Schlagwort-Archiv: Rassismus-Verdacht

Schwarz-Weiß-Malerei

Neger (Ernst & Unernst)

Der deutsche Name Neger stammt vom Begriff Näher ab,“ lese ich im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 24. Juli, „er hat nichts mit dem ethnischen Wort Neger (von negro: schwarz) zu tun. Aber die Kunden mochten sein Logo, und Ernst Neger behielt es auch bei, als er so bekannt war, dass er keines mehr brauchte, dank seines Fastnachtshits: Humba Täterä.“

Ich habe den Beitrag „Wer Böses dabei denkt“ (über geschwärzte Gesichter im Theater, den Sarotti-Mohr, das Logo der Firma Neger etc.) in das Buch „Unser Shakespeare“ von Frank Günther gelegt, Kapitel (Seite 94-118): „Othello, der POC von Venedig oder Pippi Langstrumpfs neuer Papa oder vorauseilender Nachruf auf ein bald unspielbares Stück“. Doch weiter im SZ-Magazin:

Als er das Lied 1964 zum ersten Mal sang, musste die Sendung Mainz, wie es singt und lacht um eine Stunde überziehen, die Leute wollten sich einfach nicht beruhigen. Humba schwang sich zur Fastnachtshymne auf, überall war es zu hören, selbst in Akrika, wo es, wie der Spiegel schrieb, allerdings missverstanden wurde: „Deutsche Entwicklungshelfer mussten Aufklärungsarbeit besonderer Art leisten. Die Eingeborenen hielten den Song im stampfenden Rhythmus für die deutsche Nationalhymne.“ Ob der Spiegel das wohl heute auch so schriebe?

Damals nahm niemand daran Anstoß, so wenig wie an Ernst Negers Logo, das jahrzehntelang über den Dächern der Stadt thronte.

Quelle Süddeutsche Zeitung Magazin: Wer Böses dabei denkt / Geschwärzte Gesichter im Theater, der Sarotti-Mohr, das Logo der Firma Neger: Was ist harmlose Tradition, was Alltagsrassismus? Eine Deutschlandreise / Von Thomas Schmoll und Lorenz Wagner. (S.16 f)

Zur Ehre des Spiegels sei gesagt, dass die betreffende Meldung damals (am 16.12.1968) anders lautete, nämlich so:

TONI HÄMMERLE, 53. Am Klappenschrank fielen dem blinden Telephonisten der Gießener Universität, der 1933 ein Staatsexamen als Musiklehrer bestanden hatte, Texte und Melodien zu Karnevals-Liedern ein. Die Fernsehsendung „Mainz wie es singt und lacht“ machte Hammerle-Lieder — wie „Hier am Rhein geht die Sonne nicht unter“ und „Mir hawwe immer noch Dorscht“ — zu Schlagern. Zum nationalen Schlachtruf in Fußballstadien und bei allen lauten Festivitäten wurde „Humba, humba täterä“. „Bild“ wußte über Hämmerles Erfolg gar zu berichten: „In Afrika hatten deutsche Entwicklungshelfer Mühe, Eingeborene im Busch davon zu überzeugen, daß ‚Humba humba täterä‘ nicht die deutsche Nationalhymne ist.“ Unter den Mainzer Amateur-Karnevalisten war Toni Hämmerle der Spitzenverdiener: Allein das „Humba“-Lied brachte ihm 60 000 Mark an Tantiemen ein.

Also: es war natürlich die Bild-Zeitung, die das aufgebracht hat. Aber rund 20 Jahre später weiß das selbst der Spiegel nicht mehr und schreibt im Nachruf für Ernst Neger (23.01.89):

Den unsterblichen Ruhm errang der Besitzer von 1000 blechernen Karnevals-Orden und einer Gutenberg-Plakette jedoch weder mit „Rucki-Zucki“ noch „Babberlababberlabab“, sondern seinem 64er-Hit „Humba, humba, täterä“, der eine enthemmte Fernsehnation in Hysterie versetzte. Deutsche Entwicklungshelfer in Afrika mußten anschließend Aufklärungsarbeit besonderer Art leisten: Die Eingeborenen hielten den Song im stampfenden Rhythmus für die deutsche Nationalhymne. Ernst Neger starb am vorvergangenen Sonntag in Mainz.

 Woher ich das weiß? Ich bin den Quellenangaben bei Wikipedia nachgegangen, siehe hier. Siehe dort unter „Einzelnachweise“. Auch eine Zeile drüber findet man Sehenswertes: „Typisches Humba-Ritual im Fußballstadion“. Aber wohlgemerkt: ich referiere nur und bin nicht für Schmerzensgeld zuständig.