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Ostersonnentag in Köln

Polke mit Dom

Blick aus der Polke-Ausstellung

Polke Blick hinaus

Blick in die Polke-Ausstellung „Bildergalerie“ HIER

Zitat aus dem „Ausstellungsbegleiter“ (Dr. Barbara Engelbach):

Um 1968 schuf Polke Gemälde, die sich mit Wahrnehmung und Aufnahme der modernen Kunst in der Nachkriegszeit auseinandersetzen. Werke der Moderne, die im Nationalsozialismus als „entartet“ geächtet wurden, stellte man in den 1950er und 60er Jahren aus, um an die Kunst vom Beginn des 20. Jahrhunderts wiederanzuknüpfen. Die grundlegenden Veränderungen der Gesellschaft durch Nationalsozialismus und Holocaust wurden zugleich ignoriert. Auf solche Verleugnungen reagierte Polke mit provokanten Bildern. So kann in dem Werk Konstruktivistisch im Ausschnitt ein Hakenkreuz entdeckt werden. Das Gemälde Negerplastik zeigt auf einem mit kitschigen Rehkitzen, rauchenden Häschen und kleinen Bären gemusterten Stoff eine aufgemalte afrikanische Skulptur. Sie steht im Kontrast zum trivialen Kinderstoff. Jedoch spielen sowohl der Stoff als auch die afrikanische Skulptur mit gängigen Klischeevorstellungen, einerseits von der Kindheit, andererseits von dem exotisch Fremden. Der Bildtitel verweist auf die Publikation Carl Einsteins von 1915, die erstmals die afrikanische Kunst und ihren Einfluss auf die moderne Kunst gewürdigt hatte. (…)

ZITAT Carl-Einstein-Gesellschaft

Die Ästhetisierung dessen, was die Völkerkunde zuvor [n]ur als difformes Objekt erkannte, hebt Einstein um 1920 wieder durch die Ethnologisierung seines Diskurses auf. Seit Mitte der 20er Jahre verschmilzt er ethnologisches und psychoanalytisches Denken und wendet sich mit solchermaßen geschärftem Blick der europäischen Kunst und Kultur selber zu („Ethnologie du Blanc“).

Ich hebe diesen Aspekt aus persönlichen Gründen hervor: in der Polke-Ausstellung sieht man auch einen Film, den der Künstler 1974 in Afghanistan und Pakistan gemacht hat. Es ist dieselbe Zeit, in der ich Afghanistan erlebte, beim Frühlingsfest im April 1974 entstanden in Kabul und Mazar-e-Sharif an die 200 Aufnahmen mit Musikern aus verschiedenen Regionen des Landes. Ich habe in ungetrübter, fast naiver Begeisterung zahllose Radiosendungen darüber gemacht, viele in Zusammenarbeit mit Abdul Wahab Madadi. Damals grassierte eine Art Afghanistan-Fieber. Ich erinnere mich an den Gitarristen Siegfried Böttner, der in den 60er Jahren noch ein Star der Neue-Musik-Szene war, Kagel-Werke in Darmstadt uraufführte, und verändert aus Afghanistan zurückkehrte. (JR)

Zur selben Zeit erschien das Kursbuch zum Thema Kleinbürgertum. Darin stellt Hans Magnus Enzensberger fest, es sei „die einzige Klasse, die Kunst und Mode, Philosophie und Architektur, Kritik und Design erzeugt.“ Der Ausruf „Wir Kleinbürger!“ lässt aber ahnen, dass jeder Angriff zweischneidig ist, hat doch – wie Enzensberger weiter schreibt – das Kleinbürgertum „jede alternative Regung unverzüglich enteignet und absorbiert.“

Quelle Textheft Ausstellungsbegleiter ALIBIS Sigmar Polke ( B. Engelbach)

NACHSPIEL

Zu den schönsten Abschlüssen eines Besuches im Kölner Museum Ludwig gehört – neben einer Mahlzeit im hauseigenen Restaurant – der Aufenthalt im Buchladen, ein Quell neuer Wünsche.

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Entdeckung: das posthum veröffentlichte Buch von Werner Hofmann „Die Schönheit ist eine Linie“ 13 Variationen über ein Thema. Verlag C.H.Beck München 2014. Ich liebe es, wenn sich langwierige (sinnvolle) Verbindungen ergeben, meinetwegen in Schlangenlinien, wie hier: zu einem bestimmten Kapitel in dem Buch „Was war Kunst?“ von Wolfgang Ullrich. Das Kapitel begann, genau wie Hofmanns Buch, mit der „Line of Beauty and Grace“ des englischen Malers William Hogarth (1697-1764)  und endete bei der Doppelhelix von Watson und Crick:

Ullrich Linie

Und von hier lenkt mich ein einziger Griff hinter mich ins Bücherregal zu der kleinen Schrift über das Schlangen-Ritual von Aby Warburg. (Aber mit Sigmar Polke hat dieses Ablenkungsmanöver wenig zu tun, obwohl… obwohl… man kann nie wissen…)

Warburg