Schlagwort-Archiv: Zucker und Öl

Warum Wirtschaftswachstum?

Ende der Fahnenstange

  Es geht doch wieder?

Zufällig fragt man gerade danach nicht, mehr nach dem Wachstum der Temperatur.

Was also soll das mit dem Wirtschaftswachstum? Ich habe keine Ahnung warum, aber ich will wissen, warum wir daran nicht rühren sollen. Es ist doch das Lebensprinzip, sagen alle. Ich müsste also zunächst erklären, warum ich so schwarz sehe. Für mich selbst vielleicht nicht, – das wäre albern -, aber für meine Enkel. Andererseits weiß ich, dass mir niemand zuhört, wenn ausgerechnet ich die Kassandra spielte. Mein Wissen beziehe ich ja von anderen und vermag es auch nur mit Hilfe anderer zu überprüfen. Kurz und gut, ich beschränke mich auf Hinweise und lasse Menschen reden, denen ich vertraue. Nehmen Sie es hin. Und einer heißt eben Niko Paech. Mich interessiert, warum er ganz anderer Ansicht ist als die erfolgreichsten Ökonomen unserer Zeit. Heute Morgen wurde mir das Interview zugespielt, und es hat mich beeindruckt. Schauen Sie HIER .
Soll ich Zeit investieren, darüber nachzudenken? Oder reicht’s schon?! Es geht aber um viel mehr als meine Zeit heute, siehe oben: es geht um die ganze Lebenszeit meiner Enkel.

Also erkundige ich mich, ob der fremde Onkel eine vertrauenswürdige Biographie vorweisen kann. Wikipedia würdigt ihn mit überraschender Ausführlichkeit: HIER.

Und jetzt hätte ich es gern live von ihm selbst erklärt. Das folgende Video gefällt mir, weil der Vortrag durch zahlreiche Schautafeln ergänzt wird. Man braucht allerdings 50 Minuten dafür. Aber was ist das schon angesichts der nächsten 50 Jahre unsrer Enkel!?

Zugleich muss ich auf einen Zeitungsartikel eingehen, den ich inhaltlich letztlich so erschütternd fand, dass der Strohhalm einer „Postwachstumsökonomie“ sich gerade noch im rechten Moment bot. Wobei der Artikel aber auch so gut gemacht ist, dass ich mir vornahm, die narrative Technik, die mich sonst oft stört, geduldig zu betrachten; diesen journalistischen Eifer, die Trägheit des Lesers zu überlisten, – als dürfe sie einfach vorausgesetzt werden. Man glaubt, man habe sich über die Herrschaft von Menschen über Menschen schon oft genug aufgeregt, die Älteren unter uns haben zumindest dies in der 68er-Zeit gelernt. Ganz zu schweigen von der Geschichte Sklaverei, die einer ganz und gar vorrevolutionären Epoche anzugehören scheint. Trotzdem ist es gut, von einer tüchtigen Frau zu hören, die 2 Jahre jünger war als Mozart, sie lebte nicht weit von Birmingham, malte zeitlebens Bilder von Raupen und Schmetterlingen, trank täglich ihren Tee mit Zucker und wurde 71 Jahre alt. Ihr Name war Katherine Plymley, und das Schönste: es gab sie wirklich, man kann es mit ihrem Wikipedia-Artikel beweisen (hier), auch ihre Bilder findet man leicht im Netz. Natürlich wird keine Idylle daraus. Das entscheidende Signal ist das harmlose Wörtchen Zucker:

Es gab im 18. Jahrhundert noch keine Cola und keine Schokoriegel, trotzdem verzehrten die Engländer damals im Schnitt bereits fast zehn Kilo Zucker im Jahr, das Geld dafür verdienten sie zum Beispiel mit der Menschenjagd. Die Engländer waren die größten Sklavenhändler der Welt. In den Schaufenstern der Schiffsausrüster in Liverpool lagen Fußeisen, Daumenschrauben und spezielle Zangen, um Sklaven, die sich durch Nahrungsverweigerung das Leben nehmen wollten, den Mund aufzusperren.

