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Entwarnung für Erdmännchen

Reagiert Suricata auf eine Melodie?

Ich habe die Töne im ZDF-Film mit Dirk Steffens nur von diesem gehört, nie von einem der Erdmännchen oder gar von dem starken Weibchen dieser (aus Menschensicht) drolligen Tierart. Auch bei Wikipedia hier erfahre ich nichts über die musikalische Wechselwirkung zwischen Mensch und Tier, obwohl es dort immerhin ein Tonbeispiel der Warnrufe gibt:

Der Fernsehfilm von gestern Abend ist noch bis Februar 2022 in der Mediathek des ZDF abrufbar, vielleicht hilfts, machen Sie doch die Probe: HIER ca. 2:40 bis 9:40.

Pressetext: Doku | Terra XSüdafrika – Überlebenskampf zwischen den Ozeanen. Vor der Küste Südafrikas treffen zwei Ozeane aufeinander. Ihre Strömungen prägen das ganze Land, von der Kalahari bis zu den Savannen. Dirk Steffens begleitet Forscher zu den Erdmännchen und eine Anti-Wilderer-Einheit bei ihrem Einsatz für die Nashörner.

 Screenshot aus dem ZDF-Film

Springen Sie auf 3:08, Dirk Steffens hat soeben das Auto verlassen und meint, es seien „die sympathischsten Tiere in der ganzen Kalahari“. Ich kenne sie nur aus der Solinger Fauna, ehrlich, und fand sie possierlich, so wie sie dastanden und nach Gefahren Ausschau hielten. Aber bei Dirk Steffens faszinierte mich plötzlich nur noch das melodische Motiv, was hat es denn damit auf sich? Sobald er den eben zitierten Satz gesagt hat, hört man den rhythmisierten Terz-Sprung von Fagott oder Oboe, der sofort motivisch umwickelt wird, der Filmkomponist meint es vielleicht allzu gut. Und bei 3:33 erklärt Steffens: man muss es summen, und summend geht er auf die Tiere zu: „Seit 25 Jahren nähert sich niemand diesen Tieren, ohne zu singen“, sagt er, und das Orchester beginnt ihm wieder leise zu antworten, eine kleine Polyphonie, und auch sein „Hallo, guten Morgen!“ tut Wirkung: „Ich kann ganz nah rangehen.“ Die Erdmännchen sind nämlich habituiert. Die Tiere sind an den Menschen gewöhnt und lassen sich in ihren Lebensgewohnheiten nicht weiter stören, ein ideales Studienobjekt. Nur über die spezielle Tonfolge erfahre ich weiter nichts. Könnte es z.B. auch eine andere sein? Man darf sie offenbar transponieren. Dürfte man auch einen weiteren Ton einbeziehen, das Motiv anders rhythmisieren? Ich nehme mir vor, bei der Verhaltensforscherin, die den Fernsehmann begleitet und beim Namen genannt wird, weiteres in Erfahrung zu bringen. Sie heißt Marta Manser.

 Dirk Steffens und Forscherin Marta Manser

Es gibt einen Bericht in der Neuen Zürcher Zeitung vom 10.02.2015: Der Ruf der Erdmännchen. Die Erdmännchen, welche die «fleischfressende Insel» in der fabelhaften Romanverfilmung «Life of Pi» bevölkern, sind computeranimiert. Ihre Stimmen aber sind echt. Dafür sorgte Marta Manser von der Universität Zürich. Nachzulesen hier. Aber zu hören gibt es die Stimmen nicht. Allerdings gibt es da noch eine Sendung im SRF über „Martas Welt“ am 11. Oktober 2015, abrufbar hier , im Film bei 4:48 wieder das Stichwort „habituiert“, – aber ohne Motiv. Erst bei 9:54 und nicht auf Publikum berechnet, summt die Mitarbeiterin Samantha genau unsere Töne, als sie die Erdmännchen eins nach dem anderen mit Wasser und etwas Ei auf die Waage zu locken beginnt. Keine weitere Erklärung. Erst bei 13:00 – „zurück in die Forschungsstation“ – erfährt man etwas, in Zürich, wo bereits „Tausende von Aufnahmen abgespeichert sind“. 13:22 Beispiele von Alarmrufen…. der eine heißt: „Ich unterwerfe mich“, der andere „Weg da!“. Aber genau wo es ins Detail gehen sollte, wie ich finde, sagt der SRF-Sprecher: „Ich merke, Marta geht in ihrer Welt ganz schön ins Detail“ und blendet sich aus.

Aber meine Hoffnung ist groß, dass ich auf anderem Weg in Zürich noch fündig werde…

Es könnte sich um einen menschlichen Denkfehler handeln, und jedes andere, nur gesummte Motiv könnte den gleichen Effekt auf Erdmännchen haben: Entwarnung.

