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Annapurna Devi

Die große Künstlerin und Lehrerin ist am 13. Oktober gestorben 

Zu Lebzeiten ist sie früh verstummt. Erst aus dem Nachruf erfährt man, dass sie vielleicht ihrem Ehemann (bis 1981) Ravi Shankar den Vortritt gelassen hat. So jedenfalls schimmert es bei George Ruckert durch, der ein vertrauenswürdiger Gewährsmann ist. Hier die Quelle (The New York Times 24.10.2018).

 ISBN 81-215-0872-X (1998)

Darin über Ali Akbar Khan Seite 240 („eventually married“?):

 …spent learning from the same guru.

In Ravi Shankars Selbstbiographie „Meine Musik, mein Leben“ (Nymphenburger Verlagshandlung 1969) las ich 1974 von den Anfängen:

Und jetzt in Wikipedia hier folgendes:

Annapurna Devi became a very accomplished surbahar (bass sitar) player of the Maihar gharana (school) within a few years of starting to take music lessons from her father Alauddin Khan. She started guiding many of her father’s disciples, including Nikhil Banerjee and Bahadur Khan, in classical music as well as in the techniques and intricacies of instrumental performances. In 1941, age 14, she married one of her father’s talented students, Ravi Shankar. She converted to Hinduism upon marriage. 

In the 1950s, Ravi Shankar and Annapurna Devi performed duets in Delhi and Calcutta, principally at the college of her brother, Ali Akbar Khan. But later, Shankar she decided not to reduce and finally stop performing in public. Her student Vinay Ram says that she was uncomfortable accepting payment for concerts, as it was her belief that it was akin to selling Saraswati (the Godess of learning).

Ich werde sie nie vergessen, obwohl ich sie von allen großen indischen Künstlerinnen oder Künstlern am wenigsten kannte. Was von ihrer Musik erhalten ist, ist von dürftiger technischer Qualität, lässt aber ahnen, was sie für die Welt hätte sein können.

Nachtrag 2.11.2018 (Facebook-Hinweis von Manfred Bartmann. Danke!)

Die Web-Zeitung Scroll.in (Wikipedia hier) zitiert am 14. Oktober 2018 aus einer Biographie der verstorbenen Künstlerin: An unheard melody ANNAPURNA DEVI An authorised biography by Swapan Kumar Bondyopadhyai. 

Über das komplexe Verhältnis zu Ravi Shankar (mit interessanten Bildern) HIER !

Raga Piloo 1966 – 2016

Sitar und Violine

Am 23. April 2016 im Konzerthaus Berlin, – anklickbar unten, aber auch hier, wenn Sie das Bild in ein separates Fenster verlegen und beim Zuhören weiterlesen wollen; oder auch, wenn Sie zwei der hier gegebenen Versionen unmittelbar miteinander vergleichen wollen. Die Geige beginnt hier bei 1:29. Interessant aber auch die Wechselwirkung der beiden Protagonistinnen A & P vorher. Einsatz der Tabla bei 6:00. (A blättert um.) Einsatz der Geige (+ Sitar) bei 6:13. Weiß P, wann sie dran ist? / Ende 16:28.

Rückblick

ZITAT

Einige Jahre später, 1955, versuchte Yehudi anläßlich einer Indischen Woche im Museum of Modern Art in New York für mich ein Konzert zu arrangieren. Leider konnte ich zu diesem Zeitpunkt nicht nach New York kommen, schickte jedoch statt meiner Ali Akbar und den jungen tabla-Spieler Chatur Lal. Viele Male bin ich an den gleichen Orten aufgetreten wie Yehudi, doch nicht mit ihm zusammen, da war die UNESCO-Feier 1958 und das Commonwealth-Festival 1966. Bei den Festspielen in Bath 1966, mit deren Leitung er beauftragt war, spielten wir dann unser erstes Duett. Die Festspielleitung hatte einen jungen deutschen Komponisten beauftragt, für uns ein Stück zu schreiben, doch als wir probten, schien die Musik nicht zufriedenstellend. Wir ließen den Anfang der Komposition mehr oder weniger unverändert, doch den Rest schrieb ich völlig um und behielt nur Raga Tillang als Grundlage bei. All das machten wir in nur drei Tagen! Das Stück hatte sofort Erfolg. Als wir kurz darauf eine Plattenaufnahme davon machten, schrieb ich es wieder völlig um und nannte es „Swara Kakali“. Ich schrieb auch ein kurzes Solo für Yehudi auf der Basis der Morgen-raga Gunakali und nannte es „Prabhati“, was „vom Morgen“ bedeutet. Yehudi hatte nie zuvor indische Musik gespielt, und in dieser kurzen Zeit waren seine Bemühungen, mit seinem Spiel dem indischen Geist möglichst nahe zu kommen, wirklich lobenswert. In dem neuesten Duett, das ich für uns komponiert habe, – es basiert auf Raga Piloo, und wir spielten es bei der Feier zum Tag der Menschenrechte am 10. Dezember 1967 bei den Vereinten Nationen – hatte er den Geist der Musik wirklich erfaßt, und ich bin sicher, daß während unseres Spiels dies dem Publikum ebenso bewußt wurde wie mir.

