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Weltumseglung!

Warum musste James Cook sterben?

ZEIT Literatur Heft Oktober 2021 – Anregungen aller Arten, so auch diese, die uralte Erinnerungen wachruft und mit neuesten ethnologischen Recherchen verbindet:

Cooks Ende am 14. Februar 1779 nach Wikipedia (A Collection of Voyages round te World … Captain Cook’s First, Second, Third and Last Voyages ….“ Volume VI, London, 1790, page 1969) / unten: nach Walter Heichen 1949 = meine erste Begegnung mit Cook:

Es sind 2 Bücher (nicht 1 Foto in 2 Phasen), das linke aus dem Verlag Jugend und Volk Hildesheim (1949), das rechte aus dem A.Weichert Verlag Hannover-Berlin; letzteres habe ich vor ca. 10 Jahren antiquarisch erworben, als ich glaubte, das erste verloren zu haben. In der Kindheit hätte ich es nach Verlust des Originals als Ersatz kaum gelten lassen, denn nur Ttelbild, Text und Druck sind gleich, aber die Illustrationen des alten waren von M.Wulff, die des neuen von Rico Puhlmann. Das hätte kein Kind akzeptiert.

Ich las in erster Linie Tierbücher, „Robinson Crusoe“ war eine frühe Ausnahme und zog andere Seefahrergeschichten nach sich, nach James Cook auch Magellan, dann folgten „Gullivers Reisen“ oder (ganz entscheidend) „Mut, Mafatu!“, ein Südsee-Roman, der ohne Europäer auskam, aber einen ethnologisch klärenden Anhang besaß.

Dies war das früheste, ich konnte noch kaum lesen. Das weiß ich so genau, weil meine Mutter zumindest die letzten Seiten vorgelesen hat; sie saß bei meinen Großeltern auf dem Sofa, nach dem finalen Umblättern war ich nähergerückt, hockte auf der Lehne und sah gespannt dem Ende der Geschichte entgegen und – bemerkte eine sträfliche Wortvertauschung:  „… von einigen sehr merkwürdigen Begebenheiten, die ich selbst auf meinen weiteren Fahrten, zehn Jahre später, erlebt habe, berichte ich vielleicht einmal später“ – so las meine Mutter – „später einmal!!!“ schrie ich, was meine Mutter mit Gelächter quittierte; sie war stolz, dass ich sie ertappt hatte. Ich wollte noch viel mehr hören, aber leider stand da nur noch diese nichtssagende Zeile vom „Rotationsdruck“, die Fragen aufwarf und unbefriedigende Erklärungen. Auch James Cook endete unbefriedigend.

Aber jetzt endlich kommt die Auflösung der alten Geschichte, für mich rund 70 Jahre später. Es ist nie zu spät. (Siehe auch hier.) Nur für James Cook, und zwar rund 242 Jahre zu spät.

Siehe auch Marshall Sahlins, † 5. April 2021,  hier. James Cook hier. Zitat aus diesem Wikipedia-Artikel:

Ob er für den Gott selbst gehalten wurde, ist ein langjähriges Streitthema. Fest steht, dass seine Mannschaft durch ihr Verhalten die Einheimischen bald eines anderen belehrte. Spätestens als ein verstorbener Matrose an einem Platz beerdigt wurde, der nur Häuptlingen zustand, muss sich die Einstellung der Hawaiier gegen ihre Gäste gewendet haben. Da Cook zwei Tage später, am 4. Februar 1779, aufbrach, kam es nicht mehr zu Tätlichkeiten. Als er jedoch am 11. Februar wieder zurückkehrte, um einen im Sturm beschädigten Mast der Resolution zu ersetzen, waren die Beziehungen bereits ruiniert. Es kam zu einem Kutter-Diebstahl durch die Einheimischen. Bei dem Versuch, den König […] als Geisel an Bord des Schiffes zu bringen, um den gestohlenen Kutter zurückzuerhalten, kam es dann zum Eklat.