Oder falscher Alarm? Alles nur aufgebauscht? Es geht jedenfalls nicht nur um die attraktiven Vogelstimmen im Frühling (auf den ich warte):

 

Mehr über Meerkatzen (im Deutschen das falsche Wort!) bei „The Kalahari Meerkat Project, KMP“ hier . Dort wird neben dem Initiator des Projekts, Prof. Tim Clutton-Brock (Cambridge), auch Prof. Marta Manser (Zürich) genannt.

*    *    *

Am Sonntag lief die ZDF-Sendung „Terra X“, heute ist Mittwoch, und ich wache auf mit zwei erfreulichen Gedanken, von denen der zweite so banal ist, nein: scheint, dass ich ihn kaum zu verschriftlichen wage, um nicht alles andere zu entwerten. Durch einen komischen Effekt, den ich nicht erwartet oder gar beabsichtigt habe. Daher zögere ich, den Link zu setzen, der das ominöse Motiv erhellt. In der Musik berufe ich mich auf Mozart, der mit Sicherheit selbst nach der Komposition der „Maurerischen Trauermusik“ keinen Gag ausgelassen hätte. Über den Tod seines Vogels „Staar“ aber, dem er mit dem Thema seines Klavierkonzertes KV 453 ein Denkmal setzte, war er untröstlich.

Der eine Gedanke ist der, dass die Verhaltensforscherin mir eine freundliche Antwort geschrieben hat, die das menschliche Erdmännchen-Motiv „entmythologisiert“  hat: es könnte wohl auch anders lauten, sagt sie, entscheidend ist die beruhigende Wirkung des summenden oder leise singenden Menschen. Und darüber hinaus habe ich nun Verbindung zu einer großartigen Forschungseinrichtung in Zürich bekommen habe. Hier nur drei kleine Beispiele (von ca. 30!) aus dem Archiv (1 Warnton, 2 Räuber in Sicht, 3 Futtersuche) :

Copyright ‚Kalahari Research Project, NC, South Africa‘
Dank an Prof. Dr. Marta Manser!

Der andere Gedanke betrifft das von Menschen gesummte Motiv selbst als motivierende Kraft: woher kommt es, ist es irgendwo in der Musik wiederzufinden, gibt es ein „Alleinstellungsmerkmal“? Die große Terz der Fünften von Beethoven, allerdings mit drei auftaktigen Tönen, nicht zweien, die etwa wie der Wachtelschlag rhythmisiert sein könnten, der in der „Pastorale“ (neben dem Kuckucksruf und dem Nachtigallen-Crescendo) zitiert wird. Falsche Fährte! Heureka! Wie oft war ich im Engadin, wieviel Kuhglocken habe ich auf den Almen aufgenommen? Murmeltiere beobachtet? Zumindest ihre Warnpfiffe gehört. Oder die heimkehrenden Ziegen in Ftan, deren kleinere Glocken mich an die hämmernden Nibelungen im „Rheingold“ erinnert hatten und  mit diesen zusammen in eine WDR3-Sendung eingegangen waren…

Hier wird jetzt gleich der Link folgen, der keiner Wissenschaft mehr nützt. Und ich schäme mich dafür, bin halt nur ein jederzeit spielender Musiker (ich wage nicht hinzuzufügen: „wie Mozart“, aber in jedem von uns steckt ein Mozart!).

HIER (Achtung Werbung! Aber nur die letzten Sekunden „gelten“ in unserm Zusammenhang).

Und glauben Sie mir, ich werde auch den folgenden Film nochmal anschauen. Ich habe da eine Szene in Erinnerung, wo zwei Männer singend miteinander Kontakt halten, über weite Almwiesen hinweg… (Mein Gott, schauen Sie nur nicht nochmal auf den Titel dieses Artikels, meine Herren. Sie sind ja nicht gemeint!)

Segensruf im Morgengrauen über die Alm,  anderes Motiv (aber etwas ähnlich E – Dis – H) und nur dieser eine Mann (Screenshot aus Ur-Musig ab 26:48)

Notation Orig.tonhöhe, lydisch, Rhythmus nur in etwa, frei, dem Text entsprechend, endet mit Juchzer, Wechsel zum anderen Sänger (ab 27:54 anderer Ort, andere Tonlage)

 (Skizze JR)

Hören Sie auch am Ende des folgenden Trailers:

Für mich ist das Rätsel gelöst (etwa so: 1 „Ricola“-Motiv 2 globalisierter Almsegen). Schön ist auch, dass man über diese Auflösung lachen kann. Denn es war nur ein Nebeneffekt. Was aber bleibet, ist das Erdmännchen…