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Albinonis Ohrwurm

Wo kommt er her, wo will er hin?

Eine Stoffsammlung (keine Bewertung)

Wikipedia hier Artikel „Adagio g-Moll (Giazotto)“

Im Artikel sind erstaunliche Beispiele abzurufen:

Passage aus dem ersten Satz von Mozarts Hornkonzert Es-dur KV 495

Thema des zweiten Satzes (Adagio sostenuto) aus dem Klaviertrio Nr. 1 Es-Dur op. 33 von Louise Farrenc

Adagio ma non troppo (Arioso dolente) des 3. Satzes von Beethovens Klaviersonate Nr. 31 As-Dur op. 110

Weitere Anklänge:

J.S.Bach Johannes-Passion Aria „Es ist vollbracht“

Im Zusammenhang mit dem „Albinoni“-Stück wird auch gern auf Bachs Air (BWV 1068) verwiesen, wohl nur wegen des Bass-Ganges (Pizzicato, schreitend, „walking“).

Beethoven: Cellosonate op.69 A-dur,1.Satz; Übergang zur Durchführung (bis Reprise)

Bei Beethoven in ähnlicher Funktion das neue „Thema“ der Durchführung der Klaviersonate Nr.9 op.14/1 E-dur  (abgeleitet aus dem zweiten Thema des Werkes).

Von Karajan zu Udo Jürgens

Commentary enthält irreführenderweise die Komponistenangabe: Samuel Barber (?), weil auch dessen berühmtes Adagio wohl auf der LP enthalten ist.

(Alternative Youtube-Wiedergabe mit biographisch auf U.J. bezogenen Fotos & Filmausschnitten https://www.youtube.com/watch?v=3kuu8xMO7k0)

In diesem Zusammenhang gern genannt: Adagio aus dem „Concierto de Aranjuez“ von Joaquin Rodrigo.

Wieder bin ich bei der Frage, ob die Sequenz vom Teufel ist. Oder ein Segen, wenn sie sich in Grenzen hält. Wie wärs mit einem Titel wie „Glanz und Elend der…“ etc.etc.

Seit kurzem liegt wieder (für frühe Morgenstunden) eine Lieblings-CD im Gerät: „Lieder, die mich meine Mutter lehrte“ mit Magdalena Kožená, ich würde gern definieren, weshalb ihre Stimme mich so ergreift, – oder ist es die Melodie eines bestimmten Liedes? Ich überlege, was mich meine Mutter gelehrt hat. Für Musik war sie absolut nicht zuständig, auch geschmacklich, deshalb vergesse ich es auch nicht: „Waldeslust“, – kitschiger geht es nicht. Der doppelte Schleifer „Lu-hu-hust“ und diese unselige Sequenz: „…meine Mutter, die liebt mich nicht, meinen Vater, den kenn‘ ich nicht, und sterben mag ich nicht, bin noch zu jung“ – das war so stark, es war Krieg, und sie dachte an ihre harte Kindheit mit dem überstrengen Vater. Heute habe ich immer wieder bei Tr. 23 angesetzt. (Reinhören? Bitte hier!) Diese Melodie erinnert mich an das „Motto“ der Frühlingssinfonie von Schumann, und an die Zeit, als ich aus der Violinsonate d-moll op.102 (1851) nur den Satz kannte, in dem eine schlichte einfache Choralmelodie, so schien es mir, in bloßen Pizzicato-Akkorden angedeutet wird… (siehe hier ab 18:14). Und ich übte in der Küche bei meiner Mutter. Das liegt wohl  70 Jahre zurück. Das Gegenteil von „Lu-hu-hust“. Handfeste Frage heute: ein Plagiat etwa, eine Anleihe von Dvořák bei Schumann?

„Abendlieder“ op.3 & op.31 (1876)

Dvořáks Lied entstand rund 25 Jahre später als Schumanns Sonate, und auch zufällige Überschneidungen sind bei einem so schlichten Duktus nicht unwahrscheinlich, zudem: Wendungen aus dem Abendlied schlechthin: „Der Mond ist aufgegangen“ bzw. „Nun ruhen alle Wälder“.

Zitat aus dem (auch für Laien sehr empfehlenswerten) Lehr- und Lernbuch „Abenteuer Musik“ von Clemens Kühn:

Bei allem Respekt: ich kenne seine Informantin („Musikliebhaberin“) nicht, aber ich wette, dass sie beim Grieg-Hören nicht diese Melodie am Anfang der „Moldau“ erinnert, sondern die später in demselben Werk auftauchende Version in Dur. Ohne diese Annäherung wäre eine Assoziation von der „kreiselnden Melodie“ zur geradlinig aufsteigenden plus Halbtonschritt (bei Grieg Ganzton!) kaum denkbar.

Mehr zu diesem „Melodietyp“, ja, vielleicht sogar mehr als genug, in diesem Blog an anderer Stelle: hier.

Und jetzt noch das Urbild aller aufsteigenden Sequenzen … … … …

Nein, im Ernst, das ist nur ein Blatt meiner täglichen Fingerübungen am Klavier von Andrej Stojanow. Aber erkennen Sie denn nicht auch das Gerüst der schönsten und berühmtesten Sequenz der neueren Musikgeschichte, ich meine in der zweiten Zeile, beginnend mit dem dritten Sechzehntel c“‘? Schimmert es nicht deutlich durch? Oder heraus? „Nessun dorma“, die Arie des Prinzen Kalaf aus Puccinis „Turandot“. Ich höre es innerlich fortwährend, es ist ein Ohrwurm sondergleichen, und ich kann nur staunen, wie er immer aufs Neue aufsteigt, um immer aufs Neue in einem Strahlen aufzugehen, dessen Fortgang rätselhaft bleibt. Schlafen Sie nicht, ich muss das doch wohl nicht verlinken. Sonst kommen Sie mir noch auf die Schliche.

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Anregung: betr. Ohrwürmer nachzuhören WDR 3 hier von Michael Arntz (bis Mai 2023) z.B ab 00:11:03 „Mind Wandering“ (unzufrieden – die Gedanken kreisen lassen).