Kategorie-Archiv: Heimat

In Solingens Wäldern

Geschichten zur Geschichte

Neulich habe ich für den Philosophen aus Solingen Partei ergriffen, als er seine Geburtsstadt zu den langweiligsten Orten der Welt gezählt hatte und nicht nur vom fast unfehlbaren Tageblatt streng getadelt wurde, sondern auch vom Oberbürgermeister, der Wichtigeres zu tun haben sollte. Nun muss ich anfügen, dass der Philosoph allerdings vergaß auf die Schönheiten der Landschaften rings um Solingen hinzuweisen, und soweit ich mich erinnere: auch in der Beschreibung seiner Kindheit („Lenin kam nur bis Lüdenscheid“) darüber kein Wort verlor. Und wenn man noch einige alte Hofschaften kennt oder den Ortsteil Gräfrath, dann weiß man doch auch, was Solingen als Stadt vor der gründlichen Zerstörung im Krieg ausgezeichnet haben muss. Hervorzuheben wäre zudem, dass Solinger Bürger sich heute leichter vor Langeweile schützen können als in Prechts Jugend, da ein inzwischen hervorragendes Orchester existiert, ein beachtenswertes Museum der verfolgten Künste, das unauffällige Museum Plagiarius, das es in sich hat, das Klingenmuseum, zur Ergänzung die hervorragende Schneidindustrie mit ihren Verkaufsräumen. Und schließlich die Nähe der Großstädte Köln, Düsseldorf, Wuppertal, die alles bietet, was am Orte selbst fehlt.

Und doch muss man wohl als erstes vom Bergischen Land, den Landschaften und von den freundlichen Städtchen ringsumher sprechen: Leichlingen, Haan, Hilden, Benrath. So würde ich es auch halten, obwohl mein Stadtteil Ohligs strenggenommen ebenso wie die Nachbarörtchen besonders liebenswerte Lebenswelten bietet, – zumal er zudem den Bahnhof beherbergt, der die Großstädte so leicht erreichbar macht, notfalls also auch als Fluchtwege aus der – provinziellen Langeweile.

Wie komme ich darauf? Weil wir wieder in den Wäldern waren.

Leichlingen SG 10 Leichlingen SG 15Leichlingen SG 1 Leichlingen SG 4 Leichlingen SG 5 Leichlingen SG 6 Leichlingen SG 13 Leichlingen SG 14

(Fotos E.Reichow)

Inschrift auf der Tafel am Altenhof:

Sagen künden von einer Schlacht, die hier in der Nähe des Altenhofes in früherZeit stattgefunden haben soll. Eine „Horde wilder Böhmen“, aufgehetzt durch Philipp von Schwaben, zog plündernd und mordend durch die Bergische Grafschaft. Nachdem sie bei der Belagerung von Bensberg kein Glück gehabt hatten, wandten sich die Böhmen nach Norden und lagerten in der Nähe von Nesselrath. Hier konnten die Ritter von einem Bergischen Aufgebot gestellt und in der sogenannten „Böhmenschlacht“ vernichtet werden. An die 500 Erschlagene sollen die Felder in der Nähe des Altenhofes bedeckt haben. Datiert wird diese Schlacht in das Jahr 1199. Ein möglicher historischer Hintergrund dieser nur mündlich überlieferten Begebenheit war der Thronstreit zwischen dem Welfen Otto von Braunschweig und dem Staufer Philipp von Schwaben. In diesem Streit hatte sich Adolf I. von Berg-Altena auf die Seite der Welfen gestellt und so den Unmut Philipp von Schwabens auf sich gezogen.

Der Altenhof zählt zu den ältesten Höfen in Leichlingen.1589 erschien er erstmals in den Urkunden. Schon 1602 ging er an die Bewohner des nahe gelegenen Schlosses Nesselrath, an die Familie von Ketteler. 1641 findet sich in einer Liste der Schatzgüter der Scheffen zu Leichlingen folgender Eintrag: „Item Wilhelm Kettler hatt ungefehr vor viertzig jahren etliche Lenderey auf der Schatzgüthern zu Klein-Nesselrath und Altenhof in die Freygüther des Stammhauses Neßelrath gezogen“.

Quelle siehe auch hier.

* * *
Wanderung Altenhof 180107 Tafel Böhmen Wuppertal Wanderung Hirschgehege Altenhof 180107  Wanderung Hiirschkuh 180107 Wanderung Blick in Wald 190107  Wanderung Waldweg Glas + 180107

(Fotos JR Huawei)

Nicht weit von hier, in Sichtweite, liegen Gut Nesselrath und die einstige Burg Leysiefen.

