Kategorie-Archiv: Medien

Krimi Kurzkritik

Notizen nach einem dürftigen Tatort

Spontanes Urteil am Ende (die vorübergehend spannenden Momente zählen nicht mehr):

Hanebüchen!

( Das gilt im Nachhinein für alles, nach den Vorschusslorbeeren, auch für die Einzeldarsteller, die Musik, die Handlung, das Drehbuch, die Regie, die Insel, die Logik, – alles …)

Irreführendes in der Presse nachher:

Vorher Infos hier + Zuschauer-Echo

Vorab-Werbung im Kölner Treff HIER ab 42:50

W.W.Möhring ab 44:50: „Die Musik ist Hauptdarsteller und die Insel. Norderney.“ Meint er das Kleine-Terz-abwärts-Glissando, das derart bedeutungsvoll tut? Und das hüfthohe Wasser bei steigender Flut, das glücklicherweise keinerlei Sog entwickelt. Am Ende liegt man am Strand, die Handschellen haben sich wundersam aufgelöst, nur die eine lästige Frau ist verstorben. Die andere jedoch ist im Dunkel der Nacht genau hier zur Stelle.

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Fundstücke aus dem Programm

Hat nichts damit zu tun, aber: Ein ähnlicher Schock heute Mittag im Auto, offenbar ein neuer Trailer für Sendehinweise: WDR3 Kultur-Ambulanz.

Erste Reaktion: O Gott, dahinter steckt eine nagelneue Programmreform. Ja?! Es macht mich krank! Spontan, nach 25 Jahren oder nach 18 Jahren? Wird daher die Ambulanz als Vorhut geschickt?

Ein Missverständnis: man hilft der notleidenden Kultur. Kulturambulanz geht in eine neue Runde. „Wir streamen Kultur in Zeiten von Corona – Online, im Radio und über Facebook präsentiert WDR 3 Konzerte aus NRW, die wegen der Corona-Pandemie nicht öffentlich stattfinden können.“

Aber warum ein Etikett aus dem Krankenhaus-Bereich? Stopp, durchaus nicht, warum denn so negativ: wir beziehen uns auf den Bereich „Gesundheit, Bildung, Kultur“. Wie hier. Eine aussagekräftige Kombination. Wird so in Zukunft auch negative Musik gemieden? Zu ungesund! Nur noch gesundheitsfördernde Klänge. Vergleichbar der Aktion: Mozart im Kuhstall!

Bei dieser Gelegenheit stoße ich auf eine noch gar nicht so lang zurückliegende Reaktion auf Reformen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk von Richard David Precht. Bemerkenswert! Habe ich damals nicht mitbekommen, hier also nachzuholen: HIER

Noch etwas über die Geschichte von WDR 3 hier (Wikipedia)

Ich sollte mal wieder WDR 3 hören…

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ARTE Indien hier ein ungeschickter Film, die Musik Rajasthans – Fehlanzeige… so unbedarft präsentiert man auch bei uns gern „Wunderkinder“. Auch hier ist es dilettantisch in den Wind geschossene Sendezeit. Mit dem Anschein der Weltoffenheit.

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Natürlich kenne ich die Argumente mancher Cineasten: in diesem Film gibt es die besten Dialoge, in jenem die hinreißendsten Autorennen oder die gelungensten Hochgebirgsabstürze, dort die unheimlichsten Szenen mit Türeknarren, hier Mondschein in der Sahara oder wilde Stürme um Helgoland. Es interessiert mich alles nicht, wenn die Geschichte nicht stimmt! Der Faden von A bis Z. Siehe Mozart: il filo.

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27.01.2021 Es gibt tatsächlich allerhand Neues im Kulturradio. Am neuesten fand ich aber früher immer die Abschaffung von etwas. Ich mag mich geirrt haben, ich klebte zu sehr am Alten. Aber jetzt verstehe ich um so besser die reformatorische Sprache: es wird ja nichts abgeschafft, alle Inhalte bleiben, sie werden nur konsumentenfreundlicher verteilt.

Zur Info studiere die verbreiteten Vorurteile:

Süddeutsche Zeitung 25. Januar 2021 Thema:  Öffentlich-rechtlicher Rundfunk Verrat am Kulturauftrag / Der WDR streicht sein Literaturprogramm zusammen. Weiß der öffentlich-rechtliche Rundfunk, welchen Schaden er anrichtet? Von Felix Stephan /  Hier (Leider mit Bezahlschranke)

ZITAT

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der immer noch ein paar wichtige Kultursendungen unterhält, hat panische Angst davor, als „elitär“ zu gelten, deshalb entfernt er aus dem Programm immer mehr angeblich Kompliziertes und ersetzt es durch Gefühltes. In Wahrheit aber tritt gerade in diesem Paternalismus eine narzisstische Öffentlichkeitsverachtung hervor. Um als nicht elitär zu gelten, verdunkeln die Verantwortlichen den Himmel und versuchen, dem Publikum die Illusion zu vermitteln, es gebe keine Geisteswissenschaft, keine Kritik, keine Sprachanalyse, nur noch Landschaften, Luft und Laune.

Nun auch noch die FAZ, und zwar: HIER

ZITAT

Wenn etwas abgeschafft wird, geht das oft mit einer Verbrämung einher. Beim öffentlich-rechtlichen Rundfunk und insbesondere, wenn es um die Abschaffung von Kultursendungen geht, ist man darin besonders geübt. Als der Hessische Rundfunk 2019 plante, seine Kulturwelle HR2 zu einer „durchhörbaren“ Klassikwelle zu machen, nannte er den geplanten Abriss natürlich „Transformationsprozess“ und die Abrissbirne nicht Abrissbirne, sondern „Kultur-Unit“. Als sich starker Protest dagegen regte, musste der Sender erst noch eigens hervorheben, HR2 werde „selbstverständlich nicht ‚wortfrei‘ sein, sondern stärker um die Klassik zentriert“.

Eine ANTWORT:

Mehr Vielfalt für die Literatur

Die Literaturberichterstattung bei WDR 3 steht nicht zur Diskussion. Sie soll vielmehr vielfältiger und innovativer werden und nicht auf einem vereinzelten Sendeplatz am Morgen im immer gleichen Format ausgespielt werden. Wir haben mit WDR3-Programmchef Matthias Kremin gesprochen.

Abrufbar insgesamt hier.

Und in der Tageszeitung heute, am 27.01.2021, ärgert mich ein Bibelwort in der Standard-Rubrik SERVICE. So überflüssig und in sich unwahr wie das Etikett „Kultur-Ambulanz“. Wie auch der vorsorgliche Hinweis, dass der chirurgische Notdienst dies Jahr an Heiligabend, Silvester und Rosenmontag nicht zur Verfügung steht. Wo bleibt die Ambulanz für Nervenzusammenbruch?

Bloß keine Talkshow!!!

Was bedeutet dieser Überdruss?

