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Was unter den Nägeln brennt

Wird weitergeschwiegen?

Es ist nicht meine Sache, ich will nur mein Gewissen beruhigen. Mein Glück ist: ich bin nicht jung genug. Und – es hat auch keinen Sinn, ironisch zu sprechen. Noch weniger: zu schweigen. Tua res agitur: Hier, hier und hier.

  1. Klimakrise

    «Da muss man doch einfach mal sagen: Schluss!»

    Der ETH-Forscher Reto Knutti kann der Klimapanik durchaus etwas abgewinnen – aber Probleme löse man damit nicht. Im Interview spricht er über den Sinn von Klimamodellen, auftauende Methanblasen und den verflixten Permafrost.

    Interview: Franziska Meister und Daniel Stern

    WOZ: Herr Knutti, diesen Sommer gab es erneut rekordhohe Temperaturen, schwere Stürme und Brände rund um die Arktis. Sehen wir hier die Folgen der Erderhitzung?
    Reto Knutti: Grundsätzlich ist der Mensch der dominante Faktor in der langfristigen Klimaveränderung. Am offensichtlichsten zeigt sich das an der globalen Erwärmung und am Anstieg der Meeresspiegel. Je mehr wir jedoch auf die lokale Ebene oder auf Extremereignisse fokussieren, desto komplizierter und schwieriger wird es, eine Verbindung zu schaffen. Es ist nicht das Einzelereignis, das als Folge des Klimawandels in einen direkten kausalen Zusammenhang gerät – es ist die Änderung der Häufigkeit solcher Extremereignisse. Weiterlesen HIER

    Warum schweigen wir? Siehe Fritz Habekuss DIE ZEIT Jahresrückblick 2019 1. Dezember 2019 Seite 34 Dichter am Gipfel ZITAT:

    Als Reporter für Umwelt und Natur ist man dramatische Nachrichten gewohnt. Es vergeht kein Tag, an dem ich mich nicht damit beschäftige, in welchem Zustand sich Ökosysteme befinden, wie schnell die Vielfalt von Tieren und Pflanzen um uns herum schwindet und was die Gründe dafür sind. Doch als am 6. Mai der Weltbiodiversitätsrat der Vereinten Nationen (IPBES) seinen Bericht vorstellt, muss ich schlucken. Dieses Dokument zu lesen, das zusammenfasst, was wir über den Zustand der Natur auf unserem Planeten wissen, ist grausam.

    Eine Million Tier- und Pflanzenarten sind bis zum Ende des Jahrhunderts vom Aussterben bedroht. Seit Beginn der Neuzeit sind mindestens 600 Wirbeltierarten ausgestorben. Mehr als 90 Prozent der Fischbestände werden maximal befischt oder überfischt. Bis zu 400 Millionen Tonnen Müll landen jedes Jahr in Flüssen und Meeren. Die Liste ist sehr lang, die Aussage klar: Der Mensch gefährdet das Überleben vieler Populationen und Arten auf dem Planeten – und damit auch sein eigenes.

    Die Nachricht müsste Veränderungen oder sogar Panik auslösen, aber nach ein paar Tagen ist sie wieder aus den Schlagzeilen verschwunden. Shifting baselines nennen Ökologen diesen Vorgang. Der Mensch gewöhnt sich an einen neuen Normalzustand und richtet dann seine Bewertung daran aus. Nicht an dem, was üblich war. Auch im Bericht des IPBES spielt dieses Konzept eine Rolle.

    Nachtrag zu Reto Knutti (aus der WoZ): Der 46-Jährige ist Professor für Klimaphysik an der ETH Zürich. Er forscht und lehrt zu den Hintergründen und Folgen der Erderhitzung und beschäftigt sich insbesondere mit der Frage, wie die Projektionen von Klimamodellen noch zuverlässiger gemacht werden können. Seit 2001 arbeitet Knutti an den Klimaberichten des Weltklimarats IPCC mit, im fünften und bislang letzten Sachstandsbericht von 2013/14 gehörte er zu den HauptautorInnen.

  2. China.  Ich weiß nicht mehr genau, in welchem Jahrzehnt es war, Ende der 70er, oder eher 80er Jahre, da kam ein türkischer Journalist in mein WDR-Büro und zeigte mir eine Reihe schöner Fotos: er wollte mich auf seine Vorfahren in China aufmerksam machen: die Uiguren und ihre alte Hauptstadt Kaschgar. „Mein Name selbst sagt, dass ich zu ihnen gehöre, versicherte er“: Yüksel Ugurlu. Nur den Nachnamen habe ich behalten, weiß nicht einmal, ob er damals eine Sendung für mich gemacht hat, ich fürchte, er hatte keine Musikaufnahmen und verstand auch nicht viel von Musik, aber er sprach mit Begeisterung, so dass ich es nie vergaß, ohne zu wissen, was aus ihm wurde. Heute, nachdem ich durch äußeren Anlass daran erinnert werde, kostet es mich einen Klick. Hier.                                                           DER SPIEGEL 30.11.2019 Seite 82 Bernard Zand: Schaut auf Xinjiang Essay Titel: „Von allen verstörenden Seiten des modernen China ist das Vorgehen gegen die Uiguren die verstörendste. Der Westen darf das unmenschliche Lagersystem nicht tolerieren.“ ZITAT […] ein Leben in Xinjiang ist gefährlich. Wer mit den falschen Leuten, gar mit Ausländern redet, wer die falschen Bücher liest, falsche Websites öffnet oder falsche Gedanken äußert, kann in derselben Nacht noch verhört oder eingesperrt werden. Hunderttausenden, wahrscheinlich mehr als einer Million Menschen ist es so ergangen. Peking hat im Stammland der muslimischen Uiguren einen Überwachungs- und Bestrafungsstaat errichtet, wie ihn die Welt so noch nicht gesehen hat.                                                                                                                                Soweit der SPIEGEL. In Sforzato-Sprache. Ich kann es nicht beurteilen, ich war nie dort… Habe aber gestern Abend die Sendung ttt gesehen, deren bräsigen Moderator ich schwer ertrage, ganz besonders, wenn er sich zur Musik aufschwingt (gestern in Gestalt der steilen Thesen des David Byrne) – aber die Bilder arbeiten subkutan weiter: HIER .
  3. Das mangelnde Vorstellungsvermögen / Was mich sonst noch bewegt, ohne dass ich resignieren muss: es betrifft auch die sich – womöglich – vermindernden Fähigkeiten, die man zum eigenen Besten nicht leugnen sollte. Oder doch: Schweigend agieren und kompensieren.
  4. Neue CDs: Johannes Kreidler „Piano Music“ mit Martin Tchiba / Dieterich Buxtehude Complete Organ Works mit Harald Vogel / Luigi Nono, Salvatore Sciarrino „Parole e Testi“ mit der Schola Heidelberg und dem Ensemble Aisthesis Leitung Walter Nußbaum /                                                                                                                                  Hören Sie zunächst dies (ohne es lauter zu stellen, – sage ich in Ihrem eigenen Interesse), schauen Sie einfach zu, und vergessen Sie nicht, es am Ende auszuklicken: Hier! Es ist nicht Martin Tchiba, der spielt