbst in weltweit erfolgreichen Orchestern vorstellen und weiter entwickelt haben.

Zum Schluss des ersten Teils der Vesper steigen wir jetzt ein in das Concerto grosso in A-dur op. 6 Nr. 11 von Georg Friedrich Händel, gespielt von der „Cappella Accademia des Seminars für Alte Musik“, aufgenommen in der Aula der Kölner Musikhochschule im Juni 1981. Unter der Leitung von Franzjosef Maier spielen Geiger wie Helmut Hausberg und Werner Ehrhardt so, wie es Maier gegen Ende seiner großen Karriere gefallen hat: Vereint, im Kreise seiner Schüler. (Mod.: 1’22)

Achtung Technik: : folgende Musik 5 (Händel) bitte nur von Minute 7’11 – Ende spielen und auf Zeit fahren! Ab Min. 17’50 folgt nur noch Schlussapplaus der in der darauffolgenden Abmoderation ausgeblendet werden kann!

Diese letzte Musik dient als Zeitpuffer, Daher entsprechend unter der Moderation 5 stumm starten und gegen Ende der Moderation 5 langsam einblenden!

Musik 5:

K.: Georg Friedrich Händel 6046367102 ca. 11’00

Andante; Allegro von 7’11 – ca. 18’05

aus: Concerto grosso A-dur, op 6,11 auf Zeit fahren!

Helmut Hausberg, Violine

Werner Ehrhardt, Violine

Bruno Klepper, Violoncello

Cappella Accademia des Seminars für Alte Musik

Ltg.: Franzjosef Maier

(von ca 7’12 – 18’05)

Abmoderation:

Zum Abschluss des ersten Teils der Vesper spielte die „Cappella Accademia des Seminars für Alte Musik“ den Schluss des Concerto grosso in A-dur op 6 Nr. 11 von Georg Friedrich Händel. Die Leitung hatte der Geiger Franzjosef Maier, dem die Sendung gewidmet war. Der Autor der Sendung war Christoph Prasser.

(Mod.: 0’22)

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47’57

Musikzeit: 47’57

Jingle: 0’11

Moderation: 8’46

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total: 56’54 

Das Collegium Aureum 1971 im Fuggerschloss Kirchheim/Schwaben

Collegium 1971 Mandalka, Hucke & Kollegen

Franz Konzertmeister allein  Franzjosef Burghardt Fotos a

Prof. Franzjosef Maier, Violinist und Konzertmeister. Collegium aureum, erstes Bild, Gesichter von links nach rechts: Günter Vollmer, Franzjosef Maier, Ruth Nielen, Werner Neuhaus, Gerhard Peters, Wolfgang Neininger, Jan Reichow, Ulrich Beetz, Violinen; Heinz-Otto Graf, Viola; Horst Beckedorf, Rudolf Mandalka, Celli. Zweites Bild: (Günter Vollmer) Rudolf Mandalka, Violoncello; (Wolfgang Neininger) Helmut Hucke, Oboe.

Fotos: harmonia mundi Deutschland, Daniela-Maria Brandt

Weiteres zu Franzjosef Maier s.a. hier.

Nachruf seines Schülers und Nachfolgers in Köln, Prof. Gerhard Peters

(Quelle: Hochschulzeitung Das Journal 2015/16)

Schöner als weiße Weihnachten

Die graue Insel in der Nordsee (oder: was Prägung vermag)

Langeoog Heim ohne Pers

Langeoog JR

1954 (oben) 2014 (unten)

Langeoog Hartmann kl

(Foto: Dieter Hartmann)

Nachtrag 30.12.2014

Wenn auch die Jahre enteilen…

Bielefelder Schullandheim kl P1020533 JR Bielefeld kl P1020532

Erst-Begegnung mit Galloway „Jürn“ (und bald danach mit seinem Herrn Rumbi, von dem die Information über den NDR-Film stammt, in dem er selbst auch auftauchen wird, s.u.):

Galloway P1020524Galloway Schnüss P1020523

(Fotos: E.Reichow)