Man hört es im Freundes- oder Bekanntenkreis und fragt sich: wie kommt das zustande? Vielleicht nur, weil da andere Meinungen vertreten werden, als man sie selbst äußern würde? Oder weil sie geschickter vorgetragen werden, als man es selber könnte? Oder genau das Gegenteil? Aber man könnte doch in jedem Fall die Technik des Ablaufes analysieren, die Gedankenführung oder-verwirrung, die Reaktionen aufeinander, das Nachhaken oder das Schweigen der Betroffenen. Dieses eher zufällig (auf Hinweis eines Medienfreundes) eingeschaltete Gespräch verblüffte mich durch das Misslingen der Verständigung. Das wird gleich zu Beginn eingefädelt, durch die Frage des Moderators, warum denn die Autorin sich auf ihrem Buch-Cover nicht mit einem freundlicheren Gesicht präsentiere. Sie soll offenbar lächeln? Was soll sie dazu sagen? Sie kommt in Kürze darauf, dass diese Frage durch Gender-Erwartungen geprägt ist: Frauen die uns etwas verkaufen wollen, sollen gefälligst lächeln. Mit diesem Geplänkel werden mindestens 2 Minuten verbraucht, und schon sind die Weichen so gestellt, dass man das ganze Gespräch als unterschwelligen Geschlechterkampf deuten kann. (Ich denke an eine Beethoven-Sonate, „die Schöne und das Biest“.) Das ist dumm, aber es könnte einem auch Spaß machen, wenn man ohnehin vorhat, das Buch zu lesen und vorweg den Widerstand gegen vernünftige Ideen begreifen will. Das geht von 5:03 bis etwa 8:03 ! Schon das nächste Thema „Was ist Natur?“ wurde ja schon 1000fach diskutiert. Warum nicht hier nochmal? Und danach, finde ich, kann man auf den Schluss springen ab 29:07 und es genießen, wie die Wissenschaftlerin unmissverständlich zum Ausdruck bringt, dass ihre Geduld am Ende ist. Bloß keine solche Talkshow!!! könnte man sagen. Aber andererseits: zwischenmenschlich hat man viel gelernt. Und das Buch wird man sich aus rein sachlichen Gründen leisten und mit Leidenschaft lesen, – dafür braucht man keinen moderierenden Klotz am Bein.

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Fr 20.11.2020 | 00:30 – 01:00 PRESSETEXT rbb 

Talk aus Berlin: Maja Göpel – Transformationsforscherin

Moderation: Jörg Thadeusz

„Weitermachen wie bisher ist das am wenigsten Sinnvolle“, sagt die Transformationsforscherin Maja Göpel. Im Rahmen der ARD-Themenwoche „Wie wollen wir leben?“ erklärt sie im „Talk aus Berlin“, warum gerade jetzt das Fenster der Möglichkeiten für eine nachhaltige Veränderung offen ist.

PRESSETEXT rbb ENDE

Zum Video der Sendung hier

ENDE der Sendung (es sind doch politische Forderungen? fragt er, als sei das unbillig.) ab 29:07

Maja GöpelHerr Thadeusz, noch einmal: möchten Sie das nun ernst nehmen mit der Umweltkrise, oder möchten Sie das insgesamt in Frage stellen? Haben Sie den Eindruck, uns Wissenschaftlern macht das Spaß? Meinen Sie nicht, dass ich das nicht supergeil fände, ey, jeder soll 14 Häuser haben, 20 SUVs, 434 Mobiltelefone? Wenn es diese Probleme nicht gäbe, wär ich doch die Allerletzte, die nicht sagen würde: alles raus damit, für alle immer mehr! Ich frag mich immer: was ist das Motiv, was Sie uns unterstellen wollen, es ist doch einfach erstmal Naturwissenschaften ernst nehmen, und dann sich zu fragen: was mache ich mit diesem Befund. Und zu gucken: wie können wir – und wenn wir in die Geschichte gucken, sind typischerweise Kriege über Ressourcenengpässe entstanden, sind Sicherheitsfragen durch ein Versorgungsunsicherheit entstanden. Was ist das Motiv? Sie tun immer so, als wollte ich den Leuten den Spaß verderben oder irgendwas. Hier geht es um darum, einfach das, was die Wissenschaft und die Beobachtung, und da haben wir auch durch die Digitalisierung ziemlich gute Datenbasen und sagt, was sich verändert und was nicht positiv ist. Und dann versuchen wir daraus – im Auftrag der Bundesregierung im übrigen, die die politischen Ziele gesetzt hat, das zu verhindern, diese Konsequenzen, – Lösungen zu formulieren und Möglichkeiten zu formulieren, und dann gucken wir ran, was sind möglicherweise die Treiber, Überkonsum, und das ist ein Wort, da wird wahrscheinlich wieder die Hälfte der Republik aufschreien, was das überhaupt ist, aber es ist ein Begriff in der Wissenschaft, wenn wir uns angucken, wie die Verteilung dessen ist, was Menschen unterschiedliche Menschen auf diesem Planeten – jeder für sich ein Individuum – pro Kopf für sich in Anspruch nehmen auf diesem Planeten, und dann gibt es da so etwas wie Überkonsum, weil eine Grundversorgung, im Sinne von tatsächlich „ich bin gut versorgt“ längst erreicht ist, und dieses hohe Konsumniveau in einem Teil des Planeten dazu führt, dass wir nicht genug Ressourcen haben, um denjenigen auf diesem Planeten genug zu geben, die noch nicht genug materiell versorgt sind. Entweder wir wollen das ernst nehmen mit diesen physikalischen Größen oder wir lassen es!

Jörg Thadeusz: Frau Göpel, wir nehmen das ernst, Leute lesen Ihr Buch, tun das weiterhin, „Unsere Welt neu denken“ von Maja Göpel. 31:06

 Screenshots rbb Sendung

Das Buch können Sie sich hier besorgen, aber Ihr Buchladen in der Stadt ist ebenso schnell! (Und ich habe überhaupt nichts von dieser Empfehlung. Es geht um die Sache.)

Verschwörung X

Kondensstreifen und anderer Zauber

Die folgenden Fotos habe ich im September 2019 in Südtirol gemacht, in diesem Jahr habe ich vergeblich Ausschau gehalten, – Corona hat den Flugbetrieb minimiert.

Ich hatte damals noch nicht davon gehört, dass sich auch Verschwörungstheoreriker dieses Phänomens annehmen, heute gab es mal wieder allerhand Aufklärung bei Lesch & Steffens, allerdings findet man im Fall der Kondensstreifen in einer anderen Quelle ein etwas anderes Ergebnis: HIER.

Ich will kein Misstrauen säen, aber etwas hat sich in den Sendungen der beiden Autoren verändert. Sie versuchen die Inhalte anders zu „verkaufen“, vermutlich im Bemühen um noch größere Volksnähe, sie inszenieren sich, bemühen sich in kurzen Dialogen als Selbstdarsteller. Unnötig. Schon glaubt man ihnen nicht mehr aufs Wort und schaut zur Kontrolle – ins Internet. (Nein, Quatsch!) Die Forscherin Giulia Silberberger (ab 17:30) blieb natürlich, Pluspunkt, dass sie beiläufig ihre private Erfahrung mit Zeugen Jehovas einbrachte. (Unter Verschwörern werden Neulinge mit Liebe überschüttet, Zweifler mit „hate bombing“. Ich denke zurück an unsere Begegnung am Völser Weiher hier . Die eigene Anfälligkeit für wirre Fakten, wenn die Übermittlerinnen „nett“ sind, aus Ostberlin kommen und Angst haben.

Gestern sah ich ein Buch ihres Vordenkers Sucharit Bhakdi als Nr.1 Sachbuch auf der SPIEGEL-Bestsellerliste). Ein anderes (von Harari) würde ich sofort kaufen; es ist nicht etwa schlecht, weil es auf dieser Liste steht. Ansonsten sehr aufschlussreich auch die Reaktionen der Zuschauer im Anhang des obigen Youtube-Videos. Viele „überlegene“, leicht gönnerhafte Konsumenten. (Extern hier)

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Heute Lektüre beendet: Charles Taylor. „Multikulturalismus und die Kultur der Anerkennung“. Hervorragend! Problematik der Rechtslage von Minderheiten auch in vernünftigen Demokratien. Einleuchtendes Beispiel Kanada (Quebec). Man ist begierig die anschließenden, im Buch abgedruckten Kommentare zu lesen. Und am Ende Jürgen Habermas. Siehe hier „Mensch und Menge“. Und nochmals – eingedenk der Anregung – Süddeutsche Zeitung / Thomas Steinfeld vom 23. September.