Wann die Burg verfiel, ist nicht feststellbar, sicherlich bald nach dem Erwerb durch den bergischen Grafen und mit dem Erstarken der Herrschaft zu Nesselrath. Denn nach 1280 wird die Burg  Leysiefen nie mehr genannt.

Vor dem dunklen historischen Hintergrund wucherten lebendig die Sagen: Von vergrabenen  Schätzen ist die Rede, von einer Räuberherberge, von zersägten  Rittern und von Geistern, die die verborgenen Schätze bewachen. Die Sage weiß auch den Niedergang der Burg zu erklären: ein Junker von Leysiefen versuchte den badenden Elfen von Heribertsborn Kleider zu rauben. Er wurde dabei mit Blindheit geschlagen und fristete fortan auf seiner Burg ein elendes Dasein. Er, der über Schloss, Fischerei und Jagd verfügte, verkam in völliger Armut.

Quelle hier.

Ein altes Bensberger Pfingstlied erzählt Geschichte auf seine (Leichlinger) Weise:

Auf, gebet uns das Pfingstei, 
Hei Rosenblümeleinl 
Und reicht den kühlen Trunk herbei, Hei Rosenblümelein! 
Freu dich, wackres Mägdelein.

Wir kommen von dem Bensberg 
Hei Rosenblümelein! 
Die Heiden stürmten dort den 
Berg, Hei Rosenblümeleinl usw.

Sie wollten han die Veste. Das waren böse Gäste! 
Sie stürmten Thor und Mauer 
Von Pfeilen regnet es ein Schauer.

Und als die Pfeile verschossen sein,  
Da regnet es nieder Mauerstein.

Bergab zog da der Böhmen Zahl  
Bergab ins schöne Wupperthal.

Der Junker Hans war da im Gang,  
Verstand sich auf den Vogelfang.

Die Stadt an dem Wupperstrand  
Ward Leichelingen da genannt.

Sollte ich übersehen haben, dass ich mich gar nicht mehr auf Solingens Boden befand? Manch kühne Reiterin ist uns begegnet, auch zwei Hundeführer und ein ungebremster Mountainbiker – möglicherweise waren wir erst im tiefsten Wald vor allen Gefahren sicher? Und als wir nach Stundenfrist mit dem luciferroten Berlingo, der zwischen den Tannen leuchtete, dort hinter den Leichenfeldern der Vorzeit, die Wupper abermals überquerten, ließ uns die Vergangenheit noch lange nicht in Frieden ruhen.

Wie die alte Eiche starb

In der Nacht vom 20. auf den 21. Dezember 2017

Eiche Frühjahr 1989 a Eiche Doppelbild Frühjahr 1989 b April 1989

Eiche 140414 Eiche 140419 18Uhr51

Oben: Am 19. April 2014 abends 18:51

Reh im Garten 141011Okt 2014 Eiche Juli 2017Juni 2016

Eiche Juni 2016Juli 2017

Vor dem Bau der Häuser wurde der Abhang aufgeschüttet, viele Bäume mussten weichen: nur diese alte Eiche haben wir 1976, als wir hier einzogen, wieder ausgraben lassen; sie wurde mit einem Mantel aus Kies umgeben und konnte über abwärts eingelagerte Plastikrohre im Wurzelbereich bewässert werden. 1989 wollte ich den Garten erneuern, habe alles umgegraben und geglättet. An den Abhang und im Tal hatte ich im Lauf der Zeit an die hundert Bäume gepflanzt (Hainbuchen, Ahorn, Kastanie, Erlen). Aus einem Schmuckgarten wurde nichts, die Wildnis breitete sich aus, wie der Efeu an der Eiche, – ein Vogelparadies. Immer noch grünten einige starke Äste, es regnete sogar noch Eicheln. Bis nun dieser Tag kam, diese Nacht… Dort wo der schwere, efeubepackte Stamm mit großem Gekrache niedergegangen ist, war ich tagtäglich zum Kompost gegangen, dort wo man noch bis vorgestern die Steinplatten von 1989 liegen sah, habe ich im Sommer -zig Schubkarren mit Erde hinuntertransportiert und am steilen Hang abgekippt. Heftige Stürme sind durch die Eiche gebraust, ohne nennenswerten Schaden anzurichten. Vor kurzem noch: der schwere Schnee.

