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Indische Musik in der Elbphilharmonie

Dhruba Ghosh & Stephanie Bosch 21. Januar 2017

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Unangefochten vom Nebel draußen:

Dhruba a Screenshot 2017-01-24 06.55.42

Info in drei Screenshots, das Programmheft (Hinweis im folgenden Bild) kann man nicht hier, sondern auf dem Website-Original real aufrufen: hier)

Dhruba b Screenshot 2017-01-24 06.56.14

Kurzbericht 23.1. im Hamburger Abendblatt hier.

Dhruba c Screenshot 2017-01-24 06.56.30

Probe

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Über Monitor

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Im Konzert

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Einführung

JR Elbphilharmonie b

JR Elbphilharmonie aa  Ragas Dhruba handgeschrieben

Er bewegt sich sogar. Und verfügt inzwischen über die von Dhrubas Hand notierte Programmfolge:

Bansuri Solo: Raga Vachaspati (Jhaptal) / Sarangi Solo: Raga Charukeshi

(Pause)

Sarangi/Bansuri Jugalbandi 1) Raga Jog 2) Raga Kirwani

Die Interpreten: Dhruba Ghosh, Sarangi und Gesang; Stephanie Bosch, Bansuri; Niti Ranjan Biswas, Tabla; Gert-Matthias Wegner, Tambura.

***

Aus der Einführung (Anhaltspunkte der Moderation)

Hamburg Raga MOD a  Hamburg Raga MOD b

Ein Hauptaspekt ist für mich immer: falsche Erwartungen zu mindern. Indische Musik ist kein esoterisches Gesäusel, und der von Anfang bis Ende durchgehaltene Grundklang ist keine Einschränkung, sondern die Voraussetzung guten Hörens: wie der ebene Boden für den aufrechten Gang. Der Rhythmus in Gestalt der Tala-Periode ist keine gefällige Untermalung, sondern Rahmen-Bedingung, die ein „kontrapunktisches“ Mitdenken stimuliert. (Daher das Musikbeispiel der „lärmenden“ Tempelmusik. Der Hinweis auf den Ursprung der abendländischen Musik im Engelsgesang, ihre Ächtung der angeblich teuflischen Momente. Siehe Reinhold Hammerstein „Diabolus in Musica“ 1974.)

Ich will demnächst – anhand einer Sendung in SWR2, deren Link ich, soweit ich weiß, einem Hinweis von Patrick Hahn auf facebook verdanke, – der Frage nachgehen, was eine Einführung überhaupt bringen kann, sagen wir, im Vergleich zum Programmheft. Vermutlich erwarten die Interpreten viel Biographisches und Instrumentenkundliches, was aber fürs Publikum eher langweilig wirkt (die Aufzählung der Preise und Lebensstationen…). Und danach bleiben die Leute ja mit der Musik völlig allein, die durchaus nicht als Irrgarten gemeint ist: man muss einfach mit den Grundbegriffen vertraut sein. Zum Beispiel: das Thema erkennen („the composition“), seine Wiederkehr, die Tala-Periode (das „Fluss-Bett“), auf der es schwimmt, an der es sich „reibt“. Die Gefahr ist, dass der Moderator unvermerkt zum Oberlehrer wird, obwohl er sich selbst gewiss zur Schülerschaft rechnet…

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P1080265 (Alle Fotos: E.Reichow)