Nachtrag 22.10.2020

Zitat aus dem abschließenden Essay des Taylor-Buches von Jürgen Habermas (S.149):

Juristen haben den Vorzug, normative Fragen im Hinblick auf Fälle zu diskutieren, die zur Beschlußfassung anstehen; sie denken anwendungsorientiert. Philosophen entziehen sich diesem dezisionistischen Druck; als Zeitgenossen klassischer Gedanken, die sich über mehr als zweitausend Jahre erstrecken, verstehen sie sich ungeniert als Teilnehmer am ewigen Gespräch. Um so mehr fasziniert es, wenn dann doch einmal einer wie Charles Taylor versucht, seine Zeit in Gedanken zu fassen und philosophische Einsichten für politisch drängende Fragen des Tages fruchtbar zu machen. Sein Essay ist ein ebenso seltenes wie brillantes Beispiel dieser Art, obwohl (oder besser: weil) er nicht die modischen Pfade einer „angewandten Ethik“ beschreitet.

Kapitelüberschrift: Immigration, Staatsbürgerschaft und nationale Identität.

 

Aus dem Kommentar von Michael Walter (Seite 93) stammt die zusammenfassende Beschreibung der zwei Liberalismus-Formen:

Meine Frage gilt den beiden Arten von Liberalismus, die Taylor beschrieben hat und die ich hier noch einmal kurz skizzieren möchte. Die erste Art von Liberalismus („Liberalismus 1“) setzt sich so nachdrücklich wie möglich für die Rechte des Einzelnen ein und, gleichsam als logische Folge hiervon, auch für einen streng neutralen Staat, also für einen Staat ohne eigene kulturelle oder religiöse Projekte, ja sogar ohne irgendwelche kollektiven Ziele, die über die Wahrung der persönlichen Freiheit und körperlichen Unversehrtheit, des Wohlergehens und der Sicherheit seiner Bürger hinausgingen. Die zweite Art von Liberalismus („Liberalismus 2“) läßt zu, daß sich ein Staat für den Fortbestand und das Gedeihen einer bestimmten Nation, Kultur oder Religion oder einer (begrenzten) Anzahl von Nationen, Kulturen und Religionen einsetzt – solange die Grundrechte jener Bürger geschützt sind, die sich in anderer Weise (oder gar nicht) engagiert oder gebunden fühlen.

Taylor gibt der zweiten Art von Liberalismus den Vorzug, auch wenn er diese Wahl in seinem Essay nicht ausführlich begründet. Man muß beachten, daß der Liberalismus 2 permissiv und nicht in jeder Beziehung festgelegt ist: Liberale der zweiten Art, so schreibt Taylor, „sind bereit, die Wichtigkeit bestimmter Formen der Gleichbehandlung abzuwägen [ohne dabei irgendwelche Grundrechte in Frage zu stellen] gegen die Wichtigkeit des Überlebens einer Kultur, und sie entscheiden dabei bisweilen [Hervorhebung von mir] zugunsten der letzteren“. Dies bedeutet offenbar, daß Liberale der zweiten Art sich manchmal auch für den Liberalismus der ersten Art entscheiden. Der Liberalismus 2 hält sich verschiedene Optionen offen, und eine von ihnen ist der Liberalismus 1.

Das scheint mir richtig zu sein. (…)

[Taylor] würde, so vermute ich, die Ausnahme machen, die die Bewohner von Quebec verlangen: er würde Quabec als „eine Gesellschaft mit besonderem Charakter“ anerkennen und zulassen, daß sich die Provinzregierung für den Liberalismus 2 entscheidet und dann (innerhalb bestimmter Grenzen: sie kann Plakatwerbung in französischer Sprache verlangen, aber sie kann englische Zeitungen nicht verbieten) im Sinne der Bewahrung der französischen Kultur aktiv wird. Aber genau das bedeutet ja eine Ausnahme machen; die kanadische Bundesregierung würde sich das Projekt von Quebec oder ein anderes ähnliches Projekt nicht zu eigen machen. Gegenüber allen ethnischen Gruppen und Religionen in Kanada bleibt sie neutral; sie verteidigt also einen Liberalismus der ersten Art.

Ich habe so ausführlich zitiert, weil ich eine andere Form des Sonderweges im Sinn habe, die mich anhand einer wissenschaftlichen Arbeit beschäftigt: Prinzip „Breton Girl“ Folk mit impliziter Ideologie dessen, was schottisch ist, Cape Breton, Nova Scotia. (JR)

Nach dem Waterloo der politischen Diskussion

Trump und 1 Ende der Geduld (eine Sternstunde)

hier kein Start, nur Scan-Foto !

ZDF-Sendung gestern: MARKUS LANZ [aus Südtirol, gesehen in Südtirol, Völs, Moarhof ]. Zu Gast: Journalist Elmar Theveßen, Politiker Jürgen Trittin, Autorin Julia Ebner und Zukunftsforscher Matthias Horx (in wiki auch Fehlprognosen), website hier

HIER (Sendung abrufbar bis 30. Oktober)

3:35 Wie reagiert denn Amerika auf das, was da gestern passiert ist? Man sagte: „brennende Müllkippen“, „die würdeloseste Präsidentschaftsdebatte, die ich je gesehen habe“ (E.Th.)

9:16 Jürgen Trittin über die Widersprüchlichkeit der USA

10:12 Wer sind die „Proud Boys“? J.Ebner: „rassistisch, frauenfeindlich, homophob“

19:57 Matthias Horx über den Zustand Amerikas: für uns sehr lehrreich, weil unsere Populisten ein Schatten dieser Bösartigkeit sind, diese negative Energie wird dort [offen] sichtbar.

22:23 Trittin über John Biden, „den Platzhalter, der keinen Schaden anrichtet“ Florida als entscheidender Staat 26:42 Verabschiedung Elmar Theveßen

26:58 „Proud Boys“ Was ist „QAnon“? Bewegung, jetzt auch in Deutschland 29:32 (J.Ebner) 39:57 Bodo Schiffmann mit 2 Ausschnitten (komplett umgedreht) „Quarantäne-Lager hat man früher als KZ bezeichnet“ 43:11 Darüber M. Horx 44:55 Ebner: soziale Medien, die verschwörungstheoretische Inhalte derart pushen, dass sie zu dieser Bedeutung kommen…

(Für mich besonders interessant nach der Begegnung am Völser Weiher hier „Bloße Meinungen“.)

45:24 Dazu Trittin / Wann beginnt dieser Niedergang des Amerikas, das wir in unserer Kindheit erlebt haben? Verschwinden der Mittelklasse. Beispiel Kanada ! Verhältnis zu Autoritäten. EUROPA. 59:30

59:30 Horx „in die Zukunft schauen“ Beispiel: Tourismus in Venedig. Erlebnisse in dieser Krise, „stresshafte Zeit VOR Corona“, Überbeschleunigungsphänomene.

1:07:44 J.Ebner: Verhalten mit Corona ändern… Makroeinflüsse / Horx: der allzu große Technologieglauben – was kommt letzten Endes: Solidarität. Re-greening. Rückschau vom Jahr 2050 aus… China (bis 2030) – den Planeten wirklich wieder ernsthaft begrünen? das ist das wahrscheinlichste Szenario, darauf läuft das hinaus? Horx: Ja!

