Schlagwort-Archiv: Marc Brost

Was es noch nie gegeben hat

Zweisprachiger Aufruf in DIE ZEIT /  Gesang des US-Präsidenten

ZEIT Titelseite HELLAS

AMAZING GRACE

Noch einmal in voller Länge Hier / Zu erinnern auch in diesem Blog hier

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ZITAT 1

Es stimmt ja, dass Griechenland drei große Ungerechtigkeiten kennt: die Ungerechtigkeit zwischen Armen und Reichen. Zwischen denen, die Staatsjobs haben, und den Arbeitslosen. Zwischen dem griechischen Volk und der scheinbar übermächtigen Troika. Es stimmt auch, dass die Troika immense Fehler gemacht hat und bei Ihnen [den Griechen, JR] mit einer Arroganz aufgetreten ist, die ihrem Anliegen geschadet hat. Aber bei allem Respekt vor Ihrer Regierung: Aus unserer, zugegeben etwas entfernteren Sicht wirkte es so, als hätten Alexis Tsipras und Yanis Varoufakis versucht, mit einem Paukenschlag die gesamte wirtschaftspolitische Richtung Europas zu drehen. Dazu fehlte ihnen die Kraft – und die demokratische Legitimation.

Dabei hat sich während der langen Verhandlungen in Brüssel durchaus etwas getan. Es ist das Verdienst von Tsipras, dass auch die EU klüger geworden ist; dass viele Regierungschefs inzwischen bereit sind, die Krisenpolitik zu verändern. (…)

Quelle DIE ZEIT 2. Juli 2015 Seite 1 Bleibt bei uns! Liebe Griechen! Jetzt entscheiden Sie über die Zukunft Ihres Landes. Aber es geht um noch viel mehr / Ihr Marc Brost  (Brost)

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ZITAT 2

Der angeblich mächtigste Mann der Welt beginnt zu singen, nachdem er erklärt hat, nun habe es genug Worte über die Rassenfrage gegeben: Allein diese gewagte Umformung der Macht in ästhetische Erfahrung würde genügen, um zu erklären, warum die Öffentlichkeit durch diese Trauerfeier plötzlich zu beben schien. Die Hilflosigkeit der Politik, das Spiel mit der Menschenfischerei, die Überwältigung durch Musik, all das lag in der Luft: Wie könnte Gesang fehlenden Polizeischutz und die Üblichkeit rassistischer Gewalt übertönen?

Es war indes nicht irgendein christlicher Lobgesang, den Obama anstimmte, um Politik, Theologie und Kunst durch ein gefälliges Heilssonderangebot zu versöhnen. Es war vielmehr jenes Lied aus der Gründerzeit der Vereinigten Staaten, veröffentlicht 1779, [… man lese an Ort und Stelle nach… ich breche zugunsten eines anderen Zitates aus demselben Artikel ab:]

Aber wer zu singen beginnt, redet ja nicht auf andere Weise nur weiter, sondern er singt. Worte allein bringen Menschen nicht als leibseelische Wesen zum Klingen. Wer singt, wechselt die Sphäre. Mit diesem Lied, das die Tiefe der politischen Geschichte öffnet und das zugleich jeder kennt, das jedem offensteht, kann vernehmbar werden, was sonst nicht zu hören wäre: dass sich Schmerz in Klang umwandeln lässt, dass eine Gemeinschaft sich erst im Klang aller Stimmen wahrnehmen, vergewissern und fortan ihrer selbst erinnern kann. Die Sehnsucht, sich mit Liedern musikalisch aus der politischen Sphäre zu entfernen und sie erst so neu herbeizusingen, war in Charleston zu hören: als das uralte Lied der Hoffnung auf Anerkennung der Gleichheit.

Quelle DIE ZEIT 2. Juli 2015 Seite 42 Wie Hoffnung klingt / Jetzt hat es jeder gehört: Barack Obama ist durch ein Lied der Präsident aller Amerikaner geworden / Von Elisabeth von Thadden

Für mich ist die Frage, ob jemand das Wort „Kitsch“ auszusprechen wagt, mit dem man oft genug gute Musik zu Boden streckt. Die Autorin ist so mutig, – auf die Gefahr hin, dass sich die Trauerfeier in ein paar Wochen als Theater erweist – an die Kraft der Musik zu glauben und dies zu bekennen.

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Nachwort zu Griechenland

Wenn man nun schon die ZEIT hat: nicht nur den Leitartikel „Bleibt bei uns!“ lesen, sondern unbedingt auch – als Gegengift gewissermaßen – im Feuilleton Seite 41 Slavoj Žižek: Was ist jetzt noch links? In dieser Woche erleben wir einen Kampf um die demokratische Leitkultur. Es geht nicht um die Griechen. Es geht um uns alle! – (Zu Žižek siehe hier.)

ZITAT zu Schulden und Schuld

Die Schuldenanbieter und – verwalter beschuldigen die verschuldeten Länder, sich nicht schuldig genug zu fühlen – sie werfen ihnen vor, sich unschuldig zu fühlen. Ihr Drängen entspricht genau dem, was die Psychoanalyse als Über-Ich bezeichnet: Wie Freud klar gesehen hat, ist es das Paradox des Über-Ichs, dass wir uns umso schuldiger fühlen, je mehr wir uns seinen Forderungen beugen. Wie bei einem grausamen Lehrer, der seinen Schülern unmögliche Aufgaben stellt und dann sadistisch frohlockt, wenn er ihre Panik sieht. Wenn man einem Schuldner Geld leiht, besteht das wahre Ziel nicht darin, den Kredit mit Gewinn zurückgezahlt zu bekommen, sondern in der unbegrenzten Verstetigung der Schuld, die den Schuldner in permanenter Abhängigkeit und Unterordnung hält, jedenfalls die meisten Schuldner, denn es gibt Schuldner und Schuldner.

Nicht nur Griechenland, sondern auch die Vereinigten Staaten werden nicht einmal theoretisch in der Lage sein, ihre Schulden zu bezahlen, wie inzwischen öffentlich anerkannt wird. Es gibt mithin Schuldner, die ihre Gläubiger erpressen können, weil sie zu groß sind, als dass man sie scheitern lassen könnte (Großbanken), Schuldner, die die Bedingungen ihrer Schuldentilgung kontrollieren können (die US-Regierung), und schließlich Schuldner, die man herumschubsen und demütigen kann (Griechenland).

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Und in diesem Fall orientiere ich mich auch an dem, was die Partei DIE LINKE dazu sagt, da der Eindruck entstanden ist, dass die Medien uns einseitig im Sinne der politischen Machthaber und der sogenannten „Institutionen“ informieren: daher sei diese ergänzende Lektüre empfohlen – und sei es zum Aufregen: Hier

Zum Begriff der AUSTERITÄT (oder zum Sparen um jeden Preis): Hier.