Das Konzert war anspruchsvoll, auch physisch: die Stühle relativ hart, und man sitzt in Tuchfühlung mit den Nachbarn, man wahrt also notgedrungen eine unveränderliche Meditationshaltung. Der erste Teil dauerte von 19:30 bis 21:00 Uhr; falls man zwischendurch raus will und nicht ganz am Rande sitzt, stört man wirklich alle, an denen man sich vorbeizwängt. Aber kaum jemand verließ den Saal, und nach der fast halbstündigen Pause fehlten erstaunlich wenige in der ausverkauften Halle. Wer den zweiten Teil erlebt hat, das faszinierende Wechselspiel zwischen Sarangi und Bansuri (Jugalbandi), gerade auch die sehr ausgedehnte Interpretation des Ragas Jog, – der ebenfalls hinreißende Raga Kirwani wirkte wie eine Zugabe -, der wird sie vielleicht für den Rest das Lebens als Highlight musikalischer Kommunikation in Erinnerung behalten. Nebenbei empfand ich das Überlappen der Stimmen, aus dem sich reizvolle Parallel-Wirkungen und wunderschöne Reibungen ergaben, als unerwartete, lebendige Illustration meiner Ausführungen: dass die indische Musikkultur eben keiner Harmonik bedarf, da sie den Kontrapunkt zwischen Melodie und Rhythmus auf die Spitze treibt, darüberhinaus aber auch noch solche Wirkungen der quasi zufälligen „Heterophonie“ auskosten kann. Und diese Ausgewogenheit zwischen Schönheit der Linien und Brillanz der virtuosen Mittel bleibt unvergesslich! Der einzige Wermutstropfen: man wird diese Sternstunde indischer Musik weder im Radio noch auf CD wieder aufrufen können. Man kann nur auf ein weiteres Konzert warten. Und die Weiterführung der Reihe WELTMUSIK in Zukunft lässt einiges erhoffen.

Die zwei Raga-Beispiele der Einführung stammten von Dhruba Goshs CD (1994!) „Bowing Sounds from Dawn to Moonlight“ (fonti musicali fmd 202 Bruxelles), die Nagasvaram-Musik aus dem Hindu-Tempel von unserer WDR-Aufnahmereise Sri Lanka Februar 1979. 

Abschied

Wegner & Dhruba HH 170121 Foto: Uscha Wegner

V.l.n.r.: JR, Pandit Dhruba Ghosh, Dr. Herta Wegner, Prof. Dr. Gert-Matthias Wegner

Den Raga Jog, der im zweiten Teil des Hamburger Konzertes im Jugalbandi (Sarangi & Bansuri) zu hören war, kann man auch in einer wunderschönen Solo-Aufnahme mit Dhruba Ghosh (und Yogesh Samsi, Tabla) vom 28. März 2015 in Calgary im Internet abrufen:

Fortsetzung Teil II (Gat, bei Tabla-Einsatz) HIER.

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Das Indische Konzert in der Elbphilharmonie gehörte übrigens zur Planung der Agentur alba kultur (Birgit Ellinghaus). Es lohnt sich, dort jederzeit in die Terminplanung zu schauen. Für die eigene Terminplanung. Siehe HIER.

Ich habe mir vorgenommen, durch nichts meine dort avisierten Termine im Mai erschüttern zu lassen: zwischen dem 3. und dem 19. Mai das Ensemble BADAKHSHAN. Und ich werde hier in diesem Blog rechtzeitig beginnen zu rekapitulieren, was ich über diese Musik gelernt und notiert habe, und versuchen zu begründen, weshalb sie sich mir eingebrannt hat, – als stamme sie nicht von ungefähr aus einer Erdregion, die der Sonne (dem Himmel) besonders nahe ist.

Badakhshan Screenshot „The Badakhshan Ensemble“

Gute Akustik & ein Stück Holz

Hamburger Elbphilharmonie (mit Blick zurück)

Wer die Chance hat, über kurz oder lang das neue Hamburger Konzertgebäude zu besuchen, könnte meinen, nicht die Musik stünde im Mittelpunkt, sondern die Akustik. Man wird, wenn man dort war und in die Provinz zurückgekehrt ist, für lange Zeit ein Alleinstellungsmerkmal herauskehren können: Kinder, ganz gleich, was da gespielt wird, man muss es live erlebt haben! Und schon hat man Gehör. Ja, ist es denn wirklich so… wo hast du denn gesessen… hinter der Orgel? Ganz oben soll es ja sogar besser sein als vorn, wo die Kontrabässe einem den Rücken zukehren. Ich würde vielleicht damit beginnen, dass auch Weltmusik in diesem Programm einen Platz hat, und indische Musik – die große klassische Alternative zur westlichen Musik – gleich in den ersten Wochen präsentiert wird. Meine Frage: was sagen die Akustiker? Mit oder ohne Beschallung? Werden sich die Probleme der allerersten Zeit – in Köln 1970 – wiederholen, dass die Musiker sich nicht im geringsten für die Akustik des Saales, um so mehr aber für eine leistungsfähige PA-Anlage interessieren?