Gruß aus Südtirol – Zwei Seiten eines Dings

20. September 2020 Blick morgens von Obervöls/Moarhof auf den Schlern

1. Oktober 2020 Blick mittags von der Seiser-Alm auf den Schlern

Fotos: JR & E.Reichow

Zu den Standorten der Fotos:

Bloße Meinungen

Was einem ohne Begründung durch den Kopf geht

(ergänzende oder kontrastierende Fotos eingefügt)

Sympathie?

Zum Beispiel, dass die Kultursendung des ZDF eine von A – Z kontraproduktive, diskulturelle Sendung ist. Aspekte, die man zu Schmiedings Zeiten etwas überanstrengt fand, etwas sympathisch, aber auch etwas künstlich auf Niveau getrimmt. Und heute die schiere hochtiefkulturelle Verlegenheit, eine Wagner-Sängerin als Entdeckung präsentieren, aber sich nicht trauen, eine einzige Zeile Walküre voll auszukosten. Dann Wolfgang Niedecken, weil sie glauben, was in Köln eine Rolle spielt und nach Pop klingt, müsste auch vor großem Publikum funktionieren. Und dann nicht einmal versuchen, eine einzige seiner kölschen Strophen per Untertitel inhaltlich zu übermitteln, nur sein fortwährendes Gelaber über Klima, Kinder und Enkelkinder, man müsse nun die Verantwortung übernehmen, dass man denen eine solche Welt hinterlässt. Stimmt! Sowas kann man endlos produzieren, beliebig, sinnlos, – Köln wird überschätzt. Niedecken wird überschätzt, seit er sich einmal im Fernsehen mit dem überschätzten Heinrich Böll unterhalten durfte.

Dokumentarfilm: „Ich bin Greta“ – Die Klimaaktivistin kommt ins Kino / „XES“ Ein Comic über Sexsucht – Von der Einsamkeit des Süchtigen / Vernichtung der Indianer – Ein Chief aus Kanada spricht Klartext / Gast: Luisa Neubauer; Live: BAP /

Man könnte endlos meckern und schimpfen, was einem da zugemutet wird. Sogar Luisa Neubauer, porzellanig-schön wie eh und je, spricht ungeschickt und papieren brisante Inhalte. Wie die ganze Sendung: unzulänglich präsentiert, ungenau, und inwiefern Greta persönlich? weniger gescheitelt? also nur wie sie wirklich ist? Sie ist – wie könnte es anders sein: anders. Aber will das jemand wissen, wenn der Arsch brennt, und nicht nur das ferne Australien, oder Californien. Und diese unbedarfte Moderatorin, Katty, natürlich nicht Kathi. Ist mit Niedecken per du. Köln ! Was hat sie eigentlich gelernt. Französisch. Um auch in dieser schönen Sprache notfalls den gleichen Unsinn zu produzieren, den sie schon auf Deutsch von sich gibt? Sie hat nichts gelernt, wie Freund Jo, immer nur Medien, irgendwas mit Medien, solche Leute kommen meist aus Karlsruhe, und dann haben sie bei Viva moderiert, und dann bei EinsLive, zur Not einen Medienpreis für Volksnähe eingeheimst, und dann darf man mal Igor Levit auspressen, der auch nichts zu sagen hat, oder Lang Lang in Arnstadt, weil er nun auch mal die Goldberg-Variationen auf den Markt hat werfen wollen. Nein, das weiß er ja medienwirksam auch, nein, um Glenn Gould kommt keiner herum, denkt ja fast jeder, ich zum Beispiel nicht. Und diese schreckliche Lang-Lang-Demut im heiligen Bach-Ambiente, Kultur aber soll doch eher leicht sein, daher das ewig-kindliche Grinsen und Gänsehautgerede. Ich will’s nicht mehr hören.

Dumont Kunstführer s.a. hier

Foto: E.Reichow

Aufbruch zum Völser Weiher. Ohne Eile, das darf Stunden dauern, das schönstmögliche Panorama, wie heißen noch die letzten Spitzen des Schlern-Massivs? „Die 2.413 m hohe Santnerspitze und die 2.394 m hohe Euringerspitze“. Vorgelagert bis zum Waldsaum in der Tiefe diese unglaublichen, abgründigen Rundungen, die weichen und weiten Mulden und Wölbungen in sattem Grün, wenige Kühe in der Tiefe des Raumes verteilt. Wie in einem vielfach verbogenen Amphitheater.

Liegen sie tatsächlich  wie Violinschlüssel hingestreckt, oder hat Musil nur das Wort und das Zeichen übermitteln wollen, das ich nun nie mehr  von den Almen lösen kann. Grigia. Die Portugiesin – war schon schwieriger – und Tonka, bei der Wiederbegegnung wie schon 1965 etwas ärgerlich. Mein Fehler, es als Darstellung der problematischen Überlegenheit des männlichen Protagonisten zu lesen. Warum diese hohe, halb theoretisch-rationale, halb expressionistische Sprache, ohne als Psychoanalyse zu funktionieren. Draußen auf den Bänken diese Quo-vadis-Sprüche, sie wollen uns nachdenklich machen, ungebeten. Mit Gauguin und Nachfolgedenkern. Woher kommen wir, wohin gehen wir. Wer sind wir. Ein großer Maler zweifellos, irgendwie altägyptisch. Ausgerechnet der fragt sich das, im damals nicht so recht funktionierenden Paradies Tahiti.

Woher kommen wir?