Eiche + Schnee 171210 Eiche, Lampe, Schnee 171210

Und nun dies. Wie die Nachbarn sagten, wohl in zwei Schüben, der erste um 1.15 Uhr, von kleineren Bäumen etwas aufgefangen, gegen 3.15 Uhr der zweite, der auch den Rest niederbrach.

Eiche der Länge nach 171222

Eiche am Boden b

Eiche Bruchstelle b

Die morsche Bruchstelle. Die Wurzeln sind natürlich nicht die der Eiche, denn die befinden sich in drei Meter Tiefe; man sieht nur die des Efeus.

Kuhglocken im Allgäu

Screenshot 2017-10-03 Das Erste Sushi a abrufbar bis 2.10.2018 HIER

3:17 Natürlich kennt der Bauer jede Kuh mit Namen, auch wenn für uns eine aussieht wie die andere. Aber nicht nur das: er kann sogar jede einzelne Glocke zuordnen.

„Wenn die Kuh vom Dunklen in den Stall reinkommt, dann kann ich sagen, welche Kuh da kommt. Weil das hör i ja.“ „Moment, jede Glocke klingt anders?“ „Ja.“ „Und Sie wissen alle, wo die im Stall ihren Platz…“ „Da hat jede ihren Platz, jaja, das weiß die Kuh auch nächscht Jahr no. Die sind ja im  Winter unten im Tal, und im Frühjahr werden sie wieder raufgetrieben, da weiß jede, wo sie war. Darf man nicht sagen: blöde Kuh. 3:57

Screenshot 2017-10-03 Das Erste Sushi b Screenshots JR

Erinnerung an Südtirol (14.09.2017):

Villanders Vorm Melken a  Villanders Vorm Melken c Villanders Vorm Melken d

Villanders Vorm Melken b Sie sind noch nicht lang zurück von der Alm.

Und kennen auch hier ein anderes Leben: Täglicher Auslauf noch im September.

Villanders Auslauf der Kühe In der Ferne liegt Dreikirchen.

Handy-Fotos JR

Kuhglocken im Wallis (Schweiz): HIER

Ziegenglocken in Mittenwald (Bayern): HIER

Spaziergang mit Huawei

Sonntag, 6. August 2017, mittags zwischen Fauna und Gräfrath

Schattenspiel a Schattenspiel b

Schattenspiel c Schattenspiel d Schattenspiel e Schattenspiel f Schattenspiel g

Ich stelle mir also vor: oft begleite mich ein chinesischer Maler namens Huawei, so auch von da oben, parallel der Fauna abwärts. Ohne sein Auge und seine Aufmerksamkeit hätte ich vielleicht gar nichts behalten. Er macht  mich auch sicher in der Frage, ob ich das vorletzte Motiv ein zweites Mal aus der Nähe betrachtet oder nur einen Ausschnitt vergrößert habe. Unvergesslich dank Huawei, aber nicht weltbewegend.