Ich bin sicher, man wird sich in Kürze wieder mehr mit der Musik als mit der speziellen Eigenart des Klangs im Raum beschäftigen. Auch wenn Hengelbrock selbst Öl ins Feuer gegossen hat, indem er nach den ersten Proben sagte, den Musikern seien unter dem Eindruck dieses Klanges Tränen in die Augen getreten. Auch im Saal? Auch wirklich auf allen Plätzen? Der Kritiker der WELT rächt sich genüsslich für seinen – nach Selbsteinschätzung – schwer benachteiligten Platz: Block I, Reihe Vier, Platz 24. („Bitte merken! Ich schaue auf das Orgelspielpult, schräg daneben sind die Hörner positioniert“), ich mag daraus nicht zitieren, soviel Wut ist nicht gut: Jaroussky, ja, den mag er, aber „die nur schnarrende Harfe seiner Partnerin könnte auch ein Zigarrenkistchen mit Paketschnüren sein.“ Danke, Sie dürfen sich wieder setzen! Platz 24, Reihe Vier, Block I.

Auch Christine Lemke-Matwey widmet sich sehr ausführlich dem Phänomen Akustik, aber liebevoll und anregend, dennoch nicht ganz unkritisch.

Und das wäre auch, unter Vorbehalt, ein erster leiser Kritikpunkt: dass man keineswegs, wie fleißig gestreut wurde, auf allen Plätzen des Saals gleicht gut hört. Sicher wird man im Parkett nicht unbedingt schlechter bedient, je nach Besetzung und Repertoire, aber in jedem Fall hört man anders und anderes. Für die Souveränität des Publikums stellt dies eine Herausforderung dar: Sich seinen Platz in Zukunft nicht vom Abonnement diktieren zu lassen (oder vom Geldbeutel), sondern ihn idealerweise nach dem jeweiligen musikalischen Ereignis auszuwählen, setzt enorm viel Kenntnis, Hörerfahrung und Flexibilität voraus. Wenn es von der Intendanz überhaupt so gewollt ist.

Wo immer man sitzt: Man fühlt sich auf Anhieb wohl.(…)

Die Virtuosität, mit der Herzog & de Meuron das sogenannte Weinberg-Modell interpretieren, die terrassenförmig aufgefächerte Anordnung von Parkett und Rängen mit der Bühne in der Mitte, verheißt Gleichberechtigung, pure Demokratie.

Quelle DIE ZEIT 12. Januar 2017  Seite 42 Der Übermut wird hier Klang – Endlich ist die Hamburger Elbphilharmonie eröffnet worden. Welchen Spiegel hält sie ihren Besuchern vor? Von Christine Lemke-Matwey.

Nur kurz ein Blick in die Süddeutsche von heute:

Dieser Saal ähnelt trotz seiner Riesengröße einem kleinen, hellen und einladenden Vulkankrater, in dem das Publikum stets in Tuchfühlung auf vielen verwinkelt aufsteigenden Rängen rund ums Orchesterpodium sitzt. Einladend wirkte der Saal schon bei der Vorbesichtigung. Aber erst das Publikum verwandelt ihn in eine lebenswerte Stätte, an die jeder der Anwesenden gern zurückkehren wird. Das ist das größte Kompliment, das man so einem Bau machen kann.

Undsoweiter, alles lesenswert und klug, und  – wie ich finde – ganz besonders an dieser Stelle:

Nun ist aber die Frage der Akustik letztlich zweitrangig, auch wenn sie in letzter Zeit zunehmend leidenschaftlich diskutiert wurde und zum Kernstück jedes Konzertsaalneubaus stilisiert wird. Sie kann hilfreich sein, aber sie entscheidet nicht darüber, ob ein Musiker gut spielt oder ein Konzert gelingt. mit der guten oder schlechten Akustik eines Raumes muss sich ein Musiker abfinden, das gehört zu seinem Job.

Danach geht der Kritiker mit Begeisterung auf den Countertenor Philippe Jaroussky ein, leider ohne das „Zigarrenkistchen mit Paketschnüren“ zu rehabilitieren, aber immerhin die Eignung des Saales:

Die Akustik Yasuhisa Toyotas ändert rein gar nichts an Jarousskys phänomenalem Können. Sie erlaubt es aber dem Konzertbesucher, jede noch so feine Nuance seines Gesangs zu hören. Das allein ist schon grandios. Sollte Toyota etwa einen sehr, sehr großen Kammermusiksaal ertüftelt haben?