Und hier in rostigem Blech noch ein Seneca-Spruch. Wie tief das alles, angesichts der gewaltigen Natur, die man nicht verleugnen kann. Im Dumont-Kunstbuch gestern früh der großartige Bericht über die gotischen Fresken in Burg Runkelstein, intensive Beschwörungen des höfisch-ritterlichen Lebens, Maximilian I. der letzte Ritter hat es schon restaurieren lassen, fand es wertvoll. Was, wenn man dies weiterhin überall propagiert hätte, über die Jahrhunderte hinweg – Tristan und Isolde – statt der schrecklichen Märtyrer-Geschichten in all den alten Kirchen? Die Drohung mit Fegefeuer, Abschneiden von Körperteilen, die allgegenwärtige Todesangst, das Sterbenmüssen und Menschenquälen als vorbeugende Maßnahme allüberall praktiziert, um jeden gefügig zu halten. Nicht Minne und stolze Sitte. Hier in diesen Bergen ist die Sagenwelt meiner Kindheit zuhaus, Zwerg Laurin, Meister Hildebrand, Dietrich von Bern, Bern soll Verona bedeuten, der böse Erzbischof von Trient, auch in Musils „Portugiesin“ gemeint? Im Restaurant am Völser Weiher die Reproduktionen (vonwegen!!! Ignaz Stolz! siehe Textfoto oben aus Kunstführer) der heldischen Ölschinken des 19. Jahrhunderts, Hildebrand und Dietrich beim Hinmorden der Zwerge, deren Rosengarten sie zerstört haben, per Pferd der Raub einer Frau, deren Namen (Isenhilde? recherchiert: sie hieß SIMILDE) ich nie gehört hatte. Hier gibt es genau die Spaghetti al pesto, die ich vom Vorjahr in Erinnerung habe, mit satt ausreichend Öl. Am Nebentisch zwei Frauen, jung und mittelalt, keine Engstfreundinnen, wie wir erst dachten, sondern eher Mutter und Tochter, sie zischeln abwechselnd, dass in der Politik nur noch Homos und Lesben zu Amt und Würden kämen, schon der abfällige Ausdruck Greta Thunfisch hätte uns vorwarnen müssen, die weiß nix über lebensnotwendiges CO2, die lächerliche Genderisierung allenthalben, dann der Vergleich der beiden Demonstrationen in Berlin, das Unrecht in der Berichterstattung, obwohl die Klima-Typen alle unmaskiert und viel zu dicht beieinander usw., Corona sowieso alles Fake, wie man an SARS beweisen kann. Niemand habe das in den Medien moniert, die sind ja auch durchweg unterwandert! Aber all dies kam von Tisch zu Tisch vielleicht nicht so geballt rüber wie in meiner Rückerinnerung. Ganz viele Fakten, die wir nie gehört hatten, wir Ahnungslosen, und hier sozusagen aus erster Augenzeugenquelle, die beiden kommen aus Ost-Berlin. Ich fange an, mir was zu notieren, und sie helfen mir auf die Sprünge. Man hilft mir gern. Die Damen sind auch derart beschlagen, zudem enorm mitteilungsfreudig. Und sehr aufgeschlossen, fast freundlich zugewandt. Sie haben Corona-Angst, Test-Angst, Zwangsteste, vor allem, dass die Grenzen bald zu sind, „nein, meine DNA geb ich doch nicht her“. Slowenien war zu, die Tschechei, jetzt Luxembourg. Jetzt Tirol, das macht doch hier im Süden nicht halt! Die jüngere zeigt mir im Smartphone Dokumente der Bundesregierung, Heiko Maas hat das noch mit ausgearbeitet und dann hat man es aus dem Blickfeld verschwinden lassen, denn wir sind alle auf dem Weg in die absolute Gedankenkontrolle. Die wichtigsten Fakten werden schon gelöscht. „Was, das haben Sie nicht mitbekommen?“ Ich staune über das Detailwissen, sage aber probeweise das warnende Wort „Verschwörungstheorie“, ohne es anklagend zu meinen, nur als Versuchsballon, keine beleidigte Reaktion, ja, überhaupt keine, was etwas auffällig ist. Als ob sie das schon kennen. Das Wort Atlantikpakt. Claus Kleber! Ja, da stimme ich zu, – dessen unangenehme Berichterstattung, wie er bebend vor kaum verhaltener Erregung seine Nachrichten übermittelt. Ich sage „Kassandra“. Das mögen sie nicht, vielleicht weil es femininum ist. Oder zu positiv. Ich habe auch Bill Gates gesagt. Nein, sagen sie, Bhakti hat uns die Augen geöffnet, ja mit B-H am Anfang, Virologe, indonesischer Name. Servus-TV am 9. September, kann man bestimmt noch abrufen. Vor allem Thorsten Schulte, „fremdbestimmt“, grundlegendes Buch. Wer hat am Zweiten Weltkrieg verdient? Und jetzt? Alle einschlägigen Fakten im Internet werden automatisch gelöscht. Aber keiner will davon gewusst haben.

Völser Weiher

Faktencheck zuhaus. Jedes Stichwort gibt auf Anhieb die entscheidende Information frei: in allen Punkten sehr umstritten. Es dämmert uns, – lupenreine AfD-Nähe, aber absolut getarnt und abgedichtet. Wir haben nicht erkannt, dass wir darüber doch schon allerhand Berichte gehört haben. Da ging es um die Löschung volksverhetzender Beiträge in Facebook.

Zur speziellen Meinungsbildung:

Wer ist Sucharit Bhakdi: hier. Und in Servus TV (50 Minuten) hier. Atlantikbrücke hier . Thorsten Schulte („Fremdbestimmt“) hier. 2012 Risikoanalyse Pandemie durch Virus 17/12051 hier (Seite 5 und Seite 88)

Netzwerk Durchsetzungsgesetz hier. Oder auch hier (Heiko Maas).

Fazit: Achtung AfD-Nähe Weiteres über die Hintergründe hier bei LANZ.
Neutraler Ausklang

Nicht ohne beachtliches Fegefeuer

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Eine Wiederholung (als Übung, aus dieser Thematik rauszukommen): HIER (26.11.2019)

Eine spätere Lehrstunde über Verschwörungstheorien bei LANZ: Hier (erstellt 1.10.2020)

Polarisierung, rassistische Codes und Medien

Statements aus einer Lanz-Sendung

https://www.zdf.de/gesellschaft/markus-lanz/markus-lanz-vom-25-august-2020-100.html

HIER ab 6:12 bis 10:22 (Video verfügbar bis 24.09.2020

Rushdie: „Make America great again“ meint eigentlich „make America white again“

Lanz: Wie groß ist denn die Wahrscheinlichkeit, dass da überhaupt nochmal irgendjemand miteinander ins Gespräch kommt, und wo ist dieser amerikanische Optimismus geblieben? Wir waren doch immer die Deutschen, die an allem rumzumeckern haben. Aber das, dieses Destruktive, der Hass, der da zum Teil die Zweifel, die da gesät werden…, das hat doch mit dem Amerika, das wir kennen, nichts mehr zu tun…

MELINDA CRANE (6:36) : Richtig, diese Polarisierung ist nicht alleine Schuld von Donald Trump. Die Polarisierung (ein guter Punkt!) ist mindestens seit 20, 30 Jahren (wann hat das begonnen, für Sie, und wo?) – eigentlich in der Zeit der 80er Jahre unter Ronald Reagan. Er hat zum Teil die gleiche Sprache benutzt wie Donald Trump, zum Beispiel auch eine Code-Sprache, die versucht Angst zu erwecken. Und zum Teil auch Angst, die mit Rassen-Ressentiments zusammenhängt, und das haben wir gestern Abend auch gesehen und gehört, wenn einige Redner davon sprechen, dass der Mob in die Vororte drängt, da[s] ist implizit in dieser Aussage: der schwarze Mob dringt in die weißen Vororte. (Genau!) Mit genau solchen Vorurteilen spielte auch Ronald Reagan. (Entschuldigen Sie, weil Sie das gerade sagen: Salma Rushdie saß mal hier, fällt mir grade ein, und er sagte damals: wenn er sagt „make America great again“ meint er eigentlich „make America white again“, und das versteht auch jeder so.) Und es ist auch so, dass die Republikanische Partei in den letzten Jahren immer weißer wird, schwarze Amerikaner wählen überwiegend demokratisch, die Republikanische Partei wird auch immer älter, christlicher und männlicher. Das heißt, die Demokratische Partei – das haben wir auch letzte Woche gesehen bei deren Parteitag – wird wirklich sehr divers, und es gab auch wirklich sehr viel verschiedene Stimmen auf diesem demokratischen Parteitag, insoweit, – es gibt auch die Botschaft der … Einigung, der Wunsch nach einem Ende dieser Spaltung, das wurde sehr stark formuliert von Joe Biden auf dem demokratischen Parteitag, auch von Menschen aber, die bisher als spaltend galten, z.B. Bernie Sanders, oder Elizabeth Warren, sie haben sehr klar gesagt in dieser letzten Woche: wir müssen uns einigen, wir müssen unsere Demokratie schützen (Ja, aber das Verrückte ist, wenn man denen zuhört, offensichtlich versteht darunter jeder etwas anderes!). So ist es, und das ist gerade die Bedeutung von Polarisierung. Polarisierung heißt nicht nur: Republikaner gegen Demokraten, sondern Polarisierung heißt: zwei vollkommen unterschiedliche Weltanschauungen, die (genau!) aufeinanderprallen. Und dies hat leider auch mit Medienpolarisierung zu tun. Viele Amerikaner konsumieren nur die Medien, die ihre bevorstehenden Ideen und Urteile bestätigen. (Leben im Klischee, ja?) bei Republikanern, ja, Fox News ist das Beispiel dafür, und diese Vision, die wir gestern Abend gehört haben auf dem Republikanischen Parteitag, eine sehr sehr düstere Vision, das ist genau die Vision, die sehr stark von Fox News zum Beispiel propagiert wird. Und deswegen kann es sein, dass ein Republikaner, der in der letzten Zeit seinen Job verliert oder das Gefühl hat, sein Job steht in Gefahr wegen der Coronakrise, dass der trotzdem sagt: die Wirtschaft blüht! Weil die Aktienmärkte stark sind. Und das ist gerade der Barometer von Donald Trump und auch von Fox News, dafür wie gut die Wirtschaft läuft. Von daher kann es sein, dass wir im November sehen, dass Menschen, die selbst hart betroffen sind von dieser Krise, sagen: ja, aber die Wirtschaft, die wird schnell wieder zurückkommen, und dafür ist Donald Trump verantwortlich, und deswegen wähle ich ihn. (10:22)