Die Schockwirkung dieser Zeilen liegt auf der Hand, es ging um den Zuckeranbau auf Kuba, in großem Stil war das offenbar nur mit Sklavenarbeit durchzuziehen; man liest mit großer Wachsamkeit weiter, Gottseidank, unsere Heldin in spe war auf der Seite des Guten:

Katherine Plymley hörte auf, Zucker in ihren Tee zu rühren. Sie saß nicht im Parlament. Sie führte kein Sklavenschiff. Sie durfte nicht einmal wählen.

Undsoweiter, der Erfolg war bald abzusehen:

Katherine Plymley war nicht allein. Mehr und mehr Engländer fingen an, den Zucker aus der Karibik zu boykottieren. Tausende Menschen ohne Macht und Einfluss, die kein Gebäck mehr aßen und ihren Tee ungesüßt tranken.

Der Zuckerabsatz brach ein. Und was niemand erwartet hatte, geschah: Der Sklavenhandel kam tatsächlich zum Erliegen.

Ist das eine gute Geschichte? Man traut der Sache natürlich nicht. Die kurzgefasste Geschichte der Sklaverei sollte man wenigstens einmal überfliegen, es ist nicht zu fassen: HIER.

Und nun kommt die Volte des Journalisten, unglaublich, aber auch unglaublich wirkungsvoll. ZITAT:

Es gibt Zahlen aus der Gegenwart, die in einem interessanten Gegensatz stehen zu dieser Geschichte aus der Vergangenheit.

71 Prozent aller Deutschen halten die Sklaverei für das größte Problem der modernen Welt.

55 Prozent finden es in Ordnung, wenn Schulkinder den Unterricht schwänzen, um gegen die Sklaverei zu protestieren.

20 Prozent der Wähler haben bei der Europawahl für die Grünen gestimmt, eine Partei, die ihr Hauptziel in der Bekämpfung der Sklaverei sieht.

Aber fast 100 Prozent essen weiterhin Zucker. Das gilt auch für mich. Ich bin Teil eines Volkes von Scheinheiligen.

Ja, eine herrliche Wendung zum eigenen Ich und zum eigenen Volk… Finden Sie nicht? Lassen Sie diese Provokation auf sich wirken. Aber machen Sie mich ja nicht zum Schuldigen, ich bin nicht der Autor des Artikels, ich lobe ihn nur. Und er ist ein preisgekrönter Journalist. Da muss man auf alles gefasst sein. Er fährt fort:

Natürlich beziehen sich die genannten Zahlen nicht auf die Sklaverei, sondern auf die Erderwärmung. Das große Thema der Gegenwart ist nicht die Versklavung der Menschen, sondern die Zerstörung der Natur. Aber ich glaube, dass es da eine Parallele gibt. In beiden Fällen geht es darum, die Dinge billiger zu machen.

Ich vergaß, die Geschichte von der Sklaverei wirklich prägnant abzuschließen. Also die Geschichte der modernen Sklaverei in Zahlen, hier als Zitat aus dem oben angegebenen Wikipedia-Artikel:

 Von der Entdeckung Amerikas 1492 bis ins Jahr 1870 wurden mehr als 11 Millionen afrikanischer Sklaven nach Amerika verkauft. Die meisten davon (4,1 Mio.) gelangten über den transatlantischen Dreieckshandel in die britischen, französischen, holländischen und dänischen Kolonien in der Karibik. Fast ähnlich viele Afrikaner (4 Mio.) wurden von portugiesischen Händlern nach Brasilien gebracht. 2,5 Mio. wurden in die spanischen Kolonien in Südamerika verkauft. Die kleinste Gruppe bilden die ca. 500.000 afrikanischen Sklaven, die in die dreizehn britischen Kolonien auf dem nordamerikanischen Festland und in die 1776 gegründeten Vereinigten Staaten gelangten.

Aus dem Werk MUNTU von Janheinz Jahn („Umrisse der neoafrikanischen Kultur“ Verlag Diederichs Düsseldorf 1958) habe ich eine eindrucksvolle „Migrations“-Karte in Erinnerung:

Fortsetzung der Geschichte, – also: die Zahlen vorhin bezogen sich nicht auf die Sklaverei. Es ging darum, die Dinge billiger zu machen.