Heimaten

Feld und Wald um Hackhausen

Mai Buchengang 170521

Ein Rundweg, der mir seit 50 Jahren bekannt ist, durch einen lichten Buchenwald, um eine riesiges Kornfeld herum, am Schloss Hackhausen vorbei (das man kaum sieht, nur das Fachwerkhaus nebenan), zurück durch den höhlenartig geformten Hainbuchengang. Ein Rundweg, den man erreicht, wenn man den Viehbach – über die kleine Holzbrücke und unter der Schnellstraße durch – hinter sich gelassen hat. Nach allem was ich am Wochenende gelesen oder im Film gesehen habe (Schamanen in Nepal und der Cracticus nigrocularis in Australien), kann ich nicht umhin, diese Eindrücke als Folie über die Wirklichkeit zu legen: ein schamanischer Rundweg, vergleichbar dem Helikopterflug über das Flußtal Uttar Ganga, hinauf zur Jenseitsgrenze, der abschließende Durchgang durch das mit blauen Steinen geschmückte Nest der Laubenvögel, obwohl diese Landschaft zugleich – seit damals, als ich hier (jenseits des Viehbaches) „sesshaft“ wurde – überlagert und durchsetzt wurde mit Erinnerungen an den Teutoburger Wald (1955) oberhalb Bielefeld und die weite rurale Hügellandschaft auf der Lohe bei Bad Oeynhausen (1950). Ich könnte mir aus echten Erinnerungen und freien Phantasiereisen geradezu einen eigenen Mythos schaffen und diesem magischen Spazierweg heilende Kräfte zuschreiben. Nebenbei gibt es im Buchenwäldchen eine winzige Laube mit dem (wundertätigen?) Marienhäuschen, von dem gesagt wird, der Solinger Sänger Alfons Holte habe es errichtet (jedenfalls regelmäßig gepflegt). Wie gesagt: „könnte“! Es wäre möglich! Ich könnte Kindern und Kindeskindern davon erzählen, als sei es Realität. Eine Botschaft. Allein mir fehlt der Glaube. Unermüdlich der krähende Hahn in einem Garten am Bussche-Kessel-Weg und die fernen Glocken der Kirche St. Joseph in Ohligs. Waldesdunkel. Heute noch findet man hier – wie zum Beweis der ewigen Wiederkehr des Gleichen – eine von Kindern aus Totholz gebaute „Bude“, so wie wir sie einst in Hobergs Busch unweit der Steinkuhle angelegt haben, in der wiederum ein namenloser Bach zwei Molch- oder Frosch-Teiche gebildet hatte, die wir aufsuchten, wenn unsere kleinen Scherbengärtchen am bemoosten Fuß der Buchen fertig ausgestaltet waren. Schöne Nester! Ja, hier im Dickicht der Mythos der Kindheit, und dort oben die Bedrohung in riesiger Wolkengestalt, Kraftwerke bei Dormagen oder weiter in Richtung Niederrhein. Allzuwenig Blüten im Krautbereich der Wiese und am Rand des Roggenfeldes. Weder Kamille noch Mohn oder Kornblume. Doch die Waldrandgebiete sind immer noch akustisch markiert als Herrschaftsbereich von Zaunkönig und Rotkehlchen. Dieses beobachtet seit alters den Menschen mit Sympathie bei der Gartenarbeit, hat das allerdings, wie mir Kenner erzählten, hier draußen bei den Wildschweinen gelernt. – Also die übliche Mischung aus Wirklichkeit und meinen Projektionen.

Mai Buchenwald 170521

Mai Kiefern 170521 Mai alre Eiche 170521

Mai Feldweg 170521 Mai Wiese Wolke 170521

Mai Waldfachwerkhaus 170521 Mai Gundermann 170521 Alle Fotos oben: ER

Hackhauser Mai 2017 b Überquerung Viehbach (Styx)Hackhauser Mai 2017 x In Erwartung der MaikäferHackhauser Mai 2017 k Kinderversteck

Hackhauser Mai 2017 j Kraftwerke

Hackhauser Mai 2017 e  Hackhauser Mai 2017 y Fotos Handy JR

1952 (nicht ohne meine Katze)

Lohe Katze Blickrichtung: Hobergs Busch.

2017 Die Bilderwelt von damals – für immer.

Mai Holunder JR 170521 Fast der Weg („Foor“) in die Steinkuhle.

Dank an JMR für das schöne Wort „Heimaten“, das er (mit „th“) bei Adalbert Stifter fand:

»… und Vögel flogen nach diesen und jenen Richtungen, wie nach verschiedenen Heimathen«

Besuch im Garten

Bloße Statistik zur allmählichen Ergänzung (privat)

Bussardnest a' In der Astgabel dort oben?

Eigentlich keine Besucher, sie wohnen alle hier, ganz in der Nähe. Und zwar auch der Mäusebussard, er mit Weibchen schon seit 2-3 Wochen (Nest in der Nähe s.o.), die Singvögel regen sich seinetwegen nicht auf, ständig ist sein „hiäh“ zu hören. Natürlich hält er zu uns Distanz. (Anfang Juli hört man den oft wiederholten Ruf- bzw. Pfeifton eines Jungtieres im Nest oder dort in der Nähe.)

Mäusebussard b 170417  Mäusebussard

Habicht oder Bussard 170417

Gimpel a 170417 Gimpel (Dompfaff)Gimpel b 170417

Rotkehlchen 170419 Rotkehlchen

Liste zur allmählichen Vervollständigung: Buntspecht, (oder Mittelspecht?), Kleinspecht, Rotkehlchen, Wintergoldhähnchen (fraglich), Girlitz, Kohlmeise, Blaumeise, Weidenmeise, Schwanzmeisen, Mönchsgrasmücke, Heckenbraunelle, Kleiber, Zilpzalp, Zaunkönig, [der Gelbspötter ist wieder da: 29.04.17], Türkentaube, Elster, Eichelhäher. [07.05.17 – Übrigens kann ich mich mit dem Gelbspötter geirrt haben; er ist nicht mehr zu hören; aber Stare sind seit Anfang Mai da! ] Schwarzdrosseln selbstverständlich, 1 um das Haus und in der Umgebung beherrschend. Singdrossel sehr stark im Juni. Erst seit Ende Mai (Hitzephase) habe ich in der Dämmerung Fledermäuse bei der Jagd beobachtet, Zickzackflug zwischen alter Eiche und Nachbars Garten. In früheren Jahren habe ich sie weiter außerhalb über dem Sumpfgelände gesehen. 1 Fledermaus im Schlafzimmer. Am 7.7. zum erstenmal nach langer Zeit wieder eine (kleine!) Gruppe von Mauerseglern gehört.