10:47 St. Louis 26.06.2020: bewaffnetes Ehepaar vor dem Haus

Lanz: … weil Sie gerade sprachen über den Mob, Sie sagten, da wird aber insinuiert: der schwarze Mob zieht in die weißen Vorstädte… wir erinnern uns an diese Szene des Ehepaares, ich glaube St. Louis war es, die McCluskies (?) vor ihrem Haus standen ehm bewaffnet, und es ziehen die Demonstranten an ihrem Haus vorbei, und es war lange unklar, was es mit dieser Szene auf sich hatte. Und die beiden werden jetzt genutzt und gezielt eingesetzt. Wir hören mal rein: (Film läuft)

Melinda Crane: das war der absolut erstaunlichste Moment.

FILM-UNTERTITEL (Frau spricht): Machen Sie keinen Fehler, egal wo Sie leben. Ihre Familie wird unter den radikalen Demokraten nicht sicher sein. (Mann spricht): Präsident Trump wird das gottgegebene Recht eines jeden Amerikaners schützen, ihre Häuser und ihre Familien zu verteidigen.

Lanz: So, diese Sprache wieder, – wir haben hier vor ein paar Wochen schon mal zusammen gesessen: Demokraten sind nur noch Linksradikale, aus Prinzip, das hat sich etabliert! (11:36) Melinda Crane: Später spricht er von den Marxisten. In der Demokratischen Partei. er spricht davon, dass diese Partei den Menschen die Waffen wegnehmen will. Dass diese Partei den Mob in die Vororte dann lässt, damit der Mob Billigwohnungen dort macht und praktisch die Menschen dort – sie haben gesagt: die Vororte abschaffen. Das alles ist eine Codesprache für den Rassismus. Und dieses Paar wurde sogar strafrechtlich angezeigt dafür, dass sie ihre Waffen auf friedlich Protestierende gerichtet haben. Sie wurden angezeigt, und sie bekommen einen prominenten Platz am ersten Tag des Republikanischen Parteitags. Das war für mich der absolut erstaunlichste Moment von dem ganzen Abend. (12:31)

Lanz: Aber es zeigt, wie Propaganda funktioniert.

(Fortsetzung folgt)

16 Minuten Weg zwischen den Generationen

Coccia, Plessner, Gehlen, Adorno

Es war die aufgeschriebene Vision eines alten Mannes, die mich am vergangenen Donnerstag stark berührt hat, heute die eines jungen Mannes, dessen munteres Daherreden auf youtube genau meine Themen betraf. Zum Beispiel die Linie zwischen Außen und Innen, die mich schon oft beschäftigt hat.

Zwischen David Johann Lensing (*1989) und Edgar Reitz (*1932)

Private Höhle und öffentlicher Raum

 Direkt vom Papier ins Medium:

 Quelle: DIE ZEIT

DIE ZEIT 4. Juni 2020 No.24 Seite 50 Warum wir das Kino brauchen / Die Coronakrise zeigt, dass das Kino als Ort der Zuflucht und des Rückzuges umso wichtiger wird. Aber dafür muss es sich verwandeln. Von Edgar Reitz.

Das Innen und das Außen  13:13 / Anthropologie der Sinne

 Zum Nachlesen HIER

(Fortsetzung folgt)

Museum und integrales Konzert

Wie es – wohl oder übel – begann

Aus der Anfangszeit in Greifswald (um 1943) habe ich ein Püppchen aufbewahrt: es befand sich lebenslang in einem durchsichtigen Plastikkästchen – wie Schneewittchen im gläsernen Sarg – und gab mir immer wieder Rätsel auf:

Eine Radio-Sendung am 16. Dezember 1959 im III. Programm NDR (Autor: Hans Otte): „Das imaginäre Konzert“. Die ganze Mitschrift (auch zur vorhergehenden Literatur-Sendung) folgt später in diesem Blog. Für mich ein kleines Zeit-Dokument.

Mit diesen Kladden meinte ich es ernst. Einige Zeit vorher gab es die Jugendbücher „Das Neue Universum“ und „Durch die weite Welt“, das eine für mich, das andere für meinen Bruder; wir stritten uns über die Vorzüge des einen gegenüber dem anderen. Seit früher Kindheit aber gab es eine zweite Art von Bibel, das REALIENBUCH. Meine Oma gebrauchte sogar, ohne den Fehler zu bemerken, für das Wort Regal ein anderes und sagte: „Hol dir doch das Buch da aus dem Real!“ Es wurde ganz allmählich meins, und sobald ich einen Stempel mit beweglichen Lettern besaß, setzte ich meine Initialen hinein:

 1947 1999 2001

Ich habe diese Bücher gar nicht planmäßig studiert, eher ironisiert, aber sie haben mich durch ihr Outfit fasziniert. Sie demonstrierten mir überzeugend den Wert der Bibliothek hinter mir und um mich herum. Diese existiert ja und erweitert sich womöglich zur letztendlichen Selbstfindung. Genau so die Bilder des Museums: vor allem die Idee des Imaginären Museums, die ich André Malraux verdanke. Vielleicht irrtümlich.

 André Malraux (1947) 1961

 John Berger 1974

Was hier noch fehlt, ist die Aufnahme einer Schulfunksendung etwa 1959, in der ein Japaner (in seinem besonderen Deutsch) aus seiner Kindheit erzählte, dabei immer wieder in voller Stärke das Gagaku-Stück „Etenraku“ anspielte, das mich restlos begeisterte. Später war es die Protokollierung einer Radiosendung 1960/61, die Musik „aller Zeiten“ präsentierte (aber nicht aus aller Welt), vielleicht von Hans Otte… (habe ich eben eingefügt, richtiges Datum 16.Dez.1959)

Quelle NZZ 2.9.2014 „Das totale Museum für daheim“ Bernhard Dotzler über Walter Grasskamp über „André Malraux und das imaginäre Museum“ (2014).

HIER

Soweit auch die heute fast auf der Hand liegende Kritik. Ich spare mir einen distanzierenden Text zu alldem und füge hinzu: Anfang der 60er Jahre gehörte noch unbedingt hinein: C.G.Jung „Gesammelte Werke“, Sri Aurobindo „Der integrale Yoga“, Simone de Beauvoir und Alfred C. Kinsey.  Alles zielte auf Vollständigkeit oder Vervollständigung. Es ging ums Ganze. Es begann halt so ähnlich, und am Ende stand in aller Bescheidenheit der Text von Wilhelm (nicht Alexander) von Humboldt über mentale Weltaneignung:

Wer, wenn er stirbt, sich sagen kann: ‚Ich habe soviel Welt, als ich konnte, erfasst und in meine Menschheit verwandelt‘ – der hat sein Ziel erreicht.