Es machte Yehudi große Freude, mit mir zusammen an einer Komposition zu arbeiten und sie zu proben; ich komponiere die Musik spontan, und er schreibt sie nieder. Wenn wir dann üben, ist es eine Freude zu sehen, wie dieser großartige Musiker all seinen Stolz und sein Selbstbewußtsein ablegt und wie ein Kind oder ein ergebener Schüler meinen Unterricht und meine Musik akzeptiert, obwohl er mir an Alter, Erfahrung und Ruhm überlegen ist. Nach jeder Probe springt er auf und umarmt mich, und ich kann fühlen, wie sehr er unsere Musik liebt. Seit meiner Kindheit war er mein Idol und Held, und nun nennt er mich seinen guru.

Quelle Ravi Shankar Meine Musik mein Leben / Einleitung von Yehudi Menuhin / Nymphenburger Verlagshandlung München 1969 (Zitat Seite 165 f)

Anoushka Shankar & Joshua Bell (anklickbar unten, aber auch hier) / ab 17:00 neues Stück „Pancham Se Gara“ (siehe Info hier , beim Vergleichen ist die unterschiedliche Höhe des Grundtones berücksichtigen)

Die Geige beginnt bei 0:59. Filmfehler: Die Bewegungen sind leider nicht ganz synchron mit dem Ton. Einsatz der Tabla bei 5:28. Rhythm. Feuerwerk, A hilft J beim Einsatz (5:44). Es sieht merkwürdig aus, dass J an der Bühne steht. Als ob er führt, aber das Gegenteil ist der Fall. (Es gibt eine erhellende Geschichte, die mir Vilayat Khan über eine Begegnung mit Heifetz im Hotel erzählte. Darüber an anderer Stelle.) Ende: 16:05.

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Quelle Walter Kaufmann: The Ragas of North India / Indiana University Press Bloomington London 1968 / Zitat Seite 389 f

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Ravi Shankar & Yehudi Menuhin / die alte Schallplatte (unten oder hier). Einsatz der Tabla bei 4:10.

Indien, Musik und Drogen 1969

Indische Sicht 

Neben den Teenagern gab es noch ein andere große Gruppe – bekannt als „Hippies“ – die zu meinen eifrigen Bewunderern wurden. Ich fand es sogar noch schwieriger, sie zu einem Verständnis und einer Wertschätzung unserer Musik aus dem richtigen Blickwinkel zu bringen. Der Grund dafür war, glaube ich, daß viele von ihnen verschiedene Arten halluzinogener Drogen nahmen und unsere Musik als Teil ihrer Drogenerfahrungen benutzten. Obwohl mich anfangs ihre Auffassung von indischer Musik als „psychedelischer“, geistiger und erotischer Erfahrung verletzte, merkte ich später, daß das nicht allein ihre Schuld war. Ich entdeckte, daß einige selbsternannte amerikanische „gurus“ in den letzten Jahren falsche Informationen über Indien verbreitet und gesagt hatten, fast alle bekannten Asketen, Denker und Künstler nähmen Drogen. Diese „gurus“ behaupteten sogar, man könne nicht richtig musizieren, meditieren und nicht einmal  das heilige Wort OM aussprechen, ohne unter dem Einfluß solcher Drogen zu stehen.