Cook wurde am Strand aufgehalten und von einer großen Menge bedrängt. Ein erster Schrotschuss, den er aus seiner doppelläufigen Flinte abgegeben hatte, zeigte keine Wirkung, weil die Kugel im Schild eines Angreifers steckenblieb. Mit einem zweiten Schuss tötete er einen Angreifer. Als er sich daraufhin zum Erteilen von Befehlen umdrehte, wurde er von hinten niedergestochen. Er fiel mit dem Gesicht ins Wasser, wurde herausgezerrt und niedergemetzelt. Vier Marineinfanteristen und einige Hawaiier ließen bei diesem Ereignis ebenfalls ihr Leben.

Quelle Wikipedia „James Cook“ a.a.O.

Das neue Buch: Marshall Sahlins: Der Tod des Kapitän Cook / ISBN 978 3 2844 7

vorweg: 

Marshall Sahlins (abschließend)

Oben: Kleiner Druckfehler – die Jahreszahl bei Nathaniel Dance sollte 1776 sein.

Wann war die tolle Bonner Ausstellung, an die ich mich jetzt erinnerte (2009), – zugleich aber auch an einen prächtigen Bildband von damals, den ich in irgendeiner Ecke des Hauses, die von Bildbänden überquillt, eingeordnet und vergessen haben muss. Er ist wieder da. Jetzt scheint mir, als habe mich Captain Cook mein Leben lang begleitet. Fast wie Bach oder Beethoven, deren Zeitgenosse er war (für den einen zu spät, für den andern zu früh). Wegen „Übergröße“ des Buches ist meine Wiedergabe leicht beschnitten.

ISBN 978-3-7774-2121-6

Auch dieser Band enthält eine plausible Darstellung der Missverständnisse auf Hawaii: „Geschichte aus unserer Sicht – die hawaiianische Perspektive“ / von Rocky K. Jensen und Lucia Tarallo Jensen (Seite 34-36) in der Lit.-Liste wird auch Sahlins (1981) aufgeführt.

Absprung

Inzwischen habe ich mich soweit in dieses Buch vertieft oder soll ich sagen: ich habe es unzureichend studiert, nämlich nur kursorisch von Anfang bis Ende durchgeblättert, was aber genügt, um mich feststellen zu lassen: ich verstehe es nicht, es wird mich in eine Krise stürzen. Und diese Erfahrung mache ich nicht zum ersten Mal: es geschieht immer, wenn ich mit Wissenschaftlern in Berührung komme, die von der französischen Anthropologie geprägt sind. Genauer: solche, die Saussure und Baudrillard studiert haben, oder vielmehr: Claude Lévi-Strauss, den ich selbst, nachdem ich einige seiner Werke mit Staunen und Bewunderung gelesen hatte, für einen verwirrenden und genialen Dilettanten hielt. Es gibt bei ihm eklatante Fehler zumindest im musikalischen Verständnis. Ich habe ergebnislos mit Leuten diskutiert, die darauf aufbauten. Habe den Kontakt verloren oder aufgegeben, auch zu – in meinen Augen – hervorragenden Wissenschaftlern, die hervoragende Sendungen gemacht hatten (z.B. über südafrikanische Themen) und dann sich in „die Franzosen“ vertieften und von heute auf morgen „absurde“ Theorien in einer „eigenen“ Sprache und Nomenklatur entwickelten. Es war die Zeit, als auch ein Buch erschien mit dem Titel „Eleganter Unsinn“ (man lese z.B. darüber hier, und wieder ist man ratlos). So verlor ich den Kontakt – um einen Namen zu nennen – zu Veit Erlmann (aus Durban oder Johannesburg), der später in Texas lehrte. Es könnte mein Fehler sein, aber mir wird schwindlig, und es macht mich unproduktiv, wenn ich versuche, dieses Denken bzw. diese Sprache zu durchdringen. Wie angedeutet: ich kann mich irren, aber ich möchte niemandem zugeraten haben, sich auf diesen Weg zu begeben. Notiere mir allenfalls noch ein Unternehmen, das ich jetzt, während ich diese Worte schreibe, entdeckt habe und das mich vielleicht eines anderen belehren könnte: hier. KlangDenken – Auditive Kultur.