Zitiert aus dem nach wie vor lesenswerten Buch von Rüdiger Safranski: Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch? (Fischer Taschenbuch 2004)

Ich vergaß zu erwähnen, welchen Eindruck in den 60er Jahren Robert Musil und Marcel Proust in meinem allezeit formbaren Gemüt hinterließen. Und als ich gerade eben den Schreibtisch verließ, um im Schlafzimmer meine fünf oder sechs Morgenübungen zu machen, fiel mir ein schmales Buch ins Auge, das ich heute Nacht an dieser Stelle aufgeschlagen liegen ließ (ich lüge nicht!!!!), weil es perfekt die Situation der Fake-Welt beschreibt, für deren schamlosen Gebrauch sich selbst die Satiriker Joko und Klaas (Heufer-Umlauf) gerade in der Morgenzeitung entschuldigen mussten (nur weil sie ertappt wurden):

Die Lüge ist die Signatur dieser Welt. Sie durchdringt die zwischenmenschlichen Beziehungen jeder Art, die Gesellschaft, die Liebe, die Freundschaft, die Motive des Handelns, ja noch die Vorstellung der Individuen von sich selbst. Wo die Lüge zur universalen Herrschaft gelangt, verfälscht sie nicht nur jedes Ich und jedes Du bis zur Unkenntlichkeit, sondern wird, so paradox es scheinen mag, zum Instrument der Wahrheitsfindung. „Diese Lüge“ – so schreibt Proust – „gehört zu den einzigen Dingen auf dieser Welt, die uns Ausblicke auf Neues und Unbekanntes zu eröffnen, unsere schlafenden Sinne für die Betrachtung von Welten zu erwecken vermögen, die wir sonst nie gekannt hätten.“ Proust hat diese Möglichkeit an vielen Stellen in seinem Roman konkretisiert. Die Lebenslüge schließt die Lüge sich selbst gegenüber, das Nicht-wahr-nehmen-Wollen des Todes und die zur erbärmlichen Mitleidlosigkeit führende Furcht vor der Besinnung über die eigene Existenz mit ein. Viermal – leitmotivisch – hat Proust das Thema von der Ignorierung des Todes eines engen Freundes oder nahen Verwandten verwendet. Der Duc de Guermantes verleugnet den Tod des Vetters, die Duchesse ignoriert die tödliche Krankheit Swanns, die Verdurins verbannen zweimal jede Erinnerung an verstorbene Freunde aus ihrem Kreis. Die Ursache dieses Verhaltens […].

Quelle Erich Köhler / Angelika Corbineau-Hoffmann: Marcel Proust / Erich Schmidt Verlag Berlin 1994 (Seite 33)

Aus dem oben schon zitierten Globalisierungsbuch von Safranski möchte ich noch ein erhellendes Zitat folgen lassen, das sozusagen Humboldt durch Goethe ergänzt:

Goethe, der genau wußte, was für die Bildung eines Individuums erforderlich ist, schreibt in ‚Wilhelm Meisters Wanderjahren‘: Der Mensch ist zu einer beschränkten Lage geboren; einfache, nahe, bestimmte Ziele vermag er einzusehen und er gewöhnt sich, die Mittel zu benutzen, die ihm gleich zur Hand sind; sobald er aber ins Weite kommt, weiß er weder, was er will, noch was er soll, und es ist ganz einerlei, ob er durch die Menge der Gegenstände zerstreut oder ob er durch die Höhe und Würde derselben außer sich gesetzt werde. Es ist immer sein Unglück, wenn er veranlaßt wird, nach etwas zu streben, mit dem er sich durch eine regelmäßige Selbsttätigkeit nicht verbinden kann.

Goethe hat, wie so oft, auch hier das Richtige getroffen. Es gibt eine Reichweite unserer Sinne und eine Reichweite des vom Einzelnen verantwortbaren Handelns, einen Sinnenkreis und einen Handlungskreis. Reize, so kann man mit großer Vereinfachung sagen, müssen irgendwie abgeführt werden. Ursprünglich in der Form der Handlungs-Reaktion. Handlung ist die entsprechende Antwort auf einen Reiz. Deshalb sind auch der Sinnenkreis, worin wir Reize empfangen, und der Handlungskreis, in dem sie abgeführt werden, ursprünglich miteinander koordiniert. Aber eben nicht gut genug koordiniert. Auch hierbei sind wir Halbfabrikate. Wir müssen nämlich selbst ein Filtersystem entwickeln, das Reize, auf die man gar nicht angemessen reagieren kann oder auch nicht zu reagieren braucht, wegfiltert. Unsere Sinne sind vielleicht zu offen. Unser diesbezügliches Immunsystem ist nicht ausreichend. Auch das gehört zur Arbeit an unserer zweiten Natur: die Entwicklung eines kulturellen Filter- und Immunsystems.

Mit der globalen Informationsgemeinschaft der Medien aber haben wir diese Aufgabe auf sträfliche Weise vernachlässigt. Denn die globale Informationsgemeinschaft bedeutet in diesem Zusammenhang: daß die Menge der Reize und Informationen den möglichen Handlungskreis dramatisch überschreitet. Der durch Medienprothesen künstlich erweiterte Sinnenkreis hat sich vollkommen vom Handlungskreis losgelöst. Man kann handelnd nicht mehr angemessen darauf reagieren, also die Erregung in Handlung umsetzen und abführen. Während einerseits die individuellen Handlungsmöglichkeiten schwinden, steigert andererseits die unerbittliche Logik des Medienmarktes mit seinen Informations- und Bilderströmen die Zufuhr von Erregungen. Das muß so sein, weil ja die Anbieter von Erregung um die knappe Ressource ‚Aufmerksamkeit‘ beim Publikum konkurrieren. Dieses aber, inzwischen an Sensationen gewöhnt und danach süchtig, verlangt nach einer höheren, jedenfalls neuen Dosis von Erregung. Statt Handlungsabfuhr: Erregungszufuhr.

Quelle s.o. Safranski: Wieviel Globalisierung verträgt der Mensch? (a.a.O. Seite 77 ff)

Es wird schon schwer, dieses Zitat mit dem zusammenzudenken, das Marcel Proust betraf. Und obendrein liest es sich am Ende schon wie Andreas Reckwitz. Siehe hier.

Man kann sich wohl nicht anders dazu verhalten als: die Widersprüche vorüberziehen zu lassen, ohne zu versuchen sie aufzulösen oder mit einem Schwerthieb zerschlagen.

Die täglichen Entscheidungen

…lassen sich kaum „aus dem Bauch heraus“ treffen

Es sei denn, man hat es oft geübt oder einiges dazu gelesen. Das kann die Einschätzung des Kopftuchtragens ebenso betreffen wie die Fan-Proteste beim Fußball oder die Angst vor dem Corona-Virus. Und wenn man in der Presse etwas gelesen hat, wodurch das eigene Für und Wider umgeschwenkt ist (und wieder zurück), neigt man dazu, der Presse die Schuld zu geben. Am besten, so scheint es dann, greift man das vielgebrauchte (und ungewollt eingeübte) Schimpfwort Lügenpresse auf… Falsch! Nichts ist falscher als das: nicht die andere (von meiner vorgefassten abweichende) Meinung ist schuld, sondern die komplexe Sachlage, die fast immer mehrere Sichten gestattet, und dann wäre es einfach eine davon, auf welche ich mich festlege, ohne noch weitere Argumente hinnehmen zu wollen.

Wenn ich es aber offen lasse, bedeutet das nicht, dass es mir egal wird, ich beobachte die Sache mit hoffentlich klarem Sinn für Ambivalenz und entscheide in dem Augenblick, wo es akut wird, und zwar, als geschehe es  „aus dem Bauch heraus“. Aber nur dann.

Auch heute ging es mir so – natürlich auf Grundlage der Presselektüre: sie gibt mir nicht nur Argumente, sondern auch die Zeit, – einfach so als Muße oder auch zum Strukturieren eigener Gedankengänge, die über das wilde Assozieren hinausgehen, – das ja auch einen Sinn hat oder annehmen kann, wie eine Zettelsammlung oder ein großes Blatt Papier, auf dem man (un)willkürliche Einfälle notiert.