Wie die Bussarde zum erstenmal in diesem Jahr: zwei Rabenkrähen. Schwer zu erwischen (alle Fotos durchs Doppelglas-Fenster), sie bleiben nur Sekunden:

Krähe April 2017 Ebenso die Elster:

Elster 170517 kl

Ich weiß, es ist nicht unproblematisch, jetzt noch Futter bereitzustellen. Andererseits gibt es gute Gründe – und den Versand „Vivara“. (NACHTRAG: Pro Vogelfütterung siehe NATUR Sonderheft „Vogelwildes Deutschland“ Mai 2017 Seite 42 – der Ornithologe Peter Berthold im Gespräch mit Sebastian Jutzi: „Wer füttert, hilft den Vögeln. Sie haben besseren Bruterfolg, mehr Junge überleben, sie sind kräftiger, die Tiere kommen besser durch den Winter und so weiter.“ Achtung: dieser Ratschlag gilt nicht für den öffentlichen Raum der Kommunen; dort gelten eigene Regeln, die strikt eingehalten werden müssen, Zuwiderhandlungen können bestraft werden. 

Vogelstimmen abhören: hier und hier.

Filmempfehlung: „Wie Tiere fühlen“ auf ARTE HIERNoch bis 12. Mai 2017!

ARTE Screenshot 2017-04-18  oben auf HIER klicken

Als Ergänzung zu dem Thema „Empathie bei Tieren?“: die Grundlagen könnten „mechanischer Natur“ sein, wenn man von der Ameisenforschung ausgeht. In einem ZEIT-Bericht über die größte Ameisenart Megaponera in der Savanne an der Elfenbeinküste erfährt man, dass diese Tiere Termitenarbeiterinnen jagen, die allerdings von wehrhaften Termitensoldaten geschützt werden. Mit ihren Mundwerkzeugen werden diese Wachposten selbst der Riesenameise gefährlich. „Über Jahrtausende haben sich die beiden Arten aufeinander eingestellt. Entwickeln die einen wehrhaftere Soldaten, musste die andere mit geschickteren Jagdstrategien nachziehen.“ Es gibt regelrechte Schlachtordnungen mit Toten und Verletzten, wobei das Besondere bei den Ameisen ist, dass die verletzten Individuen wieder mit zurück zum Nest getragen werden. Das ist erstaunlich. „Zwar konnten Forscher schon höher entwickelte Tiere wie Schimpansen oder Delfine beim gegenseitigen Helfen beobachten, doch erstmals weist [Erik] Frank nun in der Klasse der Insekten ein vergleichbares Verhalten nach. Generell wird bei Ameisen davon ausgegangen, dass das Individuum wenig zählt, die Kolonie dagegen alles. Wieso helfen die Ameisen verletzten Artgenossen dann überhaupt? Die Antwort hängt mit der Populationsdynamik dieser Tiere zusammen. Ihre Kolonien bestehen aus wenigen Hundert bis 2400 Tieren, pro Tag schlüpfen durchschnittlich nur 13 Tiere. Da eine Truppe drei- bis fünfmal täglich zum Beutezug ausschwärmt, würden die durchschnittlich zu erwartenden Verluste bald das Ende der Kolonie bedeuten. Allein gelassen stürbe nämlich rund ein Drittel der Verletzten.“

Quelle DIE ZEIT 20. April 2017 Seite 38 Verletzte ins Lazarett Ein deutscher Biologe beobachtet in der Einsamkeit der afrikanischen Savanne die größten Ameisen der Welt – und lüftet ihr Überlebensgeheimnis. Von Fritz Habekuss.

Man findet eine Beschreibung dieses Verhaltens aber auch schon in dem oben verlinkten Wikipedia-Artikel (folgendes Zitat ist leicht gekürzt):

Cooperative self defence

While cooperative defence of the nest is well known in ants, cooperative self-defence outside of the nest is much less so. When M. analis ants are attacked by driver ants outside of the nest, they cooperate with one another in an attempt to defend themselves by checking each other’s extremities for enemy ants and removing any that are clinging to their legs or antennae.