Da steht Jürn, der junge Bulle, vor zwei Minuten lag er noch da wie für die Ewigkeit, erhobenen Hauptes wiederkäuend, der tiefstehenden Sonne zugewandt. Ein Bild unendlicher Ruhe. Er beachtete uns nicht, er schaute hinaus aus dem Dickicht der Wolle, so lässt sich jedenfalls vermuten, ins Licht. Oder horchte er? Geht dann und wann ein Bild hinein? Oder vielmehr ein Ton? Plötzlich steht der mahlende Kiefer still, das Wiederkäuen hat ein Ende. Da ist ein Ton, kaum wahrnehmbar, ein fernes Flugzeug vielleicht, doch der Zweifel verfliegt: der Ton nähert sich, der Bulle steht urplötzlich auf den Beinen; möglicherweise eher ein Fahrzeug? Ein Traktor, ein Schaufelbagger, eine Art Erntefahrzeug, das Geräusch kommt auf uns zu, der Bulle setzt sich in Bewegung, er eilt, er stürmt in Richtung Zaun, vollführt dort einen Freudentanz. Dem Traktor entsteigt ein kräftiger Landwirt oder so, greift zwei Eimer, die randvoll mit Kartoffelschalen gefüllt sind, dann einen Plastiksack mit trockenen Brötchen und schüttet den Inhalt über den Zaun, wo sich inzwischen auch noch ein zweiter Zottelgeselle eingefunden hat. Die Mahlzeit beginnt, zugleich unser Gespräch. Jawoll, das sind Kartoffelschalen, die kommen aus dem „Seekrug“, Bio-Kartoffeln, genau das richtige für freilaufende Tiere. Der Mann hat offensichtlich bodenständigen Witz und ist auskunftsfreudig: „Haben Sie uns Weihnachten im Fernsehen gesehen? Seitdem fragense einen nämlich immer so aus. Klar können Sie ’n Foto machen, aber nicht fürs Facebook, da halt ich nichts von. Den NDR-Film können Sie sich immer noch ansehen. Ich sach Ihnen genau, wo.“

Heiko Arends (ohne h!) – „man nennt mich hier ‚Rumbi‘ mit Spitznamen“ -, ein freundlicher Mann von hünenhafter Statur, ist Herr über 60 Galloway-Rinder, einen Bullen und den Nachwuchs. Die meisten werden nur 3 Jahre alt, diese beiden hier sind im Frühjahr dran. Dann gehts aufs Festland und bald danach landen sie – im „Seekrug“, großes Lob an den Spiritus rector dort, der alles kann! Und die Tiere hier, die führen ein glückliches, aber begrenztes Leben.

Dies würde in die Rubrik gehören, die mir am liebsten ist (nach Musik): Tiere & Menschen. Siehe auch hier.

DER FILM

„Die zotteligen Rinder von Langeoog“ / NDR Nordseereport / 26.12.2014 / 19:00 Uhr, Ausschnitt 5 Minuten / Autorin Annicka Erdmann. Mitwirkende: Heiko Arends und Michael Recktenwald. Drehorte: Salzwiesen auf Langeoog, Küche und Restaurant „Seekrug“.

Zum Film HIERZum „Seekrug“ HIER Zum Galloway-Rind Hier

Korrektur 3. Januar 2015 14.20 Uhr

Wir haben Heiko Arends, genannt Rumbi, wiedergetroffen, draußen an den westlichen Wiesen, rund 500 m vom Hafen entfernt. Es sind keine Galloways, sagt er, sondern Highland-Rinder oder Bullen. („Galloways haben keine Hörner!“) Weder der Film noch der falsch gesetzte Wikipedia-Link konnte meinen Irrtum aufklären. Man hört kaum, was man schon zu wissen glaubt. Außer wenn Rumbi es korrigiert. Jetzt also zum Highland Cattle bei Wikipedia HIER.

Langeoog Highland Fans

Der Mann, der alles übers Highland Cattle weiß. Bitte anklicken. (Verzeihung fürs Foto im Blog! Nachklapp zum Film. Hier mit B.St. und JR, Foto ER).

Vor 100 Jahren

Mein Großvater und seine Familie 1914/18

Opa 1914gr Opa Familie 1914 Opa Familie 1915

Lebenszeiten: Vater (1882-1966) Mutter (1887-1965) Kind a (1910-1944) Kind b (1913-2005)

Opa Erinnerungen Anfang

ZITAT (SZ)

Was also bleibt von diesem Jahr des Gedenkens an einen lange vergangenen Krieg? Es bleibt zum Beispiel ein überraschender (und überraschend verbissener) Streit um Schuld. Niemand hatte wohl erwartet, dass 2014 in deutschen Feuilletons noch einmal darüber gestritten würde, wer den Ausbruch des Ersten Weltkrieges zu verantworten hat. All die „Schlafwandler“ in Berlin und Wien, Paris, London und Sankt Petersburg gemeinsam, wie der Historiker Christopher Clark die beteiligten Politiker, Diplomaten und Generäle genannt hat? Oder doch der tumbe, weltmachthungrige deutsche Kaiser und die preußischen Militaristen? Die Heftigkeit, mit der darüber debattiert wurde, zeigt, dass selbst einhundert Jahre nach jenem verhängnisvollen Sommer 1914 nicht nur um neue Erkenntnisse geht, sondern auch immer noch um die Verteidigung alter ideologischer Dogmen.