Wenn ich die Namen nenne, höre ich schon die Aufschreie: Waaas? Komm mir nur nicht damit, das ist ja eine ganz Linke (oder Rechte), ein Wirrkopf sondergleichen, dieser gelernte Oberlehrer usw. usw., das wäre genau das, was ich günstigenfalls schon hinter mir habe. Ich könnte also zur Sache drängen. Oder mit Ausweichmanövern reagieren. Zum Beispiel indem ich sage, dass ich nichts gegen den Islam habe, außer wenn die Moslems einen „Ungläubigen“ anders traktieren als einen Gläubigen der anderen Schriftreligionen. Oder: Fußball ist ein Sport für Proleten und Professoren und alles dazwischen.

Ich nenne etwa die Namen Sonja Zekri (Kopftuch und Islam), Lothar Müller (Epidemie und Journalismus), Bernd Schwickerath (Fußball und Plutokratie) und gestehe, dass ich während der Lektüre einige Male das Smartphone bemüht habe, Stichworte „Gentrifizierung“ und „Spanische Grippe“. Ich könnte auch Sätze zitieren: „Aber um ihn selbst geht es ja nicht. Hopp ist das Symbol. Für einen gentrifizierten Fußball, den sich Milliardäre als Hobby gönnen. Ein chemisch reines Produkt ohne Fankurven.“ Oder selber erfinden: Die schlimmste Seuche der Neuzeit hat mehr Opfer gekostet als der Erste Weltkrieg. Diesen aber haben sich die Völker zusätzlich geleistet. Das Wort „Spanische Grippe“ hat man erfunden, weil Spanien damals das einzige Land mit freier Presse war und über die Krankheit berichtet hat (nicht nur über den siegreichen Kriegsverlauf wo auch immer).

Ich schließe mit den Quellenangaben und Dank an die Presse.

Quellen 

Süddeutsche Zeitung 29.Februar/1.März 2020 Seite 15 Verhüllen, um zu zeigen (Kopftuch-Urteil und Vorurteil) / Von Sonja Zekri

SZ (wie vor) 29. Februar/1.März 2020 Seite 15 Der Seuchen-Reporter Seit es die moderne Öffentlichkeit gibt, erfassen Infektionskrankheiten die Gesellschaften, ehe die physischen Erreger sie erreicht haben. Mit Daniel Defoes „A Journal of the Plague Year“ beginnt das Zeitalter der Prävention in der Weltliteratur / Von Lothar Müller

WZ/Solinger Tageblatt 02.03.2020 Seite 2 Meinung und Analyse  DFB setzt auf Härte – und die Spirale dreht sich weiter Von Bernd Schwickerath

Des weiteren lese ich (im NMZ Newsletter 28. Februar 2020):

Corona-Virus: Deutsche Konzert- und Tourneeveranstalter bangen um ihre Existenz

Nachdem in Norditalien und der Schweiz größere Musik- und Sportveranstaltungen nicht mehr stattfinden dürfen und auch in Deutschland bereits erste Messeveranstaltungen abgesagt wurden, bangen auch die deutschen Konzert- und Tourneeveranstalter um ihre Existenz.

*    *    *

Was bleibt? Einer der wichtigsten Grundsätze „Komplexität aushalten“.

Sonja Zekri: „Nur in einer Gesellschaft, die Muslimen misstraut, weil sie Muslime sind, ganz gleich, ob gläubig oder säkular, kann die demonstrative Verhüllung zu einem Ausdruck der Selbstbehauptung werden. Sie ist eben nicht Unterwerfungsgeste, sondern auch ein Aufbegehren gegen das Urteil der Mehrheit darüber, wer ein Muslim ist und wie er zu sein hat. Dieses Ineinanderspiel von kultureller Identität und politischem Appell, Abgrenzung und Integrationsbemühen ist, zugegeben, etwas verwirrend.“  (Siehe oben angegebene SZ-Kolumne)

Was bedeutet es eigentlich, wenn im Text „Der Seuchen-Reporter“ das Aufkommen von „Print 2.0“ erwähnt wird? Ich empfehle unter dem Stichwort „Web 2.0“ nachzulesen: Wikipedia hier. Dort besonders unter „Hintergrund“, „Verbreitung des Begriffs“ und „Charakteristika“. Es hatte bei mir mit dem Zwang zur Neugestaltung meines Lebens (nach 2005) durch Wegfall bzw. Reduzierung der „Plattform Rundfunk“ zu tun. Nicht zufällig erscheint im Wikipedia-Artikel dieselbe Jahreszahl auf (davon hatte ich damals keine Ahnung, mir half JMR auf die Sprünge):

ZITAT Wikipedia Print 2.0

Folgende Entwicklungen haben ab etwa 2005 aus Sicht der Befürworter des Begriffs zur veränderten Nutzung des Internets beigetragen:

  • Die Trennung von lokal verteilter und zentraler Datenhaltung schwindet: Auch Anwender ohne überdurchschnittliche technische Kenntnis oder Anwendungserfahrung benutzen Datenspeicher im Internet (etwa für Fotos). Lokale Anwendungen greifen auf Anwendungen im Netz zu; Suchmaschinen greifen auf lokale Daten zu.
  • Die Trennung lokaler und netzbasierter Anwendungen schwindet: Programme aktualisieren sich selbstständig über das Internet, laden Module bei Bedarf nach und immer mehr Anwendungen benutzen einen Internet-Browser als Benutzerschnittstelle.
  • Es ist nicht mehr die Regel, die einzelnen Dienste getrennt zu nutzen, sondern die Webinhalte verschiedener Dienste werden über offene Programmierschnittstellen nahtlos zu neuen Diensten verbunden (siehe Mashups).
  • Durch Neuerungen beim Programmieren browsergestützter Anwendungen kann ein Benutzer auch ohne Programmierkenntnisse viel leichter als bisher aktiv an der Informations- und Meinungsverbreitung teilnehmen (siehe User-generated content)

Soweit der Wikipedia-Artikel „Print 2.0“. Ich hatte damals eigentlich etwas ganz Anderes geplant. Nämlich ein System zu nutzen, das eine neue visuell vermittelte Form des Denkens ermöglichte (und mich irgendwie an die Gedankenentwicklung bei der Ausarbeitung von Radio-Sendungen erinnerte: mit Hilfe großer Papierbögen, auf die sich die einzelnen Motiv-Areale verteilen und mit Linien verbinden ließen. (folgt)

*    *    *

Was ich jetzt lieber geschrieben hätte:

Etwas über einen ZEIT-Artikel von Judith Butler (über Hegels „Herr und Knecht“), dann über Philosophinnen von Hypatia (s.a. hier) bis Judith Butler (nach dem Philosophie-Magazin Sonderausgabe 13 / Oktober 2019), etwas Kritisches über Knausgårds Wiedergabe der Kritik eines Kollegen an Munchs Bildnis seiner Schwester Inger Munch in schwarz, denn mir gefällt das Schwarz (weil ich kein Fachmann bin). Dann vor allem – angeregt durch Judith Butler – über Hegels „Herr und Knecht“ anhand anderer Quellen. (Es geht um Selbst-Bewusstsein, jedenfalls mehr als um Selbstbewusstsein.)

Und auch über die dionysische Erregtheit schriller Instrumente des Altertums, die im Vorderen Orient besänftigt wurden und erst in dieser Form bei uns eine modische Begeisterung für ethnisch inspirierte Melancholie auslösten. Aulos in der griechischen Antike und Memet im alten Ägypten, Duduki in Armenien.

 (Wikipedia hier)