Saving injured individuals

During the battle against termites some of the ants get injured. The termite soldiers are able to bite off extremities or cling on to the ant body after their death. These ants have evolved a unique mechanism to deal with this increased foraging cost. After the battle injured ants „call“ for help with a pheromone in their mandibular gland (consisting of two chemical compounds: Dimethyl disulfide and Dimethyl trisulfide). This attracts nestmates which then start to investigate the injured nestmate and pick her up. By carrying these injured ants back they reduce their mortality by 32% to close to zero. Inside the nest the clinging termites get removed. In case they lost one or two legs the ants adapt to a four or five legged locomotion to compensate for it, allowing them to reach running speeds similar to a healthy ant. These injured ants are then capable again of performing colony tasks and are even observed in future raids against termites. A model calculated the value of this helping behaviour to allow a colony to be 28.7% larger than a colony that would not show this behaviour (due to the energy saving by not having to replace the injured workers with new healthy replacements). This is the only invertebrate species known to show such a behaviour towards injured individuals.

Siehe auch hier. (In: „Bild der Wissenschaft“ 13.4.2017)

Ausblick: Zum Schutz der Vögel

Vogeljagd Solinger Tageblatt 25.4.2017

Siehe auch HIER (FAZ). Stichwort: Empathie für Vögel, Urlaub auf Malta oder Zypern?

Zitat aus dem Editorial der Zeitschrift NATUR

Geflügelter Bote

Bei Licht betrachtet sind unsere Sing- und Greifvögel, Wasser- und Rabenvögel die einzigen Wildtiere, die in unserem Alltag präsent sind. Der Rothirsch sitzt nur bei den wenigsten auf dem Gartenzaun, der Fuchs zwitschert kein Lied zum Frühstück und auch Seehunde tauchen nicht unbedingt ihre Schnauzen in Gartenteiche.

Vögel sind damit Boten der Natur. Sie erinnern uns, dass wir nicht allein auf diesem Planeten sind. Ihre Zahl, der Zustand der Populationen, ihr Verhalten sind ein Gradmesser für den Zustand der Welt. Wenn kein Gesang mehr ertönt, kein Flattern uns mehr umgibt, ist es Zeit, sich ernsthaft Sorgen zu machen.

Quelle Editorial der Zeitschrift NATUR, Autor: Peter Laufmann Mai 2017 Sonderausgabe  „Vogelwildes Deutschland“ Reguläres Mai-Heft siehe Hier.

Ergänzung der Statistik 24. Mai 2017: Inzwischen führt schon eine Füchsin ihren Nachwuchs in Nachbars Garten spazieren. In früheren Jahren kam auch eine Rehmutter mit ihrem Kitz; sie hatten ein Nachtlager unterhalb der alten Eiche.

Garten 141011 b Reh

Auch ein Todesfall ist zu beklagen (31.5.2017):

Specht tot

Nachts 20. Juni 2017 Fledermäuse, Glühwürmchen, tags darauf 2 weiße Schmetterlinge (nicht Kohlweißlinge). Später auch ein Zitronenfalter.

Individualist op hoge See

Rainer Prüss

Prüss Hardanger gr … …Prüss individualisierte Gesellschaft … …Pruess Denkzettel 12 Screenshot 2017 … …Pruess Web Screenshot 2017-02-02 HIER anklicken! Bio extra.

(Alle Fotos ©Rainer Prüss, Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung, JR)

Ich kenne wenig Leute (genauer: keine) von dieser Kreativität, und zwar schon sehr lange, nur dass ich es vor 40 Jahren noch nicht erkannt habe. Da sah (hörte) ich nur 1 Facette, und in seiner Bio-Trilogie gehöre ich innerhalb der Musik wohl in die Radio-Sparte: „Auftragskompositionen und Produktionen für RB, NDR, WDR, tätig als Rundfunk-Moderator (WDR), Sprecher (RB), Juror (WDR, mdr).“ Da gibt es bestimmte Musiktitel, die ich durch die drei Moderatoren von „Liederjan“ kennengelernt habe und die bis heute weiterwirken. Unvergessen: „Jimmy Clay“ von Patrick Sky (aber die Fassung mit Fiddle). Wahrscheinlich gab es wenig Überschneidungen in unseren Plattenschränken, gerade das war gut so! Begonnen hatte es jedenfalls mit der „Zupf-Streich-Zieh und Drückmusik“ im Rheinischen Landesmuseum, als mir der sympathische Sprecher der Gruppe auffiel, mit seinem schönen friesischen Akzent. Wann war das? Muss bald nach meiner Festanstellung im WDR (1976) gewesen sein. Ein „Flensburg Journal“ hat das merkwürdige Original-Genie 2014 zu würdigen gewusst:

Rainer Prüß – Was noch?

