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Neues aus Madagaskar

Erick Manana & Dama: VAONALA

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madagaskar-acoustic-label distributed by Rough Trade

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Ich nehme dieses wunderbare Dokument lebendiger madegassischer „Weltmusik“ zum Anlass, die Grundlagen der eigenartigen Harmonik zu thematisieren, die – soweit ich weiß – kaum zum Gegenstand der Forschung gemacht wurden.

Die frappierende Originalität der Musik Madagaskars, die einen selbstverständlichen Umgang mit den postkolonial gezeichneten Traditionen umfasst und ausbaut, lässt uns doch fragen, was wohl schon in der frühen Zeit des Kolonialismus und der Missionierung dort implantiert wurde, und weshalb man darüber in der wissenschaftlichen Literatur wenig erfährt.

Im Lexikon MGG (Musik in Geschichte und Gegenwart, Sachteil, Band 5, Sp. 1531 ff, Madagaskar 1996) schreibt August Schmidhofer (s.a. hier) im Abschnitt Stilregionen:

Die Musik der Hochlandvölker, vor allem der Merina und Bersileo, wurde am stärksten durch europäische Leitbilder geprägt. Von 1820 an konzentrierten sich die Missions-, Handels- und diplomatischen Beziehungen auf diesen Teil der Insel. Mit großer Effizienz wurde die Missionierung vorangetrieben, insbesondere durch die LondonMissionary Society und die Norske Misjonsselskap (Norwegische Missionsgesellschaft), nach der französischen Okkupation des Landes verstärkt durch Katholiken. Die Ausrottung zahlreicher Erscheinungsfomen traditioneller Kultur ging Hand in Hand mit der Verbreitung liturgischer Musik. Die Einrichtung einer Militärmusik im Heer der Merina und die Gründung von Musikschulen nach europäischem Vorbild schon im 19. Jahrhundert verstärkten und festigten den Einfluß abendländischer Musikkultur.

Der Übernahme folgte die Adaption und Umformung. Schon König Radama II. (1861-63) hatte Klavierstücke, die eine Hinwendung zu madagassischen Idiomen zeigen, komponiert. Diese ‚Malgaschisierung‘ erfaßte bald auch die Kirchenmusik – vornehmlich die katholische – und ließ in der Folge eine Zahl bis in die Gegenwart lebendiger synkretistischer Traditionen entstehen, die heute freilich als Produkte der eigenen Kultur betrachtet werden.

Dieser letzte Halbsatz scheint mir ein Schlüssel zum Verständnis der besonderen geschichtlichen Situation und sollte nicht als Versuch einer neuen kulturellen Vereinnahmung im Nachhinein gesehen werden. Eine Bewertung der verschiedenen Elemente, die in eine Kultur eingegangen sind, und dass es überhaupt solche „fremder“ Herkunft sind, hat auf jeden Fall zu unterbleiben. Nach hundertjährigem Gebrauch gibt es keine fremden Elemente mehr.

Um es deutlich zu machen: Dieser Text ist die Klärung eines persönlichen Defizits und bezieht sich nicht klärend auf die CD, die mich berührte. Ich sehe nur bei diesem besonderen Anlass, dass mein Defizit schon jahrelang leicht zu beheben gewesen wäre.

Hier folgt der Anfang des letzten Kapitels im Garland-Africa-Band, wo auf die Wirkungen der Missionarstätigkeit näher eingegangen wird:

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Quelle Mireille Rakotomalala: Performance in Madagascar / in: Africa – The Garland Encyclopedia of World Music / Editor: Ruth M. Stone / Garland Publishing New York and London 1998 (Seite 781- 792)

Zu dem in diesem Text im Zusammenhang mit Marc Bloch genannten Wort Deme, bei dem wir nicht grundlos aufhorchen, finde ich eine Auflösung HIER.

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Deme? Ja, heute, auf der Nachhausefahrt von Bonn fiel es mir wie Schuppen von den Augen: „Dama & Erick Manana“ – natürlich, Erick ist mir seit einigen Jahren gut bekannt, (seit einigen Jahren!), aber Dama – habe ich ihn vielleicht vor Jahrzehnten kennengelernt??? MAHALEO. Schauen Sie HIER unter 1983! Und schauen Sie im Jahr davor: „Tsialonina“, dies war mein Schlüsselerlebnis mit Madagaskar. Vermittelt wurde es damals durch Armin Kerker. Das Lied, das mir damals die Tränen in die Augen trieb und das für mich bis heute zu den ergreifendsten gehört die ich kenne, hat die Sängerin Mireille gesungen, der ich nie wieder begegnet bin. Ebensowenig habe ich je die große Ballade von Dama [Zafi]Mahaleo vergessen: „LENDREMA“. (Siehe auch hier.) 1991 wurde aus der WDR-Aufnahme die folgende CD für eine französische Freundschafts-Initiative hergestellt.

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Ich bin nicht ganz sicher, wer von den oben abgebildeten Interpreten der Sänger Dama war. Das wird also noch herauszufinden sein. Was mich aber elektrisiert, ist die Tatsache, dass eins der Stücke von damals auch auf der neuen CD mit Dama & Erick Manama enthalten ist, nämlich „Madirovalo“, damals Track 12. Nichts ist interessanter als zwei derart authentische Aufnahmen, die im Abstand von 33 Jahren stattgefunden haben. Hier sind die entsprechenden Seiten des Booklets der neuen CD.

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