Zucker zum Beispiel war in Europa jahrhundertelang eine teure Rarität, verzehrt von Kaisern und Königen, bis Christoph Kolumbus im Jahr 1493, ein Jahr nach seiner ersten Fahrt, zum zweiten Mal die Neue Welt erreichte. Diesmal hatte er Zuckerrohr dabei, das damals auf kleinen Feldern auf den Kanaren wuchs. Innerhalb weniger Jahre entstanden in der Karibik große Plantagen. Was fehlte, waren Arbeiter.

1503 überquerte das erste Sklavenschiff den Atlantik. Es gibt Historiker, die in der Zuckerproduktion einen der Anfänge der Industrialisierung sehen: (….)

Zu Lebzeiten von Katherine Plymley ist Zucker das, was heute Erdöl ist: die meistgehandelte Ware der Welt. Er wird so billig, dass selbst Tagelöhner und Hilfsarbeiter ihren Getreidebrei süßen.

Den wahren Preis bezahlen die Sklaven.

Heute ist die Sklaverei abgeschafft. Stattdessen gibt es Überstundenzuschläge, bezahlten Urlaub und Kündigungsschutz. Das gilt vor allem für die Industrieländer, aber nicht nur. Auch in den meisten Entwicklungs- und Schwellenländern steigen die Löhne von Jahr zu Jahr. Noch immer gibt es Zwangsarbeit auf der Welt, noch immer schuften Arbeiter mancherorts für ein paar Münzen am Tag. Die Ausbeutung des Menschen ist noch existent, aber sie hat stark abgenommen.

Was zugenommen hat, ist die Ausbeutung der Erde. So wie damals die Sklaven als billige Arbeitskräfte dienten, dienen heute die Erde und ihre Atmosphäre als billige Rohstoffquelle, als Mülldeponie, als Auffanglager für Treibhausgase.

Seit den Lebzeiten von Katherine Plymley ist die globale Durchschnittstemperatur um ein Grad gestiegen.

Jetzt sind wir bald am Ziel, nicht wahr? Wir brauchen nur noch die Schuldigen. Der Autor weiß es, und lässt uns nicht im Stich. er sagt uns, was mit den Bäumen los ist, beschreibt uns die neuesten Bilder des Klimawandels, dessen Beschleunigung durch das Auftauen der Permafrostböden. Und bricht ab:

Aber genug davon. das alles wurde tausendfach beschrieben, tausendfach erklärt, jetzt soll es um die Schuldigen gehen, die Täter. Die britische Umweltorganisation Carbon Disclosure Project (CDP) hat einen Report veröffentlicht, der ihre Namen nennt. Saudi Aramco aus Saudi-Arabien ist dabei, Gazprom aus Russland, BP aus Grossbritannien, RWE aus Deutschland. Es sind die Konzerne, die das Öl, das Gas und die Kohle dieser Welt aus der Erde holen. Rund um den Globus gibt es Millionen von Unternehmen, aber nur 100 von ihnen sind nach Kalkulation von CDP für 70 Prozent der weltweiten Treibhausgas-Emissionen verantwortlich. Der Report ist eine beeindruckende Rechenarbeit. Und ein Dokument der Irreführung.

Wieder so eine journalistische Volte! Sollen wir ärgerlich werden? Wir brauchten doch ein glaubwürdiges Ziel unserer Wut, und zwar auf der Basis eines echten Beweisganges! Was soll das jetzt!? Moment, es geht noch ein paar Zeilen weiter, dann können wir eine Pause einlegen…

Denn so wie es damals im 18. Jahrhundert nicht die Sklavenhändler waren, die all den Zucker aßen, so verbrennt heute nicht Saudi-Aramco all das Benzin. Gazprom heizt nicht die Häuser. RWE verbraucht nicht den Strom. Wir tun das. Ich.

Es gibt noch andere Weltprobleme, aber der Klimawandel ist das einzige, für das nahezu jeder Weltbürger mitverantwortlich ist. Ich auch.

Wenn jeder Einzelne von uns sich so verhielte wie Katherine Plymley, brauchte es keine Klimakonferenzen mehr, keine Klimaabkommen, keine Klimaschutz-Gesetze, keine Demonstrationen. Wir müssten nur aufhören, Zucker zu essen.

Der Klimawandel mag ein politisches Problem sein, aber er ist vor allem auch ein privates. Das ist der Grund, weshalb ich in diesem Text von mir selbst schreibe.

Reden wir also über mich.