Quelle Süddeutsche Zeitung, 13. Januar 2017 Seite 11 Eroberung des Nutzlosen – Begeistert feiern die Hamburger am Eröffnungsabend ihre Elbphilharmonie. Nur die Akustik überzeugte nicht recht. Lag es am Bau – oder nur am Orchester? Von Reinhard J. Brembeck.

Der folgende Text könnte Besucher mit völlig anderen Musikinteressen in das Neue Gebäude im Hamburger Hafen, dem alten Tor zur Welt, ziehen.

Auch außereuropäische Musik gehört in die Elbphilharmonie! Denn auch Kulturen anderer Länder haben ihre eigene »Klassik« entwickelt; komplexe Kunstmusik, die über Jahrhunderte weitergegeben und verfeinert wurde. Die klassische Musik Indiens beispielsweise wird nicht nur von der Sitar geprägt, sondern auch vom beeindruckend farbenreichen Klang der Streichlaute Sarangi. Die aktuelle Renaissance dieses Instruments ist nicht zuletzt Verdienst des Meisters Dhruba Ghosh, der die traditionelle Spielweise perfekt beherrscht.

Es gibt Bilder und Informationen dazu HIER.

„Basically one piece of wood…“

Die Sarangi ist (fast) unabhängig von der Akustik, – denn sie hat Resonanzsaiten.

Einführung in die Kunst des Sarangi-Spiels durch Dhruba Ghosh:

Ablauf des Videos:

Spiel bis 1:47, dann Erläuterungen: Holz-Corpus, die Saiten, Tonumfang (ab 3:39), Spielweise links (Nagelbett) (ab 3:58), Saitenübergänge (ab 4:41), verschiedene Bögen (ab 5:10), auch Kontrabass-Bogen, verschiedene Kontakstellen des Bogens (ab 7:29), zwei Saiten gleichzeitig, Bogentechniken (ab 8:22), Ornamente linke Hand (ab 9:02), Vibrato, Andolan, Obertöne (ab:12:02), Schlagen & Zupfen (ab 13:33), Übungen & Varianten (ab 14:22), Zusammenarbeit mir Komponisten, Notationen (ab 15:46), Raga Mishra Pilu (ab 16:41 bis 18:07).

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Indische Konzerte der ersten Jahre (Start 1970) im WDR Köln (aus der Liste 1970 – 2005)

Konzerte Indien a  Konzerte Indien b

Die Zuneigung des WDR blieb über die Jahrzehnte erhalten, auch über den 6. Dezember 2005 hinaus: da fand zu meinem Abschied das große „d’amore“-Konzert im Kölner Sendesaal statt, eine Meisterleistung meines Mitarbeiters und Freundes Dr. Werner Fuhr, der im vergangenen Jahr nun selbst pensioniert worden ist: auf dem Foto im Mittelpunkt Dhruba Ghosh. Von links: Werner Fuhr und JR.

WDR Sendesaal Screenshot 2017-01-14 17.12.56 s.a. HIER

Man könnte also sagen: in Hamburg schließen sich mehrere Kreise, wenn man sich nicht zugleich wünschte, dass sich neue Kreise öffnen. Zum Beispiel in Gestalt der Flötistin Stephanie Bosch. Zu erwähnen wäre noch, dass ein Mann der ersten Stunde mit auf der Bühne sitzt: an der Tambura: Prof. Dr. Gert-Matthias Wegner. Er hat die Familie Ghosh von Anfang an mit Radio-Sendungen zur Indischen Musik begleitet und hat als ausgebildeter Tabla-Spieler und Musikethnologe selbst Großes geleistet, nicht nur in Indien und in Nepal, sondern auch – als Nachfolger des unvergessenen Josef Kuckertz – in Berlin. Und dies ist sein großes Werk aus dem Jahre 2004, „dedicated to the memory of my Guruji, Pandit Nikhil Ghosh“:

Tabla Repertory Wegner Tabla Repertory Widmung

unbezahlbar: der Textteil              etwas schwieriger: der „Noten“-Teil

Nikhil Ghosh Stories    Nikhil Ghosh Notationen

atemberaubend: 2 CDs mit der entsprechenden Musik

Nikhil Ghosh Wegner CD

Ausblick

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