Fotos, die nicht traurig machen

…nicht einmal in 10 Jahren. Eine Lehre aus Meer und Leere.

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März 2016 32 Pano

(Alle Fotos aus Texel: E.Reichow)

Der nächste Morgen

Texel x

Texel y Das Pferd

Andererseits: es geht auch darum, Traurigkeit zu ertragen. (Die Anregung kam von George Steiner: „Warum Denken traurig macht„. Vielleicht hält man sich jedoch besser an Albert Camus und den Mythos von Sisyphos. Und … jederzeit an Mozart, wobei die Traurigkeit auf glückliche Weise einbezogen wäre.)

Den entscheidenden Punkt vergaß ich: Ich bin nicht traurig. Aus unvernünftigen Gründen wache ich morgens auf und lebe gern. Und was Steiner angeht: Vielleicht ist dafür das abstrakte Denken erfunden. Anstelle des assoziativen Hin- und Hergleitens (Wandering Mind) die Absicherung durch das lineare Fortschreiten. Daher die Musik? Das Bedürfnis sich fortlaufend abzusichern: vom Basso Continuo zum durchgehenden Rhythmus der Popmusik, plus Vorgabe von 4-Minuten-Komplexen. Ein Beispiel für Abstraktion soll folgen. Zunächst: die Elster in der sonnenbeschienenen Eiche am Waldrand trägt einen dünnen Ast im Schnabel. Gottseidank keine Taube, sonst müsste ich an Zeichen und Wunder glauben.

Das Beispiel (an Ort und Stelle § 64) / ZITAT:

Versuche, den musikalischen Klang und den außermusikalischen Klang als gegenüberstehende Größen zu trennen, begreifen den musikalischen Klang als das Element einer Ordnung von unterschiedlichen Klängen. Sofern nun der musikalische Klang den Klang des musikalischen Kunstwerks bezeichnet, kann er indessen nicht als das Element eines solchen Ordnung begriffen werden. Denn das Kunstwerk wird als Kunstwerk nur der ästhetischen Vernunft zugänglich. Und die ästhetische Vernunft faßt das Kunstwerk nicht als ein Seiendes unter anderem Seienden auf. Ihre Ontologie kennt ausschließlich – gelungene oder mißlungene – Kunstwerke. Sofern das ästhetisch Seiende Klang ist, muß es daher der Klang des  musikalischen Kunstwerkes sein. Die Ordnung von unterschiedlichen Klängen, deren eines Element der musikalische Klang darstellt, ist hingegen eine Ordnung, die das klingende Kunstwerk als ein Element unter anderem Seienden auffaßt. Sie ist eine Ordnung nicht aus ästhetischer Vernunft. Die Versuche, den musikalischen Klang dadurch zu bestimmen, daß man ihn seinem Ort in einer Ordnung unterschiedlicher Klänge zuweist, verfehlen daher das ästhetische Sein des Klanges. Die ästhetische Vernunft bestimmt den musikalischen Klang nicht in Abgrenzung zum außermusikalischen Klang, sondern durch die Darlegung seines Eigensinnes. Sie begreift ihn in seiner Autonomie.

Quelle Gunnar Hindrichs: Die Autonomie des Klanges / Eine Philosophie der Musik / suhrkamp taschenbuch wissenschaft Berlin 2014 (Seite 98)

Sind Sie ungeduldig geworden? Genau dies zu überwinden, dazu dient die Lektüre. Siehe hier die – vor Wochen noch etwas versteckt angedeutete – Quelle. Versteckt, weil mir die Bedeutung (der Wert des Werkes für mich) noch nicht klar war. Jetzt bin ich weiter, zumal mit August Halm (ab Seite 204) und der zentralen Behandlung der Kadenz ein Punkt erreicht werden dürfte, von dem sich ohne Komplikationen eine Linie nach Indien ziehen lässt (unter Einbeziehung des Gedankens von der „Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen“). Und ohne diese Möglichkeit wäre es für mich keine akzeptable Theorie der Musik.

Zugegeben: es gibt Stellen der absoluten Entmutigung, etwa über extensive und intensive Größe (Seite 118 f), mit Bezug auf Kants Kritik der reinen Vernunft und Cohens Interpretation des Differentials. Stocken Sie nicht, gehen Sie weiter. Nicht warten, bis Sie Kant und Cohen vollständig im Original gelesen haben. Wer weiß, was der kluge Autor über dem Schreiben dieses Buches an lebendiger Musik versäumt hat… Wollen wir es ihm verübeln? Vergessen Sie nicht, ins Freie zu blicken. Oder in die seltsam verschlungenen Landschaften, die sich unvermutet überall in der „konkreten Realität“ öffnen.

Texel De Hors Überblick Wieder einen Tag später…