EINSCHUB (Clark)

In einer der interessantesten jüngeren Publikationen über diesen Krieg wird die These aufgestellt, dass er nicht nur keineswegs unvermeidlich, sondern tatsächlich „unwahrscheinlich“ gewesen sei – zumindest bis zu seinem Ausbruch. Daraus würde folgen, dass der Konflikt nicht die Konsequenz einer langfristigen Verschlechterung der Beziehungen war, sondern kurzfristiger Erschütterungen des politischen Systems. Ob man diese Anschauung nun teilt oder nicht, sie hat den Vorteil, dass sie das Element des Zufalls in das Geschehen einbringt. Und es triff mit Sicherheit zu, dass manche Entwicklungen, die ich hier untersuche, zwar unmissverständlich in die Richtung der tatsächlichen Ereignisse von 1914 verweisen, dass andere Vektoren des Wandels vor dem Krieg aber auch auf Ergebnisse hindeuten, die schließlich nicht Realität wurden. Dies im Hinterkopf, möchte ich in diesem Buch zeigen, wie die einzelnen Puzzleteilchen der Kausalität zusammenkamen, die, sobald sie an Ort und Stelle lagen, den Kriegsausbruch ermöglichten. Ich habe versucht, mir stets vor Augen zu halten, dass die in diesem Buch beschriebenen Menschen, Ereignisse und Kräfte in sich den Keim für andere, vielleicht nicht ganz so schreckliche Zukünfte trugen.

Quelle Christopher Clark: Die Schlafwandler Wie Europa in den Ersten Weltkrieg zog DVA München 2013 ISBN: 978-3-421-04359-7 (Zitat: Ende der Einleitung Seite 18f)

Ausgelöst wurde dieser Streit durch den ungewöhnlichen Erfolg von Clarks Buch. (…) Die wenigsten Menschen, die Clarks „Schlafwandler“ gekauft und gelesen haben, taten das, weil sie Revisionisten sind. Eher war es so: Clark und die vielen anderen Autoren, die 2014 neue Bücher zum Ersten Weltkrieg vorlegten, trafen – wohl zu ihrer eigenen Verwunderung – bei einem bemerkenswert breiten Publikum schlicht auf Neugier, auf ein großes, echtes Interesse an einem Ereignis, das trotz seines apokalyptischen Schreckens fern und rätselhaft geblieben ist.

In dieser Hinsicht war 2014 ein Jahr, in dem man viel lernen konnte – über deutsche und europäische Geschichte; darüber, wie Kriege beginnen können (auch wenn der oft bemühte Vergleich zwischen Sarajewo im Jahre 1914 und der Krim im Jahre 2014 nie richtig passte); manchmal auch nur über den eigenen Großvater und dessen von Kriegen gezeichnete Generation.

Quelle Süddeutsche Zeitung 13./14. Dezember 2014 Seite 4 Weltkriegsgedenken EUROPAS GLÜCK von Hubert Wetzel.

Meisterbrief Opa 1928 kl

50er Jahre

Aussage meines Großvaters: „Ich könnte wohl gut 100 Jahre alt werden!“

Aussage meiner Großmutter: „144000 jetzt lebender Menschen werden niemals sterben!“

Lieblingsbuch meines Großvaters / Lieblingsbuch meiner Großmutter

Opas Lieblingsbuch  Oma Lieblingsbuch

Münster – Abegg – Brahms

Wie der November begann (Rekonstruktion)

Münster am Abend 141104

Der Grund für diese Fahrt war das Konzert zur Eröffnung des Semesters an der Musikhochschule Münster durch das Abeggtrio, mit dem ich seit Jahrzehnten verbunden bin. Der Geiger Ulrich Beetz begann in den 60er Jahren beim gleichen Professor zu studieren, bei dem ich gerade das Studium abschloss: Franzjosef Maier, der vor wenigen Wochen verstorben ist. Wir begegneten uns im Collegium Aureum.

Kirchheim Collegium Hier eine typische Abhörsituation bei Schallplattenaufnahmen 1971. Hinten (von links): Rolf Schlegel, Reichow, Beetz, sitzend: Prof. Franz Beyer, Konzertmeister Prof. Franzjosef Maier.

Münster 141104 kl

Das Trio-Programm im Detail (bitte anklicken).