ZITAT (privat)

soso, Du warst also auf Spurensuche und bist im Flensburg Journal fündig geworden… ja, das ist wirklich nett geschrieben und faktisch fast korrekt, nur dass ich, weil ich englisch Skinny Minny singen konnte, bei Paul A. Grimmke anfangen durfte, der selber stattdessen eine gute Ronny-Stimme hatte…
und die Zupf- Streich- Zieh- und Drückmusik muss zwischen 76 und 78 gewesen sein. Den Ort Rheinisches Landesmuseum hätt‘ ich gar nicht mehr gewusst, aber ich weiß, dass wir beeindruckt waren, dass Du unser einfaches Zeugs sogar für den „Rundfunk“ haben wolltest. Das hat uns in unserem musikalischen Tun sehr bestätigt! Dafür kommt hier noch mal ein verspätetes Danke! Manche Einflüsse werden einem ja erst später bewusst.
R.P.
Und das Neueste:
Prüss facelook Screenshot 2017-02-03

Seit heute Morgen

ohligser-heide-20161129_115133-jr JR (Huawei)

Ohligser Heide: Drei-Insel-Teich 29. November

Mehr

P.S.

Übrigens habe ich heute Morgen beim Spazierengehen beschlossen, einen eingeschliffenen Fehler aufzugeben. Aber zugeben werde ich ihn – an dieser Stelle – erst morgen. Vorläufig nur eins: das ist mein Teich, in dieser Farbe, die ich nicht benennen kann; die Luft über ihm kalt, das Wasser in Ufernähe von einer sehr dünnen Eisschicht bedeckt.

Aber was mich weit mehr verfolgt, ist etwas ganz anderes, immer noch, die Suche nach der kleinen gelben Mauerecke, obwohl ich sie doch schon vor 20 Jahren aufgegeben habe, sozusagen auf Anraten der ZEIT-Autors Dieter E. Zimmer, der diesen einen Aufsatz in der Süddeutschen Zeitung veröffentlichte (Weihnachtsausgabe). Ich habe das niemals vergessen. Aber jetzt ist Neues dazugekommen. Einstweilen können Sie ruhig noch suchen, liebe Leserinnen und Leser, nach Prousts „petit pan de mur jaune“ auf Vermeers „Ansicht von Delft“, wie ich einst in dem Proust-Bilderbuch, das ich wohl in den 60er Jahren geschenkt bekommen hatte: „Le Monde de MARCEL PROUST“ (1960) von André Maurois. Hier ist die betreffende Seite, – ein ungelöstes Rätsel. Und genau hier, zwischen des Seiten, fand ich auch den Original-Artikel von Dieter E.Zimmer wieder, nach dem ich ihn schon vorher im Internet gefunden hatte.

proust-maurois Sie monieren mit Recht, dass das Bild nicht vollständig ist. Ich wollte mich ja nur glaubwürdig machen, nicht die Kopie des ganzen, ungeteilten Bildes verstecken. Zunächst aber noch etwas zur Glaubwürdigkeit: der Artikel von damals!

zimmer-proust-artikel

vermeer-ansicht-von-delft

Durch Klicken vergrößern. Noch größer bei Wikimedia HIER.

Allerdings: wir sind auf meine recht zufällige Papiersammlung nicht angewiesen, den Mauerstück-Artikel findet man leicht auf den vorbildlich geordneten Seiten der Zimmerschen Web-Präsenz http://www.d-e-zimmer.de/ oder – wenn Sie dort zu versinken drohen – springen Sie doch sofort hinein in den Link des Artikels: Hier. Und lassen Sie sich dann später noch viel Zeit für die Räume, die sich bei Zimmer auftun. Aber kommen Sie auch zurück: ich habe noch eine Arbeit, die über den Proust-Vermeer weit hinausführt.