Ja, genau, wir müssen den Autor haftbar machen, vielmehr: namhaft. Ignorieren wir, dass er hintergründig uns alle in Haft nehmen will, lassen Sie es ihn persönlich ausbaden. Es muss doch einen solchen Artikel online zu lesen geben, und zwar unerbittlich, ohne Sprünge, irgendwo wird sich zeigen, dass er übers Ziel hinausschießt. Der Mann heißt Wolfgang Uchatius und sagt: „Ich habe kein schlechtes Gewissen mehr / Warum es in Ordnung ist, in den Urlaub zu fliegen, Fleisch zu essen – und trotzdem für mehr Klimaschutz einzutreten.“ DIE ZEIT 11. Juli 2019 Dossier Seite 13.
Nehmen Sie doch hier diese Titel-Zeile und geben Sie sie bei Google ein. Oder gehen Sie gleich zu den Leser-Reaktionen, da rühren sich auch nicht nur Dummköpfe, nämlich Hier.

Leider kann ich, was die Lektüre des originalen Papiers angeht, nicht verschweigen, dass hier auf der zweiten Seite (Seite 14) die Gefahr wächst, dass ich aussteige; es wird mir zu „anekdotisch“, besonders wenn der Autor von sich selbst als Thema zu der Lichtgestalt Leonardo DiCaprio übergeht. Dabei ist ja alles richtig und treffend gesagt, aber es ermüdet und weckt niedere Instinkte (Prominentenneid), – zu unrecht, aber es ist so! Bis man urplötzlich wieder ganz anwesend ist, auch wenn man bemerkt, dass man auf ein uraltes, aber offenbar unlösbares Problem gestoßen wird: die Tragik der Allmende. Nehmen Sie sich Zeit dafür! Sie ahnen, dass die Kuhweide – so überschaubar sie für die frühe Agrargesellschaft war – sich inzwischen in ein gigantisches Bild verwandelt hat, das auf den amerikanischen Philosophen und Ökologen Garret Hardin zurückgeht. Er verglich „die zertrampelten Weiden der Vergangenheit unter anderem mit dem überfischten Meer. Er schrieb, der freie, uneingeschränkte Zugang zum Allgemeingut führe zum Ruin aller“. Jedoch:

Von der mit Treibhausgasen angereicherten Atmosphäre schrieb er nichts. Ende der Sechzigerjahre dachten viele noch, die Erdatmosphäre lasse sich nicht von Menschenhand beeinflussen.

In Wahrheit ist sie die größte denkbare Kuhweide.

Hätte man damals, als auf der Wiese noch Gras wuchs, die Bauern gefragt, welches Problem ihnen am meisten Sorge bereite, hätten sie vermutlich geantwortet: die Überweidung. So wie die Menschen in Deutschland heute sagen: der Klimawandel. Danach hätten sie wieder ihre Kühe auf die Weide getrieben.

In der Debatte um den Klimawandel heißt es oft, die Menschen seien eben nicht zum Verzicht bereit. Ich glaube, das stimmt nicht. Hätte die Kuhweide im England des frühen 19. Jahrhunderts einem einzigen Bauern gehört, hätte er mit Sicherheit darauf verzichtet, zu viele Kühe grasen zu lassen. Das Problem sind die anderen.

Soweit wiederum Wolfgang Uchatius, und ich sehe den ganzen Leserkreis wie mich selbst in ein fast fieberhaftes Nachdenken verfallen, wie man das Problem lösen kann. Es muss doch gehen. Aber man ist schnell bei den politischen Radikalmaßnahmen, denn: wir haben keine Zeit mehr für einen demokratischen Wandel des Verhaltens (der „anderen“). Der Klimawandel ist schneller!