(…)

Indien wird nun überlaufen von ungewaschenen, rebellischen jungen Leuten; es ist wirklich traurig, die jungen Amerikanier und Europäer aus guten Familien zu sehen, die versuchen, auf diese Weise in Indien irgendeine Art von Spiritualität und Seelenfrieden zu finden. Sie merken nicht, daß sie nicht der echten indischen Religion, Philosophie und Denkungsart folgen, sondern sich wegen der Verbindungen mit Drogen und, in gewissem Maße, mit Sex, zu einigen der offen pervertierten und degenerierten Denkschulen hingezogen fühlen.

Bei einem meiner letzten Besuche in den Vereinigten Staaten kamen einige junge Männer zu mir, um Sitar zu lernen. Als ich sie zuerst sah, flößte mir ihr Aussehen Mitleid ein – sie waren blaß und anämisch und hatten glänzende, glasige Augen, ihre Hände hingen zitternd vor ihren schmutzigen Körpern, und sie zeigten eine seltsame, unnatürliche Nervosität. Als ich später merkte, daß einige recht begabt waren, wurde ich noch trauriger. Ich erfuhr dann, daß diese Jungen nicht nur gewohnheitsmäßig Marihuana rauchen, sondern auch LSD, Methedrin und Heroin nahmen. Ich versuchte verständnisvoll zu sein, und erklärte ihnen, sie müßten zuerst diese Gewohnheiten ablegen, bevor ich in Betracht ziehen könne, sie zu unterrichten. Doch sie antwortete mir mit den gleichen Worten, die ich inzwischen von Hunderten von anderen gehört habe – sie fühlten sich durch Drogen so viel „bewußter“, wären so viel geistvoller, und alles schiene viel schöner.

Quelle: Ravi Shankar – Meine Musik mein Leben Einleitung von Yehudi Menuhin  Nymphenburger Verlagshandlung München 1969 (Seite 185 f)

Westliche Sicht

Ich habe Ali Akbar Khan zum ersten Mal live spielen hören, als ich im Herbst 1969 als Erstsemester am Reed College in Portland, Oregon, anfing. Ich hatte seine Musik schon viel gehört und manchmal mit der Gitarre dazu gejamt, aber ich hatte noch keine Gelegenheit gehabt, ein Konzert zu erleben. Als guter Hippiejunge bereitete ich mich mit einer kräftigen Dosis Meskalin vor, meiner damaligen Droge der Wahl. Auf meinem Platz in der ersten Reihe war ich wie hypnotisiert von der Musik. Aber nach dem Konzert ging das Feuerwerk für mich erst richtig los. Die Leute liefen herum, redeten über den nächsten Tag, und ich saß ehrfürchtig da und fragte mich, warum alle aufgestanden waren. Die Musik spielte doch weiter!!! Der Raga, der Tala, alles lief weiter, und ich war der einzige, der das bemerkte. Die Gespräche um mich herum WAREN der Raga und das Trapsen der Füße WAR der Tala. Ich erlebte eine göttliche Darbietung der Musik der Sphären, des Liedes des Lebens! Wir haben natürlich alle transzendentale Drogenerlebnisse, aber wie viele davon dauern länger an als bis zum nächsten Sonnenaufgang? Diese Erfahrung ist jedenfalls immer noch bei mir. Ali Akbar Khan hatte mich auf die Ebene reinen Klanges gebracht, wo die Musik Gott berührt, wo die Musik Gott IST. Und damit hat er mein Leben in neue Bahnen gelenkt.

Quelle: Jais Blog – Ali Akbar Khans göttliche Musik – Notizen von Jai Uttal In: India Instruments  Rundbrief September / Oktober 2015 HIER (unter 5.) s.a. http://jaiuttal.com/

Ich erinnere mich, dass ich Anfang der 60er Jahre auch mit solchen Gedanken spielte, mir auf Biegen und Brechen neue Welten erschließen wollte, Aurobindo las und auch – mit Goethes „Faust“ als Schulerfahrung im Rücken – allen Ernstes magische Breviere anschaffte , die mir irgendwie beweiskräftig erschienen… irgendwie …. das ging vorbei, und als ich echter indischer Musik begegnete, konnte ich sie mit Esoterik nicht mehr verwechseln.

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