Innerhalb der Recherche findet sich eine kurze Geschichte, die von einem Mauerstück handelt, „un petit pan de mur jaune“, das Proust in Vermeers Ansicht von Delft verortet. Die achtfache Konfiguration des „pan de mur jaune“ faltet den achten Band der Recherche in sich selbst zu einer scène en abîme, in der die Schriftsteller-Figur Bergotte stirbt, doch seine zu dreien angeordneten Bücher den Anschein einer Auferstehung erwecken. Nicht das Wort wird Fleisch, sondern umgekehrt, bei Proust wird das Fleisch, wenn es in Stücke zerfällt, Wort. Mit der Auferstehungsszene des Neuen Testaments, die als Erfüllung der Prophezeiung des Alten Testaments zu den Präfigurationen par excellence zählt, thematisiert Proust die Technik der Präfiguration – im Licht der Antizipation seines eigenen Todes.

Im Originaltext findet sich bei dem Wort „Präfiguration“ eine kleine hochgestellte 1, und die entsprechende Anmerkung bezieht sich auf Erich Auerbach und eine Frage, die mich kürzlich bei Dante beschäftigt hat. Siehe hier beim Stichwort „Figur und Erfüllung“. So schließt sich ein Kreis. Die entsprechende Anmerkung im vorliegenden Text lautet:

Hayden White verdeutlicht die Rolle der Präfigurtaion (sic!)  und ihrer Erfüllung im literarischen Text bei Auerbach, der seinerseits in Mimesis immer wieder auf Beispiele aus der Recherche eingegangen ist : „In other words, it is not a matter of an author having an experience, of a historical milieu and then representing it, in a figurative way, in his text. On the contrary, the experience is already a figure and, insofar as it will serve as a content or referent of a further representation, it is a prefiguration that is fulfilled only in a literary text.” (White: Figural Realism , a.a.O., S.93.)

Der Text, aus dem diese Zitate stammen, ist insgesamt – der Farbe Gelb gewidmet. Sie stehen auf der ersten Seite des dritten Kapitels: Kapitel 3 „un petit pan de mur jaune“: Eine Kurzgeschichte in der Recherche (Proust). Die ganze Arbeit, eine Dissertation aus dem Jahre 2005, trägt den Titel:  Gelbe Momente / Ästhetische Materialität in Hofmannsthal und der Avantgarde. Der Name der Autorin ist Sabine Doran. Inhaltliche Übersicht hier, vollständiger Text des Proust-Kapitels hier.

Sie sehen, es wird schwierig. Dieter E. Zimmer hat nicht einfach recht mit der abschließenden Version, dass es keine Rolle spielt, die kleine gelbe Mauerecke (oder was auch immer) auf dem Originalbild dingfest zu machen. Es ist ähnlich wie mit dem kleinen melodischen Motiv, – ob man es nun bei César Franck oder bei Reynaldo Hahn aufdeckt: spielt etwa das Foto und der Name eines bestimmten brasilianischen Mädchens eine Rolle, wenn es um die Melodie „The Girl of Ipenama“ geht“? Ob aber Vermeers junge Dame Perlen wiegt oder kleine gelbe Goldstücke, die linker Hand auf dem Tische vor ihr liegen, das ist durchaus von Bedeutung… Und was ist aus Sabine Doran geworden?

goldwaegerin-von-vermeer Vergrößern bei Wikimedia hier

Die Seitenangabe des Adorno-Zitates auf der letzten Seite des Doran-Kapitels darf ich korrigieren, es ist nicht 371, sondern 369 (meine Ausgabe stammt allerdings nicht aus dem Jahr 1982, sondern 1966, was aber wohl für die Seitennummerierung keine Rolle spielt).

Adorno über „Fülle“

adorno-nihilismus-fuelle

PPS:

Erstens schreibe ich im Post-Postskriptum nichts über die Farbe der Bäume am Drei-Insel-Teich, wie ursprünglich geplant. Zweitens erwähne ich nicht das allererste Schreibmotiv des vorgestrigen Morgens: ich schreibe „heute morgen“ sowieso nicht mehr klein, wie es vor 1996 noch korrekt war und 20 Jahre von mir beibehalten wurde. Drittens schaue ich mir zum Trotz weiterhin Original-Schauplätze mit oder ohne Gelb an:

le-monde-de-marcel-proust Librairie Hochette 1960

2. Dezember 9.00 uhr

Gewissermaßen über Nacht hat Google in meinem Smartphone gearbeitet und aus einer kleinen Serie von Fotos, die ich am Drei-Insel-Teich gemacht habe, ein Panorama-Foto hergestellt. Kunst, für die ich nichts kann. Ist der Wasserspiegel nicht leicht konkav gewölbt? Google sucht Kontakt zu mir, ich soll was uploaden. Auf dass mir regelmäßig solche Kunststücke gelingen! Bitte anklicken, – Wunder der Natur…

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