Jetzt kommt bei Uchatius wieder der anekdotische Teil (Helmgebrauch beim Eishockey). Ich springe einige Blöcke weiter:

Immer wenn im Zusammenhang mit der Klimapolitik jemand vorschlägt, etwas zu verbieten oder zu verteuern, heißt es, dies sei ein Angriff auf die Freiheit. Ich glaube, das stimmt, es geht tatsächlich um die Freiheit. Karl Marx hat dazu eine Geschichte geschrieben, sie ist ganz kurz: „Nach England kommt ein Yankee, wird durch den Friedensrichter gehindert, seinen Sklaven auszupeitschen, und ruft entrüstet: Do you call this a land of liberty, where a man can’t larrup his nigger?“ („Nennen Sie das ein freies Land, in dem ein Mann seinen Neger nicht durchprügeln kann?“)

Die Befreiung der Sklaven verringerte die Freiheit ihrer Herren. Genau wie später die Arbeits- und Sozialgesetze die Freiheit der Unternehmer verringerten. Durch den Kündigungschutz sind sie nicht mehr frei, ihre Arbeiter und Angestellten grundlos zu entlassen. (…)

All diese Gesetze, diese Verbote und Verteuerungen haben die Freiheit des Menschen, andere Menschen auszubeuten, eingegrenzt. Nun geht es darum, die Ausbeutung der Erde zu reduzieren. Auch das wird kaum möglich sein, ohne die Freiheit des Menschen ein wenig zu mindern. Der Klimawandel mag auch ein privates Problem sein, aber er ist vor allem ein politisches. Auch die Natur braucht Sozialgesetze.

Ich rate, auch den Schluss des großen Artikels nachzulesen, obwohl er mich ein bisschen enttäuscht. Es geht um die Freitagsdemonstrationen der Kinder, was sie bewegt haben und was sich in Zukunft bewegen könnte. Aber liege ich falsch, wenn ich mich an dieser Stelle nicht auf die Kinder („die Kraft der Schwachen“) verlassen möchte, sondern gerade für sie alles von der Politik erwarte? Und zwar Handlungsstärke in allen wesentlichen Fragen. Kein Warten auf Freiwilligkeit von seiten der Verursacher.

Quelle DIE ZEIT 11. Juli 2019 Dossier Der Mythos vom Verzicht ab Seite 13 Ich habe kein schlechtes Gewissen mehr Warum es in Ordnung ist, Auto zu fahren, in den Urlaub zu fliegen, Fleisch zu essen – und trotzdem für mehr Klimaschutz einzutreten. Von Wolfgang Uchatius.

P.S. Übrigens wurde die „Tragik der Allmende“ schon von Rolf Dobelli in seinem Bestseller „Die Kunst des klaren Denkens“ (München 2011) einleuchtend beschrieben, auch was die Freiwilligkeit der Gegenmaßnahmen betrifft. Er schließt mit den Worten:

Natürlich: Es gibt Leute, die sehr darauf bedacht sind, den Effekt ihres Handelns auf die Menschheit und das Ökosystem zu berücksichtigen. Doch jede Politik, die auf solche Eigenverantwortung setzt, ist blauäugig. Wir dürfen nicht mit der sittlichen Vernunft des Menschen rechnen. Wie sagt Upton Sinclairso schön: „Es ist schwierig, jemanden etwas verstehen zu machen, wenn sein Einkommen davon abhängt, es nicht zu verstehen.“

Kurzum, es gibt nur die beiden besagten Lösungen: Privatisierung oder Management. Was unmöglich zu privatisieren ist – die Ozonschicht, die Meere, die Satellitenumlaufbahnen -, das muss man managen. (Seite 79)

„Management“, so hatte er vorher erläutert, „kann zum Beispiel bedeuten, dass ein Staat Regeln aufstellt: Vielleicht wird eine Nutzungsgebühr eingeführt, vielleicht gibt es zeitliche Beschränkungen, vielleicht wird nach Augenfarbe (der Bauern oder der Kühe) entschieden, wer den Vorzug erhält.“

Das ist nicht nur ein Scherz: es muss eben von außen geregelt werden  – und nicht nach der Einschätzung der Einzelnen.

*    *    *

Ich verabschiede mich von dem beeindruckenden Artikel über die Stärke der Schwachen, die für Wolfgang Uchatius am Ende ausschlaggebend erscheint: sie müssen nur die Straßen bevölkern und zeigen wo es langgeht. („Sie haben dafür gesorgt, dass plötzlich fast alle Parteien über neue, echte Klimagesetze reden.“)

Das Reden hilft nur bedingt, man sieht es am Pariser Abkommen. Ein Hoffnungsschimmer zeigt sich erst, so scheint mir, wenn die Politik sich auf das Wortungetüm Postwirtschaftswachstum eingelassen hat. Und damit bin ich wieder am Anfang dieses Artikels.