Münster 141104 Programm

Münster 141104 Abegg Namen

Münster Semester Abegg

Über die Geschichte des Abegg-Trios kann man hier einiges lesen. Für mich wurde es richtig interessant, als man mich beauftragte, die Begleittexte zu schreiben – parallel dazu wurden später alle Cover von Horst Janssen gestaltet, Kunstwerke für sich. Soweit ich mich erinnere, schrieb ich den allerersten Text für die Harmonia-Mundi-LP mit dem op.8 von Brahms und dem „Brahms-Bildnis (1976)“ von Wilhelm Killmayer. Später kam der Glücksfall bei Intercord: die Texte durften eine ernstzunehmende Länge erreichen, zudem wurden Notenbeispiele möglich; ebenso bei der nächsten Schutzpatronin, der hochkreativen Firma TACET. Schumann, Mozart, Beethoven, Haydn, Schubert, Brahms, Dvorak, Smetana, Janacek. Manches von den Texten ist auf meiner Website nachzulesen. Z.B. hier ein ganzes Booklet, oder hier zu Smetana/Janacek, oder zuletzt (2009) zu Schostakowitsch.

Oft wurden die Gesamtprojekte in der Kritik gewürdigt:

Hier wird bis an die Grenzen dessen heran musiziert, was die Instrumente hergeben können. Das freilich ist deshalb so unmittelbar zu erleben, weil der Klang exzellent geraten ist. Die Instrumente befinden sich in einer guten klanglichen Balance. Nicht vergessen werden darf der Booklettext von Jan Reichow, der in seinen minutiösen Fingerzeigen auf Details der kompositorischen Faktur in der (heutigen) Landschaft der Begleithefttexte alleine dasteht. Er rundet diese spannende Einspielung bestens ab. (Tobias Pfleger 14.09.2011)

So anlässlich der Haydn-CDs in Klassik.com September 2011 – Ähnliches gab es gar nicht so selten, hier ein frühes Beispiel aus dem FonoForum Juli 1988:

Der oft rauhbeinige, immer aber sehr vielseitige Tonfall gerade der frühen Trios von Beethoven gibt den drei Musikern viele Möglichkeiten, individuelle Gestaltungen auch gegeneinander auszureizen, ohne jedoch die Gesamtkontur aufs Spiel zu setzen.Bei einem so klaren und eindeutig erfrischenden Eindruck ist es erfreulich, wenn auch die Präsentation dieser Schallplatten-Edition nicht nur stimmt, sondern geradezu verwöhnt. Das ist eine Seltenheit angesichts so vieler halbherzig-liebloser Kurz-Texte, die man sonst gerade einer CD beigefügt findet. Gäbe es einen »Grand Prix« für einen ebenso originellen wie informativen Plattentext, so müßte er umgehend an Jan Reichow verliehen werden, dessen Begleittext mit der Emphase der Abeggs wetteifert. Und nicht zuletzt ist auch das von Horst Janssen eigens verfertigte Cover ein Pluspunkt. (Hans-Christian von Dadelsen)

Oder noch eine Stimme zur Brahms-CD IV in Klassik heute März 2006

Letztlich ist an dieser Produktion alles auf die unanfechtbare Meisterschaft von Brahms ausgerichtet, künstlerisch und editorisch. Der Autor des in Gehalt und Vielschichtigkeit hervorragenden Einführungstextes – Jan Reichow – nutzt die ihm gegebenen neun Seiten und führt hintergründig und ansprechend den von Liebesleid geprägten jungen Komponisten und die davon beeinflussten Trios zusammen. Wer zu Brahms’ wegweisender Kammermusik bislang (noch) keinen Zugang gefunden hat, sollte spätestens jetzt die Sinfonien und das Deutsche Requiem einmal kurz beiseite legen – mit dieser Aufnahme könnte die Überraschung nicht größer sein. (Tobias Gebauer)

Höchste Zeit, das kompilierte Eigenlob zu beenden, – zuweilen brauche ich halt die Ermutigung von außen, ehe ich versuche, mich meiner selbst anhand uralter Texte zu versichern.

Anlässlich des Abegg-Konzertes in Münster bilde ich hier also einen Brahms-Text aus der LP-Zeit vollständig ab. (Inzwischen CD II, auffindbar unter dem oben angezeigten Brahms-Link). Bitte die Spalten zur besseren Lesbarkeit einzeln anklicken, die Notenbeispiele möglichst auf einer zweiten Seite bereitlegen.

Brahms II a Brahms II bBrahms II c Brahms II dBrahms II fBrahms II gBrahms II h halbBrahms II Noten a+Brahms II Noten b+

Münster am Abend Ludgeri 141104 Fotos: E.Reichow